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* Wahrheit * ~ Alles was du sagst, sollte wahr sein. Aber - Oyla.de

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* Wahrheit *
~ Alles was du sagst, sollte wahr sein. Aber nicht alles was wahr ist, solltest du auch sagen. ~
- Voltaire -
Mittwoch. Emmett war gerade einmal eine Woche hier, doch es hatte sich bereits mehr verändert, als ich je zu hoffen
oder zu fürchten gewagt hätte.
Ich war wieder gefährlich nahe an das gesellschaftliche Leben herangerückt, was mich gleichermaßen fürchten und
hoffen lies.
Mein Bruder Emmett entwickelte ungeahnte geistige Tiefen und Fähigkeiten. Schon nach der ersten Nachhilfestunde
benötigte er kaum noch meine Hilfe, da er einen unerwarteten eigenen Ansporn entwickelt, oder besser gesagt gefunden
hatte. Rosalie Lillian Hale.
Sie schien wirklich Interesse an meinem Bruder zu haben. Und ihr schien ungeahnt viel an ihm zu liegen. Genau
genommen soviel, dass sie – nachdem sie es aufgegeben hatte, Emmett an ihren Tisch einzuladen, da dieser nach wie
vor darauf bestand, mir Gesellschaft zu leisten – sich schließlich dazu bereiterklärte, das Zentrum des gesellschaftlichen
Lebens zu verlassen und an unserem Tisch zu sitzen.
Emmett wirkte über diese Tatsache nicht minder verblüfft als ich.
„Wie war denn gestern eigentlich euer Krankenhausbesuch?“, fragte sie mich irgendwann. „Bella hat erzählt, du wärst
mit einer Pralinenschachtel verprügelt worden?!“
„Was?“, schrie Emmett und fing laut an zu lachen, bevor ich überhaupt antworten konnte. „Du hast dich von einer alten
Lady schlagen lassen?“
„Shannon dachte, ich sei Jacob und hätte sie angefahren.“
„Oh mein Gott. Aber ... Shannon, huh?“, meinte er bedeutungsvoll.
„Tja ... nachdem Bella ihr erklärt hatte, dass ich nicht Jacob sei, sondern der Sohn von Dr. Cullen war sie offensichtlich
ganz hin und weg.“
„Wow ... Edward Cullen, der Traum aller Großmütter.“
„Jaah ... genau das habe ich auch gesagt.“, erwiderte ich immer noch wenig begeistert.
„Na ja, immerhin eine Frau die auf dich steht.“, meinte Emmett Schulter zuckend. Super! Da war er wieder, der
Übergroße Elefant im Porzellanladen meiner Gefühle. Manchmal hatte mein Bruder echt so viel Feingefühl, wie eine
Dampfwalze.
„Emmett, ich glaube, dass war gerade kein angebrachter Kommentar.“, rügte Rose ihn leise.
„Oh, 'tschuldige, Ed.“, murmelte er kauend.
„Ist schon in Ordnung.“ Mein Blick schweifte kurz zu Bella, die sich gerade weit über den Tisch gelehnt mit einem der
Jungs aus der Football-Mannschaft unterhielt und dabei unentwegt lächelte. Ich seufzte tief.
Als ich meinen Blick wieder zu den beiden mir gegenüber wandte, war Emmett immer noch damit beschäftigt, sein
Sandwich in sich hinein zu stopfen, während Rosalie nachdenklich ihren Joghurt musterte. Insgeheim überlegte ich, ob
sie gerade die Kalorienzahl ausrechnete.
„Sag mal, Emmett, wann ist eigentlich dein Auswahlspiel für das Football-Team?“ Ich versuchte meine Gedanken weit
weg von Bella und diesem Kerl zu lenken.
„Am Freitag. Möchtest du mitkommen und zusehen?“ Nein Danke!
„Ich weiß nicht. Wahrscheinlich habe ich ohnehin Probe an dem Tag.“ Er nickte nur und widmete sich dann wieder
seinem Essen.
Rosalie und ich führten noch ein relativ zwanghaftes Gespräch über den Biologie-Unterricht, bis uns schließlich ein
leises Räuspern aus unserem Gespräch riss.
„Hey, ihr zwei. Kommt ihr dann? Die Pause ist gleich vorbei.“, meinte Bella, die an unseren Tisch getreten war. Irgendwie
glaubte ich, dass sie es bewusst vermied, mich direkt anzusprechen. Vermutlich ratterte gerade wieder eine Flut von
Namen durch ihren Kopf.
