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Licht und Kraft von oben. Was der Mann an W e r Iran gerne sieht

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Sonntagsbeilage
sLDs-ss«V«»svae-SW?sssDS
Für Familie und Kaus
Gukvr R a i .
Willst die Welt du Klar erschau'n,
Schaue erst, w a s vor dir liegt,
Wie a u s Stoffen und a u s Kräften
Sich ein B a u zusammenfügt.
Latz die Starrheit des Geword'nen
Künden, ivas belebend treibt;
I n dem Wechsel der Erscheinung
Ahne das, w a s ewig bleibt.
Aus dem Dünkel eignen Meinens
Nie entkeimt die frische S a a t ,
I m Nachdenken n u r erschwingt sich
Menschengeist zur Schöpfertat.
Viktor v. Scheffel.
Licht und Kraft von oben.
Origenes, ein Fackelträger in der Finsternis
des Heidentums.
* E s ist immer wieder gut, wenn w i r den
Blick in die Vergangenheit richten! Wir sehen da manche Gestalt, deren Wirken u n s
auch für die Gegenwart und Zukunft e t w a s
zu sagen hat.
Versetzen w i r uns zurück in die Zeit gegen
Ende des zweiten Jahrhunderts, wo das Licht
des Christenglaubens die Finsternis des Heidentums zu überwinden suchte. D a sitzt eines
Tages in A l e x a n d r i e n , der blühenden
S t a d t a n der Küste Unterägyptens bis in die
mitternächtige Stunde hinein a n seinem grohen Schreibtisch Leonidas, Lehrer der griechischen Sprache und Literatur. Endlich ist n u n
auch die letzte Schüleraufgabe korrigiert. E r
erhebt sich und geht langsam, leisen Schrittes
in die Schlafkammer seines Söhnchens O r ig e n e s . Wie schön das Kind in den Kissen
liegt! Eine Weile steht er da, seinen Liebling betrachtend, die Hände gefaltet wie vor
einem Heiligtum, ganz versunken in ehrsürchtigen Gedanken. E r weiß: der Heilige Geist
wohnt und lebt in diesem jungen Menschen in
übergroßem Wunder wie in einer Kapelle
voll schimmernder Pracht. Und diesen unbegreiflich gütigen, unendlichen Gott will er
grüßen und anbeten.
Aus dem Knaben ist einer der edelsten
M ä n n e r seines J a h r h u n d e r t s geworden, —
„glühend im Geist". Seinen Seelenadel, seine Glaubenstiefe, seine selbstlose Treue z u r
Kirche, auch unter schmerzlichen Opfern und
Mißverständnissen, sein vieles Beten, Fasten
und Nachtwachen, das verzehrende Feuer seines Wortes, sein rastloses Schaffen im Dienst
der christlichen Wissenschaft mußten Freund
und Feind bewundern. N u r Licht und Kraft
von oben konnten dieses Außerordentliche in
einem schwachen Menschen wirken. E s stand
in der T a t sein ganzes Leben unter dem Zeichen des Heiligen Geistes.
Ueber Origenes w a r von Jugend auf der
Geist der Weisheit, des Verstandes und der
Wissenschaft. Die klugen Fragen des ruhigen, nachdenklichen Kindes ließen seinen Vater, der es selbst in den Anfangsgründen der
Bibelkenntnis neben manchen anderen, wertvollen Wissenszweigen und Künsten unterwies, oft erstaunen. Als eine neue ChristenVerfolgung in Alexandrien ausbrach und alle
Lehrer der dortigen Katechetenschule flohen,
hielt der noch nicht siebzehnjährige Gottesstreiter furchtlos religiöse Vorträge für Christen und Heiden mit offenkundigem Erfolg.
Bald daraus ernannte Bischof Demetrius den
Hochbegabten zum Leiter der Katechetenfchule, die unter ihm den Gipfel ihres Ruhmes ersteigen sollte. Ein Fackelträger des Lichtes
zu sein, d a s die Finsternis verscheucht, w a r
Maria hilft.
3
Roman von M a g d a T r o t t
Ein übermütiges Lachen schlug an das Ohr
Frau Brandaus. „Ich und heiraten, Muttel?
Wo denkst du hin! Ich heirate gar nicht,
denn ich finde keine Frau, die mir gefällt."
„Na, na, Leo!"
