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Frischer Fisch - H. Ludewig Gmbh Lebensmittelgroßhandel

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3.
4.
5.
6.
Das FIDLEG ist für Versicherer und Versicherungsvermittler nicht
notwendig ................................................................................................ 11
Die Kunden von Versicherern und Versicherungsvermittlern
verfügen über eine hohe Sicherheit ......................................................... 11
Funktion des ungebundenen Versicherungsvermittlers
(Versicherungsbroker) im deregulierten Markt – Verpflichtung zu
"best advice" ............................................................................................ 11
Verschiedene Bestimmungen des FIDLEG stehen quer in der
Landschaft ............................................................................................... 12
B.
Regelung in der EU - MiFID II ............................................................... 12
1.
2.
MiFID II gilt nicht für Versicherungen und Versicherungsvermittler ......... 12
Drittvergütungsverbot für Wertpapierfirmen kann in der EU
wegbedungen werden ............................................................................. 12
C.
Zu einzelnen Bestimmungen des FIDLEG........................................... 12
1.
1.1
Art. 26 FIDLEG – Annahme von Vorteilen ............................................... 12
Zielsetzung von Art. 26 FIDLEG – Zementierung der
Retrozessionsrechtsprechung auch für die Versicherungsvermittler ....... 13
Marktübliche Courtagen an ungebundene Versicherungsvermittler
sind keine Drittvergütungen, keine Retrozessionen und keine
"Vorteile".................................................................................................. 13
Die Entschädigung der ungebundenen Versicherungsvermittler ist
in der Versicherungsprämie enthalten – originäre Vergütung.................. 13
Der Versicherungsbroker nimmt vom Versicherer keine "Vorteile"
entgegen ................................................................................................. 14
Nur volumenabhängige Zusatzentschädigungen sind
Retrozessionen ....................................................................................... 14
Klare juristische Begründung – Vertrag zugunsten Dritter ....................... 14
Die Entwicklung in Deutschland geht in eine völlig andere Richtung ...... 15
Art. 9 FIDLEG – Unabhängigkeit ............................................................. 15
Art. 9 FIDLEG geht über die Retrozessionspraxis des
Bundesgerichtes hinaus .......................................................................... 16
Art. 9 FIDLEG ist zudem widersprüchlich und unverständlich – kein
Vorteil ...................................................................................................... 16
Klare juristische Begründung................................................................... 16
Zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Vermögensverwalter und
Banken .................................................................................................... 17
1.2
1.3
1.4
1.5
1.6
1.7
2.
2.1
2.2
2.3
2.4
D.
Versicherungsvermittler sind keine Kundenberater Unterscheidung zwischen gebundenen und ungebundenen
Versicherungsvermittlern ist sinnvoll ................................................. 17
E.
Ablehnung eines zentralen Kundenberaterregisters ......................... 18
F.
Die Postulate des Hearingberichtes vom 18.2.2013 bzw. des
FIDLEG sind bereits erfüllt ................................................................... 18
102277/FIDLEG
2 | 28
G.
Hohe Anforderungen an die ungebundenen
Versicherungsvermittler ....................................................................... 18
H.
Optimaler Schutz des Versicherungskunden am Point of Sale ........ 18
I.
Schutz des Versicherungskunden vor ausländischen
Anbietern................................................................................................ 19
J.
Auch rückkaufsfähige Lebensversicherungen (LV) inkl. deren
Vermittlung sind vom FIDLEG auszunehmen ..................................... 19
1.
2.
3.
4.
Art. 2 und Art. 3 FIDLEG ......................................................................... 19
Situation in der EU ist wesentlich milder ................................................. 20
Rückkaufsfähige LV – Befreiung vom FIDLEG........................................ 21
Regelungen betr. LV gehören grundsätzlich nicht ins FIDLEG ............... 21
K.
Fazit ........................................................................................................ 22
IV.
Antrag 2 (Eventualantrag) – Beibehaltung des geltenden VAG –
notwendige Ergänzung des VAG ......................................................... 23
A.
Grundsätzliche Aufrechterhaltung der VAG-basierten Aufsicht
über Versicherungsvermittler, insbes. der Art. 40 - 45 VAG.............. 23
B.
Sofern notwendig – Ergänzung des VAG – Eliminierung des EVAG ........................................................................................................ 24
C.
Beibehaltung der gebundenen und ungebundenen
Versicherungsvermittlung .................................................................... 24
D.
Kein zentrales Register ......................................................................... 24
1.
2.
Organisation als Branchenregister – Dezentrales Branchenregister ....... 24
Anpassung des VAG – neuer Art. 44 VAG .............................................. 25
E.
Schaffung einer Transparenzbestimmung für ungebundene
Versicherungsvermittler betr. Offenlegung der Entschädigung ....... 25
1.
2.
Der Bundesrat hat sich am 2.2.2011 für eine Transparenzlösung
ausgesprochen ........................................................................................ 25
Antrag – Ergänzung von Art. 45 E-VAG mit einem neuen Abs. 2............ 25
F.
Unabhängigkeit ..................................................................................... 26
G.
Ombudsstelle – Streitbeilegung ........................................................... 26
1.
2.
Regelung im VAG .................................................................................... 26
Keine Anschlusspflicht für ungebundene Versicherungsvermittler .......... 26
H.
Verhaltensregeln ................................................................................... 27
I.
Missbrauchsschutz (Art. 46 Abs. 1 lit. f VAG) ..................................... 27
J.
Streichung von weiteren Bestimmungen ............................................ 27
102277/FIDLEG
3 | 28
Abkürzungsverzeichnis
ABl. EU
Amtsblatt der Europäischen Union
AVO
Verordnung über die Beaufsichtigung von privaten Versicherungsunternehmen vom 9.11.2005
AVO-FINMA
Verordnung der Eidg. Finanzmarktaufsicht über die Beaufsichtigung von privaten Versicherungsunternehmen vom
9.11.2005
BBl.
Bundesblatt
BGE
Bundesgerichtsentscheid
Botschaft VAG
Botschaft zu einem Gesetz betr. die Aufsicht über Versicherungsunternehmen und zur Änderung des VVG vom
9.5.2003, BBl. 2003, S. 3789 ff.
Botschaft VVG
Botschaft zur Totalrevision des Versicherungsvertragsgesetzes vom 7.9.2011, BBl. 2011, S. 7705 ff.
BPV
Bundesamt für Privatversicherungen (bis 31.12.2008)
BVG
Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenenund Invalidenvorsorge vom 25.6.1982
BVV2
Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenvorsorge vom 18.4.1984
E.
Erwägung
EFD
Eidg. Finanzdepartement
Erläuternder Bericht
Erläuternder Bericht des EFD vom 25.6.2014 zum FIDLEG
EU-Vermittler-RL
EU-Vermittler-Richtlinie vom 9.12.2002 (IMD 1)
E-VAG
Entwurf für eine Teilrevision des VAG gemäss Art. 123
FIDLEG (Aufhebung und Änderung anderer Erlasse),
S. 47 - 49, unter "5. Versicherungsaufsichtsgesetz vom
17.12.2004"
E-VAG 2011
Entwurf für ein teilrevidiertes VAG gemäss Botschaft des
Bundesrates vom 7.9.2011
E-VVG 2011
Entwurf für ein neues VVG gemäss Botschaft des Bundesrates vom 7.9.2011 (vom Parlament an den Bundesrat zurück-
102277/FIDLEG
4 | 28
gewiesen)
FIDLEG
Entwurf des EFD für ein Finanzdienstleistungsgesetz vom
25.6.2014, publiziert vom EFD am 27.6.2014
FINMA
Eidg. Finanzmarktaufsicht
FINMAG
Bundesgesetz über die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht
vom 22.6.2007
LV
Lebensversicherung(en)
MiFID II
RL 2014/65/EU des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 15.5.2014 (ABl. EU vom 12.6.2014, S. L 173/349 ff.)
RL
Richtlinie
UVG
Bundesgesetz über die Unfallversicherung vom 20.3.1981
VAG
Bundesgesetz betreffend die Aufsicht über Versicherungsunternehmen vom 17.12.2004
VBV
Berufsbildungsverband der Versicherungswirtschaft
VR
Versicherer
VU
Versicherungsunternehmen
VVG
Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag vom 2.4.1908
102277/FIDLEG
5 | 28
I.
Anträge
Die SIBA stellt mit Bezug auf die Vernehmlassungsvorlage zum FIDLEG folgende Anträge:
1. Der am 27. Juni 2014 veröffentlichte Entwurf des Eidgenössischen Finanzdepartementes (EFD) für ein Bundesgesetz über die Finanzdienstleistungen vom 25. Juni 2014 (FIDLEG) sei zur Neuüberarbeitung an das
EFD zurückzuweisen mit der Auflage,
- die Versicherer und die Versicherungsvermittler vom FIDLEG
auszunehmen und
- im E-VAG alle Bestimmungen zu eliminieren, welche die Versicherungsvermittler betreffen.
2. Eventualiter (im Falle der Ablehnung des Antrages 1)
- sei an der heutigen VAG-basierten Aufsicht für Versicherungsvermittler, d.h. am geltenden VAG, insbesondere an den Art. 40 45 VAG, festzuhalten;
- seien im Zusammenhang mit der Versicherungsvermittlungstätigkeit allenfalls notwendige Regelungen (z.B. Transparenzvorschrift betr. Offenlegung der Entschädigung; Branchenregister;
Unabhängigkeit, Verhaltensregeln etc.) im VAG vorzunehmen.
II.
Summary
1
Dem ungebundenen Versicherungsvermittler bzw. Versicherungsbroker
kommt im deregulierten Markt mit verschiedensten Versicherungsprodukten
und -bedingungen eine Schlüsselfunktion zu. Er muss den gesamten Markt
kennen und ist zu "best advice" verpflichtet. Der Berufsstand des Versicherungsbrokers ist im Geschäftskundensegment etabliert. Die Versicherungsvermittlung ist zudem seit 2006 im Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) mit
Informations- und Registrierungspflichten in einer EU-kompatiblen Weise
(IMD) reguliert. Diese Aufsicht hat sich bewährt. Die Assekuranz hat zu keinen Beschwerden Anlass gegeben, welche einen zusätzlichen Regulierungsbedarf erfordert.