Wir gingen also gemeinsam zum Unterricht. Rosalie und Bella unterhielten sich über irgendeine Tasche von Louis
Vuitton, die Bella unbedingt haben wollte. Sie beschlossen, das Ganze mit Alice abzusprechen und auf ihrer morgigen
Shopping-Tour danach Ausschau zu halten. Außerdem spekulierten sie darüber, was Alice ihnen diesmal für Kleider
andrehen würde. Ich trottete die ganze Zeit schweigend hinter den beiden her.
Kurz vor dem Bioraum blieb Bella jedoch stehen und wandte sich zu mir um. Rosalie ging schon voraus.
„Hey, Eduard.“ - Wenn man es schnell ausspricht klingt es wie Edward, dachte ich. - „Hast du Freitagnachmittag Zeit?
Morgen werde ich keine freie Minute haben, da wir die Kleider für die Party bei euch zu Hause kaufen wollen, also ...“
„Freitag ist prima!“, antwortete ich schnell.
„Gut. Dann also Freitag. Nach der Probe.“ Moment mal ... dann fangen wir ja nicht vor Sieben oder Acht an?!
„Gehst du nicht weg, Freitagabend?“, fragte ich sie etwas verblüfft.
„Alice und Rose wollen noch zu Hooters, weil Shane seinen Geburtstag dort feiert. Aber ich habe ehrlich gesagt keine
große Lust und so wie ich Shane kenne, gehen danach noch alle zu ihm und lassen sich ordentlich voll laufen. Und
glaub mir, nach so einer Nacht bin ich oft zu nichts mehr zu gebrauchen. Wenn ich also nicht mit einem Mordskater im
Bett liege, dann hänge ich irgendwo bei euch auf der Couch herum und schlafe. Rosalie würde mich köpfen und Alice
mich anschließend vierteilen. Also tue ich lieber etwas für meine Biologienote und verbringe den Abend mit dir.“, schloss
sie ihre Rede und grinste mich an.
Ich nickte nur, vollkommen überfordert von dieser plötzlichen Offenbarung.
Diese Frau konnte einen wirklich in Grund und Boden reden ...
~*~
Die Proben verliefen für mich eigentlich so, wie immer. Ich hatte meinen Part gestern Abend noch etwa dreimal
durchgespielt und war dementsprechend gut vorbereitet.
Ich hatte gerade wieder eine Pause und wollte mich in das Auditorium begeben, als ich auf der anderen Seite der leicht
geöffneten Tür meinen Namen hörte.
„Edward, Bella! Er heißt Edward!“, hörte ich eine Frauenstimme sagen, vermutlich Rosalie.
„Ja, dann halt Edward!“ Bella. „Ich meine ... Eduard klingt immerhin schon fast genauso.“
„Bella, ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was so schwer an diesem Namen ist, dass du ihn andauernd vergisst.“, meinte
Alice jetzt lachend.
„Ich doch auch nicht. Aber ... ich ... er will einfach nicht in meinem Kopf bleiben.“, sagte Bella. Danach hörte ich ein
kurzes schrilles Lachen, das vermutlich von Alice stammte, da diese daraufhin sagte:
„Na, du Glückliche. Ich wünschte, ich könnte die Existenz dieses Freaks irgendwie aus meinem Kopf kriegen.“
„Alice!“, kam es entsetzt von Bella.
„Was denn?“, meinte die Angesprochene unschuldig. „Der Kerl tut dir nicht gut, Bells. Ich weiß ohnehin nicht, warum du
überhaupt Zeit mit ihm verbringst. Gut, er gibt dir Nachhilfe ... aber warum hast du ihn mit ins Krankenhaus geschleppt?
Er ist nun nicht gerade jemand, mit dem man sich bei Tageslicht sehen lassen sollte.“
Irgendjemand stieß einen entsetzten Laut aus.
„Bella...“, meinte jetzt Rosalie in beruhigendem Tonfall. „Was Alice sagen will ... naja ... wie soll ich sagen ... er ist
vielleicht nicht gerade ... deine Kragenweite.“
„Hallo, ich ... ich bin doch nur mit ihm befreundet?!“, stammelte Bella hilflos.
