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(3): Austrocknungsverhalten, Rißbeständigkeit - HPC AG

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Langzeitbeständigkeit vom mineralischen Abdichtungen
Key-Words (3): Austrocknungsverhalten, Rißbeständigkeit,
schädliche Wasserspannungen
O. Kemmesies
HPC HARRESS PICKEL CONSULT AG, Harburg, Deutschland
W. Behrens
TD Umwelttechnik GmbH & Co. KG, Barsbüttel, Deutschland
KURZFASSUNG: Die Gewährleistung der Austrocknungssicherheit mineralischer Dichtungsschichten erfordert die Prognose extremer klimatischer Ereignisse als Randbedingungen sowie
deren Auswirkungen im Dichtungselement. Der Sicherheitsgrad der Dimensionierung von
Bauwerken steigt, je berechenbarer der verwendete Baustoff ist. Die gestellten Anforderungen
an solche Dichtungssysteme können dabei oft nur durch Baustoffe mit festgelegter Rezeptur geleistet werden. Die Prognose des Eintretens von Trockenrissen wird dann möglich, wenn Wasserspannungsdaten aus Testfelduntersuchung mit den Wasserentzugsfunktionen der numerischen Simulationsprogramme des Wasserhaushaltes erfolgreich kalibriert werden können. Denn
dann wird eine Berechnung der in der Dichtung vorhandenen Wassergehalte als Bemessungspotenzial möglich. Die dabei anzuwendende Vorgehensweise soll anhand der Daten des von 2001
bis 2005 betriebenen Testfeldes auf der Deponie Rothenbach (NRW) bei Verwendung des Dichtungsmaterials Trisoplast demonstriert werden. Mit dem Programm SIWAPRO DSS wurden
dabei langjährige Wasserhaushaltsuntersuchungen mit einer Auflösung in Tagesschritten
durchgeführt, die es gestatten kritische Zustände hinsichtlich Austrocknung und Rißverhalten zu
identifizieren.
1 EINLEITUNG
Mit Sicht auf die Langzeitbeständigkeit mineralischer Abdichtungssysteme ist die Austrocknungsgefahr und damit die Entstehung von Trockenrissen von zentraler Bedeutung, um langfristig die Infiltration von Niederschlag in den Deponiekörper oder ins Grundwasser zu minimieren
und bei aktiven Deponien vor Gasaustritten zu schützen.
Über hohe Durchlässigkeiten infolge Austrocknung von Testfeldern in Oberflächenabdichtungen wird schon in Melchior (1993) berichtet. Der Arbeitskreis „Geotechnik der Deponiebauwerke“ der DGGT hat die Grundlagen zum Austrocknungsverhalten mineralischer Abdichtungen analysiert und in Ramke et al. (2002) publiziert. In Witt und Zeh (2004) erfolgte eine
Zusammenfassung dieser Ergebnisse unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Möglichkeiten
einer ingenieurmäßigen Bemessung von mineralischen Dichtungen.
Aus den Erfahrungen mit herkömmlichen mineralischen Dichtungsmaterialien (Tone, Lehme)
mit Blick auf gute Verarbeitbarkeit und geringe Durchlässigkeit wird in den Regelwerken ein
überoptimaler Einbauwassergehalt, also auf dem nassen Ast der Proctorkurve gefordert (DepV
(2009). Daraus folgt zwangsläufig ein hohes spezifisches Schrumpfpotential, was bei unteroptimalem Einbauwassergehalt, also auf dem trockenen Ast der Proctorkurve erheblich geringer
ausfällt, woraus wiederum bei Wassergehaltsänderungen geringere Zugdehnungen und damit
eine geringere Rissgefährdung folgt. Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt, wenn der Einbau
mit einem Einbauwassergehalt unterhalb des Wassergehaltes an der Schrumpfgrenze erfolgt.
Besonders bindige Böden zeigen bei Abgabe von Wasser ein- oder mehrdimensionale
Schrumpferscheinungen. Diese Volumenreduzierung hat seine Ursache in einer Zunahme der
Wasserspannung bei Abnahme des Wassergehaltes von Böden. In der Bodenmechanik ist der
Begriff des Wassergehaltes an der Schrumpfgrenze gängig. Dessen Bestimmung erfolgt nach
DIN 18122. Bis zum Erreichen der Schrumpfgrenze kann von einem linearen Zusammenhang
zwischen Wassergehalt und Volumen ausgegangen werden (normaler Schrumpfungsbereich).
