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Doppelleben Alkohol Was gut tut - unterwegs - Brüggli

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unterwegs0512
Die Mitarbeiter- & Kundenzeitschrift von Brüggli
Ausgabe Nummer 27, Mai 2012
Doppelleben
Vom Brüggli ins Stadion:
«Ciccinho» will Fussballprofi werden.
www.unterwegs.brueggli.ch
Alkohol
26
Masslos oder massvoll:
Es kommt auf den richtigen Umgang an.
Was gut tut
30
Djembé-Trommeln:
Gemeinsam machts besonders Spass.
40
Inhalt
Editorial
Doppelleben
Cesar Langhart lernt bei Brüggli den
Logistiker-Beruf. Daneben spielt
«Ciccinho» bei der U21 des FC Zürich.
Er strebt eine Profikarriere an – gleich
nach der Ausbildung.
26
30 Alkohol
03
Editorial: Unterwegs für das innere Feuer
04
Motivation beginnt mit Selbstmotivation
Lerntipps
06
07
Nachgefragt: Was motiviert Sie zum Laufen?
08
Bewegung: Sechs konkrete Tipps
09
Fitness für den grauen Alltag
10
Neuheiten von Leggero und 4pets
12
Ein Alptraum: Michael Grafs Tapetenwechsel
16
Heidi Leitner: 22 Jahre für Brüggli
19
Freunde im Exil: Qualität & Service
20
Partnertagung: Genau hinsehen, gezielt handeln
22
Arbeitsassistenz: Praktikum am Puls der Paketlogistik
24
Tinnitus: Der kleine Mann im Ohr
38
Das Internet in der Hosentasche
44
Aussensicht: Ein Herz für die Jugend
46
Brückenschlag: Unser Partner: Joya Schuhe
47
Rätsel: Wer findet die fünf Unterschiede?
48
Impressionen: Vom Tau geküsst
50
Auch das noch: Keine Angst vor der Angst
52
Nachgefragt: Ohne Morgenroutine geht gar nichts
53
Brügglianer: Zehn Fragen an …
54
Bürocenter: Eine Firma in der Firma
55
Dies & Das
59
Jubilarinnen und Jubilare
Unterwegs für
das innere Feuer
Ein neues Handy, einen Monat in Betrieb. Und
prompt hat's einen Defekt. SIM-Fehler. Irgendwas
mit der Software, klar. Also zurück in den Laden,
wo's herkommt. 20 Minuten anstehen und dann
die Sachlage schildern. Die Verkäuferin hört gelangweilt zu, ihr Blick schwirrt im Laden umher.
«Die SIM-Karte», sagt sie, «haben Sie die
mal rausgenommen und neu reingetan?»
«Natürlich.»
«Und?»
«Hat nichts genützt, sonst wäre ich nicht hier.»
«Ich schenke Ihnen eine neue.»
«Eine neue was?»
«Eine neue SIM-Karte. Vielleicht liegt das Problem
daran.»
«Es handelt sich um einen Garantiefall. Sie brauchen mir also nichts zu schenken, sondern einfach
die Reparatur zu veranlassen oder für Ersatz zu
sorgen, bitte.»
«Ja, ähm, ich schenke Ihnen eine neue
SIM-Karte. Die kostet sonst 40
Franken.»
40 Was gut tut
2 | unterwegs 0512
Sparen wir uns den Rest. Vermutlich hat die Verkäuferin in einem seichten Einführungskurs gelernt,
dem Kunden gegenüber alles möglichst generös
darzustellen. Aber so weit sind wir zum Glück
noch nicht, dass sich
eine ehrliche Beratung
Gute Geschichten
und Dienstleistung auf
das Herunterleiern von
haben mit Leidenschaft
Produkte-Eigenschafzu tun.
ten und Schönreden
von unwillkommenen
Situationen beschränkt. (Leider lag der Defekt
dann auch nicht an der SIM-Karte, sondern am
Handy selbst. Da hat man das Geschenk.)
Wenn das innere Feuer fehlt, dann springt kein
Funke über, schreibt Erich Heule in seinem Beitrag
zum Thema Motivation (Seite 4). Er dürfte Cesar
Langhart aus der Seele sprechen. Der 18-Jährige macht bei Brüggli eine Ausbildung und spielt
zugleich in der U21 des FC Zürich. Seinen Traum
hat er zum Plan gemacht: eine Karriere als ProfiFussballer – gleich nach der Ausbildung (Seite 26). Von einer anderen
Leidenschaft erzählt Daniel Köppel ab
Seite 40: dem Trommeln auf der Djembé. Und was passieren kann, wenn
das Trinkverhalten aus dem Takt gerät, stellen wir ab Seite 30 dar.
Viel Verschiedenes, Leichteres und
Schwereres, zusammengetragen auf
Brügglis jüngsten Seiten, wie immer unter
dem Leitgedanken: Vielfalt statt Einfalt.
Impressum
Idee, Redaktion:
Mitarbeit:
Satz, Bild:
Titelbild:
Druck, Auflage:
Herausgeber:
«Ich weiss, ich habe vor vier Wochen genau eine
solche Karte für 40 Franken gekauft und in dieses
Handy gesteckt. Wenn Sie mir jetzt eine neue Karte geben, dann müssen Sie das nicht als Geschenk
darstellen, sondern als Versuch, den Schaden zu
beheben.»
Möge der Funke überspringen.
Michael Haller
Daniel Köppel
Florian Ganz, Polygraf in Ausbildung
Arrangiert von Samuel Herrmann mit
einem Bild von Hanspeter Bühler,
Fotostudio am See
Printagentur by Brüggli, 2000 Ex.
Brüggli, 8590 Romanshorn
www.brueggli.ch, www.unterwegs.brueggli.ch
«unterwegs» ist ausgezeichnet mit der «Goldenen Feder» des
Schweizerischen Verbandes für Interne Kommunikation (SVIK).
» Michael Haller
Leiter Unternehmenskommunikation
Regelmässig «unterwegs»
«unterwegs», das Mitarbeiter- und Kundenmagazin von Brüggli, geht regelmässig, mindestens zweimal im Jahr, an alle Angestellten sowie an zahlreiche Partner und Kunden von Brüggli. Wenn Sie dieses Heft über Dritte
erhalten haben und neu auch zu den regelmässigen Empfängern gehören
wollen, dann können Sie uns Ihre Adresse mitteilen; ein Mail genügt: mha@
brueggli.ch. Dieses Angebot richtet sich besonders auch an Mitarbeitende,
die Brüggli verlassen, aber weiterhin «unterwegs» erhalten möchten.
Lernen
Lernen
Warum habe ich mich gerade für
diese Ausbildung entschieden?
Nachfolgend einige Stimmen von Lernenden:
• In der Mechanik gefällt mir das Handwerk, weil
ich etwas von Grund auf herstellen kann und immer dabei bin, wenn etwas Neues entsteht.
• Ich möchte mir eine gute und sichere Ausgangslage für meine berufliche Zukunft schaffen.
• Mir gefällt es, wenn ich gefordert werde und
Verantwortung übernehmen kann.
• Mit einer abgeschlossenen Berufslehre und
einer eigenen Familie ist mein Leben perfekt.
• Der direkte Kundenkontakt ist mir wichtig, weil
ich dann sehe, wie meine Arbeit ankommt.
• Die täglichen Herausforderungen als Logistiker
finde ich sehr abwechslungsreich.
• Als Polygraf kann ich die Faszination für Schrift,
Gestaltung und Kommunikation in massgeschneiderte Produkte umsetzen.
• Als Kaufmann kann ich mein Flair für Zahlen und
Abläufe täglich umsetzen.
• Vielfalt, Abwechslung und Kundenkontakt führten mich zum Beruf Hauswirtschaftspraktikerin.
• Produkten vor dem Verkauf den letzten Schliff zu
geben, das ist meine besondere Faszination.
• Damit ich meine späteren Reisen finanzieren
kann, wollte ich einen sicheren Beruf.
Positive Antriebskräfte zur
Motivation werden mobilisiert:
• Wenn ich meine vorhandenen und fehlenden
Stärken kenne
• Wenn sich Lernerfolge einstellen (Bestätigung,
Selbstwertgefühl)
• Wenn ich Lob und Anerkennung erhalte
• Wenn ich gefördert werde durch Zutrauen ohne
ständige Kontrolle (ausser der Selbstkontrolle)
• Wenn ich mich unter fairen Bedingungen mit
anderen messen/vergleichen kann
• Wenn ich in jeder Aufgabe einen Sinn erkennen
kann (wer sucht, der findet)
Was demotiviert?
• Misserfolg (Lernpessimismus)
• allgemeine Unzufriedenheit
• der Alltag wird über längere Zeit mühsam erlebt
• schlechte Arbeitsbedingungen
• Einfluss von anderen Demotivierten
• fehlendes Feedback, keine Anerkennung
• fehlende Neugierde
verarbeiten und versteht besser. Diese Lernenden
verfügen über ein längeres, intensiveres Interesse
am Lernstoff, was wiederum zu höherer Bereitschaft für künftiges Lernen führt.
lange nicht verstanden. Nur wenn ich mich mit
einer Sache oder einem Thema auseinandersetze,
kann ich verstehen. Und was ich verstanden habe,
wird im Gehirn langfristig verankert.
enorm. Daher muss ich mir erst einmal bewusst
sein, welche Ziele ich verfolge.
In solchen Situationen sollte man sich nicht von
anderen Demotivierten herunterreissen, sondern
von Motivierten anstecken lassen. Reden Sie aber
in jedem Fall mit Ihren Vorgesetzten. Denn es ist
normal, dass man während einer Ausbildung demotivierte Phasen (Hänger) haben kann. Wenn Ihr
Vorgesetzter es weiss, kann er entsprechend auf
Sie eingehen.
Motivation beginnt mit
Selbstmotivation
Was treibt Radrennfahrer einen steilen Pass hinauf?
Was bringt Triathleten dazu, sich während Stunden zu plagen?
Was bewegt Lernende, eine mehrjährige Ausbildung zu absolvieren?
Alle wollen ins Ziel, durchstehen, Ausdauer zeigen, sondern verleiht ihnen Selbstvertrauen und Kraft
sich beweisen und «oben» ankommen. Das gibt für den Alltag. Ist die Motivation nicht oder nur
ihnen Selbstvertrauen und Kraft für die nächste schwach vorhanden, wirkt sich das negativ aus –
Etappe, das nächste Ziel. Jeder kann aber ein mit fehlendem Lernerfolg, mangelnder Leistung
anderes Motiv haben: zum Beispiel besser als oder im äussersten Fall sogar mit dem vorzeitigen
die Konkurrenz sein,
Abbruch einer AusbilPrämien erarbeiten,
dung.
Mit konkreten Zielen
Zukunft sichern, Anerkennung und Geld.
Motivation bedeutet,
vor Augen
Hinter jedem Ziel
etwas bewegen, in
fällt das Lernen leichter.
steht ein Grund, ein
Bewegung bringen,
Motiv, dieses Ziel
verändern,
Beweerreichen zu wollen. Motivation hat einen hohen gung auslösen. Motivation ist demnach die AnStellenwert beim Lernen, in der Ausbildung und triebskraft für mein Handeln. Damit ich diese Beauch im Sport. Eine starke Motivation beflügelt reitschaft erlange, muss ich einen Grund, ein Ziel
Personen nicht nur beim Lernen und bei der Arbeit, oder eine bestimmte Absicht verfolgen.
4 | unterwegs 0512
Motivation und motivieren
Lernende mit innerer (intrinsischer) Motivation
lernen aus Interesse am Beruf und aus Freude am
Lernstoff. Sie haben vielleicht einen inneren Drang,
etwas zu tun oder zu vollenden. Oder sie sind im
positiven Sinn getrieben von Neugier, Spass an der
Sache und Wissensdrang. Es ist erwiesen, dass
innere Motivation tragfähiger und dauerhafter ist
als externe Motivation. Daher kennt man auch
den Ausspruch: «Ich möchte mich bewegen, bevor
ich von aussen bewegt werde.» Wenn ich selber
etwas bewege, kann ich vieles selber bestimmen
und meine Zukunft mitgestalten. Solange ich mich
nur von anderen (unter Druck) bewegen lasse, werde ich nicht selbständig und bleibe abhängig. Wer
mit innerer Motivation lernt, kann Wissen tiefer
Mangelnde Lernmotivation führt zu einem «Durch- Sich selber und andere motivieren kann nur jekämpfen» durch den Lernstoff. Das Wissen wird mand, der von seiner Meinung oder von dem, was
er tut, überzeugt ist
so nur kurzzeitig
und damit auch beaufgebaut und nach
Ohne eigenes Feuer kann
geistern kann. Ohne
kurzer Zeit wieder
eigenes
Feuer kann
vergessen.
Man
ich bei anderen
ich bei anderen kein
lernt beispielsweise
kein Feuer entfachen.
Feuer
entfachen.
nur für die Prüfung
Wer glaubwürdig ist,
oder weil die Eltern
oder irgendwelche Betreuer es wollen. Wenn ich kann leichter motivieren. Die eigene Einstellung
nur unter Druck (auswendig) lerne, habe ich noch zur Sache (Ausbildung) beeinflusst die Motivation
Ziele und Motive
Es ist entscheidend, dass ich mir bewusst mache,
was ich will, warum ich das will und welchen Sinn
ich darin sehe. Vielleicht erkennen Sie sich in den
obenstehenden Aussagen. Wenn Sie unzufrieden
sind, hilft es Ihnen vielleicht, wenn Sie sich wieder
an Ihre Ziele und Motive erinnern. Wenn ich die
Ziele vor Augen habe, fällt mir das Lernen leichter.
Und wenn ich klare Ziele habe, kann ich auch planen nach dem Motto: Gut geplant ist halb gelernt.
» Erich Heule
Fachperson Berufsbildung
unterwegs 0512 | 5
Lerntipps
Nachgefragt
Lernen kann man lernen. An dieser Stelle
(sowie im Brüggli-Intranet) finden Sie
regelmässig Lerntipps, empfohlen von den
Berufsbildenden bei Brüggli.
Welcher Lerntyp sind Sie?
Wir wissen, dass die Fähigkeiten nicht gleichmässig verteilt sind. Der eine
Mensch besitzt die besondere Gabe, durch das Auge wahrzunehmen (visueller Typ), ein anderer eher durch das Ohr (akustischer Typ), ein dritter vor
allem durch handwerkliche oder andere körperliche Betätigung (haptischer
oder motorischer Typ), und ein vierter lernt anhand abstrakter Formeln, also
rein durch den Intellekt (intellektueller Typ).
So ergeben sich verschiedene Lerntypen, die allerdings nie alleine vorkommen, denn kein Mensch lernt Ski fahren, ohne auf Skiern zu stehen, so wie
kein Mensch Zeichnungen lesen lernt, ohne zu sehen. Wissen Sie, welcher
Lerntyp Sie sind?
Der visuelle Typ
Er lernt am besten durch Sehen (Foto, Bild, Skizzen, Zeichnungen usw.).
Sein bevorzugter Eingangskanal sind die Augen. Lerntipp: Er prägt sich Gelerntes besonders gut ein, wenn er möglichst bildhafte, anschauliche Formen vor sich hat. Grafische Darstellungen, Skizzen, Zeichnungen und Filme
sind für ihn besondere Lernhilfen. Er arbeitet mit Farben und unterstreicht
Wichtiges.
Der akustische Typ
Er lernt am besten durch Hören (Vortrag, Radio, Tonband usw.). Sein bevorzugter Eingangskanal sind die Ohren. Lerntipp: Geräusche aller Art, Musik,
Stimmen kann er sich gut einprägen. Deshalb liest er beim Lernen oft laut
und hält sich selber Vorträge.
Der motorische Typ
Er lernt am besten durch eigenes Tun, über die Bewegung der Hände, des
ganzen Körpers, durch Fühlen. Lerntipp: Er lernt dann gut, wenn er durch
eigenes Tun das Gelesene oder Gehörte sofort in die Praxis umsetzen kann.
Der intellektuelle Typ
Er lernt am besten anhand abstrakter Begriffe. Rein durch den Intellekt
gelangt er unter Einsatz des Denkens zu Erkenntnissen und Einsichten.
Lerntipp: Stilles Lesen eines Textes über ein bestimmtes Sachgebiet und
gedankliche Beschäftigung damit führen ihn zum Lernerfolg.
Quelle: Swissmem Berufsbildung
Büchlein «30 Tipps zum erfolgreichen Lernen»
Josef Müller
6 | unterwegs 0512
Lernplatzgestaltung
Was motiviert Sie zum Laufen?
Es ist wichtig, dass Ihr Lern- oder Arbeitsplatz zweckmässig und in einer
ruhigen, angenehmen Umgebung eingerichtet ist. Ihre Motivation und Leistung werden dadurch wesentlich beeinflusst, sehr oft sogar, ohne dass Sie
sich dessen bewusst sind.
Mitarbeitende von Brüggli nehmen laufend an Sportveranstaltungen teil,
zum Beispiel am Schweizer Firmenlauf. Was ihre Motivation?
» Notiert/Bilder: Daniel Köppel
Mitarbeiter Unternehmenskommunikation
Überlegen Sie sich Folgendes:
• Wie organisiere ich mich selbst?
• Was fehlt an meinem Lern-Arbeitsplatz?
• Benutze ich Hilfsmittel zur Arbeitserleichterung?
Sie müssen sich wohlfühlen
• Halten Sie Ordnung. Was Sie nicht benötigen, gehört nicht auf den
Schreibtisch. Der Schreibtisch muss übersichtlich und dennoch geschmackvoll eingerichtet sein.
• Passen Sie den Arbeitsstuhl und die Arbeitsfläche Ihren Bedürfnissen an
(Höhe, Neigung usw.)
• Zu den Grundvoraussetzungen gehören ein der Tätigkeit angepasstes
Klima (Lufttemperatur, -bewegung, -feuchtigkeit), angepasste Oberflächentemperaturen (etwa 20 Grad) und ausreichend horizontale Beleuchtung im Arbeitsraum bzw. am Lern-Arbeitsplatz.
• Blumen, Bilder oder Poster machen Ihren Lern-Arbeitsplatz zu einer
freundlichen Umgebung, die Sie gerne aufsuchen.
Priska Sigrist
Teamleiterin Integrationsmassnahmen IM
Rebekka Häni
Teamleiterin ASCOL
Irene Egli
Teamleiterin Gastronomie Usblick
Ich mache grundsätzlich sehr gerne Sport und finde
es lässig, wenn wir uns in einem anderen Rahmen
kennenlernen können und zusammen den Weg des
Firmenlaufs gehen. Die Hierarchien sind dann aufgehoben und es gibt eine positive Stimmung, die
sich auf den Alltag auswirkt.
Ich jogge einmal in der Woche mit Priska Sigrist.
Solche Anlässe sind gut für die Motivation, um
beim Sport dran zu bleiben. Die Atmosphäre beim
Firmenlauf gefällt mir sehr gut. Ich werde deshalb
auch dieses Jahr wieder teilnehmen.
Die Tatsache, dass wir zusammen etwas unternehmen, verbreitet eine gute Laune und macht
einfach grossen Plausch. Man macht keine Unterschiede mehr zu den Vorgesetzten, sondern ist
einfach Privatmensch. Ich fühle mich nach jedem
Lauf gut und bin gut drauf.
Erich Heule
Fachperson Berufsbildung
Silvia Bühler
Mitarbeiterin Integrationsmassnahmen IM
Ronny Egger
Lernender Kaufmann E-Profil
Einerseits sehe ich viel Positives im Gesundheitsbereich, andererseits können wir von Brüggli zeigen, dass wir auch Leute motivieren können, sich
für so etwas zu begeistern. Wenn einige Firmen
zusammentreffen, gibt es eine besondere Stimmung, und es ergeben sich neue Beziehungen.
Ich wollte etwas für die Firma tun und als Werbeträger für Leggero auftreten. Zudem macht es
Spass, während des Laufs andere Firmen zu überholen und noch einen «Zacken» zuzulegen. Der
Austausch bei Speis und Trank und das Kennenlernen der Leute von einer anderen Seite war sehr
interessant.
Aus eigenem Ansporn wäre ich vermutlich nicht
gegangen. Dazu kam, dass ich eine Verletzung
hatte. Man hat mich dann motiviert, beim Walken
mitmachen. Die Stimmung im Team war zu diesem
Zeitpunkt so gut, dass ich mich entschloss, mitzulaufen.
Simon Roth
Teamleiter ASCOL
Gloria Keller
Vorlehrjahr Büroassistentin EBA
Patricia Eberhard
Teamleiterin Intergrationsmassnahmen IM
Ich bin weder der Läufer, noch jogge ich gerne. Da
solche Läufe ein gesellschaftliches Ereignis sind
und die Atmosphäre bei solchen Anlässen meist
gut ist, habe ich mich entschieden, mitzumachen.
Und wenn man dann die vielen Leute am Start
sieht und die gute Stimmung mitbekommt, ist man
zusätzlich motiviert.
Den Firmenlauf selber kannte ich nicht. Ich wurde
von der Teamleitung angefragt, ob ich mitmachen
wolle. Es hat mich dann schon Wunder genommen, was bei einer solchen Veranstaltung abgeht.
Ich habe dann in der Walking-Gruppe mitgemacht,
was sehr angenehm war.
Ich bin Gelegenheitsjoggerin. An einem Firmenlauf
habe ich dementsprechend ein Ziel: Ich will mein
Trainingsintervall intensivieren. Das heisst, das
ich im Vorfeld des Firmenlaufs anstatt zweimal
sogar viermal in der Woche trainiere.
Setzen Sie Prioritäten?
Eines der Hauptprobleme vieler Menschen ist der ständige Versuch, zu
viel auf einmal zu erledigen, und die Gefahr, sich in einzelnen Aufgaben
zu verzetteln. Am Ende eines harten Schul- oder Arbeitstages steht oft die
Erkenntnis, dass man zwar viel gelernt und gearbeitet hat, wichtige Dinge
aber nur angefangen oder sogar liegengelassen hat.
