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Denn sie wissen nicht, was sie wollen - HSO Wirtschaftsschule

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Datum: 06.01.2012
Der Schweizerische Beobachter
8021 Zürich
043/ 444 52 52
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Medienart: Print
Medientyp: Publikumszeitschriften
Auflage: 309'705
Erscheinungsweise: 26x jährlich
311
Themen-Nr.: 375.43
Abo-Nr.: 1088470
Seite: 10
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Denn sie wissen nicht, was sie wollen
Jungen Erwachsenen stehen
alle Wege und Türen offen.
Doch wie gehen sie mit
dieser Freiheit um? Und
was sagen ihre Eltern dazu?
Wir haben nachgefragt.
verleidet, nehmen sie einfach die
Die Last der Verantwortung
nächste Abzweigung. Im Hinterkopf gibt es immer einen Plan B. Doch ist es wirklich so berauschend,
dieses scheinbar grenzenlose LeSelbstverwirklichung und Flexibiliben? Alle Möglichkeiten zu haben
tät sind ihre Leitwerte. Verbindlichheisst auch, wählen zu müssen.
keit war gestern, und VerantworUnd es weckt den Anspruch, we-
Text: Conny Schmid; Fotos: Gerry Nitsch
Altersgruppe zwischen 18 und 25
denn auch als «emerging adults»,
als «werdende Erwachsene»: Sie
verschieben das Erwachsenwerden
auf später. Sie fangen nicht eine
Ausbildung an, sondern mehrere.
Und sie sind stets offen für neue
Ideen. Notfalls springen die Eltern
jungen Leute von heute
Djehaben es schön: Was sie
aus ihrem Leben machen,
entscheiden sie ganz allein, und sie
können aus unzähligen Möglichkeiten frei wählen. Sie sind die Kinder der «Multioptionsgesellschaft»,
tung ist etwas für über 30-Jährige.
Die Psychologie bezeichnet die
nigstens aus einer etwas zu machen.
Die Kinder der Multioptionsgesell-
schaft sind für ihr Glück - und somit auch für ihr Unglück - selber
verantwortlich. Wie fühlen sie sich
dabei? Welche Ziele haben sie, wie
gehen sie mit der Freiheit um? Und
was denken ihre Eltern darüber?
Wir haben drei junge Erwachsene
und jeweils einen Elternteil befragt
wie sie der Soziologe Peter Gross in die Bresche - oder der Staat. - getrennt voneinander.
einst beschrieb. Und wenn ihnen Diese Anspruchshaltung kann ganz
ein einmal eingeschlagener Weg schön nerven.
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MERET STEIGER
«Ich kann mich nie
entscheiden»
ich in fünf oder zehn Jahren stehen werde?
Jesses, ich habe keinen Schimmer. Ich würde
noch nicht einmal sagen, dass ich in fünf Jahren
von zu Hause ausgezogen sein möchte. Ich wohne gern
zu Hause. Ich weiss auch noch nicht, ob ich selber mal
Mann, Haus, Kind und Katze
möchte. Vor 30 jedenfalls
sicher nicht! Sogar ein
Freund ist mir momentan
zu viel Verpflichtung. Und ich will noch
auf Reisen gehen - ohne Rückflugticket.
Meine Arbeit gefällt mir sehr gut. Ich kann mir
vorstellen, im Medienbereich zu bleiben, vielleicht
noch eine Ausbildung zur Videojournalistin oder zu was
anderem zu machen. Ich schaue mir ab und zu Angebote
an. Aber ich kann mich da unmöglich entscheiden. Ich
werde mal anbringen, dass ich irgendwann etwas anderes machen will. Mal schauen, wo sie mich sehen.
Eine andere Möglichkeit wäre der Gastrobereich, da
habe ich das KV gemacht. Oder halt doch ein normaler
Bürojob. Obwohl: Büro ist schon ein wenig langweilig.
Wo
«Ich finde es im Prinzip schon gut,
dass man sich Ziele setzt im Leben.
Aber doch nicht auf Jahre hinaus!»
