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1 WAS IST EIGENTLICH PSYCHOTHERAPIE - Paedagogika

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[Kinder-] Psychotherapie | HSP | Grois | BAKIP 21 | Stand 2011 | 1/4
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WAS IST EIGENTLICH PSYCHOTHERAPIE?
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...für Erwachsene?
...Kinderspieltherapie?
...Gruppentherapie?
...Paartherapie?
...Familientherapie?
...Sexualtherapie?
…Psychoanalyse?
„Psychotherapie ist die Heilbehandlung für psychisch und psychosomatisch bedingte
Leidenszustände durch das psychotherapeutische Beziehungsangebot auf
wissenschaftlicher Basis.“ 1
Psychotherapie darf nur von nach dem Österreichischen Psychotherapiegesetz ausgebildeten
Psychotherapeutinnen, Psychotherapeuten durchgeführt werden. Die berufsberechtigten
Psychotherapeutinnen, Psychotherapeuten werden in einer Liste des Gesundheitsministeriums
geführt.
Abgrenzung: Psychiaterinnen, Psychiater sind Mediziner (Medizinstudium), die psychisch
kranke Menschen, vorwiegend mit medizinischen Mitteln, also z.B. durch medikamentöse
Behandlung, heilen.
Klinische Psychologinnen, Psychologen arbeiten in der Regel testdiagnostisch, also mit
Entwicklungs-, Intelligenz-, Persönlichkeits- und projektiven Tests (siehe Skriptum
„Psychologische Tests“). Klinische Psychologinnen, Psychologen behandeln mit Hilfe
psychologischer Beratung.
Der Begriff Psychoanlytikerin, Psychoanalytiker bezieht sich auf Menschen mit
psychoanalytischer Ausbildung, welche bekanntlich auf die Lehre Sigmund Freuds
zurückgeht.
Verwirrend mag sein, dass ein und dieselbe Person sowohl Psychiater, Psychotherapeut im
Sinne des Gesetzes und Psychoanalytiker sein kann. Auch die Kombination klinischer
Psychologe und Psychotherapeut ist häufig.
Die Ausbildung zum/r Psychotherapeuten/in erfolgt zweistufig, ein viersemestriges
Propädeutikum (= Einführungsstudium) geht dem Fachspezifikum voraus. Dieses kann nach
Vollendung des 24. Lebensjahrs begonnen werden und dauert mehrere Jahre lang. Die
eigenständige Berufsausübung kann erst ab 28 Jahren begonnen werden. Die
Ausbildungskosten belaufen sich auf tausende Euros. Eingangsvoraussetzungen für die
Ausbildung sind im Gesetz vorgesehene „Quellenberufe“, so z. B. alle pädagogischen Berufe.
Gesetzlich (seit 1991) anerkannt sind auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende
psychotherapeutische Methoden: In Österreich sind derzeit 22 psychotherapeutische
Behandlungsformen anerkannt, die sich grob in vier Richtungen zusammenfassen lassen:
· tiefenpsychologisch-psychodynamische
· humanistische
· systemische
· verhaltenstherapeutische.
Häufig genannte psychotherapeutische Methoden, die sich eben an einer der vier oben
genannten Richtungen orientieren, sind: „Gesprächstherapie“ (personen- oder
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http://www.psychotherapie.at/ 5.5.2010
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klientenzentrierte Psychotherapie) und Gestalttherapie als humanistische Methoden;
(systemische) Familientherapie als systemische Methode; Psychoanalyse und
Individualpsychologie als tiefenpsychologische Methoden; Verhaltenstherapie.
Für an der Geschichte der Psychotherapie in Österreich interessierte Menschen sind folgende
Seiten empfehlenswert: 2
Wann soll eine Psychotherapie begonnen werden?
Empfohlen wird Psychotherapie für Erwachsene, wenn z. B. einer der folgenden Sätze
zutrifft:
· Ich fühle mich krank und es gibt keinen medizinischen Befund.
· Ich fühle mich lustlos, erschöpft und ständig überfordert.
· Ich vermeide es, bestimmte Dinge zu tun, die ich gerne tun würde.
· Ich habe Probleme beim Ein- und Durchschlafen.
· Ich befinde mich in einer belastenden Umbruchsituation (Tod, Arbeitslosigkeit, Trennung, Unfälle,...)
· Ich lebe in einer schwierigen Beziehung, sie nimmt mir die Luft zum Atmen.
