close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

BILDER ALS VERMITTLER DER RELIGIOSITÄT VON KÜNSTLERN UND SCHÜLERN

EinbettenHerunterladen
1 • 2009
E 3441
zur Praxis des Religionsunterrichtes
forum
religion
mit Medienservice
themenschwerpunkt
medienbeitrag
unterrichtsentwurf
werkstatt schule
LERNEN MIT NEUEN MEDIEN IM RU
»BILDER ALS VERMITTLER DER RELIGIOSITÄT VON KÜNSTLERN
UND SCHÜLERN«
»BIBLIOCHAT«
»WAS MACHT ISIDOR IN SEVILLA?«
Arbeiten mit relilex im RU der Grundschule
unterrichtsentwurf
eXpedition – Interaktiv lernen!
Von Jean-Louis Gindt
Die eXpedition ist eine vom Autor in Zusammenarbeit
mit der Lernplattform rpi-virtuell entwickelte Methode
des interaktiven und selbstbestimmten Lernens. Die
eXpedition ist ein überzeugendes Beispiel, wie die neuen
Medien im Religionsunterricht konstruktiv genutzt werden können. Sie bietet eine Fülle von Anwendungsmöglichkeiten auch in andern Fächern und ist auch technisch
variabel.
Der folgende Aufsatz bietet zunächst grundsätzliche
Informationen zur Methode sowie einen Leitfaden für die
Durchführung im Unterricht. In einem dritten Abschnitt
werden einige Anwendungsmöglichkeiten vorgestellt, und
am Schluss erhalten die Schüler/innen das Wort: Wie stehen sie zu dieser Lernmethode?
Was ist die eXpedition?
Die eXpedition ist eine einfache Methode des selbstbestimmten und interessegeleiteten Lernens. Sie motiviert
Schüler/innen, eigene Fragen zu einem vorgegebenen
Thema zu bearbeiten und ihre Erkenntnisse zu dokumentieren und zu kommentieren. Die Methode eignet sich
besonders zum Online-Lernen ab der Sekundarstufe, kann
aber auch offline genutzt werden.
wir schon ...«, »Das haben wir schon letztes Jahr
gemacht!«, »Nicht schon wieder ...!« wollte ich mir nicht
mehr anhören müssen. Dazu sollte die Arbeit im Religionsunterricht die Jugendlichen motivieren. So ließ ich
meine Schüler/innen selbst entscheiden, welche Aspekte
des zu behandelnden Themas sie in einer Unterrichtsstunde studieren wollten. Die eXpedition war geboren
und wurde in Zusammenarbeit mit rpi-virtuell optimiert.
Die eXpedition eignet sich sehr gut, um unbekannte Themenbereiche zu erschließen, weil keine Vorkenntnisse
nötig sind. Ich habe diese Methode z. B. eingesetzt zum
Kennenlernen von andern Religionen, Judentum, Islam,
Hinduismus. Aber ich halte eigentlich alle Themen für
geeignet, in denen es vordergründig um Wissensvermittlung geht. So kann man sie auch einsetzen zu Bibelgeschichte, Kirchengeschichte, Menschenrechten ...
Im Rahmen einer eXpedition können alle in der Klasse
einen Themenbereich auf eigene Art und Weise in der
eigenen Reihenfolge erkunden und dabei ihre ganz persönlichen Schwerpunkte setzen. Das macht es viel spannender und interessanter.
Eine eXpedition erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und will weder ein Referat noch ein Dossier sein!
Wie lange dauert die eXpedition?
Wie die Tour de France besteht auch eine eXpedition aus
mehreren Etappen. Jede Unterrichtsstunde stellt eine
Etappe dar. Wie viele Etappen geplant werden, richtet
sich nach dem Themenbereich und nach zur Verfügung
stehender Zeit. In der Praxis sehe ich meistens vier bis
sechs Etappen vor, d. h. also auch vier bis sechs Unterrichtsstunden. Dazu kann man eine Stunde als Einleitung
und technische Hinführung einrechnen.
Jede Unterrichtsstunde ist eine abgeschlossene Etappe.
Es geht also auch darum, das selbst gewählte Etappenziel
zu erreichen. Sinnvoll ist es, wenn die einzelnen Etappen
thematisch miteinander verbunden sind.