„Ich weiß nur eine und die kann ich nicht
heiraten."
„Schau mich einmal an, mein Junge! Eine
ist also doch vorhanden?"
„Ja, Muttel, eine ist da, die mir gefällt, und
die steht vor mir!"
„Ach, Junge!"
»Wen.ni ich mich wirklich einmal richtig verlieben sollte, mein Muttel. muß die Erwählte genau so aussehen wie du. Eine andere
könnte mir nicht gefallen."
Frau Brandau lachte. Runzeln im Gesicht
und graue Haare. — Ich weiß nicht, ob mir
solch eine Schwiegertochter zusagen würde.
»Runzeln im Gesicht t - du? Wo sind die
grauen Haare, so braun muH, sie meine Zu­
künftige haben."
;
»Und braune Augen?"
d a s Ziel seiner glänzenden Lehrtätigkeit. I h re köstlichsten Früchte waren das begeisterte
M a r t y r i u m von sechs seiner Schüler, sowie
die Bekehrung vieler Häretiker und Philosophen zur kirchlichen Rechtgläubigkeit.
S e i n Schrifttum, das ihm Weltruf sichert,
befaßte sich mit der Aufgabe, vom Offenbarungsinhalt des Alten und Neuen Testamentes eine klare und gründliche Darstellung zu
vermitteln und das antike Geistesgut mit dem
christlichen Glauben, „die höchste Kultur mit
dem Evangelium auf dem Boden der Kirche
zu versöhnen". Emporsteigend zu den hochsten Höhen menschlicher Spekulation und
neue, unerhörte Schätze des Geistes darbietend, blieb der geniale Denker, der dem Christentum eine gewaltige Pionierarbeit leistete,
nicht immer frei von I r r t ü m e r n . Manche Unzulänglichkeiten weisen seine kühnen Gedankenbauten auf. Aber w a s er gewollt hatte,
w a r erhaben und edel: die ewigen Wahrheiten in ihrer ganzen Fülle und tausendfachen
Schönheit aufleuchten zu lassen und zu verteidigen. Seiner Verpflichtung gegenüber der
Kirche, deren Mitglied zu sein er als sein
größtes Glück betrachtete und der er seine
reinste Liebe schenkte, blieb er stets eingedenk. Die Absicht, irgendwie die kirchliche
Lehrautorität anzutasten, lag ihm fern.
Vom Heiligen Geist bekam Origenes die
Kraft, zu jeder Zeit und u n t e r allen Umftänden m u t i g e r Zeuge Christi zu fein. Als
fein Vater wegen seines christlichen Treube-kenntnisses festgenommen wurde und im Kerker des Todesspruches harrte, falls er nicht
den Göttern opfere, wollte er, noch ein I u n ge m i t heißem Herzen und voll Lebensdrang,
mit ihm die Sterbenspein erleiden. Doch die
M u t t e r versteckte dem Heißsporn die Kleider
und vereitelte durch diese List seine heilige
Waghalsigkeit. Wird den Vater, dem seine
Familie teurer w a r a l s alles in der Welt, die
Losreißung von den Seinen nicht allzusehr
bedrücken und verzagt machen? Eine gewisse Bangigkeit befiel den S o h n bei diesem Gedanken. D a sandte er ihm einen herrlichen,
feurigen Brief: „Laß dich nicht unsertwegen
zu einer Sinnesänderung bestimmen und gib
nicht das G l ü c k d e r K r o n e preis um dein e s B l u t e s willen! Du kannst u n s auch vom
H i m m e l herab lieben, wie du u n s auf E r den geliebt hast". Leonidas zeigte sich standHaft und errang die Gloriole der seligen M ä r tyrer.
Die Christenverfolgung nahm a n Heftigkeit
zu. I n diesen J a h r e n schwerster P r ü f u n g
hielt es Origenes für seine wichtigste Mission,
die Gefangenen in ihren Verließen zu befuchen, den Verhören beizuwohnen, die zum
Tod Bestimmten am Richtplatz zu trösten u.
ihnen seinen priesterlichen Segen und sein
Absolvo zu spenden. Unser Glaubensheld
brachte sich dabei in schlimmste Lebensgefahr.
