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Mens sana in corpore sano – was schrieb Juvenal? von Jan

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PHYSIO-Startseite/SPORTMEDIZIN/ Nr. 56
(10 Seiten insgesamt)
Stand: 19. April 2007
Mens sana in corpore sano – was schrieb Juvenal?
von Jan Steinhilber
janstein@students.uni-mainz.de
Seminararbeit für das Interdisziplinäres Seminar: Sport und Gesundheit
– alternative Reflexionen aus soziologischer und medizinischer Sicht
Seminarleitung: Prof. Dr. Dr. M. Messing und Prof. Dr. med. H.-V. Ulmer
Institut für Sportwissenschaft, FB 02, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Abgabetermin: 8.4.2007
Inhaltsverzeichnis
Seite
1 Einleitung
1
2 Persönliche Erfahrungen
1
2.1 Grundschulzeit
2.2 Gymnasialzeit
2.3 Nach der Schulzeit
1
2
2
3 Vorgehensweise
2
3.1 Zur Person von Juvenal
3.2 Satire Nr. 10 von Juvenal
3.3 Beispiele aus Vergangenheit und Gegenwart
zur Handhabung von „Mens sana in corpore sano“
3
3
4
4 Eigene Überlegungen zum Zitat Juvenals
6
5 Schlussbetrachtung
7
5.1 Zu den Beispielen aus Vergangenheit und Gegenwart
5.2 Schlussfolgerungen
7
7
6 Ausblick
9
7 Zusammenfassung
9
Literatur- und Quellenverzeichnis
10
Erklärung
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1. Einleitung
Viele von uns dürften schon mindestens einmal mit dem Zitat „Mens sana in corpore sano“ in
Kontakt gekommen sein. Damit werden die unterschiedlichsten Auffassungen verbunden, sei
es aus sportlicher Sicht, aus philosophischer Sicht oder aus einem anderen Zusammenhang
heraus.
Dennoch stellt sich zunächst die Frage: was heißt eigentlich „Mens sana in corpore sano“ und
woher stammt überhaupt dieses Zitat?
Wer in einem Lexikon nachschlägt (z.B. BROCKHAUS, 1991, S. 470) oder der lateinischen Sprache mächtig ist, der wird zu folgender Übersetzung kommen: „Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“.
Es geht also in diesem Zusammenhang um Geist, Gesundheit und Körper. Was steckt jedoch
dahinter? Heißt es etwa, dass wir viel Sport trieben sollen oder gar müssen, um gesund zu
bleiben? Und hängen Intelligenz und Fitness zusammen?
Der Autor wird in den folgenden Kapiteln versuchen, genau diese Fragestellungen aufzugreifen. Dabei wird auch der Ursprung des gängigen Zitates „Mens sana in corpore sano“ näher
betrachtet.
2. Persönliche Erfahrungen
2.1 Grundschulzeit
Schon während der Grundschule wurde der Autor mit der Bedeutung von Sport und Gesundheit bekannt gemacht, jedoch zunächst ohne Hinweis auf das oben genannte Zitat „Mens sana
in corpore sano“. Er wurde in regelmäßigen Abständen durch den Sportlehrer in der Schule,
aber auch durch den Trainer im Verein dazu ermuntert, regelmäßig Sport zu treiben, damit
man gesund und fit bleibt. Dies bezog sich vor allem auf die Ferienzeiten, in denen weder
Schulsportunterricht noch Training im Verein stattfanden. Deshalb wurde die Gesundheit damals durch den Autor nur unter physischen Gesichtspunkten gesehen, das heißt der „gesunde
Geist“, wie er im bereits bekannten Zitat „Mens sana in coprore sano“ genannt wird, konnte
noch nicht zugeordnet werden. Dennoch übernahm der Autor die damalige Auffassung, dass
ein gesunder Körper für ein gesundes und langes Leben sorgt.
