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SCHWERPUNKT: AUF SICHT _YATEGO
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Die Marktlücke
Geschäftsführer Stefan Peltzer (Foto) denkt langfristig –
die Online-Plattform Yatego soll es auch in zehn Jahren noch geben.
Wie er das schaffen will?
Mit den guten alten Kaufmannstugenden.
Text: Regula Bättig Foto: Peter Riedlinger
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Es begann mit einem Batterietester,
klein, schwarz und praktisch. Doch als der
kaputtging und sich Michael Ollmann
Ersatz beschaffen wollte, war es vorbei mit
praktisch: Er fand keinen Ersatz, nicht in
den Läden der Umgebung, nicht im Internet. Zwar gab es unzählige Angebote –
darunter aber keinen Händler, der einen
vertrauenerweckenden Eindruck machte
und vernünftige Konditionen bot. „Das
muss doch einfacher gehen“, sagte sich
Ollmann, „schneller und sicherer.“
Gesagt, getan. Inzwischen besitzt Ollmann nicht nur einen neuen Batterietester,
sondern auch gemeinsam mit seinen beiden Studienkollegen Stephan Peltzer und
Patrick Kötter ein Online-Einkaufszentrum
namens Yatego. Und das soll bieten, was
Ollmann im Internet vermisst hat. Nicht
nur einen Ort, wo man genau das findet,
was man sucht – seien es nun Gaskartuschen für den Campingkocher oder ein
Trabant 601 Kombi im Maßstab 1:43.
Sondern auch einen Ort, wo der Einkauf
unkompliziert, die Ware einwandfrei und
bei Fragen oder Problemen jemand ansprechbar ist. Der traditionelle Einzelhändler, nur online.
Geschäftsführer Peltzer bezeichnet Yatego als „solides, konservatives Unternehmen“, redet von Bodenständigkeit und
Verantwortung. Es wird schnell klar, dass
es der 32-Jährige ernst meint mit den alten
Werten: Sollen andere jugendlichen Charme versprühen – Yatego will für Kunden
und Shop-Betreiber vor allem ein verlässlicher Partner sein. Das sind ambitionierte
Ziele. Erst recht im Internet, dem nach wie
vor der Ruf anhaftet, Gauner und Ganoven anzuziehen. Auch Peltzer hat das
schon zu spüren bekommen: „Wenn wir
ehrlich sind, ist doch jeder von uns im
Internet schon mal reingefallen.“
Seine Plattform will sich dagegen als
sicherer Hort profilieren. „Mit uns soll
niemand schlechte Erfahrungen machen“,
sagt Peltzer. Was reichlich verwegen klingt,
wenn man bedenkt, dass die Firma selbst
gar nichts verkauft. Sie ist Marktplatz für
mehr als 8600 unabhängige Händler, die
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SCHWERPUNKT: AUF SICHT
auf der Plattform einen virtuellen Verkaufsstand mieten. Doch Peltzer denkt
langfristig: „Yatego soll es auch in zehn
Jahren noch geben.“ Und das ist nur denkbar, wenn die Endkunden zufrieden sind,
auch wenn die Plattform ihren Umsatz
mit dem Vermieten der Shops an die
Händler macht.
Nun ist schon klar, dass auch Yatego
keine absolute Sicherheit bieten kann. „Es
wäre vermessen, zu behaupten, es habe
noch nie unzufriedene Kunden gegeben“,
sagt Peltzer. Genau dann aber beginnt die
Arbeit, die den Unterschied macht. Bei
Reklamationen wird Yatego aktiv: Sind sie
begründet, wird ein Shop vorübergehend
geschlossen. Geschieht dies mehrfach,
fliegt der Händler raus. Das ist laut Peltzer
zwar nicht Alltag, „aber es ist auch kein
außergewöhnlicher Schritt“. Und da man
sich bei Yatego bewusst ist, dass hinter
Unstimmigkeiten oft Kommunikationsprobleme stehen, leistet sich das Unternehmen eine eigene Schlichtungsstelle.
Wer auf der Plattform handeln will,
muss einen internen Qualitäts-Check überstehen, der über die branchenüblichen
Zertifikate, Labels und den Beleg abgesicherter Zahlungsverfahren deutlich hinausgeht. Zugelassen werden nur gewerbliche
Anbieter. Der Leumund eines jeden wird,
soweit möglich, überprüft, SecondhandWare nicht akzeptiert. Bei Shops mit mehr
als 250 Artikeln begutachten Yatego-Mitarbeiter zudem deren Präsentation: Sind
Bilder vorhanden, ist die Beschreibung
verständlich, sind die Waren sinnvollen
Kategorien zugeordnet?