FIDLEG inkompatibel mit ungebundener Versicherungsvermittlung
2
Das FIDLEG ist auf die bisher nicht regulierten unabhängigen Vermögensverwalter, Anlageberater und Banken ausgerichtet. Ziel ist es, Konsumenten
von Anlageprodukten zu schützen.
102277/FIDLEG
6 | 28
3
Gleichzeitig mit dem FIDLEG will das EFD ohne Grund und Auftrag das geltende VAG in dem Sinne revidieren, dass die Tätigkeit der ungebundenen
Versicherungsvermittlung auf Courtagebasis de facto nicht mehr möglich ist.
Das E-VAG sieht vor, dass Art. 9 (Unabhängigkeit) und Art. 26 (Entgegennahme von Vorteilen) FIDLEG sinngemäss auch auf die ungebundenen Versicherungsvermittler Anwendung finden sollen. Damit ist ein Versicherungsvermittler nur dann unabhängig, wenn er keine Entschädigungen von Dritten
annimmt oder die von Dritten erhaltenen Vorteile an den Versicherungsnehmer weitergibt. Diese Bestimmungen stellen die Existenz der Versicherungsbroker in Frage.
Transparenzbestimmung erforderlich
4
Die SIBA beantragt seit Jahren die Schaffung einer Transparenzbestimmung, welche den ungebundenen Versicherungsvermittler zur Offenlegung
der Entschädigung beim ersten Kundenkontakt verpflichtet. Eine solche hat
der Bundesrat bereits im Februar 2011 bei der Revision des Versicherungsvertragsgesetzes (E-VVG) angekündigt. Eine Umsetzung ist nicht erfolgt.
Befreiung der Assekuranz (Versicherer und Versicherungsvermittler)
vom FIDLEG
5
Die SIBA beantragt im Hauptpunkt Rückweisung der Vorlage. Allfällige notwendige neue Regelungen (Einführung eines dezentralen Branchenregisters
zur Sicherstellung der Weiterbildung, Transparenzbestimmung etc.) sind im
geltenden VAG, ohne "sinngemässe" Verweise auf das FIDLEG, vorzunehmen.
III.
Begründung des Antrages 1 – Rückweisung des FIDLEG an das EFD
A.
Konzeption des FIDLEG – inakzeptabel für ungebundene Versicherungsvermittler
6
Verschiedene Gründe veranlassen die SIBA dazu, im Hauptpunkt die Rückweisung des FIDLEG an das EFD zu beantragen. In mehreren Gesprächen
mit dem EFD wurde uns die Absicht des Bundesrates versichert, dass es
keine einschränkende Entschädigungsregelung gebe und wir mit einer
Transparenzbestimmung rechnen könnten. In der Pressemitteilung vom 2.
Februar 2011 zur VVG Revision hat der Bundesrat explizit sechs Punkte
herausgegriffen, die ihm im Zusammenhang mit dem E-VVG ein Anliegen
waren und welche von Anfang an die Leitplanken für das neue Gesetz bildeten. Punkt 6 bezog sich auf die ungebundenen Versicherungsvermittler (Versicherungsmakler). Der Bundesrat sagte wörtlich:1
"Das revidierte Versicherungsvertragsgesetz soll
unter anderem folgende Punkte enthalten:
1
Vgl. Pressecommuniqué des Bundesrates im Zusammenhang mit dem Auftrag zur Erstellung einer Botschaft zur Revision des Versicherungsvertragsgesetzes vom 2. Februar 2011 (s. Beilage 2).
102277/FIDLEG
7 | 28
…
Einführung von Transparenzvorschriften über die
Entschädigung bei den Versicherungsmaklern".
7
Mit Art. 66 E-VVG wurde dann folgerichtig eine strenge Transparenzbestimmung geschaffen. Leider wurde der E-VVG vom Parlament an den Bundesrat zurückgewiesen. Diese verbindliche Weisung des Bundesrates hat das
EFD nunmehr ohne Begründung sowie ohne Not nicht umgesetzt.
8
Stattdessen sehen wir uns nun mit einem Art. 9 (Unabhängigkeit) und mit
einem Art. 26 (Annahme von Vorteilen) FIDLEG konfrontiert. Art. 43
(Treue- und Sorgfaltspflicht) E-VAG verweist auf die Art. 6, 9, 21 und 22
FIDLEG, welche auf Versicherungsvermittler sinngemäss anwendbar sein
sollen. Art. 45a Abs. 3 (Verhaltensregeln) erklärt für Vermittler Art. 26
FIDLEG sinngemäss für anwendbar.
9
Art. 26 FIDLEG beinhaltet eine erheblich einschränkende Entschädigungsregelung, ohne auf die Besonderheiten des Versicherungswesens (die Entschädigung des Versicherungsvermittlers ist in der Prämie inbegriffen; dem
Versicherungsbroker fliessen keine "Vorteile" gemäss Art. 26 Abs. 3 FIDLEG
zu etc.) Rücksicht zu nehmen.2 Auf diese Besonderheiten hat der SIBA in
verschiedenen Eingaben an das EFD hingewiesen.
10
Zudem wird im Erläuternden Bericht zum FIDLEG die Auffassung vertreten,
die Versicherer und die Versicherungsvermittler seien – mindestens soweit
sie Finanzinstrumente (rückkaufsfähige Lebensversicherungen) vertreiben,
verkaufen oder vermitteln – Finanzdienstleister im Sinne des FIDLEG.3 In
Berücksichtigung des Wortlauts ist diese Schlussfolgerung des EFD keinesfalls zwingend, wie im Folgenden aufgezeigt wird.4 Diese Qualifikation bzw.
Klassifikation erfolgt zudem ungeachtet der Tatsache, dass die entsprechende Regulierung in der EU wesentlich milder ist.5
11
Auch die Aufhebung der bewährten Unterscheidung zwischen gebundenen
und ungebundenen Versicherungsvermittlern ist unverständlich und nicht
nachvollziehbar.6
12
Seit der Einführung des revidierten VAG am 1. Januar 2006 mit der erstmaligen Regulierung der Versicherungsvermittler wurde auf die Wichtigkeit der
Unterscheidung von gebundenen und ungebundenen Versicherungsvermittlern hingewiesen. Der Konsumentenschutz erfordere dies, damit der Versicherte wisse (und im öffentlichen Register auch einsehen könne), wen er vor
sich habe. In der Botschaft VAG vom 8. Mai 2003, S. 3826 zu Art. 38 [entspricht dem heutigen Art. 40 VAG] hat der Bundesrat diese Unterscheidung
zwischen gebundenen und ungebundenen Versicherungsvermittlern erst-
2
3
4
5
6
Rz 32 ff.
Erläuternder Bericht, S. 37, 38 und S. 120 oben.
Rz 59 ff. 79.
Vgl. Rz 28 ff., Rz 63 ff., insb. Rz 67-69.
Rz 52.
102277/FIDLEG
8 | 28
mals als notwendig beurteilt. Diese Definition trage überdies dem Umstand
Rechnung, "dass die Vermittler unter den verschiedenen Bezeichnungen auftreten". [Hervorhebung]
13
In Art. 40 VAG und der dazugehörigen AVO ist dieser Grundsatz sodann
verwirklicht worden.
14
In der Botschaft VVG vom 7. September 2011, S. 7771 oben, schreibt der
Bundesrat unmissverständlich Folgendes:
"Mit der vorliegenden Regelung [Art. 65 und 66 EVVG] soll eine klare Zweiteilung des Versicherungsvermittlermarktes zwischen Versicherungsmaklern [ungebundene Versicherungsvermittler]
und Versicherungsagenten [gebundene Versicherungsvermittler] erzielt werden. Vermittler werden
künftig privatrechtlich und aufsichtsrechtlich so getrennt, dass sie entweder mit einem Versicherungsunternehmen oder einem Versicherungsnehmer verbunden sind."
15
Zudem schlägt er bei dieser Revision des VVG auch VAG-Anpassungen vor,
insbes. mit Art. 40, wo in Absatz 2 und 3 eine präzisere Definition der ungebundenen und der gebundenen Versicherungsvermittlung erfolgt ist. Art. 40
lautet wie folgt:
"Art. 40 Definition
1
Versicherungsvermittlerinnen und -vermittler sind,
unabhängig von ihrer Bezeichnung, Personen, die
Versicherungsverträge anbieten oder abschliessen.
2
Ungebundene Versicherungsvermittlerinnen und vermittler sind weder rechtlich noch wirtschaftlich
noch auf andere Weise an ein Versicherungsunternehmen gebunden.
3
Alle übrigen Versicherungsvermittlerinnen und
- vermittler gelten als gebundene Versicherungsvermittlerinnen und -vermittler.
4
Der Bundesrat konkretisiert die Kriterien, nach
denen zwischen gebundenen und ungebundenen
Versicherungsvermittlerinnen und -vermittlern unterschieden wird."
16
Der Bundesrat wollte gleichzeitig auch die heutige Regelung aufheben, wonach sich der gleiche Versicherungsvermittler sowohl als ungebundener als
auch als gebundener Versicherungsvermittler ins Register eintragen lassen
kann. Art. 41 lautet wie folgt:
102277/FIDLEG
9 | 28
"Art. 41 Unzulässige Vermittlungstätigkeit
1
Ungebundene Versicherungsvermittlerinnen und
-vermittler dürfen nicht auch als gebundene Versicherungsvermittlerinnen und -vermittler tätig
sein und umgekehrt.
2
Versicherungsvermittlerinnen und -vermittlern ist
es untersagt, zugunsten von Versicherungsunternehmen tätig zu sein, die dem vorliegenden Gesetz
unterstehen, aber nicht zur Ausübung einer Versicherungstätigkeit ermächtigt sind."
1.