Nach Überschreiten der Schrumpfgrenze (Restschrumpfungsbereich) treten mit weiter abneh-
mendem Wassergehalt praktisch keine Volumenänderungen mehr ein. Der Boden schrumpft also solange wie die Wasserspannung das Korngerüst komprimieren kann. Wird der Bodenwiderstand größer als die Wasserspannung, ist die Schrumpfgrenze überschritten. Je nach Isotropie
der Feuchteverteilung im Boden kann dabei die Zugfestigkeit des Bodens überschritten werden,
woraus Rissbildung folgt.
Unter Feldbedingungen sind weitere Einflüsse zu berücksichtigen, die das vorhandene Potenzial einer mineralischen Dichtung beeinflussen und bei Erreichen des kritischen Wertes zur
Rissbildung führen. In Witt und Zeh (2004) wird das kritische Potenzial als Kenngröße des
Dichtungsmaterials betrachtet, dass u.a. von folgenden Parametern und Bedingungen abhängt:
• Auflastspannung über der Dichtung
• wasserspannungsabhängige Bodenzugfestigkeit
• Zugmodul (Zugspannung zu Dehnung)
• Einbaudichte, Einbauenergie
• Tongehalt und Bodenstruktur
Das vorhandene Potenzial in der Dichtung hängt von der Wechselwirkung des lokalen Klimas (Niederschläge, Temperaturen) mit dem gewählten Aufbau des Dichtungssystems (Parameter des Wasserhaushaltes) und dem vorgesehenen Bewuchs ab.
Da der Austrocknungsschutz einer mineralischen Dichtung vorrangig von der Wechselwirkung
Rekultivierungsschicht/mineralische Dichtung gewährleistet wird (Behrens (2006)), muss die
Rekultivierungsschicht einen hierfür gerade ausreichenden Bodenwasservorrat zur Verfügung
stellen, um eine Überbeanspruchung infolge Austrocknung in der mineralischen Dichtung zu
verhindern.
Mit Hilfe dieser Erkenntnisse und unter Verwendung der Untersuchungsergebnisse aus
(Schanz et al. (2004) und (Behrens und Neumann (2002)) wird nun erstmalig die rechnerische
Prognose des Rissverhaltens infolge Austrocknung für das Dichtungsmaterial Trisoplast möglich. Dies soll im Folgenden anhand der Daten des Testfeldes der Deponie Rothenbach gezeigt
werden.
2 TESTFELD ROTHENBACH
2.1 Aufbau des Testfeldes
Auf der Deponie Rothenbach (NRW) wurde ein Testfeld zur Untersuchung einer mineralischen Dichtung aus Trisoplast aufgebaut. Im Zeitraum vom 09.08.2001 bis 18.10.2005 wurden
u. a. zeitlich hochauflösend in einem Teilfeld die Wasserdruckhöhen (hp) in allen wasserhaushaltlich relevanten Schichten des Dichtungssystems gemessen.
Unter Verwendung der vorliegenden Messergebnisse soll das wasserhaushaltliche Verhalten
des Oberflächensicherungssystems auf dem Testfeld Rothenbach modelliert werden, um Grundlagen für eine Berechnung der in der Dichtung vorhandenen Wassergehalte bzw. Wasserspannungen als prognostiziertes Bemessungspotenzial für beliebige weitere Standorte zu ermöglichen.
Das komplette Testfeld auf der Deponie Rothenbach hat eine Länge von 70 m und eine Breite
von 40 m. Es fällt nach Süden hin ab und hat im Böschungsschulterbereich eine mittlere Neigung von 1:6,5, im mittleren Teil von 1:5 und im unteren Teil von 1:3,5.