Die eXpedition ist aus meiner Unterrichtspraxis im Laufe des Schuljahres 2002/2003 entstanden. Ich wollte die
vielfältigen und aktuellen Angebote der neuen Medien in
meinem Unterricht nutzen. Sprüche wie: »Ach, kennen
20
forum religion 1/2009
Drei Schritte gehören zu jeder Etappe:
1. Bestimmung des Etappenziels (5 – 10 Minuten)
– Was interessiert mich heute konkret an diesem Thema?
– Was möchte ich in dieser Unterrichtsstunde genau erforschen?
unterrichtsentwurf
2. Die heutigen Entdeckungen (± 25 Minuten)
Ich gehe auf Forschungsreise und erschließe mir anhand
der angegebenen Internetquellen verschiedene Dokumente.
3. Der Etappenbericht (± 10 Minuten)
Was ich erforscht habe, notiere ich nun im Etappenbericht. (Der Etappenbericht kann auch während der Entdeckungsphase erstellt werden.)
Die eXpedition endet mit der Präsentation von ausgewählten Etappen im Klassenplenum.
Kompetenzlernen mit der eXpedition
Ich freue mich jedes Mal, wenn ich während einer eXpeditions-Stunde vor der Klasse stehe. Die Jungen und Mädchen sind intensiv bei der Sache. Und wenn die Stunde
nicht reicht, arbeiten sie auch mal freiwillig zu Hause
weiter, weil es ihnen Spaß macht.
Disziplin und Lehrerdrohungen sind überflüssig geworden, denn die Jugendlichen dürfen ja genau das erkunden, was sie interessiert und was für sie bedeutsam ist.
Dabei treffen sie meist von selbst den Kern.
Und wenn ich Noten geben will, ist das einfach und
transparent: Alles, was die Jungen und Mädchen gemacht
haben, ist dokumentiert und zugänglich. Wenn jemand
wirklich mal eine schlechte Arbeit abliefert, bekommt er
von mir inzwischen die Chance, zu Hause nachzubessern.
Die eXpedition-Methode dient der nachhaltigen Stärkung
zentraler Kompetenzen.
Sach- und Fachkompetenz:
Wichtig und bedeutungsvoll ist das, was zuerst mich,
mein Leben und mein Umfeld betrifft. Die Lernenden dürfen bei der eXpedition jenen Fragen und Aspekten eines
Themas nachgehen, die ihnen naheliegen, die sie betreffen. Sie müssen ihre Frage so eingrenzen, dass sie in
einer Unterrichtsstunde beantwortet werden kann. So
erkunden sie einen Sachverhalt, den sie nach und nach
entdecken, und begegnen auch so Bereichen, die sie
anfangs nicht kannten, bzw. die sie anfangs eventuell als
uninteressant abgelehnt hätten. Die eXpedition fördert
interessegeleitetes Lernen.
Methodenkompetenz:
Die Lernenden suchen in den zur Verfügung gestellten
Informationsquellen Antworten auf ihre Fragen. Sie lesen
Informationen zielgerichtet und beginnen sich mit einem
Sachverhalt auseinanderzusetzen. Sie notieren sich unter
dem Punkt »Entdeckungen« im Etappenbericht in ihren
eignen Worten das, was für sie wesentlich erscheint und
was sie mitnehmen möchten und nicht vergessen wollen.
Somit fassen sie zusammen, formulieren neu, prägen sich
ein. Durch die Formulierung eines Titels lernen sie die
Arbeit einer Stunde zu überschauen und sie kurz und ausdrucksvoll zu formulieren. Bei der Präsentation der Lieb-
lingsetappe vor dem Klassenplenum wird das mündliche
Vortragen eingeübt. Die eXpedition fördert methodische
Vielfalt.
Selbstkompetenz:
Die jungen Menschen werden dazu angeregt, selbst entscheiden zu müssen, welchen Teilbereich eines Themas
sie behandeln wollen. Sie fragen sich natürlich, was ist
mir an diesem Thema besonders wichtig; was bedeuten
diese Erkenntnisse für mich, für mein Leben, für unser
Leben. Die eXpedition leitet an, sich selbst mit einem
Thema zu beschäftigen und auseinanderzusetzen, selbst
Antworten auf (eigene) Fragen zu suchen und zu finden.