Stellen Sie sich öfters diese Fragen:
• Was ist für mich überhaupt wichtig?
• Bringt das etwas, was ich gerade mache?
• Muss die Aufgabe überhaupt gelöst oder bearbeitet werden?
Tipps zur Prioritätensetzung
Wenn
• Ihnen die Stunden unter der Hand zerrinnen
• Ihnen andere zu sehr das Geschehen aufzwingen
• Prioritäten nicht klar ersichtlich sind
• Ihnen das Wissen für die Tages-, Wochen-, Jahresplanung fehlt
• Mitschüler nicht motiviert sind, wenig oder keine Initiative entwickeln
Dann
• Tagesplanung, Zeitprotokoll (Ist-Analyse)
• Störungsfreie Zonen ermitteln und schaffen (nein sagen)
• Setzen von Schwerpunkten
• Gezielte Schulungsmassnahmen, Kurse besuchen
• Gemeinsame Zielvereinbarung, Störungsanalyse, Erfolgskontrolle
unterwegs 0512 | 7
Bewegung
Bewegung
Sechs konkrete Tipps
Treppe statt Lift
Benützen Sie in Unterführungen,
Einkaufszentren,
Geschäfts- und Wohnhäusern grundsätzlich immer die
Treppe statt Lift oder Rolltreppe. Damit trainieren Sie vor allem
den grössten Muskel des menschlichen
Körpers, den Grossen Rückenmuskel, sowie
Herz und Kreislauf.
In den Sattel steigen
Benützen Sie für kürzere Distanzen, die Sie allein zurücklegen müssen, das Velo statt
das Auto.
ÖV statt Auto
Benützen Sie öfter die öffentlichen Verkehrsmittel anstelle des Autos. So gehen Sie
automatisch mehr zu Fuss.
Tragen Sie Ihre Einkäufe auch
über etwas längere Strecken.
Bewegung im Büro
Nutzen Sie im Büro jede
Gelegenheit, von Ihrem Sitz
aufzustehen, zum Beispiel
beim Telefonieren oder beim
Nachdenken. Einfache Schreibarbeiten lassen sich sehr gut an einem Stehpult erledigen. Bewegung im Büro
beugt hauptsächlich Haltungsschäden vor.
Fitness für den grauen Alltag
Früher aussteigen
Steigen Sie im Tram oder Bus
eine Station früher aus und gehen Sie etwas länger zu Fuss.
Legen Sie kürzere Distanzen in
der Stadt zu Fuss statt mit dem
Tram zurück.
Bewegung in der Freizeit
Gehen Sie öfter ins Kino, statt
den ganzen Abend vor dem Fernseher sitzen zu bleiben. Treffen
Sie sich mit Freunden. Pflegen Sie
aktive Hobbys.
Ohne Bewegung würde uns etwas fehlen
Die Folgen regelmässiger körperlicher
Bewegung auf den Körper und die Psyche
Die Folgen mangelnder körperlicher
Bewegung auf den Körper und die Psyche
• Die Ausdauer wird besser und besser. Dies bedeutet, dass es immer
leichter fällt, sportliche Leistungen zu erbringen.
• Die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes (Zuckerkrankheit), an einem Hirnschlag oder an Dickdarmkrebs zu erkranken, ist erheblich erhöht.
• Die körpereigenen Abwehrkräfte werden gestärkt. Dies bedeutet, dass
man weniger schnell krank wird und auch während Grippewellen gesund
bleibt.
• Die Wirbelsäule, die Gelenke, die Muskulatur und das Herz sind besonders gefährdet. Dies bedeutet, dass man im täglichen Leben weniger gut
vor Unfällen jeglicher Art geschützt ist, weil die notwendige Muskelkraft
sowie die Geschicklichkeit und Gewandtheit fehlt.
• Die Muskeln werden aufgebaut und die Knochen gestärkt. Dies bedeutet, dass man mehr Kraft hat und dass die Muskeln die Gelenke sowie
die Wirbelsäule entlasten.
• Fett wird verbrannt. Dies bedeutet, dass man bei gesunder Ernährung ein
normales Gewicht halten kann.
• Man verbraucht weniger Energie und nimmt so schneller an Gewicht zu.
Dies bedeutet, dass sich bei normaler Kalorienzufuhr Fett bildet, was zu
Übergewicht führen kann. Je grösser das Übergewicht einmal ist, desto schwerer fällt jegliche Bewegung – ein Teufelskreis, aus dem man
schwer ausbrechen kann.
• Das Gehirn wird besser durchblutet. Dies bedeutet, dass man Inhalte besser aufnehmen und verarbeiten kann. Wer sich bewegt, lernt
leichter.
• Es werden Endorphine (Hormone) ausgeschüttet. Dies bedeutet, dass die
Stimmung besser wird. Wer sich bewegt, ist glücklicher.
8 | unterwegs 0512
Quellen: SUVA, Wikipedia
Wer sich körperlich betätigt, lebt ausgeglichener und hat
mehr Energie. Ein, zwei Stunden Fitness am
Feierabend, und der graue Alltag bekommt wieder Farbe.
Laut Bundesamt für Sport (BASPO) ist in den letzten zehn Jahren der Anteil der Personen, die in der
Schweiz regelmässig Sport treiben, kontinuierlich
gestiegen. Es kann davon ausgegangen werden,
dass sich die Bevölkerung der wundersamen Wirkung körperlicher Bewegung auf ihr Wohlbefinden
immer mehr bewusst ist. So treiben laut BASPO
40 % der Bevölkerung mehrmals und 27 % mindestens einmal pro Woche Sport. Mit Sport wird nicht
nur die körperliche und mentale Fitness verbessert,
sondern sie führt zu positiver Lebenseinstellung
und ist erst noch ein gutes Mittel gegen Herzleiden.
Warum brauchen wir Bewegung?
Das Institut for Aerobic in Dallas führte eine Studie an über 17 000 Personen durch und stellte fest,
dass Männer mit sehr geringen Fitnessaktivitäten
dreimal so häufig an Herzleiden sterben wie jene,
die sich regelmässig betätigen. Für «Medizin populär» erklären Experten, warum Höhenluft und
Bewegung die ideale Kombination für Figur, Fitness und Gesundheit sind und wie das Wandern
auch aus dem Seelentief helfen kann: «Wandern
hat positive Wirkungen auf den gesamten Organismus», sagt Dr. Andrea Podolsky, Fachärztin für
Innere Medizin. «Man weiss, dass sogar Leute, die
unter Depressionen leiden, vom Ausdauertraining
profitieren.» Ausserdem könne die Beinarbeit in
freier Natur und frischer Luft als Stressventil genutzt werden.
Sport statt Stress
Aus 27 europäischen Ländern leidet jeder vierte
Arbeitnehmer unter Stress, was zu erhöhten Absenzen am Arbeitsplatz führt. Das Staatssektretariat für Wirtschaft (SECO) kommt in einer Studie zu
Wieviel Bewegung braucht
der Mensch?
(Bundesamt für Sport BASPO):
• Eine halbe Stunde moderate Aktivität pro
Tag reicht aus, um die Gesundheit und die
Lebensqualität günstig zu beeinflussen. Das
alles muss nicht an einem Stück sein, aber
dreimal und mehr im Tag jeweils 10 Minuten
und mehr.
• Mindestens zweimal die Woche Kraft- und
Ausdauertraining wie Jogging, Walking,
Velofahren, Schwimmen oder Wandern und
zusätzlich Kraftübungen z.B. im Vitaparcours
oder im Fitnesscenter. Sie bringen nicht nur
einen Zusatznutzen, sondern ersetzen auch
die moderaten Aktivitäten.
• Ab einem Aktivitätsumfang, der z.B. 50 Joggingkilometer oder 5 Stunden Schwimmen pro
Woche entspricht, nimmt der Zusatznutzen für
die Gesundheit kaum noch zu.
folgendem Schluss: Die Kosten, die arbeitsbedingter Stress mit sich bringt, belaufen sich auf ca. 7,8
Milliarden Franken. Das sind 2,3 % des Bruttoinlandproduktes. Jeder Franken, den ein Unternehmen in die Gesundheit investiert, kommt mehrfach
zurück. Das heisst laut SECO, auf einen investierten Franken würden 2,3 Franken retour kommen.
Mit einfachen Übungen kann jeder Angestellte am
Arbeitsplatz seine körperliche und geistige Fitness
beeinflussen und verbessern.
» Daniel Köppel
Mitarbeiter Unternehmenskommunikation
Neuheiten
Neuheiten
4pets Enerchip
Vielfältig wie nie zuvor
Die Leggero-Familie wächst, und die Produkte-Linie von 4pets wurde ebenso
erneuert und erweitert. Einige Produkte stellen wir Ihnen hier vor. Auf www.leggero.com
wie auf www.4pets.ch finden Sie eine komplette Übersicht.
Energie und Kraft für ein erfülltes Hunde- oder Katzenleben: EnerChip unterstützt das Immunsystem, die
Verdauung und Futterverträglichkeit sowie den Energiehaushalt und tut dem Fell und der Unterhaut gut.
Der EnerChip wird einfach in den Wasser- oder Futternapf geklebt – fertig. Die Wirkung basiert auf einer
homöopathieverwandten Methode der renomierten
Schweizer Firma Penergetic International AG und ist
tierärztlich bestätigt.
Leggero Vento
4pets Easy Steps
Mit der Easy Steps Einstiegshilfe schonen Hundehalter die Gesundheit ihres Hundes und können ihre
Kräfte für andere Tätigkeiten sparen. Das Tier kann
bequem die Einstiegsrampe hochsteigen und muss
nicht mehr in den Wagen hinauf springen, was seinen
Rücken schont. Das ist für Jungtiere und für Tiere mit
Hüft- und Gelenkproblemen besonders wertvoll.
Ganz gleich, ob für den Alltagsgebrauch oder in der Freizeit –
Leggero Produkte sind fürs Familienleben konzipiert: sicher,
kinderfreundlich, stabil, funktional und mit unschlagbarem
Preis-/Leistungsverhältnis. Der attraktive Kinderanhänger
Leggero ist ein echter, robuster Schweizer. Als einziger
Hersteller von Veloanhängern ist Leggero mit einem TÜVZertifikat der neusten STVZO ausgezeichnet.
4 pets Hundeboxen
Die Hundeboxen der Marke 4pets wurden rundumerneuert. Sie sind noch komfortabler und sicherer – und
erst noch schön in Form und Stil. Die Hundeboxen, die
seit 2006 bei Brüggli hergestellt werden, sind Klassiker geworden. Das beweisen nicht nur Kopien von
namhaften Herstellern und zahlreichen asiatischen
Firmen, sondern auch die immer noch wachsenden
Absatzzahlen und die Zufriedenheit von mittlerweile weit über 50000 Hundeboxenbesitzern und deren
10 | unterwegs 0512
Hunden. Erstmals lanciert das Industriecenter ein
grosses Produkte-Update und zwar von beiden Linien,
also von der G- und S-Line, die neu ComfortLine und
ProLine heissen. Die ProLine ersetzt die G-Line, die
weiterhin 13 Modelle zählt. Diese sind neu alle TÜVgeprüft und damit die ersten Boxen weltweit, welche
dieses Sicherheits-und Qualitätszertifikat erhalten.
Mit der ComfortLine löst das Industriecenter die SLine ab, die neu acht Boxen zählt.
Leggero Laufrad-Rennrad
Erst rennen, dann radeln. Das Lauflernrad ist pädagogisch sinnvoll und auch noch mit Spass-Garantie – das
Fahrrad begeistert die Kinder und überzeugt die Eltern.
Ohne Umweg über die Stützräder begleitet das Kinderfahrrad mit aufsteckbarer Treteinheit die Jüngsten
auf der Suche nach dem Gleichgewicht. Das Laufrad
ist mit 14“-Rädern ausgestattet. Es ist dank vormontierter Treteinheit in wenigen Minuten in ein Fahrrad
umrüstbar.
Leggero Bobby Car
Leggero Vento Tourer
Früh übt sich: Der Bobby Car von Leggero ist
ein tolles Geschenk für Mädchen und Jungs. Er
macht Lust auf Bewegung, schult die Motorik,
und durch die gespreizte Beinhaltung fördert er
eine gesunde Entwicklung der Hüfte.
Ein Raumwunder: der neue Leggero Vento Tourer ist
der ideale Transporter und verkörpert alles, wofür
Leggero steht: sanftes, komfortables Vorankommen
mit eigener Muskelkraft – und mit Freude.
Mehr Informationen erhalten Sie unter: www.leggero.com und www.4pets.ch
unterwegs 0512 | 11
Tapetenwechsel
der Alp
Graf auf
Michael i den Tieren.
e
b
und nah
g.
Bilder: zV
Ein Alptraum
Michael Graf, Teamleiter im ASCOL, wollte etwas Neues ausprobieren. Er setzte sich für drei Monate mit seiner Lebenspartnerin
auf die Alp ab. Daraus wurde eine Berg- und Talfahrt zwischen
Grenzerfahrung und Selbsterkenntnis.
Eine Alpweide in der ländlichen Idylle am Fusse chen eine gewisse Akklimatisierungszeit», sagt er,
des Alpsteins wird seit Generationen von der Fa- «eigentlich tut einem immer etwas weh, seien es
milie Graf bewirtschaftet. Michael Graf entschied die Hände, der Rücken oder die Füsse.» Fernsehen
sich, nachdem er einen
hatten sie keines und
Käserkurs absolviert
eine gewisse Menge
Ein Käserkurs brachte
hatte, gemeinsam mit
warmes Wasser wurseiner Lebenspartnerin
de in einem kleinen
Michael Graf auf die Alp.
für einen Alpsommer.
Kraftwerk hergestellt.
Nicht um einen Ausgleich zu suchen, sagt er, son- Die Arbeit begann morgens um fünf und endete
dern um einfach mal eine neue Erfahrung zu machen. abends im besten Falle zwischen acht und halb
neun. Viele Wanderer leisteten Michael Graf GeEine neue Zeitrechnung
sellschaft, wenn sie seinen frischen Käse kauften.
Den Gang auf die Alp beschreibt Michael Graf Die Nachfrage war zeitweise grösser als das Anals einen abrupten Wechsel in eine andere Welt. gebot. Bei schlechtem Wetter jedoch drückte die
«Der Wechsel von einem Büroarbeitsplatz in einen Einsamkeit durch. «Dann wollen die Leute nichts
Landwirtschaftsbetrieb machte zu Beginn auch von einem wissen und verirren sich kaum freiwillig
dem Körper zu schaffen – Körper und Seele brau- da rauf.»
12 | unterwegs 0512
Integration auf der Alp?
Die Liebe zum Tier
Michael Graf und seine Partnerin haben ein Herz Vorausdenken ist angesagt: Damit er auch nächsfür Tiere, besonders auch für die Schweine. Beide tes Jahr wieder Holz zum Kochen und Heizen hat,
waren traurig, als der Sensemann in der Metzge- musste er schon in diesem Sommer das Holz verrei auf die Tiere wartete, aber das gehöre eben arbeiten. «Das Durchführen solcher Arbeiten und
dazu. «Nach den gemachten Erfahrungen hat das Tragen von Verantwortung sind Dinge, die
notwendig,
sinnstifFleisch einen ganz antend
und
nachvollziehderen Wert für uns.»
«Auf der Alp kann ich mich bar sind – aus diesem
Der Umgang mit den
nicht krankmelden.»
Grund würden sich
Tieren beschreibt Misolche Arbeiten auch
chael Graf auch als
etwas sehr Lehrreiches. Die Kühe hätten ihn oft zu für ein Integrationsprojekt eignen.» Er hat sich
einer guten Laune verholfen, wenn er einmal nicht schon überlegt, mit Klienten vom Brüggli auf der
so gut drauf war. «Durch das tägliche Melken ent- Alp zu arbeiten. «Ein solches Projekt wäre sehr
steht eine intensive Beziehung zu den Tieren, die interessant, aber erst dann realisierbar, wenn die
agogische Begleitung durch eine Drittperson gegepflegt werden muss.»
währleistet wäre.» Eine solide Betreuung sei auch
an einem solchen Ort enorm wichtig. Zudem sei
Erfahrung aus landwirtschaftlichen Betrieben unerlässlich. Michael Graf weiss, wovon er spricht,
denn auch er hat auf der Alp einige Grenzerfahrungen gemacht. «Ich hatte zum Beispiel den ganzen
Sommer taube Finger vom Melken und der vielen
Handarbeit. Man hat in solchen Situationen dann
einfach nicht die Möglichkeit, der Arbeit auszuweichen und sich krank zu schreiben.»
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und den anfallenden Arbeiten beschäftigt, und der
Das Nachtleben des Alpöhi
Da er und seine Lebenspartnerin sich den ganzen Kontakt zur Aussenwelt sei eher beschränkt. Aus
Tag sehen und über die Arbeit ständig ein Aus- diesem Grund konzentrierten sich Handeln, Denken und entsprechend
tausch stattfindet, haauch die Diskussionen
ben sie sich am Abend
«Der Wechsel vom Brüggli nach einer gewissen
nicht mehr viel zu erauf die Alp war hart.»
Zeit alle nur noch auf
zählen. Der abendliche
die Ereignisse vor Ort.
Gesprächsstoff besteht
somit hauptsächlich aus irgendwelchen Bemerkungen zum Arbeitsalltag wie «Ach, wie gut ist es doch, Die Natur gibt Michael Graf Kraft, er umschreibt
dass das Güllenloch noch nicht voll ist». Auf der die Alp aber auch als einen goldenen Käfig, aus
Alp sei man zu hundert Prozent mit sich, den Tieren dem man vor seinen Problemen nicht davonrennen
14 | unterwegs 0512
kann. Oft habe er die geistige Arbeit auch vermisst.
Vor allem aber sei er dankbar für eine schöne Zeit.
Er hat auf der Alp gelernt, welch grosse Arbeit hinter einem Kilo Käse steht: «Heute habe ich einen
noch grösseren Respekt vor den Bauern – haben
sie doch für einen sehr grossen Aufwand eine relativ geringe Entlöhnung. »
» Daniel Köppel
Mitarbeiter Unternehmenskommunikation
unterwegs 0512 | 15
Heidi Leitner
Heidi Leitner
«Brüggli ist ein Pionier –
und darauf bin ich stolz»
Fast 22 Jahre lang hat Heidi Leitner Brüggli geprägt – und Brüggli
hat sie geprägt. Wenige Tage vor ihrer Pensionierung haben
wir mit ihr zurück- und vorausgeschaut.
wir als erstes Sozialunternehmen der Schweiz die
Heidi, Du hast Dich fast 22 Jahre für Brüggli Wie hat sich Brüggli gewandelt?
eingesetzt. Nun stehst Du vor der Pensionie- Enorm. Aus einem Unternehmen wurden mehrere. Umweltzertifizierung ISO 14001 erreicht. Ein weiDie einzelnen Profitcenter von Brüggli und die ei- terer wichtiger Schritt war der Um- und Neubau
rung. Wie geht es Dir?
Heidi Leitner: Auf der einen Seite freue ich mich: genständigen Bereiche haben eine grosse Eigen- 2007, mit dem wir Platz für die Zukunft geschaffen
Ich bin Grossmutter und habe bald viel Zeit für dynamik. Ich sehe das positiv. Aber natürlich ist’s haben. Das sind alles Zeichen dafür, dass Brüggli
nicht mehr so familiär nicht nur reagiert, sondern vorausblickt – Brüggli
meine Enkelin. Auf der
und überschaubar wie ist ein Pionier, und darauf bin ich stolz.
anderen Seite bin ich
«Es ist, als wäre Brüggli ein früher. Damals haben
mir der Pensionierung
wir alles gemeinsam Was sind die grössten Herausforderungen im
noch gar nicht richtig
Stück weit mein eigenes
gelenkt und geteilt. Mit Brüggli-Alltag?
bewusst. Es kommt mir
Unternehmen.»
der heutigen Grösse Wenn’s der Wirtschaft schlecht geht, bekommt
vor, als würde ich für
und rund 650 Mitarbei- Brüggli das zweifach zu spüren: Zum einen müszwei Wochen in die Ferien gehen. Klarer wird’s mir dann schon werden, tenden hat man nicht mehr Kontakt zu allen, sicher sen wir uns noch mehr für den Erfolg unserer wirtschaftlichen Leistungen und Produkte einsetzen,
wenn ich den Brüggli-Schlüssel abgegeben habe. nicht regelmässig.
zum anderen spüren wir einen noch grösseren
Ich bin noch voll im Geschäftsalltag drin. Meiner
Spardruck in agogischen und sozialen Fragen. Die
Nachfolgerin Gordana Gessner, die ich derzeit am Wie hat sich das Umfeld gewandelt?
Einarbeiten bin, habe ich gesagt: «Falls ich nach Mir fällt auf, dass nicht mehr alles so schnell geht Euro-Unsicherheit, die allgemein unsichere Finanzder Pensionierung wieder vor der Tür stehen sollte, wie früher. Zugleich wird der Konkurrenzdruck im- lage, der Stellenabbau: All dies hat auch für uns
Konsequenzen, denen
mer grösser. Das gilt
dann schick mich bitte weg.»
wir ins Auge blicken
nicht nur für die wirt«Brüggli ist für
müssen. Brüggli strebt
schaftlichen, sondern
Wie hast Du die Arbeit im Brüggli erlebt?
mich wie eine
deshalb ein wirtschaftWie ein Hobby. Ich habe die Arbeit für Brüggli nie vermehrt auch für die
liches Wachstum an
als Belastung empfunden. Auch früher nicht, als sozialen Leistungen.
zweite Familie.»
