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Jeanne Woodford und die Todesstrafe in Kalifornien Aut - SWR

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2
SWR2 Tandem - Manuskriptdienst
Was sagt man einem Menschen zum Schluss?
Jeanne Woodford und die Todesstrafe in Kalifornien
Autor:
Arndt Peltner
Redaktion:
Karin Hutzler
Regie:
Felicitas Ott
Sendung:
Montag, 12.11.12 um 10.05 Uhr in SWR2
__________________________________________________________________
Bitte beachten Sie:
Das Manuskript ist ausschließlich zum persönlichen, privaten Gebrauch bestimmt.
Jede weitere Vervielfältigung und Verbreitung bedarf der ausdrücklichen
Genehmigung des Urhebers bzw. des SWR.
Mitschnitte der Sendungen SWR2 Tandem auf CD können wir Ihnen zum größten Teil
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MANUSKRIPT
Musik: Johnny Cash “San Quentin”
“San Quentin, may you rot and burn in hell.
May your walls fall and may I live to tell.
May all the world forget you ever stood.
And may all the world regret you did no good.
San Quentin, you've been livin' hell to me.”
Atmo
This call and your telephone number will be recorded and monitored. I have a collect
call from… “RENO”…, an inmate at San Quentin State Prison in California.
Atmo
I‟m on San Quentin Death Row and I‟m in a cell, I guess it‟s about a nine by four foot
cell. I have a bunk, a toilet, a sink and a shelf. Everything in here is steal…
Harold Memro und Stanley “Tookie” Williams beschreiben ihre Zellen auf Death Row
in San Quentin (Telefoninterviews mit Störsignal).
Erzähler:
Harold Memro, “Reno” genannt, ist seit 1980 auf der Death Row, im Todestrakt des
kalifornischen Staatsgefängnisses San Quentin.
Stanley “Tookie” Williams kam ein Jahr später nach San Quentin. Seine Hinrichtung
2005 war die bislang letzte in Kalifornien:
Atmo
Tookie Williams: This is a place where individuals eventually, if they‟re unfortunate,
will end up being executed.
Jeanne Woodford:
Death Row inmates are housed in three, I think now four housing units in San
Quentin. They have outgrown the East Block, but we haven’t confirmed that.
Sprecherin Overvoice:
Gefangene auf der Death Row werden in drei, ich glaube, heute sogar in vier
Blöcken untergebracht. Sie sind zu viele für den eigentlichen Ost-Block geworden.
Atmo
Tookie Williams will die tonight.
Erzähler:
Jeanne Woodford kennt den Todestrakt nur zu gut. Die heute 58-Jährige war früher
Gefängnisdirektorin von San Quentin.
Jeanne Woodford:
In 1978 when I started there were 6 inmates on Death Row…I didn’t give the Death
Penalty a lot of thought. I was raised a Catholic, so my moral view was that the Death
Penalty was wrong. I think it was quite a few years before I gave it a thought that I
gave it. What I saw happened is from 1978 to today that Death Row grew from those
6 inmates to where we are today with 729 inmates on Death Row.
2
Sprecherin Overvoice:
Als ich 1978 dort anfing, gab es sechs Gefangene auf der Death Row. Ich habe
damals nicht viel über die Todesstrafe nachgedacht. Ich bin katholisch
aufgewachsen, moralisch gesehen war die Todesstrafe für mich nicht richtig. Es
dauerte aber ein paar Jahre, bis ich mir endlich ernsthaft Gedanken darüber machte.
1978 gab es 6 Todeskandidaten, heute sind es 729.
Jeanne Woodford:
They are treated as grad A inmates, which means they are treated as much alike the
general population as possible. They are allowed to go to the exercise yard seven
days per week, six hours a day. They are fed in their cells, three meals a day, two hot
meals and a sack lunch, or they can take their sack lunch to the exercise yard and
eat out in the yard. They are entitled to scheduled visits, seven days a week, so
many individuals are going to visiting and returning to their cells.
