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Heute ein lehrling zu sein, das ist wieder was! - Wirtschaft im

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Bildung
service
Karriere mit Lehre
Duales Ausbildungssystem: avt schliesst ausbildungslücken
Die Maßnahmen der
einzelnen Betriebe, der
Tiroler Berufsfach­schule
und des Landes Tirol
zeigen Wirkung. Die Zahl
der Lehrlinge steigt
wieder. Dabei sind die
Auszubildenden mehr
gefordert als jemals
zuvor.
Fotos: Land Tirol
Heute ein Lehrling zu
sein, das ist wieder was!
Lehrlinge der Monate April und Mai ausgezeichnet: Leonhard Hernegger und Michaela Bärnthaler mit ihren Ausbildnern bekommen von Zanon eine Urkunde überreicht.
D
Foto: photos.com
ie offizielle Auszeichnung ist inzwischen offensichtlich heiß begehrt. Rund 400 Bewerbungen,
die im Jahresdurchschnitt beim Land eingehen, sprechen für sich. „Tendenz steigend“, wie die ressortmäßig zuständige
LHStv. Elisabeth Zanon hoch erfreut betont. Ende Juni wurde der Titel „Lehrling
des Monats“ im Innsbrucker Hotel Europa für die letzten drei Monate vergeben.
„Die Lehrlinge der Monate April, Mai
und Juni haben während ihrer Ausbildung Herausragendes geleistet und sind
Vorbilder für junge Menschen auf ihrem
Weg ins Arbeitsleben“, unterstrich Zanon,
die auch den Ausbildnern und Ausbildnerinnen je einen Anerkennungs-Pokal des
Landes Tirol überreichte. Denn für einen
„Lehrling des Monats“ zählen nicht nur
ausgezeichnete schulische Leistungen,
sondern auch ihr/sein Engagement im
Lehrbetrieb und - zumindest gleich wichtig - Sozialkompetenz.
Junge Menschen im Rampenlicht.
Nach diesen hohen Kriterien hat sich
Leonhard Hernegger aus Kartitsch als
Lehrling des Monats April empfohlen. Er
absolviert eine Lehre zum Landmaschi-
122
Wirtschaft im Alpenraum • Juli/August 2007
Foto: Bilderbox
von Katharina Ötzburgger
Ausbildung zur Fachkraft: Lehrlinge sind ein unverzichtbarer Teil des Netzwerkes
zur positiven Gestaltung und ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft.
Wirtschaft im Alpenraum • Juli/August 2007
Bildung
Service
nentechniker im dritten Lehrjahr bei der
Firma Wiedemayr Landtechnik GmbH in
Sillian. Michaela Bärnthaler, Lehrling des
Monats Mai, stammt aus Jochberg und
erlernt ihren Beruf als Floristin im zweiten Lehrjahr bei der Firma Gartengestaltung Berger in Oberndorf. Die Wahl zum
Lehrling des Monats Juni fiel auf Andreas
Berger. Der Virgener macht eine Lehre zum Kälteanlagentechniker im dritten
Lehrjahr bei der Firma IDM-Energiesysteme GmbH in Matrei in Osttirol. „Die
Ausgezeichneten erfüllen alle die hohen Anforderungen“, unterstrich Zanon,
die den Lehrlingen viel Erfolg und alles
Gute für den weiteren beruflichen Weg
wünschte.
Bereits Mitte Juni war im Rahmen der
Galanacht der Lehrlinge Kurt Riedmann
mit dem Titel „Lehrling des Jahres 2006“
in den Sälen am Marktplatz ausgezeichnet
worden. „Auf unsere engagierten Jugendlichen können wir zu Recht stolz sein,
denn jeder von ihnen leistet über den beruflichen Bereich hinaus einen wertvollen
Beitrag für ein positives Zusammenleben
in sozialen Einrichtungen, im Sport oder
in der Kultur“, erklärte die Regierungsreferentin, die alle zur Wahl gestandenen
Lehrlinge als unverzichtbaren Teil des
Netzwerkes zur positiven Gestaltung der
Gesellschaft sieht.
