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Analyse: 16. 10. 2014: Michael Obergfell,
Salafismus: Die Altvorderen lassen grüßen, Teil 3
Im ersten Teil der Analyse „Salafismus: Die Altvorderen lassen grüßen“ wurde
die derzeit bedrohliche innenpolitische Lage in Deutschland und auch in
anderen Staaten der westlichen Welt beschrieben. Es ist klar zu erkennen:
Deutschland hat eine aktive Anhängerschaft des „Islamischen Staates“ - das ist
leider Fakt!
Die Ideologie des Salafismus stellt in diesem Konflikt die Grundlage aller
Auseinandersetzungen um den „Islamischen Staat“ dar.
Salafismus ist eine vielfältige Bewegung im Islam, die sich die „Altvorderen“
des Islam zum Vorbild nimmt und deren Lebensführung und deren Taten exakt
zu kopieren versucht. Es soll damit der Islam erneuert werden und in alter
Größe wieder erstehen.
Im Zweiten Teil der Analyse wurde untersucht, wo überall Salafismus
vorkommt, wie er sich präsentiert und wer ihn hauptsächlich finanziert.
Salafismus als Ideologie und (militärischer) Bewegung kommt mittlerweile in
fast allen Ländern mit mehrheitlich islamischer, insbesondere sunnitischer
Bevölkerung vor. Er ist dabei aufgrund seines Anspruches sowohl religiös
motiviert, als auch politisch und militärisch ausgerichtet. Meistens beginnt es
damit, dass Muslime ihr Leben so gestalten wollen, wie der Prophet
Mohammed und seine Gefolgsleute lebten. Wenn es dann viele Muslime sind,
die nach dem Vorbild der Altvorderen leben möchten, bildet sich eine politische
Gruppierung, die dann über kurz oder lang auch bewaffnet ist und Kämpfer
ausbildet.
Die Geldgeber finden sich vornehmlich im Nahen Osten und hier insbesondere
in den Ländern Saudi-Arabien und Qatar. Die ausländische Finanzierung erklärt
dann auch, weshalb es die salafistische Bewegung mittlerweile auch in den
westlichen Ländern gibt, die ja keine mehrheitlich muslimische Bevölkerung
haben.
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Salafistische „Theologie“ im „Islamischen Staat“
Wie schon festgehalten, definiert sich der Salafismus dadurch, dass er das
Leben der Altvorderen zum großen Vorbild für Leben, Denken und Taten von
Muslimen erklärt. Er will also einen sogenannten „Urislam“ verwirklichen. Das
Problem an diesem Vorgehen ist, dass dieser in einer sehr kurzen Zeit und
maximal in den ersten 100 Jahre des Islam statt fand. Für diese Periode gibt
es aber kaum schriftliche Zeugnisse. Der Koran in seiner heutigen Fassung
wurde erstmalig vom Kalifen Uthman 12 Jahre nach dem Tod des Propheten
Mohammed heraus gegeben. Für die ersten 12 Jahre bis zum Kalifat Uthmans
war der Koran eine Loseblattsammlung. Es gab keine richtige Chronologie,
keine richtige Theologie und kaum eine echte staatliche Organisation. Es gab
hauptsächlich die Familienpolitik der Umayyaden und ihrer Konkurrenten,
kriegerische Aktivitäten zur Einigung der arabischen Halbinsel sowie eher
ungeordnete Raubzüge in die umliegenden Regionen außerhalb der Halbinsel,
die dann aber ungemein erfolgreich waren.
Noch unter Uthman und einigen nachfolgenden Kalifen war es nicht erwünscht,
die sogenannten Ahadith (Plural von Hadith), also Erzählungen über Taten und
Aussprüche des Propheten Mohammed zu sammeln und in Buchform heraus zu
geben. Gerade die Ahadith sind ja später zu einem wichtigen Mittel geworden,
die vieldeutigen Stellen im Koran entsprechend zu interpretieren und gerade
diese Aussprüche in gesammelter Form waren die Grundlage für Scharia und
Theologie. Alles das fehlte in den ersten 100 Jahren des Islam. Faktisch gibt es
erste wirkliche Hadith-Sammlungen 100 Jahre nach dem Tod des Propheten.
Die Salafisten des „Islamischen Staates“ beziehen sich ausdrücklich in ihrer
Fixierung auf den Urislam auf den Zeitraum der ersten 100 Jahre. Die spätere
Entwicklung des uns bekannten „klassischen“ Islam, der sich durch große
Toleranz und Freizügigkeit gegenüber Andersdenkenden auszeichnete und
sowohl Kulturgut aus Indien, China wie auch aus dem antiken Europa
akzeptierte und integrierte, lehnen diese Leute als unislamisch ab.
Heraus kommt ein Islambild, bei dem es auf Eroberung, Krieg und Kampf
ankommt. Juden und Christen haben die Kopfsteuer zu bezahlen, genau so wie
es die Gefährten des Propheten bei ihren Eroberungen auch verlangten.