•
•
•
•
Das Oberflächensicherungssystem ist wie folgt aufgebaut:
100 cm Rekultivierungsschicht
0,5 cm Drainmatte (Secudrän)
7 cm Trisoplast
50 cm Auflager aus Müllverbrennungsasche (MVA)
Niederschlag in mm/d
40
Niederschlag
30
20
10
Kapillardrucköhe in cm
0
0
200
400
600
800
Kapillardrucköhe in cm
1000
Rekultivierungsschicht
hc > 0: ungesättigte Verhältnisse
Trisoplast
0
200
400
hc > 0: ungesättigte Verhältnisse
Kapillardrucköhe in cm
600
Auflager
0
200
400
hc > 0: ungesättigte Verhältnisse
600
8/1/01
2/1/02
8/1/02
2/1/03
8/1/03 2/1/04
Datum
8/1/04
2/1/05
8/1/05
Abb. 1: Gemessener Niederschlag und Mittelwerte der gemessenen Kapillardruckhöhen im Testfeld der
Deponie Rothenbach
Im oberen Böschungsschulterbereich ist ein Teilfeld mit Tensiometern zur Aufnahme der
Wasserdruckhöhen bestückt. In dem Teilfeld sind insgesamt 9 Tensiometer in drei verschiede-
nen Schichten eingebaut. Jeweils 3 Tensiometer sind in der Rekultivierungsschicht, in der Trisoplastdichtung und in der Auflagerschicht angeordnet (Melchior und Wittpohl (2004)).
2.2 Messwerte
Im Zeitraum vom 08.08.01 bis 20.12.04 und vom 18.01.05 bis 18.10.05 wurden:
• Wasser- bzw. Saugspannung (Auflagerschicht, Trisoplast, Rekultivierungsschicht)
• Windgeschwindigkeit und -richtung
• Temperatur, rel. Luftfeuchtigkeit, Niederschlag und Verdunstung nach HAUDE
gemessen.
Abb. 1 zeigt die Messwerte des Niederschlags (oben) sowie die Mittelwerte der Kapillardruckhöhen aus den Tensiometern in der Rekultivierungsschicht, in Trisoplast und im Auflager.
Die Mittelwerte wurden dabei aus den je 3 Messwerten der Tensiometer gebildet.
In der Rekultivierungsschicht (2. Grafik von oben in Abb. 1) ist sägezahnförmig ein saisonal
bedingter Anstieg der Kapillardruckhöhe zu erkennen. Dieser ist auf die Austrocknung der Rekultivierungsschicht zurück zuführen. Dieser saisonale Einfluss ist allein im Verlauf der Niederschlagshöhen nicht wieder zu erkennen.
Die beiden unteren Grafiken in Abb. 1 zeigen keine bzw. nur noch eine geringe Beeinflussung durch die z.T. starke Austrocknung der Rekultivierungsschicht. Lediglich zu Beginn der
Aufzeichnungen sind ausgeprägte ungesättigte Verhältnisse anzutreffen. Diese resultieren aus
dem Einbau. Danach steigen die Kapillardruckhöhen in Trisoplast und im Auflager an, bis nahezu gesättigte Verhältnisse erreicht werden.
Die Strömungsverhältnisse im Bereich des Auflagers (unterste/4. Grafik von oben in Abb. 1)
verbleiben dagegen stets im ungesättigten Bereich. Es ist dabei a priori davon auszugehen, dass
das Wasser, das die Rekultivierungsschicht durchströmt hat, auf Trisoplast lateral abströmt.
3 MODELLIERUNG
3.1 Programmsystem
Die numerische Modellierung erfolgt mit Hilfe des Programms SIWAPRO DSS (Kemmesies et
al. (2007)). Die Nachbildung der Strömungsprozesse erfolgt im Programm auf der Grundlage
der RICHARDS-Gleichung, die der Stofftransportprozesse auf der Grundlage der AdvektionsDispersions-Gleichung.
Parameterfunktionen der RICHARDS-Gleichung sind die hysterese Retentionsfunktion θ(hc)
sowie die Funktion der ungesättigten hydraulischen Leitfähigkeit k(θ).