Dem 19-jährigen Sieger aus Rum überreichte Zanon den Glaspokal des Landes
als Zeichen der Anerkennung und des
Dankes für sein vorbildliches Engagement
in Beruf und Freizeit. Platz zwei ging an
Josef Unterrainer aus Waidring und Platz
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Bildung
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Karriere mit Lehre
Foto: Land Tirol
drei an Tanja Holzknecht
frau oder Sekretärin wählt.
aus Nassereith. „Für anDem gegenüber stehen
dere Lehrlinge stellen sie
jedoch rund 250 andere
oft eine Orientierungshilfe
Lehrberufe, die zum Teil
dar. Sie sind wie Leuchtüberdurchschnittlich gute
türme, die ihnen den Weg
Chancen im Berufsleben
weisen. Als Vorbilder und
eröffnen. Initiativen wie
Motivatoren geben sie das
das Mut-Projekt (Mut und
Niveau vor“, ist Zanon
Technik) oder Fit (Frau in
überzeugt. Den Dank des
die Technik) wurden vom
Landes stattete die PoliLand Tirol ins Leben getikerin auch den Eltern
rufen, um jungen Frauen
sowie den Vertretern und
einen neuen Blick auf die
Vertreterinnen der AusBerufswelt zu eröffnen.
bildungsbetriebe und der
Mit dieser Intention wurde
Tiroler Fachberufsschulen
auch der Girl‘s Day aus den
ab.
USA nach Europa geholt,
Girl´s Day, Fit und anum Mädchen an einem Tag
dere Initiativen. Um Als Zeichen der Anerkennung: LHStin Zanon überreicht den Glaspokal
im Jahr Technik, Naturwismehr jungen Menschen des Landes an den 19-jährigen Sieger aus Rum, Kurt Riedmann.
senschaft und Handwerk
den Weg zum Lehrbenäher zu bringen. So fand
ruf schmackhaft zu machen, ist die Tiro- das Wecken von Interesse für technische heuer am 26.April bereits zum siebten Mal
ler Landesregierung bemüht, das Image Berufe bei Mädchen“, erklärt die für das in allen Tiroler Bezirken der Girl‘s Day
der Lehre nicht nur mit dieser Aktion Lehrlingswesen zuständige Regierungsre- statt. 427 Mädchen der siebten und achten
aufzuwerten. „Der Slogan ‚Karriere mit ferentin.
Schulstufe machten sich auf eine EntdeLehre‘ gehört genauso hierher wie die Tatsache ist, dass jedes zweite Mädchen ckungsreise, um in Tiroler Unternehmen
Informationsvermittlung über die Fül- in Tirol nach wie vor eine der drei klas- und Institutionen ihre handwerklichen,
le an verschiedenen Lehrberufen oder sischen Berufe Friseurin, Einzelhandels- technischen und naturwissenschaft-
Bildung
Service
Praxiswissen ohne Kundendruck trainieren
führer und Firmeninhaber des
Anbieters für gebäudetechnische Ausstattung zu Passiv- und Niedrigenergiehaustechnik, führt aus: „Auf dem
Trainingsstand können verschiedene Szenarien, die auch
auf einer Baustelle vorkommen, nachgebaut werden.
