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Ich weiß, was ich diesen Sommer getan habe - VCP Land Hamburg

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relais
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Ich weiß, was ich
diesen Sommer
getan habe
e
VCP Land Hamburg
2
I
n
h
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seite 3
l
t
3
relaisvant
Bundesversammlung
4
Zukunftswerkstatt
6
50 Jahre Burg Rieneck
8
Jubiläum auf der Rieneck
schwerpunkt
Sommer im VCP
10
infohagel
18
selbermachen
Sippenidentität
20
Bogen bauen
21
b-seite
In die Oper gehen
22
Buchtipp: Isola
23
moppelfrosch
24
ende der durchsage
26
impressum
27
VCP wandert im Sommer
VCP chillt im Sommer
relais
wir schalten schneller
Titelfoto: © Angelika Wolter / PIXELIO
seite 3
Liebe Leserinnen und Leser,
selten hat eine relais-Ausgabe in den
letzten Jahren soviel Aufsehen erregt,
wie die letzte. Die Redaktion bekam EMails, der Bildungsreferent Anrufe und
die Frage, wie im VCP mit dem Thema
Homosexualität umgegangen wird, war
Gesprächthema bei Gremientreffen
und Privatpartys.
All das lässt uns als Redaktion zwei
Dinge feststellen. Zum Einen zeigt sich,
dass das Aufgreifen des Themas längst
überfällig war und wir hoffen ehrlich,
dass es nicht bei einem kurzen emotionalen Aufbrausen bleibt, sondern dass
bei uns im Verband nachhaltig über
Themen wie Toleranz und Sexualität
nachgedacht wird. Zum Anderen zeigt
es uns, dass es sich lohnt auch kritisch
über eigenes Verhalten als Verband und
Menschen zu berichten. Das bestärkt
uns in unserem Vorhaben, auch weiterhin kritisch auf unser Verhalten als
christliche Pfadfinder zu achten.
In dieser Ausgabe gibt es allerdings
zunächst keinen schwerpunkt, der für
allzu viel Wirbel sorgen wird. Im VCP
Hamburg haben in diesem Sommer so
viele schöne und spannende Aktionen
stattgefunden, dass auch diese bei un-
serer Berichterstattung nicht zu kurz
kommen sollen. Da wäre zum Einen die
Sommerackerdemie, die seit vier Jahren endlich wieder stattgefunden hat
oder der Besuch unserer Partnergruppe
aus Israel. Und dann fanden natürlich
noch unzählige Fahrten und Lager auf
Stammes- und Gruppenebene im Inund Ausland statt. Exemplarisch für
ebendiese berichten zwei Gruppen von
ihren Sommerfahrten der ganz besonderen Art. Alles in Allem war es also mal
wieder ein echt heißer Sommer.
Der ist nun aber leider vorbei. Für die
kälteren Abende ohne Beachclub und
Freiluftkino empfehlen wir einen Besuch
in der Oper. Oder einen gemütlichen
Abend mit einem guten Buch. Oder mit
dem relais. Denn schließlich fand im
Juni eine erneut ereignisreiche Bundesversammlung statt und bereits im Mai
wurde auf Burg Rieneck Geburtstag gefeiert, worüber wir ebenfalls berichten.
Und schließlich erleben Die drei Pfadis
ihr erstes Abenteuer.
Wir wünschen allen einen nicht allzu
stürmischen Herbst und nun viel Spaß
beim Lesen!
die Redaktion
relaisvant
United Colors
of Pfadfinder.
Zwei Themen bestimmten die Bundesversammlung: Neue Erkennungszeichen der einzelnen
Stufen wurden beschlossen und der Bundesvorsitz wurde gewählt.
Text: Matthias Röhr
Fotos: Diane Tempel-Bornett
D
ie Frage, mit welchen Erkennungszeichen der VCP künftig
die verschiedenen Stufen (und
Phasen) kennzeichnen soll, beanspruchte den größten Teil des Samstagnachmittags. Die von der Bundesleitung vorgeschlagene Variante sah
blaue Halstücher mit rotem Rand für
die Kinderstufe, hell- und dunkelgrüne
Ränder für die beiden Phasen der
Pfadfinderstufe und einen violetten
Rand in der RR-Stufe vor. Alternativ
standen auch eigene Badges für jede
Stufe zur Wahl. Rasch zeichnete sich
ab, dass die Delegierten Halstücher an
Stelle der Badges bevorzugten.
Der Schwerpunkt lag vor allem auf
dem künftigen Halstuch der Kinderstufe, das mancher (auch wegen der
guten Signalwirkung) gerne im bisherigen rot belassen wollte, alternativ
war auch ein rotes Halstuch mit blauem Rand (statt der umgekehrten
Farbgebung) im Gespräch, um eine
besondere Stellung der Kinderstufe
deutlich zu machen.
Dennoch: Die Bundesversammlung
(BV) entschied für das Modell der Bundesleitung, allerdings mit dem Zusatz,
dass die nächste BV sich Gedanken
über einen farbigen Rand auch für alle
übrigen Mitglieder, soll heißen für die
Erwachsenen, machen soll. Der letzte
Punkt war besonders den ostdeutschen Ländern wichtig, da diesen
wegen der an die Jungen Pioniere erinnernden blauen Halstücher oftmals
mit Skepsis begegnet wird.
Am Sonntag stand die Neuwahl des
Bundesvorsitzes an. Nachdem HansJürgen Poppek (63) bereits vor zwei
Jahren angekündigt hatte, nicht wieder antreten zu wollen, wurde damals
von der BV ein Findungsausschuss
eingesetzt, der den Auftrag hatte, geeignete Kandidaten für den Bundes-
relaisvant
vorsitz zu finden. Obwohl es zeitweise
mindestens einen ernsthaften Interessenten für den Bundesvorsitz gab, war
dem Findungsausschuss bereits im Vorfeld der BV bewusst, dass er nicht in der
Lage sein würde, einen Kandidaten zu
präsentieren. Hans-Jürgen wusste von
der Problematik und entschied sich, erneut zu kandidieren.
Aus der Versammlung wurden jedoch
auch
Stimmen
laut, die sich als
Alternative
zu
einer
weiteren
Amtszeit
von
Hans-Jürgen eine
Vakanz, das heißt
eine Nichtbesetzung des Bundesvorsitzes, vorziehen würden, da
dies das Finden
neuer Kandidaten
vielleicht erleichtern würde. Eine
mehr emotionale
als sachliche Diskussion folgte.