FINMA-Aufsicht seit 1.1.2006
17
Die ungebundenen Versicherungsvermittler bzw. Versicherungsbroker wurden bis zum 31. Dezember 2008 vom Bundesamt für Privatversicherungen
(BPV) beaufsichtigt. Seither unterstehen sie der FINMA. Seit dem 1. Januar
2006 müssen sich die ungebundenen Versicherungsvermittler auch in das
von der FINMA geführte Berufsregister eintragen lassen. Vorher haben sie
sich einer unter Aufsicht der FINMA organisierten Prüfung zu unterziehen.
18
Der Eintrag im Berufsregister ist vom Vorliegen verschiedener persönlicher
und fachlicher Voraussetzungen abhängig. Zudem müssen die Versicherungsbroker über eine Haftpflichtversicherung mit Deckungssumme von
mindestens 2 Mio. ausweisen. Diese Regelung hat sich bewährt.
2.
Beibehaltung der Unterscheidung zwischen gebundenen und ungebundenen Versicherungsvermittlern – Versicherungsvermittler sind
keine Kundenberater
19
Art. 42 Abs. 1 E-VAG spricht noch von "Versicherungsvermittlern". In den
weiteren Absätzen wird sogar nur noch von "Vermittlern" und nicht mehr von
Versicherungsvermittlern gesprochen.
20
Abs. 2 von Art. 42 E-VAG bestimmt sodann, dass die Bestimmungen des 3.
Kapitels aus dem 2. Titel des FIDLEG, d.h. die Art. 28 - 32 FIDLEG (Kundenberaterinnen und Kundenberater), für die Vermittler sinngemäss gelten.
21
Damit ist klar, dass die Unterscheidung zwischen ungebundenen und gebundenen Versicherungsvermittlern aufgehoben werden soll. Offensichtlich
will das EFD die Versicherungsvermittler insgesamt im Pot der Banken und
Vermögensverwalter platzieren, was schlechthin inakzeptabel ist. Dafür wird
über eine Verweisung in Art. 43 E-VAG Art. 9 (Unabhängigkeit) FIDLEG für
Vermittler für verbindlich erklärt, der auf ungebundene Versicherungsvermittler – wie nachfolgend aufgezeigt wird – aus objektiven Gründen per se nicht
anwendbar ist, da diese im Zusammenhang mit der Dienstleistungserbringung von Dritten keine "Vorteile annehmen".7 Der Versicherer leitet an den
7
Vgl. Art. 9 Abs. 1 lit. b FIDLEG sowie Rz 35 und 47.
102277/FIDLEG
10 | 28
Versicherungsbroker vielmehr nur eine Entschädigung weiter, die er vorgängig vom Versicherungsnehmer mit der Prämienzahlung erhalten hat.8
3.
Das FIDLEG ist für Versicherer und Versicherungsvermittler nicht notwendig
22
Das FIDLEG ist, wie der ganze Aufbau auf den ersten Blick erkennen lässt,
auf die Banken und Vermögensverwalter zugeschnitten. Es besteht kein Anlass, die Versicherungsvermittler mit ein paar Verweisungen partiell auch
noch dem FIDLEG zu unterstellen bzw. ihnen völlig unnötigerweise – so nebenbei – noch das FIDLEG überzustülpen.
4.
Die Kunden von Versicherern und Versicherungsvermittlern verfügen
über eine hohe Sicherheit
23
Das Versicherungsgeschäft unterscheidet sich grundlegend von demjenigen
der Banken und anderen Finanzinstituten. Strenge Kapital- und Anlagevorschriften sorgen in der Versicherungsbranche für hohe Sicherheit. Das hat
sich in der letzten Finanzkrise als ausgezeichneten Kundenschutz erwiesen.
Kunden von Versicherern und Versicherungsvermittlern sind nicht zu Schaden gekommen.
24
Weil sich Geschäftsmodelle, Anlageklassen und Interessen der verschiedenen Branchen in der Finanzdienstleistungsindustrie stark unterscheiden,
macht ein für alle gleiches Finanzdienstleistungsgesetz wenig Sinn. Die
durch die Finanzkrise aufgeworfenen Probleme müssen vielmehr mit sektorspezifischen und differenzierten Massnahmen geregelt werden. Sollte die
Politik zum Schluss kommen, dass im Versicherungsbereich Verbesserungen nötig wären, müssten diese in die bereits bestehenden Gesetze einfliessen. Hinzu kommt, dass für die Versicherungskunden, welche grösstenteils
von gebundenen und ungebundenen Versicherungsvermittlern beraten und
betreut werden, gemäss VAG, AVO und VVG heute bereits ein optimaler
Kundenschutz besteht.9 Es besteht kein Handlungsbedarf.
5.
Funktion des ungebundenen Versicherungsvermittlers (Versicherungsbroker) im deregulierten Markt – Verpflichtung zu "best advice"
25
Der ungebundene Versicherungsvermittler hat im heute deregulierten Markt
mit den verschiedensten Produkten, Bedingungen etc. an Bedeutung gewonnen. Er ist nicht an einen Versicherer gebunden, muss den Markt
à fonds kennen und ist zu "best advice" verpflichtet. Eine optimale Erfüllung
dieses Auftrages ist durch die geltenden Rechtsgrundlagen, das VAG, die
AVO und das VVG, sichergestellt. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb die
heute geltende, absolut klare und zudem auch EU-kompatible Ordnung10
durch eine wenig durchdachte und daher unangemessene Regelung ersetzt
werden soll.
8
9
10
Zur juristischen Begründung vgl. Rz 40 ff.
Rz 56 ff.
Vgl. die EU-Vermittler-RL vom 9.12.2002.
102277/FIDLEG
11 | 28
6.
Verschiedene Bestimmungen des FIDLEG stehen quer in der Landschaft
26
Hinzu kommt, dass verschiedene Bestimmungen, insbesondere die Art. 9
und 26 FIDLEG, für die Assekuranz unverhältnismässig und unangemessen
sind, sowie völlig am Ziel vorbeischiessen.11
B.
Regelung in der EU - MiFID II
27
Es besteht kein Anlass, im heutigen Zeitpunkt mit Bezug auf die Versicherer
und die ungebundenen Versicherungsvermittler Regelungen zu erlassen,
welche im EU-Raum nicht verwirklicht worden sind.
1.
MiFID II gilt nicht für Versicherungen und Versicherungsvermittler
28
Bereits gemäss den Erwägungen zur Richtlinie 2014/65/EU des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 15. Mai 2014 über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID II) gelten die Regeln von MiFID II weder für Versicherer
noch für Versicherungsvermittler.
29
Wesentlich ist einmal Ziff. (87) der einleitenden Erwägungen zur MiFID II, die
klar festhält, dass das Verhalten im Zusammenhang mit "Anlageprodukten
aufgrund von Versicherungen" in der Richtlinie vom 9. Dezember 2002 über
Versicherungsvermittlung (EU-Vermittler-RL) geregelt werden soll.12
30
Gleichzeitig bestimmt Art. 3 (Fakultative Ausnahmen) Ziff. (1) der MiFID II,
die Mitgliedstaaten könnten ihren Geltungsbereich unter bestimmten Voraussetzungen ausschliessen. In Art. 3 Ziff. (1) lit. a-e, Ziff. (2) lit. a-c und
Ziff. (3), (4) und (5) MiFID II sind die Voraussetzungen erwähnt, welche sowohl die Versicherer als auch die Versicherungsvermittler erfüllen.
2.
Drittvergütungsverbot für Wertpapierfirmen kann in der EU wegbedungen werden
31
Auch das in Art. 24 Ziff. (7) lit. b MiFID II vorgesehene Verbot der Entgegennahme von Drittvergütungen, welches ausschliesslich für Wertpapierfirmen
gilt, kann somit von einzelnen EU-Mitgliedstaaten wegbedungen werden.
Auch in der EU ist nichts in Stein gemeisselt. Umso weniger lohnt es sich,
die bewährte bestehende Ordnung ohne ersichtlichen Grund über Bord zu
werfen. Für die Versicherungen vgl. Rz 63 ff., insb. Rz 68/69.
C.
Zu einzelnen Bestimmungen des FIDLEG
1.
Art. 26 FIDLEG – Annahme von Vorteilen
32
Art. 45a Abs. 3 E-VAG (Verhaltensregeln) bestimmt, dass Art. 26 FIDLEG
sinngemäss auch für die Versicherungsvermittler zur Anwendung kommt.
Gemäss Art. 26 FIDLEG dürfen Finanzdienstleister im Zusammenhang mit
der Erbringung von Finanzdienstleistungen nur "Vorteile" entgegennehmen,
11
12
Rz 32 ff. und 43 ff.
Vgl. ABl. EU vom 12.6.2014, S. L 173/363.
102277/FIDLEG
12 | 28
wenn die Kunden vorgängig ausdrücklich auf die Herausgabe der Vorteile
verzichtet haben oder die Vorteile vollumfänglich an den Kunden weitergegeben werden.
1.1
Zielsetzung von Art. 26 FIDLEG – Zementierung der Retrozessionsrechtsprechung auch für die Versicherungsvermittler
33
Mit dieser Regelung will der Gesetzgeber des FIDLEG bzw. das EFD die
Rechtsprechung des Bundesgerichtes im Zusammenhang mit den Retrozessionen von unabhängigen Vermögensverwaltern auch für die Versicherungsvermittler durchsetzen.13
34
Was die eigentlichen Adressaten des FIDLEG, die Bankinstitute und die
Vermögensverwalter betrifft, ist gegen diese Regelung nichts einzuwenden.
In diesem Zusammenhang ist auch Abs. 2 von Art. 26 FIDLEG durchaus gerechtfertigt. Danach ist ein Verzicht des Kunden nur gültig, wenn diesem Art
und Umfang der Vorteile vor Erbringung der Finanzdienstleistung oder vor
Vertragsabschluss offengelegt worden ist.
1.2
Marktübliche Courtagen an ungebundene Versicherungsvermittler sind
keine Drittvergütungen, keine Retrozessionen und keine "Vorteile"
35
Entschädigungen, die der Versicherer den ungebundenen Versicherungsvermittlern in Form von Provisionen und Courtagen zukommen lässt, sind
aber anerkanntermassen weder "Vorteile" noch Retrozessionen.14 Diesen
Grundsatz missachtet Abs. 3 des gleichzeitig mit dem FIDLEG neu vorgeschlagenen Art. 45a des Entwurfes für ein neues VAG (E-VAG), indem er
bestimmt, Art. 26 FIDLEG sei mit Bezug auf Versicherungsvermittler- und
Vermittlerinnen sinngemäss ebenfalls anzuwenden.