Ich glaube, ich habe viele verschiedene Qualitäten, und ich
möchte gern einfach ein wenig ausprobieren. Meine Eltern
kommen ungefähr jeden zweiten Tag und fragen nach
Zukunftsplänen. Sie mailen mir Jobinserate und so. Das ist ja
lieb gemeint. Aber ich bin doch erst 20!
Ich finde es im Prinzip schon gut, dass man sich Ziele
setzt im Leben. Aber doch nicht auf Jahre hinaus! Ein
Kollege von mir weiss jetzt schon, dass er sich im Jahr 2014
ein bestimmtes Auto kaufen wird. Das könnte ich nie.
Ich kann mich nie entscheiden. Wenn ich am Kiosk
stehe, weiss ich nicht, welches Heftli ich kaufen soll. Und ich
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habe Mühe, an etwas dranzubleiben. Zum Beispiel Instrumente: Zuerst war es die Flöte, die zu Hause nur rumlag,
dann die Elektrogitarre. Ich wollte spielen können, aber
nicht üben.
Dasselbe droht mir jetzt beim Autofahren. Aber ich will
jetzt diese Prüfung machen. Ich habe schon so viel Zeit
und Geld investiert, das wäre dumm, da jetzt nicht dranzubleiben.»
Meret Steiger, 20, Input-Assistentin bei Tele Züri, Uetikon ZH
Ausbildung: 2004: Langzeitgyrni, Sek A: 2006: Kurueitgyrni, Sek A;
2007 bis 2010: KV-Lehre; seit 2010 Input-Assistentin bei Tele Züri
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MARIANNE SIEGENTHALER
«Von mir aus kann sie
auch Kompostberaterin
werden»
gesagt warte ich schon darauf, dass Meret mal
ihre Ziele bekanntgibt. Wohin will sie beruflich, was
sind ihre Pläne? Einerseits finde ich es ja schön, wenn
sie so unbeschwert ist und das Leben nimmt, wie es kommt.
Anderseits gehe ich als eher pessimistischer Mensch nicht
selbstverständlich davon aus, dass in Zukunft alles von
selber gut kommt. Man will halt das Beste für sein Kind.
Sie dagegen ist durchwegs optimistisch. Sie hat ja auch
nicht viel zu verlieren. Und ihr ist bis jetzt auch alles ein
wenig in den Schoss gefallen. Sie musste sich in der Schule
eigentlich nie gross anstrengen. Und wenn sie sich mal hätte
anstrengen müssen, liess sie es bleiben. Sie flog zuerst vom
Langzeitgymi, dann auch noch vom Kurzzeitgymi, schlicht
und einfach, weil sie zu faul war. Sie hätte das Potential
gehabt, daran liegt es nicht.
Sie hat dann das KV gemacht, weil es ihr easy erschien.
Ein bisschen im Büro sitzen und so. Sie hatte als Köchin
geschnuppert, aber das war ihr viel zu anstrengend. Ich war
ein wenig skeptisch, denn eigentlich passt sie überhaupt
Ehrlich
«Ich bin manchmal ein wenig neidisch
auf das unbeschwerte Leben, das meine
Tochter führt.»
nicht ins Büro. Doch sie hat es gut getroffen mit der Stelle.
Und ich war sehr froh, als sie die Lehre tatsächlich abschloss
- mit guten Noten.
Ich bin manchmal ein wenig neidisch auf das
unbeschwerte Leben, das sie führt. Ich wurde in ihrem Alter
mehr oder weniger ungefragt in eine kaufmännische Lehre
in ein Treuhandbüro gesteckt und musste einen Beruf
lernen, der mich kein bisschen interessierte.
Meret mag es überhaupt nicht, wenn wir sie auf Zukunftspläne ansprechen. Vermutlich, weil sie genau weiss, dass es
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schon sinnvoll wäre, sich mal ein paar Gedanken zu machen.
Ich bin selber etwas hin- und hergerissen, denn eigentlich
finde ich es richtig, wenn man Entscheide dann trifft, wenn
die Zeit reif ist.
Ich bin aber sicher, dass Meret ihr Plätzli schon finden
wird. Von mir aus kann sie Kompostberaterin werden,
Hauptsache, die Arbeit entspricht ihr und fordert sie
genügend heraus.»