– jetzt erst recht –,
ich oft auch am Samstag und Sonntag für das Un- Immer neue Auflagen,
um damit auch die soternehmen tätig war. Ich war hier, weil ich gerne Revisionen und Zustänhier war. Es ist, als wäre Brüggli ein Stück weit digkeiten sowie generell der stetige Spardruck zialen und agogischen Leistungen absichern und
mein eigenes Unternehmen. Ich habe ja einiges erfordern viel Anpassungsfähigkeit und vor al- weiterentwickeln zu können.
mitaufgebaut (siehe Kästchen), darum fühle ich lem Weitblick. Brüggli versucht seit jeher einen
mich Brüggli so verbunden – es ist wie eine zweite Schritt voraus zu sein. 1994, zum Beispiel, waren Wo siehst Du Brügglis Chancen?
wir die Ersten, die ihre sozialen Leistungen nach Mit sehr unterschiedlichen Standbeinen – eben
Familie.
ISO 9001 zertifizieren konnten. Und 1998 haben durch die Tatsache, dass Brüggli aus mehreren,
verschiedenen Firmen besteht – sind wir gut abgesichert. Wenn es in einem Bereich mal kriseln sollte, können wir umso mehr in anderen Bereichen
vorwärtsmachen und so die Situation ausgleichen.
Die grosse Vielfalt kam uns schon oft zugute. Ich
kann mich noch gut erinnern, als es der Automobilbranche sehr schlecht ging; da hatten rund 40
mha. Heidi Leitner hat Brüggli aus ganz verschieTechnischen Dienste und das Cafiti (BetriebsreLeute bei uns in der Qualitätskontrolle plötzlich
denen Blickwinkeln erlebt. Sie war in den Anstaurant) betreut, unter anderem. «E chli alles»,
keine Motorenteile mehr zum Prüfen. Wäre dieses
fangsjahren dabei, als Brüggli mit einer Kleinoffsagt Heidi Leitner. Und dann baute sie auch noch
Standbein unser einziges gewesen, hätten wir die
setdruckerei und Textilproduktion (Webteppiche,
das Qualitäts-, Sozial- und Umweltmanagement
Leute nicht mehr beschäftigen können. Weil wir
Stoffbilder, Handpuppen), mit Industrieleistunmit auf, bevor sie sich 2007 auf ihre Aufgaben
aber viele andere gutlaufende Bereiche hatten,
gen (Lötkolben, Kaffeemaschinen) sowie mit Büals Assistentin von Brüggli-CEO Kurt Fischer konkonnten wir unsere Leute in anderen Betriebszweiroleistungen und im Speziellen dem Fahrradanzentrierte. Nun geniesst sie den Ruhestand und
gen sinnvoll beschäftigen. Egal, was die Zukunft
hänger Leggero die ersten Schritte tat. Sie war
verbringt möglichst viel Zeit mit ihrer Enkelin.
bringen mag: Ich mache mir um Brüggli überhaupt
Sekretärin, Buchhalterin, hat das Personal- und
Das Interview entstand wenige Tage vor ihrem
keine Sorgen.
Sozialwesen geleitet, die Informatik sowie die
letzten Arbeitstag.
«E chli alles»
16 | unterwegs 0512
unterwegs 0512 | 17
Freunde im Exil
Würdigung der
Geschäftsleitung
Heidi Leitner gestaltete die erfolgreiche BrüggliGeschichte 22 Jahre aktiv mit – von ihrem Eintritt am 1. April 1990 bis zu ihrem Austritt am
31. Dezember 2011. Als Assistentin des CEO war
sie an allen Geschäftsleitungssitzungen dabei,
und zwar nicht nur als Protokollführerin, sondern
als aktive Mitdenkerin und Mitgestalterin. Sie
war von 1994 bis 2007 Qualitätsverantwortliche
für das ganze Brüggli und nahm deshalb an allen
Veränderungsprozessen aktiv teil. Heidi Leitner
erwarb sich sehr früh Anerkennung im Brüggli
durch ihre Verlässlichkeit, Glaubwürdigkeit und
positive Haltung gegenüber den Menschen im
Brüggli. Durch ihren überdurchschnittlichen
Fleiss und ihre Ausdauer, ihre Gewissenhaftigkeit und ihr Streben nach Sicherheit und Stabilität, gepaart mit hohem Verantwortungsgefühl,
Kompromissbereitschaft und Konsensfähigkeit,
verhalf Heidi Brüggli massgeblich zum Erfolg.
Sie eignete sich sehr schnell neue Kenntnisse an
und übernahm ohne zu klagen auch unangenehme Verpflichtungen, gerade wenn es um Reorganisationen ging. Heidi war ein Teammensch,
hatte stets das Gesamtwohl der Mitarbeitenden
von Brüggli im Auge und war deshalb äusserst
beliebt. Nicht wenigen stand sie persönlich in
Rat und Tat zur Seite und machte so Unmögliches möglich, ganz nach dem Leitspruch von
Brüggli. Wer Heidi Leitners fünfseitige BrüggliBiographie gelesen hat, muss einfach staunen
ob der Schaffenskraft dieser Frau. Wir von der
Geschäftsleitung haben ihr sehr viel zu verdanken und sind ausserordentlich glücklich, dass sie
sich für die Menschen von Brüggli so lange engagierte. Mit der frühzeitigen Pensionierung verwirklichte sich Heidi den Traum, in die Nähe ihrer Familie im Raume Zürich zu ziehen und das
Heranwachsen ihres ersten Grosskindes hautnah von klein auf mitzuerleben. Im Namen der
ganzen Belegschaft von Brüggli danken wir auf
diesem Wege Heidi noch einmal und wünschen
ihr viel Gfreuts, Gesundheit und Wohlergehen.
Im Namen der Geschäftsleitung:
Kurt Fischer, CEO
18 | unterwegs 0512
Im Bereich Qualität & Service werden zum Beispiel Teile wie diese genau kontrolliert. Bild: David Hauser
Qualität & Service
Du standest der Geschäftsleitung immer sehr
nahe und hast im Besonderen Kurt Fischer
eng begleitet und beraten. Wie war die Zusammenarbeit?
Super, konstruktiv und sehr kollegial. Es wurde
oft um Entscheide und Anliegen gekämpft, aber
immer fair und menschlich. Im Vordergrund stand
immer das Wohl der Klienten und Mitarbeitenden
von Brüggli.
Welche Eigenschaften braucht jemand mit
Deinen Aufgaben?
Organisationstalent und Überblick. Ich bin froh,
dass meine Nachfolgerin Gordana Gessner diese
Eigenschaften hat. Das ist beruhigend. Ich könnte
nicht loslassen, wenn ich nicht wüsste, dass alles
geregelt ist.
derbar entfalten. Dabei möchte ich besonders Kurt
Fischer erwähnen: Er ist ein Riesen-Vorbild, ein
Optimist und Visionär. Er – und viele andere – werden mir fehlen.
Und was machst Du künftig?
Ich ziehe um, von Romanshorn nach Bassersdorf,
in die Nähe meiner Enkelin. Sie ist der Grund für
meine Frühpensionierung; ich möchte möglichst
viel Zeit mit ihr verbringen. Wenn sie nicht wäre,
wäre ich womöglich noch mit 70 bei Brüggli.
Wie wirst Du Deinen letzten Arbeitstag verbringen?
Ich mache am Morgen einen Rundgang, sage möglichst allen tschüss. Dann esse ich im Usblick zu
Mittag. Und das war’s
dann. Ich habe mir aus«Ich könnte nicht loslassen, bedungen, dass es keiVerrätst Du uns Dein
schönstes Erlebnis wenn ich nicht wüsste, dass ne Abschiedsfeier gibt.
Ich stehe nicht gerne
mit Brüggli?
alles geregelt ist.»
im Mittelpunkt. Das
Mein Gott, da habe
wäre mir zu emotional.
ich so viele. Die Weihnachtsanlässe und Chlausfeiern, die Seminare und Und ich wäre wohl sehr traurig, weil mir dann noch
Workshops, die Zusammenkünfte der GL ... Und klarer werden würde: Etwas ganz Grosses geht zu
vor allem das Zwischenmenschliche: Bei Brüggli Ende.
herrscht ein guter Geist. Die Hierarchie ist flach,
jeder ist ein Stück weit selbst der Chef. Die GL gibt
» Interview: Michael Haller
den Rahmen vor. Und darin kann man sich wun- Leiter Unternehmenskommunikation
Die meisten Abteilungen von Brüggli sind an der Hofstrasse untergebracht. Aber nicht
alle. In der Rubrik «Freunde im Exil» kommen unsere Kollegen in den Aussenposten zu
Wort – diesmal der Bereich Qualität & Service, der seit 2011 ausgelagert ist.
Vom Mutterschiff an der Hofstrasse zur Hydrel am steht der Begriff Qualität an erster Stelle. Unser
Bodensee: Da die Abteilung Qualität & Service, Hauptkunde Hydrel beliefert uns mit Komponenkurz Q & S, aus allen Nähten zu platzen schien, ten, die zum grossen Teil in der Automobilindustrie
zum Einsatz kommen.
war es an der Zeit, eiBasierend auf Fehlernen neuen Standort zu
suchen. Das Industrie- In Spitzenzeiten kontrollieren katalogen und klar deklarierten Bewertungsgebäude am See wurde
wir bis zu 60 000 Teile
kriterien entscheiden
schon vorgängig von
in der Woche.
wir, ob die Metallteile
anderen Abteilungen
für gut befunden wergenutzt, und so war
es naheliegend, dahin umzuziehen. Der Wechsel den können. Hier liegt eine grosse Eigenverantbedeutete für die Mitarbeitenden eine starke Ver- wortung bei den Mitarbeitenden, denn nach der
änderung ihrer Tagesstruktur – für die einen im Entscheidung «gut oder schlecht» landet die Ware
positiven und für die anderen im negativen Sinne. direkt beim Kunden.
Doch nun, rund ein Jahr danach, haben sich alle an
die neue Situation gewöhnt und wissen auch die Externe und interne Aufträge
In Spitzenzeiten kontrollieren wir bis zu 60 000 Teile
neuen Vorteile zu schätzen.
in der Woche. Nebst diesen direkten externen Aufträgen dürfen wir auch interne Aufträge bearbeiQualität – ein Muss
In der Abteilung Q & S, die dem Industriecenter un- ten. Wir bekleben zum Beispiel Dog-Box-Platten,
tergeordnet ist, arbeiten zurzeit 40 Personen. Sie montieren Kupplungen für die Fahrradanhänger
alle haben unterschiedliche Hintergründe und brin- von Leggero und übernehmen diverse Konfektiogen verschiedene Ressourcen und Kompetenzen nierungsarbeiten. Die Möglichkeit, für verschiemit. Da wir vorwiegend Qualitätskontrollen an un- dene Kunden zu arbeiten, verschafft uns eine
terschiedlichen mechanischen Teilen durchführen, wirtschafts- und realitätsnahe Arbeitswelt sowie
realistische Rahmenbedingungen für die Mitarbeitenden.
Ausbildungsprogramm
In der Abteilung Q & S werden Industriepraktiker/
innen oder Qualitätsfachmänner und -frauen ausgebildet. Sie erwerben ihre beruflichen Fertigkeiten im Bereich der Qualitätskontrolle und streben
eine produktive Arbeitsweise an. Eine spannende
Aufgabe ist das Messen an der 3D-Maschine. Der
Umgang mit diesem Gerät will gelernt sein und gehört nebst den konventionellen Messwerkzeugen
mit zum Ausbildungsprogramm.
Auf Kurs
Nach gut einem Jahr «Q & S am See» können wir
stolz zurück und zuversichtlich nach vorn blicken.
Der Neubeginn unserer Abteilung ging sehr gut
über die Bühne. Im Namen vom Q & S bedanken
wir uns herzlich bei allen Beteiligten und freuen
uns auf die weitere Zusammenarbeit.
» Luca Forster und
Loredana D'Albero
Praktikanten Qualität & Service
unterwegs 0512 | 19
Partnertagung
Gastgeber Markus Kümin, Leiter der Arbeitsassistenz
Partnertagung
Engagierte Diskussionen im Workshop
90 sozial engagierte Partnerbetriebe von Brüggli nutzten an der Partnertagung die Gelegenheit zum professionellen Erfahrungsaustausch.
Vielfältige Einblicke – hier in der Mechanik
Gastreferentin Christine Hersperger vermittelte spannende Zusammenhänge.
Genau hinsehen, gezielt handeln
Wie geht man mit Angestellten um, die psychische Schwierigkeiten haben?
Wo sind die Chancen, wo die Grenzen? Brüggli ging diesen Fragen gemeinsam
mit 90 sozial engagierten Partnerbetrieben auf den Grund.
Damit ein Mensch in einer schwierigen Lebensla- haltung gefragt, Chancen müssten erkannt und
ge seinen Arbeitsplatz behalten oder seine Arbeit Möglichkeiten genutzt werden. Führungskräfte
nach einem Unterbruch
müssten genau hinwieder
aufnehmen
sehen, die Initiative
Die Partnertagung
kann, ist von allen
ergreifen, fördern und
Beteiligten besondefordern – eben ihre
ist ideal zum
re Sorgfalt nötig. Es
Leitungsfunktion wahrErfahrungsaustausch.
bedürfe dazu keiner
nehmen. Spezielle Aufneuen Führungsstile,
merksamkeit gelte der
sagte Christine Hersperger, Berufs- und Lauf- Balance zwischen Überforderung und Unterforbahnberaterin aus Basel, an der Partnertagung im derung. Anhand von Beispielen legte die Fachfrau
Brüggli. Vielmehr sei eine optimistische Grund- dar, dass stets auch das Umfeld der betroffenen
20 | unterwegs 0512
Person miteinbezogen werden müsse – eine Aufgabe, die im Spannungsfeld von wirtschaftlichem
Druck und sozialem Verantwortungsbewusstsein
steht. Dabei sei es ratsam, die Unterstützung eines neutralen externen Experten, eines Jobcoaches, zu beanspruchen.
Integrationsarbeit braucht Partner
Genau dies hatten die rund 90 anwesenden Führungskräfte aus Ostschweizer Unternehmen getan:
Sie arbeiten mit der Arbeitsassistenz von Brüggli
zusammen und sind wichtige Partner, ohne die
Gute Kontakte sind unerlässlich für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.
Brücken bauen
mha. Die Arbeitsassistenz von Brüggli begleitet Arbeitgeber und Arbeitnehmer im gesamten Prozess der Berufsausbildung. Jobcoaches
mit branchenspezifischen Kenntnissen stehen
ihnen als neutrale Vermittler und Bezugspersonen zu Diensten. Sämtliche Aktivitäten sind
auf einen nachhaltigen Wiedereinstieg beziehungsweise einen erfolgreichen Ausbildungsverlauf ausgerichtet. Ein besonderer Fokus ist
auf begleitete Ausbildungen in der Wirtschaft
gerichtet: Lernende und Arbeitgeber aus allen
Berufsgruppen, Branchen und Niveaus werden
individuell begleitet – Lern- und Bewerbungscoaching inkusive.
Für diese Arbeit sind zuverlässige Partner unerlässlich. Das Netzwerk der Arbeitsassistenz
umfasst rund 300 Partnerbetriebe.
Bilder: Michel Frischknecht, Sabrina Carlino
Unsere Partner schauen genau hin.
eine Integrationsarbeit nicht möglich wäre. Die Gelegenheit, Danke zu sagen
engagierten Unternehmen bieten Hand zu Prakti- Im Weiteren befassten sich die Teilnehmenden
kumseinsätzen. Dadurch konnten die Lernenden der Partnertagung in Workshops mit ihrer Rolle
von Brüggli allein im vergangenen Jahr insgesamt als Integrationspartner, wobei der Fokus wiede1090 Arbeitswochen in der Wirtschaft verbrin- rum auf den Umgang mit Menschen in schwierigen und dabei wertvolle Kontakte knüpfen – mit gen Lebenslagen gerichtet war. Ganz abgesehen
ein Grund dafür, dass im vergangenen Jahr 49 davon war die Partnertagung einfach auch eine
ideale Gelegenheit, um
Personen erfolgreich
einander zu begegnen
eingegliedert werden
Ohne sozial engagierte
und um den sozial enkonnten. Reto Britt von
gagierten Unternehder FHS St.Gallen legte
Partner wäre eine
men für ihre Weitsicht
in einem weiteren interessanten Referat dar, Integrationsarbeit unmöglich. zu danken: Sie leisten
eine Arbeit, die volksdass die Integrationsarbeit von Brüggli noch einen Schritt weiter geht: wirtschaftlich sinnvoll ist und von grossem unterEr stellte das Projekt «Social Agreement Thurgau» nehmerischem Verantwortungsbewusstsein zeugt.
näher vor, welches die berufliche Eingliederung
von Lehrabgängern und Umschulungsabsolventen
» Michael Haller
fördern soll.
Leiter Unternehmenskommunikation
unterwegs 0512 | 21
Arbeitsassistenz
Arbeitsassistenz
Praktikum am Puls der Paketlogistik
Gigantische Paketfluten, 620 flinke Hände und
mittendrin ein Lernender von Brüggli: ein Erlebnisbericht
aus dem Paketcenter Frauenfeld.
«Da kommen schnell mal
zweitausend Pakete am Tag
durch meine Hände.»
Die Sonne drückt scheu durch den milchigen
Morgenhimmel, und eine kühle Brise
schlägt um meine Ohren. Die Arbeiter trinken ihren Znünikaffee, und
einige Hausfrauen bereiten schon das
Mittagessen vor. Ein ganz gewöhnlicher
Vormittag, oder? Auf keinen Fall für mich.
Heute steht mein erster Tag meines externen
Praktikums bevor – im Paketzentrum Frauenfeld.
Diesen Einsatz verdanke ich Jobcoach Hanspeter
Tuchschmid. Mein Name ist David Tüscher. Ich bin
lernender Logistiker und bereit für diese Erfahrung.
Nur mit Glück komme ich ins Gebäude rein. Eine
Kauffrau-Lernende, die ebenfalls zur Arbeit kommt,
zückt ihre Badge-Karte, hält sie an das Feld neben
der Türfalle, bis sich die Tür öffnet. Sie winkt
mich hinein. Der Ausbildner ist Martin Burri,
gelernter Postbote, etwa 30-jährig. Er empfängt mich wie abgemacht pünktlich um
neun Uhr dreissig. Nach kurzer Einführung
packe ich schon mit an.
Höhepunkt: Stapler fahren
Multikulturelle Drehscheibe
225 Pakete, vom Reisekoffer bis zum Prospekt, rat- Andere Tage, andere Arbeiten: Zur Rutsche getern im Schritttempo durch die Halle. Eine Truppe langen die grob sortierten Pakete. Ich muss diese
aus fünfzig Nationen sorgt dafür, dass alles rund in einen Rollbehälter legen. Die Paketflut erläuft. Meine Aufgabe ist es, die ankommenden drückt mich und die oberen Pakete erdrücken die
unteren. Ein stressiger
Pakete aus dem ConJob. Doch zum Glück
tainer zu laden und
«Mein Rücken macht sich arbeite ich nicht lange
auf das Laufband zu
legen. Da kommen
bemerkbar, aber die Arbeit dort. Dann kommt der
Höhepunkt: Stapler
schnell mal zweitaugefällt mir.»
fahren. Ein Mazedonisend Pakete am Tag
er, halbe Glatze, weisdurch meine Hände.
Das Laufband führt sie zu einer Hightech-Kamera. se Haare, klein gewachsen, erklärt mir, wohin ich
Sie liest die Empfängeradresse und den Code und zu fahren habe. Einen der interessantesten Tage
stellt virtuell eine Verknüpfung zwischen beiden verbringe ich auf dem Stuhl bei der Codierung.
her. Mein ungeübter Rücken macht sich schon Falls die Kamera die Empfängeradresse oder den
bald einmal bemerkbar. Aber die Arbeit gefällt Code nicht lesen kann, kreist sie weiter in der Halmir. Wohl aus dem simplen Grund, weil man fast le herum. Auf dem Computer erscheint das fotografierte Abbild der Paketoberfläche, und die Aufnichts falsch machen kann.
gabe ist, sie zu entziffern. Im Durchschnitt kreisen
um die fünfzig nicht erkannte Pakete in der Halle
umher. Die Halle ist etwa vierzehn Fussballfelder
gross.
Die Paketklinik hilft weiter
Die Aufgabe, die mich nun erwartet, ist mein Favorit: die Paketklinik. Falls ein Paket auch nach
der Codierung nicht zugeordnet werden kann oder
beschädigt wird, kommt diese Abteilung zum Einsatz. Zwar nicht mit Blaulicht und Sirene, aber alle
dreiviertel Stunden. Dort, und nur dort, darf ich die
Verpackung öffnen. Ist der Inhalt ernsthaft beschädigt, füllt die Arbeiterin ein Formular aus. Kann der
Empfänger definitiv nicht erkannt werden, kommt
das Paket nach Chiasso in die Fundgrube.
Fünf Wochen im Paketzentrum Frauenfeld gehen
fast so schnell vorbei, wie ein Paket ankommt.
Fazit dieser Erfahrung: Wenn du die Gelegenheit
bekommst, ein Praktikum im freien Arbeitsmarkt
zu machen, dann pack die Gelegenheit – du kannst
viel erleben.
» David Tüscher
Lernender Logistiker EFZ
unterwegs 0512 | 23
Tinnitus
Tinnitus
Tinnitus: Der kleine Mann im Ohr
Dinger wie diese schützen vor bleibenden Ohrenschäden.
Fakten zu Tinnitus
• Unter Tinnitus versteht man die subjektive
Wahrnehmung eines Tones oder Geräusches
ohne akustische Stimulation von aussen. Der
Begriff Tinnitus beschreibt folglich das Symptom und nicht die Krankheit selbst.
• 25 % der Bevölkerung haben schon einmal
Ohrensausen erlebt.
• Zwischen 11 und 17 % (je nach Studie) der Betroffenen hören diese Ohrgeräusche entweder
ununterbrochen oder für jeweils 5 Minuten
und länger.
• 8 % der Betroffenen erleben den Tinnitus als
störend.
• 0.5 % der Betroffenen fühlen sich durch ihre
Ohrgeräusche in Lebensqualität und Leistungsfähigkeit stark beeindruckt.