36
Art. 26 FIDLEG, der auf Versicherungsvermittler sinngemäss Anwendung
finden soll, stellt somit gleichzeitig das Courtagesystem in Frage. Dieses
Entschädigungssystem ist jedoch nicht zu beanstanden, sofern der Versicherungsvermittler den Kunden vor Vertragsabschluss über Art und Umfang
der Entschädigung informiert. Aus diesem Grunde beantragt der SIBA – sofern er wider Erwarten mit dem Antrag 1 nicht durchkommen sollte – im Zusammenhang mit dem neu vorgeschlagenen Art. 45 (Informationspflicht) EVAG die Schaffung eines neuen Abs. 2, welcher eine Pflicht des ungebundenen Versicherungsvermittlers zur Offenlegung der Entschädigung vor Vertragsabschluss vorsieht.15
1.3
Die Entschädigung der ungebundenen Versicherungsvermittler ist in
der Versicherungsprämie enthalten – originäre Vergütung
37
Die Entschädigung der ungebundenen Versicherungsvermittler ist in der
Versicherungsprämie inbegriffen. Wirtschaftlich bezahlt somit – im Unter-
13
14
15
Vgl. den Erläuternden Bericht, S. 54, zu Art. 26 FIDLEG, der in den FN 64 und 65 auf BGE 138 III 755 und
137 III 393 E. 2.4 verweist.
Vgl. zur detaillierten juristischen Begründung Rz 40/41.
Vgl. Rz 90.
102277/FIDLEG
13 | 28
schied zum Kunden des unabhängigen Vermögensverwalters – der Versicherungsnehmer bzw. der Versicherte den ungebundenen Versicherungsvermittler. Der Versicherer ist mit Bezug auf die Entschädigung, welche er
dem Versicherungsbroker als Entgelt für die dem Versicherungsnehmer gegenüber erbrachten Dienstleistungen (Beratung, Risikoanalyse, Begleitung
im Schadenfall, etc.) zukommen lässt, nur ein "Durchlaufposten". Der Versicherer vergütet dem Versicherungsbroker eine Entschädigung, die ihm vorher vom Versicherungsnehmer bezahlt wurde. Mit der Entgegennahme von
"Vorteilen" gemäss Art. 26 FIDLEG hat das überhaupt nichts zu tun. Der
Versicherer überweist dem Versicherungsbroker die vom Versicherungsnehmer finanzierte Courtage, die eine gewöhnliche originäre Entschädigung
und keine Drittvergütung darstellt.
1.4
Der Versicherungsbroker nimmt vom Versicherer keine "Vorteile" entgegen
38
Eine marktübliche Courtage ist somit weder eine Drittvergütung noch eine
Retrozession oder ein "Vorteil". Auch Stephan Fuhrer teilt diese Auffassung.
Er kommt zum Schluss, dass eine marktübliche Courtage weder eine Drittvergütung noch eine Retrozession darstellt.16
1.5
Nur volumenabhängige Zusatzentschädigungen sind Retrozessionen
39
Vereinbaren Versicherungsvermittler und Versicherer jedoch die Entrichtung
von Zusatzentschädigungen und Sondervergütungen,17 die dem einzelnen
Versicherungsnehmer nicht zugeordnet werden können, so handelt es sich
dabei nach der Retrozessions-Praxis des Bundesgerichts um ablieferungspflichtige Drittleistungen.18
1.6
Klare juristische Begründung – Vertrag zugunsten Dritter
40
Eine rein juristische Beurteilung führt ebenfalls zum Ergebnis, dass dem
Versicherungsbroker – gestützt auf einen Schuldübernahmevertrag im Sinne
eines Vertrages zugunsten Dritter (Art. 176 Abs. 1 OR) – ein originärer Anspruch gegenüber dem Versicherer auf Ausrichtung der Entschädigung zusteht (vgl. dazu Stephan Fuhrer, HAVE 2/2013, S. 113):
- Der Versicherungsnehmer ist aus dem Versicherungsvertrag verpflichtet,
dem Versicherer das für die Courtagezahlung benötigte Geld zur Verfügung zu stellen;
- Der Versicherer muss dem Versicherungsbroker für die von diesem zugunsten des Versicherungsnehmers erbrachten Dienstleistungen Courtagen bezahlen;
16
17
18
Stephan Fuhrer, "Gebt dem Makler was des Maklers ist, und dem Kunden, was des Kunden ist", Zur Entschädigung des Versicherungsmaklers im Lichte der Retrozessionsrechtsprechung des Bundesgerichts,
HAVE 2/2013, S. 107 ff.
Z.B. volumen-, wachstums- oder schadenabhängige Zusatzentschädigungen, die gemäss Code of
Conduct des SIBA vom 29. Oktober 2008 verboten sind.
Vgl. auch Stephan Fuhrer, HAVE 2/2013 (zit. in FN 16), S. 107 ff.
102277/FIDLEG
14 | 28
- Der Versicherungsbroker verfügt über ein selbständiges Forderungsrecht
gegenüber dem Versicherer. Gegen die Bezahlung der Prämie (in welcher
die Brokerentschädigung enthalten ist) verpflichtet sich der Versicherer
gegenüber dem Versicherungsnehmer, an dessen Stelle für die Brokerentschädigung aufzukommen und diese dem Versicherungsbroker auszurichten.
41
Damit ist nachgewiesen, dass die Courtagenzahlung des Versicherers an
den Versicherungsbroker per se keine Drittvergütung und somit auch keine
Retrozession darstellt. Die Courtagezahlung des Versicherers an den Broker
beinhaltet auch keine "Annahme von Vorteilen von Dritten" gemäss Art. 9
Abs. 1 lit. b und Art. 26 Abs. 3 FIDLEG. Retrozessionen sind nur die sog.
Zusatzcourtagen, d.h. volumen-, wachstums- und/oder ertragsabhängige
Sondervergütungen bzw. Zusatzentschädigungen, für die der Versicherer direkt (und nicht der Versicherungsnehmer) im Obligo steht. Nur diese kann
der Versicherungsnehmer gestützt auf Art. 400 OR vom Versicherungsbroker herausverlangen, soweit der Versicherungsnehmer nicht auf seinen Herausgabeanspruch verzichtet hat.19 Genau in diesem Sinne wurde vor drei
Jahren die BVV2 angepasst. Art. 48k Abs. 2 BVV2 lautet wie folgt:
"2Werden externe Personen und Institutionen mit
der Vermittlung von Vorsorgegeschäften beauftragt, so müssen sie beim ersten Kundenkontakt
über die Art und Herkunft sämtlicher Entschädigungen für ihre Vermittlungstätigkeit informieren. Die
Art und Weise der Entschädigung sind zwingend in
einer schriftlichen Vereinbarung zu regeln, die der
Vorsorgeeinrichtung und dem Arbeitgeber offenzulegen ist. Die Bezahlung und die Entgegennahme
von zusätzlichen volumen-, wachstums- oder schadenabhängigen Entschädigungen sind untersagt."
1.7
Die Entwicklung in Deutschland geht in eine völlig andere Richtung
42
Der Einbezug der ungebundenen Versicherungsvermittler in Art. 26 FIDLEG
ist umso bedenklicher in Berücksichtigung der Tatsache, dass der deutsche
Bundestag kürzlich sogar eine Offenlegung der Provisionen in der Lebensversicherung abgelehnt hat. Von einem Entschädigungsverbot ist in
Deutschland somit schon gar nicht mehr die Rede.20
2.
Art. 9 FIDLEG – Unabhängigkeit
43
Art. 9 FIDLEG, auf den Art. 43 E-VAG (Treue- und Sorgfaltspflicht) sinngemäss verweist, bestimmt, dass Finanzdienstleister (bzw. in unserem Fall die
Versicherungsvermittler) eine Dienstleistung nur dann als unabhängig bezeichnen dürfen, wenn sie eine ausreichende Zahl von auf dem Markt angebotenen Finanzinstrumenten (Versicherungsprodukte) berücksichtigen und
im Zusammenhang mit der Dienstleistungserbringung von Dritten keine Vor-
19
20
Stephan Fuhrer, HAVE 2/2013, S. 115, rechte Spalte.
Vgl. den Versicherungsboten 2.7.2014, S. 1 (Beilage)
102277/FIDLEG
15 | 28
teile annehmen oder Vorteile annehmen, diese aber an die Kunden weitergeben.
2.1
Art. 9 FIDLEG geht über die Retrozessionspraxis des Bundesgerichtes
hinaus
44
Art. 9 FIDLEG ist jedenfalls zu eliminieren. Nach dieser Bestimmung dürfte
sich ein Versicherungsvermittler, der von einem Versicherer eine Courtage
erhält und diese dem Kunden offenlegt, nicht mehr als unabhängig bezeichnen, wenn er die Entschädigung nicht an den Kunden weitergibt. Dies gilt
selbst dann, wenn der Kunde explizit auf den Herausgabeanspruch gegenüber dem Versicherer verzichtet hat. Diese Regelung geht über die Rechtsprechung des Bundesgerichtes im Zusammenhang mit Retrozessionen von
unabhängigen Vermögensverwaltern hinaus.
45
Die vorgesehene Regelung ist schon deshalb inakzeptabel, weil der Versicherungsvermittler – im Gegensatz zum unabhängigen Vermögensverwalter
– ausschliesslich vom Versicherer über eine Courtage entschädigt wird. Hinzu kommt, dass die Courtage vom Versicherungsnehmer bereits mit der
Versicherungsprämie bezahlt wurde und der Versicherer nur etwas weitergibt, das der Kunde ihm bereits vergütet hat.21
2.2
Art. 9 FIDLEG ist zudem widersprüchlich und unverständlich – kein
Vorteil
46
Unverständlich bzw. nicht nachvollziehbar ist die vom EFD in Art. 43 E-VAG
vorgesehene analoge Anwendung von lit. b Abs. 1 von Art. 9 FIDLEG, wonach ein Versicherungsvermittler sich nur dann als unabhängig bezeichnen
darf, wenn er im Zusammenhang mit der Dienstleistung von Dritten keine Vorteile annimmt oder diese Vorteile an den Kunden weitergibt.
