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"Alex, können wir was spielen?!" - Daniel-Schürmann-Schule

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RGA - X-ray
22.09.2010
"Alex, können wir was spielen?!"
Ich, Alex (16), mache ein Freiwilliges Soziales Jahr in einer offenen GanztagsGrundschule. Es macht riesig Spaß.
Mein Job ist es zu spielen. Nicht immer, aber meistens.
Seit gut drei Wochen bin ich im Dienst. Im Dienst beim
Offenen Ganztag (OGGS) der Daniel-SchürmannGrundschule. Es macht riesen Spaß. Ich mache ein FSJ,
das heißt Freiwilliges Soziales Jahr. Eigentlich wollte ich
nach meinem Realschulabschluss auf der Sophie-SchollGesamtschule Hotelfachmann werden und ich hab auch
schon einen Ausbildungsplatz sicher. Allerdings erst ab
nächsten Sommer.
Aber bis dahin wollte ich natürlich nicht auf der faulen Haut
liegen. Also spielte ich mit dem Gedanken, ein FSJ zu
machen. Eine Freundin schlug mir vor, mich bei der Daniel-Schürmann-Schule zu bewerben. Anfangs war ich von
der Idee nicht recht begeistert. Ich bin Einzelkind und habe
außerdem noch nie mit Kindern gearbeitet. Könnte ich die
Kinder sinnvoll beschäftigen, fragte ich mich? Würden sie
sich vielleicht langweilen und mich doof finden? Außerdem
dachte ich, ich könne mich nicht durchsetzen, die Kleinen
würden mir auf dem Kopf herumtanzen.
Aber dann schlugen mir die Mitarbeiter der OGGS vor, die
Arbeit einmal für ein paar Tage auszuprobieren. Als ich
morgens dort hinging, fühlte ich mich sehr unsicher und
wollte am liebsten wieder nach Hause gehen. Nachdem
ich jedoch 20 Minuten mit den Kindern gespielt hatte,
merkte ich: Das macht mir ja total viel Spaß. Ich will dieses
FSJ auf jeden Fall machen.
Gesagt, getan: Ich kümmere mich vor allem um die Drittund Viertklässler der Grundschule. Um 9 Uhr beginne ich
jeden Morgen. Wir, das heißt der Praktikant Malte, der in
meinem Alter ist, sowie vier hauptberufliche Betreuerinnen, richten die Betreuungsräume her. Wir sorgen für
eine schöne Atmosphäre, stellen Wasser und Obst sowie
Malsachen auf die Tische und bereiten einen Basteltisch
vor. So ist alles schön, wenn die Kinder um 11.30 Uhr aus
der Schule kommen. Sie müssen nur ihren Schulranzen
wegstellen und können sich dann ins Spielen stürzen.
Ich spiele mit den Kindern verschiedene Karten- oder
Brettspiele oder male und bastele mit ihnen. Mittlerweile
kennen mich die Kleinen gut. Anfangs war ich der Neue
für sie. Sie fragten: „Wer bist Du? Bleibst Du jetzt länger?”
Außerdem wollten sie wissen, ob Malte und ich Zwillinge
seien. Denn wir sehen uns ähnlich.
Anfangs war ich etwas unsicher im Umgang mit den
Kindern. Doch dann kam ein Kind zu mir und fragte mich:
„Wollen wir etwas spielen.” Beim Spielen schließt man
schnell Kontakt. Besonders süß sind die Erstklässler.
Manchmal setzt sich einer auf deinen Schoß und sagt
noch mit einem leichten Lispeln in der Stimme „Alex,
können wir noch was spielen?” Viele von ihnen sind richtig anhänglich, hängen sich an dein Bein und laufen dir
die ganze Zeit hinterher. Die Erstklässler suchen manchmal die Nähe der Betreuer, weil für sie ja alles neu ist.
Alex beim Kartenspielen mit seinen Schützlingen.
Die Kinder genießen die Pause von der Schule. Foto: privat
Um 13.15 Uhr gibt es Mittagessen. Und danach gehen
wir auf den Schulhof zum Toben und Spielen. Mit den
Mädchen spiele ich Seilspringen oder Fangen. Die
Jungs kicken und mein Kollege und ich sind die
Schiedsrichter. Das ist oft ein totales Chaos und es
kommt schnell zu Diskussionen: „Der hat den Ball weggeschossen! Das war gar kein Tor!” Oder: „Der hat mich
gefoult!” Da kann man aber immer ganz gut vermitteln.
Anfangs versuchten die Kinder meine Grenzen
auszutesten. Da kam es schon mal vor, dass sie nicht
vom Bolzplatz runter wollten. Mittlerweile habe ich
gelernt, mit solchen Situationen umzugehen. Ich sage
ihnen dann zum Beispiel: Wenn ihr nicht herkommt,
dürft ihr drei Tage lang kein Fußball spielen. Das wirkt.
Die rennen dann zu ihren Freunden und sagen: „Hey,
wir müssen gehen, sonst dürfen wir kein Fußball mehr
spielen!”
Ein bisschen heikel sind für mich Situationen, in denen
sich die Kinder streiten oder sogar prügeln. Das kommt
nicht oft vor. Falls es aber dazu kommt, hole ich lieber
eine Betreuerin. Danach setzen wir uns mit den Kindern
zusammen und reden über die Sache. Dann geht es
wieder zum Spielen. Mittlerweile wissen die Jungs, dass
ich im Tip-Kick schlecht bin. Das wollen sie dann laufend ausnutzen. Am Angesagtesten ist momentan das
Kartenspiel „Halli Galli”, bei dem man fünf gleiche
Früchte sammeln und auf eine Klingel hauen muss. Um
16 Uhr ist der tägliche Trubel beendet, die Kinder gehen nach Hause und ich bin erfüllt und zufrieden.
Alex
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