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IFRS 11 –Joint Arrangements– was ist neu? - TPW

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IFRS 11 –Joint Arrangements– was ist neu?
1. Hintergrund
Der IASB hat im Mai bzw. Juni 2011 grundlegende Änderungen der
Konsolidierungsvorschriften nach der internationalen Rechnungslegung vorgenommen. In
diesem Zeitraum wurden IAS 27 (Einzelabschlüsse) sowie IAS 28 (Anteile an assoziierten
Unternehmen und Joint Ventures) geändert. Ferner wurden IFRS 10 (Consolidated Financial
Statements) und IFRS 11 (Joint Arrangements) herausgegeben. Ergänzt werden die beiden
neuen Standards durch IFRS 12 (Disclosure of Interests in Other Entities), der die
vorzunehmenden Anhangangaben regelt. Mit unserem Newsletter vom Februar 2012 haben
wir Sie über die Neuregelungen des IFRS 10 informiert. Hieran möchten wir anknüpfen und
Ihnen in dieser Ausgabe die wesentlichen Änderungen durch IFRS 11 im Vergleich zu den
bisherigen Regelungen des IAS 28 aufzeigen.
Ausschlaggebend für die Neuregelung waren u.a. verschiedene Interpretationen des IAS 31.
Der bisherige IAS 31 (Interests in Joint Ventures) sah hierbei ein Wahlrecht zwischen der
Quotenkonsolidierung und der Anwendung der Equity-Methode vor. Insbesondere im
europaweiten Vergleich wurde festgestellt, dass dieses Wahlrecht länderspezifisch ausgeübt
wurde. Während in Frankreich und Spanien überwiegend die Quotenkonsolidierung genutzt
wurde, wurde in Deutschland und Großbritannien vorwiegend die Equity-Methode
angewendet.
Auch wenn alle drei neuen Standards ebenso wie die vorgenommenen Änderungen an
bestehenden Standards derzeit noch nicht von der Europäischen Union übernommen
wurden und insofern für viele Abschlüsse deutscher Konzerne noch nicht anzuwenden sind,
sollten die Neuregelungen aufgrund ihrer elementaren Änderungen, bereits jetzt kritisch auf
ihre Auswirkungen untersucht werden. Hierbei stellt sich insbesondere die Frage, ob durch
die neuen Anforderungen auch die bereits bestehenden Beteiligungsverhältnisse neu
hinterfragt werden müssen.
Mit diesem Newsletter möchten wir Ihnen zunächst einen Überblick über die wesentlichen
Änderungen bzw. die neuen Anforderungen des IFRS 11 (Joint Arrangements) geben.
1
2. Anwendungszeitpunkt
IFRS 11 ist verpflichtend für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2013 anzuwenden.1 Bei der
erstmaligen Anwendung der Regelungen ist jedoch IAS 8 für die rückwirkende Anwendung
zu beachten. Dies bedeutet, dass das Vorliegen von joint arrangements nach der neuen
Definition des IFRS 11 auch für die bereits in den Konsolidierungskreis einbezogenen und
auch für die bisher nicht einbezogenen Gesellschaften neu zu überprüfen ist. Um die
Vergleichbarkeit der Abschlüsse zu ermöglichen werden die entsprechenden Regelungen
bereits ab 2012 zu beachten sein. Zudem besteht aktueller Handlungsbedarf, da bei
erstmaliger Anwendung auch die Vorjahreszahlen nach den neuen Kriterien abzugrenzen
sind.
3. Joint Arrangements
IFRS 11 untergliedert die Joint Arrangements in zwei Untergruppen, zum einen werden „joint
operations“ und zum anderen „joint ventures“ definiert. In beiden Fällen üben die Beteiligten
eine gemeinsame Kontrolle über das Zielunternehmen aus. Gemeinsame Kontrolle liegt z.B.
immer dann vor, wenn zwei oder mehr Parteien nur einstimmig die relevanten
Entscheidungen im Rahmen des Geschäftsbetriebs treffen können. In der Praxis ergeben
sich hieraus deutliche Ermessenspielräume. Sofern die gemeinsame Kontrolle bejaht werden
kann, ist eine weitere Unterscheidung erforderlich.
Bei joint ventures haben die Parteien Ansprüche bzw. Rechte an dem Nettovermögen der
Gesellschaft, wohingegen bei joint operations jede Partei Rechte an den einzelnen
Vermögenswerten besitzt und die Verpflichtungen für die einzelnen Schulden übernimmt (in
Abhängigkeit von der Ausgestaltung der Gesellschaftsverträge o.ä.). Entsprechend der
Ausgestaltung der joint arrangements lassen sich folgende unterschiedlichen
Bilanzierungsmethoden herausstellen:
a)
1
joint operations
Hinsichtlich der joint operations sieht IFRS 11 in Tz. 20ff. vor, dass jede beteiligte Partei
ihren Anteil an den Vermögenswerten und Schulden bilanziert. Dies gilt unabhängig
davon, ob diese Partei an der gemeinsamen Kontrolle teilnimmt. Die Bilanzierung und
Bewertung der einzelnen Vermögenswerte und Schulden sowie die Erfassung von
Erträgen und Aufwendungen richtet sich hierbei nach den jeweils einschlägigen
Standards. Eventuelle Zwischenergebnisse aus Transaktionen zwischen einer
beteiligten Partei und der joint operation sind nicht zu berücksichtigen.