2.2 Gymnasialzeit
Während der Gymnasialzeit (Oberstufe) gab es dann den ersten Kontakt mit dem oben genannten Zitat. Hier teilte der Sportlehrer des Autors seinem Sport-Leistungskurs mit, dass alle
Schüler auch nach der Schule Sport treiben sollten, da schon die alten Römer zu sagen gepflegt haben sollen, dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper steckt. Das bekannte
Zitat wurde seitens des Lateinlehrers nie angesprochen oder verwendet. Der römische Dichter
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Juvenal war dem Autor zwar bekannt, aber nicht im Zusammenhang mit dem Zitat „Mens sana
in copore sano“. Auch wurde der Latein-Lehrer nie auf das Zitat angesprochen. Somit hat der
Sportlehrer den Autor in seiner Meinung über das bekannte Zitat beeinflusst. Er ging nun davon aus, dass Sport und Intelligenz in engem ursächlichem Zusammenhang stehen, ein Teilaspekt, weshalb der Bezug zum Sport immer erhalten geblieben ist.
2.3 Nach der Schulzeit
Bis zur Erforschung des Themas dieser Seminararbeit war die Auffassung des Sportlehrers
präsent und wurde nie in Frage gestellt. Andere Auffassungen gab es nicht oder besser gesagt, diese wurden erst gar nicht gesucht. Die Auffassung des Sportlehrers schien zu logisch,
um sie anzuzweifeln. Dass auch körperlich kranke Menschen geistig fit sind, wie beispielsweise
der Physiker Stephen Hawking (BROCKHAUS, 1989, S. 563) oder der Schriftsteller Christy
Brown (BROWN, 1990), war zwar damals schon bekannt, wurde aber mit dem Zitat des Sportlehrers nicht in Verbindung gebracht. Der Autor ging davon aus, dass ein gesunder Körper für
einen gesunden Geist sorgt und die beiden Begriffe somit ursächlich zusammenhängen, während dies bei einem „ungesunden“ Körper nicht automatisch gewährleistet ist.
3. Vorgehensweise
Im Zuge der Vergabe aller Seminarthemen erfuhr der Autor erstmals, wer der Urheber des bekannten Zitates „Mens sana in corpore sano ist“. Es handelt sich hierbei um den römischen
Dichter Juvenal, dessen Name dem Autor bereits seit Schulzeiten bekannt war (vgl. Seite 2,
Kapitel 2.2).
Im Folgenden werden nun die Person Juvenals, dessen Satire mit dem bekannten Zitat sowie
weitere Beispiele über den Umgang mit „Mens sana in corpore sano“ vorgestellt.
3.1 Zur Person von Juvenal
Juvenal (Decimus Iunius Iuvenalis) war ein römischer Satirendichter des ersten und zweiten
Jahrhunderts nach Christi Geburt. Seine genauen Lebensdaten sind nicht bekannt: eine Lebenszeit von ca. 60 -140 n. Chr. (BROCKHAUS, 1990, S. 311), aber auch von 55 - ca. 138 n. Chr.
(KNOCHE, 1971, S. 89/91) wird genannt.
Juvenal schrieb insgesamt 16 verschiedene Satiren, unter anderem über sexuelle Ausschweifungen, sündiges Großstadtleben, Umgang mit Klienten, Erbschleicherei, Habsucht und Soldatenhochmut (LAMER, 1995, S. 349). Er wollte damit einen Einblick in das Alltagsleben der Römer geben und übte Kritik an verschiedenen Gesellschaftszuständen. Seine bekanntesten Redewendungen lauten „Panem et circenses“ sowie „Mens sana in corpore sano“.
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3.2 Satire Nr. 10 von Juvenal
Um dem Zitat „Mens sana in corpore sano“ auf den Grund gehen zu können, muss die Quelle
gefunden werden, in der das Zitat erstmals verwendet wurde.
