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038 Was wird mein Baby werden - Blockfrei

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038 Was wird mein Baby werden
19.05.2006 12:23 Uhr
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zukunftspläne
Entwicklung & Erziehung
Basketballspieler
Wird unser Kind ein muskelbepackter Hüne? Oder ein
Schönwettersportler wie wir?
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kisuaheli
Entwicklung & Erziehung
Künstler
Styling: Lisa Maas; Mode: S. Baumeister Kindermode, Carlotona; Accessoires: Hut Breiter, Fielmann, Lindberg
Wird er den Geniestrich
landen, während seine Eltern
noch Kopffüßler zeichnen?
Que sera, sera ...
Fotos: Antje Anders
Gibt es etwas Spannenderes, als sich die Zukunft
des eigenen Kindes auszumalen? Natürlich
spielen das Schicksal und wir eine Rolle. Aber kann
man nicht auch einiges vorhersagen?
ELTERN-Autorin Polly Schmincke hat es versucht
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zukunftspläne
Entwicklung & Erziehung
großen Teil davon ab, wie sich die Mutter
in der Schwangerschaft ernährt hat, ob sie
geraucht hat, oder wie früh das Kind geboren wurde“, sagt Carsten Niemitz, Humanbiologe und Anthropologe an der
Freien Universität Berlin. Für die spätere
Größe gelte: Zu etwa zwei Dritteln ist sie
genetisch festgelegt, den Rest machen
Ernährung, Krankheiten und Ähnliches
aus. „Erst mit etwa sechs, besser mit acht
Jahren ist die endgültige Größe genau vorhersagbar“, sagt Niemitz.
Und wie sieht es mit der Figur aus?
„Wenn Kinder ähnlich leben wie ihre Eltern, werden sie auch eine ähnliche Figur
haben“, sagt Niemitz. „Gene haben meistens keinen allzu großen Einfluss darauf,
ob man dick wird. Es liegt vor allem an
der Ernährung und daran, wie viel oder
wenig man sich bewegt.“
Kann unser Kind sportlicher werden als
wir? Auf jeden Fall! „Unsportlichkeit ist selten genetisch bedingt“, sagt Niemitz. „Meist
liegt es an mangelnder Förderung, Bequemlichkeit oder fehlenden Vorbildern.“
Dandy
Wird er einmal die ganze
Welt mit seinem Charme
betören, genauso wie uns?
ie Zukunft zu sehen ist uns nicht gegeben“, singt Doris Day in ihrem
Klassiker „Que sera, sera“.Was sein
wird, wird sein ... Ja, stimmt schon.Aber als
Mutter eines knapp Zweijährigen kann ich
mir die Frage kaum verkneifen, wie er in 20
Jahren sein wird. Hübsch? Zurückhaltend
wie sein Vater? Oder impulsiv wie ich?
Klar, Keno soll vor allem glücklich werden. Aber spaßeshalber spekulieren sein
Vater Daniel und ich schon mal, welchen
Beruf er wohl wählen wird. Deutet sein
Spaß an Büchern auf eine Karriere als
Buchhändler hin? Manchmal benimmt er
sich auch wie ein kleiner Rockstar …
Auf den ersten Blick zu erkennen: Keno ist blond und schlank wie sein Papa und
blauäugig wie die Oma. Und sonst? Wel-
D
44 ELTERN 6|2006
che körperlichen und psychischen Eigenschaften stehen jetzt schon fest? Wie viel
können wir noch beeinflussen? Ich habe
es mir von Experten erklären lassen:
1. Größe, Gewicht und Sportlichkeit
„Ball“ war eines von Kenos ersten
Wörtern. Und sein Lieblingsspielzeug.
Inzwischen wirft er ziemlich gut. Ob er
Handballer wird? Basketball ist ausgeschlossen, dafür sind Daniel und ich zu
klein. Die Faustregel zur Berechnung der
genetischen Zielgröße: Durchschnitt der
beiden Eltern plus 6,5 cm bei Jungs, minus 6,5 cm bei Mädchen. Das hieße bei
Keno: 178,5 cm.
Die Maße des Säuglings aber sagen wenig aus: „Die Geburtsgröße hängt zum
2. Talente
„Für meinen Sohn habe ich die Ingenieurslaufbahn vorgesehen“, sagt Daniel mit
gespieltem Ernst.Tatsächlich hat sich Keno
von Anfang an für Technik begeistert, sich
auf jedes elektrische Gerät gestürzt und mit
zwölf Monaten schon Imbusschlüssel und
Akkuschrauber richtig angesetzt. Typisch
männlich? Die Puppen, die ich ihm gekauft
habe, lässt er jedenfalls links liegen. Es bringe nichts, Kinder geschlechtsneutral erziehen zu wollen, sagt der Berliner Psychologieprofessor Jens Asendorpf. Es gibt einfach
unterschiedliche Vorlieben und Talente bei
Jungs und Mädchen.
Inzwischen demonstriert Keno weitere Begabungen: Sobald er Rockmusik hört,
schwingt er die Hüften oder hält seine
Spielzeuggitarre vor den Bauch. Ob das für
eine Musikerkarriere reicht?
Jedes Spekulieren über künftige Berufe
ist müßig. Erstens lassen sich Talente im
Kleinkindalter noch nicht eindeutig feststellen. Und selbst wenn Eltern das könnten – es kann sich noch viel ändern! Nach
jahrzehntelangen Diskussionen um
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kisuaheli
Entwicklung & Erziehung
Rockstar
Werden die Mädchen ihm
zukreischen, so wie er heute
kreischt, wenn er ins Bett soll?