Radikale Salafisten behaupten, Juden und Christen kämen in die Hölle.
Ungläubige (also alle diejenigen, die keiner Buchreligion angehören wie z. B.
Buddhisten, Hindus, Taoisten, Konfuzianer, Anhänger von Naturreligionen)
dürfen getötet werden.
Für Salafisten ist das Kalifat die „natürliche“ Herrschaftsform, denn die
Herrscher der islamischen Frühzeit waren Kalifen. Das Kalifat hat den
Anspruch, alle Gläubige unter der Herrschaft des Kalifen zu vereinigen und so
eine gottgewollte staatliche Ordnung zu schaffen. In dieser staatlichen und
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weltweiten Ordnung haben ausschließlich Anhänger der Buchreligionen eine
Existenzberechtigung. Andersgläubige werden dort nicht leben können.
Allein schon dieses radikale Programm sollte aufhorchen lassen. Doch es
kommt noch schlimmer!
Der Kampf der salafistischen Muslime gegen die Muslime
Auffällig ist, dass die Muslime die im „Islamischen Staat“ auftreten, auch
Muslime töten. Das ist eigentlich eines der Tabus in der islamischen Welt.
Üblicherweise sind natürlich Tötungen im Kampf von Muslimen gegen Muslime
bekannt, aber der „Islamische Staat“ tötet Muslime auch wenn kein Kampf
stattfindet und diese sich auch keines Verbrechens im üblichen Sinne schuldig
gemacht haben.
Beispielsweise kämpfte in Syrien die „Freie Syrische Armee“(FSA) gegen das
Regime von Präsident Assad. Das tat auch die al-Kaida in Syrien sowie die
Kämpfer des „Islamischen Staates“. Alle drei Gruppen sind muslimischen
Glaubens und sie haben einen gemeinsamen Feind, aber wie man gesehen hat
haben sie nicht miteinander gemeinsam gekämpft. Die IS-Kämpfer haben die
FSA bekämpft und deren Mitglieder, wenn sie deren habhaft werden konnten,
ermordet. Die Kopfabschneidereien werden auch und insbesondere bei
Glaubensbrüdern praktiziert. Die Kurden sind Muslime, aber anstatt sich mit
ihnen zusammen zu tun und Assad zu bekämpfen, bekämpfen sie auch die
Kurden und töten diese, wenn sie können.
Hierzu gibt es eine interessante theologische Argumentation der IS-Leute.
Recht gut gibt dies das Video von Sheikh Hassan Dabbagh, einem gemäßigten
Sunniten, deren Gedankenwelt in deutscher Sprache wieder:
Film auf Youtube.
Sheikh Hassan Dabbagh erklärt in dieser Rede den Begriff der „Chawaridsch“.
Sehr treffend erklärt der Sheikh anhand der fünf Finger das Verhältnis von
Sünde und Glauben. Glaube ist bei ihm wiedergegeben mit dem Begriff „Iman“
(nicht zu verwechseln mit „Imam“, was einen geistlichen Führer bezeichnet).
Jeder Mensch hat Glauben und er hat Sünden. Wenn er Muslim, Christ oder
Jude ist, kann er prinzipiell in den Himmel kommen, weil er den „richtigen“
Glauben hat. Er kann also im Extremfall einen richtigen Glauben und vier (oder
viele) Sünden haben. Die christlichen Kirchen argumentieren ja ebenso. Wer
getauft ist und sich zum christlichen Glauben bekennt wird gerettet, es sei
denn er begeht eine oder mehrere Todsünden, die ihm Gott nicht verzeiht.
Im Islam ist ebenfalls entscheidend, ob man den richtigen Glauben hat. Und
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danach stellt sich natürlich die Frage: Wieviele Sünden kann man haben und
kommt dennoch in den Himmel, denn irgendwelche Sünden hat jeder Mensch.
Niemand ist vollkommen.
Die extreme Variante ist, dass der richtige Glaube genügt und Gott wird einem
alle Sünden vergeben. Die entgegengesetzte Variante ist: Eine Sünde genügt,
um dich aus der Gemeinschaft der Muslime zu entfernen und seinen Glauben
zu verlieren. Die IS-Kämpfer argumentieren genau so. Muslime wie die der FSA
sind Sünder (warum auch immer) und sie dürfen getötet werden. Die Kurden
zum Beispiel stellen sich gegen den „Islamischen Staat“ und weichen damit
auch schon von den Vorstellungen der IS-Kämpfer ab. Sie können gar keine
sündenfreien Muslime sein.
Dass diese hier vorgetragene Lesart ihre Berechtigung hat, zeigt auch ein
arabischsprachiges Video (mit deutschem Untertitel):
<iframe width="640" height="360"
src="//www.youtube.com/embed/hQ6v7i_G_is?feature=player_detailpage"
frameborder="0" allowfullscreen></iframe>
Film auf Youtube.