Es handelt sich hierbei um Juvenals zehnte Satire; die bekannte Redewendung findet sich in
Vers 356 wieder. Jedoch sind lateinische Sätze für ihre Länge und Verschachtelungen bekannt. Auch hier gibt es keine Ausnahme. Die Redewendung ist nur ein Bruchteil vom Ganzen
und findet sich im Zusammenhang zwischen Vers 354 und 357 wieder. Im Folgenden wird nun
einen Blick auf die hier genannte Verse geworfen, um den Zusammenhang begreifen zu können (s. Tafel 1).
Tafel 1: Lateinischer Text mit anschließender deutscher Übersetzung (KNOCHE, 1950, S. 103104, aus ULMER, 1991)
„Nil ergo optabund homines?
„Sollten sich die Menschen denn gar nichts
wünschen?
si consilium via, permittes ipsis expendere nu- Lass dir raten: Überlasse es schon den Götminibus quid conveniat nobis rebusque sit utile tern was dir zukommt und sie dir bescheren.
nostris. /
/
ut tamen et poscas aliquid voveasque… orandum est ut sit mens sana in corpore sano,
fortem posce animum mortis terrore carentem,
…“
Damit du aber dennoch etwas zu erflehen
hast, … solltest du um einen gesunden
Geist in einem gesunden Körper beten,
bete um mutigen Sinn, der sich nicht vor
dem Tode fürchtet, …“
Wer die gesamte Satire liest, erlangt noch mehr Kenntnisse und erkennt den Zusammenhang.
Darin steht nämlich in Anlehnung an eine inhaltliche Zusammenfassung der zehnten Satire von
Joachim Adamietz (ADAMIETZ, 1986, S. 275-277), dass Juvenal den Menschen kritisiert, der
das Richtige oft nicht vom Falschen unterscheiden könnte und deshalb Wünsche an die Götter
äußerte, die den Menschen selbst ins Verderben stürzten. Dabei nennt er Wünsche wie z.B.
den Wunsch nach Reichtum, politischer Macht, Redekunst, Kriegsruhm, einem langen Leben
und Schönheit (vgl. Seite 3, Kapitel 3.1). Er sieht zwei Lösungen für das Problem:
Die Menschen sollten das Beten zu den Göttern unterlassen, da nur die Götter wüssten, was
für den Menschen nützlich sei und sie ihm dieses dann auch zukommen lassen würden. (ADAMIETZ,
1986, S. 277). Wer dennoch um etwas bitten möchte, der sollte um geistige und körper-
liche Gesundheit sowie „mutigen Sinn“ beten (ADAMIETZ, 1986, S. 278), was sich in folgendem
Satz ausdrückt: "orandum est ut sit mens sana in corpore sano". Somit müssen die Menschen
also dem Schicksal überlassen, was ihnen zukommt oder auch nicht zukommt (vgl. ULMER,
1992, S. 77). Ebenso äußert sich auch URECH in seiner Analyse (1999, S. 164).
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3.3 Beispiele aus Vergangenheit und Gegenwart zur Handhabung von „Mens sana in corpore
sano“
Um die neuen Erkenntnisse aus der zehnten Satire Juvenals anhand praktischer Beispiele veranschaulichen zu können, begab sich der Autor auf Internetrecherche (über www.google.de,
Stichwort: „Mens sana in corpore sano“). Dabei stieß er auf folgende Informationen:
1) Adolf Hitler soll das oben genannte Zitat drei Mal in seinem Buch „Mein Kampf“ benutzt und
damit angeblich sein Erziehungscredo begründet haben: „Die deutsche Jugend muss rank
und schlank sein, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl, flink wie Windhunde…“ (STUTTGARTER NACHRICHTEN,
2006, o.S.).