Der anstehende
Wahlgang wurde von allen mit Spannung erwartet, da im Vorfeld nur schwer
absehbar war, ob Hans-Jürgen die notwendige Zweidrittel-Mehrheit erhalten
würde und wie er reagieren würde, sollte dies nicht im ersten Wahlgang gelingen. Aber auch das nach dem Mittagessen verkündete Ergebnis brachte keine
echte Erleichterung. Zwar erreichte
Hans-Jürgen mit exakt 74 von 74 notwendigen Stimmen (bei 19 Nein-Stimmen und 13 Enthaltungen) die notwendige Mehrheit, aber die genaue Punktlandung war ein deutliches Signal der
BV. Hätte sich nur einer von Hans-Jürgens Wählern anders entschieden, wäre
es zu weiteren Wahlgängen mit unklarem Ausgang gekommen, wobei offen
bleiben muss, ob Hans-Jürgen sich eine
solche Tortur angetan hätte. Sichtlich
erschöpft nahm er jedoch die knappe
Wahl an.
Dieses Ergebnis macht eines deutlich:
Ein Drittel der BV-Delegierten würde zur
Findung
eines
Nachfolgers auch
eine Vakanz in
Kauf nehmen –
ein
deutlicher
Schuss vor den
Bug, der Anlass
geben sollte, die
kommenden
Jahre nicht mit
einem
„WeiterSo“ zu begehen,
sondern
sich
ernsthaft auf die
Suche nach Nachfolgern zu begeben, sich gegebenenfalls auch über
die Strukturen der
Bundesleitung Gedanken zu machen
und auch das eigene Auftreten zu hinterfragen, damit die spätestens 2012
wieder anstehende Wahl nicht zu einem
Debakel für alle Beteiligten wird.
Weitere Themen der BV waren unter
anderem Bundeslager nächstes Jahr in
Wolfsburg, das Moot 2010 in Kenia und
das Jamboree 2011 in Schweden, die
Verlängerung der Suche nach einem
neuen Bundeslied bis 2012 sowie ein
neues ökologisches Konzept für den
Bundeszeltplatz Grosszerlang. Insgesamt ging es richtig bunt zu.
n
5
relaisvant
Land
sucht
Vorsitz
Text: Sarah Meister und dreipunkt
Die zweite Zukunftswerkstatt fahndet nach Lösungen. So richtig gefunden hat sie noch keine. Das „Hamburger Konzil“ am 31. Oktober soll
letztendlich die gewünschten Ergebnisse zutage fördern.
D
er Herbst ist da, ein für viele ereignisreicher Sommer liegt hinter uns, das Land scheint in Bewegung. Fast scheint es so, als gäbe
es keine großen Baustellen. Doch war
da nicht noch was? Richtig – die „LaVoFrage“. Noch immer ist offen, wie es im
nächsten Jahr weiter gehen
soll, ob sich auf der Landesversammlung Kandidaten für den Landesvorsitz finden werden und
wenn nicht, was dann
passiert.
So wurde denn auch
bei der zweiten Zukunftswerkstatt im
Juni viel gegrübelt
und
diskutiert.
Dabei wurde auf
die vielen Ideen
und Utopien zurückgegriffen, die
während der ersten Zukunftswerkstatt
im April und der Stammessprecherrunde (SSR) im Mai gesponnen und entwickelt wurden (das relais berichtete).
Doch was sollte nun mit diesen brennenden Vorschlägen geschehen? Wer
entscheidet, was davon gut ist und was
nicht? Wer sagt: „Das ist es, was mir
fehlt um den Landesvorsitz zu machen“? Kurzum: Aus den Utopien sollten Visionen und erste konkrete Ziele
festgesteckt werden.
So wurde in dieser doch recht kleinen
6
relaisvant
Versammlung (lediglich eine Hand voll
Leuten folgte diesmal dem Ruf des LVV)
gerätselt: Was nun tun? Was ist der
beste Weg aus der Krise? Macht eine
außerordentliche
Landesversammlung, in der bereits erste Anträge diskutiert und durch Meinungsbilder die
Chancen für Annahmen der Anträge auf
der LV abgetastet werden, überhaupt
Sinn? Eigentlich nicht, war die allgemeine Ansicht. Denn was ist, wenn der, der
möglicherweise am Landesvorsitz interessiert ist, die Anträge als eine Last ansieht und er oder sie ganz andere Bedingungen vorzieht?
Doch wie bekommt man möglichst
viele Leute, aus möglichst vielen Stämmen dazu, sich mit der für alle wichtigen
Thematik auseinander zu setzen? Ein
Treffen mit LV-Charakter würde vielleicht den ein oder anderen aus der Reserve locken. „Hamburger Konzil“
soll nun der nächste
Schritt aus unserer verzwickten
Situation
heißen. Eine Art Mini-LV,
ohne offiziellen Charakter aber
mit (hoffentlich) wegweisenden Ergebnissen. Auf der SSR im
September wurde als Termin Samstag,
der 31. Oktober festgelegt. Zu diesem
Treffen werden alle Stämme, alle Bezirks- und Landesmitarbeiter und
(natürlich) alle potentiellen kommenden
Landesvorsitzende eingeladen, um gemeinsam an der Zukunft des VCP Hamburg zu feilen. Der Einladung werden
dann hoffentlich mehr folgen, als denen
zu den Zukunftswerkstätten.
Denn wie sagte schon John Galsworthy: „Wenn Sie nicht über die
Zukunft nachdenken, können Sie
keine haben.“
n
7
relaisvant
Alles Gute,
altes Haus
Text: Jan-Marcus Scholz (komma)
Ganze 50 Jahre ist es her, dass den Pfadfindern – damals noch von der
Christlichen Pfadfinderschaft – die Burg Rieneck im Spessart aus dem
Jahr 1150 überlassen wurde. Ein Grund zum Feiern.
relaisvant
S
o fand über das erste Wochenende im Mai die
entsprechende Jubiläumsfeier statt. Viele
ehemalige Pfadfinder, Bundes, - und Gauführer aus alten Zeiten, Burgleiter, Zivis und Menschen
die sich der Burg verbunden fühlen, feierten gemeinsam im Rahmen eines Rückblicks über die lang
vergangenen Jahre.
Wir wurden gefragt, ob wir nicht einen LederWorkshop zu diesem Anlass beitragen könnten und
so sind wir an diesem Wochenende aus dem hohen
Norden bis in den Spessart gereist.