Somit werden die Lernenden verantwortlich für ihr eigenes Lernen. Da die eXpedition-Mappe von jedem PC über
Internet zu bearbeiten ist, steht es ihnen frei, ihre Arbeit
über den Unterricht hinaus, ebenfalls von zu Hause zu
verbessern und zu vertiefen. Die eXpedition fördert
selbstständiges Lernen.
Sozialkompetenz:
Teamarbeit eignet sich hervorragend für die eXpedition.
Zu zweit lassen sich Fragen präziser formulieren, und
gleichzeitig wird der eigene Horizont erweitert. Sowohl
im Umgang mit den Informationsquellen als auch bei der
Redaktion des Etappenberichts können die Lernenden
sich gegenseitig unterstützen, beraten und korrigieren.
Beim Kommentar kommen z. T. unterschiedliche Standpunkte zum Vorschein, Diskussionen können entstehen.
Durch die Präsentation der Lieblingsetappe lernen die
Jugendlichen unterschiedliche Blickwinkel und Interessen kennen und respektieren. Die eXpedition fördert die
Kommunikation, das Zusammenarbeiten sowie den
gegenseitigen Respekt.
Reflexionskompetenz:
Der Kommentar im Etappenbericht ist ein absolut
wesentliches Element der eXpedition. Das Kommentieren
drängt zu einer Stellungnahme, zum Nachdenken, zum
Überdenken. Das Kommentieren leitet zum Argumentieren
an und unterstützt das Reflektieren. Hier entsteht der
Bezug zwischen Fakten und dem Einzelnen, zwischen
Fachwissen und dem, was mich betrifft. Somit verdrängen
Plausibilität und individuelle Ansichten und Überlegungen weitverbreitete Indifferenz im schulischen Lernen.
Die eXpedition fördert die Einübung persönlicher Standpunkte.
Medienkompetenz:
Die eXpedition ist aus dem Umgang mit den neuen Kommunikationsmedien entstanden. Die Lernenden nutzen
die Medienangebote im Internet als Informationsquelle,
sie wählen aus, versuchen sie zu verstehen und zu bewerten. Sie werden konfrontiert mit Fragen der Autorenrechte. Sie gestalten ihre Arbeiten mittels einer Lernplattform
(rpi-virtuell), nutzen vielfältige Online-Tools und veröffentlichen ihre Arbeiten in geschütztem Raum (in einem
Seminarraum, einem virtuellen Klassenzimmer). Die
21
forum religion 1/2009
unterrichtsentwurf
eXpedition fördert den verantwortlichen Umgang mit den
neuen Medien.
Schritt für Schritt: eXpedition im Unterricht
Am Anfang stelle ich das Unterrichtsthema kurz vor.
Dabei mache ich ganz deutlich, dass es den Jungen und
Mädchen wirklich freigestellt ist, welche Aspekte sie
untersuchen und studieren wollen. Wichtig ist, dass sie
mit den Fragen beginnen, die sie ganz konkret am Thema
interessieren. Da ist die Klasse oft überrascht, denn die
Jugendlichen sind es teilweise gar nicht gewohnt, selbst
zu entscheiden, was sie lernen wollen.
Dann tun sich die Schüler/innen zu kleinen Teams zusammen und überlegen sich, was sie in dieser Stunde konkret
interessiert und welche Aspekte sie bis zum Ende der Stunde bearbeiten wollen und zeitlich auch können. Das ist ihr
Etappenziel für diese Stunde. Ja, und dann geht das Forschen los und sie suchen nach Antworten auf ihre Fragen.
Dafür stelle ich vorher eine Linkliste mit einem halben
Dutzend empfehlenswerter und verständlicher Internetseiten zusammen, z. B. aus dem Materialpool von rpi-virtuell. Natürlich können sie auch selbst online recherchieren oder das Schulbuch oder die Bibliothek zu Hilfe nehmen. Doch das Ziel ist keinesfalls ein Internet-Surfen,
denn die jungen Menschen sollen ihre Zeit nicht mit Klicken und Googlen verbringen.
