close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Der Frühling ist da!

EinbettenHerunterladen
Befunderhebungsfehler mit Folgen
für die Haftung – was muss der Arzt
in Klinik und Praxis beachten ?
65. Fortbildungsveranstaltung
Institut für Qualität im
Gesundheitswesen Nordrhein
Befunderhebungsfehler mit Folgen für die
Haftung – was muss der Arzt in Klinik und
Praxis beachten ?
 Begrüßung
Dr. med. Martina Levartz, MPH
Geschäftsführerin des IQN
2
Befunderhebungsfehler mit Folgen für die
Haftung – was muss der Arzt in Klinik und
Praxis beachten ?

Einführung in das Programm
Rainer Rosenberger,
VorsRiOLG a. D., Köln
Stellv. Vors. Der GAK bei der Ärztekammer
Nordrhein
3
Befunderhebungsfehler mit Folgen für die
Haftung – was muss der Arzt in Klinik und
Praxis beachten ?

Begriffserklärung:
► Befunderhebungsfehler und
Abgrenzung zum Diagnosefehler.
► Rechtliche Folgen für den Arzt.
Referent: VorsRiOLG Köln a. D.
4
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler


Der Arzt schuldet die
berufsübliche Sorgfalt.
Arzthaftung ist Berufshaftung
5
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler

Die Sorgfalt ist gewahrt, wenn der
Arzt unter Einsatz der von ihm zu
fordernden medizinischen
Kenntnisse und Erfahrungen im
konkreten Fall vertretbare
Entscheidungen über die
diagnostischen sowie
therapeutischen Maßnahmen trifft
und diese sorgfältig durchführt,
st. Rspr. seit BGH NJW 1987, 2291.
6
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler

Maßstab ist der gute
fachärztliche Standard.
(so nunmehr ausdrücklich: § 630a Abs.
2 BGB)
7
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler
Standard in der Medizin repräsentiert
► den jeweiligen Stand der
naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und
► ärztlichen Erfahrung,
► der sich in der praktischen Erprobung
bewährt hat und
► dessen Einsatz zur Erreichung des ärztlichen
Behandlungsziels erforderlich ist.


Wird dieser Standard zum Nachteil des
Patienten vorwerfbar unterschritten,
sprechen wir von einem Behandlungsfehler.
8
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler



Medizinschaden lässt sich als Nachteil
definieren, der unmittelbar oder mittelbar
als Folge einer Heilbehandlung im weitesten
Sinne entstanden ist.
Er realisiert sich typischerweise als Einbuße
von Lebensgütern infolge Verletzung des
Körpers und der Gesundheit.
Diese Einbuße einschließlich der sich daraus
ergebenden Vermögensschäden wird als
Personenschaden begriffen.
9
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler


Die Ursache dafür liegt häufig,
keineswegs aber immer, in einem
Behandlungsfehler.
Nicht stets, weil der Schaden in vielen
Fällen sich bloß als Folge der Krankheit
darstellt, die trotz sorgfältigen
Bemühens nicht geheilt werden
konnte.
10
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler




Die Feststellung, ob die Kausalität gegeben
ist, gehört zu den schwierigsten Aufgaben
des medizinischen Sachverständigen.
Häufig scheitert er an dieser Aufgabe, nicht
weil er ihr nicht gewachsen wäre, sondern
weil eine klare Feststellung objektiv
unmöglich ist.
Dann bleibt die Kausalitätsfrage ungeklärt,
sie bleibt beweislos, wie der Jurist sagt.
In einem solchen Fall stellt sich sofort die
Frage, wer den Nachteil der Beweislosigkeit
zu tragen hat.
11
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler

Sorgfaltsverstöße des Arztes lassen sich unschwer
in
► Diagnosefehler,
► Therapiefehler und
► Verstöße gegen die therapeutischen
Beratungspflichten (Sicherheitsaufklärung)
unterteilen.
Aus der Zuordnung ergeben sich rechtliche Folgen,
die für unser Thema, insbesondere für die
Beweislast eine gewichtige Rolle spielen.
12
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler


Die Befunderhebung ist regelmäßig Teil der
Diagnostik.
Medizinrechtlich wird die Diagnostik als Verfahren
zur Ermittlung einer Diagnose verstanden.
Die Diagnose ist die Entscheidung - eine
abschließende oder vorläufige Bewertung - im Sinne
der Zuordnung der erhobenen Befunde und
vorliegenden Symptome zu einer bestimmten
Krankheit im Sinne einer Kategorie innerhalb eines
Klassifikationssystems.
► Ausführlich und sehr instruktiv: Köbberling, Diagnoseirrtum,