47
Leitet der Versicherer eine (vom Versicherungsnehmer bereits vergütete)
Entschädigung an den ungebundenen Versicherungsvermittler weiter, stellt
diese Entschädigung jedenfalls keine Annahme eines Vorteils im Sinne
von Art. 9 Abs. 1 lit. b FIDLEG dar. Es geht um Geld, das der Versicherungsnehmer dem Versicherer mit der Prämie bereits vorgeschossen und
damit bezahlt hat. Zur Diskussion steht nicht ein "Vorteil", sondern die primäre Entschädigung des ungebundenen Versicherungsvermittlers für seine
dem Versicherungsnehmer erbrachten Dienstleistungen. Einen "Vorteil" stellen nur die volumenabhängigen Zusatzentschädigungen dar.22
2.3
Klare juristische Begründung
48
Es wurde bereits nachgewiesen,23 dass die Courtagenzahlung des Versicherers an den Versicherungsbroker per se keine Drittvergütung und somit auch
keine Retrozession ist. Somit stellt die Courtagezahlung des Versicherers an
den Broker allein schon gestützt auf den Gesetzeswortlaut auch keine "An-
21
22
23
Vgl. Rz 37 ff.
Vgl. auch Art. 48k Abs. 2 BVV2.
Rz 40 und 41.
102277/FIDLEG
16 | 28
nahme von Vorteilen von Dritten" gemäss Art. 9 Abs. 1 lit. b und Art. 26 Abs.
3 FIDLEG dar. Retrozessionen sind nur die sog. Zusatzcourtagen, d.h. volumen-, wachstums- und/oder ertragsabhängige Sondervergütungen bzw.
Zusatzentschädigungen, für die der Versicherer direkt (und nicht der Versicherungsnehmer) im Obligo steht. Nur diese kann der Versicherungsnehmer
gestützt auf Art. auf Art. 400 OR vom Versicherungsbroker herausverlangen,
soweit der Versicherungsnehmer nicht auf seinen Herausgabeanspruch verzichtet hat (Stephan Fuhrer, HAVE 2/2013, S. 115, rechte Spalte).
49
Dies bedeutet, dass Art. 43 und 45a Abs. 3 E-VAG, welche auf die sinngemässe Anwendung von Art. 9 und 26 FIDLEG verweisen, eliminiert bzw. gestrichen werden müssen.
2.4
Zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Vermögensverwalter und Banken
50
Art. 9 Abs. 1 lit. b FIDLEG ist ausschliesslich auf die Bedürfnisse der Vermögensverwalter und Banken zugeschnitten, wo allfällige Dritte Dienstleistungen zugunsten des Finanzdienstleisters (Vermögensverwalter oder Bank)
erbringen. Weil der Kunde den Versicherungsbroker mit der Prämie bezahlt,
wird der Versicherer, welcher diese Entschädigung an den Broker weiterreicht, nicht zu einem Dritten gemäss Art. 9 Abs. 1 lit. b FIDLEG. Art. 9
FIDLEG24 ist daher auf ungebundene Versicherungsvermittler jedenfalls
nicht anwendbar.
51
Auch auf gebundene Versicherungsvermittler dürften die Voraussetzungen
von Art. 9 Abs. 1 lit. b FIDLEG nicht zutreffen. Für diese erbringt der Versicherer regelmässig Dienstleitungen (Verwaltung des Versicherungsportefeuilles, juristische Unterstützung durch den Rechtsdienst/Innendienst des
Versicherers, Unterstützung durch Aktuare und Versicherungsmathematiker
des Versicherers etc.). Die an den Versicherer gebundenen Vermittler gelten
jedoch als Hilfspersonen bzw. Stellvertreter des Versicherers, wie sich aus
Art. 34 VVG zweifellos ergibt.
D.
Versicherungsvermittler sind keine Kundenberater - Unterscheidung
zwischen gebundenen und ungebundenen Versicherungsvermittlern ist
sinnvoll
52
Die heute geltende Unterscheidung zwischen gebundenen und ungebundenen Versicherungsvermittlern wird damit aufgehoben, obwohl sie sich seit 8
Jahren bestens bewährt hat. An dieser Unterscheidung muss auch zukünftig
festgehalten werden. Dies gilt umso mehr, als die vorgeschlagene Regelung
nicht EU-kompatibel ist. Die geltende EU-Vermittler-RL vom 9. Dezember
2002 unterscheidet klar zwischen gebundenen und ungebundenen Versicherungsvermittlern. Inakzeptabel für den SIBA ist auch, dass der ungebundene
Versicherungsvermittler mit Art. 42 Abs. 1 und Abs. 2 E-VAG in den Topf der
Kundenberater von Banken und der unabhängigen Vermögensverwalter geworfen werden soll. Versicherungsvermittler sind keine Kundenberater.
24
Rz 37.
102277/FIDLEG
17 | 28
E.
Ablehnung eines zentralen Kundenberaterregisters
53
Die SIBA lehnt auch die Einführung eines zentralen Kundenberaterregisters
ab.25
F.
Die Postulate des Hearingberichtes vom 18.2.2013 bzw. des FIDLEG
sind bereits erfüllt
54
VVG, VAG und AVO erfüllen alle Voraussetzungen, welche der Hearingbericht des EFD vom 18. Februar 2013 verlangt. Die Versicherer sind bereits
überreguliert (FINMAG, VVG, VAG, AVO, AVO-FINMA, BVG, UVG etc.), und
zwar nicht nur am Point of Sale. Das gilt insbesondere auch für die ungebundenen Versicherungsvermittler, welche seit 1. Januar 2006 wie die Versicherer und gestützt auf dieselben Gesetze von der FINMA beaufsichtigt
werden. Sie benötigen eine Betriebsbewilligung in Form eines Registereintrages im von der FINMA geführten Berufsregister. Der Eintrag im Berufsregister hängt von der Erfüllung wesentlicher persönlicher und beruflicher Voraussetzungen und Qualifikationen ab. Der Eintrag wird zudem vom Bestehen einer von der FINMA abgenommenen Prüfung (organisiert vom VBV im
Auftrag der FINMA) abhängig gemacht.
G.
Hohe Anforderungen an die ungebundenen Versicherungsvermittler
55
Der ungebundene Versicherungsvermittler muss alle Versicherungsprodukte
auf dem Markt kennen und insbesondere in der Lage sein, eine Risikoanalyse etc. zu erstellen. Die Versicherungsvermittler treffen beim ersten Kundenkontakt gemäss Art. 45 Abs. 1 lit. a-e VAG umfangreiche Informationspflichten, wobei sie die Information auf einem Datenträger abgeben müssen. Die
SIBA beantragt für den Fall, dass der Antrag 1 wider Erwarten abgelehnt
werden sollte, das VAG oder die AVO zu ergänzen mit einer Bestimmung,
welche den ungebundenen Versicherungsvermittler vor Vertragsabschluss
zur schriftlichen Offenlegung der Entschädigungen des Versicherers verpflichtet.26 Zudem wäre es sinnvoll, das VAG oder die AVO mit einer Bestimmung zu ergänzen, wonach der ungebundene Versicherungsvermittler
den Markt kennen und sorgfältig im Sinne von "best advice" beraten muss.
Mehr an Konsumentenschutz kann man nicht mehr machen. Der Versicherungskunde ist somit am Point of Sale optimal geschützt.27
H.
Optimaler Schutz des Versicherungskunden am Point of Sale
56
Über den Inhalt der Versicherungsprodukte muss der Versicherer den Kunden bzw. Versicherungsnehmer vor Vertragsabschluss gemäss Art. 3 Abs. 1
lit. a-g VVG detailliert informieren. Die Versicherungsvermittler müssen die
Erfüllung der Informationspflicht am Point of Sale sicherstellen. Diese Informationen sind so zu übergeben, dass der Versicherungsnehmer "sie kennen
kann, wenn er den Versicherungsvertrag beantragt oder annimmt". Diese Informationen erfolgen regelmässig mit einer schriftlichen Broschüre. Bei Ver-
25
26
27
Rz 84 ff.
Vgl. Rz 90.
Vgl. Rz 94, wonach eine Regelung analog Art. 45a Abs. 1 und 2 E-VAG akzeptierbar ist.
102277/FIDLEG
18 | 28
letzung dieser Informationspflicht kann der Versicherungsnehmer den Vertrag kündigen. Nach Vertragsabschluss muss der Versicherer dem Versicherungsnehmer eine schriftliche Police zustellen, in der alle wesentlichen Vertragspunkte, namentlich die Rechte und Pflichten der Parteien, erwähnt sind.
Der Kunde kann die Police – wenn sie dem Vertrag nicht entspricht – innerhalb von vier Wochen rügen. Anschliessend gilt die Vermutung, dass die Police mit dem Vertrag übereinstimmt. Damit ist sichergestellt, dass der Kunde
eine verbindliche Beschreibung des Versicherungsproduktes erhält. Auch die
Verhaltenspflichten am Point of Sale sind somit optimal geregelt. Mit der
schriftlichen Abgabe der Informationen zur vorgenannten Informationspflicht
(1) und der nachträglichen Zustellung der Versicherungspolice (2) wird auch
der Dokumentationspflicht optimal Rechnung getragen.
I.
Schutz des Versicherungskunden vor ausländischen Anbietern
57
Die schweizerischen Versicherten sind gegenüber ausländischen Versicherungsunternehmen, die in der Schweiz tätig werden oder Produkte verkaufen
wollen, sehr gut geschützt. Ausländische Versicherungsunternehmen bedürfen – wollen sie in der Schweiz tätig sein – einer Bewilligung der FINMA.
