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"Was Hänschen nicht lernt..." - Integrationsförderung von Kindern mit

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Tagungsbericht
"Was Hänschen nicht lernt..." Integrationsförderung von Kindern
mit Migrationshintergrund im
Kindergarten- und Grundschulalter
Nikolaus Zens
Themenabend
der Hanns-Seidel-Stiftung
am 15. Oktober 2008
Konferenzzentrum München
Datei eingestellt am 28.10.08 unter
www.hss.de/downloads/081015_TB_.pdf
Empfohlene Zitierweise
Beim Zitieren empfehlen wir hinter den Titel des Beitrags das Datum der
Einstellung und nach der URL-Angabe das Datum Ihres letzten Besuchs
dieser Online-Adresse anzugeben.
[Vorname Name: Titel. Untertitel (Datum der Einstellung).
In: http://www.hss.de/...pdf (Datum Ihres letzten Besuches).]
Im Zuge ihrer satzungsgemäßen Aufgabe zur Politikberatung auf christlicher
Basis, veranstaltete das Referat für Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik der
Akademie für Politik und Zeitgeschehen der Hanns-Seidel-Stiftung einen
Themenabend in Kooperation mit dem Caritasverband der Erzdiözese München
und Freising e.V., der zum einem das Ziel verfolgte den Austausch engagierter
Personenkreise zu fördern, aber auch deren Anliegen Vertretern aus der Politik
nahe zu bringen. In ihren einleitenden Worten umriss Frau Nadja Wollschitt,
Referentin für Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik, das bestehende
Missverhältnis zwischen der großen Zahl junger Menschen ohne Ausbildungsplatz
und dem hohen Bedarf an Auszubildenden. Überdurchschnittlich oft seien junge
Menschen mit Migrationshintergrund betroffen. Das liege vor allem an der
Sprachbarriere, deren Bewältigung ein wichtiges Ziel im Zuge der
Integrationspolitik sei. Herr Erich Rauch, Zentrumsleiter des Caritas-Zentrums
Ramersdorf/Perlach/Ottobrunn, verdeutlichte die Aufgabe seiner Organisation mit
einem Zitat des Gründers Lorenz Werthmann, nach welchem die Caritas die
hochgehenden Wogen sozialer Unzufriedenheit glätten solle. Integration bedeute
in seinen Augen in erster Linie gegenseitiges Kennenlernen.
Einblick in den wissenschaftlich-pädagogischen Ansatz zur Integration gab Dr.
Angela Guadatiello vom IBZ Sprache. Die Migrationsgeschichte präge den
individuellen Entwicklungsprozess maßgeblich. Da Integration ein Prozess sei, bei
dem aus zwei unterschiedlichen Objekten ein drittes, neues erwachse, stelle sich
Sprache als zentrales Element der Integration dar. Dabei sprach sie sich nicht
nur für eine intensivere Beschäftigung mit der deutschen Sprache und Kultur,
sondern auch für eine Ausbildung in den Grundzügen der jeweiligen Erstsprache
der Kinder aus. Der Spracherwerb richte sich vor allem an sprachlichen,
individuellen und sozikulturellen Faktoren, sowie der Motivation des Betroffenen
aus. Während zu den sprachlichen Faktoren zum Beispiel der sprachliche Input
aus der Umwelt zähle, ordnete sie den individuellen Faktoren vor allem erbliche
Anlagen und kognitive Fähigkeiten zu. Als soziokultureller Faktor trügen u.a. die
Beziehung von Lehrendem und Lernenden sowie die Akzeptanz der Erstkultur
entscheidend zum erfolgreichen Spracherwerb bei. Individuelle Bedürfnisse und
affektive Faktoren bedingten schließlich die notwendige Motivation des
Lernenden.
