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Die Deutsche Bibliotheksstatistik – Was sie gut kann und wo - hbz

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Die Deutsche Bibliotheksstatistik –
Was sie gut kann und wo sie noch besser werden kann
Oliver Döschner, HBZ-NRW Köln, doeschner@hbz-nrw.de
In: BuB Forum für Bibliothek und Information, Ausgabe 9/2004
Fast jeder kennt sie, die meisten füttern sie, viele sprechen über sie, doch kaum jemand mag sie wirklich. Die Rede ist von der Deutschen Bibliotheksstatistik, DBS.
Zuletzt haben sich auch zwei Artikel in der BuB mit der DBS beschäftigt [1,2]. Dabei
wurde über die Aussagekraft der Daten diskutiert. Mit diesem Beitrag möchte sich die
DBS-Redaktion beim Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen
in Köln (HBZ-NRW) nun selbst zu Wort melden. Dabei geht es weniger um konkrete
Zahlen der letzten Umfrage. Vielmehr soll vermittelt werden, was die DBS charakterisiert, was sie kann und wohin sie sich entwickeln wird.
Die DBS im HBZ-NRW
Die Deutsche Bibliotheksstatistik ist sowohl technisch wie auch redaktionell eine große Herausforderung: Knapp 20.000 Bibliotheken in ganz Deutschland werden befragt
und die Antworten ausgewertet. Zudem muss die Arbeit mit den verschiedenen Verbänden und Vertretungen abgestimmt und koordiniert werden.
Die Planungen im HBZ zur Übernahme der DBS vom ehemaligen Deutschen Bibliotheksinstitut (eDBI) begannen schon im Jahr 2002, im Frühjahr/Sommer 2003 kam
es zur Umsetzung. Vom eDBI wurden nicht nur die gesamte Software, die Ende der
1990er von einer Berliner Firma geschrieben wurde, sondern auch die Hardware,
also der Rechner, auf dem die DBS läuft, sowie Dokumentationen und Altdatenbestände auf Computerbändern an das HBZ übergeben.
Nach einer intensiven Einarbeitung in die Programmierung der DBS, die in nahezu
unveränderter Form übernommen werden konnte, startete die Erfassung für das Berichtsjahr 2002 plangemäß am 1. Oktober 2003, die ersten Auswertungen standen im
Dezember 2003 zur Verfügung. Im Januar 2004 wurde bereits mit der Erfassung der
Daten für das Berichtsjahr 2003 begonnen, die endgültige Auswertung ist seit Juni
2004 abrufbar. Für die kommenden Berichtsjahre wird der Turnus Januar - April/Mai
aller Voraussicht nach beibehalten.
Die Technik
Den Besuchern der DBS-Webseite [3] bleibt meist verborgen, wie aufwändig die Erstellung der Statistik im Hintergrund eigentlich ist.
Die Programmierung der DBS umfasst mehr als 300 Dateien, welche über 2 MB
Speicherplatz beanspruchen, das sind gut 60.000 Zeilen Code in HTML- und PHPSkriptdateien. Und für jedes Berichtsjahr kommen noch einmal jeweils 2 MB hinzu.
Die Datenbank umfasst etwa 1 Million Einträge in 120 Tabellen (50 MB).
Im Berichtsjahr 2003 wurden 8 verschiedene Fragebögen mit insgesamt 826 Fragen
für die Bibliotheken bereitgestellt, darunter allein 524 Fragen für die Wissenschaftlichen Universal- und Hochschulbibliotheken.
BuB_DBS_komplett.doc
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BuB 9/2004
DO
20.08.2004
Die Auswertung der Fragebögen erfolgte bis jetzt ebenfalls noch nach dem Muster
des eDBI. Für das Berichtsjahr 2003 wurden ca. 170 HTML-Seiten (20 MB) aus der
Datenbank heraus erzeugt.