• Erfolgt die Behandlung eines akuten Tinnitus
sofort, so ist die Heilungschance um 20 %
erhöht.
• Viele Betroffene können mit ihrem Tinnitus
gut leben. Eine Behandlung ist in ca. 90 % der
Fälle nicht notwendig.
Folgende Gegebenheiten können bei der Entstehung eines Tinnitus eine Rolle spielen:
• Mittelohrstörungen: z.B. Ohrschmalzpfropfen,
Fremdkörper im Ohr, Trommelfellperforation,
Tubenmittelohrentzündung
• Innenohrstörungen: z.B. akustische Traumata
aufgrund Discobesuch, Musik hören mittels
Kopfhörer, Autobahnfahren mit offenem
Verdeck
• Einnahme innenohrtoxischer Medikamente
• Lang anhaltender, repetitiv auftretender
Stress
24 | unterwegs 0512
• Morbus Menière (eine Krankheit des Innenohres, die gekennzeichnet ist durch Anfälle
von Drehschwindel, einseitigem Hörverlust
und Tinnitus)
• Hörsturz (eine ohne erkennbare Ursache
plötzlich auftretende, meist einseitige
Schallempfindungsstörung, die zu einem
Hörverlust führen kann)
• Altersschwerhörigkeit
• Otosklerose (Verhärtung des Ohrganges)
• Gefässanomalien oder Tumore
Faktoren ausserhalb des Ohres:
Störungen im Bewegungsapparat (Kauapparat,
Nacken- und Halsmuskulatur, Halswirbelsäule),
Diabetes, zu niederer oder zu hoher Blutdruck
Symptome:
• Ganz unterschiedliche Töne oder Geräusche,
z.B. rauschend, pfeifend, brummend,
zischend, sägend
• Die Geräusche beziehungsweise die Töne
können kontinuierlich, unterbrochen, abschwellend und in ihrer Frequenz modulierend vorkommen.
• Die Lautheit der Töne oder Geräusche beträgt immer zwischen 5 und 15 Dezibel über
der Hörschwelle der Betroffenen.
• Oft einhergehend mit einer Hörverminderung
• Zum Teil von Schwindelattacken begleitet
Quelle: SUVA, Wikipedia
Bild: Kim Michel
Rasche Hilfe
ist wichtig
zVg. Je früher ein akuter Tinnitus behandelt wird,
desto grösser sind die Heilungschancen. Die rasche psychologische Beratung und medizinische
Behandlung können oft verhindern, dass die Ohrgeräusche chronisch werden.
Bildet sich ein akuter Tinnitus nicht zurück,
spricht man von chronischem Tinnitus. Dauerhafte Heilung eines chronischen Tinnitus im Sinne
eines Ausschaltens des Tinnitus ist bisher nicht
möglich. Wenn das Ohrgeräusch allerdings die
Lebensqualität erheblich beeinträchtigt, ist eine
Behandlung im Sinne einer individuellen Tinnitus-Bewältigung notwendig. Die Akzeptanz des
Geräuschphänomens und die Angstbekämpfung
stehen im Vordergrund, mit dem Ziel, zu vermitteln, dass nicht das Geräusch, sondern seine
Bewertung entscheidend ist. Erst wenn die Angst
vor den Ohrgeräuschen verloren geht, diese nicht
mehr als bedrohlich empfunden werden, steht
der Weg zur Gewöhnung offen.
Eine relativ neue Behandlungsmethode ist die
Klangtherapie. Rauschgeräte, sogenannte Noiser
(Gerät, das ein leises Rauschen erzeugt, das der
Betroffene als angenehm empfindet und nach
kurzer Zeit nicht mehr wahrnimmt), und Hörgeräte (zur Verminderung der Hörminderung in der
durch den Tinnitus betroffenen Frequenz) unterstützen passiv das aktive Tinnitus-BewältigungsTraining. Es wird bewusst gelernt, trotz Tinnitus
auch angenehme Klänge wie etwa Musik wieder
geniessen zu können. Die Freude am Hören soll
zurückkehren.
Stellen Sie sich einen hohen Pfeifton oder ein monotones Rauschen vor. Stellen Sie sich vor, wie Sie
es besonders laut hören, wenn Sie im Bett liegen und die Welt still werden will. Und stellen Sie sich
vor, dass dieses Geräusch ziemlich sicher für immer bleibt: Willkommen im Club Tinnitus.
Keine Frage, es wäre klug gewesen, in der Dis- mung einfach eine andere geworden ist, weil ich
co nicht nur ans andere Geschlecht zu denken, Tinnitus als Teil von mir akzeptiert und ihm so die
sondern auch an die eigenen Ohren. Und ja, es Kraft genommen habe: Was mich nicht stört, kann
war nicht clever, am
mich nicht behindern.
Konzert von Manowar,
Genau darauf zielen
Schutz vor Tinnitus:
einer Band, die sich
die Therapieversuche
dazumal als lauteste
eine bewusste Lebensweise heute ab: Nicht das
der Welt rühmte, ohne
Geräusch ist entscheiund Ohrenstöpsel
Ohrschutz in den vordend, sondern die
dersten Reihen vor den
Wahrnehmung. MittBoxen-Türmen zu stehen. Auch Ausfahrten mit lerweile gilt auch als ziemlich sicher, dass Tinnitus
des Kollegens Golf GTI mit Mega-Soundanlage im nicht im Ohr entsteht, sondern im Hirn. Wobei es
Kofferraum waren im Nachhinein nicht die beste zu sagen gilt, dass es extrem vielfältige Ursachen
Klangtherapie. Der hormongesteuerte Hang zur und genauso viele Ausprägungen von Tinnitus
vollen Dröhnung liess nur wenig Vorsichtsmass- gibt. Auch der Faktor Stress gibt dabei immer
nahmen zu. Das nennt man wohl jugendliche Un- mehr den Ton an. Psychologische Betrachbekümmertheit – und es fühlte sich gut an. Nur zu tungen, die in den letzten Jahren an Begerne verliess man sich darauf, dass das obliga- achtung gewonnen haben, machen Tintorische Pfeifen nach dem Disco-Besuch am Tag nitus als eines der ersten Anzeichen
darauf abklingen würde – und lange war es so. Bis ungelöster Probleme geltend.
nach dieser einen Nacht auf Zypern in einer engen
Steinkeller-Disco, die einen bleibenden Eindruck Schützen und geniessen
hinterlassen sollte.
Eine bewusste Lebensweise
schützt vor Tinnitus. Und ganz
Zu spät für Reue
handfest schützen einfache
Auch zwei Tage danach war das Pfeifen da. Dinge wie zum Beispiel OhEs hörte sich an wie ein Überschalljet, der renstöpsel oder eine wohldozum Landeanflug ansetzt. Das Hörvermögen sierte
Volumen-Regulierung.
war deutlich eingeschränkt, überdeckt von
einer schrillen Begleitmusik. Etwas Geduld Meine Freude an guter Musik ist
noch, pflegte der Optimist zu sagen, das legt ungebrochen – jetzt erst recht.
sich schon, doch es blieb wie es war. Der Was kann ein monotones PfeiHals-Nasen-Ohrenarzt verabreichte nach den fen schon anrichten gegen eine
Ferien ein blutverdünnendes Mittel, dessen Wirk- Melodie für die Ewigkeit?
samkeit aus heutiger Sicht als sehr geringfügig
eingeschätzt wird, und hatte ansonsten keine
» Michael Haller
weiteren Rezepte parat. Das Gefühl wurde Tag
Leiter Unternehmensum Tag stärker: Hier manifestiert sich etwas Daukommunikation
erhaftes.
Eine Frage der Wahrnehmung
Das ist 18 Jahre her. Die Medizin hat sich gewandelt. Ich habe mich gewandelt. Nur der kleine
Mann im Ohr, wie ich ihn heute nenne, ist nicht
erwachsen geworden; er will nicht ausziehen, er
geniesst weiterhin Gastrecht. Ich habe ihn zu ignorieren gelernt, und ich weiss nicht, ob er sich
wirklich gemässigt hat, oder ob meine Wahrnehunterwegs 0512 | 25
Doppelleben
Doppelleben
Via Brüggli zum FCZ
Für viele bleibt er bei Brüggli unerkannt, bei seinen Altersgenossen
ist sein Name in aller Munde: Das 18-jährige Fussballtalent Cesar
Langhart spielt bei der U21 des FC Zürich.
Cesar Langhart, gebürtiger Kolumbianer, ist in Die Anfänge
Neftenbach im Kanton Zürich aufgewachsen und Cesar Langharts Talent wurde während seiner Julebt heute in Winterthur. Der Fussball ist sein niorenzeit beim FC Aadorf entdeckt. Als man auf
Lebenselixier, und sein Leben dreht sich fast aus- ihn aufmerksam wurde, nahm der Verein Kontakt
schliesslich um das runde Leder. Für ihn ist Fuss- mit dem FC Wil auf, wo er dann ein zweiwöchiges
ball längst kein Hobby
Probetraining absolviermehr, denn er will seine
te. Der FC Wil ist in der
Vom Stapler aufs Grün:
Leidenschaft zu seinem
Ostschweiz die erste AdBeruf machen. Bis zur
«Cäsi» pendelt zwischen resse in der NachwuchsU21 des FC Zürich hat
förderung, und die Beziezwei Welten.
er es bereits geschafft
hungen nach Zürich sind
und seine Aussichten
in Wil hervorragend. Er
stehen gut: Wenn er im Sommer die Lehre abge- merkte in diesen vierzehn Tagen, dass ihm etwas
schlossen hat, wird er beim FCZ den Vertrag unter- fehlte, wo er sich richtig wohlfühlen kann. So wurschreiben und den Weg in die erste Mannschaft de er an den FC Zürich weitervermittelt. In Zürich
ins Visier nehmen.
hat er sogar die Möglichkeit, während seiner rest-
26 | unterwegs 0512
unterwegs 0512 | 27
Doppelleben
Doppelleben
lichen Lehrzeit «doppelspurig» zu fahren, also ei- hat keine Zeit, sich mental darauf vorzubereiten»,
nerseits bei Brüggli bis kurz nach vier Uhr nachmit- sagt Cesar Langhart. Am selben Tag noch werden
tags arbeiten, um anschliessend das Training in die Tenüs mit den Spielernamen bedruckt, und
Schwamendingen aufzunehmen. Cesar Langharts ein paar Stunden später reist man mit der ersten
Ziel ist klar: Er will sich nach seiner Lehrzeit bei Mannschaft ins Wallis. «Das sind sehr aufregende
Brüggli auf den ProfiMomente, obwohl jeder
fussball konzentrieren.
dass er zu 99 %
Er strebt eine Profikarriere weiss,
Er ist sich aber bewusst,
nicht spielen wird», sagt
dass seine Lehre bei
beim FCZ an – gleich nach er. Er habe damit keine
Brüggli Priorität hat und
Mühe und er könne es
der Ausbildung.
er mit dieser Rolle
manchmal nicht begreileben muss, wenn
fen, wenn einige seiner
sein Traum in Erfüllung gehen soll.
Teamkollegen damit nicht umgehen könnten.
Ein Berater für alle Fälle
Rainer Maria Salzgeber vom
Schweizer Fernsehen begleitet ihn auf diesem Weg.
Als Ansprechperson
in fussballerischer,
aber auch in psychologischer Hinsicht
ist Salzgeber sein
Betreuer und Manager. Salzgeber war bereits bei
Cesar Langharts Kumpel Rodriguez tätig, der jetzt
in der Bundesliga spielt. Dem Druck, mit dem ein
Aufstieg in die erste Mannschaft verbunden ist,
hält er stand. Er setzt seine Messlatte sehr hoch
an und bevorzugt es, sich spielerisch mit den
Kollegen aus der ersten Mannschaft und nicht
mit seinen direkten Konkurrenten aus der
U21 zu messen. Daher ist es ihm sehr recht,
wenn der Trainer des FC Zürich oft bei
den Junioren im Training auftaucht, weil
er Spieler für seine Mannschaft braucht,
wie neulich gegen Sion: «In solchen Momenten geht alles sehr schnell, und man
Profifussball im Teenageralter
Weil Cesar Langhart bei Brüggli in der Ausbildung
ist, befindet er sich beim FCZ bis zum Lehrabschluss in der Vorbereitungs- und Aufbauphase.
Seine Freude auf den Moment, wenn der FCZ sein
Arbeitgeber sein wird, ist grenzenlos. Dann wird
er nämlich auf dem Transfermarkt vertreten sein,
wo er für andere Vereine vermittelbar ist und dafür
auch bezahlt wird – das sind auch in finanzieller
Hinsicht verlockende Perspektiven. Doch «Cäsi»,
wie er sich selbst nennt, bleibt auf dem Boden.
«Schauen Sie sich einmal die Brasilianer an», sagt
er, «sie leben und spüren den Fussball und spielen
ihn mit Leidenschaft.»
Brüggli als Vorbereitung
Wenn sich die Gedanken eines Fussballtalents
nur noch um den Fussball drehen, kann das in der
Schule und am Arbeitsplatz negative Auswirkungen haben. Cesar Langhart musste diese bittere
Erfahrung machen. Kaum hatte seine Ausbildungszeit in der freien Wirtschaft begonnen, war er nicht
mehr in der Lage, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Zu sehr war er mit dem Fussball beschäftigt.
Er kam Abends oft erst spät vom Training nach Stars als Freunde
Hause und hätte dann noch lernen müssen, was Junge Stars wie Mehmedi, Shaqiri oder Xhaka
ihn vollends aus der Bahn warf. «Ich kriegte nichts gehören zu Cesar Langharts Freundeskreis. Er vermehr auf die Reihe», erinnert er sich. Eines Tages brachte mit ihnen gemeinsam Ferien in Mexiko. Er
forderte ihn sein Chef auf, eine Zusammenfassung ist froh, dass er auch mit ihnen über seine Probleüber seine Ziele zu schreiben. «Ich brachte auch me sprechen kann. «Bei Shaqiri wird das künftig
das nicht mehr zustande und sah nur noch einen über Skype geschehen», lacht er. Auch wenn sie
riesen Berg vor mir, von dem ich nicht wusste, wie auf dem Platz Gegner seien, verstünden sie sich
ich ihn besteigen soll.» Es war dann nicht weiter in der Freizeit prächtig. «Es sind wirklich nur die
verwunderlich, dass sein Vertrag aufgelöst wur- Fans, die zwischen den einzelnen Clubs unterde. Umso mehr freute er sich, als er bei Brüggli scheiden. So würden sie in der Freizeit zusammen
ins Kino oder etwas
einsteigen durfte, denn
einkaufen gehen. «Wir
hier habe er weniger
«Ich wüsste nicht,
sind auch nur Jungs, die
Druck und gleichzeitig
ihre
Freizeitbeschäfeine professionelle Bewo ich ohne Brüggli
tigungen pflegen und
treuung. «Ich arbeite
stehen würde.»
Spass haben wollen»,
gerne hier und ich wüssmeint er. Neulich durfte
te nicht, wo ich ohne
er beim Schweizer Sportfernsehen seine ersten ErBrüggli stehen würde.»
fahrungen mit den Medien machen. Seither wurde
er an der Löwenstrasse in Zürich auch schon mal
Zwischen IV und Profifussball
Cesar Langhart ist daran, mit seinem IV-Berufs- um ein Autogramm gebeten.
berater den Weg in die Profikarriere ins Auge zu
fassen. Er glaubt an eine Unterstützung, und sein Wie die meisten südamerikanischen Fussballer
strahlendes Gesicht unterstreicht diese Hoffnung. tritt Cesar Langhart unter einem Übernamen auf.
«Ich verstehe mich mit meinem Berufsberater bes- Wir dürfen gespannt sein, ob wir uns künftig über
tens», sagt er. Es sei schon aussergewöhnlich, die- «Ciccinho», so sein zweiter Name, auf der grossen
ses Doppelleben. Manchmal bereite es ihm Mühe, Bühne des Fussballs freuen können. Auf jeden
bei Brüggli nicht derselbe Mensch zu sein wie im Fall wünschen wir ihm auf seinem Weg viel
Trainingsanzug. «Einerseits bin ich mit meinen Ar- Glück.
beitskleidern in der Logistik am Stapler tätig, und
kurze Zeit später folgt der Griff zur FCZ-Tasche
» Daniel Köppel
– und damit der Einstieg in ein anderes Leben.»
Mitarbeiter UnternehmensDann geniesse er es, wenn er auf dem Trainingskommunikation
platz beobachtet werde und die Jüngeren zu ihm
aufschauen.
unterwegs 0512 | 29
Alkohol
Gut getrunken ist halb verloren
Die Jugend meldet sich zu Wort, sie spricht eine deutliche Sprache.
Wer in Zeiten sozialer Unruhen über die Runden kommen will, muss
«ellbögeln». Wer dabei Schwäche zeigt, greift zur Flasche.
und Aufmerksamkeit spielen sich im Bereich der Die Gewaltbereitschaft im Rausch
Kommunikation ab. Man will Gelassenheit, Si- In Zeiten sozialer Unruhen wächst der Trend, Ancherheit und Fröhlichkeit demonstrieren, aber dersdenkende als Zielscheibe zu sehen. Freund
auch mit Alltagsproblemen verstanden sein und Alkohol gibt den Anreiz dazu, die negativen Stimauch mal etwas sagen dürfen, was nicht mit dem mungen zusätzlich anzuheizen. Gleichgesinnte
Zensurbalken versehen ist. Eine Gemeinsamkeit finden in ihrem verzerrten Weltbild Beachtung
und Trost in Gruppen
zieht sich durch alle Geund greifen nicht
nerationen: Der Alkohol
Immer fest drauf.
selten zur Selbstjusist der Garant dafür, dass
tiz, angeheizt durch
ein Fest zur gelungenen
Im Rausch gibt's keine
Wodka-Red-Bull oder
Veranstaltung wird. FraRundherum Trinkfreudigkeit
Hemmschwellen.
ein weiteres grosses
36 Stunden später, morgens um fünf im Zentrum gen, wie viel es denn nun
Kühles aus der Travon St.Gallen. Nichts deutet darauf hin, dass sein darf, sind kein TheSonntag ist. Überall Leute, aufgebracht und an- ma, schliesslich können erwachsene Leute damit ditionsbrauerei. Die eigene Konfliktfähigkeit ist
nicht mehr vorhanden, dem Problem wird mit Gegetrunken von vergangener Nacht. Auch wenn umgehen. Oder?
walt begegnet. Bei der zunehmenden Gewaltbedie letzte Discothek geschlossen hat, will man
reitschaft sind meistens Alkohol und Drogen im
noch einen draufgeben, denn die ersten Kneipen Das Trinkverhalten in der Schweiz
öffnen bereits wieder.
Der Umgang ist eine per- Spiel. Doch im Rausch kümmert das niemanden,
sönliche Ermessenssache, wenn die Hemmschwelle auf dem Nullpunkt ist.
Mancher Wirt mag
Cool ist, wer gut
wird aber in den meisten Und am anderen Tag ist man erstaunt darüber,
sich um diese Zeit über
die Trinkfreudigkeit
Fällen
unterschätzt. Ein, wie so was passieren konnte. Auch das Erinnedrauf ist. Der
zwei Gläschen um die rungsvermögen ist durch den «Filmriss» stark beder Partygänger freuAlkohol hilft mit.
Stimmung
anzuheben, einträchtigt. Viele Gutachten werden demzufolge
en. Eine Stunde später
appellieren die ersten
das ist normal und scheint mit dem Argument der Unzurechnungsfähigkeit
pfeifenden Vögel an das Gewissen der Nacht- die Frage nach dem Mass zu rechtfertigen. Laut ausgestellt.
Statistik trinkt der Schweizer durchschnittlich
schwärmer. Die Natur ruft zur Vernunft.
zwei- bis dreimal Alkohol in der Woche. Dabei Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind
nimmt er in der Regel mehr als drei Gläser zu sich. komplexer geworden, die Anerkennung in der
Aufmerksamkeit erregen
Alkohol in rauen Mengen zu konsumieren ist Form- Zu schön ist der Moment, in dem man wieder mal Gesellschaft über den beruflichen Status ist sehr
sache, tönt es aus dem Teenagerlager. Cool ist, so richtig drauf haut und sich gut fühlt. Dieses hoch und mit enormem Leistungsdruck verbunwer mit viel Promille möglichst lange gut drauf ist. Gefühl will gepflegt sein, das Verlangen danach den. Der Frust, der dabei hängen bleibt, auch. Es
Die Steigerungsform und den ultimativen Höhe- steigt, der Alkoholkonsum wird regelmässiger und macht den Anschein, dass viele gegen eine Umpunkt finden jene, die sich nach Mitternacht auch der Kater am Morgen danach auch. Die Folgen da- welt ankämpfen, die sich nur dann ändern lässt,
mal an einer anständigen Schlägerei beteiligen. von schleichen sich langsam, fast unbemerkt ein: wenn sich der Einzelne ändert.
In der Kategorie «Leute gesetzteren Alters» ver- Erschöpfung, Konzentrationsverlust, Nervosität,
schieben sich diese Vorstellungen. Anerkennung Gereiztheit, Depressionen, Magen-, Darm -und
» Daniel Köppel
Leberkrankheiten und im schlimmsten Fall der Tod.
Mitarbeiter Unternehmenskommunikation
Freitag, kurz nach fünf. Ausgelassene Stimmung
auf den Strassen. Das Fahrverhalten der Automobilisten verrät einiges über den Wochentag, der
gerade eingefahren wird. Der Druck aufs Gaspedal
tut gut. Wohin die Reise geht ist egal, Hauptsache
der nächsten Party steht nichts im Weg. Wirklich
nichts? Eine hohe Hürde müssen alle nehmen: der
verantwortungsbewusste Umgang mit dem Alkohol während den «Festspielen».