So kann der Lehrling unter
Aufsicht ohne Druck eines
Kunden sein handwerkliches
Geschick trainieren und das
angelernte Wissen in den Berufsschulen mit der Praxis auf
der Baustelle anwenden.“ Um
Vorbereitung auf die Praxis: die Lehrlinge der Firden technisch sehr anspruchsvollen Aufwand des Gewerbes
ma Huter am Ausbildungs- und Trainingsstand.
umsetzen zu können, ist für Alm das in den Berufsschulen ange- bert die ständige Aus-und Weiterbildung
lernte Wissen im praktischen Ar- aller Mitarbeiter unbedingt notwendig.
beiten zu untermauern, hat die Firma „Die im Trainingsstand gewonnene zuHuter Haustechnik seit Herbst 2006 einen sätzliche Fertigkeit der Mitarbeiter kommt
eigenen Ausbildungs- und Trainingsstand dem Unternehmen zu Gute, da die Moninstalliert. Albert Lechner, der Geschäfts- tagezeiten auf der Baustelle verkürzt wer-
den und Reklamationen so gut wie ausbleiben.“ Dies wiederum schaffe Sicherheit
und Motivation für den Lehrling, da er
seine Aufgabe mit Stolz und Erfolg bewältigt hat. „Der Lehrling ist das Fundament
eines jeden Betriebes. Mit den Lehrlingen
wird die Zukunft des Montagepersonals
und der Fortbestand des Unternehmens
abgesichtert“, weist Lechner auf die Stellung der jungen Mitarbeiter hin. Die Firma Huter Haustechnik mit Sitz in Matrei
am Brenner, die heuer ihr zehnjähriges
Jubiläum feiert, gehört zu den führenden
Unternehmen für Passiv-und Niedrig­
energiehaustechnik.
U
Neue (Lehr)Dimension für Einrichtungsberater
A
Programm ist dabei eine Schulzeiterweiterung von 1.080 auf 1.240 Stunden im
ersten Semester des dritten Lehrjahres.
Unter dem Motto „praxisbezogenes Arbeiten“ sollen die auszubildenden jungen
Menschen zusätzliche Fertigkeiten und
Qualifikationen erlernen. Die neuen LehrModule sollen sicherstellen, dass im Beratungsgespräch mit den Kunden Möbel
Foto: wia
b dem kommenden Schuljahr
2007/08 startet ein neuer Schulversuchslehrplan für die EinrichtungsberaterInnen an der Tiroler Fachberufsschule für
Handel I am Lohbachufer in Innsbruck. In
den Genuss des neuen Lehrplanes kommen all jene Lehrlinge, die im Einzelhandel
den Schwerpunkt Einrichtungsberatung
im Möbelhandel gewählt haben. Neu im
Neue Lehr-Module unter dem Motto „praxisbezogenes Arbeiten: „LR Mag. Dr.
Lettenbichler, Direktor Unterlechner und Gremialvorsteher der WK, Lagg.
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Wirtschaft im Alpenraum • Juli/August 2007
perspektivisch gezeichnet werden können,
Räume unter Anwendung der CAD-Software am Computer geplant, eingerichtet
und letztendlich so dekoriert werden, dass
der Titel Fachkraft zurecht besteht.
Zusätzlich lernen die Jugendlichen Englisch und Italienisch. Für einen speziell für
die Bedürfnisse der EinrichtungsberaterInnen ausgestatteten Klassenraum wurden
insgesamt 40.000 Euro investiert. Davon
stammen rund 28.000 Euro von Lehrbetrieben wie Ikea, Lutz, Kika, Föger, Avanti
und Möbelix, von Sponsorfirmen sowie
der Sektion Handel der Tiroler Wirtschaftskammer. „Es ist uns gelungen, in
Kooperation mit den genannten Firmen
in kurzer Zeit ein Modell zu entwickeln,
das der Ausbildung zum Möbeleinrichter
eine neue Dimension gibt“, berichtet der
Direktor der Tiroler Fachberufsschule
Herbert Unterlechner sichtlich stolz. Vorgespräche, dieses Projekt auch für andere
Branchen umzusetzen, sind bereits im
Gange.