Leider hielt die vom eDBI übernommene Hardware nicht so lange wie erwartet, so
dass das HBZ bereits Ende 2003 einen neuen Rechner in Betrieb nehmen musste.
Für die Benutzer der DBS war dies ebenso wenig spürbar wie der Wechsel des Datenbanksystems Anfang 2004 (Übergang von Oracle zu MySQL).
Die Redaktion
Auf der redaktionellen Seite ergaben sich weitere Aufgaben.
So musste etwa für das Berichtsjahr 2002 der neue Fragebogen 03 für
Wissenschaftliche Universal- und Hochschulbibliotheken (WB) in das System
eingegeben werden: Die Zahl der Fragen stieg von 244 auf 524, die Fragebögen
03.1 und 03.2 wurden zu einem Gesamtfragebogen 03 zusammengefasst.
Seit Ende Mai 2004 liegt nun auch für die Öffentlichen Bibliotheken (ÖB) ein neuer
Fragebogen (Grundfragebogen 0102) vor. Seit Anfang Juli 2004 kann dieser in der
endgültigen Form von der DBS-Webseite heruntergeladen werden.
Die Überarbeitung der Fragebögen erfolgt natürlich nicht im Alleingang des HBZ. Für
die beiden Bereiche Öffentliche und Wissenschaftliche Bibliotheken wurden zwei
DBS-Steuerungsgruppen ÖB und WB ins Leben gerufen, welche bislang drei- bzw.
einmal getagt haben [8]. Der neue Fragebogen 0102 ist zum Beispiel ein Ergebnis
der konstruktiven Arbeit der Steuerungsgruppe ÖB.
Darüber hinaus ist das HBZ zum Thema DBS ein gerne gesehener Gast auf zahlreichen Tagungen und Konferenzen, so etwa auf dem Bibliothekskongress in Leipzig
oder den Tagungen der Fachstellen.
Die Daten der DBS
Immer wieder wird der DBS-Redaktion die Frage gestellt: „Wie viele Bibliotheken gibt
es eigentlich in Deutschland?“ Um es klar zu sagen: Die DBS kann diese Frage nicht
beantworten. Aber sollte sie es können? Das kommt darauf an. Von einer Bundestagswahl erwartet ja auch niemand, dass sie eine Volkszählung ersetzt. Denn genau
wie die Wahlbeteiligung variiert auch die Beteiligung an der DBS. Es gibt aber dennoch sehr viele wertvolle Informationen, die aus ihr herausgeholt werden können.
Die DBS umfasst aktuell einen Adressdatenbestand von knapp 19.000 Bibliotheken
in Deutschland, davon tragen etwa 9.700 den Status „aktiv“ (d.h. es wurden kürzlich
Daten eingegeben oder aktualisiert). Lediglich in 239 Fällen wurde das Merkmal „geschlossen/aufgelöst“ vergeben, meist von den zuständigen Fachstellen. Der Status
der übrigen Bibliotheken ist nicht bekannt. Trotzdem ist die DBS aber mit Sicherheit
der umfassendste Datenbestand dieser Art in Deutschland.
In der DBS werden zwischen 33 verschiedenen Bibliothekstypen unterschieden [4].
Diese lassen sich wiederum in 4 Hauptkategorien zusammenfassen. Einen Überblick
über die Verteilung dieser Kategorien in der DBS zeigt die folgende Tabelle (Stand:
12.07.2004).
BuB_DBS_komplett.doc
Seite 2 von 9
BuB 9/2004
Bibliothekstyp
Öffentliche Bibliothek
Wissenschaftliche Bibliothek
Wiss. Spezialbibliothek
Sonstige Einrichtung
DO
20.08.2004
Zahl der
Bibliotheken
11.797
4.134
2.559
148
Um die Aussagekraft der DBS einschätzen zu können, muss man sich mit der Teilnahmequote beschäftigen.