Alkohol
Probleme
fangen klein an
Der Übergang von einem unproblematischen
zu einem problematischen Alkoholkonsum ist
fliessend. Oft verläuft der Übergang unmerklich.
Man trinkt nach und nach immer mehr, um sich
zu entspannen, um Probleme zu vergessen und
aus anderen Gründen.
Es gibt keine bestimmte Konsummenge, ab der
man alkoholabhängig ist. Menschen reagieren
unterschiedlich auf Alkohol. Manche werden relativ rasch abhängig, bei anderen kann es lange
dauern. Manche trinken vergleichsweise wenig
und entwickeln eine Abhängigkeit, bei anderen
entsteht sie erst bei grösseren Mengen.
Anzeichen für eine Alkoholabhängigkeit sind:
• nicht mehr auf Alkohol verzichten können
• den Konsum nicht mehr kontrollieren können
• steigende Konsummenge (Toleranzbildung)
• Entzugssymptome beim Absetzen oder Reduzieren des Konsums
• Vernachlässigung anderer Interessen
• Weitertrinken trotz schädlicher Folgen
Diese Anzeichen müssen nicht alle vorhanden sein, damit man von einer Abhängigkeit
spricht. Ob wirklich eine Abhängigkeit vorliegt,
kann allerdings nur eine Fachperson feststellen. Man schätzt, dass in der Schweiz etwa
250 000 Personen alkoholabhängig sind. Neben
den Abhängigen selbst sind viele Angehörige –
darunter auch viele Kinder – von der Problematik mitbetroffen.
Alkohol kann körperlich und psychisch abhängig
machen. Bei einer körperlichen Abhängigkeit
kommt es bei einem Konsumstopp oder bei
einer Konsumreduktion zu körperlichen Entzugserscheinungen. Dabei kann es zu schweren
medizinischen Komplikationen kommen. Deswegen sollte ein Entzug mit ärztlicher Begleitung durchgeführt werden.
Ein körperlicher Entzug ist oft schwer, aber er
ist nach einigen Tagen vorbei. Die Überwindung der psychischen Abhängigkeit hingegen
beschäftigt einen meist viel länger. Noch lange
Zeit nach einem Entzug kann die psychische
Abhängigkeit zu Rückfällen führen, weshalb es
ratsam ist, nach dem Entzug über längere Zeit
Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Quelle: Bundesamt für Statistik der Schweizerischen
Eidgenossenschaft: Eidgenössische Alkoholverwaltung EAV
Bilder: Fotostudio Bühler
30 | unterwegs 0512
unterwegs 0512 | 31
Alkohol
Alkohol
Hört das denn nie auf?
Die folgenden drei Berichte beruhen auf wahren Begebenheiten.
Um die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen zu schützen,
wurden alle Namen ausgetauscht.
Anja
Anja kommt aus der Regelklasse zu mir in meine
Kleinklasse. Mehrere Tage lang spricht sie kein
Wort. Ich weiss nicht mal, wie ihre Stimme klingt.
Anja trägt einen Stoffhund überall mit hin. Für
schulische Inhalte zeigt sie kein sichtliches Interesse. Etwa nach einem Jahr beginnt Anja mit mir
zu sprechen. Sie erzählt Geschehnisse von ihrem
Daheim, die nicht wahr sein können. Sie erzählt ihr
Leben so, wie sie es sich wünscht. In Wirklichkeit
ist Anjas Vater ein ortsbekannter Alkoholiker, der
seine Frau vor den Kindern schlägt. Seine Kinder
brüllt er an und manchmal schlägt er auch sie. Er
schlägt sie so, dass man ihm dies nicht nachweisen kann. Eines Abends im Sommer klingelt es an
meiner Haustüre. Anja steht mit ihrem Hund und
ihrer älteren Schwester da. Beide Kinder weinen
32 | unterwegs 0512
und sind offensichtlich ausser sich. Anja erzählt Mann. Sie lernt einen neuen Partner kennen. Auch
mir, dass der Papa die Mama verhaue und dass dieser trinkt und schlägt. Hört denn das nie auf?
überall Blut sei. Ich behalte die Kinder bei mir Anja wird wieder völlig introvertiert. Sie hat jetzt
und informiere die Polizei. Als die Polizei endlich keinen Hund mehr bei sich, sondern eine Ratte.
am Tatort ist, streitet die Mutter alles ab. Ich bin Mit dieser haut sie als Vierzehnjährige von zu Hauwütend. Ein paar Wochen später sagt Anja in der se ab und lebt auf der Strasse oder in betreuten
Wohnheimen für JuSchule, dass der Papa
gendliche. Anja kifft sich
nachts Dinge mit ihr
Er brüllt seine Kinder an, ihre Probleme weg. Sie
tue und dass sie nicht
betrinkt sich, sie kokst
mehr heim gehe. Ich bin
und manchmal
und sie spritzt sich Herosowas von wütend und
schlägt er sie.
in. Wenn sie mir begeginformiere die Opfernet, schaue ich in zwei
hilfestelle, die sich der
Familie annimmt. Eine Weile lang scheint Ruhe leere, ausdruckslose Augen. Anja erwartet nichts
einzukehren, und dann beginnt alles von vorne: die mehr von ihrem Leben. Seit einem Jahr hat sie eiSchläge, das Gebrüll und die Vergewaltigungen nen Freund. Dieser säuft, brüllt herum und schlägt
der Töchter. Anjas Mutter trennt sich von ihrem sie. Hört das denn nie auf?
Nata
Nata ist schon vier Mal umgezogen, bevor er in
meine Kleinklasse kommt. Morgens kommt Nata
immer zu spät. Er hat keine Freunde. Er wirkt immer sehr nervös, kann sich kaum auf etwas konzentrieren. Manchmal sitzt er apathisch da und
starrt ins Leere. Er interessiert sich für nichts.
Natas Eltern haben ein Restaurant. Der Vater
säuft vom frühen Morgen bis am späten Abend. Er
schlägt nicht, aber er vernachlässigt seine Familie.
Nata hat einen kleinen Bruder, für den er sich verantwortlich fühlt. Für seinen kleinen Bruder gibt er
sein Bestes. Nata muss im Restaurant mitarbeiten
bis spät nachts und er muss den Haushalt für seine
depressive Mutter erledigen. Bei Gespräch gelobt der Vater in jeder Hinsicht Besserung. Seine
Worte setzt er nie in die Tat um. Ich «verordne»
der Familie eine Therapie. Kein einziger Termin
wird wahrgenommen. Als Natas Äusseres immer vernachlässigter wirkt, mache ich eine Meldung bei der Fürsorge. Diese macht die obligaten
Hausbesuche und stellt «nichts» fest. Haben die
denn keine Augen im Kopf? Eines Tages zieht die
Familie von heute auf morgen weg. Die Nachbarn
berichten von einer Schlägerei des Vaters und von
grossem Polizeiaufgebot. Natas Vater eröffnet im
Nachbarort ein neues Restaurant. Nach wenigen
Monaten geht die Familie mit dem Restaurant
helfen könne. Ich versuche es und organisiere eine
Familientherapie für Familien mit alkoholkranken
Eltern. Zuerst geht nur die Mutter mit den Kindern
hin. Irgendwann geht der Vater auch hin. Der Vater
macht einige Alkoholentzüge und wird immer wieder rückfällig. Nach etwa eineinhalb Jahren teilt er
mir mit, dass er jetzt nur noch mässig trinkt. Sein
Wort in Gottes Ohr. Immerhin ist er ruhiger und gelassener geworden. Er geht jetzt einer geregelten
Ragasan
Nachdem einige Lehrpersonen bei den Behörden Arbeit nach und kümmert sich fast schon liebevoll
eine sogenannte «Gefährdungsmeldung» einge- um seine Kinder. Parallel zur positiven Entwickreicht haben, wird Ragasan aus der Regelklasse in lung des Vaters wird Ragasan immer zugänglicher.
meine Klasse versetzt. Ragasan ist unnahbar und Er baut sich einen Freundeskreis auf, und seine
leicht reizbar. Er verhält sich anderen gegenüber schulischen Leistungen werden immer besser.
Ragasan tritt aus meiner
sehr feindselig, neigt
Kleinklasse in die Mitzu aggressiven AusbrüEr riecht stark nach
telstufe der Regelklasse
chen und verweigert
über. Heute besucht
jegliches
schulische
Alkohol, er schwitzt und
der die Kantonsschule
Tun. Eines Tages kommt
seine Hände zittern.
in Frauenfeld. Wenn er
sein Vater auf Schulmich sieht, strahlt er
besuch. Er riecht stark
nach Alkohol, er schwitzt und seine Hände zittern. mich an. Er möchte einmal Arzt werden. Ich bin
Ragasan erzählt mir, was sein Vater daheim mit sicher, dass er dies auch wird. Ragasan hat es geihm und seinen beiden kleinen Brüdern tut. Egal schafft – und sein Vater auch. Er ist die Ausnahme,
was Ragasan daheim macht, es ist falsch. Sein nicht die Regel.
Vater brüllt ihn für alles und für nichts an. Hört
das denn nie auf? Die Mutter erzählt mir, dass zu
» Die Autorin hat das Geschilderte als
Hause Terror herrsche. Sie fragt mich, ob ich ihr
Lehrerin und schulische Heilpädagogin erlebt.
Konkurs. Natas Vater hat einmal mehr alles Geld
versoffen. Hört das denn nie auf? Mit 16 begeht
Nata Selbstmord. Er springt von der Staumauer im
Verzascatal. Bevor er dies tut, versendet er SMS
mit der Mitteilung «Schaut zu meinem Bruder». Ich
erhalte auch eine dieser SMS. Ich setze mich auf
die Treppe und weine. Hört das denn nie auf?
unterwegs 0512 | 33
Alkohol
Alkohol
Voll normal
Alkohol ist die Volksdroge Nummer 1. An Grossveranstaltungen
sieht man das besonders deutlich. Unsere Gesellschaft versteht es gut,
genau dort über die Folgen hinweg zu sehen.
Drei Jugendliche sitzen im Bahnhofpark. Sie rau- und Partylaune an den Ständen, die Wein, Bier und
chen und geben das Rauchzeug rum. Eine Dame Spirituosen anbieten, und verstopfen bald auch
stellt im Vorübergehen fest, dass das keine norma- die Gänge, bis sie Schulter an Schulter stehen, um
le Zigarette ist. Sie regt sich auf. Was aus denen sich aneinander zu reiben. Der Horst, der tagsüber
mal werden soll. Und ob die nichts Gescheiteres Kühlschränke verkauft, trinkt sich ein bisschen
zu tun hätten. Die AntEloquenz an, um
wort schwebt in einer
mit einem potenSogar die Bratwurstprominenz ziellen Geschäftssüsslich riechenden
Wolke unausgesprolässt sich mit einem Zweierli partner ins Gechen davon.
spräch zu kommen.
Roten fotografieren.
Der Steff und seine
Ganz in der Nähe tankrawattierten Kumzen zehntausende Ostschweizer um St.Gallens pels vom Bankschalter hoffen am Bacardi-Stand
heiligste Kuh: die Olma. In den Hallen 4 und 5 auf ein Wiedersehen mit der hübschen Bedienung
drängen sich Männer und Frauen in Feierabend- vom letzten Jahr. Und am Stand der Traditions-
34 | unterwegs 0512
brauerei, wo der Boden und der Tresen schon
am Nachmittag klebrig sind, nimmt Marita ein
weiteres Grosses mit Moritz, den sie beim SäuliRennen draussen vor der Halle kennengelernt hat.
Daneben am Weinstand reden die Chefs mit den
Chefs und die niedrigeren Angestellten stehen
drum herum, bis einer die Gelegenheit bekommt,
sich als Weinkenner hervorzutun: «Der hat einen
Stich», sagt er, nachdem er am Glas genippt hat,
und weist den Malanser, 44 Franken die Flasche,
zurück.
Mehr und mehr – bis es zuviel ist
Das junge Partyvolk, die geschiedenen Mittvierziger, die Wirtschaftshelden, Glücksritter und
Cüpli-Püppchen – alle sind sie da. Und natürlich wirtschaftsminister anreist, um sich mit einem
die Bratwurstprominenz, welche die Gelegenheit Ferkel auf den Armen fotografieren zu lassen, darf
nutzt, um in möglichst kurzer Zeit möglichst viele nichts diesen Glanz trüben. Ein paar Besoffene
Hände zu schütteln. Alle trinken, alle feiern. Ein mehr auf den Strassen, ein paar weitere gebrochebunt gemischter Haufen, der mit Käpt'n Alkohol ne Kiefer, etliche zusätzliche Notfalleinsätze – alles unvermeidbare
durch die Klippen zwiBegleiterscheinunschen Ausgelassengen, Kollateralschäheit und Exzess segelt. Noch mehr Zwischenfälle und
den, die man damit
Aber leider macht der
Sonder-Einsätze im Spital:
schönreden kann,
Alkohol nur Spass, soDas gehört halt dazu.
dass es gemessen
lange der Pegel steigt.
an den BesucherIrgendwann ist die
Stimmung geladen. Ein missverstandener Spruch, zahlen ja gar nicht so viele sind. Kein kritisches
ein zu langer Blick oder eine unfreiwillige Rem- Wort in der Tageszeitung; keine Reportage über
pelei führen dann unvermittelt zu wüsten Szenen. die Notfallstation des Kantonsspitals, wo regelUnd irgendwann beginnen auch die ersten Mägen mässig Betrunkene eingeliefert werden; kein Gezu kapitulieren: Idealerweise schaffen sie es nach spräch mit einem der Anwohner, die in die Ferne
draussen, vielleicht neben den Marronistand, um geflüchtet sind, um sich am Morgen nicht den
sich den Olma-Besuch nochmals durch den Kopf verkotzten Vorgarten ansehen zu müssen; kein Bericht über die Sicherheitsleute, die rund um die Uhr
gehen zu lassen.
auf Draht sind und sich in Ausübung ihrer Pflichten beleidigen lassen müssen; keine kritischen
Wenig kritische Distanz
Das gehört dazu. Ist alles ganz normal. Ein kultu- Betrachtungen, dafür umso mehr Bilder der Bratrelles Ereignis, ein Höhepunkt auf dem Kalender wurstprominenz, die mit einer Stange oder einem
währschafter Ostschweizer. Wenn sogar der Land- Zweierli Roten in der Hand fürs Pressefoto posiert.
Toleranz hier, Kriminalisierung dort
Über dem Bahnhofpark unweit davon steigt eine
süsslich riechende Wolke in den Abendhimmel.
Eine Frau regt sich über die kiffenden Jugendlichen auf. Sie kommt von der Olma, hat selber zu
tief ins Glas geschaut. Sicher, die Jugendlichen
tun etwas, das ihrem Körper und ihrer Psyche
schaden kann; wir wollen das nicht schönreden.
Und doch wird ein weiteres Mal der Eindruck der
Doppelmoral genährt: Auf der einen Seite das
gesellschaftlich verankerte, öffentlich tolerierte
Massenbesäufnis im Deckmantel eines Kulturguts, auf der anderen Seite das ziemlich pauschale
Verurteilen von Drogen, über die mit ungleichen
Massstäben befunden wird. Wie hätte die Frau
auf die Jugendlichen reagiert, wenn sie anstatt
zu kiffen einfach Wodka und Bier gesoffen hätten?
Sie wären kaum aufgefallen.
» Michael Haller
Redaktor «unterwegs»
unterwegs 0512 | 35
Folgen des
Alkoholkonsums
Alkohol
Massvoll oder masslos
In westlichen Industriestaaten wie der Schweiz ist Alkoholkonsum der drittgrösste
Risikofaktor für die gesellschaftliche Belastung durch Krankheiten (nach Tabakgebrauch
und Bluthochdruck). Entsprechend hoch ist die Belastung des Gesundheitssystems.
Tipps, um den generellen Alkoholkonsum in
den Griff zu bekommen
•Löschen Sie Ihren Durst mit alkoholfreien
Getränken.
•Kaufen oder mixen Sie sich attraktive
alkoholfreie Getränke.
•Trinken Sie langsam und genussvoll.
•Überdenken und ändern Sie Gewohnheiten:
Überlegen Sie, in welchen Situationen Sie
trinken und verändern Sie diese. Wenn Sie
zum Beispiel nach dem Heimkommen immer
gleich als Erstes zum Kühlschrank gehen,
um ein Bier rauszuholen: Verändern Sie Ihre
Gewohnheiten. Stellen Sie nur alkoholfreie
Getränke im Kühlschrank bereit oder gestalten
Sie Ihre Abende neu (Sport, Spaziergang
usw.).
•Überlegen Sie sich, warum Sie trinken und
suchen sie alternative Möglichkeiten, diese
Bedürfnisse zu stillen. Für manche Menschen
bedeutet Alkohol zum Beispiel Entspannung
und Stressabbau. Dann ist es besonders
verlockend, immer wieder und immer mehr zu
Alkohol zu greifen.
•Finden Sie andere Möglichkeiten, Entspannung und Lockerung in Ihren Alltag zu bringen.
•Sprechen Sie mit jemandem über Ihr Vorhaben, Ihren Alkoholkonsum zu verändern. Dies
motiviert zusätzlich.
•Machen Sie sich bewusst, welche Vorteile
die Veränderung der Konsumgewohnheiten
für Sie hat.
Hilfsangebote
Adressen von Beratungsstellen findet man im Telefonbuch oder Internet unter «Beratungsstelle für
Alkoholprobleme», «Beratungsstelle für Suchtprobleme», «Alkoholberatungsstelle», «Suchtberatungsstelle» oder unter www.infoset.ch
(Rubrik: Beratung und Therapie/Ambulante
Angebote) oder bei der Schweizerischen Fach-
36 | unterwegs 0512
T ipps um den Alkoholkonsum im Ausgang
im Griff zu haben
•Trinken Sie zwischen zwei alkoholischen Getränken immer mindestens ein Glas Wasser.
•Löschen Sie Ihren Durst mit alkoholfreien
Getränken.
•Trinken Sie nicht mehr als ein Glas pro Stunde und nicht mehr als vier Gläser total.
•Kaufen oder mixen Sie sich attraktive alkoholfreie Getränke.
•Trinken Sie langsam und genussvoll.
•Überdenken und ändern Sie Gewohnheiten:
Wenn Sie zum Beispiel in Ihrem Ausgang
viel Zeit an Orten verbringen, an denen
Alkohol eine wichtige Rolle spielt, überlegen
Sie sich andere Ausgehmöglichkeiten, die
weniger Versuchungen bergen (zum Beispiel
Kino, Sport).
•Sprechen Sie mit jemandem über Ihr Vorhaben, Ihren Alkoholkonsum zu verändern. Dies
motiviert zusätzlich.
•Machen Sie sich bewusst, welche Vorteile
die Veränderung der Konsumgewohnheiten
für Sie hat.
•Wenn Sie es nicht in absehbarer Zeit schaffen, sich an Ihre Vorsätze zu halten und Ihren
Konsum in den Griff zu bekommen: Zögern
Sie nicht, sich Unterstützung zu holen.
stelle für Alkohol und andere Drogenprobleme:
www.sfa-ispa.ch. An vielen Orten gibt es auch
lokale Selbsthilfegruppen. Mitarbeitende von
Brüggli können sich an eine Leiterperson wenden; die Suchtprävention ist bei Brüggli regelmässig ein grosses Thema.
Unfälle
Das genaue Ausmass der alkoholbedingten Unfälle in der Schweiz ist schwer zu schätzen, da
Alkoholkonsum von den betroffenen Personen oft
nicht als Ursache des Geschehens genannt wird.
Eine aktuelle, im Gesundheitswesen durchgeführte
Studie zeigt jedoch, dass der Anteil Unfälle, der auf
Alkoholkonsum zurückzuführen ist, bedeutend ist.
Bei den Männern sind fast 50 % aller absichtlichen
Verletzungen (Gewalt gegen andere, Selbstverletzungen usw.) dem Alkoholkonsum zuzuschreiben.
Bei den Frauen beträgt dieser Anteil 23 %.
Akute Wirkung
Da der Alkohol sofort ins Blut geht, verspürt man
die Wirkung sehr rasch: Wärmegefühl, Wohlbefinden, Zwanglosigkeit, Fröhlichkeit, Rededrang.
Weitere Folgen können von den Konsumenten oft
nicht selber wahrgenommen und vor allem nicht
beurteilt werden, da auch die Selbsteinschätzung
vermindert und das Selbstwertgefühl gesteigert
werden.
Die nebenstehenden Angaben zu Alkoholwirkungen und Promillewerten gelten für Erwachsene
und sind als Anhaltspunkte zu betrachten. Die Art,
wie sich ein Promillewert bei einzelnen Menschen
äussert, variiert. Bei Jugendlichen ist schon bei
deutlich kleineren Promillewerten mit entsprechenden Einschränkungen zu rechnen. Alkoholkonsum kann bei Kindern auch in geringeren Mengen
bereits zum Tod führen.
Nicht nur die Wirkung des Alkohols auf die Konzentrationsfähigkeit und die Reaktionszeiten ist im
Zusammenhang mit Unfällen problematisch. Die
enthemmende Wirkung des Alkohols steigert die
Wahrscheinlichkeit für risikohaftes Verhalten, z.B.
im Strassenverkehr, in anderen unfallgefährlichen
Situationen und senkt auch die Hemmschwelle für
Gewaltanwendungen und Gesetzesübertretungen.
