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"Das Klima ändert sich - was kommt auf Oberbayern zu?"

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"Das Klima ändert sich ‐ was kommt auf Oberbayern zu?"
Hartmut Graßl
Max‐Planck‐Institut für Meteorologie, Hamburg
Vortrag im Rahmen der Landesgartenschau
Rosenheim, 28. Juni 2010
Einige wesentliche Fakten
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Der anthropogene Klimawandel hat begonnen und wird sicher viele Jahrhunderte vielleicht Jahrtausende andauern
Die kommenden drei bis vier Jahrzehnte sind durch Klimapolitik fast nicht mehr beeinflussbar; dennoch tut Eile not, damit wenigstens die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts noch korrigierbar bleibt
Der Meeresspiegel steigt seit 2000 bereits mit fast 4 mm pro Jahr an
Die Niederschlagsmenge pro Ereignis hat fast überall zugenommen, auch wenn die Gesamtmenge leicht abnahm
Das mehrjährige Meereis schrumpfte in der Arktis seit 1978 (Beginn der Messungen mit Satelliten) um 11% pro Jahrzehnt
Die Vegetationsperiode ist in diesem Jahrzehnt in mittleren und hohen Breiten bereits um bis zu zwei Wochen länger als am Beginn des 20. Jahrhunderts
Die Erträge der Landwirtschaft steigen in den kühleren und feuchten Gebieten wegen der CO2‐Dusche und der Erwärmung an
Die Schäden durch wetterbedingte Katastrophen nehmen rapide zu und enthalten einen Klimaänderungsbeitrag
Arme Teile einer Gesellschaft und ärmere Länder, die den Klimawandel kaum verursacht haben, sind von den Klimaänderungen besonders betroffen
IPCC4 WG I, 2007
NASA •
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2007 ‐ 1993
Observed Climate Change
How much is anthropogenic?
The disturbed carbon cycle
Radiative Forcing by human activities
Scenarios of human behaviour
The 2°C goal of the EU and other guard rails
Global development and climate protection
Contraction and convergence as the ultimate goal
Climate adaptation and protection costs
Topex and Jason 1 Altimeters
Änderung der Gletscher weltweit
Kumulative mittlere Massenbilanz
Kumulative totale Massenbilanz
IPCC4 WG I, 2007
Cumulative mean specific mass balances (a) and cumulative total mass balances (b) of glaciers and ice caps, calculated
for large regions (Dyurgerov and Meier, 2005). Mean specific mass balance shows the strength of climate change
in the respective region. Total mass balance is the contribution from each region to sea level rise.
Idealtypus eines Gletschertores: Wo ist es?
Die Kernzone des Nationalparks Berchtesgaden
Was ist die Eiskapelle?
• Der am niedrigsten liegende Kleingletscher der Alpen ( in 830 – 1050 m Höhe), fast ausschließlich von Lawinen gespeist
• Ein Kleingletscher etwa 1000 m unter der regionalen Waldgrenze
• Daraus ergibt sich eine einmalige Abfolge: Eis, Fels oder Geröll, alpine Matten, Latschen, Lärchen, Fichten, Buchen, Fichten, Lärchen, Latschen, alpine Matten, Fels bei Blick in Richtung kleiner Watzmann
• Ein Naturwunder
Grund für den fast weltweiten Gletscherschwund
• Mittlere Globale Erwärmung um ca. 0,8 °C seit 1900
• Verstärkte Gegenstrahlung durch erhöhten Treibhauseffekt als Folge der Verbrennung von Kohle und Erdöl
• Niederschlagsanteil im Winter nimmt zu, also weniger Neuschnee im Sommerhalbjahr, wodurch Rückstreufähigkeit niedriger ist als früher
Reihung der natürlichen Treibhausgase in der Atmosphäre der Erde
Gas Besonderheiten Anteil am Veränderung
Treibhauseffekt
1. Wasserdampf (H2O) stark variabel, weil stark ~ 2/3 Zunahme temperaturabhängig
2. CO2 chemisch inert in der ~ 15% +35%
Atmosphäre
3. O3
extrem variabel, kurz‐
~ 10% +100% u.
lebig (Tage bis Monate) ‐ 3% o.
4. N2O
langlebig, Senke in der ~ 5% +12%
Stratosphäre
5. CH4 Senke in der Atmo‐
~ 3% +125%
sphäre
6. CO Senken und Quellen in ~ 0,3%
der Atmosphäre
Mit Klimamodellen errechnete mittlere Erwärmung an der Erdoberfläche
Mittlere globale Erwärmung
(Modellmittel und Unsicherheitsbereiche der Klimamodelle)
EU,G8,G20 , Kopenhagen‐Ziel‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐‐
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IPCC‐ AR4, 2007.1
never experienced by homo sapiens
Niederschlagsunterschiede 2071-2100 versus 1961-1990
Courtesy of L. Bengtsson, K.I. Hodges, N. Keenlyside, 2008
Was soll man als Bürger ernst nehmen?