In der folgenden Tabelle befinden sich die Zahlen der ausgefüllten Fragebögen der
drei Hauptarten von Bibliotheken in den Berichtsjahren 2000 bis 2003: Öffentliche
Bibliotheken (Fragebogen 0102), Wissenschaftliche Bibliotheken (Fb. 03) und Wissenschaftliche Spezialbibliotheken (Fb. 04).
Bibliothekstyp
Öffentliche Bibliothek
Wissenschaftliche Bibliothek
Wiss. Spezialbibliothek
insgesamt
Zahl der
Bibliotheken
11021
340
2559
13921
Teilnahme im Berichtsjahr
2000
2001
2002
2003
80%
67%
76%
78%
80%
82%
70%
70%
28%
23%
10%
11%
71%
59%
64%
66%
(Die Unterschiede bei der „Zahl der Bibliotheken„ im Vergleich zu der vorangegangenen Tabelle ergeben sich daraus, dass nicht alle Bibliotheken den jeweiligen Fragebogen ausfüllen können, z.B. Institutsbibliotheken.)
Die Teilnahmequote bei den Öffentlichen Bibliotheken ist also relativ konstant, bei
den Wissenschaftlichen Bibliotheken leicht rückläufig. Allein bei den Spezialbibliotheken ist ein recht starker Schwund zu verzeichnen, allerdings war die Teilnahme dort
schon immer relativ niedrig (das bisherige Maximum von 35% wurde im Berichtsjahr
1998 erreicht).
„Die Statistik ist die erste der ungenauen Wissenschaften.“ Oder:
Wie repräsentativ sind die Daten der DBS?
Zwangsläufig kann die DBS nicht die Daten aller Bibliotheken in Deutschland erfassen, schließlich handelt es sich um eine freiwillige Umfrage. Allerdings ist die Frage
erlaubt, ob die erhobenen Daten nicht zumindest in gewisser Hinsicht repräsentativ
für die Gesamtheit sind. Dabei können verschiedene Kriterien zur Aufteilung der Bibliotheken herangezogen werden, zum Beispiel: Bibliothekstyp, Medienbestand, Unterhaltsträger, Bundesland, Einwohnerzahl (bzw. Größe der primären Nutzergruppe).
Im Folgenden wird der Fokus auf die Betrachtung der Öffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken gelegt. In den nächsten Tabellen sind die Kategorien, die jeweilige Zahl der Bibliotheken innerhalb dieser Kategorien, die Zahl der jeweils ausgefüllten Fragebögen sowie der entsprechende Anteil in Prozent (die Teilnahme- oder
Rücklaufquote) dargestellt.
Zunächst erfolgt eine Analyse der Ausfüllquote des Grundfragebogens 0102 für Öffentliche Bibliotheken für das Berichtsjahr 2003:
BuB_DBS_komplett.doc
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BuB 9/2004
Medienbestand ÖB
keine Angaben
bis 1.000
1.001 - 2.000
2.001 - 3.000
3.001 - 5.000
5.001 - 10.000
10.001 - 30.000
30.001 - 100.000
100.001 - 300.000
300.001 - 1.000.000
1.000.001 und mehr
DO
Zahl der
BJ 2003
Bibliotheken
36
10
1128
525
1916
1191
1774
1363
2051
1699
1805
1631
1579
1508
585
554
106
98
34
31
7
7
20.08.2004
Anteil
28%
47%
62%
77%
83%
90%
96%
95%
92%
91%
100%
Sehr gut ist hier die Relevanz der DBS für die Bibliotheken mit einem mittleren bis
großen Medienbestand zu erkennen (im Schnitt über 90%). Lediglich die kleinen Bibliotheken sind in der DBS nicht so gut vertreten.