Gebundene und ungebundene Versicherungsvermittler dürfen einem in der
Schweiz ansässigen Kunden nur Versicherungsprodukte eines in der
Schweiz zum Geschäftsbetrieb zugelassenen Versicherungsunternehmens
vermitteln (Art. 41 VAG). Wer in der Schweiz als ungebundener Versicherungsvermittler tätig werden will, muss sich bei der FINMA registrieren lassen. Auch ausländische Versicherungsvermittler können sich registrieren
lassen.
58
Im Zusammenhang mit Versicherungsprodukten erübrigt sich daher eine
Verstärkung der Regulierung im Bereich des grenzüberschreitenden Vertriebs. Versicherungsvermittler dürfen in der Schweiz nur Versicherungsprodukte von Versicherungsunternehmen verkaufen, die in der Schweiz zum
Geschäftsbetrieb zugelassen sind.
J.
Auch rückkaufsfähige Lebensversicherungen (LV) inkl. deren Vermittlung sind vom FIDLEG auszunehmen
1.
Art. 2 und Art. 3 FIDLEG
59
Gemäss Art. 2 Abs. 1 lit. c FIDLEG unterstehen neben Anbietern von Effekten auch die Ersteller von Finanzinstrumenten dem FIDLEG.
60
Art. 3 (Begriffe) Abs. 1 lit. b (Finanzinstrumente) FIDLEG bestimmt, dass
rückkaufsfähige Lebensversicherungen Finanzinstrumente sind. Die ungebundenen Versicherungsvermittler bzw. Versicherungsbroker sind zweifellos
keine "Ersteller von Finanzinstrumenten". Ersteller von rückkaufsfähigen Lebensversicherungen sind ausschliesslich die Versicherungsunternehmen
(VU).
61
Ferner sind in Art. 3 Abs. 1 lit. d FIDLEG, wo der Begriff "Finanzdienstleistung" definiert wird, in den Ziff. 1-7 die Vermittler von rückkaufsfähigen Lebensversicherungen nicht erwähnt.
102277/FIDLEG
19 | 28
62
Damit ist erstellt, dass die Vermittlung von rückkaufsfähigen Lebensversicherungen gemäss dem Wortlaut des FIDLEG nicht unter dessen Geltungsbereich fällt. Wie bereits ausgeführt, sollten die rückkaufsfähigen Lebensversicherungen, die übrigen Versicherungen und die Versicherungsvermittlung
grundsätzlich vom FIDLEG ausgenommen werden.28
2.
Situation in der EU ist wesentlich milder
63
Auch aus dem Blickwinkel der Richtlinie 2014/65/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Mai 2014 (MiFID II) betrachtet, rechtfertigt
es sich in keiner Weise, auf der Basis einer extensiven Auslegung der Art. 2
und 3 FIDLEG den Vertrieb von rückkaufsfähigen Lebensversicherungen
durch ungebundene Versicherungsvermittler dem FIDLEG zu unterstellen.
64
Die Versicherungen bzw. die Versicherungsprodukte werden von der MiFID
II nicht geregelt. Eine Neuregelung ist erst im Zusammenhang mit der vorgesehenen Revision der Richtlinie 2002/92/EG vom 9. Dezember 2002 über
Versicherungsvermittlung (EU-Vermittler-RL) zu erwarten.29
65
Im Zusammenhang mit Art. 91 MiFID II ist von einer Verschärfung der Verhaltensregeln für den ungebundenen Vertrieb von rückkaufsfähigen Lebensversicherungen nichts erwähnt, das ins Gewicht fällt.
66
In Art. 2 EU-Vermittler-RL (Begriffsbestimmungen) in der Fassung von Art.
91 MiFID II wird lediglich an die Nr. bzw. Ziff. 3 (Versicherungsvermittlung)
neu eine Ziff. (13) angefügt, wonach lediglich "Für die Zwecke des Kapitels
III A (Informationspflichten der Vermittler) ein Versicherungsprodukt, das einen Fälligkeitswert oder einen Rückkaufswert bietet, der vollständig oder
teilweise, direkt oder indirekt Marktschwankungen ausgesetzt ist", den strengen Informationspflichten der Art. 12 und Art. 13 EU-Vermittler-RL unterliegt.
Explizit ausgenommen von dieser strengen Informationspflicht sind folgende
Versicherungsprodukte:
- Nichtlebensversicherungsprodukte gemäss der Richtlinie 2009/138/EG Anhang I (Versicherungszweige der Nichtlebensversicherung);
- Lebensversicherungsverträge, deren Leistungen nur im Todesfall oder bei
Arbeitsunfähigkeit infolge von Körperverletzung, Krankheit oder Gebrechen
zahlbar sind;
- Altersvorsorgeprodukte, die nach innerstaatlichem Recht als Produkte anerkannt sind, deren Zweck in erster Linie darin besteht, dem Anleger im
Ruhestand ein Einkommen zu gewähren, und die dem Anleger einen Anspruch auf bestimmte Leistungen einräumen;
- amtlich anerkannte betriebliche Altersversorgungssysteme, die in den Anwendungsbereich der Richtlinie 2003/41/EG oder der Richtlinie
2009/138/EG fallen;
28
29
Rz 70/71 und 79.
EU-Vermittler-RL vom 9.12.2002 ist publ. im ABl EU vom 15.1.2003, S. L 9/3 ff.
102277/FIDLEG
20 | 28
- individuelle Altersvorsorgeprodukte für die nach innerstaatlichem Recht ein
finanzieller Beitrag des Arbeitgebers erforderlich ist und die bzw. deren Anbieter weder der Arbeitgeber noch der Beschäftigte selbst wählen kann.
67
Anschliessend folgen mit Bezug auf Kapitel III A der EU-Vermittler-RL (Informationspflichten der Vermittler) weitere Bestimmungen, welche die Versicherungsvermittler verpflichten, Interessenkonflikte zu verhüten bzw. wenn
solche vorhanden sind, diese offenzulegen (Art. 13a, 13b und 13c).
68
Art. 13d regelt allgemeine Grundsätze und die Kundeninformation. Er sieht
zudem mit Bezug auf die erwähnten rückkaufsfähigen Lebensversicherungen - soweit sie direkt oder indirekt Marktschwankungen unterliegen - Folgendes vor:
"(3) Die Mitgliedstaaten können Versicherungsvermittlern oder -unternehmen die Aufnahme oder den
Erhalt von Gebühren, Provisionen oder anderen
monetären Vorteilen, die ihnen ein Dritter oder eine
Person, die im Namen eines Dritten handelt, zahlt
oder leistet, im Zusammenhang mit dem Vertrieb
von Versicherungsprodukten an Kunden untersagen."
69
Es steht somit im Ermessen jedes EU-Landes, ein Entschädigungsverbot für
Versicherungsvermittler im Bereich der rückkaufsfähigen Lebensversicherungen (die Marktschwankungen unterliegen) vorzusehen. Für die Schweiz
besteht kein Anlass, ein Entschädigungsverbot bzw. eine einschränkende
Entschädigungsregelung zwingend einzuführen. Art. 26 FIDLEG ist somit für
den SIBA nicht akzeptabel. Art. 45a Abs. 3 E-VAG ist daher jedenfalls zu
eliminieren.
3.
Rückkaufsfähige LV – Befreiung vom FIDLEG
70
Nach unserer Auffassung sind rückkaufsfähige Lebensversicherungen keine
Finanzinstrumente, die dem FIDLEG unterstellt werden müssten.
4.
Regelungen betr. LV gehören grundsätzlich nicht ins FIDLEG
71
Regelungen über die Lebensversicherung gehören nicht ins FIDLEG. An
dieser Stelle sei auf die bestehenden Schutzbestimmungen von Art. 90 ff.
VVG (Umwandlung und Rückkauf; Feststellung der Abfindungswerte) hingewiesen, welche als relativ zwingende Bestimmungen30 (die nicht zu ungunsten der Versicherten geändert werden dürfen) dem FIDLEG vorgehen. Offensichtlich wurde diese Tatsache bei der Erarbeitung des FIDLEG übersehen. In diesem Zusammenhang muss auch Art. 3 Abs. 1 lit. a - f VVG erwähnt werden, welcher den Versicherer vorvertraglich zur Aufklärung über
folgende Punkte verpflichtet:
a. die versicherten Risiken:
30
Vgl. Art. 98 Abs. 1 VVG.
102277/FIDLEG
21 | 28
b. den Umfang des Versicherungsschutzes;
c. die geschuldeten Prämien und weitere Pflichten des Versicherungsnehmers;
d. Laufzeit und Beendigung des Versicherungsvertrages;
e. die für die Überschussermittlung und die Überschussbeteiligung
geltenden Berechnungsgrundlagen und Verteilungsgrundsätze
und -methoden;
f.
die Rückkaufs- und Umwandlungswerte.
K.
Fazit
72
Aus allen diesen Gründen beantragt die SIBA (Antrag 1), den Entwurf für ein
FIDLEG vom 25. Juni 2014 zur Neuüberarbeitung an das EFD zurückzuweisen. Die Versicherer und Versicherungsvermittler seien vom FIDLEG auszunehmen und im E-VAG seien sämtliche Bestimmungen, die sich auf Versicherungsvermittler beziehen, zu eliminieren.
73
Art. 26 FIDLEG (Annahme von Vorteilen), der auf Vermittler gemäss Art. 45a
Abs. 3 E-VAG sinngemäss Anwendung finden soll, schränkt das Courtagesystem unnötig ein. Dieses Entschädigungssystem ist jedoch nicht zu beanstanden, sofern der Versicherungsvermittler den Kunden vor Vertragsabschluss über Art und Umfang der Entschädigung informiert. Eine marktübliche Courtage ist weder eine Drittvergütung, noch eine Retrozession, noch
ein "Vorteil". Art. 43 E-VAG, der auf die sinngemässe Anwendung von Art. 9
FIDLEG (Unabhängigkeit) verweist, ist ebenfalls zu eliminieren. Nach dieser
Bestimmung dürfte sich ein Vermittler, der von einem Versicherer eine Courtage erhält und diese dem Kunden offenlegt, nicht mehr als unabhängig bezeichnen, wenn er die Entschädigung nicht an den Kunden weitergibt. Dies
gilt selbst dann, wenn der Kunde explizit auf den Herausgabeanspruch gegenüber dem Versicherer verzichtet hat. Diese Regelung geht über die
Rechtsprechung des Bundesgerichtes im Zusammenhang mit Retrozessionen von unabhängigen Vermögensverwaltern hinaus.