Aus Sicht einer Mitarbeiterin im Caritas Stadtteilzentrum Neuperlach-Süd
erläuterte Frau Sina Elsner das Projekt SAFIR, in dessen Rahmen die Caritas
Sprachförderung für Kinder im Vorschulalter betreibt. Jeweils sechs bis acht
Kinder würden von zwei Kursleiterinnen betreut, deren ganzheitlicher Ansatz sich
ebenso auf die Sozialkompetenz der Kinder wie auf deren sprachliche Förderung
richte. Dabei orientiere sich der spielerisch vermittelte Wortschatz eng an der
Alltagswelt der Kinder. Zum Beispiel anhand von Wortkarten lernten die Kinder
neue Begriffe zu bilden oder abzuleiten. Die vermittelte Kompetenz stärke auch
das Selbstbewusstsein und die Persönlichkeit der Kinder. Durch die Kooperation
mit Ärzten und sozialen Einrichtungen, aber vor allem durch Mund-zu-Mund
Propaganda mache die Caritas ihr Projekt im Stadtteil bekannt. Die weitere
Begleitung der Kinder im Grundschulalter übernehmen so genannte
Sprachcoaches. Ehrenamtliche jugendliche Mitarbeiter der Caritas ab 16 Jahren,
die mit je einem Kind für ca. 90 Minuten pro Woche zu Hause arbeiten und vor
allem sprechen. Frau Kerstin Moißl ist ein solcher Sprachcoach und arbeitet seit
etwa einem Jahr mit russischen Zwillingen. Da sich die Kinder vor allem
russische Freunde suchten, sei sie oft der einzige Kontakt mit der deutschen
Sprache außerhalb der Schulstunden. Anfängliche Schwierigkeiten konnte sie
aufgrund des fundierten Trainings im Stadtteilzentrum gut lösen. Die Arbeit
mache ihr viel Spaß, was ihrer Meinung nach auch die wichtigste Voraussetzung
für einen Sprachcoach sei. Bei Fragen und Problemen ständen ihr die Mitarbeiter
des Stadtteilzentrums jederzeit zur Verfügung, was ihr ein sicheres Gefühl bei
der Arbeit gebe. Ganz im Geiste der Integration hätten sogar schon
Familientreffen stattgefunden, bei denen sich die Eltern der drei Protagonisten
kennen gelernt hätten.
Das Projekt „Fit durch Förderung“ stellte Frau Dr. Norma Mattarei von der
Caritas Akademie der Nationen vor. „Fit durch Förderung“ unterstütze
Jugendliche mit Migrationshintergrund durch gezielte, vor allem sprachliche,
Förderung auf ihrem schulischen Werdegang. Jedes Jahr könnten durch
ehrenamtlich tätige Lehrer, aber auch Studenten und Schüler, 150 Jugendliche,
deren familiären und sozialen Umfeld die Möglichkeit fehle, vor allem in den
Fächern Deutsch und Mathematik mit großem Erfolg gefördert werden. Die
Mitarbeiter kooperieren eng mit den zuständigen Klassenlehrern, um eine
optimale Abstimmung des Stoffes zu gewährleisten. Durch die Vermittlung
positiver Erlebnisse im Zusammenhang mit den Lerninhalten steigt die Motivation
der Schüler. Klare Lernstrukturen sorgen für eine nachhaltige Verbesserung der
Aufnahmefähigkeit auch nach dem Ausscheiden aus dem Projekt. Durch die
Integration vor allem der Mütter in den Lernprozess, wird darüber hinaus das
soziale Umfeld der Kinder gefördert. Der geringe Unkostenbeitrag soll den Eltern
den Wert der Bildung vermitteln. Am Ende eines jeden Schuljahres wird anhand
von Zeugnissen, Klassenlehrern und Eltern eine, in aller Regel positive Bilanz
gezogen.
Frau
Melanie
Huml,
MdL
und
Staatssekretärin
im
Bayerischen
Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, konnte an
der Veranstaltung aufgrund einer Fraktionsssitzung kurzfristig nicht teilnehmen.
In der sich anschließenden Diskussion erfragte der Träger eines Kindergartens
nach der Ortsgebundenheit der vorgestellten Projekte. Herr Rauch erklärte, dass
die Projekte personal bedingt stets örtlich begrenzt wären, Nachahmungen aber
sehr erwünscht seien. Die Tatsache, dass vor allem Frauen im sozialen Bereich
tätig seien, erklärte man sich mit der geringen Bezahlung, die es einem
„Ernährer“ unmöglich mache
sich
hauptberuflich
unter der oberen
Verwaltungsebene zu engagieren. Die Forderung aus der Corona nach
Sozialpädagogen für Schulen und finanzielle Unterstützung von Ganztagsschulen
mit einem großen Anteil von Migrationskindern fand breite Zustimmung auf dem
Podium. Die These von Frau Dr. Guidatiello zur stärkeren Einbeziehung der
Erstkultur in die Ausbildung wurde durch Erfahrungsberichte von Praktikerinnen
aus dem Publikum gestützt. Außerdem wurde ein Projekt mit dem Namen
„Lesefüchse“ vorgestellt, in dessen Rahmen ca. 220 ehrenamtliche Frauen und
Männer in Bibliotheken und Schulen Lesungen für Kinder abhielten. Ein Wunsch
von Seiten des Podiums richtete sich an die Eltern betroffener Kinder, die den
Mut und die Initiative entwickeln sollten, sich über bestehende Angebote zu
informieren und diese auch wahrzunehmen.
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Bildung
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