Wirtschaft im Alpenraum • Juli/August 2007
125
service
Karriere mit Lehre
Foto: Bilderbox
Bildung
Mädchen und Technik: Mit dem Girl´s Day, der einmal im Jahr stattfindet, will man
den Mädchen die Technik, die Naturwissenschaft und das Handwerk näher bringen.
lichen Fähigkeiten zu erforschen. Insgesamt 101 Betriebe öffneten dieses Jahr
ihre Tore für die interessierten Mädchen
und ermöglichten ihnen, in zukunftsorientierte, nicht-traditionelle Frauenberufe
hineinzuschnuppern und praktische Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln.
Neue Möglichkeiten schaffen. Bewusst wird jungen Frauen und Männern
an solchen Aktionstagen, dass die moder-
Bildung
Service
ne Arbeitswelt immer spezialisierter wird.
Unabhängig vom Geschlecht der Lehrlinge fehlt Unternehmen heute daher zunehmend die Möglichkeit, ihre Fachkräfte
selbst auszubilden, weil vorgeschriebene
Ausbildungsinhalte nur mehr mangelhaft angeboten werden können. Um dem
wachsenden Wettbewerb auch zukünftig
Stand halten zu können, müssen sich die
Unternehmen - ob sie wollen oder nicht
- auf Marktnischen konzentrieren. Der
marktorientierten Produktpalette der Betriebe stehen allerdings breit gefächerte
Anforderungen an die Mitarbeiter in der
Berufswelt gegenüber.
Um dieses Manko zu beseitigen, wurde von
drei Jahren der „avt“ ins Leben gerufen.
Das vorrangige Ziel des „Ausbildungsverbundes Tirol“ ist die Förderung von Ausbildungsverbünden und die Kooperation
einzelner Lehrbetriebe mit anderen Betrieben bzw.Weiterbildungseinrichtungen.
Damit können auch jene Unternehmen,
die aufgrund ihrer Betriebsgröße über
eingeschränkte Ressourcen verfügen, die
Ausbildung von Fachkräften sicherstellen
und damit dem Lehrling das komplette
Berufsbild vermitteln. Interessant ist
Innsbrucker Verkehrsbetriebe als Modell:
Attraktiver Lehrlingsausbildner sucht Mädchen
D
er Geschäftsführer der Innsbrucker zu erhöhen. „Mädchen sind bei uns in bildet werden die jungen Leute zu
Verkehrsbetriebe, DI Martin Baltes, bisherigen Domänen der Burschen herz- Kfz-TechnikerInnen, Elektrobetriebstechstellte kürzlich das komplett neu über- lichst willkommen.“
nikerInnen, Metallbearbeitungstechnikearbeitete IVB Ausbildungskonzept für Derzeit bietet die IVB mit einem Mitar- rInnen, KarosseriebautechnikerInnen, BüLehrlinge der Öffentlichkeit vor. Künftig beiterstand von rund 200 Personen jahres- rokaufmann/frau. Um dafür geeignete
sollen die drei Säulen (Berufsschule für durchgängig 16 Lehrlingsplätze an. Ausge- Bewerber für das Unternehmen zu befachliche, theoretische
kommen, gehen die VerAusbildung, die IVB als
antwortlichen der IVB
Unternehmen, in dem
ganz systematisch vor. Sie
besuchen Schulen und
die Theorie gleich in die
Praxis umgesetzt wird
präsentieren dort die
und die Förderung der
Kernelemente des UnterSozialkompetenz
der
nehmens, vergeben Gutjungen Leute) gleich gescheine für Schnupperwochen und weisen auf
stellt werden. Das Ziel ist,
„eine attraktive und der
den Tag der offenen Tür
hin. Darüber hinaus gibt
Zeit entsprechende TopAusbildung für junge
es nun in der Ausbildung
Menschen anzubieten“,
einen eigenen Ausbilerklärt Baltes. Dabei liegt
dungskoordinator, der für
es dem IVB Chef am
die Umsetzung des neuen
Lehrlingskonzeptes verHerzen, den Anteil an Bieten Top-Ausbildung in verschiedensten Sparten: IVB-Personalzustänantwortlich ist.
weiblichen Lehrlingen dige Mag. Haidacher, GF der IVB; DI Baltes; und Ausbildner Lener.