· Ich kann mich in Konfliktsituationen oft nicht durchsetzen.
· Ich erlebe mich oft als destruktiv und bin dem ausgeliefert.
· Ich bin süchtig (nach Alkohol, Drogen, Essen, Hunger, Liebe, Glücksspiel, Internet,...)
· Ich bekomme rasendes Herzklopfen und die Angst, dass ich sterben muss.
· Ich kann ohne bestimmte Rituale (z.B.: waschen, zusperren, kontrollieren...) nicht leben, obwohl
diese mein Leben sehr einengen.
· Ich möchte mein Entwicklungspotential besser ausschöpfen und weiß nicht wie.
· Ich möchte meine Beziehungen verbessern und brauche dazu Rückmeldungen über meine Stärken
und Schwächen.
· Ich möchte gerne meine Kinder besser unterstützen und fühle mich dabei überfordert.
· Ich komme mit meiner Sexualität nicht zurecht.
· Ich bin oft niedergeschlagen und habe keine Freude am Leben.
· Ich denke manchmal an Selbstmord.
Der erwachsene Mensch spürt also einen gewissen Leidensdruck, der die Basis für den
Beginn einer Psychotherapie darstellt. Der erwachsene Mensch begibt sich also freiwillig in
Behandlung.
Psychotherapie erfolgt in unterschiedlichen „Settings“: einzeln oder in einer Gruppe; im Paar
oder in Familiensitzungen. Zu den Settingfragen gehören auch die Frequenz (z.B. einmal
wöchentlich), die voraussichtliche Dauer und die Kosten für die Psychotherapie (Kosten siehe
weiter unten). Ebenso müssen zu Beginn Absageregelungen vereinbart werden.
Psychotherapie ist also als hochschwelliges Angebot aufzufassen und wird insofern nicht von
allen Menschen, denen dazu angeraten wird, in Anspruch genommen werden. Schon die
Bezeichnung „Psychotherapie“ wird von manchen Menschen als stigmatisierend aufgefasst.
Psychotherapie für Kinder Synonym: (Kinder-) Spieltherapie
Bei Kindern ist oftmals nicht mit einem wirklich bewusst empfundenen Leidensdruck zu
rechnen. Kinder zeigen, dass sie Erlebtes nicht verarbeiten und bewältigen können, auf
vielfältige Weise in gestörtem Verhalten- oder gar nicht. Auch das Fehlen von Symptomen,
wie Einnässen, Schlafstörungen, übermäßige Ängste, übermäßige Aggression, Essstörungen,
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http://www.propaedeutikum-graz.at/psy/geschichte/49-zur-geschichte-der-psychotherapie/ 5.5.2010
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etc., kann ein Symptom sein! Kinder stehen ihrer Lebenssituation oft noch hilfloser gegenüber
als Erwachsene und sind unwissender und unfreier in ihren Handlungsmöglichkeiten.
Was in der Erwachsenentherapie das Gespräch, ist in der Kindertherapie das freie Spiel mit
Materialien [mit einem hohen symbolischem Wert und starkem Aufforderungscharakter]:
Modelliermasse, Handpuppen, Donna- Vita- Puppen, Playmobilfiguren, Zeichenmaterial,
Fingerfarben, Bohnenkiste,….
Kinderpsychotherapie ist ebenso wie Erwachsenentherapie an einer der vier oben genannten
Richtungen orientiert.
Donna- Vita- Puppen siehe:
http://www.donnavita.de/
Puppen “Familie- Teach A Bodies”
Bildquelle: http://www.problemlosgelassen.de/images/kreative-kindertherapie.jpg
Kinder werden in der Regel von erwachsenen Bezugspersonen zur Psychotherapie gebracht,
oftmals auch ohne dass sich das Kind der Notwendigkeit und Bedeutung bewusst ist.
Für Kinderpsychotherapeutinnen und -therapeuten 3 gilt bezüglich Ausbildung und
Voraussetzungen zur Ausübung das Psychotherapiegesetz- darüber hinaus gibt es
Weiterbildungen für Kindertherapie. Ca. zwei Drittel der Psychotherapeuten sind weiblich; in
der Kindertherapie ist es besonders schwierig, männliche Therapeuten zu finden. Oft ist mit
längeren Wartezeiten zu rechnen. Auch die Psychotherapie mit Jugendlichen verlangt
zusätzliche Kompetenzen seitens der Therapeutinnen und Therapeuten.
