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Die Kraft der Körpersprache Was Babys von ihrer Umwelt lernen

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Printausgabe vom 10.2.2010
Die Kraft der Körpersprache
Was Babys von ihrer Umwelt lernen erfuhren die Zuhörer
beim Königsteiner Forum
Die sogenannte „Neunmonatsrevolution“ bildet den Dreh- und Angelpunkt in der
Entwicklung des menschlichen Selbstbewusstseins. Auch welche Rolle die Sprache
dabei spielt, erläuterte Professor Thomas Fuchs.
Von Ulrich Boller
Königstein. Gesten, Mimik, Berührungen, die Tonalität der Stimme – schon bevor ein
Kleinkind sprechen lernt, verfügt es über ganz erstaunliche Fähigkeiten, mit seiner Umwelt in
Dialog zu treten. „Die Körpersprache, nicht die gesprochene Sprache ist die Basis für
zwischenmenschliche Beziehungen“, sagte Professor Thomas Fuchs beim zweiten Vortrag des
Königsteiner Forums zum Jahresthema „Kommunikation und Gesellschaft“ im gut besuchten
Foyer der Frankfurter Volksbank.
„Vom ersten Lächeln bis zum ersten Satz“ durchläuft der kleine Mensch vielfältige Erfahrungsund Lernhorizonte, wie Fuchs darlegte. Dabei sei diese „Beziehungssprache“ das ganze Leben
hindurch wesentlich unmittelbarer und verlässlicher als Worte, gleichwohl jedoch unbewusst
und daher kaum gezielt einzusetzen. Der Tastsinn prägt das erste Lebensjahr eines
Menschen. Über den intensiven Körperkontakt zu den Eltern erfahre der Säugling das
ursprüngliche Gefühl von Geborgenheit, unterstrich Fuchs, der außer einem Doktortitel in
Medizin diesen akademischen Grad auch in Philosophie erworben hat.
Handlung und Emotion
Gleichfalls ausgeprägt sei der Gesichtssinn: „Ein Kind kann schon früh zwischen belebten und
unbelebten Gegenständen unterscheiden und besitzt ein angeborenes Gefühl für Gesichter,
deren Ausdrücke es nachzuahmen vermag.“ Nach Fuchs’ Worten findet hier schon
unbewusstes Lernen statt. Nach und nach begreife ein Kleinkind nämlich, dass Handlungen
und Emotionen in bestimmte Situationen eingebettet seien. „Hier entwickelten sich
zwischenmenschliche Verhaltensmuster, bilden sich Gewohnheiten heraus“, sagte der
Mediziner. Über ein Selbstbewusstsein und ein „autobiographisches“ Gedächtnis verfügt ein
Mensch in diesem Stadium noch nicht.
Das ändert sich nach der sogenannten „Neunmonatsrevolution“. „In etwa nach seinem
neunten Lebensmonat schaut der Nachwuchs erstmals auf das, was die Erwachsenen ihm
zeigen und mit einem Namen benennen. Umgekehrt zeigt der Junior selbst auf Gegenstände
und versucht, Wörter zu artikulieren“, erläuterte der Referent. Eine gemeinsame
Aufmerksamkeit für Dinge und Aktivitäten entstehe, es entwickle sich ein „Verständnis für
Absichten“.
Was über Identifikation und Orientierung am Vorbild „gezieltes Lernen“ ermögliche.
„Eingebettet in die gemeinsame Praxis bildet sich das Sprachvermögen als grundsätzlich
neues Kommunikationsmedium heraus.“
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(Artikel vom 10.2.2010, Die Kraft der Körpersprache)
Ein Fremder im Spiegel
Zwar gebe es ein grundlegendes Selbstempfinden schon vor der Geburt. „Das
Selbstbewusstsein entsteht erst mit der menschlichen Sprache und dem Verständnis von
Perspektiven.“ So dauere es eine Weile, bis ein Kleinkind im Spiegel sich selbst erkenne und
nicht ein vermeintlich fremdes Wesen sich gegenüber sehe.
Gerade das Wort „Ich“ in seiner verwirrenden Doppeldeutigkeit müsse sich ein Kind in der
Gemeinschaft vieler Ichs erst verständlich machen und aneignen. Das zu erkennen sei ein
„Markstein in der Entwicklung des Selbstbewusstseins“. Von Anfang an sei der Mensch auf
zwischenmenschliche Beziehungen hin angelegt. Dabei sei die Entwicklung des
Selbstbewusstseins sowohl biologisch angelegt als auch „immer ein Geschenk anderer“, hob
Fuchs hervor.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Taunus Zeitung
Der Artikel dient nur der persönlichen Information und darf nicht weitergegeben werden.
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Kategorie
Seele and Geist
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