„Befreundet?“, schrie Alice schon fast. „Dass ich nicht lache. Schatz, du kannst dir noch nicht einmal seinen Namen
merken ... was ich dir übrigens nicht übel nehme, aber ... Denk doch mal nach. Was willst du mit dem?“
„Wie? Was soll ich denn mit ihm wollen? Er ist nett.“
„Nett ... na prima.“
„Alice ...“, sagte Bella jetzt wütend, doch Rosalie fuhr dazwischen.
„Hey ... bevor ihr beiden jetzt aufeinander losgeht: er ist nur ein Typ, nichts weswegen ihr euch so streiten solltet. Aber,
Bella ... worauf ich vorhin eigentlich hinaus wollte ... du solltest wirklich versuchen, dir seinen Namen zu merken ...“
„Tue ich doch, aber ...“
„Nein, lass mich bitte ausreden, Bella. Du solltest es wirklich versuchen. Vor allem wenn dir – wie du sagst – was an ihm
liegt. Ich glaube nämlich, dass ihm das ganz schön zusetzt, wenn du ihm immer irgendwelche falschen Namen gibst.“
Bella musste wohl etwas ratlos gucken, weil danach Alice ungeduldig das Wort ergriff.
„Okay, Bella ... was unsere liebe, gute Rose dir damit suggerieren will, ist eigentlich ... er steht auf dich!“
„Alice.“, schrie Rose entsetzt. „Ich habe dir das nicht erzählt, damit du es Bella an den Kopf knallst.“
„Woher wollt ihr das wissen?“, fuhr Bella mit eigenartig ruhiger Stimme dazwischen.
„Na ja ... Emmett hat mal erwähnt, dass er wohl unglücklich verliebt sei ... und heute in der Mittagspause, da hat er dich
immer so seltsam angesehen. Es tut mir leid, Bella, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es so ist.“
„Die Schöne und das Biest ... sogar dein Name passt ... wie witzig!“, gackerte Alice.
„Alice. Ich finde das überhaupt nicht witzig.“, sagte Bella, „Ich ...“
Doch mehr hörte ich nicht, denn da rannte ich schon den langen Korridor entlang. Ich wusste nicht, wohin mich meine
Füße trugen ... einfach nur weg. Weit weg.
~*~
Poch. Poch. Poch.
Jemand klopfte leicht an meine Tür. Die dumpfen Schläge übertönten die Klänge meines Flügels nur unterschwellig.
Poch. Poch. Poch. Wieder klopfte es, dann ein Rufen.
„Edward?“ Esme. „Edward, kann ich rein kommen?“ Ich antwortete nicht. Kurze Zeit später öffnete sich die Tür und
meine Mutter trat ein.
„Edward?“ Meine Finger, die über die Tasten flogen hielten inne, mein Blick haftete jedoch weiterhin auf ihnen.
„Mrs. Fenicle hat gerade angerufen. Sie sagte, du seiest heute nicht in der Schule gewesen?!“ Es war Donnerstagabend.
Ich nickte nur. Ich wusste, dass Esme es früher oder später erfahren würde. Trotzdem hatte ich Emmett gebeten, ihr
nichts zu sagen. Ich wollte diesen Augenblick so lange es ging hinaus zögern. Aber nun war er da.
„Möchtest du mir vielleicht erzählen, warum du nicht in der Schule warst?“, fragte sie.
„Ich habe geschwänzt, na und?!“, erwiderte ich patziger, als beabsichtigt. „Ich hatte einfach keine Lust. Ist das nicht
normal, bei Jugendlichen in meinem Alter?“
„Aber du bist nicht wie die anderen in deinem Alter.“, meinte sie vorsichtig. Doch das war der Overkill.
„JA!“, schrie ich. „JA, und genau DAS ist mein Problem.“ Esme zuckte bei meiner lauten Stimme leicht zusammen.
Ich war sonst nicht so. Das war normalerweise nicht meine Art. Ich fehlte nie in der Schule. Selbst, wenn ich krank war,
schleppte ich mich noch so gut es ging durch den Tag. Ich hatte meine Mutter noch nie angeschrien, ich hatte überhaupt
noch nie geschrien, außer vielleicht als Baby. Und normalerweise erzählte ich Esme immer die Wahrheit ...
normalerweise.