Marianne Siegenthaler, 51, freischaffende Journalistin und
Buchautorin, Uetikon ZH. Ausbildung: 1973 bis 1975: Sek; 1975 bis 1978:
Gymi; 1978 bis 1980: KV-Lehre; 1981 bis 1983: Erwachsenenmatura;
1984 bis 1988: Germanistikstudium; seit rund 20 Jahren Journalistin
«Alle hatten einen Abschluss im Sack,
nur ich nicht. Das hat mich ziemlich
runtergezogen.»
«Lange Zeit war mir
alles recht egal»
PETER JARAY
ein Wirtschaftsstudium möchte ich
in sieben Jahren abgeschlossen
haben, dann will ich im Ausland leben, eine gutbezahlte Stelle bei
einer internationalen Firma haben und für
den Job in der ganzen Welt herumreisen. Das
ist so mein Plan. Mein Traumberuf bleibt aber
Musikproduzent. Mit Haus in Südfrankreich und Tonstudio im Keller. Doch das ist total utopisch. Ich habe
keine Lust, die nächsten zehn Jahre lang Kabel zu tragen.
Der Entscheid für Berufsmatura und Studium war ein
Kopfentscheid. Lange Zeit war mir ja alles recht egal.
Ich habe mir nie gross überlegt, was aus mir werden soll.
Am privaten Gymi habe ich irgendwann gemerkt, dass
meine Eltern ihr Geld verschwenden.
Es ist mir sowieso nicht recht, dass ich ihnen auf der
Tasche liege. Die Hälfte meiner jetzigen Ausbildung
bezahle ich selber. Und ich gebe ziemlich viel Geld ab zu
Hause zur Verwahrung. Damit ich mir nicht selber zum
Verhängnis werde. Ich habe sehr viel Geld zurzeit, noch
vom Militär. Der Sold war auch ein Hauptgrund, dass ich
Nif
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bis zum Unteroffizier weitergemacht habe. Noch weiter
ging leider nicht, weil ich keine abgeschlossene Berufsausbildung habe.
Das wurde mir eigentlich erst da richtig bewusst. Alle
hatten einen Abschluss im Sack, nur ich nicht. Das hat
mich ziemlich runtergezogen. Da habe ich beschlossen,
es mit der Handelsschule zu versuchen.
Jetzt müsste man mir schon einen sehr, sehr attraktiven Job anbieten, um mich davon wieder abzubringen.
Oder - wenn ich jetzt plötzlich Erfolg hätte mit meiner
Musik, so richtig, richtig Erfolg. Da könnte man es sich
überlegen. Ich wünsche mir auch bald mal eine Familie.
Also meine Freundin sollte jetzt bitte nicht morgen
schwanger werden, aber vor 30 wäre ich schon gern Vater.
Aber eben: Finanzielle Stabilität ist eine Voraussetzung.»
Peter Jaray, 21, Berufsmaturand, Männedorf ZH
Ausbildung: 2003 bis 2004: Sek 13; 2004 bis 2007: Sek A; 2007: zwei
Gymiaufnahmeprüfungen; 2007 bis 2009: privates Gymi; 2009 bis 2010:
Tontechnikerschule SAE, diverse Jobs als Kabelträger und im Restaurant
eines Altersheims, Reise nach Indien; seit August 2011 Berufsmaturand
an der HSO - Handelsschulorganisation Schweiz
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MARTIN JARAY
ich, es ist eine gute Sache. Es herrscht da eine recht
straffe Struktur.
«Ich hätte ihn mehr
pushen müssen»
«Manchmal habe ich schon gedacht:
<Junge, nimm den Finger raus!>»
ist im Moment auf einem guten Weg. Er weiss,
was er will. Das war nicht immer so. Er spielte
nächtelang am Computer, hatte schlechte Noten,
war völlig ziellos. Da habe ich schon manchmal so für
mich gedacht: <Junge, jetzt nimm doch mal den Finger
raus!) Es hat mich genervt, dass er sein Potential nicht
nutzt. Gesagt habe ich ihm das so aber nicht.