2) Meyers Konversationslexikon übersetzt „Mens sana in corpore sano“ wie folgt: „in einem
gesunden Körper (wohnt) eine gesunde Seele" (MEYERS KONVERSATIONSLEXIKON, 1888,
Band 11, Seite 481). In der neuesten Auflage wird das Zitat jedoch folgendermaßen übersetzt: „Ein gesunder Geist möge in einem gesunden Körper wohnen“ (MEYERS LEXIKON ONLINE,
2007, o.S.).
3) Im Jahre 2004 kam ein Ausbildungs- und Studienführer „Gesundheitswesen und Sportwissenschaften“ auf den Markt. Der dazugehörige Werbespruch lautet: „Auch wenn das be4) rühmte Sprichwort von Juvenal schon fast 2.000 Jahre alt ist, ist gerade heutzutage das
Streben nach einem gesunden Körper fast schon Pflicht…“ (STUMPF/VÄHNING, 2004, o. S.).
5) Die TURNERSCHAFT GHIBELLINIA aus Göttingen präsentiert sich auf der vereinseigenen Homepage mit folgender Abbildung (TURNERSCHAFT GHIBELLINIA/Göttingen, 2006, o.S.):
Abbildung 1: Vereinswappen einer Akademischen Turnerschaft (2006), darin als Text: Mens
sana in corpore sano!
Quelle: TURNERSCHAFT GHIBELLINIA/Göttingen, 2006, o.S.
Im Wappen findet sich unter anderem die Redewendung „Mens sana in corpore sano“ wieder. Diese Akademische Verbindung sei stellvertretend genannt für die vielen Turn- und
Sportvereine, die das Zitat ebenfalls benutzen, z.B. auf Wappen, Fahnen oder an Wänden
einiger Turnhallen (s. auch ULMER, 1991, S. 77).
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6) Vielen bekannt sein dürfte der Sportschuhhersteller ASICS. Die Firma publizierte folgenden
Werbetext: „Was verbindet den römischen Dichter Juvenal und Asics-Turnschuhe? „Die
Langform, für die ASICS als Abkürzung steht: …Anima Sana In Corpore Sana (In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist) - quasi, in einem guten Asics-Schuh wohnt ein
gesunder Sportsgeist“ (ASICS, 2006, O.S.).
7) GOLLACKNER (Dipl. Body- und Vitaltrainerin) schrieb zum Thema „Anti Aging“:
„…Mens sana in corpore sano: Nur in einem gesunden Körper entwickelt sich ein gesunder
Geist. (Juvenal, in Satiren 10, 356). Dies habe ich in meiner Diplomarbeit auch immer wieder hervorgehoben. Es ist mir auch wichtig, den Menschen als Ganzes zu sehen. KörperGeist und Seele“ (GOLLACKNER, 2006, O.S.).
8) Auch ULMER nimmt zum Zitat Juvenals Stellung. In Anlehnung an die Passage „…überlasse
es schon den Göttern, was dir zukommt und sie dir bescheren… (s. Tafel 1, Seite 5) sieht
er allerdings keine rationelle Begründung für den synonymen Gebrauch von Sport und Gesundheit (ULMER, 1991, S. 86). Er beschränkt sich bei seiner Sichtweise nicht nur auf das
verkürzte Zitat „Mens sana in corpore sano“, sondern betrachtet den Zusammenhang (vgl.
Tafel 1, Seite 4). Er kritisiert den meist einseitig ausgelegten Begriff von Sport und kommt
zu der Fragestellung, ob Sport überhaupt immer gesund sein muss. Gerade bei Spitzensportlern werde viel Zeit und Geld ausgegeben, um den Gesundheitszustand zu überprüfen
(ULMER, 1991, 84-85). Weiterhin führt er aus, dass traumatologisch bedingte Leiden und
Schäden, aber auch Todesfälle durch viele präventivmedizinisch ausgerichtete Sportmediziner in Kauf genommen werden. Auch Krankenkassen und Unfallversicherungen leisten
durch fehlende Erhebungen über Sportunfälle und Sportschäden ihren Beitrag zu einem
einseitigen Meinungsbild über Sport und Gesundheit (1991, S. 87).