Sofern keine gesonderten Gesellschaften existieren, in denen die gemeinsamen
Aktivitäten gebündelt werden, liegen in der Regel joint operations vor.
Eine vorzeitige Anwendung ist zulässig, jedoch nur in Verbindung mit einer vorzeitigen Anwendung von IFRS 10
(„Konzernabschlüsse“) und IFRS 12 („Angaben zu Beteiligungen an anderen Unternehmen“) sowie den
aktualisierten IAS 27 und IAS 28. Alle drei Standards wurden von der Europäischen Union noch nicht
übernommen.
2
b)
joint ventures
Joint ventures sind nach IFRS 11.24 grundsätzlich nach der Equity-Methode zu
bilanzieren. Sofern jedoch eine der beteiligten Parteien an der gemeinsamen Kontrolle
nicht teilnimmt bzw. sie nicht ausüben kann, erfolgt die Bilanzierung und Bewertung der
Beteiligung nach IFRS 9 oder – sofern ein maßgeblicher Einfluss vorliegt – nach IAS 28.
4. Besonderheiten bei geschlossenen Fonds
Geschlossene Fonds investieren in der Regel in ein bestimmtes Asset. Hierbei kann es
vorkommen, dass ein Fonds gemeinsam mit einem anderen Fonds die Kontrolle über dieses
Asset besitzt. Gerade bei doppelstöckigen Gesellschaften ist denkbar, dass es sich bei der
Zielgesellschaft um ein joint arrangement handelt. In diesem Fall würde sich die Bilanzierung
nicht zwingend nach den dargestellten Grundsätzen richten, sondern es würden
Sonderregelungen nach IFRS 11.26f. zur Anwendung kommen.
Durch die Vielzahl an Beteiligten an geschlossenen Fondsgesellschaften werden die
Regelungen des IFRS 11 grundsätzlich nicht für die Bilanzierung der Anteile des
Emissionshauses an der Fondsgesellschaft in Frage kommen. Entscheidend ist hierbei
jedoch, wer die tatsächlichen Entscheidungen in der Fondsgesellschaft bestimmen kann
bzw. die Kontrolle über diese innehat. Sofern der Gesellschaftsvertrag die wesentlichen
Entscheidungen über die Entwicklung der Fondsgesellschaft und deren Geschäftstätigkeit
nicht in den Einflussbereich der Anleger stellt, kann das Vorliegen eines joint arrangements
ggf. bejaht werden.
Emissionshäuser sind häufig an den Komplementärgesellschaften der Publikumsfonds
beteiligt. In den Fällen, in denen eine 100% Beteiligung besteht, liegt unstreitig ein
Tochterunternehmen vor, das nach IAS 27 bzw. IFRS 10 in den Konzernabschluss des
Emissionshauses einzubeziehen ist.2 In anderen Fällen sind jedoch z.B. das Emissionshaus
und der Reeder bei einer Komplementärgesellschaft eines Schiffsfonds zu gleichen Teilen
beteiligt. In diesen Fällen sind die Gesellschaftsverträge häufig derart ausgestaltet, dass die
wesentlichen Entscheidungen über die Geschäftstätigkeit der Komplementärgesellschaft
durch den Reeder und das Emissionshaus gemeinsam getroffen werden. In diesen Fällen
dürfte in der Regel ein joint arrangement vorliegen. Wir empfehlen Ihnen daher die
Gesellschaftsverträge von entsprechenden Komplementärgesellschaften auf deren
Ausgestaltung zu überprüfen. Hierbei ist zu beachten, dass die oben dargestellte
Unterscheidung zwischen joint operations und joint ventures –wie dargestellt–
unterschiedliche bilanzielle Folgen nach sich zieht.
2
An dieser Stelle sollte geprüft werden, ob eine Nichtkonsolidierung aus Wesentlichkeitsgründen in Betracht
kommt.
3
5. Ausblick
Die „European Financial Reporting Advisory Group“ (EFRAG) hat am 30. März 2012 der
Europäischen Kommission empfohlen, den IFRS 11 zu übernehmen. Allerdings hat sich die
EFRAG in dem entsprechenden Schreiben dafür ausgesprochen, den verpflichtenden
Erstanwendungszeitpunt auf den 1.1.2014 festzulegen. Die Entscheidung der Europäischen
Kommission zur Übernahme des Standards steht derzeit noch aus. Inwieweit sich insofern
noch Gestaltungspotential für 2012 ergibt, kann derzeit nicht abschließend beurteilt werden.
Wir empfehlen Ihnen jedoch, Ihre derzeitigen Konzernstrukturen sowohl im Hinblick auf IFRS
11 als auch auf die voraussichtlich zeitgleich zu übernehmenden IFRS 10 und IFRS 12
rechtzeitig zu überprüfen.
Verantwortlich für den Inhalt:
TPW Todt & Partner GmbH & Co.KG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Valentinskamp 88
20355 Hamburg
Telefon: 040/600880-0
Roger Hönig, WP/ StB, Durchwahl -471, E-Mail roger.hoenig@tpw.de
Britta Martens, WP / StB, Durchwahl -459, E-Mail britta.martens@tpw.de
Dennis Oehler, WP / StB, Durchwahl -160, E-Mail dennis.oehler@tpw.de
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