Bella wusste, dass ich in sie verliebt war. Sie wusste es ... und das hob meine Welt vollständig aus den Fugen des
Alltäglichen. Meine so sorgsam aufgebaute Fassade der Gleichgültigkeit und Anonymität fiel immer mehr in sich
zusammen.
Ich wusste nicht, was jetzt passieren würde. Wie Bella darauf reagieren würde und was ich dann tat. Diese
Ahnungslosigkeit machte mich krank. So krank, dass ich heute früh kurzerhand entschied, nicht in die Schule zu gehen.
Emmett hatte ich lediglich gesagt, dass ich mich nicht wohl fühlte, aber dass er Mum nichts sagen sollte. Stirn runzelnd
hatte er mir schließlich zugestimmt.
Am schlimmsten war die Ungewissheit darüber, was Bella jetzt über mich dachte ... was sie empfand. In diesem Punkt
waren meine Gedanken sehr kreativ. Sie umfassten ein weites Feld von Gleichgültigkeit und Desinteresse über
Ablehnung bis hin zu Ekel und Abscheu. Eines schlimmer, als das andere.
„Es ist wegen Bella oder?“, fragte mich meine Mutter leise.
„Und wenn schon.“
„Ich dachte, ihr würdet euch jetzt besser verstehen und ...“
„Ist gut Mum, ja?!“, unterbrach ich sie barsch. “Ich will nicht darüber reden.“
„Möchtest du vielleicht mit uns essen?“
„Nein, danke.“
Sie nickte etwas bestürzt, wandte sich dann um und ging langsam zur Tür. Als sie gerade die Klinke ergriff, viel mir noch
etwas ein.
„Mum?“ Sie drehte sich wieder um. „Was hast du eigentlich zu Mrs. Fenicle gesagt?“
„Dass du krank wärst. Magenverstimmung.“ Ich nickte.
„Könntest du mich für Morgen vielleicht auch krank melden?“
Sie sah mich mit einer Mischung aus Missbilligung und Traurigkeit an. „Ich gehe sowieso nicht hin.“, fügte ich noch
schnell hinzu.
„In Ordnung. Vielleicht sagst du mir ja auch irgendwann, warum genau ich für dich lügen muss.“ Ich nickte nur
unbestimmt und beobachtete sie, wie sie mein Zimmer verließ.
Dann widmete ich mich wieder der Musik.
~*~
Es war Freitag halb Sieben, als ich ein lautes Klopfen an meiner Tür vernahm.
„Herein!“, rief ich, gerade laut genug, dass – wer immer vor der Tür stand – es hören konnte.
Kurze Zeit später betrat Emmett den Raum.
„Hey, Ed. Mum lässt fragen, ob du heute mit uns isst?!“, fragte er und ließ sich neben mir auf das Sofa fallen.
„Sag ihr bitte, dass es mir leid tut. Aber ich habe keinen Hunger.“ Emmett nickte nur, dann war er eine Weile still und
schien nachzudenken.
„Okay ... ich wüsste wirklich gerne was mit dir los ist.“, platzte es schließlich aus ihm heraus. „Aber, da ich annehme,
dass du es mir ohnehin nicht sagen wirst, frage ich dich gar nicht erst danach.“
„Danke.“, murmelte ich aufrichtig. Dafür liebte ich meinen Bruder. Auch wenn er manchmal wirklich die emotionale Tiefe
eines Teelöffels hatte (AN: Danke an Hermine! Ich glaube, es war Buch Fünf!), war er doch ein herzensguter Mensch ...
und er verstand mich. Er drängte sich nicht auf.
Durch seinen Kommentar hatte er mir unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass er jederzeit ein offenes Ohr
haben würde, wenn ich mit jemandem reden wollte. Er würde jedoch nicht davon anfangen. Wenn ich nicht reden wollte,
musste ich nicht.
„Wie lief dein Auswahlspiel?“, fragte ich ihn.
„Na, was denkst du denn? Ich bin im Team!“, meinte er stolz. Aber er hatte ja Recht. Wenn sie ihn nicht genommen
hätten, hätte mich das wirklich von den Socken gehauen.
„Herzlichen Glückwunsch. Darauf müssen wir bei Gelegenheit anstoßen.“
„Morgen Abend wäre passend.“, meinte er. Fragend sah ich ihn an. „Na, auf der Party.“, erklärte er weiter.