1. Kein anderes Wissensgebiet der Menschheit wird einer so rigorosen Bewertung unterzogen wie die Klimaforschung; nur die IPCC‐Berichte haben bisher zu ersten Ansätzen einer völkerrechtlich verbindlichen Klimaschutzpolitik geführt. Sie sind eine Fundgrube.
2. Einzelne Veröffentlichungen müssen einem Rüttel‐ und Schütteltest durch andere Veröffentlichungen unterworfen werden, bevor sich das Neue wirklich herausschält. Deshalb wird der normale Bürger in Zeiten hohen Interesses der Medien und der Lobbies immer einem Wechselbad ausgesetzt, obwohl die Wissenschaft durch stetigen Zuwachs an Wissen und nur selten durch Kehrtwendungen gekennzeichnet ist.
3. Die Wissenschaftler haben die Empfindlichkeit des Klimasystems gegenüber Störungen eher unterschätzt, d.h. sie haben selten übertrieben und sie müssen jetzt sogar vor dem2°C‐Ziel als unzureichend warnen
Potenziale Erneuerbarer Energiequellen
Energiequelle
Sonne
Globaler Mittelwert
Deutschland
Angebotstyp
~ 165
~ 110
~3
~3
Biomasse
~ 0,1
< 0,3
gedüngter Maisacker
<0,5
Zuckerrohr
Speicherfähig und somit
steuerbar, Konkurrenz zu
Nahrungserzeugung
Tiefe Geothermie
~ 0,1
~ 0,08
örtlich weit mehr
kontinuierlich, risikohafte
Erkundung, niedrige
Effizienz für Elektrizität ,
gut für Heizung
Gezeiten
< 0,1
regelmäßig,
jedoch mit Lücke
Ozeanwellen
< 0,1
unregelmäßig, Teil der
Windenergie
Energieflussdichte
heute
< 0,03
~ 1,5
Energieflussdichte
im Jahre 2050
< 0,06
< 1.5
Wind
oft stark schwankend,
nur tagsüber
unregelmäßig,
Tag und Nacht
Globale Mittelwerte der Energieflussdichten in der Nähe der Erdoberfläche, in Watt pro Quadratmeter (Wm‐2), für verschiedene Quellen, gereiht nach physikalischem Potential ; zum Vergleich sind auch aktuelle Werte
des Energieversorgungssystems mit angegeben
Nature 2009, Meinshagen et al.
(C = CO2/3.67)
WBGU 2009: nur noch 750 Gt CO2
bis 2050 erlaubt
Welche Klimapolitik ist nötig?
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Eine völkerrechtlich verbindliche Klimapolitik braucht gestärkte Vereinte Nationen (Weltinnenpolitik) durch USA und China
Um das Ziel von Kopenhagen „maximal 2°C mittlere Erwärmung bis 2100“ noch zu erreichen, ist der fast volle Ausstieg aus den fossilen
Brennstoffen im 21. Jahrhundert notwendig
Die Industrieländer müssen für dieses Ziel bereits 2050 eine mindestens 80%ige Minderung der Emissionen erreicht haben, weil der Ausstieg in den Entwicklungsländern mehr Zeit benötigt und die Industrieländer die Hauptverursacher sind
Leitlinie muss werden: Schrumpfung und Konvergenz der Emissionen
(Emissionsgerechtigkeit oder Recht auf Emission für jeden)
Die Anpassungsmaßnahmen an den nicht mehr vermeidbaren Klimawandel müssen in den Entwicklungsländern auch aus Mitteln des globalen Emissionshandels finanziert werden
Nur direkte Sonnenenergie und Wind können die Versorgung von 9 Milliarden Menschen garantieren, weder Wasserkraft noch Biomasse
können das alleine und zusammen „wuppen“
Was wird im nächsten Protokoll stehen?
1. Stärkere Emissionsminderungen für Industrieländer (ca. 25 % bis 2020 gemessen am Wert von 1990)
2. Teilentkoppelung zwischen Wirtschaftswachstum und Energieeinsatz für Schwellenländer
3. Anpassungsmaßnahmen werden für Entwicklungsländer aus Emissionshandel finanziert
4. Auftrag im nachfolgenden Protokoll die Senken für Kohlenstoff durch Anreize zu erhalten
Was heißt globale mittlere Erwärmung von 2°C für Oberbayern?
• Erwärmung um etwa fast das Doppelte vor allem in höheren Lagen, weil wir wegen Nähe zum Nordpol bei Meereisschrumpfung stärkere Erwärmung bekommen werden als die niedrigen geografischen Breiten
• Anhebung der Schneefallgrenze im Mittel um 150 m mal X °C, d.h. um 600 m bei 4°C Erwärmung, d.h. Ende vieler Wintersportgebiete
• Weinanbau im östlichen deutschen Alpenvorland?
• Mehr Sturzfluten und Muren
• Unangepasste Wälder
• Einwanderungsland Deutschland
Herausforderung Klimawandel
The Climate Change Challenge
1. Das Unbeherrschbare vermeiden
2. Das Unvermeidbare beherrschen
1. Avoiding the unmanageable
2. Managing the unavoidable
(Schellnhuber)
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