Nicht feiten schlug der heidnische Pöbel, von
etlichen wüsten Hetzern angestachelt, mit Fäusten auf ihn ein, oder versuchte, >ihn zu steinigen. N u r Gottes Schutz rettete ihn immer
wieder. Als ihn einmal sein Weg a n einem
Serapistempel vorbeiführte, forderten ihn
die Opferpriester unter Drohungen auf, mit
ihnen a n die Besucher der Kultstätte P a l m zweige auszuteilen. Ohne eine Miene zu
verziehen, fügte er sich ihrem Ungestüm, rief
aber den Hereindrängenden beim Ueberreichen zu: „Nehmet hin, nicht die P a l m e des
Götzen, sondern die P a l m e Christi!" E s w a r
die Erfüllung seines sehnlichsten Wunsches, a l s
er die letzte P r o b e seiner Glaubens- und Kirchentreue durch Erduldung entsetzlicher Folterqualen bestehen durfte. Origens starb a n
den Folgen der T o r t u r .
Wenn der M a n n müde und abgearbeitet
nach Hause kommt und die F r a u ihm mit einem heiteren Lächeln und fröhlichen G r u ß
entgegen tritt, dann muß er sich doch freuen
wie über einen sonnigen T a g und S o r g e n
und Unannehmlichkeiten vergessen, die ihm
vielleicht sein Beruf bringen. Wer könnte
dem frohen Blick eines Menschen, und noch
dazu eines Menschen, den man lieb hat, wiVerstehen? Ein p a a r liebe, aufmunternde
Worte genügen oft schon, um die Falten auf
seiner S t i r n e zu verscheuchen und ein Lä­
cheln auf seine Lippen zu zaubern. Eine besondere Fürsorglichkeit von ihrer Seite wird
ihn rühren und ihn a n sein häusliches Glück
erinnern, gegen das keine Widerwärtigkeit
von außen anzukommen vermag. E s hängt
soviel von einer F r a u ab, ob sie es versteht,
dem M a n n e eine gute und verständige Gefährtin zu sein.
Freude wird es ihm machen, wenn er hungrig von der Arbeit heimkehrt, sich a n einen
appettitlich gedeckten Tisch setzen und pünktlieh essen kann.
Wenn das Essen mit Liebe zubereitet und
ihm d a s vorgesetzt wird, w a s er besonders
gerne hat. E s ist für einen jungen M a n n
kein Vergnügen, wenn die F r a u in dieser
Hinsicht wenig oder g a r keine Rücksicht aus
ihn nimmt und ihm immer wieder Speisen
serviert, die er n u r mit Widerwillen hinunter würgt.
E r wird es auch gerne sehen,' wenn ein
Blumensträußchen auf dem Tische steht. E s
brauchen nicht immer gekaufte, es können
auch Wiesenblumen sein, die m a n im S o m mer a n allen Wegen findet.
Doppelt gut wird es ihm aber schmecken,
wenn seine F r a u gut frisiert und sauber gekleidet ihm gegenübersitzt. Die F r a u e n achten leider manchmal viel zu wenig darauf,
sich auch im Hause mit Sorgfalt zu kleiden.
Wie rasch ist doch ein bißchen Toilette gemacht; wie schnell mit dem Kamm durchs
H a a r gestrichen, d a s Arbeitskleid ausgezogen, ehe der Gatte nach Hause kommt. Eine
saubere und gut gekleidete F r a u wird immer
das Wohlgefallen eines M a n n e s erwecken.
Nicht n u r vor der Ehe sollte sie sich nett herrichten, nein, auch nachher; sie braucht deshalb ihre häuslichen Pflicht nicht zu vernachlässigen. Zu gerne begnügt sie sich oft m i t
der Ausrede, sie habe keine Zeit für sich, d e r
Haushalt, vielleicht auch die Kinder nehmen
sie zuviel in Anspruch. S i e sollte vielmehr
die Zeit so einzuteilen wissen, daß sie täglich
eine Viertel- oder ein halbes Stündchen für
sich verwenden könnte — zu ihrer eigenen
Pflege!
E s macht jedem M a n n Freude, wenn ihm
die F r a u feine kleinen Launen und Liebhabereien gütig nachsieht und a n den letzteren
sogar noch teilnimmt; w e n n sie auch für seine
Garderobe in der Weise Sorge trägt, daß die
notwendig gewordenen R e p a r a t u r e n gleich
vorgenommen werden; wenn sie ihm ferner
Anzug, Kragen und Krawatte so zurechtlegt,
daß e r die Sachen gleich bei der Hand hat. E r
wird sich auch freuen, wenn e r auf dem
Schreibtisch jedes Ding dort vorfindet, wo er
es hingelegt hat.