74
Die seit 1. Januar 2006 bestehende, VAG-basierte Aufsicht hat sich bewährt.
Dies gilt ebenso für die in Anlehnung an die EU-Regelung geltende Unterscheidung zwischen gebundenen und ungebundenen Versicherungsvermittlern gemäss Art. 40 VAG und den zugehörigen Artikeln der AVO.
75
Die Versicherer und Versicherungsvermittler sind schon heute überreguliert
(FINMAG, verschiedene Verordnungen zum FINMAG, VAG, AVO, AVOFINMA, VVG, BVG, UVG etc.). Die Grenzen des Zumutbaren sind bereits
überschritten. Das FIDLEG ist auf Banken und Vermögensverwalter zugeschnitten. Es besteht kein Anlass, die Versicherer und Versicherungsvermittler nebenbei auch noch in das FIDLEG hineinzupressen.
102277/FIDLEG
22 | 28
76
Die Art. 26 (Annahme von Vorteilen) und 9 (Unabhängigkeit) FIDLEG sind
per se auf Versicherungsbroker nicht anwendbar. Die Courtagen sind weder
Leistungen Dritter noch "Vorteile", sondern originäre Entschädigungen.31
77
Strenge Kapital- und Anlagevorschriften sorgen in der Versicherungsbranche
für hohe Sicherheit, was sich in der letzten Finanzkrise im Jahre 2008 als
ausgezeichneter Kundenschutz erwiesen hat. Zentral ist die Feststellung,
dass Kunden von Versicherern bzw. Versicherungsnehmer nicht zu Schaden
gekommen sind.
78
Es besteht kein Anlass, die rückkaufsfähige Lebensversicherung dem
FIDLEG zu unterstellen.
79
Bereits eine teleologische und systematische Auslegung der Art. 2 (Geltungsbereich) und 3 (Begriffe) FIDLEG führt im Übrigen unabhängig davon
zum Schluss, dass die ungebundene Vermittlung von rückkaufsfähigen Lebensversicherungen nicht dem FIDLEG untersteht. Versicherungsbroker sind
weder Finanzdienstleister32 noch Kundenberater, Anbieter von Effekten oder
Ersteller von Finanzinstrumenten.33 Rückkaufsfähige Lebensversicherungen
sind gemäss FIDLEG wohl Finanzinstrumente,34 aber die ungebundenen
Versicherungsvermittler, welche diese nur vermitteln, sind keine Finanzdienstleister.35 Ersteller von Finanzinstrumenten bzw. von rückkaufsfähigen
Lebensversicherungen sind nur die Versicherer. Es trifft daher nicht zu, dass
– wie im Erläuternden Bericht vom 26. Juni 2014 unter Hinweis auf Art. 3 lit.
b Ziff. 6 FIDLEG ausgeführt36 – der Vertrieb von rückkauffähigen Lebensversicherungen per se dem FIDLEG untersteht. Die Versicherungsbroker übermitteln auch keine Aufträge im Sinne von Art. 3 lit. d Ziff. 2 FIDLEG, sondern
vermitteln Versicherungsverträge.
IV.
Antrag 2 (Eventualantrag) – Beibehaltung des geltenden VAG – notwendige Ergänzung des VAG
80
Wird der Antrag 1 (Hauptantrag) wider Erwarten abgelehnt, sind alle Artikel
des E-VAG vollständig zu eliminieren. Im Folgenden werden Anträge des
SIBA mit Bezug auf eine Anpassung und Ergänzung des geltenden VAG gestellt.
A.
Grundsätzliche Aufrechterhaltung der VAG-basierten Aufsicht über
Versicherungsvermittler, insbes. der Art. 40 - 45 VAG
81
Die Art. 40 - 45 des VAG sind grundsätzlich unverändert beizubehalten. Das
gilt insbesondere für das von der FINMA geführte Berufsregister (Art. 42 - 44
VAG). Akzeptiert wird es, wenn die FINMA die Führung des Berufsregisters
31
32
33
34
35
36
Rz 37 ff. und 47.
Vgl. dazu Art. 3 Abs. 1 lit. e FIDLEG.
Art. 2 lit. a, b und c FIDLEG.
Vgl. Art. Abs. 1 lit. b Ziff. 6 FIDLEG.
Art. 2 Abs. 1 lit. c FIDLEG.
Vgl. den Erläuternden Bericht zu Art. 1 Abs. 2 FIDLEG, S. 36, 2. letzter Abs.
102277/FIDLEG
23 | 28
mit Bezug auf die ungebundenen und die eingetragenen gebundenen Versicherungsvermittler an aussenstehende Institutionen (z.B. an die auch mit der
Sicherstellung der Weiterbildung zu beauftragenden Branchenverbände) delegiert. Mit Bezug auf Art. 45 VAG geben wir Art. 45 E-VAG den Vorzug.
B.
Sofern notwendig – Ergänzung des VAG – Eliminierung des E-VAG
82
Ergibt sich ein Regelungsbedarf, so sind das geltende VAG und/oder die
AVO entsprechend zu ergänzen. Dabei geht es um die Themenbereiche
Registrierung, Branchenregister, Informationspflichten, Unabhängigkeit, Verhaltensregeln etc. Sämtliche Bestimmungen des im Zusammenhang mit dem
FIDLEG vorgeschlagenen E-VAG (mit Ausnahme von Art. 45 sowie Art. 45a
Abs. 1 und 2 E-VAG37) sind daher – soweit sie die Versicherungsvermittler
direkt oder indirekt betreffen – zu eliminieren.
C.
Beibehaltung der gebundenen und ungebundenen Versicherungsvermittlung
83
Wir beantragen, die Art. 40 und 41 des Entwurfes für ein teilrevidiertes VAG
gemäss Botschaft des Bundesrates vom 7. September 2011 in das geltende
VAG zu integrieren. Zum Wortlaut vgl. Rz 15 und 16 vorne.38 Man könnte die
Definition der gebundenen und ungebundenen Versicherungsvermittlung zudem in dem Sinne ergänzen, dass diese auch an der Frage aufgehängt ist,
ob die Vermittlung im Auftrag eines Versicherungsinteressenten bzw. Versicherungsnehmers oder im Auftrag eines Versicherungsunternehmens betrieben wird.
D.
Kein zentrales Register
1.
Organisation als Branchenregister – Dezentrales Branchenregister
84
Wie bereits erwähnt, ist die Funktion des heutigen Berufsregisters für gebundene und registrierte ungebundene Versicherungsvermittler wie folgt zu
erweitern:
- Sicherstellung der Weiterbildung der gebundenen und ungebundenen Versicherungsvermittler;
- Registrierung der absolvierten Weiterbildungen.
85
Die Weiterbildungsfunktion kann nur auf der Basis einer dezentralen Registerführung – im Vordergrund stehen die Branchenverbände – effizient durchgeführt werden.
86
Für die gebundenen, heute nicht registrierten Versicherungsvermittler beschränkt sich die Tätigkeit der zuständigen Registerführung auf die Sicherstellung der beruflichen Weiterbildung.
37
38
Vgl. Rz 95.
Vgl. auch Botschaft VVG, S. 7861.
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87
Voraussetzung dieses Konzepts ist, dass dieses Register nicht als ein für die
ganze Schweiz zuständiges zentrales Register unter staatlicher Führung organisiert wird.
2.
Anpassung des VAG – neuer Art. 44 VAG
88
Die in IV., Rz 84 ff. erwähnten Punkte setzen eine Anpassung der Art. 40 44 VAG voraus. Wir beantragen, nach Art. 43 VAG einen neuen Artikel einzufügen, der wie folgt lautet:
"Art. 44 [neu] Funktionserweiterung39
1
Die FINMA ist ermächtigt, die Führung des Berufsregisters für ungebundene und eingetragene gebundene Versicherungsvermittler an regionale Institutionen (Branchenverbände etc.) zu delegieren.
2
Diesen obliegt gleichzeitig die Sicherstellung und
Registrierung der regelmässig zu absolvierenden
beruflichen Weiterbildung aller Versicherungsvermittler.
3
Jeder Versicherungsvermittler muss auch im Weiterbildungsregister gemäss Abs. 2 registriert sein.
4
Die Einzelheiten werden in einer Verordnung geregelt."
E.
Schaffung einer Transparenzbestimmung für ungebundene Versicherungsvermittler betr. Offenlegung der Entschädigung
1.
Der Bundesrat hat sich am 2.2.2011 für eine Transparenzlösung ausgesprochen
89
Der SIBA beantragt, in Art. 45 (Informationspflicht) Abs. 1 E-VAG auf der
Basis eines Abs. 2 eine Transparenzbestimmung bzw. eine Pflicht zur Offenlegung der vom Versicherer erhaltenen Entschädigungen einzufügen. Damit
wird dem Willen des Bundesrates gemäss seiner Pressemitteilung vom 2.
Februar 2011 Rechnung getragen.40
2.
Antrag – Ergänzung von Art. 45 E-VAG mit einem neuen Abs. 241
90
Art. 45 E-VAG42 ist mit einem Abs. 2 neu wie folgt zu ergänzen:
"Sobald ungebundene Versicherungsvermittler
und -vermittlerinnen mit Versicherungsnehmern
39
40
41
42
Vgl. Beilage 3, S. 1.
Vgl. Rz 6 vorne.
Wird neu Art. 46 VAG (vgl. Beilage 3).
Wird neu zu Art. 46 VAG (vgl. den ganzen Art. 46 [neu] VAG, Beilage 3, S. 2).
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und -nehmerinnen Kontakt aufnehmen, müssen
sie diese über die Art und Umfang sämtlicher
Entschädigungen für ihre Vermittlungstätigkeit
orientieren. Ist die Höhe des Betrags vorgängig
nicht feststellbar, so sind die Berechnungsparameter und die Bandbreiten offenzulegen. Die Art
und Weise der Entschädigung ist in einer schriftlichen Vereinbarung zu regeln."