Many individuals choose to just lay in their cell or work on their cases, their legal
work, or to watch TV or listen to the radio or read the newspaper or read cards and
letters they might get. They might have a medical appointment, or they might have an
appointment with a psychologist or they may have an appointment with classification
because they are reviewed by a classification committee on a fairly regular
basis…and that’s their day, day in and day out….for years and years and years.
If they are the small percentage of Death Row inmates housed in a shu like setting,
security housing like setting, in the adjustment centre, that small percent are in their
cell 23 hours a day. They have access to an exercise yard ten hours a week. That is
being very much like being in isolation, for the most part.
They are separated from the general population. Death Row inmates have contact
with other Death Row inmates. Every time they are out of their cell, they are in
handcuffs and/or escorted by Correctional Officers. So it is very staff intensive.
Sprecherin Overvoice:
Die Gefangenen auf der Death Row werden weitgehend wie die normalen
Inhaftierten behandelt. Sie dürfen an sieben Tagen in der Woche jeweils sechs
Stunden auf den Hof. Sie bekommen zwei warme Mahlzeiten am Tag und ein
Lunchpaket, das sie auch mit auf den Hof nehmen können. Sie dürfen Besuch
empfangen. Viele Männer bleiben aber lieber in ihren Zellen, schlafen oder arbeiten
an ihrem Fall, schauen fern, hören Radio oder lesen Zeitung und die Post, die sie
bekommen. Sie dürfen zum Arzt gehen oder zu einem Psychologen. Regelmäßig
werden sie neu beurteilt und eingestuft. So vergeht ihr Tag, und das über viele Jahre.
Aber der kleine Teil der Männer, der im SHU, dem Sicherheits- und
Einstufungsbereich, untergebracht ist, bleibt 23 Stunden am Tag in den Zellen. Diese
Männer dürfen nur zehn Stunden pro Woche auf den Hof. Das ist Isolationshaft. Die
Todeskandidaten haben keinen Kontakt zu den normalen Gefangenen, sie können
sich nur mit anderen im Todestrakt austauschen. Jedesmal, wenn sie ihre Zelle
verlassen, werden ihnen Handschellen angelegt und ein Justizbeamter begleitet sie.
Das ist also sehr personalintensiv.
Erzähler:
Das San Quentin State Prison liegt gleich hinter der Richmond/San Rafael Bridge,
direkt an der San Francisco Bay. Von hier kann man hinüber zur Halbinsel Tiburon
sehen, daneben liegt Angel Island, dahinter die Skyline von San Francisco. Fähren
fahren ganz nah am Gefängnis vorbei.
Hier sind alle untergebracht, die in Kalifornien zum Tode verurteilt worden sind.
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Jeanne Woodford:
I majored in Criminal justice in College and when I graduated in 1978, the San
Quentin State Prison was recruiting from the Colleges. I was really intrigued by what
they had to say, so I took the test and passed and two weeks after graduation I was
working at San Quentin State Prison.
Sprecherin Overvoice:
Ich habe meinen Uniabschluss 1978 im Fach “Strafjustiz” gemacht. Damals suchte
das San Quentin State Prison Collegeabsolventen. Ich war beeindruckt von den
Arbeitsbedingungen. Ich bestand den Einstellungstest, und zwei Wochen nach
meinem Abschluss arbeitete ich schon in San Quentin.
Erzähler:
Jeanne Woodford ist in Rohnert Park geboren und wuchs in der Kleinstadt nördlich
von San Francisco auf. Sie studierte ganz in der Nähe an der Sonoma State
University. Dann begann eine lange Karriere im Strafvollzug. Jeanne Woodford
durchlief alle Bereiche im Gefängnis, sie arbeitete sich nach oben. Angefangen hat
sie 1978 als Strafvollzugsbeamtin. 1999 wurde die Mutter von zwei Kindern vom
damaligen Gouverneur Gray Davis zur Direktorin von San Quentin berufen. Jeanne
Woodford hat sich als Frau in einer Männerwelt durchgesetzt.
