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01.11.2013 - Allerheiligen – Was macht einen Heiligen aus? Was

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01.11.2013 - Allerheiligen – Was macht einen Heiligen aus?
Was macht einen guten Fußballer aus? Ich als Nicht-Experte würde sagen: Er muss
Tore schießen können. Damit liege ich sicherlich richtig. Doch der Fußballexperte, der
Fußballfan würde dies schon etwas differenzierter sehen: Der Fußballer muss sich in
eine Mannschaft integrieren, er muss laufstark sein, schnell kombinieren können usw.
usw.
Oder ein anderes Beispiel: Was macht einen guten Musiker aus? Ich würde sagen: Er
muss schöne Lieder spielen können. Sicherlich richtig. Doch der Musiker selbst würde
schon genauer darlegen, was es heißt, schöne Lieder spielen zu können.
Wir sind heute weder am Fußballplatz noch im Konzertsaal. Wir sind in der Kirche
zusammen gekommen und feiern Allerheiligen. Unsere Frage ist heute eine andere:
Was ist ein Heiliger. Welche Eigenschaften muss ein Mensch haben, der als Heiliger
bezeichnet werden kann?
Dabei ist diese Frage für uns Christen keine theoretische Frage, geboren aus der Neugierde. Denn wir alle sind seit unserer Taufe zur Heiligkeit gerufen und berufen. „Seid
heilig, wie auch euer Vater im Himmel heilig ist“. Das ist unsere Berufung als Christen in dieser Welt. Seid heilig. Werdet Heilige. Der Auftrag Jesu ist also nicht „Werde
ein guter Musiker, werde ein guter Fußballer“ – so schön das auch ist. Unsere Berufung ist die Heiligkeit. Fußballer kann nicht jeder werden. Musiker kann nicht jeder
werden. Doch Heiliger, heilig, das kann jeder werden. Ob jung oder alt, ob Mann oder
Frau, ob Handwerker oder Professor, ob krank oder gesund. Jeder kann heilig werden.
Völlig unabhängig von seiner Person, von seinen Lebensumständen. Jeder ist zur Heiligkeit berufen und jeder kann es werden. Da braucht es keine Sondertalente.
Nun – was macht nun einen Heiligen aus? Welche Eigenschaften müssen wir entwickeln, damit wir diese unsere Berufung leben können? Ich kann in 12 Minuten auf diese Frage keine erschöpfende Antwort geben. Doch wichtige Aspekte kann ich sicherlich nennen. Was macht nun einen Heiligen aus?
Der Heilige hat die richtige Einstellung zu den Dingen dieser Welt. Der Mensch, welcher auf dem Weg der Heiligkeit geht, er kann unterscheiden zwischen wichtig und
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unwichtig. Der Christ muss bei aller Freude und Dankbarkeit für die irdischen Dinge
eine rechte Distanz dazu aufbauen und auch bewahren. Eine Welt, welche nicht mehr
an die Ewigkeit glaubt, eine Welt, in welcher nach dem Tod alles vorbei ist, eine solche Welt ohne Blick nach oben, eine solche Welt vergöttert die Dinge dieser Welt.
Eine solche Welt macht sich Götzen, denen man Zeit und Kraft und all sein Streben
opfert. Der Christ hingegen lebt in der rechten Distanz zu den Dingen dieser Welt. Für
ihn ist wichtig, was vor Gott wichtig ist. Für ihn ist heute schon wichtig und unwichtig, was in der Stunde des Todes noch wichtig oder unwichtig sein wird. Er hat das
richtige Verhältnis zu den Dingen dieser Welt gefunden.
Das heißt noch lange nicht, dass er sich nicht an diesen Dingen freut, dass er sie nicht
benutzt. Doch mit der rechten Distanz. Hat er etwas nicht, dann ist er nicht todunglücklich. Hat ein anderer mehr als er, wird er deshalb nicht neidisch sein. Warum
auch? Ist es wirklich wichtig wo ich in den Urlaub hin fahre? Oder ob ich überhaupt
eine Reise mache? Welches Auto ich fahre? Ist das wirklich wichtig? Wichtig für den
Christen ist was vor Gott wichtig ist. Was bleibt für Zeit und Ewigkeit.
Je mehr wir die rechte Distanz zu den Dingen der Welt finden, desto mehr werden wir
andere nicht mehr verstehen, welche mit unglaublichem Einsatz an Kraft und Zeit den
Dingen dieser Welt nachlaufen. Vergänglichen Dingen nachlaufen – ob Geld, ob Besitz, ob Vergnügen, ob Ruhm, ob Macht, ob Erfolg, ob Karriere, ob zweifelhaften
Schönheitsidealen. All das ist so vergänglich und flüchtig und damit eigentlich unwichtig. Warum dieser Aufwand? Warum diese Verbissenheit? Für ein Nichts, von
dem nichts mehr bleibt.
Und – was bleibt wirklich? Was hat Bestand? Für was lohnt es sich, Kraft und Zeit
einzusetzen? Für was lebt der Heilige, der Christ? Paulus sagt: Die Liebe bleibt immer.
Und so ist es auch: Wichtig ist alles, was wir in Liebe und Wahrheit tun. Nach der
Liebe werden wir am Ende des Lebens gefragt. Das wird bleiben. Liebe zu Gott, Liebe
zum Mitmenschen, zu unseren Kindern, zum Ehepartner, Nachbarn, Kollegen, zu Vereinsmitgliedern. Ein Liebesdienst, eine Hilfsbereitschaft, ein aufmerksames Zuhören,
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Zeit für das Gebet. Das wird bleiben, das hat Bestand. Und danach müssen wir unser
Leben ausrichten. Hier müssen wir unsere Kraft und Zeit einsetzen.
Schwestern und Brüder, die rechte Distanz zu den Dingen dieser Welt schafft Raum,
Freiraum für die Liebe. Wer reich werden will, der hat keine Zeit für einen Liebesdienst. Wer ständig nach dem Erfolg, nach der Karriere, nach dem nächsten Vergnügen schielt, der hat keine Zeit mehr für einen Besuch, für ein Gespräch, für Hilfsbereitschaft. Wer sich ständig mit anderen vergleicht, weil er sein Glück im Besitzen
sucht, der hat keine Zeit mehr für ein gutes Wort, für ein herzliches Miteinander. Der
andere wird zum Konkurrenten und wir vergessen, dass er unser Bruder, unsere
Schwester ist.
Was wichtig ist im Leben muss uns wichtig werden. Und was vergänglich ist muss uns
immer mehr unwichtig werden. Dann sind wir schon auf dem Weg der Heiligkeit.
AMEN
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Seele and Geist
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