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Wirtschaft im Alpenraum • Juli/August 2007
Wirtschaft im Alpenraum • Juli/August 2007
127
Bildung
service
Karriere mit Lehre
Der Projektleiter des
avt-Tirol Mag. Hansjörg Rauth:
„Seit der Gründung im Jahr
2004 konnten wir insgesamt
1.548 Lehrlingen Ausbildungs­
inhalte bieten.“
Foto: avt
dieser Zusammenschluss insbesondere
für Klein- und Mittelbetriebe, die in Tirol
mit über 90 Prozent das Gros der Betriebe
stellen. Sie sind auch in Summe betrachtet
die größten Ausbildner. Die Kooperation
mit anderen Betrieben bzw. einem Weiterbildungsinstitut ist daher die einzige
Lösung.
Der Projektleiter des Ausbildungsverbundes Tirol, Mag. Hansjörg Rauth, berichtet im Gespräch mit wia stolz, dass
„seit der Gründung des avt im Jahr 2004
insgesamt 1.548 Lehrlingen ein Ausbildungsinhalt geboten werden konnte, der
im Lehrbetrieb fehlte“. Ziel ist unverändert, die Qualität der Lehrlingsausbildung
zu sichern bzw. zu steigern. Der avt, der
auf eine Initiative der Wirtschaftskammer
und des Landes Tirol zurückgeht, wird
heute zur Gänze mit einem Budget von
338.000 Euro vom Land getragen und
sieht sich als Schnittstelle und Vermittler
zwischen Theorie und Praxis.
Wieder steigende Lehrlingszahlen. In
Tirol wurden im Juni 2007 12.826 Lehrlinge gezählt - ein Anstieg von 3,1 Prozent. Die aktuelle Lehrlingsstatistik der
Wirtschaftskammer Österreich weist für
I
ter mit Führungskräftenachwuchs-Trainings und unterstützt sie, Karriere bei
dm zu machen.
Bei „Great Place to Work 2007“ bekam
dm zum zweiten Mal den Sonderpreis
für „Lebenslanges Lernen“ für die dm
Lehrlingsausbildung. Beim
diesjährigen Wettbewerb
„Fit for Future“ ging dm
drogeriemarkt als bester
Lehrbetrieb der Kategorie
Großbetriebe hervor. Wir bilden erfolgreich
Tischlerlehrlinge und Tischlertechniker
aus!
128
Wirtschaft im Alpenraum • Juli/August 2007
Service
Ende 2006 eine Gesamtzahl von 125.961
Lehrlingen aus, was einem Anstieg der
Gesamtlehrlingszahl gegenüber dem Vorjahr um 2,9 Prozent bedeutet. Das heißt,
dass rund 40 Prozent der Absolventen
einer Pflichtschule sich für das duale Ausbildungssystem von Praxis und Theorie
entscheiden.
Waren es 1980 noch 194.089 junge Menschen in ganz Österreich, die das duale
Ausbildungssystem wählten, sind es heute
absolut um ein Drittel weniger. Die jährlich sinkenden Lehrlingszahlen erreichten
ihren Tiefststand 2003. Damals zählte man
insgesamt 119.033 Auszubildende. Insbesondere ging die Zahl der von der Industrie ausgebildeten Lehrlinge in den letzten
Jahren drastisch zurück. In den Jahren
zwischen 1980 bis 2005 wurde ihre Zahl
halbiert (von 28.668 auf 15.355). Heute
werden 48,4 Prozent aller Lehrlinge von
Handwerk und Gewerbe ausgebildet, lediglich 12,5 Prozent von der Industrie. Im
Klartext: Vor allem kleine und mittlere
Unternehmungen sind bereit, Lehrberufe
anzubieten und damit die Hauptlast der
Lehrlingsausbildung zu tragen.