In diesem Moment wich wohl alle Farbe aus meinem Gesicht. Die Party. Verdammter Mist, die hatte ich ja ganz
vergessen. Spätestens da würde ich ihr unter die Augen treten müssen. Und Alice und Rose und ... allen.
„Hey, du wirst dich nicht drücken, dass das klar ist.“, sagte Emmett bestimmt, der wohl meinen verzweifelten
Gesichtsausdruck bemerkt hatte.
„Keinen von den Typen dort kenne ich. Und die, die mich kennen, wollen nichts mit mir zu tun haben. Kann ich nicht
einfach auf meinem Zimmer bleiben und ...“ Weiter kam ich nicht, denn da wurde ich bestimmend von meinem Bruder
unterbrochen.
„Whow, Stopp! Ich mag dich ... und Bella wird auch da sein, also wären da schon zwei, die dich mögen. Rosalie hat auch
kein Problem mit dir ... und Alice ist so klein, die kann man leicht übersehen.“
Bei seinem letzten Kommentar huschte tatsächlich ein kleines Lächeln über meine Lippen.
Aber was hatte er da über Bella gesagt? So, wie es aussah, schien er noch nichts davon zu wissen, dass sie es wusste.
Diese kleine Tatsache ließ mich hoffen. Also hatte sie es niemandem erzählt, sich über mich lustig gemacht oder
irgendetwas dergleichen. Gott sei Dank. Vielleicht hatte ich sogar Glück und sie war nicht vollkommen abgeschreckt.
Möglicherweise konnten wir ja wenigstens die Nachhilfe fortsetzen, wenn wir schon keine Freunde mehr sein konnten.
„Okay.“, sagte er schließlich, schlug sich mit den Händen auf die Knie und erhob sich. „Ich gehe dann mal langsam
wieder nach unten, es gibt gleich Essen.“
„Guten Appetit!“, wünschte ich ihm, während er zur Tür lief.
„Werde ich haben, danke.“, er war schon auf den Flur getreten, als er den Kopf noch mal durch den offenen Spalt
steckte. „Und du solltest auch irgendwann mal wieder etwas essen. So schön es auch wäre, Brüderchen, aber nur von
Luft und Liebe lebt es sich leider nicht.“, meinte er grinsend.
Ich griff nach dem nächstbesten Gegenstand, der sich mir bot – mein Biologiebuch – und warf es nach ihm. Mit einem
lauten Krachen prallte es an der nun geschlossenen Holztür ab.
Ich stand auf, um es aufzuheben. Dann setzte ich mich mit dem Rücken zur Tür an meinen Schreibtisch und kritzelte mit
einem Bleistift irgendetwas auf ein Blatt Papier. Ich malte einfach drauf los, ohne meinen Finger klare Anweisungen zu
geben, oder mir irgendwelche Gedanken zu machen.
Wieder klopfte es an meiner Tür. „Jaah?“, rief ich leicht genervt. Ich hörte, wie sich die Tür hinter mir öffnete.
„Was willst du denn schon wieder, Emmett? Ich dachte, du wolltest ...“, doch in diesem Moment stockte mir der Atem und
ich war nicht fähig, noch ein einziges Wort zu sagen.
Als ich mich umwandte, sah ich, dass es nicht Emmett war, der da gerade mein Zimmer betreten hatte. Vor mir stand sie!
„B-b-b-be-bel-la.“, stammelte ich entsetzt. Loch, tue dich auf, ich will in dir versinken. (AN: Sch***e ... ich bin echt zu
versaut, dass ich da schonwieder zweideutig denk! ...)
„Hey, Edward!“, sagte sie leise und lächelte mich an.
Ich schluckte schwer. Alle anderen Körperfunktionen lagen vorübergehend auf Eis.
„Was ... was machst du hier?“, brachte ich schließlich mit kratziger Stimme heraus.
„Wir hatten eine Verabredung, schon vergessen?“, sagte sie immer noch lächelnd. „Außerdem wollte ich nachsehen, wie
es dir geht. Du warst die letzten zwei Tage nicht in der Schule.“
„Ich war krank.“, erklärte ich mit schwacher Stimme.
„Ich weiß.“, sie trat einen Schritt näher auf mich zu. „Bei der Probe am Mittwoch habe ich dich auch nicht mehr gesehen.“
Scheiße ... Mittwoch – die Wurzel, der Beginn allen Übels.
Ich holte tief Luft, während Bella wieder etwas näher kam.