Quelle: Bundesamt für Statistik der Schweizerischen
Eidgenossenschaft: Eidgenössische Alkoholverwaltung EAV
Alkohol
0,2 bis 0,5 Promille
• Leichte Verminderung von Seh- und
Hörvermögen
• Nachlassen von Aufmerksamkeit,
Konzentrations-, und Reaktionsvermögen
• Kritikfähigkeit und Urteilsfähigkeit sinken,
die Risikobereitschaft steigt
ab 0,5 Promille
• Probleme mit Nachtsicht
• Störungen des Gleichgewichts
• Probleme mit Konzentrationsfähigkeit,
deutliche Verlängerung der Reaktionszeit
• Enthemmung und Selbstüberschätzung
nehmen zu
ab 0,8 Promille
• Weiterer Rückgang der Sehfähigkeit,
Wahrnehmung von Gegenständen und
räumliches Sehen sind beeinträchtigt
• Das Blickfeld verengt sich (Tunnelblick)
• Steigende Gleichgewichtsstörungen
• Ausgeprägte Konzentrationsschwäche,
stark verlängerte Reaktionszeit
• Steigende Selbstüberschätzung,
Euphorie, zunehmende Enthemmung
1,0 bis 2,0 Promille: Rauschstadium
• Weitere Verschlechterung des räumlichen
Sehens und der Hell-/Dunkel-Anpassung
• Starke Gleichgewichtsstörungen
• Aufmerksamkeits- und Konzentrationseinbussen, erheblich gestörte Reaktionsfähigkeit, Verwirrtheit
• Sprachstörungen, Orientierungsstörungen
• Übersteigerte Selbsteinschätzung durch
Enthemmung und Verlust der Kritikfähigkeit
2,0 bis 3,0 Promille: Betäubungsstadium
• Ausgeprägte Gleichgewichts- und
Konzentrationsstörungen,
Reaktionsvermögen kaum noch vorhanden
• Muskelerschlaffung
• Gedächtnis- und Bewusstseinsstörungen,
Verwirrtheit
• Erbrechen
3,0 bis 5,0 Promille: Lähmungsstadium
• ab 3,0 Promille: Bewusstlosigkeit,
Gedächtnisverlust, schwache Atmung,
Unterkühlung, Reflexlosigkeit
• ab 4,0 Promille: Lähmungen, Koma mit
Reflexlosigkeit, unkontrollierte
Ausscheidungen, Atemstillstand und Tod
unterwegs 0512 | 37
Smartphones
… als ein Telefon
noch ein Telefon war.
Smartphones
Das Internet
in der Hosentasche
Das waren
noch Zeiten …
Das Smartphone hat unser Denken und Handeln wie
kein anderes Medium verändert. Fast nichts mehr
ist mit dem smarten Handy unmöglich. Und wer
eins hat, ist fast immer auf dem Laufenden.
Vor zwanzig Jahren feierte Jetzt und überall
das Handy seine Premiere. Ein mo- Es macht grossen Spass, wenn sich mit dem Gebiles Telefon, anfangs etwas schwergewichtiger rät der unbekannte Musiktitel, den der DJ gerade
und nicht für jede Hosentasche gedacht, sorgte aufgelegt hat, mittels einer Applikation ausfindig
weltweit für Aufsehen. Zu Beginn waren es vor- machen lässt. Selbst unsere Freunde scheinen,
wiegend Geschäftsleute und andere «VIPs», die zumindest virtuell, allgegenwärtig und jederzeit
damit
umzugehen
abrufbar zu sein. Via
wussten, später etaSocial-Media-PlattImmer und überall:
blierte es sich sehr
formen wie Facebook
schnell im Alltag von
oder
Twitter sind
Das Smartphone vernetzt uns
Otto NormalverbrauMitteilungen
wie
mit der Welt.
cher und war von nun
die bestandene Dipan nicht mehr weglomprüfung oder der
zudenken. Die Vorstellung, immer und überall er- Besuch beim unbeliebten Zahnarzt zu jeder Zeit
reichbar zu sein, ist Wirklichkeit geworden und hat kommunizierbar und für andere sichtbar. Wir sind
in unserem Denken und Handeln Einzug gehalten.
zu einem Teil im virtuellen Ganzen geworden, und
das gibt manch einem Menschen ein gutes Gefühl.
Der Beginn des Internet-Zeitalters
Mit dem Vormarsch des Internets Mitte der Rückzug aus der Verantwortung
neunziger Jahre hat die weltweite Vernetzung Allen positiven Eigenschaften zum Trotz muss
und Kommunikation eine neue Dimension er- trotzdem erwähnt werden, welch grosses Ablenreicht: Die Möglichkeit, unabhängig von Ort, Zeit kungspotenzial Smartphones in sich tragen. Es
und Distanz in Sekundenschnelle weltweit Da- erfordert weit weniger Anstrengung, sich mit dem
ten übermitteln zu können, liess die Welt näher Griff zum Handy in die virtuelle Welt zu flüchten,
zusammenrücken. Vor fünf Jahren folgte der als sich mit dem unangenehmen Nachbarn im Bus
nächste Quantensprung: Das Handy wurde unterhalten zu müssen.
zum multifunktionalen Taschencomputer weiterentwickelt. Was früher ein Für manche ist das Smartphone geradezu Freund
mobiles Telefon war, dient heute als und Helfer in schwierigen Lebenslagen, und die
Internet im Kleinformat und ist mit virtuellen Ausweichmöglichkeiten sind im Ernstdem Touchscreen noch bedienungs- fall nahezu grenzenlos und deren Anwendungen
freundlicher.
sogar unterhaltsam. Den Lebenspartner in Kri-
senzeiten im Online-Chat in Aufruhr zu bringen,
schafft vordergründig mehr Distanz und weit mehr
Entspannung, als den Partner direkt vor Ort mit
den Problemen zu konfrontieren. So werden oft
ganze Lebensbücher mit dem Gerät online niedergeschrieben und viel Zeit investiert, um aus
harmlosen Mücken virtuelle Elefanten zu züchten.
Wenn man bedenkt, dass diese verlorene Zeit zur
konstruktiven Lösung des Problems beigetragen
hätte, müsste der verantwortungsvolle Umgang
mit dem Smartphone für jeden von uns zum Thema
werden.
tersuchung von androidpit.de nimmt das Telefonieren weniger als 50 % der Gesamtznutzungszeit
ein. 89 % aller Nutzer verwenden das Smartphone
vor allem zum Surfen.
Per Knopfdruck Leben retten
Der Trend hat auch das Gesundheitswesen erreicht. Medisana, ein deutsches Unternehmen, hat
mehrere Applikationen für Smartphones entwickelt, mit denen mittels Knopfdruck biometrische
Daten wie Puls, Blutdruck, Gewicht, Zuckergehalt
im Blut sowie die Körpertemperatur gemessen
werden können. Wir können uns in Zukunft also
darauf einstellen, uns in Erste-Hilfe-Situationen
Ein Werkzeug wie jedes andere
Das Smartphone erspart uns einiges an Handge- auf unser Smartphone zu verlassen. Für lebenspäck. Für die Ferien im Süden ist das Mitführen rettende Massnahmen hat jetzt auch die Rega
einer Fotokamera nicht mehr zwingend. Und wer diesen Kurs eingeschlagen. Ein App soll eine diseine Freunde vierzehn Tage später mit den Kana- rekte Verbindung zur Zentrale der Rega herstellen
und per Klick eirischen Inseln beeinnen Alarm mit der
drucken möchte, kann
Die Gefahr ist, dass die ech- gleichzeitigen Redas Fotoalbum gleich
via Touchscreen-Moten Kontakte, von Mensch zu gistrierung des Unfallortes auslösen.
dus auf dem Display
Mensch, zu kurz kommen.
Erste Reaktionen,
präsentieren.
Die
wonach lebensretSommerhits für das
perfekte Strandgefühl können direkt auf dem tende Massnahmen getroffen werden konnten,
Smartphone abgespielt werden, und das Mitfüh- sind bereits bekannt.
ren einer Agenda oder eines Weckers bleibt uns
erspart. Wer von seinen Freunden in der Heimat Die Bedeutung, die das Smartphone in unserem
trotz Palmen- und Strandromantik nicht loslassen Alltag eingenommen hat, hat einmal mehr mit
kann, ist bekanntlich mit den Social-Media-Platt- dem Faktor Zeit zu tun. Wir bewegen uns noch
schneller vorwärts. Vielleicht ist das Smartphone
formen gut bedient.
das optimale Sammelbecken für den immer grösDas Smartphone ist nicht mehr das mobile Telefon ser werdenden Informationsfluss? Wenn ich damit
von gestern, das einzig und allein der Telefonie mehr Zeit für mich habe, bedanke ich mich für dieund den Kurzmitteilungen dient, sondern ist ein ses Gerät und nehme ein paar Minuten für mich
multifunktionales Werkzeug geworden. Laut Un- in Anspruch.
»Daniel Köppel
Mitarbeiter Unternehmenskommunikation
»Illustration: Florian Ganz
Lernender Polygraf
38 | unterwegs 0512
unterwegs 0512 | 39
Was gut tut
Was gut tut
Trommelnd
Energie tanken
Bei Brüggli wird getrommelt. Und das
aus Leidenschaft. CEO Kurt Fischer
erklärt, was der Reiz daran ist.
Kurt Fischer, Sie haben die Djembé ins Brüggli
gebracht. Wie ist es dazu gekommen?
Kurt Fischer: Im letzten Fachseminar hat uns Stefan
Rigert, professioneller Djembé-Lehrer, ins Trommeln
eingeweiht. Ebenfalls hatten wir im Industriecenter schon Teambildungsprozesse
unter seiner Leitung durchgeführt. Die
Reaktionen der Teilnehmenden waren
durchwegs positiv und wir beschlossen, im
Brüggli diese Djembé-Sessions einzuführen.
Zwölf Leute, die nicht nur aus dem Kader sind,
haben sich unter der Leitung von Markus
Brechbühl, Profiperkussionist aus St. Gallen,
zusammengefunden. Wir treffen uns jeden
Dienstag über Mittag zum Trommeln.
Wie wirkt sich das Djembé-Trommeln auf
das allgemeine Wohlbefinden aus?
Mit dem Trommeln kann man abschalten und Energie auftanken. Die
«Batterien» werden im wörtlichen Sinn aufgeladen. Weil man ständig
mit den anderen Teilnehmern im Takt mitziehen muss, fällt es leichter, die Gedanken loszulassen. Es fällt auf, dass die Leute nach dem
Trommeln kein bisschen müde sind, im Gegenteil.
Womit hat das zu tun?
Es ist erwiesen, dass sich das gemeinsame Musizieren positiv auf
die Psyche auswirkt. Ist man miteinander im Takt, ist auch das
Team intakt. Man muss sich anpassen, unterordnen, führen und
trotzdem am gleichen Strick ziehen. Der Rhythmus und Klang
der Djembé-Trommeln helfen, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Bei Menschen mit ADHS hat man dabei sehr gute
Erfahrungen gemacht; sie sind ruhiger und ausgeglichener
geworden. Ebenfalls positiv kann sich das Trommeln bei
Menschen mit Depressionen sowie bei Burnout-Patienten
auswirken.
Magische Rhythmen
Die Djembé-Trommeln sind begehrte Schlaginstrumente.
Mit der Flower-Power-Bewegung in den 1960er Jahren sind
sie auch in der populären Musik salonfähig geworden.
Ob Santana, Paul Simon oder die Stones; sie alle
hatten in ihrer Musikkarriere schon mit DjembéTrommlern zusammengearbeitet. Und auch in der
modernen Musik sind die Djembés nicht mehr
wegzudenken. Ihr magisches Klangbild, das durch
gleichzeitiges Trommeln im selben Takt erzeugt
wird, bringt selbst die Naturgeister zum Tanzen.
so die Wirkung einer Meditation. Dabei gibt es
in der Gruppe einen Solisten, der meist stehend
vor der Gruppe den Takt angibt. Die Haltung sollte während des Spielens aufrecht und entspannt
sein, damit für den Schlag mit den Händen mehr
Kraft entwickelt wird. In der Schlagtechnik werden drei Methoden angewendet. Der Bass wird
in der Mitte des Felles gespielt, dann gibt es den
offenen Schlag am Fellrand und einen Schlag ganz
am Rand.
Rhythmus, Ton und andere Geister
Die aus Westafrika stammenden, sechzig Zentimeter hohen Trommeln sind in der westlichen
Welt beliebter denn je. Bespannt sind sie mit ei- Beim Djembé-Trommeln zählt die Gemeinschaftsnem Ziegenfell bei einem Durchmesser von dreis- produktion; jeder Einzelne ist ein Teil des Zusamsig Zentimetern. Der
menspiels. Das MitKlang der Djembés,
einander mobilisiert
Die Djembé-Trommel
der vom Klangholz,
ungeahnte Energien
stammt aus Westafrika.
der Korpusform, des
und jeder TeilnehTrommelfells
und
mer nimmt sich als
dessen Bespannung beeinflusst wird, zieht die wichtiges Mitglied eines Ganzen wahr.
Menschen magisch an. Der Rhythmus und ihr Ton
scheinen die Leute alles rundherum vergessen zu
lassen. Der Djembé-Trommel wird nachgesagt,
» Daniel Köppel
dass drei Geister dem Spiel Ausdruck und Kraft
Mitarbeiter Unternehmenskommunikation
verleihen:
1. Der Geist des Baumes (Korpus)
2. Der Geist des Tieres (das Fell)
3. Der Geist des Erbauers
Gedanken beeinflussen den Klang
Viele Lehrer und Spieler legen deshalb viel Wert
auf eine handgefertigte Trommel. Beim Spielen ist
es wichtig, dass man seine Gedanken loslassen
kann. Man sollte also den Kopf leer halten und das
Grübeln bleiben lassen. Das Trommeln bekommt
Werden auch die Lernenden von Brüggli von diesem
Angebot profitieren?
Wir haben dieses Jahr im ASCOL mit den neuen Lehrlingen als Einstiegsritual zusammen getrommelt und
so einen gemeinsamen Rhythmus für den Start
gefunden. Weiter sind Projekte im Wohncenter für Leute in Ausbildung geplant.
» Interview: Daniel Köppel
Mitarbeiter Unternehmenskommunikation
unterwegs 0512 | 41
Was gut tut
«Eine gemeinsame Welle»
In grösseren Städten gibt es «Ballets» (wie bei uns
die Oper). Dort werden die Tänze, Gesänge und
Rhythmen nicht nach freien Abläufen wie im Dorf,
sondern in Form von geprobten Choreographien
aufgeführt.
Die Solotrommel gibt mit dem «Appell» den Start
und das Tempo des Grundrhythmus an. Dieser besteht aus mehreren verschiedenen Djembé- und
Basstrommel-Rhythmen. Dazu «erzählt» eine Solotrommel eine Geschichte.
Die Faszination der Djembé beruht auf dem intensiven Bassklang. Dieser wird durch die Bauform
– ein Kessel, der in ein Rohr mündet – verstärkt.
Die Djembé spielt man oft sitzend, während man
sie zwischen den Beinen einklemmt. Sie kann aber
auch stehend gespielt werden, indem man sie mit
Gurten trägt. Mit
verschiedenen An«Das Brüggli-Team
schlagarten werden
unter anderem die
So wie zum Beispiel
zeigt grosses Interesse
drei Hauptklänge
bei uns an Erntedankam Trommeln.»
Bass, Ton und Slap
festen musiziert und
erzeugt. Mit einer
getanzt wird, werden
in Westafrika die Djembés, andere Instrumente, guten Schlagtechnik kann der Trommler die KlangTanz und Gesang auch bei Ritualen eingesetzt. unterschiede erheblich verbessern.
Beispielsweise werden auf Hochzeiten, vor dem
jährlichen Fischen im Dorfweiher oder beim Eintritt ins Erwachsenenleben spezielle Rhythmen
gespielt.
Das Trommeln verbindet Menschen. Wenn mehrere Leute in einer Gruppe spielen, erzeugt das Zusammenspiel eine Art gemeinsame Welle. Wenn
jemand aus dem Takt fällt, schwingt die Welle
trotzdem weiter und die Musik bricht nicht ab.
Seit einem halben Jahr unterrichte ich bei Brüggli
Interessierte auf der Djembé, einer westafrikanischen Handtrommel. Im Konservatorium absolvierte ich eine klassische Schlagzeuger-Ausbildung
und spiele heute in der Band «Aion Quintett» aus
St.Gallen (orientalisch-jazzige Musik) verschiedene Perkussionsinstrumente. Bei Stephan Rigert
besuchte ich vor dem genannten Musikstudium
meinen ersten Unterricht auf der Djembé. Er war
es auch, der mir – nach seinem Kulturaustausch in
Senegal – von dort die erste Djembé mitbrachte.
Seit 1992 unterrichte ich in meinem eigenen djembeplus Musikstudio in
St.Gallen-Bruggen.
Ich freue mich jeden Dienstag, nach Romanshorn
zu kommen. Das Team zeigt grosses Interesse am
Trommeln, was für mich sehr befriedigend ist. Der
auffallend positive Umgang, den man im Brüggli
pflegt, freut mich ganz besonders.
Markus Brechbühl, Kursleiter
Perkussionist und Schlagzeuger aus St.Gallen
www.aionquintett.com
www.djembeplus.ch
«Unbeschreiblich»
«Ich liebe es»
«Voll fokussiert»
Meine erste Djembétrommel-Session erlebte ich
im Kaderseminar unter der Mitwirkung von über
hundert Leuten. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, mit so vielen Menschen den Takt zu schlagen.
Ich freue mich immer wieder, als Ausgleich zur Arbeit, am Dienstagmittag in die Trommel-Stunden
zu gehen. Schon bei den ersten Takten vergisst
man alles, was vor ein paar Minuten noch an Gedanken aktuell war.
Für mich zählen beim Djembé-Trommeln zwei Ebenen: Wenn man für sich alleine trommelt, ist man
in seiner eigenen Welt und spielt Rhythmen, die
der momentanen inneren Verfassung entsprechen.
Die eigene Stimmung wird in diesem Moment hörbar.
In unserer Gruppe passt von der Chemie her einfach alles. Es ist ein schönes Erlebnis, wenn acht
Leute aufeinander konzentriert sind. Was mir dabei besonders auffällt, ist die Körperhaltung, die
sich im Verlaufe der Session verändert, sich immer
mehr und mehr aufrichtet. Ich bin dann mit meinem Kopf während einer halben Stunde voll auf
den Rhythmus fokussiert und kann von der Arbeit
loslassen. Es ist eine sehr gute Konzentrationsschulung, denn niemand möchte mit dem Takt
aus der Reihe tanzen. Nach einer Session merke
ich jeweils, wie der Brustbereich energetisch geöffnet ist. Dieses Empfinden wirkt sich auf meine
geistige Fitness aus und ist sehr vitalisierend. Ich
könnte mir vorstellen, dass die Bewohner und die
Mitarbeiter von Brüggli an einem solchen Gemeinschaftserlebnis auch ihre Freude finden würden.
Ich hoffe, dass dieses Angebot noch lange Bestandteil von Brüggli sein wird.
Das Trommeln hat viel mit dem Abstimmen der
rechten und der linken Gehirnhälfte zu tun. Für
mich wird es real spürbar, wenn sich die beiden
Hälften ausgleichen. Ich bekomme dann das Gefühl, dass ich mit Energie aufgeladen werde. In
solchen Situationen fühle ich mich richtig frei. Ich
habe mir schon überlegt, wie ich die Erfahrungen
weitergeben könnte. Wenn sich die Djembé-Idee
weiterentwickelt, könnte ich mir vorstellen, dass
auch Lernende und Bewohner von Brüggli davon
profitieren können. Ich bin überzeugt, dass das
Trommeln auf bestimmte Krankheitsbilder, welche
die Konzentration einschränken, einen positiven
Einfluss haben, aber auch für die Teambildung
förderlich ist.
In einem Gruppenkontext ist es ein ganz anderes
Erlebnis. Man bastelt an einem Produkt, das hoch
energetisch ist und eine hohe Dynamik entwickelt.
Das Spannende daran ist, dass das Trommeln
zu einem kollektiven Ereignis wird und die Teilnehmer auf derselben Schwingung miteinander
funktionieren. Solche Erfahrungen haben etwas
ganz Befreiendes an sich und können unheimlich
euphorisierend und harmonisierend sein. Ich liebe
es, über den Mittag mit meinen Arbeitskollegen in
einer entspannten Umgebung zusammenzusitzen
und die rasierten Ziegenfelle zu beklopfen.
Paul Mattle
Gudrun Knab-Topka
Leiter Agogik, Printagentur
Bereichsleiterin Wohnen
Marie-Louise Bienz
Teamleiterin Textil
Afrika in Fakten
• Küstenlänge: 30 490 km (zwei Drittel des
Erdumfanges beim Äquator gemessen)
• Anzahl Staaten mit anerkanntem Status:
derzeit 54
• Grösstes Land: Algerien, 2 381 741 km2 (fast
sieben Mal so gross wie Deutschland)
• Kleinstes Land: Seychellen, 455 km2
• Die grössten Teile Zentral- und Westafrikas
sind tropischer Regenwald.
• Der Nil gilt mit 6671 km Länge als längster
Fluss der Welt.
• Südafrika hat die höchste HIV/AIDS-Rate der
Welt (5,3 Mio. Menschen).
• Angola hat die weltweit höchste Kindersterblichkeit (195,5 Todesfälle pro 1000 Lebendgeburten).
42 | unterwegs 0512
• Niger, Mali und Uganda
haben die höchste Geburtenrate der Welt.
• Pro Tag sterben
3000 Kinder an Malaria.
• Drei der weltweit grössten Goldproduzenten
haben ihren Standort in Afrika.
• 18 Afrikaner haben einen Nobelpreis erhalten.
• Bevölkerungszahl: 1,05 Milliarden
• Total 2000 eigenständige afrikanische Sprachen;
davon grössere Sprachen: 50 (werden von über 1 Mio.
Menschen gesprochen)
• Wichtigste Sprachen: Swahili, Igbo, Hausa und Fluful
• Vielerorts werden die ehemaligen europäischen
Kolonialsprachen gesprochen.
Aussensicht
Aussensicht
Ein Herz für die Jugend
Jonathan Trüeb hat bei Brüggli seine Ausbildung zum
systemischen Arbeitsagogen abgeschlossen. Er leitet den
Jugentreff in Müllheim und er hat eine klare Botschaft:
«Die Eltern sollen sich mehr Zeit für ihre Kinder nehmen.»