Vom Lehrling zur dm Führungskraft
nsgesamt rund 560 Lehrlinge erhalten
bei dm drogeriemarkt ihre Ausbildung
als DrogistIn, FriseurIn und PerückenmacherIn sowie Kosmetik- und FußpflegerIn. dm unterstützt diese jungen
Menschen auf ihrem Weg in ein erfolgreiches Berufsleben.
Zahlreiche Workshops und
das Übertragen von Verantwortung prägen die Ausbildungszeit. Nach der Lehre
fördert dm seine Mitarbei-
Bildung
Weil Zeit das Wichtigste ist ...
dm drogerie markt unterstützt seine
Lehrlinge auf dem Weg ins Berufsleben.
... nehmen sich die Ausbilder des Hotel SCHICK eben diese
Zeit, um ihren Lehrlingen das Beste beibringen zu können. So
können die Lehrlinge des Hotel SCHICK gut gelaunt in die
Zukunft blicken, eine Zukunft mit besten Karriereaussichten.
„In Zeiten von „Komatrinken“ und „Vandalismus“ ist
es wichtig, den Lehrlingen
eine Plattform zu geben, um
sich entfalten und sich selbst
verwirklich zu können“, sagt
Maria Fischbacher-Jaehner.
Sie leitet in Zusammenarbeit mit ihrem Bruder Siegfried Fischbacher das Hotel
SCHICK.
Auch aus diesem Grund gehört ein betriebsinterner
Lehrlingssprecher zur gleichen Selbstverständlichkeit,
wie ein kostenloser Internetzugang im Mitarbeiterhaus.
Der ausgezeichnete
Tiroler Lehrbetrieb
Hotel SCHICK sucht noch
einen Kochlehrling.
Frau Maria
Fischbacher-Jaehner
Johannesstr. 1
6344 Walchsee - TIROL
Wirtschaft im Alpenraum • Juli/August 2007
129
Bildung
service
Lehrlingsförderung: AMS Massnahmen bleiben unverzichtbar
es andere Wege, um das Problem in
den Griff zu bekommen?
Diese enge Verknüpfung zwischen Wirtschaft und Bildung, die im dualen Ausbildungssystem zum Tagen kommt, ist unersetzbar. Ich glaube, dass ohne die daraus
resultierenden, gut ausgebildeten Fachkräfte Österreich heute nicht in dieser guten
wirtschaftlichen Lage wäre. Betriebe muss
man aber teilweise tatsächlich erst auf die
Idee bringen, dass auch sie die Möglichkeit
haben, einen Lehrling auszubilden. Dafür
sollte noch mehr Personal beim AMS zur
Verfügung gestellt werden, um das zu forcieren. Damit meine ich die Bereitstellung
von Beratern, die Firmen aufsuchen, informieren und unterstützen, um eventuelle Bedenken und Missverständnisse
auszuräumen. Hier ansetzen, meine ich,
würde sich zusätzlich zu den bestehenden
Maßnahmen und Förderungen von Seiten
des Landes, des Bundes, der Stadt und des
AMS bezahlt machen.
„Der Lehrling von heute ist die
Fachkraft von morgen“
Im Gespräch mit wia berichtet der Leiter der Abteilung Jugendberatung, Werner Holleis, über die
neuen Anforderungen an Lehrlinge, über die Wichtigkeit des dualen Ausbildungssystems und die
vorrangigen Ziele des AMS.
von Katharina Ötzbrugger
Werner Holleis: Ja, die Ansprüche der
Betriebe in allen Branchen und damit die
Anforderungen an Jugendliche sind gestiegen. So muss beispielsweise ein KFZTechniker heutzutage genauso Tätigkeiten
eines Mechanikers als auch Elektrikers beherrschen. Auch Gärtner müssen mittlerweile Kenntnisse über die Belüftung und
Steuerung von Glashäusern bis hin zur
chemischen sowie biologischen Schädlingsbekämpfung u.v.m. besitzen.