In einem Interview mit einem Zeitzeugen wurde
mir berichtet, dass die Sache mit der Burg gar nicht so einfach
war. Erst mussten Hürden beim Notar genommen werden um
feststellen zu lassen, welche Grundstücksanteile überhaupt zu
der Burg gehören sollten. Dazu findet man ein Foto
in dem Jubiläumsbuch der Burg, mit Pfadfindern die
eigentlich gerade auf eine Kanutour starten wollten.
Die haben sich mal so richtig gefreut, nun eine Burg
zu haben.
Aber eigentlich gehört die Burg ja gar nicht so
wirklich den Pfadfindern, sondern dem Bildungsund Erholungswerk Burg Rieneck e.V., welcher die
Burg unterhält und an der einen oder anderen Stelle mal finanzielle Hilfestellung für die doch in die
Jahre gekommene Burg gibt.
Vielen Dank an dieser Stelle noch mal, den beiden
Vorsitzenden Manfred Strecker und Klaus Wolbert,
für Ihr persönliches Engagement im Verein.
Das Wochenende war so gut, dass ich euch die Burg mal wieder ins Gedächtnis rufen möchte. Wer also noch nie da war sollte sich mal das Programmangebot wie angrenzender Zeltplatz, Hochseilgarten, super Feuerstelle und
Und hier findet ihr die Burg
das Flair einer mittelalterlichen Burg mit Kapelle
In echt: Pfadfinderburg Rieneck
und Gewölbekeller durch den Kopf gehen lassen.
Schlossberg 1
Und wer sich in naher Zukunft trauen lassen will,
97794 Rieneck
kann dies seit kurzem auch in der so genannten
Im Netz: www.burg-rieneck.de
Standesamt-Außenstelle „Burg Rieneck“ tun.
info@burg-rieneck.de
Für mich war sehr beeindruckend wie auch die in
die Jahre gekommen Pfadfinder immer noch mit
Freude bei der Sache sind und sich mit der Burg verbunden
n
fühlen. My home is a castle.
9
schwerpunkt: Sommer im VCP
Ackern in der
Text: Philip Schierning
Das Hamburger Abendblatt hätte „Einfach zeitlos“ getitelt, der Spiegel
mit „Experimentelles Basteln – kreativ und frei“. Die FAZ hätte sie „Ein
ziemliches Vergnügen“ genannt, die Züricher Morgenpost sich an eine
„kleine Runde, tolles Wetter, leckeres Essen“ erinnert und die Weinempfehlung vom Fachmann hätte „sommerliche Ernte, sonnengereift, sanft
im Rachen und aufregend am Ende“ gelautet. All das war die Sommerackerdemie des VCP Hamburg.
A
ll diese Kommentare gab es nie wirklich. Im Nachhinein hätte aber jede
Zeitung in diesem Stil berichtet, hätte sie von dieser kleinen Runde von
neun Pfadfindern in Tydal erfahren, welche sich traf um bei einem selbstgestaltetem Lagerleben mit viel Freiraum dabei zu sein. Zwar fand die Sommerackerdemie, wie ihr Name eigentlich nahe legt, nicht auf einem Acker statt, dafür
aber auf dem äußert komfortablen Lagerplatz in Tydal. Und so hieß es dann zehn
Tage lang in jeder Hinsicht: Individuelle Mitbestimmung und kreative Auslebung
hat oberste Priorität.
Der Alltag auf der Sommerackerdemie begann mit dem späten Aufstehen,
worauf das mittagliche Frühstück folgte. Die Aufgabenverteilung und die grobe
Besprechung des Tages beim Frühstück sorgten für die notwendige Struktur. Daraufhin konnte sich jeder entscheiden, was er den Tag über machen wollte und da
in der Sommerackerdemie für ein interessantes Angebot an Spielen, Workshops
und Bastelmöglichkeiten gesorgt war, war es kein Problem sich kreativ zu entfalten. Auf vielerlei Weisen wurde sich ausprobiert, beispielsweise durch prachtvolle Lagerbauten, Didgeridoos selber bauen, Filzen, Gipsmasken und Gipsfüße machen, Armbänder herstellen, Tiere aus Pappmaché basteln, Malen, Gitarre spielen und vielem kreativ-künstlerischem mehr. Es war eine Akademie der Möglichkeiten, in der viel experimentiert werden konnte. Später am Tag nahm man ein
kurzes Bad im Fluss um sich zu erfrischen und aß dann gemeinsam den Brunch
am Nachmittag. Satt vom Essen bastelte man entweder weiter oder wollte sich
dann einfach nur noch
entspannen. Letzteres ließ
es sich besonders gut in
einer der Hängematten
oder im Spinnennetz des
schwerpunkt: Sommer im VCP
er Hängematte
errichteten Turmes, stets ließen sich dabei die letzten warmen Sonnenstrahlen
genießen. Zum Abend hin begann die Arbeit in der Küche. Wunschspeisen wurden berücksichtigt, doch die zahlenmäßige Gleichstellung von Vegetariern/Veganern zu Fleischfressern, stellte ab und zu eine Hürde dar.
Abends brannte stets ein Feuer, das zum Singen einlud, um dann müde in den
Schlafsack zu kriechen und sanft durchzuschlafen. Doch dann kam eine Nacht,
die den Alltag auf den Kopf stellte. Es begann um 4.00 Uhr morgens: In dieser
Nacht regnete es so heftig, dass man das Gefühl hatte, das Meer falle einem auf
den Kopf. Das sonst so milde und sonnige Wetter schlug in dieser Nacht so sehr
um, dass Kohten kurzzeitig zu Hallenbädern wurden, in denen man seine Bahnen
ziehen konnte. Die notleidenden Stammeslager von St. Rafael und Jeanne d'Arc
wurden kurzfristig in den Jurten der Ackerdemie aufgenommen. Der Regen, dessen Auswirkungen bei Mittag nur noch an den überall hängenden Kleidungsstücken zu erkennen war, war kein
Dämpfer für die wohlige Stimmung.