4. Eigene Überlegungen zum Zitat Juvenals
Zunächst einmal möchte der Autor die Überlegungen darstellen, die sich anhand der Übersetzung der zehnten Satire von Juvenal ergeben haben und somit auch den Kern der Arbeit bilden.
„Mens sana in corpore sano“ heißt zwar übersetzt: „ein gesunder Geist in einem gesunden
Körper“. Jedoch ist diese Redewendung ein verkürztes bzw. unvollständiges Zitat, da hier das
Verb fehlt, das den Satz erst vollständig macht (vgl. Tafel 1, Seite 4). Allein der Satzbeginn „orandum est, ut sit mens sana in corpore sano…“, der im Konjunktiv geschrieben wurde, soll
zeigen: „Es ist wünschenswert, dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper sei…“. Wer
nur „Mens sana in corpore sano“ zitiert, lässt den Anfang und das Ende dieses bedeutenden
Satzes weg. Jeder deutsche Satz besteht aus einem Substantiv und einem Verb. Auch im Lahttp://www.uni-mainz.de/FB/Sport/physio
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teinischen ist das nicht anders. Das Verb in dem genannten Satz lautet „sit“, das mit „er, sie es
sei“ (Konjunktiv) zu übersetzen ist.
Bereits im Satz zuvor rät Juvenal: „Überlasse es schon den Göttern, was dir zukommt und sie
dir bescheren…“ (s. Tafel 1, Seite 4). Nach Meinung des Autors lehnt Juvenal somit das Beten
zu den Göttern zunächst ab. Wer dennoch damit nicht auskommt, der solle aktiv werden und
höchstens um einen gesunden Geist in einem gesunden Körper beten. Nach Meinung des Autors heißt dies aber weder, dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper ist, noch, dass
die Menschen dies beeinflussen könnten, höchstens durch Beten.
5. Schlussbetrachtung
5.1 Beispiele aus Vergangenheit und Gegenwart (vergleiche Seite 4 f., Kapitel 3.3)
Der Autor interpretiert die bereits gezeigten Beispiele folgendermaßen:
1) Adolf Hitler (zitiert nach STUTTGARTER NACHRICHTEN, 2006) interpretierte das Zitat zu seinen
Gunsten falsch, um seinem Erziehungscredo eine größere Bedeutung zu geben.
2) In MEYERS KONVERSATIONSLEXIKON von 1888 findet sich das verkürzte Zitat „mens sana in
corpore sano“ ebenfalls wieder und wird aufgrund des damaligen Zeitgeistes mit „ein gesunder Geist wohnt in einer gesunden Seele“ übersetzt. Hier wird der eigentliche Sinn das
Zitats Juvenals nicht deutlich.
3) Im Ausbildungs- und Studienführer (STUMPF/VÄHNING, 2004) wird das Zitat nur zu Werbezwecken genutzt. Juvenal hat nie behauptet, dass man aktiv nach einem gesunden Körper
streben sollte, es sei denn, durch Beten (vgl. Tafel 1, Seite 4).
4) Die Akademische Verbindung TURNERSCHAFT GHIBELLINIA (2006) aus Göttingen gibt das Zitat „ut sit mens sana in corpore sano“ im Internet richtig wieder, verwendet es aber im Logo
dennoch nur in Kurzform (vergleiche Abbildung 1, Seite 5), um die Bedeutung des Sports
zu stärken.
5) Auch am Werbetext von ASICS (2006) wird deutlich: das Zitat wird zwar im Zusammenhang
auf lateinisch richtig wiedergegeben („Juvenal sprach: Orandum est ut sit mens sana in
corpore sano. Und genau dafür steht Asics…“), jedoch für eigene Zwecke falsch wiedergegeben.