Der dort interviewte Sheikh sagt es auch ganz eindeutig und immer wieder:
Die IS-Kämpfer töten Muslime aus religiösen Gründen. Sie töten weil diese in
ihren Augen nicht richtig glauben oder Sünder sind. Und mit diesen Morden
wollen sie Gott gefallen!
Fassen wir zusammen: Die IS-Kämpfer wollen ein Kalifat. Sie wollen die
Grenzen der Kolonialmächte beseitigen. Sie wollen die Scharia überall
einführen. Sie wollen, dass Christen und Juden in ihrem Gebiet wieder die
Kopfsteuer bezahlen. Ungläubige anderer Konfession sollen getötet werden.
Deren Frauen und Kinder dürfen versklavt werden. Gläubige Muslime die auch
nur eine Sünde haben und die nicht ihren Visionen folgen, dürfen und sollen
getötet werden. Auf ihrer Liste stehen also nicht nur Jeziden, sondern auch
Schiiten, Aleviten, Ibaditen und gemäßigte Sunniten. Sie sind, wenn sie der
Lesart dieser sogenannten „Muslime“ folgen, ebenfalls des Todes, weil sündig
und nicht rechtgläubig.
Das Kalifat soll alle Muslime weltweit umfassen. Staatliche Grenzen wie sie
bisher vorhanden sind, werden nicht anerkannt. Wie weit und konkret das in
Wahrheit geht zeigen Berichte über Äußerungen der führenden Köpfe des
„Islamischen Staates“:
Demnach ist eines der Ziele des „Islamischen Staates“, nach Mekka
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vorzudringen und die Kaaba zu zerstören. Die wirklich bestechende
Begründung für dieses Ziel ist, dass die Muslime die dort hin gehen, nicht
wegen Gott dort hin gehen, sondern sie gehen hin um den Stein zu berühren.
Und das ist in deren Augen schon eine Bilderverehrung und damit eine Sünde.
Gott ist heiliger und höher als die Kaaba. Deshalb muss sie weg....
Das Programm dieser Salafisten ist klar, eindeutig und einfach. In deren Welt
wird es zwar Juden geben, aber keinen Staat Israel und die Juden die dort in
deren Einflussbereich leben, bezahlen die Kopfsteuer ebenso wie die Christen.
Die machen da bestimmt keine Ausnahme. Wer sich gegen ihre Idee vom
Kalifat und der Wiedereinführung aller Regeln und Gebräuche aus der Frühzeit
des Islam stellt, ist des Todes – auch Muslime!
Kleiner Ausblick
Wir alle wissen: Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft
betreffen. Daher soll der Ausblick nur kurz sein und sich mit der näheren
Zukunft befassen.
Aufgrund der Ideologie der salafistischen IS-Kämpfer gehen sie radikal gegen
alle und jeden vor, der sich ihrer religiösen Vorstellung nicht unterwirft. Eine
ernsthafte geistige Gegenbewegung dazu sehe ich derzeit in der islamischen
Welt nicht am Horizont. Zwar wird in der islamischen Welt das Phänomen
„Islamischer Staat“ durchaus als Gefahr erkannt, wie man an den
Ausführungen zu den „Chawaridsch“ sehen kann. Aber eine wirkliche
Gegenorganisation der Geistlichkeit und der Personen des öffentlichen Lebens
ist nicht wirklich sichtbar. Dabei ist die Bedrohung so offensichtlich!
Sicher ist auch: Wenn sich der „Islamische Staat“ militärisch in der Region
auch als Staat etablieren kann, werden dessen Kämpfer nicht vor den Grenzen
von Syrien und Irak Halt machen. Ganz sicher ist auch das schwache Jordanien
eines ihrer Ziele, schon deshalb weil der Begriff „Shams“, richtigerweise mit
„Levante“ übersetzt wurde und die Levante umfasst eben auch das
Staatsgebiet von Jordanien (und Israel).
Sollten sie dieses Ziel ebenfalls erreichen, wäre ihr Traum, in Mekka
einzumarschieren und die Kaaba zu zerstören, in greifbare Nähe gerückt. Ein
Angriff auf Saudi-Arabien hätte aber mit Sicherheit größte militärische
Verwerfungen zur Folge, einfach deshalb, weil damit eine Gefährdung der
Ölversorgung des Westens möglich wäre und zudem auch andere Mächte wie
Iran, Russland und China über kurz oder lang auf der Bildfläche erscheinen
dürften. Damit aber läge ein Großkonflikt, in dem Großmächte, die
Regionalmächte des Nahen Ostens sowie praktisch die gesamte muslimische
Welt involviert sein könnte, in greifbarer Nähe. Ein Erfolg des „Islamischen
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Staates“ hätte ein riesiges Massaker in der ganzen Region und damit auch
unabsehbare Auswirkungen für den Islam zur Folge.
Wollen wir hoffen, dass es nicht so weit kommt,
meint
Ihr
Michael Obergfell
Stichworte: Islam, Salafismus, Islamismus, Islamischer Staat, Deutschland,
Unruhen
Namen: fortunato
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