Kindertherapie bedeutet selbstverständlich nicht, dass das Kind isoliert von seiner Umgebung
behandelt wird. Die Bezugsperson(en) des Kindes sind regelmäßig in die Therapie
involviert, was zu Beginn zwischen der Therapeutin, dem Therapeuten und den Eltern, wenn
die Settingfragen geklärt werden, zu vereinbaren ist. Eine gewisse Schwierigkeit kann
bezüglich der therapeutischen Verschwiegenheit auftreten, weil die Therapeutin, der
Therapeut gewissermaßen für beide Parteien- das Kind und den Erwachsenen- arbeitet.
Ein Grundsatz in der Kindertherapie wird es jedenfalls sein, dass das Kind über die
Elterngespräche Bescheid weiß, über Änderungen informiert bzw. mit eingebunden wird. Ein
therapeutisches Handeln hinter dem Rücken des Kindes würde schnell dessen Vertrauen
untergraben! Zum therapeutischen Problem, das auch am Beginn der Kindertherapie mit den
Eltern angesprochen wird, kann es jedenfalls werden, dass das Kind die Klientin, der Klient
ist, die Eltern jedoch als (zahlende) Auftraggeber fungieren, welche möglicherweise erwarten,
dass das Kind aufhört, schwierig/ aggressiv/ ängstlich/ störrisch/ lernunwillig usw. zu sein.
3
http://www.psyonline.at/regionalsuche/psychotherapeutinnen-in-wien-mit-methodespieltherapie/pth/130/1151/W/0 5.5.2010
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Eine andere Situation stellt sich dar, wenn das Kind aufgrund von institutioneller Intervention
(Kindergarten, Schule, Jugendamt,…) in einer Kinderschutz- oder Kindertherapieeinrichtung
behandelt wird. 4 5 6 Hier können Eltern aus unterschiedlichsten Gründen eventuell nicht mit
einbezogen werden.
Kosten (-übernahme) für Psychotherapie: Es gilt entweder die Regelung analog dem
Wahlarztprinzip- die Kosten werden von der Klientin, dem Klienten ausgelegt und
teilrefundiert, das bedeutet ca. € 80.- Stundenhonorar, davon werden ca. 25 € von den Kassen
rückerstattet. ODER: „Psychotherapie auf Krankenschein“- hier ist mit längeren Wartezeiten
und einer Kontingentierung der Stunden zu rechnen. In beiden Fällen ist eine
Vorausgenehmigung der Krankenkasse einzuholen. Im Falle der Psychotherapie in einer
therapeutischen Einrichtung (Möwe, KIZ,…) übernimmt die Einrichtung die Kosten; ev. mit
Kassenzuschuss. PTH kann auch gänzlich privat- ohne Involvierung der Krankenkassebezahlt werden.
Bezeichnungen für Psychotherapie, wie sie eingangs zitiert werden, beinhalten oft
Hinweise auf das Setting (Paar, Gruppe) oder auf die Zielgruppe (Kinder, Jugendliche,
Erwachsene) oder auf das Problem (Sexual-) oder auf die Methode / theoretische Orientierung
(systemische Therapie, Psychoanalyse).
Achtung: nicht alles, was „Therapie“ heißt, ist auch eine PSYCHOtherapie im Sinne des
Gesetzes, z. B. Musiktherapie, Tanztherapie, Kunsttherapie, Bachblütentherapie,
Mototherapie, Psychomotoriktherapie, …. Manche Beziehungsangebote mögen
psychotherapeutische Effekte haben, jedoch ist ein grundlegendes Element
psychotherapeutischer Ausbildung die umfangreiche Selbsterfahrung der Therapeutin, des
Therapeuten, die verhindert, dass dieser eigene Probleme in die Beziehung zur Klientin, zum
Klienten mit einbringt.
Kinderpsychotherapie ist kein Allheilmittel gegen familiäre Dysfunktion und kann nicht
verordnet werden. Eine positive elterliche Grundhaltung ist Voraussetzung für eine
konstruktive Entwicklung des Kindes.
Zum Weiterlesen über Kindertherapie zum Beispiel:
Ude- Pestel Anneliese: Betty. Protokoll einer Kinderpsychotherapie. Deutscher TaschenbuchVerlag, München 2006.
4
http://www.kinderschutz-wien.at/ 5.5.2010
5
http://www.die-moewe.at/ 5.5.2010
6
http://www.erziehungshilfe.org/ 5.5.2010
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