6) Auch GOLLACKNER (2006) nutzt das verkürzte Zitat entweder für ihre Zwecke oder sie hat
nur sehr vordergründig gearbeitet.
7) ULMER
(1991)
möchte
den
Begriff
Sport
nicht
nur
unter
präventivmedizinisch-
gesundheitsförderndem Aspekt sehen, sondern verweist als einziger der genannten Autoren auch auf die negativen Folgen des Sporttreibens, wie z.B. Sportunfälle, aber auch Todesfälle (ULMER, 1991, 86-87). Er unterscheidet sich damit in seiner Sichtweise zur Handhabung des Zitates von den eben genannten Autoren.
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5.2 Schlussfolgerungen
Der Autor zieht aus den neu gewonnenen Erkenntnissen (sowohl aus Juvenals zehnter Satire
als auch aus den gezeigten Beispielen) folgende Schlüsse:
Juvenal wollte mit seiner 10. Satire römische Mitbürger kritisieren, die sich mit unangemessenen Gebeten und Fürbitten an die Götter wandten (ADAMIETZ, 1986, S. 275-277). Beten sollte
man daher höchstens um körperliche und geistige Gesundheit (sowie „mutigen Sinn“). „Mens
sana in corpore sano“ ist also nur im Zusammenhang verständlich Æ „orandum est, ut sit mens
sana in corpore sano…“ . Somit stehen Wünsche im Sinne von Fürbitten und Gebeten im Vordergrund, aber keine Tatsachen im Sinne eines ursächlichen Zusammenhangs.
Der Autor ist nicht der Ansicht, dass „corpore sano“ zwangsläufig mit Sport in Zusammenhang
gebracht werden darf. Seiner Meinung nach heißt ein „gesunder Körper“ bei Juvenal keinesfalls, dass man sportliche Leistungen erbringen muss: eine Verknüpfung ergäbe sich eventuell,
wenn man körperliche Aktivität mit entsprechendem Wohlbefinden und somit Gesundheit verbindet. Der Autor ist davon überzeugt, dass „mens sana“ mit Intelligenz und geistiger Unversehrtheit gleichzusetzen ist. Er ist jedoch nicht der Meinung, dass „mens sana“ und „corpore
sano“ aufgrund des Juvenal-Zitats ursächlich verknüpft werden dürfen. Somit kann aus diesem
Zitat nicht geschlossen werden, dass ein gesunder Geist aus einer körperlichen Aktivität resultiert oder dass eine körperliche Aktivität die Intelligenz steigert. Die Annahmen, dass körperlich
fittere Menschen intelligenter sein müssten als ihre Mitmenschen, oder dass intelligente Menschen auch zwangsläufig körperlich durchtrainiert sind, sind genauso wenig aus „ut sit mens
sana in corpore sano“ herzuleiten wie die Vermutung, dass ein gesunder Geist (nur) in einem
gesunden Körper steckt. Die bereits gezeigten Aussagen (vergleiche Seite 4-5, Kapitel 3.3)
sind nur entstanden, weil der Zusammenhang nicht beachtet wurde (bewusst und unbewusst).
Das Zitat wird und wurde für eine einseitige Sportpropaganda instrumentalisiert, deshalb meist
vordergründig gelesen und damit missverstanden oder vorsätzlich falsch interpretiert. Dennoch
ist der Autor der Meinung, dass ein ungesunder Körper (z.B. verursacht durch Bewegungsmangel) eher für einen ungesunden Geist (Schlaganfall als Spätfolge) sorgt als ein gesunder
Körper, da bereits ULMER ausführte, dass Bewegungsmangel „nicht nur wesentliche Ursache
der kardio-vaskulären Zivilisationskrankheiten Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen,
sondern auch die Ursache krankheitsbedingter Folgekosten in Höhe von jährlich 60 Milliarden
DM“ (ULMER, 1992, S. 83) sei. Und Sport kann zur Gesundheit beitragen (z.B. Präventionssport), aber genauso die Gesundheit gefährden (z.B. Sportunfälle, die nicht nur im Leistungsoder Extremsport vorkommen). Sport darf nicht zwangsläufig mit dem bekannten Zitat Juvenals
in Zusammenhang gebracht werden, da Sport und Gesundheit nicht synonym sind.