Die Forschungsergebnisse werden in einem kleinen Bericht
dokumentiert, und zwar in der eXpedition-Mappe, die von
rpi-virtuell entwickelt wurde und als eTool zur Verfügung
steht. Hier haben die Jugendlichen und der Lehrer immer
einen genauen Überblick über den Arbeitsverlauf.
Als Abschluss stellt jedes Team die Lieblingsetappe der
eXpedition dem Plenum in einem frei vorgetragenen Kurzreferat (max. 10 Minuten) mündlich vor. Die Vorträge
wollen keine Referate sein, vielmehr lebendig und
anschaulich darstellen, was die Jugendlichen persönlich
angesprochen und interessiert hat. Manche Teams ergänzen ihren Vortrag mit Bildern, zeigen bestimmte Websites
oder sogar kurze Powerpointpräsentationen.
Die wichtigsten Schritte in der Übersicht
Vorbereitung durch die Lehrkraft:
Technische Möglichkeiten und Internetzugang sind zu
klären. Inhaltliche Ressourcen werden zusammengestellt.
Klassenunterricht – gemeinsame Startphase:
Es findet eine gemeinsame thematische und technische
Einführung statt.
Dauer: ca. eine Unterrichtsstunde
Arbeit in Kleingruppen:
Die Schüler/innen erkunden gemeinsam selbst gewählte
thematische Aspekte und dokumentieren ihre Erkennt22
forum religion 1/2009
nisse in der eXpedition-Mappe. Jede Einheit oder Etappe
umfasst eine ganze Unterrichtsstunde. Da kann es nach
30 Minuten nicht heißen: Wir sind fertig.
Dauer: je nach Thema drei bis sechs Unterrichtsstunden
bzw. Etappen
Klassenunterricht – Präsentation:
Jede Kleingruppe präsentiert den bedeutsamsten Abschnitt in der Klasse. Fakultativ: Thematische Weiterführung und Abrundung durch die Lehrkraft.
Dauer: ein bis zwei Unterrichtsstunden
Evaluation – Auswertung des Projekts im Klassengespräch
Dauer: eine halbe Unterrichtsstunde
Wichtig: Im Vorgespräch mit der Klasse noch einmal hervorheben, auf was es bei der eXpedition ankommt:
Eigene Fragen finden! Nicht einfach Inhalte übernehmen,
sondern sich eigene Gedanken dazu machen und die eigenen Erkenntnisse und Überlegungen in die Mappe eintragen – die eXpedition ist kein Referat!
Dokumentation in der eXpedition-Mappe
In der eXpedition-Mappe sind alle Etappen und Ergebnisse dokumentiert. Sie besteht aus den einzelnen Etappenberichten und einer Evaluation. Im entsprechenden
eTool bei rpi-virtuell ist eine Startseite mit Kurzanleitung
vorangesetzt. Hier können die Jugendlichen auch die
Namen der Teammitglieder einschreiben und ihrer »eXpedition-Force« einen individuellen Namen geben. Ein
Teamname fördert nämlich das Spannende, das Spielerische am Lernen und stärkt das Teambewusstsein.
Das Bearbeiten der Mappe als eTool ist sehr einfach. Wo
ein »Bleistift« erscheint, öffnet sich durch einen Mausklick eine Form, in welcher der Text geschrieben werden
kann. Dann speichern und fertig! Da eine individuelle
Formatierung des Textes nicht möglich ist, geht auch keine Zeit mit Formatierungsspielereien verloren.
Der Etappenbericht besteht aus vier Elementen:
1. Entdeckungen: Die Verlockung zum simplen Kopieren
nie gelesener Texte ist besonders groß. Die Kurzbeschreibung verlangt von den Schülerinnen und Schülern, längere Texte in eigene Worte zu fassen. Es geht darum, das
zu notieren, was man an Wissenswertem unbedingt »mitnehmen« will. Somit wird das Gelesene verarbeitet.
2. Quellen: Die Quellenangabe verdeutlicht den Wert der
Recherchen. Der Umgang mit Autorenrechten will ebenfalls gelernt sein. Sinnvoll ist es optional auch, den Wert
und die »Autorität« der genutzten Quellen kurz zu
begründen.