Diagnosefehler, Befunderhebungsfehler, VVW 2013, S. 1 ff.
13
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler


In Bezug auf die Haftung für einen Schaden
kommt es in der Regel darauf an, ob die
Diagnose zutreffend war, denn darauf baut
sich die Therapie auf, welche die unmittelbar
Schaden auslösende
Heilbehandlungsmaßnahme ist.
Den die Heilbehandlungsmaßnahmen
durchführenden Arzt wird kein Vorwurf
treffen können, es sei denn er hätte die
Unrichtigkeit der Diagnose erkennen können
oder gar müssen oder er hat die Maßnahmen
fortgesetzt, obwohl er deren Schädlichkeit
erkannt hat oder hätte erkennen können.
14
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler



Das ist der Mechanismus der
horizontalen Arbeitsteilung.
Lag die Diagnostik in den
zuverlässigen Händen des
Radiologen, darf sich der
behandelnde Orthopäde
grundsätzlich darauf verlassen, dass
der Radiologe sorgfältig und
standardgerecht diagnostiziert hat.
Die Verantwortung liegt dann – von
den Ausnahmefällen abgesehen –
beim Diagnostiker.
15
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler




Fehldeutungen sind nicht immer zu vermeiden.
Die Rechtsprechung ist deshalb in der Annahme
eines Diagnosefehlers bei der Fehlbewertung
erhobener Befunde und vorliegender Symptome
zurückhaltend.
Die objektiver Fehlerhaftigkeit einer Diagnose ist
nicht vorwerfbar, wenn es sich um eine in der
gegebenen Situation vertretbare Deutung der
Befunde gehandelt hat.
Dann spricht man von einem Diagnoseirrtum, der
haftungsrechtlich ohne Folgen bleibt.
16
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler


Beruht die Fehlinterpretation
allerdings auf einem Mangel an
Selbstkritik des Arztes oder seiner
Unkenntnis der vielschichtigen
Aussagekraft der Symptome oder gar
einer nur oberflächlichen Befassung
mit dem Patienten, ist eine
Haftungsfreistellung nicht
gerechtfertigt.
Dann liegt ein haftungsrechtlich
relevanter Diagnosefehler vor.
17
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler


Die objektiver Fehlerhaftigkeit einer
Diagnose ist als bloßer Diagnoseirrtum kein
Behandlungsfehler, wenn sie nicht
vorwerfbar ist.
Anders ist dies (Diagnosefehler), wenn ein
klares Krankheitsbild nicht erkannt wird
oder die Fehldiagnose auf dem Nichterheben
gebotener Kontrollbefunde und/oder
mangelnder Abklärung von
Verdachtsdiagnosen beruht.
18
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler


Für die Schadensursächlichkeit,
also die Verknüpfung zwischen
Fehler und Schaden bleibt der
Patient beweispflichtig.
Die Beweispflicht verlagert sich
nur dann auf den Arzt, wenn der
Fehler als grob zu qualifizieren
ist.
19
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler



Ob ein Fehler als grob einzustufen ist, richtet
sich nach objektiven Kriterien, das Maß des
persönlichen Verschuldens spielt keine
Rolle.
In der Praxis wird regelmäßig ein Fehler
dann als grob eingestuft, wenn der Arzt
einen Fehler begangen hat, der aus
objektiver medizinischer Sicht nicht mehr
verständlich erscheint, weil er einem Arzt
schlechterdings nicht unterlaufen darf.
Das ist bei einem Diagnosefehler nur
ausnahmsweise der Fall.
20
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler




Im Rahmen der Diagnostik sind regelmäßig
vielfältige Befunderhebungen veranlasst.
Werden solche Untersuchungen nicht
durchgeführt, obwohl sie bei
standardgerechtem Vorgehen geboten
gewesen wären, liegen
Befunderhebungsfehler vor.
Diese bilden eigenständige
Behandlungsfehler und sind nicht bloß Teil
der unrichtigen Diagnose, die nur deswegen
unrichtig ist, weil gebotene Untersuchungen
nicht stattgefunden haben.
Sie gehen nicht in dem Sinne in dem
Diagnosefehler auf, dass sie ihre
eigenständige Bedeutung verlören.
21
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler
Im Gegenteil.
► Die vorwerfbar unterlassene
Befunderhebung- gleichgültig in welchem
Zusammenhang sie vorgekommen ist -, kann
erhebliche rechtliche Konsequenzen nach
sich ziehen.
 Zu Gunsten des Patienten wird nämlich
vermutet, dass die Befunderhebung den vom
Patienten behaupteten Befund ergeben
hätte, wenn dies hinreichend wahrscheinlich
ist.
 Eine hinreichende Wahrscheinlichkeit liegt
vor, wenn sie überwiegend, d.h. mehr als 50
% beträgt (OLG Köln VersR 2004, 247; OLG
Dresden VersR 2004, 648).