Für einen Tag lang hieß es, seine Sachen an der Luft oder im Heizungsraum trocknen zu lassen und den verfehlten Schlaf nachzuholen. Laura und
dreipunkt, welche zwei Tage zuvor als
Gäste gekommen waren um die Ackerdemie mit zwei TetraForte-Einheiten
professionell zu beglücken, schafften
aufgrund dieser Nacht nur eine Einheit,
bevor sie wieder abreisten. Die Sommerackerdemiker bekamen dazu die
Ehre für die letzten drei Tage durch die
Gäste aus Israel besucht zu werden
(siehe: Bericht S. 12). Zusammen mit
ihnen wurde viel gebastelt, gespielt
und gesungen und vor allem viel voneinander gelernt, bevor es dann nach
zehn Tagen ackern ohne Ende nach
Hause ging.
n
schwerpunkt: Sommer im VCP
Yalla,
Yalla
Text: Gesa Witt
Im vierten Jahr in Folge begegnet der VCP Hamburg Pfadfinderinnen und
Pfadfindern der Orthodox Club Scouts aus Israel.
M
ittwoch, 22. August 2009, 6:00
Uhr. Drei mehr oder weniger
ausgeschlafene Pfadis und ein
Pfadi-Papa stehen am Flughafen und erwarten zehn Austauschpfadfinder aus
Tel Aviv/Jaffa. Zum wiederholten Male
findet eine internationale Begegnung
zwischen dem VCP Hamburg und den
Orthodox Club Scouts aus Israel statt.
Die ersten drei Tage verbringen wir
damit zu essen, das Hamburger Regenwetter kennen zu lernen, die Bischöfin
zu treffen, einen ersten Eindruck von
vielem zu gewinnen und damit, zu lernen, dass man sich eigentlich gar nicht
so viele Gedanken im Voraus machen
müsste, weil sich das meiste eh spontan
ergibt. Neben einem ersten Rundgang
durch Hamburg, sein Rathaus und die
Speicherstadt werden zum Beispiel das
Miniaturwunderland erkundet, eine
River-Kreuzfahrt mit der MS HVV nach
Finkenwerder und zurück unternommen
und die Bischöfin Maria Jepsen in der
LGS empfangen. Nach zwei Nächten in
höchst kurzfristig organisierten Gastfamilien (noch mal herzlichen Dank an
alle) geht es dann am Freitag nach Ber-
lin, wo das heiß ersehnte Nachtleben
auch ohne zeitliche Begrenzung erobert
werden kann (gelobt seien die 24-hourhostels). Aber auch Sightseeing, das
Kennenlernen der evangelischen Gottesdienste und der WG-Party-Kultur
sowie die Klärung der Frage, wo man
am besten Pferde mieten könne sollen
nicht zu kurz kommen, bevor es am
Sonntagabend zur Sommerackerdemie
geht.
Dies natürlich nicht, ohne ziemlich
viele norddeutsche Bahnhöfe und das
Rauchverbot auf deren Bahnsteigen
kennen zu lernen („Can I smoke here?
Eh, I´ll smoke anyway“) und die Erfahrung zu machen, mit einer Menge
Gepäck im Zug zu stehen und darauf zu
warten, dass zehn Leute es schaffen, in
der Sekunde zwischen Abpfiff und Abfahrt die Treppen hinunterzurennen und
in den Zug zu springen. Natürlich hätte
ich mir keine Gedanken darüber machen sollen, ob ich es im Zweifelsfall
schaffe, das Gepäck wieder auszuladen,
bevor der Zug abfährt, aber hinterher
ist man immer schlauer. Ein bisschen
Gelassenheit kann also nie schaden, am
12
schwerpunkt: Sommer im VCP
Ende funktioniert eben doch alles.
„Wow, we are so relieved!“ bekomme
ich auf der Ackerdemie als ersten Eindruck zu hören. Unsere Gäste haben im
Voraus gehört, dass es auf unseren Lagern nicht ganz so komfortabel sei wie
auf den israelischen. Doch nun sind unsere Gäste doch mehr als glücklich,
dass sämtliche notwendige Infrastruktur zur Verfügung steht. Und so können
zwei Tage und vor allem Nächte Lagerleben gelebt werden, denn welche Stunden eignen sich besser zur Diskussion
über Gott und besonders die Welt als
diejenigen vor Sonnenaufgang? Leider
spielt das Wetter nicht ganz mit und so
sind einige unserer Gäste doch froh, in
einer trockenen, warmen Holzhütte
schlafen zu können, in der wir außerdem gemütlich den Tschaiabend verbringen.
Zurück in der Hansestadt gilt es dann
noch, ein wenig tiefgreifendere Informationen über Hamburg zu erlangen,
als dies in den ersten Tagen möglich
war. Eine alternative Hafenrundfahrt
mit dem Schwerpunkt „Die Rolle des
Hafens in der NS-Zeit“ und ein Besuch
der KZ-Gedenkstätte Neuengamme stehen ebenso auf dem Programm wie ein
gemütliches Picknick mit Blick auf die
Wasserlichtspiele im Planten un Blomen
und ein Bummel über den Dom und die
Reeperbahn. Die erlernten Deutschkenntnisse unserer Gäste sind beachtlich, sie gehen weit über „Bitte, mine
hair, du geist zum dom?“ hinaus. Der
letzte Abend wird mit Grillen und sich
gemeinsam über die schöne Zeit freuen
bei den Augustins in Harburg verbracht.
Am letzten Tag bleibt noch Zeit für eine
Reflektion, fürs Geschenke austauschen
und ein nicht enden wollendes Goodbye
am Hamburg Airport.
Es eine aufwühlende, entspannte,
stressige, spaßige, nachdenkliche, regnerische und sonnige Begegnung. Eine
großartige Gruppe, grandiose Gastfamilien und einfach wunderbare Erlebnisse.
Und wer weiß, vielleicht hat ja der ein
oder andere Lust auf einen Gegenbesuch 2010 bekommen – los geht’s! n
schwerpunkt: Sommer im VCP
Zu
Gast
bei
Dracula
Text: Helge Hansen
Transsilvanien hat deutlich mehr als den Mythos eines bissigen Greises
zu bieten. Der Stamm Matthias Claudius Eißendorf besuchte diesen Sommer den EU-Neuling Rumänien.
K
lar ist das Dracula-Schloss eine riesige Touristenattraktion, aber uns
lockten eher die echten „Gefahren“
Siebenbürgens (in Rumänien gibt es etwa
die größte Braunbärenpopulation Europas; wir trafen keinen der zirka 6000
Pelzträger). Die traumhafte Landschaft
reicht von Feldern über bewaldete Hügel
bis hin zu über 2500 Meter hohe Berge.