3. Kommentar: Im Schülerkommentar kann die Lehrkraft
sehen, in welchem Ausmaß sich die Jungen und Mädchen
mit den Informationen auseinandergesetzt haben. Hier
geht es darum Wissenselemente zu reflektieren. So
geschieht dann Lernen.
unterrichtsentwurf
4. Titel der Etappe: Das Formulieren eines Titels für jede
Etappe veranlasst, den Lernstoff einer Unterrichtsstunde
prägnant zusammenzufassen.
Technische Durchführung
Der Unterricht wird in einem »virtuellen Klassenzimmer«
durchgeführt. Bei rpi-virtuell werden diese als »Seminare« bezeichnet. Die Lehrkraft richtet dort als Seminarleitung einen Raum ein. Die eXpedition-Mappe steht bei
rpi-virtuell in der eToolbox bereit. Sie lässt sich mit
einem Mausklick generieren.
Die Lehrkraft richtet für die Klasse ein Seminar ein bei
rpi-virtuell. Erforderlich ist dazu die erweiterte Anmeldung.
Die Schüler/innen registrieren sich bei rpi-virtuell, die
einfache Anmeldung genügt. In einem zweiten Schritt
melden sie sich für dieses Seminar an.
Jede Kleingruppe arbeitet in ihrem eigenen Ordner. Die
Lehrkraft hat jederzeit Zugang zu allen Ordnern, kann
Lernfortschritte feststellen und Rückmeldungen geben.
rpi-virtuell bietet übrigens auch die Option, Gruppenarbeit einzurichten und gezielt Schreibrechte zu verteilen.
Empfehlenswert ist es, die technische Vorbereitung gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von interessierten
Jugendlichen durchzuführen.
Diese können dann als »Scouts« den anderen Schülerinnen und Schülern helfen.
Anwendungsbeispiele
Je länger ich mit der eXpedition arbeite, desto vielfältiger sehe ich die Einsatzmöglichkeiten. Sie ist flexibel und
anpassungsfähig.
Sachthemen, z. B. die Weltreligionen
In einer 9. Gymnasialklasse stand das Thema Islam an –
ideal für eine eXpedition! Nach einer kurzen Einführung
mit Basisinfos bildeten die Jugendlichen Teams, formulierten ihre Interessen und Fragen und erkundeten in
sechs Etappen mit Hilfe des Internet diese Weltreligion.
Nachbearbeitung von Lektüren
Eine interessierte 10. Klasse brachte den Reißer »Das
Sakrileg« mit. »Können wir das im Unterricht lesen«? Ja,
wir konnten – aber die provokativen Inhalte sollten mit
einer eXpedition aufgearbeitet werden, das war meine
Forderung. Mindestens zwei Problemstellungen oder Fragen sollten die Jugendlichen intensiv nachgehen.
Die Methode ist auch einsetzbar ohne Internetrecherche.
In einer 8. Klasse hatten wir das Markusevangelium als
Ganzschrift gelesen. Bei den Diskussionen stellte ich
fest, wie unterschiedlich die Texte auf die Jungen und
Mädchen wirkten. Ich wollte sie dazu anregen, ihre ganz
persönlichen Schwerpunkte und Gedanken zu formulieren. Sie bekamen die Aufgabe, eine eXpedition zu erarbeiten zu fünf Perikopen ihrer eigenen Wahl.
Ethische Themen
Ethische Gebote – eine eXpedition »Tugendkataloge«
Die Schüler/innen einer 9. Gymnasialklasse sollten sich
mit ethischen Grundwerten der Weltgeschichte auseinandersetzen, wie z. B. das Ägyptische Totenbuch, die
Zehn Gebote, das Pfadfindergesetz oder die zehn Grundsätze für Manager usw. Es ging mir nicht bloß um das
Kennenlernen verschiedener ethischer Grundprinzipien,
sondern auch um das persönliche Betroffensein und die
eventuelle Umsetzung im Leben eines Jugendlichen des
21. Jahrhunderts.
Menschenrechte
Meiner 10. Klasse wollte ich mit den 30 Artikeln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte konfrontieren.
Dazu wählten sie sich pro Etappe eine aktuelle Nachricht
ihrer Wahl aus und analysierten, welche Artikel der Charta in dieser Nachricht angesprochen wurden und ob sie
verletzt oder respektiert wurden. Ihr Ergebnis hielten sie
in den Entdeckungen fest und kommentierten die Nachricht aus dem Blickwinkel der Menschenrechte. So erfuhren sie auch, dass Menschenrechte zu unserm Alltag
gehören.