Fast 5.500 Häftlinge sind zurzeit in San Quentin untergebracht, neben dem
Todestrakt gibt es auch den normalen Strafvollzug. San Quentin ist eines der größten
Gefängnisse in den USA. Rund 1.500 “Correctional Officers”, meist männliche
Strafvollzugsbeamte, arbeiten dort. In San Quentin sind viele “Lifers”, zu einer
lebenslänglichen Haftstrafe Verurteilte, untergebracht. Und die Todeskandidaten, die
alle wegen Mordes mit besonderer Schwere verurteilt worden sind.
Jeanne Woodford:
I will say this, their crimes haunt me, but very seldom can I remember what crime
belongs to what inmate. I can remember the details of the crimes. And I tell people
that there was a time in my life where I went for a long time without turning the lights
off in my house, because these crimes are horrific…very true.
Sprecherin Overvoice:
Die Verbrechen verfolgen mich, aber sehr selten kann ich noch ein Verbrechen mit
einem Gefangenen zusammenbringen. Ich erinnere mich nur an die Einzelheiten der
Tat. Es gab Zeiten in meinem Leben, in denen ich die Lichter in meinem Haus nicht
ausmachte, denn die Verbrechen waren zu schrecklich.
Musik: “Death Row” von FM Einheit
Jeanne Woodford:
I can’t tell anybody how to morally think. That’s based on their religion, how they grew
up, it’s based on lots of things. And I don’t want to ever try to tell a victim how to think
about these issues. They suffered at the hands of those individuals. So for me it’s
about the facts. What are the facts? If the death penalty were deterrent, we’d be
having a different conversation. As a public policy, it would be about what is the right
public policy that really improves our lives and makes us safer. But it’s not a
deterrent. The death penalty is far more expensive than live in prison without the
possibility of parole. And the death penalty in California is a fiction. We had 13
executions since 1978, we have 729 people on Death Row. Even if California could
do executions, which they can’t, because there is a court
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order in place, we haven’t had an execution in six years…But even if we could, there
are only 13 people out of these 729 who have exhausted their appeals. So, we would
continue to add people to Death Row, and we spent four billion dollars from 1978 to
date.
Sprecherin Overvoice:
Ich kann niemandem sagen, was er moralisch denken soll. Das hängt von der
Religion der Leute ab, wie sie aufgewachsen sind. Ich will auch nie einem Opfer,
einem Angehörigen eines Ermordeten, vorschreiben, wie er denken soll. Sie haben
gelitten durch die Taten der Gefangenen.
Mir geht es um die Fakten. Aber was sind die Fakten? Die Todesstrafe ist nicht
abschreckend, und sie ist außerdem teurer als eine lebenslängliche Haftstrafe ohne
Aussicht auf Begnadigung.
Die Todesstrafe in Kalifornien ist irgendwie auch eine Fiktion. Seit 1978 gab es 13
Hinrichtungen. Heute haben wir 729 Gefangene auf der Death Row. Die letzte
Hinrichtung war vor sieben Jahren. Mittlerweile gibt es einen Gerichtsbeschluss in
Kalifornien, dass die Todesstrafe nicht mehr vollstreckt werden darf. Auch wenn der
nicht wäre, könnten von den 729 Gefangenen nur 13 hingerichtet werden, die am
Ende ihrer Einspruchsmöglichkeiten angelangt sind.
Wir schicken immer mehr Leute auf die Death Row. Seit 1978 wurden dafür schon
vier Milliarden Dollar ausgegeben.
Erzähler:
Jeanne Woodford war nie eine Verfechterin der Todesstrafe. Für sie stand das
Gesetz im Vordergrund. In ihrer Arbeit als Strafvollzugsbeamtin mit Todeskandidaten
und als Direktorin, die die letzten Worte an die Verurteilten richtete. Moralisch sei sie
schon immer dagegen gewesen, erklärt sie.
Heute ist sie Direktorin von “Death Penalty Focus”, einer Organisation, die gegen die
Todesstrafe kämpft. Ihre langjährigen Erfahrungen und ihre Erkenntnis, dass die
Todesstrafe nicht gerecht ist und nicht funktioniert, führten dazu, dass sie ihre Arbeit
in San Quentin aufgab.