Unsere R/R-Sommerfahrt dauerte 18
Tage und führte uns ins Făgăraş-Massiv
inmitten der Südkarpaten. Von Sibiu aus,
wo wir nach 24 Stunden Zugfahrt ankamen, fuhren wir gen Osten, ab Avrig wanderten wir los. Im Gepäck hatten wir eine
Karte und im Kopf viele Infos über das vor
uns liegende Gebiet.
Nach der ersten Nacht entschieden wir
uns für den Aufstieg ins Gebirge,
zunächst zu einer Hütte – auf rumänisch
Cabana. Davon gibt es einige in den Karpaten, manche sehr spartanisch, andere
zu Hotels ausgebaut. Eine Übernachtung,
die wir dort nach einem Gewitter wegen
nasser Sachen zwangsläufig machten,
kostete uns etwa zwei Euro pro Person.
Überhaupt sind in Rumänien (noch) viele
Dinge günstiger als in anderen typischen
Fahrtenländern. Es gibt in jedem Ort
einen Laden und auch direkt vom Bauern
kann man sehr preiswert Essen kaufen.
Die Rumänen, die wir trafen, waren sehr
nett zu uns und freuten sich, dass wir zu
Fuß ihre Heimat bereisten. Gleich am er-
14
schwerpunkt: Sommer im VCP
sten Wandertag nahm ein Baggerfahrer uns
alle samt Gepäck ein Stück weit in der Schaufel mit.
Hier und da entdeckten wir paradiesische Lagerplätze an kristallklaren Bergflüssen. Keinen
störte es, dass wir dort auch mal zwei Nächte
verbrachten oder Feuer machten.
Im Gebirge trafen wir häufiger Touristen,
auch aus Deutschland, die für ein paar Tage in
die Gegend kamen, um bei gutem Wetter mit
leichtem Gepäck die höchsten Berge Rumäniens zu „reißen“. Da waren wir mit unseren beiden Wanderkohten natürlich etwas exotisch,
hatten aber auch Probleme unsere Schlafgelegenheiten oberhalb der Baumgrenze zu
errichten. Am Lacul Caltun, einem Bergsee auf 2135 Metern Höhe, gab es zum Glück
eine Notunterkunft. Dort begegneten wir auch einem Paar, das auf Sandalen, mit Ziegen, Hühnern, einem Hund und einem Maulesel seit drei Monaten von Prag aus unterwegs
nach Indien war. Sie freuten sich über unsere
kalten Nudeln und gaben uns dafür etwas Ziegenmilch. Die Ziegen fraßen den Müll, den die
Touristen hier oben liegen ließen.
Nach zwei Tagen im Gebirge kamen wir zum
Lacul Bilea, an dem vorbei sich die Transfăgăraş-Straße durch die Berge windet. Hier
war alles voll mit Autos, und am nächsten Tag
kamen wir mit Hilfe einer alten Seilbahn und
eines Mülllasters 1500 Meter tiefer an. Die letzte Woche verbrachten wir ruhig an Plätzen im
Flachland. Weil unsere Bahn in Sibiu erst
abends fuhr, blieb noch Zeit für diese hübsche Stadt. Chaotische Rückfahrt: Erst verpassten wir fast die Bahn von Medias nach Budapest, weil sie zehn Minuten zu früh
fuhr, dann blieb sie drei Stunden auf freier
Strecke stehen – und weg war der Anschlusszug nach Hamburg. Trost: Wir durften von Berlin aus per ICE nach Hause „sprinten“.
n
Mehr Infos von uns per Mail (eulenspiegel@vcp-mce.de), Fotos in der Galerie auf www.vcp-mce.de. Empfehlenswert: www.karpatenwilli.de ist ein Muss
für Rumänienwanderer und hat uns bei
der Vorbereitung sehr geholfen.
schwerpunkt: Sommer im VCP
Wir
sind
die
Highlander
Text: Andreas Braun
Drei Wochen verbrachte eine Gruppe des Stammes St. Andreas in Schottland. Dabei war sie auf der Suche nach Herausforderungen, Nessie und
vielen Abenteuern.
U
nsere diesjährige Sommerfahrt
nach Schottland stellt definitiv
den Höhepunkt der Sommerfahrten der letzten Jahre dar.
Da Schottland auf anderem Wege nur
sehr zeitintensiv zu erreichen ist, entscheiden wir uns zu fliegen, eine ungewöhnliche, aber sehr angenehme Art
auf Sommerfahrt zu fahren. Doch mit
den Annehmlichkeiten ist es nach der
Landung vorbei: Rucksäcke von ihrer
Verpackung für den Flug befreien und
dann am Bahnhof die Fahrkarten bis
zum Startpunkt des West Highland
Ways kaufen. Der Ort – ein Vorort Glas-
gows – hat nämlich den zugegeben
etwas
schwierig
auszusprechenden
Namen Milngavie (sprich: Mill-guy).
Außerdem ist der schottische Akzent zuweilen recht schwer zu verstehen.
Der West Highland Way schließlich
übertrifft unsere Erwartung um einiges.
Er führt 152 Kilometer von den waldreichen Lowlands über 30 Kilometer an den
felsigen Ufern Loch Lomonds bis in die
kargen Highlands zu den ersten Atlantikausläufern.
Der Weg hat somit so gut wie alle verschiedenen typischen Landschaften
Schottlands zu bieten, er ist aber auch
16
schwerpunkt: Sommer im VCP
selbst abwechslungsreich: Während die
Wege anfangs recht gut ausgebaut und
breit sind, ist es am Loch Lomond schon
eine ziemliche Kraxelei, die zudem auch
nicht ganz ungefährlich ist. In den richtigen
Highlands führt der Weg dann überwiegend
über alte Militärstraßen aus groben Schotter, die für die Füße recht anstrengend
sind. Doch der sich immer wieder auftuende grandiose Blick auf karge Landschaften
und schroffe Felsen entschädigt für alle
Schwierigkeiten.
Unterwegs gibt es einige ausgewiesene
Wiesen zum Zelten, auf denen man für eine
Nacht ohne Sanitäre Einrichtungen kostenlos verbleiben kann.
Im Anschluss an diese eine Woche intensiven Wanderns, machen wir noch eine
Rundtour mit Bus und Bahn durch Schottland. So sind wir einen Tag auf der Atlantikinsel Skye, besichtigen viele Bilderbuchburgen und suchen am Loch Ness vergeblich nach dem Monster. Abschluss der Reise
ist die faszinierende Stadt Edinburgh mit
dem beeindruckenden Edinburgh Castle.