3.2 Modellaufbau der Deponieabdichtung
3.2.1 Geometrie
Der geometrische Aufbau des Modells richtet sich nach den geometrischen Daten des Testfeldes. Die Schichthöhe der Dränmatte beträgt im Feld 0,5 cm. Diese Schichthöhe wurde im Modell auf 5 cm überhöht, da eine Modellschicht von nur 0,5 cm Höhe zu einer feineren Diskretisierung des Strömungsfeldes in diesem Bereich und damit zu einer deutlich höheren Anzahl an
Berechnungsknoten zwingen würde. Die Erhöhung der Schichtmächtigkeit wurde durch eine
Verringerung des Durchlässigkeitsbeiwertes dieser Schicht kompensiert.
Niederschlagshöhe in cm/d
Evaporationsrate in cm/d
4
3
2
1
0
0.16
0.12
0.08
0.04
Kapillardruckhöhe in cm
Transpirationsrate
in cm/d
0
0.50
0.40
0.30
0.20
0.10
0.00
0
200
400
600
Mittelwerte der 3 Tensiometer
in der Rekultivierungsschicht
800
0
182.5
365
547.5
2/1/02
8/1/02
2/1/03
912.5
1095
1277.5
1460
8/1/03 2/1/04
Datum
8/1/04
2/1/05
8/1/05
730
Zeit in d
Abb. 2: Zeitreihen der berechneten Wasserhaushaltsgrößen
3.2.2 Zulauf zum Teilfeld
Das Test- und auch das Teilfeld befinden sich an der Böschungsschulter der Deponie. Dadurch
ist sichergestellt, dass es keine seitlichen Zuflüsse zum Teilfeld gibt. Ein Zufluss erfolgt nur
durch versickerndes Regenwasser. Im Modell wird der Zufluss über eine atmosphärische Randbedingung berücksichtigt.
Als atmosphärische Randbedingung wird in SIWAPRO DSS der effektive Niederschlag, die
potentielle Bodenevaporation und die potentielle Transpiration verwendet. Der gemessene Niederschlag wurde mit einem Faktor von 10% messfehlerkorrigiert. Die potentielle Bodenevaporation und die potentielle Transpiration wurden auf der Basis der gemessenen Temperatur und
Luftfeuchtigkeit mit einem an der TU Dresden entwickelten Wettergenerator (Nitsch et al.
(2007) berechnet (vgl. Abb. 2). Die dafür fehlenden Werte zur Globalstrahlung wurden mit
Werten der ca. 50 km östlich gelegenen Station Düsseldorf berechnet.
In Abb. 2 sind die Stressperioden mit hoher potenzieller Verdunstung (Evaporation) und
Pflanzenwurzelentzug (Transpiration) deutlich zu erkennen. Der Pflanzenwurzelentzug tritt auf,
solange wie der permanente Welkepunkt des Bewuchses nicht erreicht ist.
Ist die potenzielle Verdunstung größer als der Niederschlag, findet Bodenverdunstung statt.
Diese könnte zumindest theoretisch so groß werden, bis die gesamte potenzielle Verdunstung
erreicht wird. Damit ist immer ein entsprechender Abfall der Druckhöhe (=Saugspannung) verbunden. Um hier den auftretenden Volumenstrom begrenzen zu können, wurde eine entsprechend begrenzende Steuergröße gesetzt.
3.2.3 Transpiration
Die aktuelle Transpiration wird im Programm SIWAPRO DSS wie folgt berechnet:
Takt = α·β·Lt·Tpot
(1)
Dabei ist α eine Skalierungsfunktion, β die Verteilungsfunktion der Wasseraufnahme der
Wurzeln i.W. über die Wurzeltiefe, Lt die Breite der Verdunstungsoberfläche und Tpot die potentielle Transpirationsrate. Die Werte für Tpot wurden mit dem Wettergenerator ermittelt. Der Parameter β soll die mögliche örtliche Verteilung des Pflanzenwurzelentzuges berücksichtigen.
Der Parameter wird im Netzgenerator des Programm SIWAPRO DSS vorgegeben. Bei dieser Berechnung wurden alle am Pflanzenwurzelentzug beteiligten Knoten mit dem maximalen Wert β
= 1 belegt. Der Parameter Lt wurde mit 1 cm belegt. Die dimensionslose Funktion α skaliert den
Pflanzenwurzelentzug Takt in Abhängigkeit der Druckhöhe.