„Na ja ... und ich dachte...“ Schritt. „...das hätte vielleicht ...“ Schritt. „...etwas mit mir zu tun.“ Jetzt war sie nur noch gute
anderthalb Meter von mir entfernt. Mein Herzschlag beschleunigte sich ins Unermessliche.
„Jody, ein Mädchen aus deiner Band sagte, sie hätte gesehen, wie du den Korridor entlang davon gerannt bist. Nachdem
du in die Aula wolltest.“ Ich schluckte nur, sagte jedoch nichts. Bella sprach unterdessen genauso ruhig und leise weiter.
„Du hast gehört, was Alice und Rosalie gesagt haben, oder?“, wollte sie wissen und trat noch einen Schritt näher.
Ich begann, schwer zu atmen und senkte beschämt meinen Blick.
„Stimmt es?“, fragte Bella schließlich und stand nun genau vor mir. Langsam senkte sie ihren Kopf, um mir in die Augen
zu sehen, doch ich mied die ihren so gut es ging.
Sie seufzte. „Edward, das muss dir nicht ... peinlich sein, oder so. Ich find's schön ... irgendwie.“
Entsetzt fuhr mein Kopf nach oben und nun sah ich direkt in diese braunen Augen, die mich mit einem warmen Blick
musterten.
Ich hatte mit allem gerechnet. Ekel, Ignoranz, Ablehnung, Gleichgültigkeit ... aber, dass sie es schön fand?!
„Du ... WAS?“, fragte ich vollkommen perplex.
„Ich finde es schön. Edward, es tut mir leid, dass ... dass ich deine Gefühle nicht erwidere, aber ... Weißt du, ziemlich
viele Jungs an dieser Schule stehen auf mich. Bei manchen ist es mir egal, bei anderen finde ich es einfach nur abartig
und erschreckend ... aber bei dir nicht.“
„Wie-wieso das denn?“ Ich verstand die Welt nicht mehr. „Wieso denn gerade bei mir nicht?“
„Weil du anders bist, Edward.“ Anders, das war ich schon immer. Aber genau das war normalerweise der Grund, warum
mich andere Leute nicht mochten. „Bei dir weiß ich, dass es nicht daran liegt, dass ich beliebt bin, oder dass ich vielleicht
verhältnismäßig gut aussehe. Frag mich nicht warum, ich weiß es einfach. Nenne es von mir aus weibliche Intuition,
oder so.“
„Bella, ich ... ich ... ich habe mich heute gar nicht auf Nachhilfe vorbereitet.“ WAS? Was redete ich denn da für einen
Quatsch? Nachhilfe? Wie kam ich denn jetzt bitte darauf? Auch Bella schien von meinem plötzlichen Gedankensprung
etwas überfordert, denn sie starrte mich einen Moment nur ratlos an.
„Ähm ... wir müssen auch nicht unbedingt Biologie machen, wenn du nicht willst.“, meinte sie zögernd. (AN: Doppelsinn
*g*) „Wir können auch einfach so den Abend zusammen verbringen und ... reden. Machen Freunde doch so, oder?“,
sagte sie dann mit einem gewinnenden Lächeln.
„Wir ... wir sind Freunde?“, fragte ich total überwältigt.
„Klar ... ich dachte, dass hätten wir schon geklärt.“ Sie wirkte wieder etwas verständnislos.
„Ja, aber ... das war bevor ... vor Mittwoch.“, gab ich schüchtern zu bedenken.
Zu meiner Überraschung lächelte Bella.
„Edward ... dass du in mich verliebt bist, heiß nicht, dass wir keine Freunde sein können. Es macht dich ja nicht zu einem
anderen, schlechteren Menschen. Im Gegenteil.“, sagte sie. „Zumindest sehe ich das so“
„Ich auch.“, sagte ich schnell.
„Gut, dann hätten wir das ja geklärt. Kommen wir zur nächsten wichtigen Frage: Was machen wir mit dem Abend?“
„Ähm...“ Ich überlegte, doch bevor ich eine adäquate Antwort geben konnte, gab mein Bauch ein lautes Brummen von
sich.
„Jaah ... Essen ist wirklich eine gute Idee.“, meinte Bella lachend.
„Ich gehe schnell runter in die Küche und hol uns etwas.“, sagte ich noch und lief dann eilig nach unten.