F.
Unabhängigkeit
91
Wir beantragen, das geltende VAG zum Thema "Unabhängigkeit" mit folgendem Artikel zu ergänzen:
Art. 47 [neu] Unabhängigkeit43
"1Versicherungsvermittler bezeichnen ihre Vermittlungstätigkeit nur dann als unabhängig, wenn sie:
a. eine ausreichende Zahl auf dem Markt angebotener Versicherungsprodukte berücksichtigen;
und
b. die Transparenzbestimmung von Art. 46 Abs. 244
[neu] VAG45einhalten.
2
Versicherungsvermittler bezeichnen sich selbst
nur dann als unabhängig, wenn sie für sämtliche
angebotenen Vermittlungstätigkeiten die Voraussetzungen nach Absatz 1 einhalten."
G.
Ombudsstelle – Streitbeilegung
1.
Regelung im VAG
92
Auch das Thema "Streitbeilegungsverfahren durch eine Ombudsstelle"
muss - sollte der Hauptantrag abgewiesen werden - ausschliesslich und abschliessend im E-VAG geregelt werden.
2.
Keine Anschlusspflicht für ungebundene Versicherungsvermittler
93
Der SIBA ist nicht damit einverstanden, dass sich die ungebundenen Versicherungsvermittler zwingend einer Ombudsstelle anschliessen müssen, was
mit einem unzumutbaren grossen finanziellen Aufwand verbunden wäre. Der
Beitritt sollte fakultativ bzw. freiwillig sein. Im Übrigen steht den ungebundenen Versicherungsvermittlern die Möglichkeit offen, sich der Ombudsstelle
für die Privatversicherer und die SUVA anzuschliessen. Diesbezügliche Verhandlungen haben bereits stattgefunden. Die Aufnahme der Tätigkeit als un-
43
44
45
Vgl. Beilage 3, S. 3.
Vgl. Beilage 3, S. 2 unten.
Vgl. Rz 90.
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gebundener Versicherungsvermittler bzw. die Registrierung im Branchenregister darf nicht vom Beitritt zu einer Ombudsstelle abhängig gemacht werden.
H.
Verhaltensregeln
94
Der SIBA beantragt, eine Regelung analog Art. 45a Abs. 1 und 2 E-VAG in
das geltende VAG aufzunehmen. Sie lautet wie folgt:
Art. 48 [neu] Verhaltensregeln46
"1Vor Abschluss eines Versicherungsvertrags
ermitteln die Versicherungsvermittler und
-vermittlerinnen die Ziele und Bedürfnisse der
Versicherten und erläutern ihnen die Gründe
für jeden erteilten Rat.
2
Vereinbaren die Versicherungsvermittler und
-vermittlerinnen mit dem Versicherungsnehmer oder der Versicherungsnehmerin, dass
eine Beratung aufgrund einer ausgewogenen
Untersuchung stattfindet, so stützen sie ihren
Rat auf die Untersuchung einer hinreichenden
Zahl von auf dem Markt erhältlichen Versicherungsverträgen."
I.
Missbrauchsschutz (Art. 46 Abs. 1 lit. f VAG)
95
Art. 46 Abs. 1 lit. f VAG soll in der heutigen Fassung (Schutz auch vor Missbräuchen von Versicherungsvermittlern) beibehalten werden. Die FINMA
muss bei Missbräuchen handeln können. Dies hat sich bewährt, auch wenn
es in der Praxis nicht viele Beanstandungen gab.
J.
Streichung von weiteren Bestimmungen
96
Wie bereits erwähnt (Rz 831) beantragt der SIBA die Streichung folgender
Bestimmungen des E-VAG: Art. 51 Abs. 2 lit. g, Art. 86 Abs. 1 lit. e, Art. 90
Abs. 4-8 und Art. 90a.
46
Vgl. Beilage 3, S. 3.
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Beilage 1
Beilage 2
Beilage 3
17. Oktober 2014
Beantragte Anpassungen des geltenden VAG
(Die neuen Bestimmungen sind fett)
Art. 40 Definition
Versicherungsvermittler und -vermittlerinnen sind, unabhängig von ihrer Bezeichnung, Personen, die im Interesse von Versicherungsunternehmen oder anderen Personen Versicherungsverträge anbieten oder abschliessen.
Art. 41 Unzulässige Vermittlungstätigkeit
Es ist Versicherungsvermittlern und -vermittlerinnen untersagt, eine Tätigkeit zu Gunsten von
Versicherungsunternehmen auszuüben, die dem vorliegenden Gesetz unterstehen, aber
nicht zur Ausübung von Versicherungstätigkeiten ermächtigt sind.
Art. 42 Register
1
Die FINMA führt ein Register der Versicherungsvermittler und -vermittlerinnen (Register).
2
Das Register ist öffentlich.
3
Der Bundesrat regelt die Einzelheiten.
Art. 43 Registereintrag
1
Versicherungsvermittler und -vermittlerinnen, die weder rechtlich noch wirtschaftlich noch
auf andere Weise an ein Versicherungsunternehmen gebunden sind, müssen sich in das
Register eintragen lassen.
2
Die übrigen Versicherungsvermittler und -vermittlerinnen haben das Recht, sich in das Register eintragen zu lassen.
Art. 44 Funktionserweiterung
1
Die FINMA ist ermächtigt, die Führung des Berufsregisters für ungebundene und eingetragene gebundene Versicherungsvermittler an
regionale Institutionen (Branchenverbände etc.) zu delegieren.
2
Diesen obliegt gleichzeitig die Sicherstellung und Registrierung der
regelmässig zu absolvierenden beruflichen Weiterbildung aller Versicherungsvermittler.
3
Jeder Versicherungsvermittler muss auch im Weiterbildungsregister
gemäss Abs. 2 registriert sein.
SIBA Swiss Insurance Brokers Association / Verband Schweizerischer Versicherungsbroker / Association Suisse des courtiers en assurances
Kreuzstrasse 42 / CH-8008 Zürich / Tel. +41 44 254 99 70 / Fax +41 44 254 99 60
1
4
Die Einzelheiten werden in einer Verordnung geregelt.
Art. 45 Voraussetzungen für die Eintragung ins Register1
1
Ins Register eingetragen wird nur, wer:
a. sich über ausreichende berufliche Qualifikationen ausweist oder, im Fall juristischer
Personen, nachweist, dass genügend seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diese
Qualifikationen besitzen; und
b. eine Berufshaftpflichtversicherung abgeschlossen oder gleichwertige finanzielle Sicherheiten geleistet hat.
2
Der Bundesrat bestimmt die erforderlichen beruflichen Qualifikationen und legt die Mindesthöhe der finanziellen Sicherheiten fest. Er kann die Regelung der technischen Einzelheiten
der FINMA überlassen.
Art. 46 Informationspflicht2
1
Sobald Versicherungsvermittler und -vermittlerinnen mit Versicherten Kontakt aufnehmen, müssen sie diese mindestens über Folgendes informieren:
a. ihren Namen und ihre Adresse;
b. die angebotene Dienstleistung und die Interessenlage des Vermittlers oder
der Vermittlerin;
c. ob die von ihnen in einem bestimmten Versicherungszweig angebotenen Versicherungsprodukte von einem einzigen oder von mehreren Versicherungsunternehmen stammen und um welche Versicherungsunternehmen es sich handelt;
d. ihre Vertragsbeziehungen mit den Versicherungsunternehmen, für die sie tätig
sind, sowie die Namen dieser Unternehmen;
e. ob sie ihren Rat auf eine ausgewogene Untersuchung stützen;
f. die Person, die für Nachlässigkeit, Fehler oder unrichtige Auskünfte im Zusammenhang mit ihrer Vermittlungstätigkeit haftbar gemacht werden kann;
g. die Bearbeitung der Personendaten, insbesondere Ziel, Umfang und Empfänger der Daten sowie deren Aufbewahrung.
2
Sobald ungebundene Versicherungsvermittler und -vermittlerinnen mit Versicherungsnehmern und -nehmerinnen Kontakt aufnehmen, müssen sie diese über Art und
Umfang sämtlicher Entschädigungen für ihre Vermittlungstätigkeit orientieren. Ist die
Höhe des Betrags vorgängig nicht feststellbar, so sind die Berechnungsparameter
1
2
Entspricht Art. 44 VAG. Entspricht Art. 45 E‐VAG, erweitert um eine Transparenzbestimmung in Abs. 2. 2
und die Bandbreiten offenzulegen. Die Art und Weise der Entschädigung ist in einer
schriftlichen Vereinbarung zu regeln.
3
Werbung muss als solche gekennzeichnet sein.
Art. 47 Unabhängigkeit
1
Versicherungsvermittler bezeichnen ihre Vermittlungstätigkeit nur
dann als unabhängig, wenn sie:
a. eine ausreichende Zahl auf dem Markt angebotener Versicherungsprodukte berücksichtigen; und
b. die Transparenzbestimmung von Art. 46 Abs. 2 [neu] VAG
einhalten.
2
Versicherungsvermittler bezeichnen sich selbst nur dann als unabhängig, wenn sie
für sämtliche angebotenen Vermittlungstätigkeiten die Voraussetzungen nach Absatz
1 einhalten.
Art. 48 Verhaltensregeln3
1
Vor Abschluss eines Versicherungsvertrages ermitteln die Versicherungsvermittler
und -vermittlerinnen die Ziele und Bedürfnisse der Versicherten und erläutern ihnen
die Gründe für jeden erteilten Rat.
2
Vereinbaren die Versicherungsvermittler und -vermittlerinnen mit dem Versicherungsnehmer oder der Versicherungsnehmerin, dass eine Beratung aufgrund einer
ausgewogenen Untersuchung stattfindet, so stützen sie ihren Rat auf die Untersuchung einer hinreichenden Zahl von auf dem Markt erhältlichen Versicherungsverträgen.
3
Entspricht Art. 45a Abs. 1 und 2 E‐VAG. 3
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