Er hatte bei mir halt immer einen Vertrauensvorschuss. Wenn er sagte, er habe gelernt,
glaubte ich das. Heute denke ich, ich hätte
ihn mehr pushen müssen. Als er die GyrniAufnahmeprüfung zum zweiten Mal nicht
bestanden hatte, schickten wir ihn an eine
private Mittelschule. Ich habe nicht realisiert, dass es
nicht das Richtige für ihn war.
Er brach das Gymi dann ja ab und machte diese
Tontechnikerausbildung. Seit er als Kabelträger auf dem
harten Boden der Realität gelandet ist, hat er sich stark
verändert. Er hat gemerkt, dass er mehr will als das. Da
kam er mit der Idee dieser HSO. Ich war am Anfang sehr
skeptisch. Nachdem er mir aber die Unterlagen gezeigt
hatte, unterstützte ich das Projekt. Mittlerweile denke
peter
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Hin und wieder überkommen mich Zweifel, dass er
das nun wirklich durchzieht. Kürzlich schrieb er auf
Facebook: <Ich bin da und da, dabei sollte ich eigentlich
lernen.> Ich könnte mir gut vorstellen, dass er all seine
Pläne wieder über den Haufen schmeisst, wenn plötzlich
einer mit einem tollen Jobangebot in der Musikbranche
auf ihn zukommt. Ich hätte nichts dagegen, solange es
Hand und Fuss hat.
Irgendwie hat Peter die lange Suche aber auch
gutgetan. Ich bewundere ihn für seine Sozialkompetenz.
Als ich in seinem Alter war, gab es für mich nur eine
Marschrichtung: Matura, Studium, Arbeiten. An Alternativen habe ich gar nicht gedacht. Er hingegen schaute
nach links und rechts, das hat ihn in seiner persönlichen
Entwicklung viel weiter gebracht.»
Martin Jaray, 55, Physiker ETH, Männedorf ZH
Ausbildung: 1975: Matura; 1976 bis 1982: Physikstudium ETH:
1982 bis 1984: Nachdiplom Betriebswissenschaften ETH; seither
als Produktmanager, Verkaufsleiter, Tochtergesellschaftsleiter
und Leiter Verkauf für Schweizer KMU im In- und Ausland tätig
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AIKO SCHEU
«Was fang ich mit
meinem Leben an?»
weiss ich überhaupt nicht, was ich will.
Ich sitze wie ein gebanntes Karnickel vor dieser Frage:
Was fang ich mit meinem Leben an? Ich habe keine
Antwort - oder zu viele. Irgendwann möchte ich schon mal eine
eigene Familie, Heiraten finde ich aber nicht zwingend. Ich
könnte, glaube ich, auch nicht nur> Hausfrau sein.
Mein momentaner Job, den ich sehr liebe, macht mich
aber krank Ich habe Knötchen auf den Stimmbändern von der
Überanstrengung der Stimme und der trockenen Luft im Flieger.
Mein Arzt hat mich kürzlich grausam zusammengeschissen. Ich
solle jetzt an die Uni gehen, das sei ja Perlen vor die Säue geworfen. Ich weiss, dass er recht hat. Meine besten Freundinnen studieren beide, und wenn wir uns treffen und sie über Vorlesungen diskutieren, denke ich mir jedes Mal: Was mach ich eigentlich? Ich will ja nicht ftir den Rest meines Lebens Brötli verteilen.
Aber mich interessiert eben
vieles. Ich habe ein Semester Sinologie und Japanologie studiert,
mit Ausblick auf eine Dolmetscherausbildung. Dann wurde mir klar,
dass ein Bachelor ftir Sprachkenntnisse auf diesem Niveau kaum
genügt. Mein Problem ist, dass ich
immer die Beste sein will. Für mich
gibt es kein Mittelmass: entweder
Weltspitze oder gar nicht.
Ich könnte mir auch vorstellen,
Jus zu studieren oder Medizin,
neuerdings käme auch eine Ausbildung zur Fotografin in Frage
oder eine Lehre im Hotelfach. Das
möchte ich alles irgendwie - aber
nichts so wirklich tausendprozentig.