Jeanne Woodford:
Based on geography in California, we have 58 counties in California, only a handful
of counties continue to go after the death penalty. So you commit the same crime in
one county and get life without the possibility of parole and in another county you will
end up on death row. So, geography plays a role. We also have this gap in our
system, also in California, we have so many unsolved homicides, 46 percent. So
many unsolved rapes, 56 percent. And most of these occurs in poor communities. So
homicide and rape is less likely to be solved in our poor neighborhoods in California.
We need to focus on addressing those issues, instead of spending our money on just
a handful of inmates who are going to die in prison anyway. The majority will most
likely not be executed.
Sprecherin Overvoice:
Nur eine Handvoll der 58 Bezirke in Kalifornien verhängt die Todesstrafe. Wenn man
die Straftat in einem Bezirk begeht, bekommt man lebenslänglich ohne Aussicht auf
Begnadigung, und in einem anderen wird für dasselbe Verbrechen die Todesstrafe
verhängt.
46 Prozent der Morde und 56 Prozent der Vergewaltigungen in Kalifornien werden
nicht aufgeklärt. Die meisten davon passieren in ärmeren Gegenden. Wir müssen
diese Probleme angehen, und nicht weiter das Geld für ein paar Häftlinge ausgeben,
die irgendwann im Gefängnis sterben werden.
5
Jeanne Woodford:
We continue with the Death Penalty, the estimates are, we spend five to ten billion
dollars by 2050. And by that time over 500 inmates would have died on old age. The
prediction is, only a few would be executed, the rest would die of old age. So, it truly
is a fiction. And to me, it’s such a burden of the family members, who have been
promised one thing, but what they will get is years of waiting for appeals, reading
these individuals name over and over again in the newspaper. The focus will be on
the offender and not on them and their families. So, for me it’s about public policy. It
is a bad public policy. It is a failed public policy. And even those who believe in the
Death Penalty are saying that. The current Supreme Court Justice, Chief Justice of
California says, it’s broken beyond repair. Ron George, the former Chief Justice of
the State of California also says, it’s broken beyond repair. And when you have
people believing in the Death Penalty, saying we can’t fix this, you know that it’s time
to change this public policy.
Sprecherin Overvoice:
Wenn wir an der Todesstrafe festhalten, werden bis 2050 voraussichtlich fünf bis
zehn Milliarden Dollar dafür ausgegeben. Die Prognose ist, dass nur wenige
Todeskandidaten wirklich hingerichtet werden, der Rest wird aus Altersgründen
sterben. Ich empfinde diese Situation als Belastung für die Angehörigen der Opfer,
denen etwas anderes versprochen wurde. Was sie bekommen, sind jahrelange
Berufungsverfahren. Den Namen des Täters werden sie immer wieder in den Medien
lesen. Der Täter steht im Mittelpunkt und nicht die Opfer und deren Familien. Mir geht
es um ein wirksames Konzept bei der Bestrafung von Schwerverbrechern. Die
Todesstrafe ist eine verfehlte Strategie. Das sagen sogar diejenigen, die an sie
glauben, wie der Vorsitzende des kalifornischen Verfassungsgerichts. Wenn Leute,
die eigentlich von der Todesstrafe überzeugt sind, sagen, dass diese
Strafmaßnahme nicht funktioniert, dann weiß man, es ist an der Zeit, etwas zu
ändern.
Erzähler:
In den Debatten um die Todesstrafe geht es meistens um moralische Gründe, um
Glauben, um Gnade und Rache. Jeanne Woodford ist diese Art zu argumentieren
scheinbar fremd. Sie schaut sich die Fakten an, analysiert Statistiken, schätzt Nutzen
und Wirkung ab. Nur selten lässt sie einen Blick hinter ihre Mauern zu:
Jeanne Woodford:
You know, I pray to god every day. I pray for guidance, strength, I pray for the ability
to think through these very complicated and difficult issues. So, I would tell you god is
with me every day and has been my entire life. It’s important to me and it’s also not
that black and white for me. There are many complicated issues that I struggle with
and continue to work through as I learn more and more about the world.