Bibliothekstyp ÖB
ÖB, 2. Stufe
ÖB, 1. Stufe
ÖB, Elementarbibliothek
Kinder-, Jugendbibliothek
Gefängnisbibliothek
Truppenbibliothek
Blindenbibliothek
Werkbibliothek
Zahl der
BJ 2003
Bibliotheken
284
266
1617
1560
8936
6682
141
103
10
4
1
0
13
0
19
2
Anteil
94%
96%
75%
73%
40%
0%
0%
11%
Die o.g. Aussage wird durch die Analyse der Bibliothekstypen unterstützt. Die „großen“ Bibliotheken (1. und 2. Stufe, d.h. mit einem Medienbestand von mehr als
10.000 Einheiten und mit hauptamtlichem Personal) nehmen fast alle an der DBS
teil. Die „kleinen“ Elementarbibliotheken sind zumindest zu 75% vertreten, die übrigen Typen befinden sich noch im Aufbau.
Ein Blick auf die verschiedenen Unterhaltsträger relativiert dieses positive Bild ein
wenig:
BuB_DBS_komplett.doc
Seite 4 von 9
BuB 9/2004
DO
Unterhaltsträger ÖB
Bund
Land
Kreis
Gemeinde
Sonstige Gebietskörperschaft
Sonstige Öffentliche Trägerschaft
Körperschaft oder Stiftung des
öffentlichen Rechts
Körperschaft oder Stiftung des
privaten Rechts
Evangelische Kirche
Katholische Kirche
Sonstige Religionsgemeinschaft
Private Trägerschaft
20.08.2004
Zahl der
BJ 2003
Bibliotheken
1
0
17
5
83
73
4369
3664
169
139
428
380
12
10
Anteil
0%
29%
88%
84%
82%
89%
83%
69
34
49%
1053
4810
1
9
723
3586
1
2
69%
75%
100%
22%
Zwar sind auch hier die zahlenmäßig stärksten Gruppen gut vertreten, die (für Statistiker interessante) Quote von 90% wird allerdings nicht erreicht.
Betrachtet man die Bundesländer, so liegt die Teilnahmequote im Schnitt bei rund
80%, lässt man die beiden Ausreißer Berlin (11 von 36, das entspricht 31%) und
Hamburg (3 von 11, also 27%) einmal außer Acht.
Bei den Wissenschaftlichen Bibliotheken sieht es für das Berichtsjahr 2003 ähnlich
gut aus wie bei den Öffentlichen Bibliotheken. Hier die Teilnahmequoten bezogen auf
den Medienbestand für den Fragebogen 03:
Medienbestand WB
keine Angaben
3.001 - 5.000
5.001 - 10.000
10.001 - 30.000
30.001 - 100.000
100.001 - 300.000
300.001 - 1.000.000
1.000.001 und mehr
BJ 2003
Zahl der
Bibliotheken
4
0
2
0
7
1
33
14
99
68
83
53
40
36
72
65
Anteil
0%
0%
14%
42%
69%
64%
90%
90%
Genau wie bei den Öffentlichen sind also auch bei den Wissenschaftlichen Bibliotheken die großen Bibliotheken sehr gut bei der DBS vertreten. Die nachfolgende Aufstellung nach Bibliothekstypen verdeutlicht dies:
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BuB 9/2004
Bibliothekstyp WB
Nationalbibliothek
Zentrale Fachbibliothek
Regionalbibliothek
Universitätsbibliothek,
zentrale Versorgung
Universitätsbibliothek,
keine zentrale Versorgung
Hochschulbibliothek,
zentrale Versorgung
Hochschulbibliothek,
keine zentrale Versorgung
DO
20.08.2004
Zahl der
BJ 2003
Bibliotheken
5
3
3
2
39
27
53
49
Anteil
60%
67%
69%
92%
31
29
94%
151
91
60%
58
36
62%
Die Universitätsbibliotheken zählen somit (zusammen mit den großen Stadtbibliotheken) zu den wichtigsten Datenlieferanten der DBS. Eine Analyse der Teilnahme in
den Berichtsjahren 1997 bis 2003 zeigt zudem, dass hier eine sehr hohe Kontinuität
zu verzeichnen ist: Gut 75% aller Wissenschaftlichen Bibliotheken haben in mindestens 5 Jahren Daten abgegeben, mehr als die Hälfte sogar in allen 7 Jahren (für die
Öffentlichen Bibliotheken ergeben sich ganz ähnliche Werte).