„Ja, Muttel, genau solche braune Augen
wie du!"
„Und genau so klein und rund?"
„Meinetwegen mag sie klein und rundlich
sein, wenn sie dir nur ähnelt! Bor allem muß
sie so gut sein wie du."
„Nun sei endlich still. Leo
".
Und so eine werde ich schwerlich finden,
Muttel!"
»Wirst schon, eine finden! Und wenn sie
blond wäre und blaue Augen hätte, groß und
schlank, so würdest du nicht lange überlegen,
wenn dein Herz spräche."
„Ausgeschlossen, Mittel! Wenn sie dir nicht
ähnlich sieht, kommt sie für mich nicht in Betracht!"
„Rede nicht so viel unnötiges Zeug, ich habe jetzt zu tun!"
Frau Brandau hatte richtig vermutet. Maurermeister Rogge stellte sich bereits am Nachmittag ein, um die dreitausend Mark i n Emp­
fang zu nehmen.
„Wiö froh bin ich, Herr Rogge, daß nun
auch die letzte Schuld getilgt ist. Ich möchte
Ihnen nochmals danken, daß S i e auf meine
Bedingungen eingegangen sind und ein so
hübsches Haus erbaut haben."
•'
, „Freut, mich», freut mich aufrichtig, /'Frau
Brandau! Ich wünsche Ihnen von Herzen,
daß nun auch das Glück ständig in Ihrem
Hause wohnen möge. Kummer und Sorgen
mögen Ihnen fernbleiben."
„Wem bleibt das wohl erspart, Herr Rogge?" Ein Seufzer kam über die Lippen des
Mannes. „Sie haben recht", sagte er und ein
unendlich trauriger Zug überschattete sein
Gesicht. „Ein jeder hat sein Päckchen zu tragen. Manch einem wird wohl ein wenig zuviel aufgebjürdet."
„Sie haben Kummer?"
„Lassen wir das! — Wo ist denn der Herr
Sohn?"
„Er macht Besorgungen im Ort."
„Ein prächtiger junger Mann! — S i e dür­
fen stolz auf ihn sein, Frau Brandau."
„Das bin ich auch! — Kommen S i e einmal
mit mir hinaus in dem Barten. S i e werden
staunen, was Leo in dem einen Iaht ausführte. Jetzt ist er dabei, einen Kaninchenstall zu errichten. Erst stecken S i e mal das
Geld ein, Herr Rogge und zählen es genau
nach." •
„Es stimmt, Frau Brandau! — Ihr Sohn
ist wirklich ein prächtiger Mensch! Wie tüch­
tig hat er beim Bau geholfen. S o eine Kraft
könnte ich gebrauchen. Ich habe gestaunt, wie,
gut er den Hühnerstall erbaut hat. Nun ,will
„Glauben mir es, Brüder: soviel einer die
Kirche Christi l i e b t , soviel hat er den H e il i g e n G e i st!"
Was der Mann an W e r Iran
gerne sieht!
Vor allem: ein freundliches Gesicht!
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Sonntags beilage
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Und glücklich wird er schließlich sein, wenn
sie ihm in allen Lebenslagen a l s ein wirklich
guter Kamerad zur Seite steht, der getreulich
alle Sorgen und Freuden mit ihm teilt. Aber
auch er sollte ihr gerne alles zu Liebe tun und
Freude machen, wo immer es angeht. Denn
n u r a u s solch gegenseitigem Liebhaben k a n n
eine wirklich glückliche Ehe werden.
Non der Kultur des Sienens.
Wir leben in der Zeit der Umwertung aller Werte. Nicht etwa n u r in dem Sinne,
daß alte, überlebte Werte zum rostigen Eisen
geworfen werden, sondern leider in sehr hohem M a ß e in dem Sinne, daß beste alte Werte außer Kurs gesetzt und a n ihre Stelle ausgesprochene Scheinwerte gesetzt werden.
Zu den besten alten Werten gehört auch die
einst große Kultur des Dienens. E s ist heute,
wie der Dichter schmerzvoll, aber w a h r sagt:
,. . . . D r u m will alles in die Stadt, kein
Knechtlein will mehr misten. D a s gibt ein
P r o l e t a r i a t von l a u t e r Anarchisten!"