Schottland ist alles in allem ein traumhaftes Fahrtenland, hat atemberaubende einsame Landschaften zu bieten und
nicht zuletzt abseits der Touristenströme extrem gastfreundliche und hilfsbereite Bewohner. n
infohagel
© Merlin Senger
VCP-Kontaktperson für die Uni Hamburg gesucht
Im Oktober beginnt ein neues Uni-Semester und viele junge
Menschen wechseln die Stadt um zu studieren. Für VCP-Mitglieder, die in eine fremde Stadt kommen, gibt
es seit einiger Zeit das Netzwerk „VCP-Arbeit
an Hochschulstandorten“. Dabei geht es
darum, Tipps für die neue noch unbekannte
Stadt und Hochschule zu geben sowie lockere bis regelmäßige Treffen mit VCPern und
anderen Pfadfinderinnen und Pfadfindern zu
organisieren. Alles ist möglich: Gemeinsames Singen, Kinobesuche, Fahrt und Lager
oder Engagement an der Hochschule wie das
gemeinsame Wehren gegen Studiengebühren. An einigen Orten gibt es schon regelmäßige Treffen von (überbündischen)
Hochschulgruppen.
An Hamburgs Universitäten fehlen noch Ansprechpersonen für
solche Aktionen. Schön wäre es, wenn an jedem Hochschulstandort zwei Personen als Ansprechpersonen zur Verfügung stehen
würden. Wer Interesse an der VCP-Arbeit an Hochschulen hat,
kann sich bei Ulrich Franz (ulrich.franz@gmx.de) melden.
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Das Licht wird wieder leuchten
Auch in diesem Jahr wird die Aktion Friedenslicht wieder stattfinden. Die Aussendefeier findet am dritten
Advent (13. Dezember) um 16:00 Uhr wieder beim
Stamm St. Paulus in der Christuskirche in Eimsbüttel
statt. Genauere Informationen über Termine gibt es
rechtzeitig auf www.friedenslicht-nordelbien.de. Wer
noch Fragen hat, kann sich gerne an chinery wenden:
0172-4029949.
18
infohagel
Termine
11.-20.10. Aufbaukurs
29.10. eLLe
06.-08.11. Quo vadis pfadis
22.11. SSR
26.11. tReffeR
02.12. Stammtisch
03.12. eLLe
13.12. Friedenslicht-Aussendegottesdienst
Alle Termine auf www.vcphamburg.de.
Berichtigung
Der Bischof im Sprengel
Schleswig und Holstein
der Nordelbischen Kirche
heißt Gerhard Ulrich und
nicht, wie es im relais
2/09 (S. 14) steht, Gerhard Ulbrich.
Leinen los, auf zu neuen Abenteuern –
BuLa 2010 sucht Mitarbeiter
Auch unser Land
Hamburg ist auf
© siepmannH / PIXELIO
dem VCP-Bundeslager im nächsten
Jahr in Almke bei
Wolfsburg wieder
mit einem eigenen
Teillager vertreten.
Doch das funktioniert nur mit euch!
Deswegen suchen
wir noch Mitarbeiter, egal ob ihr am
Thema und am Programm arbeiten wollt,
euch für Aufbau und Logistik begeistert, oder
einfach erst mal reinschnuppern wollt, wir
freuen uns auf euch.
Das nächste Treffen findet am 1. November
in der LGS statt. Wenn ihr noch Fragen habt
oder nicht zum Treffen kommen könnt, meldet euch einfach bei Friederike Borschel per
Mail unter friederikeborschel@gmx.de oder
telefonisch unter 040 – 800 20 835.
Eure Teillagerleitung
Gesa, Friederike, Björn, Nicki, Jannik, Moritz,
Marian
Neue Halstücher jetzt
bei F&F bestellen
Die diesjährige VCP-Bundesversammlung hat die Einführung neuer Halstücher zur Kennzeichnung der Stufen
(und Phasen) im VCP beschlossen
(siehe Bericht S. 4). Die neuen Halstücher sind jetzt schon bei F&F bestellbar und können ab Mitte November geliefert werden.
Bestellung unter:
www.fahrtenbedarf.de
19
selbermachen
PimP Your SiPP
Text: django
Mit ausgefallenen Merkmalen kann man seiner Sippe ein ganz spezielles
Profil verpassen. Das kann in Form von Abzeichen, Schlachtrufen oder
Kleidung aber auch noch auf viele andere Weisen passieren.
P
gleich als Karthager zu erkennen waren,
und man hörte am Tag mehr als einmal
den Ruf: „Hey, Karthager!“. Wir hatten
unseren Sippenhut, unser Sippenemblem unser Sippenspiel, unsere Sippenfunzel (jeder von uns hatte eine von diesen
„Conrad“-Pump-Taschenlampen)
unser Sippenlied - ja, wir hatten sogar
unsere „Sippendroge“, welche aus diesen kleinen, gelben, zitronenförmigen
Fläschchen mit Zitronensaft bestand
(merkwürdig, wie heiß alle Fremdsippis
auf ein mal auf das saure Nass waren,
wenn wir es alle auf Kommando gleichzeitig „kippten“). Unser Sippensport
namens
„Karthagerball“
macht manchen im St. Andreas
heute noch Spaß. Somit kann man
es eventuell schaffen, seine Sippe
ein wenig unsterblich zu machen,
selbst, wenn sie lange nicht mehr
existiert. Überlegt doch mal, wie
Ihr Eurer Sippe durch eigene Gegenstände oder Bräuche ein auffälliges Profil verpassen könnt. Es ist
prima geeignet für ein Sippenabend-Programm, die Kinder lieben es, und vielleicht sieht ein
Thing dann ja irgendwann wieder
so aus, wie vor langer Zeit, als sich
„Wer hatte eigentlich die dämliche Idee mit
die Volksstämme äußerlich noch
dem Stachel-Irokesen als Sippenmerkmal?“
sehr voneinander unterschieden. n
umpernickel! Dieser Ruf sollte
nicht bekunden, dass jemand Lust
auf ultraschwarzes Brot mit Kultfaktor hat, sondern er war so etwas wie
der 110-Notruf der von mir geführten
Karthager. Wir hatten es uns damals
zum Sport gemacht, uns Dinge und
Bräuche für unsere Sippe einfallen zu
lassen, die nur wir hatten, und so bauten wir uns so etwas wie eine extrovertierte Sippenkultur auf, was wirklich
Spaß machte. Es war schon witzig, wenn
meine Sippis auf Stammeslagern wegen
ihres Sipppenstrohhutes von jedem
20
selbermachen
Pure SPannung
Text: Jannik Fischer
Einen Bogen selber zu bauen, der auch noch ein paar Meter weit
schießen soll scheint oft sehr kompliziert zu sein. Mit dieser Anleitung ist
es das nicht.