22
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler



Nicht selten wird der Sachverständige ferner
feststellen, dass bei einer sofortigen Reaktion auf
den unterstellten Befund die Krankheit geheilt
worden wäre, jedenfalls sich ein günstigerer
Verlauf eingestellt hätte.
Die Beweislast, dass sich am Verlauf nichts
geändert hätte, obliegt dem Arzt, wenn die
Verkennung des Befundes oder das Unterlassen
einer Reaktion grob fehlerhaft gewesen wäre, was
häufig anzunehmen ist.
Diese Fallgestaltungen sind in der medizinischen
Praxis recht häufig.
23
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler

Während beim Diagnosefehler
nur eine Bewertung als grober
Fehler zu einer Haftung
begründenden
Beweislastverschiebung führt,
kann bereits der einfache
Befunderhebungsfehler diese
Rechtsfolge auslösen, der grobe
Befunderhebungsfehler
sowieso.
24
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler

Zur Klarstellung:
Ein Diagnoseirrtum kann nur vorliegen,
wenn die Beschwerdesymptomatik und/oder
erhobene Befunde objektiv unrichtig
bewertet worden sind.
► Es geht um eine Fehlinterpretation.

Liegt eine solche Fehlinterpretation vor, die
zur Konsequenz hat, dass weitere
Befunderhebungen nicht mehr veranlasst
sind, die bei richtiger Bewertung geboten
gewesen wären,
► bleibt das Unterlassen ohne rechtliche
nachteilige Konsequenz, eben weil es an der
Vorwerfbarkeit fehlt.

25
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler

Zweifelhafte Rechtslage !
► Ist die Fehlinterpretation vorwerfbar
(Diagnosefehler), haben deswegen
folgerichtig unterlassene
Befunderhebungen wohl ebenfalls keine
eigenständige haftungsrechtliche
Konsequenz mit der etwaigen Folge einer
Beweislastumkehr.

Ich sage bewusst "wohl", denn das kann
man auch anders sehen.
26
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler


Wenn man das Unterlassen der
Befunderhebung als Schaden begreift, der
sich als unmittelbare Folge des
Behandlungsfehlers "Diagnosefehler"
eingestellt hat, erscheint es gerechtfertigt,
die unterlassene Befunderhebung dem Arzt
zuzurechnen mit der Folge, dass dem
Patienten unter Umständen eine
Beweislastumkehr zugute kommt, wie
wenn der Befunderhebungsfehler als
eigenständiger Haftung begründender
Umstand qualifiziert worden wäre.
Rechtsprechung hierzu gibt es meines
Wissens nach nicht.
27
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler



Befunderhebungsversäumnisse, die
vor Diagnosestellung liegen, haben
selbstverständlich eigenständige
haftungsrechtliche Relevanz.
Versäumnisse bei der Befundsicherung
stehen Befunderhebungsmängeln
gleich.
Das hat große praktische Relevanz wie
folgendes Beispiel verdeutlichen soll:
28
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler


Im Rahmen einer Erkrankung wird die CRP –
Konzentration gemessen (Befunderhebung). Der
Befund – stark erhöhter Wert – wird nicht
dokumentiert, also nicht gesichert, folgerichtig
darauf auch nicht reagiert. Nachdem sich zwei
Tage später Zeichen einer beginnenden Sepsis
einstellen, wird ein Antibiotikum gegeben.
Trotzdem folgt ein schwerer Krankheitsverlauf mit
bleibenden Gesundheitsschäden.
Hier haftet der Arzt, obwohl nicht sicher ist, dass
sich eine frühere Antibiotikagabe günstig
ausgewirkt hätte, wenn der CRP – Wert mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit einen
reaktionspflichtigen Befund (sofortige
Antibiotikagabe) ergeben hatte - was tatsächlich
der Fall war -, weil die mangelnde Reaktion darauf
als grob fehlerhaft zu qualifizieren ist.
29
Befunderhebungsfehler Abgrenzung zum Diagnosefehler


Der Referent dankt für Ihre
Aufmerksamkeit.
Fragen bitte erst nach dem
Vortrag von Herrn Prof. Dr. med.
Köbberling.
30
Document
Kategorie
Gesundheitswesen
Seitenansichten
5
Dateigröße
101 KB
Tags
1/--Seiten
melden