Ich habe Angst, Zeit zu verlieren,
wenn ich jetzt was anfange, das
dann doch nichts ist.
Jetzt bin ich erst mal nach Berlin
gezogen. Ich wollte schon immer
mal eine Weile im Ausland leben
und bin froh, dass ich wenigstens da
eine Entscheidung gefunden habe.
Meine Mutter hat mir einen Link zu
einer Schauspielschule in Berlin
geschickt. Ich finde das megaherzig
und es zeigt mir, wo sie meine
Talente sieht. Aber ich habe doch
selber schon tausend Ideen.»
Momentan
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Alb Scheu, 23, Flight-Attendant, Berlin
Ausbildung: 2000 bis 2003: Schule für Kunst
und Sport (Sek A): 2003 bis 2008: Kunst-undSport-Gymnasium (Matura 2008) und zugleich
Berufsausbildung in zeitgenössischem Tanz;
2008 bis 2009: ein Semester Sinologie und
Japanologie; seit 2010 Flight-Attendant
Nina Scheu, 52, Kommunikationsbeauftragte, Zürich
Ausbildung :1978: Matura, diverse Praktika im
Spital und im Theater; 1979 bis 1983: Medizinstudium, mehrmals abgebrochen und wieder
angefangen, längere Reisen; ab 1980 erste
journalistische Arbeiten; 1986: Ausbildung zur
Physiotherapeutin (abgebrochen wegen Mutterschaft 1988); ab 1994 Studien in Germanistik
und Filmwissenschaft (ohne Abschluss) und
diverse Weiterbildungen; bis 2009 Journalistin,
seither Kommunikationsverantwortliche
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NINA SCHEU
«Im Moment scheint sie
wie gelähmt»
habe ich keine Mühe damit, dass Aiko
sich nicht entscheiden kann. Ich finde es gut, wenn man
Grundsätzlich
die Dinge im Leben etwas laufen lässt. Aus eigener
Erfahrung weiss ich auch, dass sich immer irgendetwas ergibt.
Aber ich weiss auch, dass sie ein anderer Typ ist als ich: Sie
braucht ein Ziel.
Im Moment wirkt sie sehr verloren und scheint deshalb wie
gelähmt. Sie ist Hals über Kopf nach Berlin gezogen und müsste
sich eigentlich um all die Formalitäten kümmern. Stattdessen
steht sie in ihrer dreckigen Wohnung und weiss nicht, wo sie mit
Putzen anfangen soll.
Dass sie ihren Job aufgeben muss wegen der Stimmbänder,
hat sie aus der Bahn geworfen. Sie hat sehr hohe Ansprüche ans
Leben, und ich glaube, sie wäre manchmal froh, wenn ich ihr
sagen würde: <Jetzt mach doch dies oder das.> Ich mache sogar
manchmal Vorschläge. Doch letztlich muss sie ihren Weg selbst finden. Ich habe keine Angst, dass ihr
das nicht gelingt. Sie ist ja nicht blöd.
Wo sie aber in ein paar Jahren
stehen wird, kann ich wirklich nicht
sagen. Ich hoffe, dass sie bald aus
ihrer Verlorenheit herausfindet. Ich
glaube, sie wäre eine ganz gute Juristin. Ich kenne keinen Menschen, der
so schnell liest und auswendig lernt.
Ausserdem ist sie ziemlich detailversessen, geradezu pingelig.
Ich könnte sie mir aber auch als
Schauspielerin vorstellen oder als
Dolmetscherin. Vielleicht findet sie
auch etwas in der Musik - was weiss
ich? Vieles ist möglich. Aber ich
glaube, sie hat Angst davor, nicht die
Beste zu sein. Und macht deshalb
lieber nichts, als zu scheitern. Das
finde ich tatsächlich blöd - aber es
gelingt mir nicht, ihr das zu nehmen.
Und sie will momentan mit dem
ganzen Kulturzeugs nichts zu tun
haben, weil ich mich in diesen
Kreisen bewege. Das gehört zur
Ablösung.»
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