Lediglich die Verteilung auf die Bundesländer zeigt Unterschiede, zum Teil auch bei
den größeren Bundesländern:
Bundesland WB
Baden-Württemberg
Bayern
Berlin
Brandenburg
Bremen
Hamburg
Hessen
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Saarland
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Schleswig-Holstein
Thüringen
Zahl der
BJ 2003
Bibliotheken
58
32
56
46
21
11
10
7
1
1
7
5
23
14
7
5
31
23
47
38
24
16
6
2
16
12
9
9
12
6
11
10
Anteil
55%
82%
52%
70%
100%
71%
61%
71%
74%
81%
67%
33%
75%
100%
50%
91%
Die aufgeführten Tabellen verdeutlichen, wie in sich schlüssig und verlässlich die
Daten der DBS sind. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die DBS also durchaus in
der Lage ist, repräsentative Daten zu Öffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland zu liefern.
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DO
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Auswertungen
Welche Auswertungen können auf der Basis der DBS erstellt werden?
Trotz aller Vielfalt kann die DBS nicht die Aussagen über absolute Zahlen machen,
die manchmal von ihr erwartet werden [1,2]. Ein kleines Beispiel aus dem schon erwähnten Bereich der Bundestagswahlen sollte helfen, diesen Umstand zu erläutern
[5]:
Bundestagswahlen in
Deutschland
Wahlberechtigte
Wählerinnen und Wähler
Wahlbeteiligung
1987
45.327.982
38.225.294
84,33%
1990
Steigerung von
1987 zu 1990
60.436.560
33,33%
46.995.915
22,94%
77,76%
Hier ist abzulesen, dass zwar sowohl die Zahl der Wahlberechtigten als auch die
Zahl der Wählerinnen und Wähler von 1987 auf 1990 stark gestiegen sind, jedoch
sank die Wahlbeteiligung um mehr als 6 Prozentpunkte.
Die Zahl der Bibliotheken, die Gesamtzahl aller Entleihungen, die Zahl der Besucher,
die Gesamthöhe aller laufenden Ausgaben – all dies kann wegen der relativ großen
Schwankungen der Teilnahmequoten nur sehr bedingt aus der DBS herausgeholt
werden. Vergleiche zwischen den absoluten Werten aus unterschiedlichen Berichtsjahren lassen keine schlüssigen Folgerungen zu.
Angaben in Form von Kennzahlen, wie Medienbestand pro Einwohner oder laufende
Kosten pro Einwohner, sind prinzipiell ebenso unzulässig, zumindest solange Gesamtzahlen aufeinander bezogen werden.
Dagegen ist die Bildung von Durchschnittswerten, bezogen auf eine angemessene
Grundgesamtheit, durchaus zulässig. So kann etwa die durchschnittliche Höhe der
Ausgaben je Bibliothek einer bestimmten Größenordnung berechnet und über die
Jahre hinweg verglichen werden. Dazu muss sichergestellt sein, dass die betrachteten Bibliotheken ausreichend repräsentativ sind (s.o.).
Möglich sind auch direkte Vergleiche zwischen zwei oder mehr Bibliotheken, soweit
diese in den jeweiligen Berichtsjahren die gleichen Fragebogenfelder ausgefüllt haben.
Das DBS-Indikatorenraster
„Wenn man den Kopf in der Sauna hat und die Füße im Kühlschrank, sprechen Statistiker von einer angenehmen mittleren Temperatur.“
Eine Anwendung dieses Ansatzes ist das so genannte „DBS-Indikatorenraster“, welches vom eDBI entwickelt worden ist [6].