Als ich wieder nach oben kam, stand Bella an meinem Schreibtisch und betrachtete etwas darauf.
„Hast du das gezeichnet?“, fragte sie.
„Ähm ... ja. Ich hatte vorhin Langeweile und habe einfach so irgendetwas drauflos gemalt.“ Ich wusste überhaupt nicht,
was ich da eigentlich gemalt hatte.
„Mmh ... dafür sieht es ziemlich gut aus. Mir gefällt's. Wunderschön.“, meinte sie lächelnd.
Wir aßen gemeinsam die Snacks, die Esme uns noch schnell zubereitet hatte und unterhielten uns über alles Mögliche,
doch kein einziges Mal über das Thema, wofür ich Bella sehr dankbar war. Irgendwann stellte ich auch zufrieden fest,
dass sie mich an diesem Abend noch kein einziges Mal falsch angesprochen hatte. Es war ein unglaubliches Gefühl.
Irgendwann kamen wir dann sogar noch auf das Thema Biologie, weil Bella mir stolz erzählte, dass sie auf einen von
Mrs. Diehls Multiple-Choice-Test heute eine Zwei bekommen hatte. Sie betete mir den gesamten Ablauf der Mitose – das
„t“ betonte sie dabei besonders deutlich – vollständig aus dem FF herunter. Ich musste zugeben, dass ich ihr dabei die
meiste Zeit kaum zuhörte. Ich beobachtete sie einfach nur. Wie sie jedes ihrer Worte mit ihren Armen zu unterstreichen
versucht ... wie sie sich beinahe verführerisch auf die Unterlippe biss, wenn sie nachdachte ... und wie sie mir jedes Mal
tadelnde Blicke zuwarf, wenn sie der Meinung war, dass sie nicht meine ungeteilte Aufmerksamkeit hatte.
Wenn sie sich aufregte, war sie einfach zu süß ... und verdammt anziehend.
Gegen 10 Uhr verabschiedete ich mich schließlich von ihr, da sie sagte sie bräuchte ihren Schönheitsschlaf. Ich
schnaubte.
„Was, glaubst du, ich sehe so aus, wenn ich nach einer harten Nacht früh aus dem Bett gekrochen komme?“, fragte sie
mich lachend.
„Ich weiß nicht. Ich hab's mir noch nie versucht vorzustellen ...“, murmelte ich.
„Junge, du bist zu gut für diese Welt.“, stellte Bella nüchtern fest. Fragend sah ich sie an.
„Wie meinst du das?“
„Es gibt Kerle, die stellen sich noch ganz andere Dinge vor ...“ Bei dem Gedanken daran schüttelte sie sich und auch mir
fuhr ein unangenehmer Schauer den Rücken hinunter. „Du scheinst mich echt gern zu haben, mmh?“, fragte sie dann.
Irgendwie war mir diese Frage unangenehm, deshalb nickte ich nur schwach.
„Eigentlich verstehe ich gar nicht, was ihr alle an mir findet. Ich finde mich nicht sonderlich liebenswert.“
„Bist du aber.“, schoss es aus mir heraus, bevor ich über meine Worte nachdachte. Hatte ich das gerade wirklich
gesagt? Ich öffnete gerade den Mund, um noch etwas zu erwidern – auch wenn ich nicht recht wusste, was –, als Bella
mir einen kurzen Kuss auf die Wange drückte und dann lächelnd mit einem „Nacht, Edward.“ verschwand.
Ich stand noch eine Weile da und sah ihr Fassungslos hinterher, meine Hand an meine Wange gehoben. Dieser Tag war
definitiv anders verlaufen, als erwartet.
Ich wandte mich um und überlegte, was ich nun machen sollte, als mein Blick auf meinen Schreibtisch fiel, auf dem noch
immer meine Zeichnung von vorhin lag.
Bella hatte gesagt, sie sei wunderschön. Doch was hatte ich eigentlich gezeichnet?
Ich ging auf den Schreibtisch zu, um es herauszufinden ... und erstarrte, als mein Blick auf Bellas Augen traf.
Sie sahen mich von dem karierten Papier her mit einem eigenartigen Ausdruck an. Aber es waren eindeutig die ihren.
Die Form, die Wimpern ... es stimmte alles.
Und eine kleine Notiz in der rechten unteren Ecke des Bildes verriet mir, dass dies auch Bella aufgefallen war.
Danke!
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