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6. Ausblick
Wie großräumig das Themengebiet „Sport und Gesundheit“ ist, zeigt allein schon das hier dargestellte Thema „Mens sana in corpore sano“. Dabei werden drei verschiedene Aspekte angesprochen: „corpore sano“, „mens sana“ und deren Verknüpfung.
Kann „corpore sano“ mit Sport gleichgesetzt werden? Nach Ansicht des Autors kann ein gesunder Körper durchaus, wenngleich nicht zwangsläufig, mit Sport in Verbindung gebracht
werden, aber es spielen sicherlich auch noch andere Faktoren eine große Rolle. Und da es für
„Sport“ keine eindeutige Definition gibt, lässt er sich auch umso schwerer in diesen Themenbereich einordnen. Juvenal jedenfalls würde uns wohl als Dichter seiner Zeit nicht ermahnen, regelmäßig Sport zu treiben, um einen gesunden Körper zu bekommen. Vielmehr würde er nach
Auffassung des Autors darauf hinweisen, dass für die Gesundheit eher die Götter bzw. das
Schicksal zuständig wären.
Die Gesundheit ist durch „mens (sana)“ vertreten, aber inwiefern ist hier auch der Sport unter
mentalen und kognitiven Gesichtspunkten vertreten? Hier stellt sich gleichzeitig die Frage, was
Juvenal mit „mens“ gemeint hat? Wir können es nicht eindeutig sagen, da uns eine eindeutige
Definition von Gesundheit fehlt.
Und schließlich stellt sich die Frage, ob ein gesunder Geist auf eine körperliche Ertüchtigung
zurückzuführen ist? Die Antwort kann auf keinen Fall in dem o.a. Zitat von Juvenal gefunden
werden.
Der Inhalt des Zitats Juvenal wird die Menschheit sicherlich noch einige Zeit beschäftigen, vor
allem unter der immer größer werdenden Bedeutung von Sport und Gesundheit und dem daraus resultierenden Stereotypen „Sport ist gesund“.
7. Zusammenfassung
„Mens sana in corpore sano“ wird heute noch oft damit gleichgesetzt, dass regelmäßig Sport
getrieben werden soll (vgl. Seite 7). Diese Behauptung wird auch gerne von einigen Sportlehrern vorgenommen, um (unbewusst) ihr Fach in den Mittelpunkt zu stellen (vgl. Seite 2 f).
Erst die Durchsicht der zehnten Satire Juvenals zeigt, was tatsächlich gemeint wurde. Nicht die
Eigeninitiative ist hier gefragt oder gemeint, sondern laut Juvenal müssen wir schon den Göttern, also dem Schicksal, überlassen, was uns zukommt und was nicht. Selbst beten sollte
möglichst unterbunden werden, aber falls dies nicht möglich ist, dann sollten wir höchstens um
einen gesunden Geist in einem gesunden Körper bitten (vgl. Seite 3 und 6).
Trotz dieses Aspektes gibt es genügend Beispiele, die eine falsche Interpretation des Zitates
geben. Somit werden aber dann falsche Schlüsse daraus gezogen, wie sie heute noch gebräuchlich sind. (z. B. Seite 4 f). Es sei dem Leser empfohlen, den Ursprung dieses Zitats zu
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suchen, nämlich in der zehnten Satire, und eigene Schlussfolgerungen zu ziehen. Anregungen
hierzu wollte der Autor hiermit gegeben haben.
