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STELLUNGNAHME zum Fund von Thiacloprid
im „Bayerischen Blütenhonig“ von dennree / Biokreis
durch ÖKO-TEST (Heft November 2014)
Wie geht der Biokreis mit dem Analyseergebnis um?
Der von ÖKO-TEST im „Bayerischen Blütenhonig“ von dennree / Biokreis ermittelte
Rückstandsgehalt an Thiacloprid in Höhe von 0,026 mg/kg liegt deutlich unter dem in der
„EU Pesticides Database“ Reg. (EU) No. 212/2013 für Honig und Bienenprodukte
festgelegten gesetzlichen Höchstwert von 0,2 mg/kg. Gleichzeitig überschreitet er den
Orientierungswert des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN e.V.), der für
chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel generell bei
0,010 mg/kg liegt. Ab diesem Wert ist für jeden Einzelfall zu recherchieren, ob gegen die
gesetzlichen Regelungen für den Ökologischen Landbau verstoßen wurde. Die Ergebnisse
der Recherchen ergaben, dass keiner der infrage kommenden Imker fahrlässig oder gar
vorsätzlich seine Bienenkästen in der Nähe von intensiv bewirtschafteten Feldern
aufgestellt hat. Da die Ergebnisse von Rückstandsanalysen in Lebensmitteln einer
Schwankungsbreite von 50% unterliegen, hat die Firma dennree nach bekannt werden der
Messungen von ÖKO-TEST die gleiche Charge selbst noch einmal auf den ThiaclopridRückstand untersuchen lassen. Der in diesem neuen Prüfbericht enthaltene Wert von
lediglich 0,012 mg/kg deutet darauf hin, dass das von ÖKO-TEST ermittelte Ergebnis eher
zu hoch ausfällt. Vonseiten der beteiligten Kontrollstellen hat der Honig grünes Licht
bekommen: Der weiteren Vermarktung als Bio-Honig steht nichts im Wege.
Trotzdem bleiben berechtigte Fragen von Händlern und Verbrauchern: Wie kommt es zu
einem Pestizid-Rückstand in Bio-Honig? Wie ist dieser Fund einzuschätzen? Und was ist
eigentlich Bio-Imkerei? Auf diese Fragen will der Biokreis hier Antwort geben.
Das Projekt „Bayerischer Blütenhonig“
„Bayerischer Bio-Honig“ klingt selbstverständlicher, als es ist. Denn die weitaus größte
Menge am hierzulande verkauften Bio-Honig wird aus dem Ausland importiert. Die
Vermarktung von Bio-Honig jenseits der Direktvermarktung ist nicht leicht, nur wenige
Imker können den nötigen Aufwand bewältigen, um den eigenen Honig in den Läden zu
platzieren. Genau hier setzt das Projekt „Bayerischer Bio-Honig“ des ökologischen
Anbauverbandes Biokreis e.V. an: Es fördert die heimische ökologische Imkerei, in dem es
bayerischen Bio-Imkern neue Vermarktungsmöglichkeiten schafft und es bietet
konventionell wirtschaftenden Imkern durch diese Perspektive einen Anreiz zur
Umstellung. Der seit 2013 erhältliche, mit dem Siegel des Biokreis ausgezeichnete
„Bayerische Blüten-Honig“ wurde von den Mitgliedern der Honig Erzeugergemeinschaft
Region Regensburg geerntet, von der Firma Fürstenreform in Braunschweig abgefüllt und
wird vom Bio-Großhändler dennree aus Töpen unter der Eigenmarke vertrieben. 10 Cent
pro Glas gehen an den Biokreis, damit wird die Durchführung von Umstellungs- und
Fachseminaren zur ökologischen Imkerei möglich. Im „Bayerischen Blütenhonig“ wurde
nun bei einer Analyse durch Ökotest ein Rückstand von 0,026 mg/kg des Pestizids
Thiacloprid gefunden, das u.a. im Rapsanbau eingesetzt wird.
Was bedeutet „Bio“-Imkerei?
Biokreis-Imker erfüllen die Kriterien der EU-Öko-Verordnung sowie zusätzlich die
Richtlinien des Biokreis e.V. Diese enthalten Vorgaben zur Beschaffenheit der Beuten
(natürliche Materialien), zu Wachs und Waben (z.B. möglicher Naturwabenbau, keine
Zusätze), zum Umgang mit den Bienen (schonend, Beschneiden der Flügel der Königinnen
verboten etc.), zur Bienenfütterung (mit eigenem Honig bzw. Bio-Zucker), zur
Varroabekämpfung (statt chemotherapeutischer Medikamente sind nur organische Säuren
und ätherische Öle erlaubt), zur schonenden Honigverarbeitung (damit möglichst viele der
wertvollen Inhaltsstoffe enthalten bleiben) und vieles mehr. Die Richtlinien sind
nachzulesen auf www.biokreis.de.