L
eg die kürzere Holzlatte mittig auf die längere. Nun zeichne an
der kürzeren Holzlatte 1,5 Zentimeter von den beiden Enden
entfernt jeweils einen Strich. Diesen Strich verlängerst du so,
dass er einmal um den Bogen herum auf der längeren Holzlatte entlang geht.
Feile oder schnitze nun an diesen Stellen, an denen der Strich verläuft, leichte Kerben in das Holz. Diese Kerben dienen dazu, den Jutefaden zu fixieren, mit dem man nun die beiden Holzleisten kräftig
zusammen schnürt. Die Seite mit der kleineren Holzlatte wird deine
Schussrichtung sein.
Um den Bogen mit der Schnur bespannen zu können schnitze leichte Kerben 1,5 Zentimeter vom Ende der langen Holzlatte entfernt
auf die Seite, die beim schießen von dir weg zeigt, in das Holz. Verlängere diese Kerben an den Kanten so, dass sie zur Mitte des Bogens verlaufen. In diese Kerben kannst du nun oben und unten die
Sehne mit einem Palstek einhängen, wie stark du deinen Bogen
dabei spannen möchtest kannst du selber ausprobieren.
Zum Schluss kannst du deinen Bogen verzieren, in Form schnitzen
oder einen schönen Griff gestalten. Achte aber stets darauf, dass
dein Bogen nie an einer Stelle zu dünn wird, da sonst Bruchgefahr
besteht.
Natürlich kannst du auch noch Variationen mit drei Holzlagen oder
einer dickeren Holzlatte ausprobieren. Einen solchen Bogen musst
du dann allerdings vorsichtig Tag für Tag immer stärker unter Feuchtigkeit biegen, bis der Bogen in deiner gewünschten Biegung bleibt,
danach empfiehlt es sich, den Jutefaden durch Draht zu ersetzen.
Viel Spaß, aber denke immer daran: Ziele niemals auf Menschen
oder Tiere, ein Bogen kann eine gefährliche Waffe sein!
n
DAS
BRAUCHT IHR
1,2 Meter Holzleiste mit 0,5 Zentimeter Stärke und 3-4 Zentimeter Breite
0,6 Meter Holzleiste mit 0,5 Zentimeter Stärke und 2-3 Zentimeter Breite
1,5 Meter reißfeste Schnur (als Sehne)
Zwei Jutefäden (zirka 80 Zentimeter)
b-seite
Oper nur für Opa?
Text: django
Opern sind nur etwas für alte Leute mit viel Geld? Falsch. Auch junge Menschen können sich an den alten Klassikern erfreuen. Und teuer muss es auch
nicht sein.
L
eute, die zum ersten Mal in der Oper
sind, reagieren oft sehr – überraschend. Entweder sie lieben die Oper,
oder sie hassen sie. Wenn sie die Oper
mögen, dann ist das für immer. Die anderen tun mir leid, denn die Musik wird nie Teil
ihrer Seele werden.
Na, woher stammt das Zitat? Ja, richtig
liebe Weiblichkeit! Leider falsch Männer. Es
ist die Opernsequenz aus „Pretty Woman“
und gehört nicht in die sogenannte „Space
Opera“ namens „Star Wars“. Tatsächlich übt
die Oper eine ganz eigene Faszination auf
ihre Fans aus. Zwar handelt es sich bei ihr
um eine sehr alte Kunstform, doch ich wage
zu behaupten, dass sie die musikalische Königin aller Klassen ist. Ich war zugegebenermaßen erst einmal in der Oper (wo es
mir anfänglich die Tränen in die Augen trieb,
weil es so schön war), aber während andere in meinem Alter früher eher AC/DC und
a-ha hörten, gab es für meinen Recorder
Klassikfutter, was für den musikalischen Instinkt, sowie auch meine Ausgeglichenheit
extrem förderlich war.
Doch wo beginnt man als Neuling und was
gefällt? Mit dem größten Sohn der Oper,
nämlich Mozart, kann man im Grunde
nichts falsch machen. Seine Werke sind zumeist witzig, beschwingt und vor allem
schön ohrwurmig, und werden im Grunde
nur von Bizets Meisterwerk „Carmen“ übertroffen, wo ein Hit den anderen jagt. Für
22
den Anfang halte ich Wagner für ungeeignet, denn seine Opern enthalten viel nervigen Sprechgesang und dauern dabei schon
mal ihre fünf Stunden. Beethoven, der für
seine überwiegend heitere Musik bekannt
ist, hat nur eine Oper geschrieben, die „Fidelio“, die allerdings sehr traurig sein soll.
Ganz groß im Rennen waren damals auch
die Italiener wie Rossini und Verdi, von
denen ja die ganzen musikalischen Grundfachbegriffe kommen (wie Molto addagio:
Fachbegriff für sehr langsam/behutsam
spielen), aber über die weiß ich zu wenig.
Übrigens, wenn Ihr mal in die Oper gehen
wollt – der Dresscode ist egal. Ich habe da
Leute mit zweideutigen T-Shirts und Irokesen gesehen, und auch fremdsprachige
Opern versteht man, da über der Bühne ein
Übersetzungsbildschirm hängt. Und wer
denkt, daß die Oper zwangsläufig ein teurer
Spaß sein muss, dem sei gesagt, daß man
für den billigsten Platz ganz vorne links lediglich zwei (!) Euro bezahlt – und stolze
146 Euro für den besten. Der Dirigent, den
man in der Hamburger Staatsoper über
Bildschirme an den Rängen bei der Arbeit
beobachten kann, ist übrigens dazu da, die
Einsätze zu geben, weil zum Beispiel die
Musiker am einen Ende des Orchestergrabens die vom anderen Ende nur zeitverzögert hören können. Mein Oma mütterlicherseits, die Chorsängerin an der Oper war, soll
da übrigens mal reingefallen sein.
n
b-seite
Zwölf auf einer Insel
Text: filo
Draußen wird es wieder kälter. Da sollte man mal wieder ein Buch lesen.
Zum Beispiel: „Isola“ von Isabel Abedi.