Sprecherin Overvoice:
Ich bete jeden Tag zu Gott. Ich bitte um Führung, um Stärke, ich bete um die
Fähigkeit, die sehr komplizierten und schwierigen Sachverhalte erfassen zu können.
Gott ist jeden Tag mit mir und war es auch mein ganzes Leben. Das ist mir wichtig.
Es gibt so viel Schwieriges, mit dem ich zu kämpfen und umzugehen habe, je mehr
ich über die Welt lerne.
6
Musik Johnny Cash: The Mercy Seat”
And the mercy seat is waiting
And I think my head is burning
And in a way I'm yearning
To be done with all this weighing of the truth.
An eye for an eye
And a tooth for a tooth
And anyway I told the truth
And I'm not afraid to die.
Jeanne Woodford:
We have been accused by people of saying that we’ve made it about the money,
because we just want to get rid off the death penalty. Or we care so much about the
guys on Death Row. For me, it’s not about the guys on Death Row. This is truly about
the right public policy, that keeps our children, our families and our neighborhoods
saver. And that is replacing the death penalty with what works.
Sprecherin Overvoice:
Man hat uns immer wieder vorgeworfen, dass es uns nur ums Geld gehe, wenn wir
gegen die Todesstrafe sind. Oder um die Kerle auf der Death Row. Für mich geht es
nicht um die Leute im Todestrakt. Sondern um die richtige Strategie, die zu mehr
Sicherheit für unsere Kinder, unsere Familien und unsere Stadtteile führt. Die sollte
dann die Todesstrafe ersetzen.
Musik Johnny Cash: The Mercy Seat”
And the mercy seat is glowing
And I think my head is smoking
And in a way I'm hoping
To be done with all these looks of disbelief.
A life for a life and a truth for a truth
And I've got nothing left to lose
And I'm not afraid to die.
Jeanne Woodford:
DNA in itself is just one huge reason why we shouldn’t have the death penalty.
Because prior to the DNA, no one was exonerated from Death Row really. And since
DNA we had over 100 exonerees. So you have to know that we executed many
innocent people. When you think for every ten people that would have been
executed, we had one exoneree. A friend of mine, Brian Stevenson, says, if you got
on an airplane knowing today that ten airplanes that took off, one was going to crash,
would you still fly? So, DNA has really said to me, we have to get rid of the death
penalty.
Sprecherin Overvoice:
Die DNA-Analyse ist Grund genug, warum wir keine Todesstrafe haben sollten. Denn
bevor es diese Methode gab, hat niemand die Death Row lebendig verlassen. Und
seitdem mussten schon über 100 Menschen freigelassen werden. Für jeden zehnten,
der hingerichtet worden wäre, gibt es einen Freigelassenen. Brian Stevenson, ein
Freund von mir, meinte einmal: wenn man weiß, dass von zehn Flugzeugen eines
abstürzt, würde man dann noch fliegen? Die DNA-Technik hat mir schließlich ganz
deutlich gemacht, dass wir die Todesstrafe abschaffen müssen.
7
Musik: Johnny Cash: The Mercy Seat”
And the mercy seat is smoking
And I think my head is melting
And in a way that's helping
To be done with all this twisting of the truth.
An eye for an eye and a tooth for a tooth
And anyway I told the truth
But I'm afraid I told a lie.
Erzähler:
Im Gespräch mit Jeanne Woodford kommt man unweigerlich auch auf die Momente,
in denen sie als Letzte mit einem Verurteilten in der Hinrichtungskammer war. Vier
Männer wurden in ihrer Zeit als Gefängnisdirektorin von San Quentin hingerichtet.
Was sagt man in so einem letzten Augenblick:
Jeanne Woodford:
It really depended on the person. With Mister Massie, who was a volunteer, he
stopped his appeals. In that situation I had to walk into the death chamber and ask
him if he wanted to continue with the execution, and so that’s what I asked him. He
signified that he did, by shaking his head yes. I looked to his attorney and his
attorney acknowledged that his client had said yes. And then Mister Massie said
“Goodbye Warden” and my last words to him were “Goodbye Massie”. For the other
three, there wasn’t really any dialogue at that point. There was dialogue throughout
the evening. At midnight they are brought in by the execution team and there isn’t
really any dialogue. If they wanted to talk we would have but that is not what occurs,
they just wanted to get it over with.