Biblische Kulturgeschichte
Eine erweiterte eXpedition zu den Begegnungen zwischen Bibel und Kunst
Die jungen Gymnasialschüler (ab 7. Klasse) lesen z. B.
sechs Bibeltexte, die sie anschließend selbst kurz fassen
und sie in den biblischen Kontext einordnen. Sie versuchen selbst die Perikope zu deuten. Anschließend werden
sie konfrontiert mit einem Kunstwerk bis 19. Jh. und
einem zeitgenössischen Kunstwerk (20./21. Jh.) und versuchen die unterschiedlichen Deutungen der Künstler zu
entdecken.
Kunst-eXpedition
Zum Umgang mit Kunst und zur Auseinandersetzung mit
Kunstwerken habe ich im Dezember 2007 eine spezielle
Kunst-eXpedition bei rpi-virtuell vorgestellt.
Variante: eXpedition offline
Persönlich arbeite ich mit der eXpedition ausschließlich
online und zwar mit der Lernplattform
www.rpi-virtuell.net
Es kann aber für bestimmte Schularten oder zur Einübung
der Methode hilfreich sein, die eXpedition zunächst offline durchzuführen.
Das Vorgehen bleibt dabei das Gleiche. Zum Einholen von
Informationen dienen Schulbücher, die Schulbibliothek
oder Bücher, die die Lehrkraft bzw. die Schüler/innen
selbst mitbringen.
In einem Arbeitsblatt werden die Erkenntnisse dokumentiert.
23
forum religion 1/2009
unterrichtsentwurf
www.rpi-virtuell.de
Wir sind das eXpedition-Team: _____________________
____________________________________________
____________________________________________
____________________________________________
Datum der Etappe: _______________________________
Die heutige Etappe Nr.:___________
____________________________________________________________________________________
(Etappentitel: Das Ziel oder die Frage, die erforscht werden soll)
Entdeckungen:
Kurzbeschreibung
in eigenen Worten
(kein Kopieren/Einfügen!)
Quellen:
Genaue Angabe aller genutzten
Internetseiten, Literatur oder anderer Quellen
Kommentare:
Das
war spannend ...
erstaunlich ...
erinnert mich an ...
hat mir gefallen ...
nicht gefallen ...
verstehe ich nicht ...
finde ich ...
will ich weiter erforschen ...
24
forum religion 1/2009
unterrichtsentwurf
Das sagen die Schüler/innen
Von meinen Schüler/innen höre ich zumeist sehr positive Rückmeldungen. Ihnen sei deshalb hier das letzte Wort gegeben:
»Die eXpedition hat uns sehr viel Spaß gemacht. Wir beide finden, dass wir sehr gut zusammengearbeitet haben und uns
gegenseitig bei der Bearbeitung jeder Etappe geholfen haben. Wir standen nicht unter Zeitdruck, sondern haben uns jede
Stunde für jede Etappe gut Zeit genommen, damit wir diese sorgfältig ausfüllen konnten. Bei diesem Projekt haben wir
Recherchen über den Islam gestartet und uns viele Informationen geholt. Wir haben vieles über das Leben im Islam gelernt,
welche Stellung die Frau im Islam hat und vieles über die fünf Säulen. Eigentlich war bei dieser eXpedition alles in Ordnung
und sehr einfach erklärt. Es sollte sich also nichts ändern bei der nächsten eXpedition ...«
Anne B. und Carole S.
»Ich fand es sehr interessant, einmal solch eine Arbeit zu machen und würde es jederzeit wieder tun. Man braucht nicht alles
auf der Hand zu schreiben und hat alles übersichtlich und gegliedert in einem Dokument. Es ist sehr einfach zu beherrschen
und kann auch oft verwendet werden«.
David R.
»Ich finde solche Arbeiten besser als die ›klassischen‹ Prüfungen. Man kann dann zusammenarbeiten und sich beraten, aber
es war uns manchmal ein bisschen unklar, welches Thema wir behandeln wollen, und deshalb war die Zeit auch ein bisschen
kurz. Aber wir haben dann ein wenig schneller gearbeitet. Ich möchte im nächsten Trimester noch so eine eXpedition
machen!«
Tanja N.