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zukunftspläne
Entwicklung & Erziehung
Intellektueller
Wird er uns den „Ulysses“
erklären, weil Marcel Proust
doch nur Kinderkram ist?
den Anteil von Genen und Sozialisation
geht man heute davon aus, dass die Persönlichkeit etwa zur Hälfte biologisch bestimmt ist. Der Rest sei Sache der Erziehung
und Erfahrung, sagt Persönlichkeitspsychologe Jens Asendorpf.
3. Intelligenz
Natürlich bin ich davon überzeugt, dass
unser Sohn viel Grips hat. Aber kann man
bei einem Kind von ein oder zwei Jahren
vorhersagen, wie schlau es einmal wird?
„Nicht zuverlässig“, sagt die Heidelberger Entwicklungspsychologin Sabina Pauen. Es gibt zwar schon Tests für Säuglinge,
mit denen man erkennt, wie schnell sie Informationen verarbeiten. „Aber in den ersten Jahren passiert noch so viel im Kinderhirn, dass man die Intelligenz erst im
Vorschulalter voraussagen kann.“
Intelligenz – zumindest die so genannte
Erfolgsintelligenz, die man mit IQ-Tests ermitteln kann – ist ein relativ stabiles Merkmal im Vergleich zu anderen Persönlichkeitsaspekten. Ein Vierjähriger mit hohen
IQ-Werten wird diese mit großer Wahrscheinlichkeit auch als Erwachsener haben.
Für Laien ist Intelligenz im Säuglingsalter schwer zu erkennen.Aber wenn
ein Kind schon früh spricht, ist das laut
Pauen schon mal ein gutes Zeichen für sei-
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ne Pfiffigkeit. Umgekehrt gilt das aber
nicht: So genannte „late talker“ (Spät-Sprecher) können genauso intelligent werden.
4. Temperament
Extrovertierter Draufgänger oder
schüchterner Einzelgänger? Unterschiede
im Temperament sind bei Säuglingen schon
in den ersten Tagen erkennbar: Einige schlafen nur, andere sind aktiv und schreien viel.
Psychologe Jens Asendorpf sagt, das Temperament stabilisiere sich erst ab dem Alter von etwa zwei Jahren. Und auch danach
könne sich noch einiges ändern.Aus einem
zurückhaltenden Kind könne noch ein sehr
geselliger Erwachsener werden. „Es kommt
auf die sozialen Erfahrungen im Kindergarten und in der Schule an“, sagt Asendorpf. „Besonders die Erfahrungen mit
dem anderen Geschlecht in der Pubertät
können die Entwicklung prägen.“
Oft heißt es, die ersten drei Jahre seien
entscheidend für die Entwicklung der Persönlichkeit.Asendorpf widerspricht: „Auch
im Erwachsenenalter können noch deutliche Persönlichkeitsveränderungen stattfinden. Keine Eigenschaft ist unveränderlich.“
5. Aussehen
Auf vieles können wir Eltern Einfluss
nehmen – auf die Augen- und Haarfarbe
nicht. In dem Moment, in dem sich unsere Erbanlagen zur Keimzelle eines neuen
Menschen vereinigen, stehen sie fest.
Zunächst haben alle Neugeborenen
dunkelblaue Augen, egal, wo auf der Welt.
„Das liegt daran, dass die Iris bei der Geburt noch sehr dünn ist und der Augenhintergrund durchscheint“, erklärt Humanbiologe Niemitz. Habe ein Kind mit
sechs Monaten dunkle Augen, blieben sie
so. Aber bis zu zwei Jahre kann es dauern,
bis die Ausprägung deutlich wird zwischen
blau, grau, grün oder bernsteinfarben. „Je
heller die Augenfarbe, desto eher kann sie
sich noch verändern, ein Leben lang.“
Bei den Haaren gibt es in den ersten
Wochen häufig einen Farbwechsel: Ein
Kind kann mit dunkelbraunen Haaren geboren werden, nach ein paar Monaten aber
immer blonder werden. Umgekehrt gibt
es aber auch Kinder, die mit fünf Jahren
noch richtig blond sind, dann immer
dunkler werden und als Erwachsene
schwarze Haare haben. „In der Türkei etwa sieht man viele blonde Kinder“, sagt
Anthropologe Niemitz. „Erwachsene Türken aber sind zu fast 100 Prozent dunkelhaarig.“ Auch bei Haaren gilt: je dunkler,
desto unveränderlicher. Bei unserem blonden Keno ist also noch alles offen.
„Die Haarstruktur dagegen ist fast unveränderlich und mit dem ersten Lebenstag erkennbar“, sagt Niemitz. Haben beide Eltern glatte Haare, wird das Kind nie
eine Krause bekommen.Vielleicht können
sie ihm ein paar „wellige Gene“ mitgeben, mehr aber nicht. Keno bleibt also
glatthaarig.
Fazit
Ich muss mich damit zufrieden geben,
bislang nur Kenos Augenfarbe zu kennen
und sein späteres Aussehen allenfalls zu erahnen. Mehr lässt sich nicht vorhersagen.
Wir können ihm Liebe schenken und Angebote machen, damit er sich aussuchen
kann, was ihn interessiert. Und wir können
uns überraschen lassen. Vielleicht kommt
er eines Tages doch mit einem Nobelpreis,
einer Goldmedaille oder einem Oscar nach
Hause. Dann nicken wir uns zu und denken: Haben wir doch gleich gewusst!
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Seele and Geist
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