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Interferon-alpha hochdosiert Wer ist gefährdet – was verrät

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P O L I T I K
Zeichnung S. Hoc
MEDIZINREPORT
Invasionstiefen maligner Melanome:
Level I: Tumorzellen sind auf die Epidermis beschränkt.
Level II: Tumorzellen und -zellverbände dringen in das Stratum papillare (oberes Corium) ein.
Level III: Tumorzellen füllen das obere Corium aus und sammeln sich an der Grenze von Stratum papillare zu
Stratum reticulare, ohne in letzteres vorzudringen.
Levele IV: Invasion der Tumorzellen in das Stratum reticulare, mittleres und unteres Corium.
Level V: Tumor dringt in die Subkutis vor.
ter Therapiestudien ist das Interferon-alpha. Die optimale Dosierung
bei akzeptabler Toxizität sowie die
ideale Dauer der Behandlung sind allerdings noch nicht ausreichend definiert.
Interferon-alpha
hochdosiert
Die Eastern Cooperative Oncology Group (Pittsburgh, USA) veröffentlichte beeindruckende Ergebnisse einer Studie mit hochdosierter Gabe von Interferon-alpha 2b (Intron®A) über ein Jahr. Die Studie umfaßte 280 Hochrisiko-Patienten mit
einem fortgeschrittenen Primärtumor
von bis zu vier Millimetern Dicke
oder mit regionalen LymphknotenMetastasen. Die Teilnehmer wurden
randomisiert entweder der Behandlungsgruppe zugeteilt (n = 143) oder
der Kontrollgruppe (n = 137). Die Interferon-Dosis betrug initial 20 Mio
IE Intron®A/m2 intravenös an fünf
Tagen in der Woche über vier Wochen, anschließend 10 Mio IE/m2 subkutan an drei Tagen in der Woche
über 48 Wochen. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 6,9 Jahre.
In diesem Zeitraum kam es in der
Interferon-Gruppe zu einer signifikanten Verlängerung sowohl der rezi-
divfreien Zeit (1,7 Jahre gegenüber
1,0 Jahre in der Kontrollgruppe) als
auch der Gesamtüberlebenszeit (3,8
Jahre gegenüber 2,8 Jahre in der Kontrollgruppe). Die Überlebensrate
nach fünf Jahren lag in der Interferongruppe bei 46 Prozent, verglichen mit
37 Prozent in der Kontrollgruppe.
Damit wurde erstmalig eine die
ereignisfreie wie auch die Gesamtüberlebenszeit signifikant verlängernde Therapie nach stadiengerech-
ter Resektion des malignen Melanoms dokumentiert. Aus der Subgruppenanalyse ergab sich, daß Patienten mit Lymphknoten-Metastasen
besonders von der Interferon-Therapie profitieren, betonte J. Kirkwood
(Pittsburgh, USA).
Aufgrund der ungewöhnlich hohen Dosierung traten bei einem
größeren Prozentsatz der Patienten
unerwünschte Effekte auf, die vor allem in den ersten Behandlungsmonaten eine Dosisreduktion um 50 Prozent erforderlich machten. Außerdem mußte bei einem Viertel der Patienten die Therapie abgebrochen
werden. Am häufigsten wurden grippeähnliche Allgemeinsymptome angegeben, seltener waren hämatologische, neurologische und hepatotoxische Nebeneffekte zu registrieren.
In Deutschland wird daher eine
klinische Studie mit der Hälfte der
Dosierung der Kirkwood-Studie in
der Anfangsphase der Therapie geplant, so daß 10 Mio IE/m2 Interferon-alpha 2b nicht überschritten
werden, erklärte A. Hauschild
(Kiel). Diese niedrigere Intialdosis
soll Therapieabbrüche weitgehend
ausschließen und die Compliance
der Patienten verbessern. Da ein
ähnlich langer Beobachtungszeitraum wie in der Pittsburgh-Studie
notwendig ist, werden die Ergebnisse erst im nächsten Jahrtausend vorliegen.
Siegfried Hoc
Wer ist gefährdet – was verrät Melanome?
Weiße sind durch das maligne Melanom zehnmal stärker gefährdet als
Schwarze. Unter den Weißen tragen wiederum die Hellhäutigen das größere Risiko. Die Blonden und Blauäugigen, die leicht einen Sonnenbrand bekommen, aber
nie richtig braun werden, sind am stärksten gefährdet.
Maligne Melanome in der Familien- oder Eigenanamnese sind ebenso ein Risikofaktor wie ungewöhnliche, dysplastische Muttermale, zumal wenn sie größer
als sechs Millimeter im Durchmesser und von unregelmäßiger Form sind. Verdächtig ist immer, wenn ein größeres Mal neu auftaucht oder ein bestehendes sich
zu verändern beginnt. Auf folgendes ist zu achten:
❃ Die Farbe verändert sich. Von hellbraun über dunkelbraun bis schwarz treten unterschiedliche Pigmentierungen auf; dazwischen finden sich rote und blaue
Elemente; die Farbtöne scheinen in die umgebende Haut zu versickern.
❃ Das Plateau verändert sich. Ein pigmentiertes Areal, das vorher flach oder
nur leicht erhaben war, beginnt in die Höhe zu streben.
❃ Die Oberfläche verändert sich. Es entstehen Schuppen und Erosionen; es
näßt, ulzeriert oder blutet.
❃ Die umgebende Haut verändert sich. Sie wird rot oder schwillt an; in der
Nähe des Mals, aber nicht mit ihm zusammenhängend, bilden sich verfärbte Zonen.
❃ Die Konsistenz ändert sich. Das Mal wird weicher oder härter; es ist auf einmal zu fühlen; es juckt, ist druckempfindlich oder schmerzt.
A-1862 (30) Deutsches Ärzteblatt 94, Heft 27, 4. Juli 1997
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Gesundheitswesen
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