Die Biokreis-Richtlinien enthalten auch Vorgaben zur Wahl des Standortes der
Bienenvölker, um das Risiko eines Eintrages von unerwünschten Stoffen in den Honig zu
minimieren. So muss jeder Biokreis-Imker selbst dafür sorgen, dass im Umkreis des
Bienenstocks keine nennenswerte Beeinträchtigung der Bienenprodukte durch z.B.
landwirtschaftliche Intensivkulturen zu erwarten ist. Die Standwortwahl muss
dokumentiert werden: Der Imker zeichnet die Standorte seiner Völker auf einer Karte im
relativ kleinen Maßstab von 1:50 000 ein, bei Standortwechseln erstellt er einen
Wanderplan mit genauen Angaben über Zeitraum, Ort und Tracht. So kann die zuständige
Öko-Kontrollstelle bei der jährlichen Kontrolle (stichprobenartig finden zusätzliche
Kontrollen statt) die Einhaltung der Biokreis-Richtlinien zuverlässig überprüfen.
Wie kommt es dennoch zum Eintrag unerwünschter Stoffe in den Honig?
Bienen sammeln in einem Umkreis von drei Kilometern um ihren Stock Nektar und Pollen.
In diesem Flugradius ist eine Standortanalyse machbar, zumal die meisten Biokreis-Imker
ihre Bienen standorttreu, das heißt regelmäßig am gleichen Platz, aufstellen. Der Imker
muss dafür sorgen, dass innerhalb des Flugradius der Bienen keine Monokulturen stehen.
Die Rapsblüte bildet eine sehr gute Bienenweide, aber gerade diese Felder müssen von
den Imkern gemieden werden, da im konventionellen Rapsanabau besonders viele
Spritzmittel zum Einsatz kommen – u.a. Thiacloprid.
Bienen sind aber durchaus in der Lage, ihren Flugradius auszudehnen. Forschungen haben
ergeben, dass ein Bienenvolk ein Gebiet von bis zu 27 km² anfliegt. Es ist unmöglich, für
ein solch großes Gebiet die Abwesenheit von Intensivkulturen zu garantieren, zumal der
Rapsanbau in Deutschland aufgrund der Herstellung von Bio-Sprit sehr häufig ist. So kann
es passieren, dass trotz sorgfältiger Standortwahl chemisch-synthetische
Pflanzenschutzmittel in den Honig oder das Wachs gelangen. Es versteht sich von selbst,
dass diese Gefahr für alle Imker besteht, ob sie nun ökologisch oder konventionell
wirtschaften.
Warum ist der Honig nun trotzdem „bio“?
Bio-Produkte definieren sich nicht durch Rückstandsfreiheit an Pestiziden, Herbiziden und
sonstigen Schadstoffen, sondern über den gesamten Prozess ihrer Erzeugung und
Herstellung (Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Dünger, nur
sehr wenige erlaubte Zusatzstoffe in der Lebensmittelverarbeitung und vieles mehr.).
Daher findet sich weder in der EU-Öko-Verordnung noch in den Richtlinien der Verbände
ein eigener Grenzwert für Rückstände in Bio-Produkten. Genau wie die anderen
Anbauverbände in Deutschland auch, bemüht sich der Biokreis, den Eintrag von
unerwünschten Stoffen durch seine Richtlinien möglichst auszuschließen. Falls dennoch
Rückstände an Pflanzenschutzmitteln in Bio-Produkten nachgewiesen werden, kann dies
auf einen Regelverstoß durch den Erzeuger hindeuten. Meistens jedoch gibt ein solcher
Fund einen Hinweis auf die Umweltbelastung durch die konventionelle Landwirtschaft,
der sich weder Bio-Bauern noch Bio-Imker vollständig entziehen können. Es gibt in
Deutschland keine großen, zusammenhängenden Ökoflächen. Müsste ein Bio-Imker eine
absolute Rückstandsfreiheit seiner Produkte garantieren, so wäre ökologische Imkerei
praktisch nicht möglich.
Kontakt: Heidi Kelbetz, Presse- u. Öffentlichkeitsarbeit, kelbetz@biokreis.de
Biokreis e.V., Stelzlhof 1, 94034 Passau, Tel: 0851/75650–0
Der Biokreis wurde 1979 gegründet, heute arbeiten deutschlandweit rund 1000
landwirtschaftliche Betriebe und 110 Verarbeiter nach unseren Richtlinien. Dabei setzt der
Biokreis auf regionale Strukturen und Marktpartnerschaften zwischen Landwirten,
Verarbeitern und Verbrauchern. Das speziell entwickelte Siegel „regional & fair“ garantiert
neben einer regionalen, ökologischen Erzeugungsweise auch handwerkliche Verarbeitung
und faire Bedingungen für alle, die am Herstellungsprozess beteiligt sind.
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