3.2.4 Ablauf
In das Profil eingedrungenes Niederschlagswasser strömt – solange das Dichtelement wirksam
ist – auf der Dränmatte seitlich ab. Um diesen Sachverhalt auch im Modell abbilden zu können,
wurde am rechten Rand eine Randbedingung 1. Art mit hp=0 cm angelegt. Um dabei einen modellbedingten Zustrom auszuschließen, wurde die Nebenbedingung q>0 formuliert.
3.2.5 Hydraulische Parameter
Vorgegeben wurden die bodenhydraulischen und van Genuchten Parameter so wie sie im Labor
bzw. später dann nach dem Aufgraben bestimmt worden waren.
3.3 Modellkalibrierung
Im Verlauf der Kalibrierung sind die Bodenparameter nun so anzupassen, dass die Messwerte
zufriedenstellend nachvollzogen werden können. Dies erfolgt im Programm SIWAPRO DSS
weitgehend automatisiert. Dazu sind die gemessenen Druckhöhen, Wassergehalte und Volumenströme an beliebigen Orten und zu beliebigen Zeiten vorzugeben. Die inverse Modellierung
zur Ermittlung der Parameterwerte sowie deren Schwankungsbreiten erfolgt auf der Grundlage
des Levenberg-Marquardt-Verfahrens (Kemmesies (1995)).
Tab. 1 enthält die bei der Kalibrierung ermittelten Parameterwerte zur Übersicht. In der Abb.
3 ist der mit diesem Parametersatz simulierte Verlauf der Druckhöhe in der Rekultivierungsschicht gegenüber den gemittelten Messwerten aufgetragen.
Kapillardruckhöhe in cm
Tab. 1: Ermittelte Boden- und van-Genuchten-Parameter
FormelRekultivieParameter
Einheit
zeichen
rungsschicht
Massstabsfaktor
α
1/cm
0,1
Anstiegsfaktor
n
1,3
ungesättigte Leitfähigkeit
k0
m/s
5·10-6
Bei einer Sättigung von
S0
0,71
Dränmatte
0,1
2
1·10-6
1
Trisoplast
1,25·10-3
1,5
4·10-11
1
Auflager
0,1
1,5
3,5·10-4
1
Rekultivierungsschicht
0
400
Messbereichsgrenze
der Tensiometer
800
1200
Kapillardruckhöhe
Messwerte
simulierte Werte
hc > 0: ungesättigte Verhältnisse
0
365
730
1095
1460
Zeit in Tagen
02/02
08/02
02/03
08/03
02/04
08/04
02/05
08/05
Datum
Abb. 3: Vergleich der gemessenen und simulieren Kapillardruckhöhen
Der gemessene Wasserdruck strebt mit der Zeit hp=0, d.h. gesättigten Bedingungen entgegen.
Dies und auch die Reaktion der oberen drei Schichten (Rekultivierungsschicht, Dränmatte und
Trisoplast) auf Wasserdefizite können mit der Simulation gut nachvollzogen werden.
Die gemessene wie auch berechnete Druckhöhe in der Rekultivierungsschicht reagiert auf die
ausgeprägten Stressperioden entsprechend. Die Maxima können sehr gut nachvollzogen werden.
Deutlich wird dabei auch, dass die Wasserspannung in den Stressperioden weitaus größere Werte annehmen kann, als mit den herkömmlichen Tensiometern messtechnisch erfasst werden
kann.
Würden zur Auswertung hier die klassischen Wasserhaushaltsmodelle HELP und BOWAHALD eingesetzt werden, so würde dies zu einer fehlebehafteten Bemessung der Rekultivierungsschicht führen. Die klassischen Wasserhaushaltsprogramme berücksichtigen lediglich die
Wassergehalte nicht aber die Wasserspannungen bzw. Kapillardruckhöhen. Da die Messdaten
zu den Wasserspannungen aber fehlerbehaftet sind, sind auch die daraus über die Retentionsfunktion oder Wasserspannungskurve angeleiteten Wassergehalte fehlerbehaftet.
4 AUSWERTUNG
Nach der erfolgreichen Simulation mit dem kalibrierten Modell steht eine Zeitreihe von 1.553
Tagen zu den Größen Druckhöhe, Potenzialhöhe, Wassergehalt, Sättigung und ggf. auch Konzentration, falls Stofftransport zu berücksichtigen ist, zur Verfügung.