Sprecherin Overvoice:
Es hängt wirklich von der Person ab. Herr Massie wollte die Hinrichtung, er hatte alle
Einspruchsmöglichkeiten gestoppt. Ich musste in die Todeskammer gehen und ihn
fragen, ob er mit der Exekution fortfahren wolle. Er signalisierte, dass er das wolle,
indem er mit dem Kopf nickte. Ich sah zu seinem Anwalt, der bestätigte die Haltung
seines Klienten. Dann sagte Mister Massie “Goodbye Direktorin”, und meine letzten
Worte an ihn waren “Goobye Massie”. Bei den drei anderen gab es an dem Punkt
kein Gespräch mehr. Wir hatten am Vorabend noch gesprochen. Um Mitternacht
wurden sie in die Todeskammer gebracht und da gab es keine Worte mehr. … Sie
wollten es nur hinter sich bringen.
Musik “Dead Man” von Pearl Jam
The hallways are all mocking me.
What I've become they're all mocking me.
I'm a dead man walking. A dead man walking. A dead man walking. I'm a dead man
walking. Dead man walking. Dead man walking.
Jeanne Woodford:
The role of the warden is to carry out the execution, so you have to make sure that
everything that is supposed to happen happens. You make sure that the inmate had
the opportunity to visit with their family and attorneys up to 6 o’clock the day of the
execution. You make sure that they are brought into the chamber at 6, that they’re
given their last meal if they ask for one. That they have an opportunity to meet with
their spiritual advisor. That the lines of communication continue to be open all the
8
way until midnight with their attorney. You make sure, if they have any questions, that
you answer those questions. You know there is fair questions, they wanna know
what’s going to happen in the chamber. Even if you have explained it to them
previously and your team has explained it to them, they often ask you again, what will
happen. You just have to show incredible patience and walk them through it. Being
very honest at the same time being calm. They certainly know within a few hours,
they will lose their live.
Sprecherin Overvoice:
Der Gefängnisdirektor muss die Exekution ausführen. Man muss sicher stellen, dass
alle Abläufe eingehalten werden. Man kontrolliert, ob der Gefangene die Möglichkeit
hatte, seine Familie und seine Anwälte bis 18 Uhr am Tag der Hinrichtung zu sehen.
Man sorgt dafür, dass der Gefangene dann in die Todeskammer geführt wird und
dort sein letztes Mahl bekommt, wenn er das wünscht. Dass er seinen geistlichen
Beistand sprechen kann. Dass die Kommunikationsmöglichkeiten mit den Anwälten
bis Mitternacht bestehen bleiben. Man geht auf die Fragen der Verurteilten ein, zum
Beispiel, was da genau in der Kammer passieren wird. Auch wenn man das schon
vorher mehrfach erklärt hat, sie fragen immer wieder nach, was genau geschehen
wird. Man muss einfach eine unglaubliche Geduld zeigen und es nochmal erklären,
dabei ganz ehrlich und ruhig bleiben. Sie wissen ganz genau, dass sie in ein paar
Stunden ihr Leben verlieren werden.
Musik Bruce Springsteen “Dead Man Walking”
There's a pale horse coming
And I'm going to ride it
I'll rise in the morning
My fate decided
I'm a dead man walking
I'm a dead man walking
Jeanne Woodford:
I wouldn’t say that the executions haunt me. I certainly think about them and I’m one
of those people who believes that things happen for a reason. You just have to figure
out what you are supposed to do with your experiences. I guess, that lead me to
Death Penalty Focus, caused me to believe, for many reasons, that I experienced
what I did for a reason and that I’m surely need to do something with what I have
learned about the Death Penalty, which is that it is so useless and it causes so much
harm to people. On all sides, either you are the victim’s family member, the inmate’s
family member, his attorney, the staff at San Quentin.