Literatur- und Quellenverzeichnis
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2) ASICS (2006): Marken unseres Alltags, Stand: unbekannt/Eingang: 04.11.2006,
http://magazine.web.de/de/themen/finanzen/wirschaft/unternehmen/hintergrund/1039800,cc=0000055
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3) BROCKHAUS (1989): Enzyklopädie in 24 Bänden, Band 9 (Stichwort: Hawking, Stephen),
S. 563. Mannheim: Brockhaus
4) BROCKHAUS (1990): Enzyklopädie in 24 Bänden, Band 11 (Stichwort: Juvenal), S. 305.
Mannheim: Brockhaus.
5) BROCKHAUS (1991): Enzyklopädie in 24 Bänden, Band 14 (Stichwort: Mens sana in corpore
sano), S. 470. Mannheim: Brockhaus
6) BROWN, C. (1990): Mein linker Fuß. Berlin: Henssel
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Vitaltrainer, Haslach: Body & Health Academy, Stand: 10.10.2006/Eingang: 04.11.2006,
http://www.nutrishop.at/kat367.html
8) KNOCHE, U. (1950): D. Junius Juvenalis: Saturae, S. 103-104. München: Hueber, zitiert
nach: ULMER, H.-V.: Sport und Präventivmedizin. In: KÜPPER, D./KOTTMANN, L. (Hrsg.)
(1991): Sport und Gesundheit. Schorndorf: Hofmann, S. 77-91
9) KNOCHE, U. (1971): Die römische Satire (dritte Auflage). Göttingen: Vandenhoeck &
Ruprecht
10) LAMER, H., fortgeführt von KROH, P. (1995): Wörterbuch der Antike (zehnte Auflage),
Stichwort: Mens sana in corpore sano. Stuttgart: Kröner
11) MEYERS KONVERSATIONSLEXIKON (1888): Eine Encyklopädie des allgemeinen Wissens. 4.,
gänzlich umgearbeitete Auflage (Stichwort: „mens sana in corpore sano“). Leipzig: Bibliographisches Institut, Stand: 11.04.2006/Eingang: 04.11.2006,
http://susi.e-technik.uni-ulm.de:8080/Meyers2/seite/werk/meyers/band/11/seite/0481/meyers_b11_s0481.html
12) MEYERS LEXIKON ONLINE (2007): Meyers Großes Taschenlexikon in 24 Bänden (online). 10.,
neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Mannheim: Bibliographisches Institut & F. A.
Brockhaus AG, Stand: 28.01.2007/Eingang: 28.01.2007,
http://lexikon.meyers.de/meyers/Mens_sana_in_corpore_sano_%28sit%29
13) STUMPF, S./VÄHNING, K. (2004): Ausbildungs- und Studienführer Gesundheitswesen und
Sportwissenschaften, Würzburg: Lexika, Stand: 22.04.2004/Eingang: 04.11.2006,
http://www.einstieg.com/schueler/news/buchtipps/ausbildung/meldung/835/key/f112014877/
14) STUTTGARTER NACHRICHTEN (2006): So ein bisschen Latein ziert den ganzen Menschen,
Stand: 01.09.2006/Eingang: 04.11.2006,
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/stn/page/detail.php/1237299?_suchtag=2006-09-01
15) TURNERSCHAFT GHIBELLINIA/Göttingen (2006): Unser Wappen, Stand: 11.04.2006/Eingang:
04.11.2006, http://www.ghibellinia.org/ueberwappen.htm
16) ULMER, H.-V. (1991): Sport und Präventivmedizin. In: KÜPPER, D./KOTTMANN, L. (Hrsg.):
Sport und Gesundheit. Schorndorf: Hofmann, S. 77-91
17) URECH, H.-J. (1999): Hoher und niederer Stil in den Satiren Juvenals. Bern: Peter Lang
Hiermit erkläre ich, dass ich die vorgelegte Arbeit selbständig verfasst und keine anderen als
die angegebenen Hilfsmittel eingesetzt habe.
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