Die Lehrlingszahlen steigen in Tirol
seit ein paar Jahren wieder leicht an.
Teilen Sie die Befürchtungen, dass zu
wenig Lehrlinge nachkommen, weil
die Geburtenzahlen zurückgehen?
Man darf sich von den Zahlen nicht
täuschen lassen und muss sich die Zusammensetzung genau anschauen. Es ist
zwar die Lehrlingszahl gestiegen, aber es
wurden nicht unbedingt mehr
Lehrstellenplätze geschaffen. In diese Zahl eingerechnet sind auch all
jene Jugendlichen, die auf
der außerbetrieblichen Schiene,
also durch Maßnahmen, die
vom AMS ins Leben gerufen
wurden, ausgebildet werden.
Das war notwendig, um lehrplatzsuchende Jugendliche aufzufangen und ihnen eine anrechenbare
Ausbildung zu bieten.
Glauben Sie, dass sich Jugendliche
von heute anders verhalten als früher?
Ich sehe es so, dass sich die Umstände, in
denen Jugendliche aufwachsen, verändert
haben. Das wirkt sich zwangsläufig auf ihr
Verhalten aus. Sie verfügen über ein viel
größeres Angebot für ihre Freizeit insbesondere durch das Fernsehen und den
130
Ohne AMS Maßnahmen für
Lehrlinge würde die Situation ganz anders aussehen.
Ist das die Lösung für die
Zukunft?
Betriebe bzw. ganze Branchen entziehen sich immer mehr
der Verantwortung, junge Menschen in ihrem Unternehmen
in die Arbeitswelt einzuweisen.
Den Lehrherren ist die Ausbildung eines Lehrlings oftmals zu
zeitintensiv, aufwendig und teuer. Das
ist zwar gut nachvollziehbar, genau beWirtschaft im Alpenraum • Juli/August 2007
trachtet ist diese Einstellung im Endeffekt
aber kontraproduktiv. Damit bauen wir
den Fachkräftemangel weiter aus anstatt
ab. Und bis in ein paar Jahren werden
auch die geburtenschwachen Jahrgänge
nachkommen. Dieser Tatsache entgegenzuwirken, das sind die Herausforderungen
der kommenden Jahre.
Ist das duale Ausbildungssystem leistungsfähig genug, diese Herausforderungen zu
meistern oder
bräuchte
Die Aufgaben der AMS Abteilung Jugendberufsberatung sind wahrscheinlich bewusst sehr umfangreich. Was
sind dabei die vorrangigen Ziele?
Service
Werner Holleis:
„Wir beraten pro Jahr im
Schnitt 4.000 Jugendliche.
Dabei versuchen wir, ihnen
eine Lehrstelle zu vermitteln
bzw. sie für ihre bevorstehende
Lebensabschnittsplanung
zu motivieren.“
Foto: AMS
Wir beraten pro Jahr im Schnitt 4.000 Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren.
Dabei versuchen wir, dem Jugendlichen
eine Lehrstelle zu vermitteln bzw. sie für
ihre nächste Lebensabschnittsplanung zu
motivieren. Es lohnt sich für jeden einzelnen, sich auf die Qualifizierungsschiene bringen zu lassen. Diese Bemühungen
kommen nicht nur dem Jugendlichen,
sondern auch der Allgemeinheit zu Gute.
Im Mittelpunkt steht immer der Jugendliche und seine Anliegen.
Was kann das AMS einem Jugend-
lichen, der keine Lehrstelle bekommt,
konkret anbieten?