Exemplarisch sind in Bild 4 die Druckhöhen und Sättigung im Profil für eine der Stressperioden bei t=710 d und die Wiederaufsättigung bis t=790 d dargestellt.
a) ausgetrockneter Zustand (t=710 d)
a) ausgetrockneter Zustand (t=710 d)
0.95
0.9
0.85
0.95
0.8
0.9
0.750.85
0.7 0.8
b) nasser Zustand (t=790 d)
b) nasser Zustand (t=790 d)
0.650.75
0.6 0.7
0.55
0.65
0.5
0.6
0.45
0.55
0.4
0.5
0.35
0.45
0.3
0.4
0.25
0.35
0.2
0.3
0.15
0.25
0.1
0.2
0.05
0.15
0.1
0.05
Abb. 4: Berechnete Druckhöhen- und Sättigungsverteilung (hp - Linien, S - Einfärbung) zu zwei verschiedenen Zeiten
Mit diesen konkreten Angaben zu den Sättigungsverhältnissen lassen sich im nächsten Schritt
Angaben zur Trocknungsrissgefährdung sowie Angeben zur Änderung der Gas- und Wasserdurchlässigkeit des verwendeten Dichtungsmaterials Trisoplast ableiten.
Die Sicherheit gegen das Auftreten von Trocknungsrissen wird definiert mit
η=
h p ,aufn
h p ,vorh
>1
(2)
Die Berechnung der aufnehmbaren Druckhöhe erfolgt im Programm SIWAPRO DSS über
h p ,aufn =
mit
hp,aufn
γw =ρw·g
ρw
g = 9,81
ν
σv
patm = 0
tmax
φ
B
θw
1 ⎡ ν
⎤ (1 −ν ) φ − B
⋅⎢
⋅ (σ v − patm ) − τ ⎥ ⋅
⋅
ρ w ⋅ g ⎣1 −ν
⎦ (1 − 2 ⋅ν ) θ w
mWS
N/m³
kg/m³
m/s²
N/m²
N/m²
N/m²
aufnehmbare Druckhöhe
Wichte des Wasser
Wasserdichte
Erdbeschleunigung
Querdehnungszahl
vertikale Spannung
Luftdruck
Zugfestigkeit (tmax>0)
Porosität
Funktion des Restluftgehaltes θL,r
B=f(θL,r, Hysterese, Lufteinschluss)
Wassergehalt
(3)
Dieser Ansatz liefert im Vergleich zur Verwendung z.Bsp. eines Ansatzes unter Verwendung
zweier unabhängiger Spannungszustandsgrößen („Independent Stress-State Variables Approach“) ungünstigere Ergebnisse und liegt damit auf der sicheren Seite. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass dennoch insbesondere eine Weiterentwicklung mit Sicht auf
• Berücksichtigung von „Scanning-Pfaden“ in den hydraulischen Materialfunktionen.
• Realistische Erfassung der Zugfestigkeit in Funktion der Zustandsgrößen Porenzahl, effektives Spannungsniveau und Saugspannung.
in Zukunft angezeigt sind.
Gemäß dem Verformungsnachweis entsprechend der GDA-Empfehlung GDA (1997) ergibt
sich der zulässige Krümmungsradius zul R1 aus der Schichtmächtigkeit d und der maximalen
Randfaserdehnung εrF zu:
zul R1 =
2d
2d
=
3ε rF 3(ε zq (θ ) − ε h (θ ))
(4)
εh(θ) in Gl. (4) berechnet sich entsprechend Glg. (5) nach Schanz (2009) und εzq(θ) ist die
Grenzzugdehnung aus dem Zugversuch. Es ergibt sich somit aus Glg. (4) ein zulässiger Krümmungsradius, der sowohl die mechanische Belastung als auch die zeitabhängige Änderung des
Wassergehalts in der mineralischen Abdichtung berücksichtigt.
