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"Bewahren, was gut war" - Adrienne Haan

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Mallorea Magazin 8/2011
"Bewahren, was
gut war"
Adrienne Haan setzt sich in ihrer Show in Son BauI6 mit dem
Berlin der 20er und 30er Jahre auseinander
Gefiihle mit Politik und
Geschichte vermischten.
Ich erziihle aber auch vom
Warschauer Getto, von
den kulturellen Bewegungen, als Menschen trotz
der Todesangst Musik
machten.
Sie gibt neben tiedern
von Edith Pla1
und Jacques
Prevert auch
Bert Brecht
und Kurt
Weill zum
Besten.
MM: Berlin hatte in der Wei-
Mallorea Magazin: Wie ist Ihr :
Programm "Die Straflen von :
Berlin" bei Ihrem Gastspiel in :
Son Bau16 aufgebaut?:
Adrienne Haan: 1m ersten Teil :
bringe ich Lieder von Bert :
Brecht und Kurt Weill, :
Friedrich Hollaender und :
anderen aus der Zeit der :
Weimarer Republik und :
danach. 1m zweiten Tell :
gibt es Songs der Israelin :
Chava Alberstein, Lieder 0
von Jacques BreI, der Piaf :
und Jacques Prevert.
:
anzukampfen, gleichgeschlechtliche Partner zu
haben.
MM: Sie pendeln zwischen
New York und Berlin. Gibt es
da Paral/elen?
Haan: Ja, im Sinne von
Kreativitiit schon. Beide
Stadte sind ein Melting
Pot, sind ungemein offene
Stiidte.
marer Zeit eine sehr lebendi: ge jiidische Kulturszene. Gibt
: es flir Sie Verbindungen zum
: heutigen New York?
Haan: Die New Yorker Juden sind Europiier gewesen. Sie sprechen viel
tiber
deutsch-jtidische
Beziehungen. Fiir sie ist
der Holocaust immer ein
Thema. Ich habe mich
. viel mit der Geschichte
: beschaftigt. In New York
0 habe ich in meinen Shows
viel jiidisches Publikum.
Das ist fiir manche wie
ein Heilungsprozess; die
Ressentiments
gehen
weg.
MM: In Ihren Lieder erziihlen
MM: Ihre Shows sind viel-
Sie Geschichten.
: Haan: Solange Menschen
MM: Was fasziniert Sie am : mir zuhoren, werde ich
Berlin der Zeit zwischen 1918 : ihnen Geschichten erziihund 1945?
0 len. Die Menschen haben
Haan: Berlin war und ist 0 seit jeher ihre personlifaszinierend. Hier gab es in : chen Geschichten in Form
Deutschland die erste: von Liedern aufgeschrieFrauenbewegung in den : ben.
20er Jahren: Die Manner 0
waren im Krieg gefallen, 0 MM: Sie erziihlen Ihrem Publinun wurde die "Frau zum : kurn aber auch Geschichte?
Mann". Darnals war das : Haan: Ja, ich denke dabei
undenkbar. Hier gab es die : vor allem an die WeimaRevolution der Homose- : rer Zeit, die Entstehung
xuellen, die versucht ha- : des Kabaretts, in der Menben, gegen das Denken der 0 schen nichts hatten auBer
Kirche und die "Siinde" ; der Musik, in der sich ihre
ZUR PERSON
. ADRIENNE HAAN
Die Kiinstlerln wurde 1978 als Luxemburgerin im Ruhrgebiet geboren. Nach dem Abitur in M6nchengladbach ging
sie nach New York. 1999 erhiell sie ihr Schauspiel- und
Musicaldiplom an der "Academy of Dramatic Arts" in Manhattan. Es 10lglen Forlbildungskurse im Bereich Liedinterpretation des Musik Theaters an der "Juillard School" in
Manhattan. Danach 10lgten Enga9,ements bei Europa-Tourneen in "Les Miserables", "Cats', "Evila"; im .Producer's
Club" in New York spielte sie Shakespeare. lnzwischen isl
Adrienne Haan als Solodarstellerin mit verschiedenen Programmen fOr .amerikanisches und europ~isches Publikum
unterwegs.
Am Samstag, 26. Februar, um 20 Uhr gasliert sie in der
Kulturtinca Son Baul6 in L10ret de Vistalegre mit "Die StraBen von Berlin". Der Eintrill kostet 15 Euro. Auf Wunsch ist
auch ein Abendessen um 18.30 Uhr m6glich. Anmeldungen
unter 971-524206 oder www.son-baulo.de
sprachig und tenlastig?
.
:
:
:
Haan: Nur Klange sind rnir
nicht genug. Ich bin gleichermaBen Schauspielerin und Musikerin. Meine
Shows sind theatralisch
aufgebaut; jeder Song ist
ein Mini-Musical. Es gibt
in jeder Show einen roten
Faden.
MM: Welche Komponisten,
: Songschreiber und Lyriker
sind flir Sie wichtig?
: Haan: Mich faszinieren
Kurt Weill und Bert
Brecht, ich mag ihren immer noch aktuellen Intellekt, wie sie Theater und
Musik sozialkritisch verbanden. Ich denke an
Jacques BreI, der unter
schwersten Depressionen
litt, der seine Leidenschaft fUr die Liebe in unfassbar schone Worte gefasst hat. Oder an Edith
Piaf, an ihr schreckliches
Leben und wie sie ihr Leben im wahrsten Sinne
"versoffen" hat und jung
starb.
0
o
MM: Was mi:ichten Sie bei Ih-
ren Programm vermitteln?
Haan: Ich mochte etwas
bewahren, was gut war.
Mit aller Radikalitat.
Die Fragen stellte
Gabriele Kunze
I
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Seele and Geist
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