»Dadurch, dass wir uns vorher noch nicht mit Menschenrechten auseinandergesetzt haben, war es für uns diese eXpeditionMenschenrechte eine neue interessante Erfahrung. Es war interessant, die Menschenrechte kennen zu lernen und zu wissen,
welche Rechte jeder hat. Uns hatte dieser Religionsunterricht sehr gut gefallen, sich mit den Menschenrechten auseinanderzusetzen und wir haben auch dazugelernt. Wir können nur positive Schlüsse von diesen Aufgaben schließen.«
Jil K.
Weblink:
http://www.rpi-virtuell.net/expedition
25
forum religion 1/2009
impressum
Herausgeber
Das Kollegium des pti: Bernhard Böttge, Frank Bolz, Hartmut Feußner,
Reinhard Grenz, Petra Hilger, Christian Marker, Dr. Gudrun Neebe, Dr. Martin Sander-Gaiser, Reinhold Strube, Helmut Törner-Roos, Claudia Rudolff,
Brigitte Weißenfeldt, Sabine Wildemann, Veronika Wirth-Uffelmann, Rainer Zwenger
Redaktion
Reinhold Strube (verantwortlich), Veronika Wirth-Uffelmann,
Bernhard Böttge, Dr. Martin Sander-Gaiser,
Pädagogisch-Theologisches Institut (pti)
Redaktionsbüro, Gestaltung und Medienservice
Manuela Berwald, Pädagogisch-Theologisches Institut der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (pti), Heinrich-Wimmer-Straße 4, 34131 Kassel,
Telefon: 0561-9307-134, Telefax: 0561-9307-177
E-Mail: berwald.pti@ekkw.de
Verlag und Anzeigen
Verlag Kreuz GmbH, Liebknechtstraße 33,
70565 Stuttgart
Leserservice (Mo.-Fr. 9-13 Uhr) 0711-7252237
Telefax: 0711-78803-10
Abonnement-Verwaltung
Bitte richten Sie sämtliche Korrespondenz (Adressen-Änderungen, Neubestellungen, Abo-Kündigungen etc.) an:
Zenit Pressevertrieb GmbH, Postfach 81 05 80, 70522 Stuttgart
Telefon: 0711-7252-237, Telefax: 0711-7252-333
E-Mail: leserservice@zenit-presse.de
Postscript-Belichtung und Druck
Wacker Offsetdruck GmbH, Eisenbahnstraße. 16, 73630 RemshaldenGrunbach. Gedruckt auf umweltfreundlichem, chlor- und säurefreiem
Papier.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses Heftes
Dr. Martin Sander-Gaiser, Fuldaweg 8, 34317 Habichtswald; Daniel Schüttlöffel, Wilhelm-Busch-Weg 9, 31535 Neustadt/Rgbe.; Jean-Louis Gindt,
17, rue de Luxembourg, L-3360 Leudelange; Mario Reinhardt, An der
Hardt 17, 37339 Worbis; Doris Weiland, Donnershag 8, 36205 Sontra;
Frank Bolz, Friedrich-Naumann-Str. 25, 34131 Kassel; Sandra Müller,
Emserstr. 148, 56076 Koblenz; Reinhard Grenz, Ringstr. 40, 34497 Korbach
forum religion erscheint vierteljährlich und kann über jede Buchhandlung oder direkt beim Verlag bezogen werden.
Einzelheft € 6,20. Jahresabonnement € 24,00, für Auszubildende gegen
Nachweis € 21,40 (jeweils inkl. Versandkosten).
Für Abonnenten der Landeskirche Kurhessen-Waldeck beträgt der Jahresabonnement-Preis € 20,60, für Auszubildende € 16,60 (jeweils inkl. Versandkosten). Kündigungen sind 6 Wochen vor Beendigung des Berechnungszeitraumes schriftlich der Abonnement-Verwaltung mitzuteilen.
34. Jahrgang
43
forum religion 1/2009
Document
Kategorie
Bildung
Seitenansichten
2
Dateigröße
197 KB
Tags
1/--Seiten
melden