close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Alles, was uns begegnet, als vergänglich erkennen - Tibetisches

EinbettenHerunterladen
Geshe Thubten Ngawang
gänglichkeit bewusst machen.
Wenn ihr erst einmal den Tod als
ein definitives Ereignis begreift und
den Todeszeitpunkt als ungewiss
erkennt, dann wird es leicht sein,
unheilsame Handlungen aufzugeben und Heilsames zu üben. Auch
wird eine solche Verwirklichung
dazu führen, dass ihr viel über Liebe und Mitgefühl meditieren
könnt. Sind diese Tugenden in eurem Geist entstanden, werdet ihr
keine Mühe haben, das Wohl der
Wesen anzustreben und euch dafür
einzusetzen. Und wenn ihr erst einmal eine altruistische Geisteshalie Zeit nach dem Tod
tung eingeübt habt, werdet ihr in
wird länger sein als die
vielfacher Weise über die endgültiGeshe Thubten
Spanne dieses Lebens,
ge Natur aller Phänomene, die
Ngawang (1932-2003)
und wir sollten Vorsorge für diese
Leerheit meditieren können. Wer
war über 20 Jahre, bis
lange Zukunft treffen. Wir verliediese Erkenntnis aller Phänomene
zu seinem Tod im Januar
ren alles, wenn wir dieses Leben
in seinem Geist hervorgebracht hat,
2003, Geistlicher Leiter
hinter uns lassen. Daher ist es trawird keine weiteren Mühen haben,
des Tibetischen
gisch, wenn wir an Dingen hafalle Täuschungen in seinem Geist
Zentrums.
ten, die so flüchtig sind wie
zu überwinden.“
Freunde, Besitz oder den Körper.
Eine gute Übung ist es, alles, was
Je mehr wir daran hängen, um so schwieriger wird es für im eigenen Geist erscheint, was wir wahrnehmen, als veruns zum Zeitpunkt des Todes.
gänglich anzusehen. Dann wird uns zunehmend bewusst
Der Kadampa-Meister Geshe Potowa, auch genannt werden, dass wir uns von all den Dingen, seien es Men„derjenige, der keine Muße hatte“, ist dafür bekannt, dass schen, Orte oder Güter, werden trennen müssen. Wir
er viele Unterweisungen zum Thema Tod und Unbestän- werden ganz allein ohne einen Begleiter in ein nächstes
digkeit gab. Da er sich des Todes stets bewusst war, hatte Leben gehen. Weil wir uns das klar machen, erkennen
er keine Zeit zu verlieren und war immer bemüht, die wir, dass es keinen Sinn hat, irgendwelche anderen HandEssenz des Lebens zu ergreifen. Geshe Potowa wies dar- lungen als die dem Dharma entsprechenden auszuüben,
auf hin, dass am Anfang der Beschäftigung mit Dharma und die Anhaftung an dieses Leben wird schwinden.
die Kontemplation über Tod und Unbeständigkeit steSolange wir nicht diese Bewusstheit der Vergänglichhen sollte. Das können wir aus eigener Erfahrung nach- keit entwickelt haben, werden wir bei der Übung des
vollziehen. Oft ist die Konfrontation mit dem Tod die Dharma immer wieder auf Hindernisse treffen. Geshe PoUrsache dafür, dass wir uns überhaupt mit Dharma be- towa sagt: „Durch die bewusste Beschäftigung mit Tod
schäftigen und eine gewisse Desillusionierung im Hin- und Vergänglichkeit entsteht ein großer Segen in meinem
blick auf weltliche Annehmlichkeiten verspüren.
Geist.“ Wenn wir mit der klaren Bewusstheit der VerIn der Mitte des Pfades, wenn wir den Dharma inten- gänglichkeit Zuflucht zu den Drei Juwelen nehmen,
siv anwenden, spornt uns die Kontemplation der Ver- kommt diese Zuflucht aus ganzem Herzen. Erhalten wir
gänglichkeit dazu an, weiter zu praktizieren, in der An- Anweisungen auf dem Pfad, werden wir sie auch wirklich
sammlung des Heilsamen nicht nachzulassen und unser anwenden und in Übungen umwandeln, die uns auf dem
kostbares Menschenleben optimal zu nutzen. So wird Weg zur Buddhaschaft weiterbringen.
unser Enthusiasmus gestärkt. Ja, wir spüren Freude in
Das Ziel im Dharma ist es, uns aus der leidvollen Situder Ausübung des Dharma, da wir uns bewusst sind, dass ation des Daseinskreislaufs zu befreien. Bisher ist uns dies
wir sogar hohe spirituelle Ziele verwirklichen können.
noch nicht gelungen, und wir sind im Daseinskreislauf
Schließlich ist die Meditation der Unbeständigkeit ein umhergeirrt. Deshalb müssen wir die Mittel anwenden,
Meilenstein in der Erkenntnis der endgültigen Realität, uns daraus zu befreien. Und wenn wir uns fragen, wann
der Leerheit. Sie dient als Vorbereitung für die Erfah- die beste Gelegenheit ist, nach Befreiung zu streben, so ist
rung, dass alles „von einem Geschmack“ ist, d.h. abhän- dies jetzt, da wir die Muße und Ausstattung eines kostbagig entstanden und damit leer von inhärenter Existenz.
ren Menschenlebens haben.
Geshe Potowa sagt deshalb: „Ihr sollt viel Mühe aufwenden und euch mit zahlreichen Gedanken die Ver- Aus dem Tibetischen übersetzt von Christof Spitz
Alles,
was uns
begegnet,
als
vergänglich
erkennen
D
Tibet und Buddhismus • Heft 67 • Oktober November Dezember 2003
11
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
3
Dateigröße
127 KB
Tags
1/--Seiten
melden