I m heidnischen Altertum w a r das Dienen
verhaßt. E s wurde scharf zwischen Freien
u n d Dienenden unterschieden, und die Dienenden wurden bezeichnend „Sklaven" genannt. E s gehört zu den größten Segenstaten der Geschichte, daß d a s Christentum den
Schandstempel von der S t i r n e des Dienenden
wischte, alle auf die gleiche S t u f e des Menschseins und Bruderseins und des gegenseitig
sich Dienens und Helfens stellte u n d dadurch
d a s Dienen geadelt und eine wahre Kultur
des Dienens geschaffen hat. I n dieser Sublimierung des Dienens h a t das Christentum
zweifelsohne eine der größten, umwälzendsten und segensvollsten Taten der Geschichte
vollführt.
M i t der zunehmenden Diesseitskultur, dem
beständig wachsenden Materialismus u. dem
gleichzeitigen Schwinden des Christentums
verschwand auch die wahre Kultur des Dien e n s immer mehr. Aber damit griff m a n a n
die Wurzel der menschlichen Gesellschaft und
des menschlichen Zusammenlebens. Damit
wird das Fundament des Volkes erschüttert,
die soziale Ordnung zerrüttet und die ganze
Menschheit immer mehr d e r Auflösung und
einem wahren Chaos — dem/Bolschewismus
entgegengeführt. Nicht a l s ob d a n n d a s Dien e n aufhörte. I m Gegenteil! D a n n tritt a n
die Stelle des individuellen Dienens mit sein e r persönlichen Kultur d a s Massendienen,
die Verbreitung u. Vermassung des Volkes
— die Diktatur! D a s ist der S o l d des inner e n Abfalles des Menschen von seinen I d e a len und seiner höheren Mission.
M a n sagt heute so leichthin: „Nur ein
Dienstmädchen!" Dieses „nur" ist typisch für
die moderne Denkweise. S i e ist aber ebenso
falsch und den tiefsten Gesetzen des Lebens
widersprechend. Dieses Schlagwort, das bis
tief hinein i n s Volk starken K u r s hat, ist
schuld daran, daß n u n tatsächlich die meisten
jungen Mädchen glauben, es sei eine Schande. Dienstmädchen zu sein. J e n e , welche dienen, gehören einem niederen S t a n d e a n und
werden verachtet.
Nun, es ist wahr, das Dienstmädchen hat
im allgemeinen weniger freie Zeit a l s jene,
welche in die Fabrik gehen. E s gibt auch
in der T a t Fälle, wo d a s Dienstmädchen zu
wenig freieZeit hat und nicht recht gehalten
wird. D a s ist ein schwerer Fehler. Der
S t a a t sollte da Remedur schassen, wo man e s
nicht freiwillig tun will.
J e n e Dienstmädchen aber, welche mit neidischen Augen auf ihre Kameradinnen in den
ich mir auch noch den Kaninchenstall besehen."
Voller Stolz führte Frau Brandau Maurermeister Rogge hinaus in den Hof. Auch hier
war alles ordentlich und blitzsauber.
„Man sieht die geordnete Wirtschaft an allen Ecken und Enden", lobte Rogge. Aus der
Küche ertönten fünf Schlage. „Was — schon
fünf Uhr, habe ich mich so verspätet? — Entschuldigen Sie, Frau Brandau» aber heute habe ich wahrhastig keine Zeit, alles genau anzuschen, ich muß eiligst fort. — Fünf Uhr!
Wie konnte ich mich so verspäten. Nun aber
rasch!"
„Seien Sie nicht gar so eilig, Herr Rogge,
S i e wissen, der Arzt hat Ihnen Ruhe verordnet. Sie sollten überhaupt nicht mit dem Motorrad fahren."
„Wenn ich alles befolgen wollte, was der
Arzt von mir will, könnte ich einpacken. —
Leben S i e wohl, Frau Brandau, ich muß gehen. Ich komme bald einmal wieder zu Ihnen. Ich habe in Mendorf einen neuen
Auftrag bekommen. I n der nächsten Woche
sehe ich mir den Kaninchenstall an."
Frau Brandau geleitete den Eilenden durch
den Vorgarten» wo das Motorrad Rogges
stand. Er winkte ihr beim Msahren freundlich.M. dann raste er dawnt.
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