Im DBS-Indikatorenraster werden die Bibliotheken zunächst in bestimmte Einwohnergrößenklassen eingeteilt (bis zu 10 Klassen, im BIX-ÖB sind es 5 [7]). Als Indikatoren werden die Kenngrößen aus den statistischen Daten der DBS-Fragebögen eingesetzt. Diese lassen sich in vier Kategorien unterteilen: Angebot, Nutzung, Personal, Finanzen. Beispiele für Indikatoren aus dem Bereich „Angebot“ sind etwa „Medien pro Einwohner“ oder „Erneuerungsquote“ (Anteil des Zugangs an der Gesamtzahl der Medien), im Bereich „Nutzung“ z.B. „Besucher pro Öffnungsstunde“.
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Diese Indikatoren werden nun innerhalb einer Größenklasse miteinander verglichen.
Jedoch erfolgt dieser Vergleich nicht mit den Methoden des Mittelwertes und der
Standardabweichung. Vielmehr werden so genannte Quartile und Zentile gebildet,
die Bedeutung ist diese: Das 50%-Quartil bezeichnet genau den Wert, der die (sortierte) Gesamtmenge in zwei gleich große Hälften teilt, die eine Hälfte liegt darüber,
die andere darunter. Ein Beispiel: Beträgt das 75%-Quartil für den Indikator „Medien
pro Einwohner“ 1,8, so bedeutet dies, dass drei Viertel aller Bibliotheken (dieser
Größenklasse) jeweils höchstens 1,8 M.p.E. besitzt, entsprechend verfügen 25% der
Bibliotheken über mindestens 1,8 M.p.E.
Auf diesem Weg wird unter anderem erreicht, dass sehr stark abweichende Werte
nicht so sehr in die Bewertung einfließen. Zudem ist es nicht notwendig, eine komplette Rangfolge der betrachteten Bibliotheken anzugeben. Zwar ist entfällt dadurch
das „best practice“, also die Nennung der Bibliothek mit dem besten Indikatorwert,
diese kann aber immer noch aus den veröffentlichten Gesamtdaten ermittelt werden.
Die Anonymität des Indikatorenrasters hat jedoch den Vorteil, dass eine nüchterne
Einordnung der jeweiligen Leistung in das Gesamtbild möglich ist.
Für die Öffentlichen Bibliotheken steht das DBS-Indikatorenraster bereits seit Anfang
2004 zur Verfügung (nach der Anmeldung in der Fragebogenliste). Die Indikatoren
entsprechen hier denen aus dem Modell des eDBI.
Für die Wissenschaftlichen Bibliotheken ist eine Umsetzung im Laufe des Jahres
2004 geplant, da die Bibliotheken daran ein sehr großes Interesse bekundet haben.
Für die Weiterentwicklung ist eine Zusammenarbeit mit Frau Prof. Dr. Fühles-Ubach,
Fachhochschule Köln, Fakultät für Informations- und Kommunikationswissenschaften, Institut für Informationswissenschaft, angestrebt.
Die DBS im Wandel
Natürlich ist noch eine Menge zu tun, damit die DBS allen Anforderungen genügt. So
können vor allem die „Auswertungen“ noch optimiert werden. Es handelt sich in der
aktuellen Form allein um eine Wiedergabe der Fragebogendaten, eine weitergehende Analyse ist derzeit noch nicht möglich.
Um die Zahl der teilnehmenden Bibliotheken und damit nicht zuletzt auch die Attraktivität der DBS insgesamt zu erhöhen, sind zahlreiche Schritte geplant: So sollen die
Adressdaten auf einen aktuellen Stand gebracht und mit anderen Verzeichnissen
abgeglichen werden (etwa ZDB, Staatsbibliothek Berlin, Deutsche Bibliotheken online etc.). Sämtliche Altdaten der DBS (Magnetbänder des eDBI von 1983 bis 1996)
sollen in das bestehende System eingepflegt und analysiert werden. Sicher ist auch
ein moderner Umbau der DBS-Webseite notwendig, tagesaktuelle Auswertungen
sollen das Angebot bereichern.