Δε h =
{
}
1
Δ (1 − υ ) S r s − υ ⎡⎣(σ v − ua ) + S r s ⎤⎦
E
E
N/m²
Elastitätsmodul
s= hp·γw
N/m²
Kapillarspannung
Wassersättigungsgrad
Sr=θw/(φ−Β)
ua= patm = 0
(5)
N/m²
Luftdruck
Mit diesen Ansätzen ist nun eine Bemessung der Rekultivierungsschicht mit Bezug auf die
Austrocknungssicherheit der mineralischen Dichtung möglich. Grundlage einer zutreffenden
Bemessung ist die Kenntnis der hydraulischen Parameter sowie eine Prognose der künftigen
Bewuchsentwicklung für den Standort.
LITERATUR
Behrens W., V. Dunger und O. Kemmesies (2008): Austrocknung verhindern - Hydromechanische Bemessungen von mineralischen Dichtungsschichten, Wasser/Luft/Boden 9/2008
Behrens W. (2006): Trisoplast - Darstellung aktueller Entwicklungen und Rahmenbedingungen zum
Austrocknungsverhalten, DEPONIEWORKSHOP ZITTAU/LIEBEREC 11/2006, TAGUNGSBAND
Behrens W. und M. Neumann (2002): Untersuchungsergebnisse zu einigen mechanischen Eigenschaften
von Trisoplast, Müll & Abfall, Nr.2, S. 86 - 100, 2002
Deponieverordnung DepV (2009): DepV – Deponieverordnung, Verordnung über Deponien und Langzeitlager, BGBl. I Nr. 22 vom 29.4.2009 S. 900
GDA (1997): Empfehlungen Geotechnik der Deponien und Altlasten, E2.13: Verformungsnachweis für mineralische Abdichtungsschichten, GDA-Empfehlungen 3. Auflage, 135-139.
Kemmesies O. (1995): Prozeßmodellierung und Parameteridentifikation von Mehrphasenströmungsprozessen in porösen Medien. Dissertation. Fakultät für Geowissenschaften, Geotechnik und Bergbau der
TU Bergakademie Freiberg. Proceedings des Dresdner Grundwasserforschungszentrum e.V.. Heft 7.
Dresden. ISSN 1430-0176.
Kemmesies O. et al. (2007): BMBF-Förderschwerpunkt “Sickerwasserprognose“, SIWAPRO DSSEntwicklung eines computergestützten Beratungssystems zur Sickerwasserprognose, FKZ: 02WP
242/243/502/503, KP Ingenieurgesellschaft für Wasser und Boden mbH, Gunzenhausen, November
2007, Link: http://www.ibwabo.de/pdf/BMBF.pdf
Melchior S. (1993): Wasserhaushalt und Wirksamkeit mehrschichtiger Abdecksysteme für Deponien und
Altlasten, Diss., Hamburger Bodenkundliche Arbeiten, Bd. 22, 1993
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Trisoplast-Dichtung am 11.12.2003. Bericht vom 18.03.2004
Nitsch B., P.-W. Gräber und O. Kemmesies (2007): Anwendung synthetischer Niederschlagszeitreihen
bei der Strömungssimulation in der ungesättigten Bodenzone. TU Dresden, Dresden, In Workshop
2007-Simulationen in Umwelt- und Geowissenschaften, Shaker Verlag
Ramke H.-G., E. Gartung, G. Heibrock, W. Lückewille, S. Melchior, B. Vielhaber, K. Bohne, U. MaierHarth, K.-J. Witt (2002): Tagungsband - Aus-trocknungsverhalten mineralischer Abdichtungsschichten in Deponie-Oberflächenabdichtungssystemen, Status-Workshop, Höxteraner Berichte zu angewandten Umweltwissenschaften, Heft 03
Schanz T., S. Agus und G. Tscheschlok (2004): Hydraulisch-mechanische Eigenschaften einer polymerverbesserten Sand - Bentonit - Mischung beim Einsatz im Deponiebau, Geotechnik 27 (2004) Nr.4
Witt K.-J. und R. M. Zeh (2004): Maßnahmen gegen Trockenrisse in mineralischen Abdichtungen, Stuttgarter Berichte zur Abfallwirtschaft, März 2004, Band 81, S. 83
Zeh, R. M. und K.-J. Witt (2006): Tensile Strength of Compacted Clays as Part of the Crack Prediction of
Clay Liner in Landfills. 5th Int. Congress on Environmental Geotechnics, Cardiff, UK, June 2006
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