Schwarz und Weiss sind die Farben, die Jonathans Wohnstube prägen. Diverse Gitarren an
den Wänden runden das Ambiente ab. Hier ist
der Rock'n'Roll zu Hause. Sein Leben dreht sich
um die Musik und Jugendarbeit; mit seiner Band
«Little Rock» spielt er den Soundtrack dazu. Auch
der Gründung einer Familie steht nichts mehr im
Wege. Der angehende Vater spricht Klartext: «Eltern müssen ihren Kindern mehr Aufmerksamkeit
schenken.»
Selbständigkeit fördern
Dieser Haltung wird sich nicht nur Jonathan
Trüebs zukünftige Familie erfreuen, sondern
kommt auch seiner agogischen Tätigkeit im Jugendtreff in Müllheim zugute. «Ich wollte eine erwachsenenfreie Zone für Jugendliche schaffen, in
der ihre Anliegen ernst genommen werden», sagt
er. Er will den jungen Menschen eine Plattform geben, wo sie sich an der Gestaltung und Umsetzung
von Projekten aktiv beteiligen und sich über die
Teamarbeit verwirklichen.
44 | unterwegs 0512
Die Besucher des Jugendtreffs sind zwischen zehn durch alle Klassenzimmer, wo er sich und seine
und achtzehn Jahren alt und stammen aus allen Projekte vorstellte. «Wenn ich dies nicht gemacht
sozialen Schichten. Wenn Probleme auftauchen, hätte, wären vermutlich nicht so viele Leute an
ist er zur Stelle. Jugendtreffs werden allzu oft in die Eröffnung gekommen», sagt er. An der Konzidie asoziale Ecke gedrängt und als Ort für poten- pierung der «Kick Off»-Party waren vier bis sechs
Leute beteiligt.
zielle oder angehende
Drögeler gesehen, die
«Das exzessive
Jonathan Trüeb lobt das
dort ihre Laufbahn beEngagement der jungen
ginnen. Genau das GeAuftreten der Jungen
Leute: «Ihr Einsatz war
genteil sieht Jonathan
spricht Bände.»
gross, es wurden viele
Trüeb in seiner Arbeit.
Stunden investiert», und
«Ich möchte verhindern,
dass die jungen Leute sinnlos in einer Ecke rum- er erwähnt, dass man ihnen die Freude förmlich
hängen, und ihnen einen Raum geben, wo sie sich ansah, als sie ihren Freunden mit Stolz über ihre
entfalten können und ihre Anliegen gefördert wer- Tätigkeit als DJ erzählten. Ebenfalls erfreut hat
ihn die Teilnahme zweier junger Frauen, die
den.»
aktuell im ersten Lehrjahr als Kleinkinderzieherinnen sind.
Die Eröffnungsparty
Um solche Vorurteile abzubauen und Werbung in
eigener Sache zu machen, veranstaltete Jonathan Eine Vision für die Arbeitsagogik
Trüeb im Vorfeld der Eröffnungsparty «Kick Off» im Jonathan Trüeb hat bei Brüggli den Beruf des
Oberstufenzentrum kurzerhand eine Promo-Tour Arbeitsagogen erlernt, und er hat eine Vision; er
wünscht sich für die Zukunft, dass vermehrt Arbeitsagogen in der freien Wirtschaft eingesetzt
werden. Das würde bedeuten, dass Leute mit einem Handicap im praktischen Berufsalltag an Ort
begleitet werden. Der Agoge würde dann die Rolle
eines Vorarbeiters übernehmen und so gäbe es gegenseitig keine Diskriminierungen. So könne man
individuell auf Schwierigkeiten eingehen und die
Vorgesetzten entlasten.
Jonathan Trüeb ist am Puls der Jugendbewegung.
Er stellt fest, dass immer mehr Leute auf Institutionen wie Brüggli angewiesen sind, und sieht
Brüggli für viele als eine Art Auffangbecken, weil
sie in der freien Wirtschaft keine Jobs bekommen.
«Das exzessive Auftreten der Jungen am Wochenende spricht Bände», sagt er, «deshalb muss in der
Gesellschaft dringend ein Umdenken stattfinden.»
Jugend und Rebellion
Die Schlagzeilen in den Medien sagen alles. «Die
Jugendlichen wollen wahrgenommen werden und
Ein entscheidendes Jahr
Jonathan Trüeb hat ein spannendes Jahr vor sich,
denn er möchte der Gemeinde zeigen, dass der
Treff nötig ist. «Es darf nicht sein, dass die Leute
im Oberstufenzentrum rumhängen müssen», sagt
er, «ich möchte den
Jungen das Gefühl ververhindern,
mitteln, dass jemand für
sie
da ist.» Er stellt jetzt
dass die jungen
schon fest, wie froh und
Unsere
Gesellschaft
Leute rumhängen.»
dankbar sie dafür sind,
scheint sich über den
wenn sie von einer erBeruf und materielle Interessen zu definieren. Genau dort sieht Jonathan wachsenen Person ernst genommen werden. JoTrüeb das Hauptproblem in der Erziehung: die Pri- nathan Trüeb ist sich auch bewusst, dass das Ganorität des Geldes. Jede Familie wolle sich einen ze in einer Enttäuschung enden könnte. «In diesem
gewissen Standard leisten und habe zu hohe Sinn möchte ich Beziehungsarbeit leisten.»
Ansprüche. Die Kinder würden vollends auf der
Strecke bleiben. «Kinder brauchen die Aufmerk» Daniel Köppel
samkeit und die Anerkennung ihrer Eltern», sagt
Mitarbeiter Unternehmenskommunikation
er und nennt die Ablenkungen durch die Medien,
die Handys und die Computerspiele als Blockade
Bild: Fotostudio Bühler
für selbständige, eigenständige Beschäftigungen.
ich denke, dass es ihnen nicht darum geht negativ
aufzufallen», meint er. Jonathan Trüeb gibt die
Situation auf dem Arbeitsmarkt zu denken und
er führt das Verhalten auf die Aussichtslosigkeit
zurück. Er findet es fatal, was von den Jugendlichen in der heutigen Zeit
verlangt wird. «Der Leis«Ich möchte
tungsdruck ist enorm.»
unterwegs 0512 | 45
Brückenschlag
Rätsel
Wer findet die fünf Unterschiede?
Unser Partner: Joya Schuhe
Verlosung unter allen richtigen
Einsendungen:
Auf dieser Seite kommt jeweils ein Geschäftspartner von Brüggli zu Wort.
Dieses Mal Claudio Minder, der die Wohlfühlschuhe der Marke Joya vertritt.
Welches sind die besonderen Herausforderungen in Ihrer Tätigkeit?
Wir möchten mit unserer weichen Komfortsohle unsere Kunden glücklich machen und ihnen
einen Mehrwert bieten. Weil wir mehr als «nur»
ein Schuh sind, arbeiten wir laufend an neuen
Technologien und binden auch Resultate von
Studien und Feedbacks von Ärzten ein. Zudem wollen wir ein ansprechendes Design
bieten. Dies alles unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach.
Was machen Sie
besser als die Konkurrenz?
Im Vergleich zu unseren Konkurrenten führen wir verschiedene
Sohlentechnologien. Als Beispiel die etwas
abgerundeten Senso-Sohle. Sie ist im Vorfussbereich sehr weich und bietet etwas
mehr Platz für die Zehen. Weiter hat
sich die flache Air3-Sohle gerade im
Sneakers-Bereich etabliert, weil
sie das gesunde Gehen fördert
und eine hohe Stabilität bietet.
Das Beste ist, wenn unsere
Kunden diverse verschiedene Schuhe anprobieren und
sich dann für den Schuh entscheiden können, der ihnen
am meisten zusagt. Schliesslich sollen sie Freude am neuen Schuh haben.
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit
Pier 58?
Die Zusammenarbeit mit Pier 58 ist angenehm und
geprägt von einem innovativen Denken. Es fällt
uns auf, dass Pier 58 kein konventioneller Schuhfachhändler ist, und dies führt dazu, dass wir gerne einmal eine ausserordentliche Idee mit ihnen
umsetzen.
Hinter Pier 58 steht das Sozialunternehmen
Brüggli. Wie wichtig finden Sie solche Institutionen?
Die Arbeit, die Brüggli für unsere Gesellschaft
leistet, ist sehr wertvoll. Wir wollen dies mit unseren Mitteln unterstützen und sehen in dieser Arbeit eine nachhaltige Gestaltung unserer Zukunft.
Würde es eine solche Institution wie Brüggli nicht
geben, dann müsste man sie glatt erfinden.
Ein Brüggli-Grundsatz lautet: Wir behandeln
andere so, wie wir selbst behandelt werden wollen. Wie sehen Sie das?
Dieser Grundsatz entspricht unserem Credo der
christlichen Nächstenliebe. Wir versuchen uns
täglich danach auszurichten und unsere Zusammenarbeit im Team, mit Partnern und unseren
Kunden so zu leben.
AL
n
i
g
Or i
Wollen Sie unseren Lesern noch
etwas sagen?
Unser Unternehmensslogan heisst
«Joya beflügelt». Dieses besondere
Geh-Gefühl kann man schlecht erklären,
es sollte eher ausprobiert werden. Somit lade ich Sie ein, im Pier 58 vorbei
zu schauen und den weichsten Schuh
der Welt selber zu probieren. Wir freuen uns auf Sie.
Zweimal dasselbe Bild – mit fünf kleinen Unterschieden. Wer findet alle? Kreisen Sie die entsprechenden Stellen ein und senden Sie den Talon
vollständig ausgefüllt per interner Post an:
• Michael Haller, «unterwegs», Unternehmens kommunikation (KO).
Wenn Sie nicht im Brüggli tätig sind, senden Sie
Ihren Talon in einem frankierten Kuvert an:
www.joyaschuhe.ch
• Brüggli, Rätsel «unterwegs», Hofstrasse 3+5,
8590 Romanshorn.
» Notiert: Michael Haller
Leiter Unternehmenskommunikation
Vorname
.. Schung
FAL
Name
Gewinner der Verlosung
im letzten «unterwegs»:
Strasse / Nr.
PLZ / Ort
• Bettina Koller, Bürocenter
• Anita Sommerhalder, Privatperson
• Barbara Pfyl, Lingerie Usblick
Telefon
Claudio Minder, rechts, (32)
mit Karl Müller (27): die
beiden Jungunternehmer,
die hinter dem Joya
Komfortschuh stehen.
46 | unterwegs 0512
Einsendeschluss: 30. September 2012
Die GewinnerInnen werden im Oktober 2012
persönlich benachrichtigt.
Brüggli-MitarbeiterIn

Bitte stellen Sie unseren Lesern die Joya
Schuhe kurz vor.
Joya ist der weichste Schuh der Welt, der einen
nie dagewesenen Komfort und eine aussergewöhnliche Bequemlichkeit bietet. Das kleine Joya
Team, dessen Hauptsitz im malerischen Roggwil
(TG) liegt, hat sich zum Ziel gesetzt, Schuhe herzustellen, die nicht nur die Füsse verwöhnen, sondern auch ausserordentlich gelenksschonend sind
und die bei jedem Schritt die Rückenmuskulatur
entspannen.
3 x 1 RekaCheck
à CHF 30.–
 ja
 nein
Herzlichen Glückwunsch.
Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Keine Barauszahlung des Gewinnes.
unterwegs 0512 | 47
Impressionen
Vom Tau geküsst
Zuerst berührt der Tau die Blüte, den Stengel oder das Spinnennetz.
Und dann berührt er uns: in Form von Bildern, die Andrea Gomringer,
lernende Fotofachfrau im 2. Lehrjahr, aufgenommen hat.
unterwegs 0512 | 49
Auch das noch
Auch das noch
Keine Angst vor der Angst
Verrückt, was wir alles fürchten sollen: die Wirtschaftskrise,
den Weltuntergang, den Widersinn da und dort. Ein bisschen
kritische Distanz tut gut.
25 000 Jahre früher: Eine Gruppe unserer Vorfahren rennt los, weil einer gebrüllt hat: «Achtung, ein
Säbelzahntiger!» Ob's wirklich ein Säbelzahntiger
war oder eher ein zahmeres Urtier, das zählte im
Moment nicht. Hauptsache weg, Hauptsache in
Sicherheit. Die schnelle Flucht konnte über Fortbestehen oder Sterben entscheiden. Undenkbar,
dass da einer stehen geblieben wäre: «Wartet mal,
ist das wirklich ein Säbelzahntiger? Es sieht doch
eher wie eine zahmere Katze aus. Ich mach mir
den Stress einer Flucht erst, wenn ich Bescheid
weiss.» Das wäre nicht gesund gewesen. Lieber
einmal zuviel losgerannt – und im Nachhinein darüber nachgedacht.
Wir haben es in uns
Das ist in uns programmiert. Der Herdentrieb ist
entscheidend für unser Fortbestehen. Die Angst
schützt uns vor Torheit, sie schärft unsere Sinne,
macht uns überlebensfähig. Sie macht uns aber
auch beinfluss- und kontrollierbar. Die Angst ver-
50 | unterwegs 0512
15 Dollar pro Barrel. Mit dem Krieg stieg er auf 42
Dollar. Der daraus resultierende Zusatzverdienst
von 60 Milliarden Dollar wurde je zur Hälfte unter
den befreundeten arabischen Regierungen und
den multinationalen
Erdölkonzernen aufgeAus der Angst lässt
Nicht alles, was wir
teilt. Ist es noch einer
sich wunderbar Kapital
Erwähnung nötig, dass
schlagen. Nur dank der
fürchten sollen, ist
diese Konzerne in den
Angst ihres Volkes hawirklich eine Gefahr.
Händen von Leuten
ben Kriegstreiber wie
sind, die auf Regiedie USA oder England
dem Terrorismus den Kampf ansagen können – rungsebene den Krieg geschürt haben? Wenn das
ein willkommener Vorwand, um die eigene Angst Blut fliesst, rollt der Dollar – des einen Elend, des
vor dem Kontrollverlust über die schwindenden anderen Profit.
Ölressourcen zu kaschieren und gleichzeitig die
Darf's noch ein bisschen mehr sein?
Rüstungsindustrie anzukurbeln.
2012 sollen wir uns besonders fürchten. Die Welt
Im ersten Golfkrieg, 1991, haben die USA gemäss droht unterzugehen. Als wäre das nicht genug,
einer Studie des Polytechnikums Mailand einen geht’s auch noch der Wirtschaft schlecht (ging
Zusatzverdienst von 60 Milliarden Dollar generiert. es ihr eigentlich auch mal gut? Versuchen Sie mal
Vor dem Golfkrieg lag der Erdölpreis bei ungefähr im Zeitraum der letzten 30 Jahre einen positiven
zerrt das eigene Urteilsvermögen zugunsten der
kollektiven Hysterie. Und die notorische Anpassung an die Gruppe führt dazu, dass wir systematisch unsere Instinkte (Bauchgefühl) verdrängen.
Bericht über die allgemeine Wirtschaftslage zu Und Teile unserer Gesellschaft verstehen es gut,
finden). Wir leben in einem permanenten Angst- den Karren immer noch ein bisschen näher an den
zustand, der uns lähmt. Angst vor Jobverlust (weil Abgrund zu schieben. Trotzdem – oder gerade desder Euro und der Dollar wanken), Angst vor der wegen – sollten wir uns nicht aufscheuchen lassen, sondern kritisch
Gefahr aus dem All
sein, die Autoritäten
(weil die Sterne Ende
Es lohnt sich immer,
in Frage stellen und
Jahr in einer speziellen
uns immer eine eigene
Konstellation stehen),
sich ein eigenes Bild
Meinung leisten.
Angst vor neuen Bomzu machen.
benattentaten (weil
Erkenntnis 1: Nur weil
der Geheimdienst wieder entsprechende Infos veröffentlicht hat). Ist es viele dasselbe tun, muss es noch lange nicht das
möglicherweise so, dass ganz viele Leute gar nicht Richtige sein.
interessiert sind daran, dass wir keine Angst haben – also frei, mutig, erfinderisch sind? Weil wir Erkenntnis 2: Schauen wir genau hin, wenn uns
dann nicht so leicht zu steuern und beeinflussen jemand vor bösen Monstern warnt. Es könnte sein,
dass es sich nur um einen falschen Hasen handelt.
wären?
Ein eigenes Bild machen
Keine Frage, wir leben in einer gefährlichen Welt,
die ihren letzten Rest von Würde zu verlieren droht.
Buchtipp
mha. Dieser Bericht ist inspiriert von Rolf Dobellis sehr unterhaltsamem und zugleich seriösem Buch «Die Kunst des klaren Denkens – 52
Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen»
(erschienen bei Hanser Literaturverlage). Rolf
Dobelli ermöglicht einen erfrischenden Perspektivenwechsel, entlarvt die tückischsten
Denkfehler und legt dar, warum wir Theorien
nachhängen, selbst wenn sie nachweislich
falsch sind.
» Michael Haller
Redaktor «unterwegs»
unterwegs 0512 | 51
An dieser Stelle lernen Sie jeweils zwei Brüggli-Leute etwas
näher kennen. Diesmal Alexandra Schnüriger (links), Fachangestellte Logistik, und Karin Allenbach, Teamleiterin Bürocenter.
Nachgefragt
Ohne Morgenroutine geht gar nichts
Morgenrituale oder andere Gewohnheiten sind oft der
Einstieg in einen erfüllten Tag. Wer pflegt welche Macken?
» Notiert/Bilder: Daniel Köppel
Mitarbeiter Unternehmenskommunikation
Brügglianer
10 Fragen an:
Alexandra Schnüriger
und Karin Allenbach
Ein Geruch, auf den Du sofort reagierst:
Alexandra: Kaffee und Zigaretten
Karin: Parfum
Eine Sportart, bei der Du gerne zusiehst:
Alexandra: Formel 1
Karin: American Football
Athena Moor
Systemische Arbeitsagogin, Logistik
Tarek Schüle
Mitarbeiter Technischer Dienst
Jim Moor
Mitarbeiter Technischer Dienst
Wenn der Wecker am Morgen losgeht, muss er
standardmässig dreimal klingeln. Vorher stehe
ich nicht auf. Zu den Pflichten am Morgen gehören
ausserdem mein Fruchtsaft und die Nachrichten im
Fernsehen.
Zum Aufwachen spielt mein Radiowecker Musik
von Radio DRS. Wichtig ist dabei, dass er auf die
volle Lautstärke gestellt ist, weil ich ihn sonst
nicht höre. Bevor ich das Haus verlasse, muss ich
sicher gehen, dass alle Lichter ausgeschaltet sind.
Wichtig ist mir am Morgen das Kaffeeritual. Ich
trinke innerhalb von zwanzig Minuten drei Tassen
Kaffee, die ich in aller Ruhe geniesse. Anschliessend bin ich darum bemüht, möglichst schnell das
Haus zu verlassen.
Hanspeter Schmid
Mitarbeiter Technischer Dienst
Heidi Zurbrügg
Lernende Büroassistentin EBA
Andrea Bättig
Fachangestellte Bürocenter
Nach dem Aufstehen und der Toilette brauche ich
6 dl Wasser, 3 dl Süssmost, einen Kaffee und ein
Joghurt. Das alles in dieser Reihenfolge. Dann lösche ich in der Stube das Licht, zünde eine Kerze
an und bete eine halbe Stunde.
Nachdem mich mein Handy-Wecker geweckt
hat, gehe ich eine Stunde mit dem Hund laufen.
Auf dem Rückweg jogge ich jeweils, weil mir das
Joggen Kraft und Energie im Alltag gibt. Beim
Duschen mache ich mir dann Gedanken, was ich
anziehen werde.
Den Morgen beginne ich mit Yoga-Übungen. Nach
dem Duschen klopfe ich alles, was mich belastet,
mit der Klopftechnik weg. Erlebnisse, die mich mit
Dankbarkeit erfüllen, tippe ich ebenfalls mittels
klopfen an. Übrigens, der Kaffee mit den Kapseln,
der auf George Clooney hinweist, darf dabei auch
nicht fehlen.
Paul Mattle
Bereichsleiter Agogik Printagentur
Thomas Fessler
Arbeitsagoge in Ausbildung, Bürocenter
Sandro Tondelli
Druckkaufmann und Sachbearbeiter Printagentur
Wenn ich am Morgen geduscht habe, ziehe ich
mich für zwanzig Minuten in mein Musikzimmer
zurück und spiele E-Bass. Einerseits sind es Improvisationen, andererseits Übungssequenzen, die ich
rauf und runter spiele. Dieses Ritual bringt mich in
eine positive und aktive Morgenstimmung.
Als erstes gibt es einen Kuss für meine Freundin,
und nach dem Aufstehen geniesse ich beim Frühstück Cornflakes. Den Kaffee nehme ich meistens
mit aufs WC. Natürlich darf Musik von der Stereoanlage und die Zeitung nicht fehlen.
Nachdem der Wecker losgegangen ist, beginnt für
mich die wichtigste Phase: Das ausgiebige Durchstrecken und Aufstehen ohne Hektik, damit ich in
Ruhe meine E-Mails checken kann. Dabei darf der
Sound von Radio 24 nicht fehlen.
52 | unterwegs 0512
Ein Gebäude oder Wahrzeichen, das Du gerne von
Deinem Schlafzimmerfenster aus sehen würdest:
Alexandra: Das Burj al Arab
Karin: Die Skyline von San Francisco
Wann warst Du zum letzten Mal
richtig glücklich?
Alexandra: Während der letzten Ferien an der
Wärme
Karin: Nach der Operation (keine
Schmerzen mehr)
Der Sänger, die Sängerin
oder die Band, die Du
momentan am häufigsten
hörst:
Alexandra: Pegasus
Karin: Bligg
Welchen Wunsch möchtest Du Dir
unbedingt erfüllen?
Alexandra: Ferien in der Karibik mit Karin
Karin: Dass Alex keine Schmerzen mehr hat und
den Flug in die Karibik übersteht
Wenn Du einen Tag die Welt regieren könntest,
was würdest Du dann ändern?