Neben der Vermittlung von Lehrstellen
kann der Jugendberater dem Jugendlichen
noch weitere Maßnahmen bieten: Kurs­
programme wie Berufsorientierungs- und
-qualifizierungskurse, das Hauptschulprojekt und der Jasg- (nach dem Jugendausbildungssicherungsgesetz), Bag- und
der Partnerlehrgang. All diese Maßnahmen zielen auf eine berufliche Vorbereitung. Des weiteren bieten wir Individualmaßnahmen
sowie
betriebliche
Maßnahmen an.
Zukunft duale Ausbildung
S
chnelle Reaktion auf die Bedürfnisse des Marktes garantiert
die duale Ausbildung der Innung für Audio-, Video-, Alarmund Elektrotechnik. „Das Angebot ist kein Notnagel bei der Berufswahl, sonder eine praxisgerechte Ausbildung, die durch die
Zusammenarbeit zwischen
Lehrbetrieben,
Elektroinnung und der
Berufsschule für Elektrotechnik, Kommunikation und Elektronik
funktioniert“,
betont
Lehrlingswart Helmut
Lentner. Die Wünsche
der Wirtschaft werden
sofort in den Unterricht
einbezogen. Daher wird
die Lehre künftig auch
Lehrlingswart Lentner: „Ausbilals Modul angeboten.
dung orientiert sich an Wirtschaft“.
„Die Breite des Berufsbildes verlangt Spezialisten in vielen Bereichen. Mit der Modullehre kann der Lehrling
sein Spezialgebiet auswählen, etwa im Bereich Fotovoltaik und
alternative Energiegewinnung.“ Wie erfolgreich der Weg ist, zeigt
die Vorausscheidung für die Berufsweltmeisterschaft, so Lentner.
Das Niveau der jungen Tiroler Monteure sei österreichweit Spitzenklasse. Ebenfalls erfolgreich: Lehre mit Matura. Foto: Schäffauer
Computer. Dass das zum Teil negative
Auswirkungen auf das Verhalten der jungen Menschen hat, weil sie von den wesentlichen Dingen abgelenkt werden, liegt
auf der Hand.
Foto: Bilderbox
wia: Können Sie als Experte für die
Beratung von Jugendlichen über
Lehrstellen bestätigen, dass die Anforderungen an einen Lehrling in den
vergangenen Jahren gestiegen sind?
Heißt das, dass die intellektuellen Fähigkeiten viel mehr als früher über
den Lehrplatz entscheiden?
Es ist so, dass sich die Personalverantwortlichen der Betriebe aus den Unterlagen
der Bewerber letztendlich „nur die Besten“ herauspflücken. Damit bleiben die
„Schwächeren“, das sind meist diejenigen, die den dritten Leistungszug bzw. die
Sonderschule besuchen, auf der Strecke.
Aber auch wenn die Schulnoten bei der
Wahl nicht herangezogen werden, sind die
hausinternen Verfahren meist so konzipiert, dass auch hier nur die „Besten“ eine
Chance haben, aufgenommen zu werden.
Bildung
Karriere mit Lehre
E
rfolgreiche Absolventen gibt es bei der Firma Jenewein
GesmbH. Seit Jahren bildet das Unternehmen Lehrlinge
zu Fliesenleger Facharbeitern aus. Derzeit arbeiten sechs
Lehrlinge im Betrieb mit Sitz in Innbruck und Karres bei
Imst. Ab dem 1. September kommen zwei weitere Lehrlinge
dazu. „Unsere größte Motivation sind zufriedene Kunden,
daher führen wir gezielte Schulungen von Produkten, Materialien und Verlegetechniken mit unseren Lehrlingen durch“,
versichert Firmenchef Elmar Jenewein. „Durch gezielte
Schulungen von Produkten, Materialien und Verlegetechniken feilen wir ständig an unserem Know-how.“
Jenewein Gesellschaft m.b.H.
Fliesen- und Natursteinverlegung
Wirtschaft im Alpenraum • Juli/August 2007
An der Bundesstraße 141
6460 Karres
Trientlgasse 41
6020 Innsbruck
131
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