Sprecherin Overvoice:
Ich würde nicht sagen, dass die Hinrichtungen mich verfolgen. Natürlich denke ich
daran. Ich bin auch ein Mensch, der glaubt, dass die Dinge aus einem Grund
geschehen. Man muss nur herausfinden, was man mit seinen Erfahrungen anstellen
soll. Ich denke, das hat mich zu “Death Penalty Focus” geführt. Ich habe alle diese
Erfahrungen aus dem einen Grund gemacht, damit ich etwas gegen die Todesstrafe
unternehmen kann, denn sie ist unnütz und verursacht zu viel Leid. Auf allen Seiten,
bei Angehörigen der Opfer, dem Täter, seinem Anwalt, den Mitarbeitern in San
Quentin.
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Musik Steve Earle “Ellis Unit One”
Well, I've seen „em fight like lions, boys
I've seen 'em go like lambs
And I've helped to drag „em
When they could not stand
And I've heard their mamas cryin'
When they heard that big door slam
And I've seen the victim's family holdin' hands
Jeanne Woodford:
Well, you train yourself to go home and ask the kids how was their day and ask your
husband about his. I certainly never talked about these cases at home in any way.
Because…I did want my kids to be healthy. But it certainly impacts how you behave
as a parent. I think as years went on I got to be incredibly overprotected of all my
kids. I think it does have an impact on you, but you try to keep it as healthy as you
can. I turned to exercise, I went to the gym often, still go to the gym. I did yoga for
quite a long time. I haven’t had a chance to do it lately, but I think these are all
healthy activities.
I do meditate almost daily, not every day but I try to. And… that what you experience
in life can defeat you, it can make you sick, it can impact you in ways that are not
healthy or it can resolve you to take what you have learned and apply that to
something positive and it improves the lives of other people. And if I can be a part of
replacing the death penalty with what works than I will know that all that I have done
in my career has been worth it.
Sprecherin Overvoice:
Man kommt nach Hause und fragt die Kinder und den Ehemann, wie ihr Tag war. Ich
selbst habe niemals über meine Fälle daheim gesprochen, denn ich wollte meine
Kinder nicht belasten. Aber man verändert sich als Mutter. Mit den Jahren wurde ich
übermäßig beschützend gegenüber meinen Kindern. Die Arbeit in San Quentin
beeinflusst einen, aber man versucht, so gesund wie möglich zu bleiben. Ich habe
viel Sport gemacht, bin oft ins Fitnessstudio gegangen; ich habe lange Yoga
gemacht, leider heute nicht mehr so oft. Ich meditiere fast jeden Tag. Was man im
Leben erlebt, kann einen zerstören, es kann einen krank machen, es kann einen auf
eine Art und Weise berühren, die alles andere als gesund ist. Man kann diese
Erfahrungen auch in etwas Positives umwandeln, was das Leben anderer verbessert.
Wenn ich dazu beitragen kann, die Todesstrafe mit etwas zu ersetzen, was wirklich
wirkt, dann weiß ich, dass sich alles gelohnt hat, was ich in meinem Beruf gemacht
habe.
Erzähler:
Jeanne Woodford ist überzeugt, dass die Todesstrafe in den USA schon bald
Geschichte sein wird:
Jeanne Woodford:
Yes, we will see the end of the death penalty. I am sure we will see the end of the
death penalty in the next 10 –15 years. There is a tipping point, where the US
Supreme Court says, it is no longer socially acceptable to have the death penalty. At
that point they will declare it unconstitutional.
10
Sprecherin Overvoice:
Ja, wir werden das Ende der Todesstrafe erleben. Ich bin mir sicher, in 10 bis15
Jahren wird es sie nicht mehr geben. Es gibt einen Wendepunkt, an dem das USVerfassungsgericht sagen wird, es ist nicht länger akzeptabel, diese Strafe zu haben.
Von da an wird sie als nicht verfassungskonform erklärt.
Atmo
News von Tookie Williams Hinrichtung
Erzähler:
Die Hinrichtung von Stanley “Tookie” Williams am 13. Dezember 2005 könnte wohl
wirklich die letzte in Kalifornien gewesen sein.
11
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