S
ie sind zu zwölft – und sie haben
das große Los gezogen. Drei Wochen allein auf einer einsamen
Insel vor Rio de Janeiro – als Darsteller
eines Films, bei dem nur sie allein die
Handlung bestimmen. Bei dem nur sie
selbst wissen, was Wahrheit ist und was
Lüge. Doch dann wird das paradiesische
Idyll für jeden von ihnen zu einer ganz
persönlichen Hölle. Und am Ende müssen die Jugendlichen erkennen, dass die
Lösung tief in ihnen selbst liegt.
Die Geschichte ist eigentlich ziemlich
simpel: Zwölf Jugendliche, die verschiedener nicht sein könnten und sich vorher nicht kennen, sollen drei Wochen
auf einer Insel verbringen, die von Kameras überwacht wird. Aus dem Filmmaterial soll hinterher ein Spielfilm geschnitten werden.
Bereits der Umgang der Charaktere
miteinander ist sehr spannend und fesselt den Leser, aber Isabel Abedi setzt
noch einen obendrauf und bringt das
altbekannte Mörderspiel mit ein, bei
dem einer der Jugendlichen versuchen
muss alle anderen zu eliminieren und
dabei unerkannt zu bleiben. Das Spiel
klingt sehr harmlos und man kann sich
kaum vorstellen, wie sehr es im Verlauf
des Buches ausartet. Dabei ist die Lösung so gut verborgen, dass der Leser
immer wieder überrascht wird, in wel-
che Richtung ihn die Geschichte als
nächstes trägt. Genauso überrascht ist
man am Ende von dem phänomenalen
und sehr gut ausgearbeitetem Ausgang
des Buches.
Ein absolutes
Leseerlebnis mit
großartiger Atmosphäre, sehr
spannend
und
gefühlsmäßig
sehr gut nachvollziehbar.
Sprachlich
ist
„Isola“ eine Meisterleistung,
aber
trotzdem
bleibt das Buch
leicht zu lesen.
Die Geschichte
enthält so viel
Tiefe, dass man noch Tage nach dem
Lesen in Gedanken bei den Jugendlichen
auf der Insel „Isola“ ist.
n
ISOLA
Autorin: Isabel Abedi
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsjahr: 2007
ISBN: 9783401060484
Preis: 14,95 Euro
23
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einer der beiden Wächter immer lügt und der andehe
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re immer die Wahrheit sagt. Du weißt nicht wer lügt und
wer die Wahrheit sagt und auch nicht, welcher der Wächter vor
welcher Tür steht. Du musst versuchen aus diesem Raum herauszukommen, also durch die Tür zu gehen, die in die Freiheit führt, indem du einem
der Wächter eine Frage stellst. Du hast nur diese eine Frage, danach musst du
dich entscheiden und durch eine Tür gehen. Was fragst du, um sicherzugehen,
dass du durch die richtige Tür gehst?
von filo
Antwort:
„Was würde der Andere sagen, wenn ich ihn fragen würde, ob er vor der
Freiheit (oder: vor dem Tod) steht?“ Dann geht man durch die Tür, die von
dem Wächter als Todestür bezeichnet wird. Dadurch, dass man den einen über
den anderen ausfragt, bekommt man eine hundertprozentig falsche Antwort.
Da man das vorher weiß, kann man die richtige Tür finden. Das klingt ein bisschen kompliziert, aber wenn Ihr das nicht so ganz versteht, spielt das ganze
mal nach. Es klappt!
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24
Die drei Pfadis
moppelfrosch
Doofe Taschentücher – oder: Warum
wir ein Tempo-Limit brauchen
D
lein im Papierkorb oder der Hosentasche
verschwand. Die Leute bei Tempo wissen
einfach nicht, was sie den Deutschen
damit antun. Bislang war es völlig normal,
ein Tempo in der Öffentlichkeit zu benutzen. Das geht jetzt nicht mehr ohne weiteres. Mit der Ausweitung der Produktpalette auf Klopapier wechselt Tempo vom
allseits sichtbar naseputzenden Bürger
hinein ins mit Pups-Dunst vernebelte Keller-Klo. Und braun ist definitv keine schöne Farbe – das sollten auch die bei Tempo
wissen. Da hilft auch der psychedelische
ie Zeiten der Eindeutigkeit und Sicherheit sind endgültig vorbei:
Tempo ist nicht mehr nur ein Papiertaschentuch, sondern inzwischen auch
ein Toilettenpapier. Das deutsche Synonym
schlechthin für Taschentücher ganz gleich
welcher Marke geht somit seinen letzten
Gang. Vorbei die Zeit, wo einem auf die
Frage nach einem Tempo, kommentarlos
ein Taschentuch gereicht wurde. Vorbeit
die Zeit, in der klar war, dass die Benutzung
eines Tempos ein Schnäuzen bedeutete
und das sodenn gelb-grün berotzte Tüch-
26
Werbefilm auf der Tempo-Homepage
nicht mehr. Wie allerdings in diesem Spot
eine Rolle Klopapier Frauen, Kinder und
sogar Kerle in Banker-Kluft über die
Maßen glücklich machen kann, ist indes
erstaunlich. Jedoch erinnert die Werbung
auch kein bisschen daran, wofür man das
neue Tempo nun eigentlich benutzt.
Vielleicht fragen sich die Tempo-Strategen auch: Wie viele Leute mögen sich
wohl morgens mit Toilettenpapier die
Nase putzen? Und vielleicht sind die Jungs
bei Tempo nur kapitalistisch-clever und
wollen auf diesem Weg nur eine neue Zielgruppe erschließen. Dass es auch eher
der Finanzkrise entsprechend anders laufen kann, zeigt der knuffige Charmin-Bär
von der Konkurrenz. Eine super Idee, die
die Werbefachleute damals hatten: Was
könnte besser für flauschig-weiches Toilettenpapier werben als ein Bär mit flauschigweichem, kackbraunem Fell? Brillant!
Doch nun zeigt selbst dieses freundliche
Scheißerchen sein wahres geldgieriges
Gesicht, lässt seine treuen Kunden im
Stich und wechselt einfach zu Zewa. Wie
soll man damit nur klarkommen? Schnell
ein Tempo, bitte!
chris
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Kon tak t zu r R ed ak tion :
F on: 0 40 – 319 58 18
F ax : 0 40 – 3 19 6 9 32
r e l a i s @v cp- hamburg . de
w w w.v cp-h amburg.de
27
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