Alexandra: Gleiches Recht für alle (keine Unterdrückung)
Karin: Dass es allen Menschen auf der Welt gut geht
Wenn Du einen eigenen Fernsehsender hättest,
was würde darauf laufen?
Alexandra: Tiersendungen
Karin: Ganz viele Serien
Was ist das beste Gerücht, das Du über
Dich gehört hast?
Alexandra: Dass Karin und ich mehr als nur
Kolleginnen seien …
Karin: Dass Alex und ich mehr als nur Kolleginnen seien …
Beschreibe Dich in drei Worten:
Alexandra: Chaotisch, genau, Gehstock (Dr. House)
Karin: Exakt, ehrgeizig, aufgestellt
unterwegs 0512 | 53
Bürocenter
Dies & Das
Brüggli bewegt
Eine Firma in der Firma
Wissen Sie, was wir im Bürocenter machen? Können Sie mit dem Begriff
Praxisfirma etwas anfangen? Wollen Sie erfahren, wie wir uns auf unser zukünftiges Berufsleben vorbereiten? Wir stellen das Bürocenter etwas genauer vor.
Seit einem Jahr gibt es jetzt schon das Bürocenter. Vielfältiges Angebot
Das Bürocenter ist eine sehr grosse Abteilung im Alle Tätigkeiten in der Firma werden fiktiv durchgeBrüggli, das die Räumlichkeiten mit dem Bereich führt. Wir bieten hochwertige Produkte von BrügKommunikation/Grafik teilt. Im Bürocenter gibt es gli an, wie zum Beispiel den Leggero Max, Veldie drei Abteilungen
top Classic, Yobag,
Einkauf, Verkauf und
Leggero Vento und
«Wir alle ziehen am
Buchhaltung.
Das
verschiedenes ZubeBürocenter beinhaltet
hör. Wir bieten aber
selben Strick. Wir sind ein
auch die LAC Trading,
auch
Schokolade,
starkes Team.»
eine virtuelle FirEnergieriegel, Vitama, die mit anderen
mindrinks, selbstgePraxisfirmen innerhalb der Schweiz eng zusam- machten Schmuck, Elektrofahrräder, Faltfahrräder
menarbeitet. Die Zentrale aller in der Schweiz und vieles mehr an. Ausserdem unterstützen wir
registrierten Praxisfirmen ist die Helvartis in La andere Abteilungen im Brüggli, indem wir ihnen
Chaux-de-Fonds.
Arbeit abnehmen und diese für sie erledigen, falls
Katja Wohlwend arbeitet gerne im Bürocenter. Bild: Hanspeter Bühler
die jeweilige Abteilung grad sehr viel zu tun hat.
Natürlich fallen auch sonstige Arbeiten an, wie
Kopier- und Faxarbeiten, Kontrolllisten führen,
Briefe schreiben und Botengänge.
Das Bürocenter besteht aus einem zwanzigköpfigen, aufgeweckten, jungen Team. Wir können uns
auf zukünftige Stellen im kaufmännischen Bereich
vorbereiten, Erfahrungen sammeln und uns in den
relevanten Gebieten verbessern, wie zum Beispiel
in der Auftragsbearbeitung oder im Computerumgang.
Alle für einen, einer für alle
Ich arbeite in der Abteilung Verkauf als Büroassistentin im zweiten Lehrjahr. Mit mir in der Abteilung
arbeiten fünf Lernende, zwei Dauermitarbeiter und
ein Teamleiter. Die Aufgabe von uns Lernenden ist
es, den täglichen Kontakt zu unseren Kunden zu
pflegen, Bestellungen einzulesen und Kontrolllisten sorgfältig zu führen. Wir arbeiten im Team,
indem wir unsere Arbeiten gegenseitig korrigieren
und gemeinsam besprechen. Wenn wir an unserem noch geheimen Projekt sind, dann machen
wir Gruppenarbeiten. Wir Lernenden haben kein
fixes Telefonämtli, wie es in anderen Abteilungen
üblich ist, sondern sprechen uns gegenseitig ab.
So lernen wir selbständig zu werden, Kompromisse einzugehen, uns gegenseitig zu vertrauen
und Kritik besser anzunehmen. Das trägt zu einer
positiven Arbeitsgemeinschaft bei und stärkt den
Zusammenhalt. Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis zueinander und einen vertrauten
Umgang, was mir sehr gefällt und was ich für sehr
wichtig halte für ein gutes Arbeitsklima. Wir alle
ziehen am selben Strick, verfolgen alle dasselbe
Ziel, und das trägt schliesslich zu einem starken
Team bei.
Ich freue mich jeden Tag aufs Neue, arbeiten zu
gehen, habe Freude an meiner Ausbildung im
Brüggli und komme mit allen Mitarbeitenden sehr
gut klar, worüber ich echt froh bin. Das ist nicht
selbstverständlich und ist in der Arbeitswelt jede
Menge wert.
Katja Wohlwend, Lernende Büroassistentin
54 | unterwegs 0512
Auch 2012 unterstützt Brüggli die Mitarbeitenden bei diversen
Bewegungsaktionen – ob beim Schweizer Firmen- und Frauenlauf, beim Thurathlon oder bei «Bike to work».
«Bike to Work»
pju/mha. «Bike to work» ist eine landesweite Aktion für Unternehmen und deren Angestellte, die
sich etwas Gutes tun wollen. Die Aktion ist frei
von Zwängen und verbissenem Leistungsstreben. Alle können mitmachen. Ziel der Aktion ist,
dass alle Teilnehmenden im Juni an mindestens
der Hälfte ihrer Arbeitstage den Arbeitsweg mit
dem Velo oder kombiniert mit dem öffentlichen
Verkehr zurücklegen. Die Teilnehmenden organisieren sich idealerweise in Vierer-Teams und
ernennen einen Teamchef. Die Team-Mitglieder
können sich aus Leuten mit den unterschiedlichsten Arbeitswegen zusammensetzen. Pro Team
darf eine Person mitmachen, die den Arbeitsweg
zwar ohne Velo, aber dennoch mit eigener Muskelkraft zurücklegt – mit Inlineskates, Turnschuhen oder Walking-Stöcken. Alle Teilnehmenden
nehmen an mehreren Verlosungen teil. Zu gewinnen gibt‘s eine Wellnesswoche in Flims-Laax,
ein Fahrrad, eine Zugreise nach Berlin und vieles
mehr. Die Aktion dauert vom 1. bis 30. Juni 2012.
Weitere Informationen sowie Anmeldung:
Sonja Bütikofer, Technische Dienste
Schweizer Firmenlauf
Am Montag, 25. Juni 2012, starten die BrüggliMitarbeiter wieder als Leggero-Team am Firmenlauf in St.Gallen. Mit selbst designten T-Shirts
rennen, joggen oder walken die Brüggli-Teilnehmer über eine Distanz von sieben Kilometern
quer durch die Gallusstadt. Start- und Zielpunkt
ist das Olma-Gelände, wo der Firmenlauf gesellig
und gemütlich im Team ausklingt.
Frauenlauf
Frauenlauf in Bern: Am Sonntag, 10. Juni 2012
stehen wieder Mädchen und Frauen unterschiedlicher Alters- und Laufkategorien am Start: Ob
als vierjähriges Mädchen, als ehrgeizige Spitzensportlerin oder als fitte Lady mit 81 Jahren – für
Spannung und ausgelassene Stimmung ist alleweil gesorgt. In der ganzen Stadt feuern Kinder
mit ihren Vätern ihre Schwestern und Mütter an.
Weitere Informationen sowie Anmeldung:
Priska Sigrist, ASCOL
Thurathlon
Wer zu Land und zu Wasser gern unterwegs ist, der ist beim Thurathlon gut
aufgehoben: Am Sonntag, 10. Juni 2012
schwimmen, rennen, radeln und skaten die Teilnehmer von morgen
früh bis abends spät. Teilnehmen kann man als Einzelwettkämpfer, paarweise oder in
gemischten Fünferteams. Neu
dürfen auch Firmen teilnehmen.
Brüggli fördert und unterstützt seine Mitarbeiter bei
diesen Aktivitäten im Rahmen der eigenen Gesundheitsförderung «Brüggli
bewegt».
Am Schweizer Firmenlauf sind alle Teilnehmer
Gewinner – ob in der Kategorie der «Schnellsten», der «Motiviertesten» (= mit dem höchsten
Prozentanteil der Mitarbeiter) oder in der kreativen Kategorie der «Originellsten» mit den auffälligsten Outfits. Die wichtigste Botschaft jedoch
ist der Teamgedanke: Gemeinsam etwas unternehmen und sich mal abseits des Arbeitsalltags
kennen lernen.
Weitere Informationen sowie Anmeldung:
Sandra Bützberger, ASCOL
unterwegs 0512 | 55
Dies & Das
Dies & Das
Geschichten, die
das Leben schrieb
Knifflige Steuererklärungen
gku. Steuern zahlen möchte niemand, trotzdem
muss es jeder tun. Bevor man aber seine Steuern überhaupt zahlen kann, sollte man erstmal
lernen, wie man eine Steuererklärung ausfüllt.
Zu diesem Zweck erklärte sich Erich Messmer,
Steuerkommissär der Thurgauer Finanzbehörde
in Frauenfeld und Präsident der Brüggli-Betriebskommission, bereit, den Lernenden im BrüggliWohnen eine Einführung in die Steuermaterie zu
geben. 38 Teilnehmende waren dabei.
Schon bei den ersten Grundbegriffen wurde
manch einem klar, dass Steuern nicht viel mit
Freude und Spass zu tun haben. Doch die Bewohner registrierten, was es wirklich heisst, Teil einer Gemeinschaft – eines Staates – zu sein. Und
zwar nicht unter dem Aspekt «Was tut der Staat
für mich?», sondern vielmehr mit dem Gedanken
«Was kann ich für den Staat tun?»
Nach der ersten Einführung erhielt jeder Anwesende ein aktuelles Formular der Steuererklärung
2011, inklusive Handbuch mit Erklärungen von
Sonderfällen. Dazu wurde den Anwesenden ein
Infoblatt mit fiktiven Daten zu einem «Phantasiesteuerzahler» verteilt. Erich Messmer erteilte
jedem den Auftrag, in die Rolle des «Fritz Muster» zu schlüpfen und in diesem Sinn die Steuererklärung auszufüllen. Als Motivationsantrieb für
die Bewohner versprach Erich Messmer jedem
Anwesenden, der die Steuererklärung richtig
ausfüllt, eine Woche zusätzliche Ferien – was
für eine tolle Belohnung! Ungläubiges Staunen,
rote Backen, leuchtende Augen und aufgeregtes
Tuscheln waren die Reaktion darauf.
Brüggli auf DVD
Erich Messmer, Präsident der Brüggli-Betriebkommission, weihte die Bewohner in die Steuererklärung ein.
Und jetzt – Konzentration! Leider waren die Anforderungen zu hoch; keiner der Anwesenden konnte
die Formulare zur Zufriedenheit des Steuerkommissärs ausfüllen. Nichts wurde aus der Woche
Zusatzferien! Immerhin verdiente sich einer der
Bewohner eine mit feinster Schokolade gefüllte
Tasse als Anerkennung dafür, dass er sich mit
seinen Angaben einer «richtigen» Steuererklärung
angenähert hatte – bravo!
Bild: Fotostudio Bühler
auch schon während des zu besteuernden Jahres
beachtet und vorbereitet werden kann. Wertvolle
Tipps, welche die anfänglich grosse Hürde einfacher zu bewältigen lassen.
Und weil trockene Materie hungrig und durstig
macht, durften sich die Brüggli-Bewohner nach
getaner Arbeit mit Essen und Trinken stärken – ein
versöhnlicher Ausklang und Trost für Körper und
Seele nach harter, geistiger Arbeit.
Die anschliessenden Erklärungen von Erich Messmer zeigten, was beim direkten Ausfüllen, aber
Spitzenplatz für Usblick-Koch an der Intergastra
mha. Im Rahmen der Intergastra in Stuttgart, der
grössten Fachmesse für Hoteliers und Gastronomen in Europa, wurde der Wettbewerb «Meisterkoch des Jahres 2012» ausgetragen. Kurt Kühni,
Küchenchef der Gastronomie Usblick, nahm in
einer besonderen Konstellation daran teil: gemeinsam mit seinem Sohn Markus-Simon, der im
3. Lehrjahr als Koch ist. Unter rund 80 Bewerbern
schafften es die zwei in den Final der 10 Besten.
Und damit waren sie dazu eingeladen, ihr Können auf der Showbühne einer kritischen Jury zu
zeigen. Kurt und Markus-Simon Kühni hatten ein
56 | unterwegs 0512
mha. Christoph Harder geht nach 15 Jahren
neue Wege: Er hat eine Festanstellung als Koch
im freien Arbeitsmarkt erreicht. Seine Epilepsie
schränkt ihn nicht mehr ein; sogar die Autoprüfung hat er machen können. Und er schmiedet
weitere Pläne. Brüggli begleitete ihn zu einem
neuen Leben. Ab Juni 2012 ist seine Geschichte als Download auf www.brueggli.ch zu finden.
Das schön gestaltete Büchlein kann ausserdem
per Mail bestellt werden: mha@brueggli.ch
Dreigang-Menü für 12 Personen vorbereitet – und
dieses hat so begeistert, dass die beiden mit dem
4. Schlussrang honoriert wurden.
Die Gastronomie Usblick gehört zum Sozialunternehmen Brüggli. Mit rund 30 lernenden Köchen
und Servicekräften hat die Ausbildung junger Berufsleute hier einen besonderen Stellenwert. Der
Erfolg am Wettbewerb «Meisterkoch des Jahres
2012» ist speziell auch für sie eine Motivation und
Genugtuung: Sie lernen und arbeiten in einem professionellen Umfeld mit Qualität und Leidenschaft.
Mit zwei Restaurants, verschiedenen Seminarund Tagungsräumen für 10 bis 300 Personen
sowie der grössten Dachterrasse weit und breit
bietet die Gastronomie Usblick Vielfalt zu einem
fairen Preis/Leistungsverhältnis. Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag jeweils von 8 bis 18 Uhr und für
Gruppen ab 12 Personen auf Anmeldung auch am
Abend und am Wochenende.
mha. Sie wollen sich rasch ein Bild von Brüggli
machen und Brügglis Vielfalt in bewegten, gut
dokumentierten Bildern erleben? Dann ist der
Brüggli-Film das richtige für Sie. Mitarbeitende
von Brüggli, die Interesse an der DVD haben,
können diese via ihre Vorgesetzten im Bereich
Kommunikation anfordern. Interessierte von
auswärts, zum Beispiel Berufsberater oder Lehrkräfte, melden sich am besten
per Mail: michael.haller@
brueggli.ch oder per
Telefon 071 466 94 94.
www.pier58.ch
KV-Reform 2012
kst. Eine neue Bildungsverordnung (BIVO) und
ein neuer Bildungsplan für die kaufmännische
Grundbildung: Die Grundbildung Kaufmann/Kauffrau mit 11 973 Lehrverträgen ist im Jahr 2010
die am meisten gewählte Lehre in der Schweiz
gewesen. Nun steht die KV-Reform 2012 vor der
Türe, welche ab August 2012 umgesetzt wird.
Warum eine Reform? Das Reglement Kauffrau/
Kaufmann von 2003 brachte die letzte, sehr einschneidende Reform. Zur gleichen Zeit stellte das
schweizerische Berufsbildungsgesetz die berufliche Grundbildung auf ein neues Fundament.
Seither stellen Bildungsverordnungen und Bildungspläne die Grundlage der beruflichen Grundbildungen dar. Dies machte eine Anpassung an
das neue System nötig und somit bestand auch
die Gelegenheit die kaufmännische Grundbildung
zu modernisieren.
Die Änderungen in der schulischen und
betrieblichen Bildung
Alle Berufsschulfächer bleiben erhalten, neu
kommt das Fach Vertiefen und Vernetzen (V&V ist
das Nachfolgemodell der Ausbildungseinheiten)
hinzu. Dafür fällt der 4-wöchige Basiskurs am Anfang der Lehre weg. Die Leistungsziele wurden
vor allem an die aktuellen Anforderungen der Berufswelt angepasst. Schulorganisatorisch hingegen bringt die Bildungsverordnung 2012 grössere
Umwälzungen mit sich. Neu wird im Profil E und
M eine Promotion in den ersten drei Semestern
eingeführt. Die Berufsschule kann während den
ersten drei Semestern über einen allfälligen Profilwechsel entscheiden. Die Unterschiede der
Profile werden zukünftig nur noch in der schulischen Bildung bestehen. Das heisst, betrieblich
durchlaufen sowohl das B-, E- und M-Profil die
gleiche Ausbildung. Am Ende der Ausbildung
erhalten alle den Fähigkeitsausweis Kaufmann/
Kauffrau EFZ, ohne Profilbezeichnung.
pju. Pier 58 ist der Verkaufsladen von Brüggli und
obendrein ein engagierter Freizeitgestalter mit
vielen Ideen und nettem, unkompliziertem Service.
Kundinnen und Kunden erwartet auf 200 Quadratmetern ein ausgewogenes Sortiment mit:
•allen Produkten aus der Leggero-Familie
•d em grössten Angebot an FREITAG-Taschen in
der Ostschweiz
•d er unschlagbaren Auswahl an Joya-Schuhen
und vielem mehr.
unterwegs 0512 | 57
Dies & Das
Jubiläen
Danie
l Meis
slitze
r
Rolf Lieberherr
Jubilarinnen und Jubilare
Januar bis Juni 2012
Heidi Rast
25 Jahre Brüggli
www.leggero.com
mha. Der Verein Brüggli feiert 2012 sein 25-JahreJubiläum, besonders mit dem Tag der offenen Tür
am 9. September. Alle Interessierten sind schon
jetzt herzlich dazu eingeladen. Die Vorfreude
kommt auch in einem Jubiläums-Logo zum Tragen,
das zum Beispiel die Festbroschüre zieren wird.
Details ab Juli auf www.brueggli.ch
mha. Die spannende Leggero-Welt auf einen Klick:
Der neue Leggero-Onlineshop macht es leicht,
die Produkte anzuschauen und zu bestellen. So
beginnt der Fahrspass schon im Internet. LeggeroProdukte sind fürs Familienleben konzipiert: sicher,
kinderfreundlich, robust, funktional und mit unschlagbarem Preis-/Leistungsverhältnis.
20 Jahre
Cäsar Kurath
Katharina Keller
Rolf Lieberherr
Heidi Rast
Daniel Meisslitzer
Niklaus Hagenbüchle
58 | unterwegs 0512
Die Herstellerfirma verlangte 1700 Franken für
ein Ersatzteil; das war eindeutig zu teuer. Doch
auch dieses Problem liess sich mit Geduld aus
eigener Hand lösen.
Heute präsentiert sich das alte Stück in technisch
einwandfreiem Zustand. Mit wenig Geld und viel
Geduld hat sich das Team im Druckausrüsten selber zu helfen gewusst. Das Bild zeigt Mitarbeiter
Peter Eigenmann, der mit dem Tiegel virtuos umzugehen weiss.
Mitarbeiter Qualität & Service
28.2.2012
Herzlichen Glückwunsch
Der Bereich PR/Kommunikation/Grafik ist die
Drehscheibe für die Kommunikationsmassnahmen
von Brüggli und den dazugehörenden Firmen und
Marken – vom Jahresbericht über das Kundenmagazin «unterwegs» und Verpackungsdesign bis hin
zum Internet- oder Messe-Auftritt. Hier werden
verstärkt auch externe Kunden betreut – ein sehr
vielfältiges, spannendes Umfeld.
mha. Unsere Druckerei ist modern ausgerüstet. Um
so mehr hat zwischendrin auch etwas Nostalgie
Platz – in Form eines Heidelberg-Tiegels, mit dem
Drucksachen gerillt, perforiert, gestanzt und nummeriert werden können. Karsten Flemig, Teamleiter Druckausrüsten, hat die 1949 hergestellte
Maschine für 150 Franken im Internet ersteigert.
Beim Zusammenbauen halfen alle Lernenden tatkräftig mit. Das war eine grosse Herausforderung,
denn weder Baupläne noch Ersatzteile waren
verfügbar. Kurz vor dem grossen Abschluss zeigte sich, dass die Mechanik des Stapellifts fehlte.
Mitarbeiter Montage
1.1.2012
Mitarbeiterin Qualität & Service 6.5.2012
Mitarbeiter Logistik
11.5.2012
Pensionierung
mha. Brügglis Bereich PR/Kommunikation/Grafik
ermöglicht einem jungen Talent die Ausbildung zur
Grafikerin oder zum Grafiker EFZ. Der Lehrplatz ist
per Sommer 2012 zum ersten Mal zu vergeben.
Ein Tiegel in Ehren
1.4.2012
1.5.2012
10 Jahre
Neue Ausbildung:
Grafiker/In EFZ
Im Bereich PR/Kommunikation/Grafik sind Fachleute aus Design, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit tätig. Der oder die Lernende wird im Sommer willkommenes Mitglied eines sechsköpfigen
Teams sein und dabei von einem einzigartigen
Netzwerk profitieren. Durch die Zusammengehörigkeit mit der Printagentur, der Druckerei von
Brüggli, einem der grössten grafischen Ausbildner
in der Schweiz, sind spannende Einblicke und Praktika in berufsverwandten Bereichen garantiert.
Diese Vielfalt, die einmalig sein dürfte, ermöglicht
eine Ausbildung weit über den klassischen Lehrplan hinaus. Das dürfte auch für die Zukunft des
jungen Grafik-Talents auf dem Arbeitsmarkt von
Vorteil sein.
Mitarbeiter Montage
Mitarbeiterin Druckerei
Die Geschäftsleitung von Brüggli dankt allen Jubilarinnen und Jubilaren für
ihre Treue und ihren Einsatz. Alles Gute für die Zukunft.
Cäsa
Katharina
enbüchle
Niklaus Hag
r Kura
Keller
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