Missfällt der Auftritt, bekommt der
Kunde eine Absage – und bei Großunternehmen sind Absagen sogar Programm.
Denn Yatego versteht sich ausdrücklich als
Handelsplatz für kleinere Händler. „Die
großen“, sagt Peltzer, „machen ihr Geschäft auch ohne uns.“
Die kleinen Firmen nicht unbedingt:
Vielen Einzel- und Familienunternehmen
fehlt es an Zeit, Geld oder Motivation,
einen eigenen Online-Shop aufzubauen und
zu betreuen. Eine virtuelle Verkaufsfläche
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zu mieten ist da der wesentlich billigere in St. Georgen im Schwarzwald angesieund einfachere Weg, denn Yatego setzt auf delte Unternehmen nicht ab. Kein virales
kalkulierbare Kosten. Je größer der Shop, Marketing, kein ausgefallenes Werbegeumso höher die Miete, keine Beteiligung trommel. „Wir konzentrieren uns auf unam Umsatz, keine Abgabe pro Klick.
ser Geschäft“, sagt Peltzer. „Wenn wir das
Zudem gilt: „Was ein Händler nicht gut machen, dann haben wir auch Erfolg.“
schafft, übernehmen wir.“ Und das geht
Bekannter werden will man deshalb mit
ziemlich weit. So ist es schon vorgekom- einer Serviceline für Käufer, mit der Yatemen, dass einer der gut 100 Yatego-Mitar- go genau das macht, was viele Konkurrenbeiter eigens ein Computerprogramm für ten lieber vermeiden: Man zeigt Gesicht,
eine völlig verzweifelte Shop-Betreiberin ist ansprechbar und bietet Hilfe, wenn ein
schrieb – andernfalls hätte sie bei jedem Kunde mit der Such- oder Bestellfunktion
einzelnen ihrer 4000 eingestellten Artikel nicht klarkommt. Für alles andere sind die
von Hand einen neu geforderten Standard- einzelnen Shop-Betreiber zuständig, die
satz ergänzen müssen. Daran ist besonders Produktdetails, Liefer- oder Zahlungsbebemerkenswert, dass die Händlerin die dingungen kennen. Und wenn mal ein Irrneue Software für eine Konkurrenz-Platt- läufer in der Serviceline landet, hilft das
form brauchte, bei der sie ebenfalls einen Team um Leiterin Kathrin Schmieder, soShop betreibt. Aber sie wissen schon, was weit möglich, auch. „Viele, die anrufen,
sie tun, bei Yatego. So etwas vergesse kei- wollen lediglich die Bestätigung, dass sie
ner so schnell, ist Peltzer überzeugt.
alles richtig verstanden haben.“
Solch eine Service-Haltung ist in der
Viele, aber längst nicht alle. So rief kurz
Internetbranche nicht eben üblich, zahlt vor Weihnachten eine Dame an, die nach
sich aber aus. Im Jahr 2003 gegründet, hat einem Geschenk für ihre Tochter suchte.
das Online-Shoppingcenter die Zahl seiner Barbie-Sachen sollten es sein, sie sollten
Händler von Jahr zu Jahr verdoppelt; das pünktlich zum Fest unterm Baum liegen
Gleiche gilt für Besucherzahlen und Um- und den Kinderträumen wie auch dem
satz. Im Jahr 2008 erwirtschaftete Yatego Budget der Mutter entsprechen. Stück für
mit der Vermietung virtueller Ladenflächen Stück wurde das Gewünschte bei verrund 3,5 Millionen Euro Umsatz, der Rein- schiedenen Händlern zusammengesucht.
gewinn belief sich auf 250 000 Euro. Da- „Das war eine ziemliche Übung“, sagt
mit ist Yatego bei den Einkaufsportalen Kathrin Schmieder. Aber effektiv. Die
hinter Ebay und Amazon die Nummer Dame hat sich bereits wieder gemeldet.
drei – wenn auch weit abgeschlagen.
Die Tochter hatte Geburtstag.
Die beiden Großen bewegen sich
beim Umsatz im Arbeitsplatz mit Zukunft: Yatego war 2008 Gewinner beim „Jobmotor“
Milliarden-EuroBereich.
Dennoch ist
die Firma für die
Nummer drei im
Markt erstaunlich
unbekannt. Und
auch wenn man
das nun langsam
ändern will, vom
bisherigen Weg
der Bodenständigkeit weicht das
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