Die Qualität der Daten in der DBS ist von größter Bedeutung. Dazu sollen neue Online-Formulare die Eingabe der Fragebogendaten erleichtern. Plausibilitätsprüfungen
sollen bereits bei der Eingabe dazu führen, dass Fehler vermieden werden (etwa
durch Prüfung von Wertebereichen oder Vergleichen mit den Vorjahreswerten).
Veränderungen in den Fragebögen zwischen einzelnen Berichtsjahren erschweren
die Analyse mittels Jahresreihen. Durch einen Umbau der Datenbankstruktur soll
dieses Problem überwunden werden. Ebenso muss der Währungswechsel von DM
zu Euro in den älteren Daten nachvollzogen werden.
Nach diesen Vorbereitungen wird es spätestens im Jahr 2005 ein neues Auswertungstool auf der DBS-Webseite geben, mit dem dynamische Analysen einfach und
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effektiv ausgeführt werden können. Eine mehrdimensionale Auswahl von Daten (Bibliothek, Frage, Berichtsjahr) und deren Weiterverarbeitung soll eine umfassende Nutzung der DBS-Datenbank ermöglichen, Abfragen können gespeichert und später
wiederverwendet werden.
Durch diese Weiterentwicklungen soll die DBS zu einem starken Werkzeug werden,
das denen nutzt, die es brauchen, nämlich den Bibliotheken. Die DBS wird nicht zum
Selbstzweck geführt, sie bietet vielmehr die umfassendste Grundlage für die Information über Bibliotheken in Deutschland. Gerade in diesen Zeiten, in denen die Zauberworte „Management“, „Controlling“ und „Wirtschaftlichkeit“ schon für sich genommen zur Begründung von Kürzungen und Stellenabbau genügen, gerade hier ist es
wichtig, die Leistung und Kompetenz einer Bibliothek nicht nur qualitativ sondern
auch quantitativ zu untermauern. Die DBS-Redaktion im HBZ-NRW will diesem Anspruch gerecht werden, damit der berühmte Ausspruch Descartes’ keine Gültigkeit
erhält:
„Alles, was lediglich wahrscheinlich ist, ist wahrscheinlich falsch.“
Verweise
[1] BuB 12/2003 (55), S. 238 f.
[2] BuB 4/2004 (56), S. 250 und 280 ff.
[3] DBS-Webseite: www.bibliotheksstatistik.de
[4] Vgl. Fragebogen zur Neuanmeldung unter
www.bibliotheksstatistik.de/docs/nNeuaufn.pdf
[5] Bundestagswahlen nach www.bundeswahlleiter.de
[6] Vgl. U. Wimmer, „Das DBI-Indikatorenraster“, Bibliotheksdienst 10/99 (33), auch:
http://bibliotheksdienst.zlb.de/
[7] www.bix-bibliotheksindex.de
[8] Protokolle einsehbar unter www.bibliotheksstatistik.de
Der Autor
Oliver Döschner (*1970, Duisburg) studierte Mathematik,
Informatik und Philosophie in Duisburg. Er arbeitete bislang als
freiberuflicher Programmierer sowie als wissenschaftlicher
Mitarbeiter an der Universität Bayreuth. Seit August 2003 ist er
im HBZ-NRW in Köln mit den technischen und redaktionellen
Belangen der DBS betraut.
Die aufgeführten Zitate stammen (in der Reihenfolge ihres Erscheinens) von: Edmond de Goncourt
(franz. Schriftsteller, 19. Jh.), Franz Josef Strauß (früh. Bayerischer Ministerpräsident), René Descartes (franz. Philosoph und Mathematiker, 17. Jh.).
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