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1 Lukas 14,25-35 30.6.2013 Was kostet ein Leben mit Jesus? Was

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Lukas 14,25-35
30.6.2013
Was kostet ein Leben mit Jesus?
Was ist der Unterschied zwischen Glauben am Sonntag und Glauben am Montag? Ich denke, da gibt es
einen Unterschied. Am Montag glaubt es sich anders als am Sonntag.
Es gibt eine Geschichte von Jesus, in der der Unterschied zwischen Sonntagsglauben und Glaube am Montag deutlich wird. Jesus wanderte mit seinen Jüngern und mit zahlreichen Anhängern in Richtung Jerusalem. Alle, die damals mit Jesus unterwegs waren ahnten, dass es sich hier nicht um eine normale Pilgerreise
handeln würde. Sie wussten, in Jerusalem wird etwas geschehen und sie würden mit dabei sein. Mich erinnert dieser Marsch nach Jerusalem an eine friedliche Revolution. Aus einer kleinen Gruppe am Anfang entstand eine Massenbewegung. Diese Bewegung blieb nicht unbemerkt, sie entwickelte sich zu einer ernsthaften Bedrohung für den König. Lukas berichtet (Kap 13) davon, dass einige Pharisäer Jesus warnten:
„Mach dich auf, geh weg von hier, denn Herodes will dich töten.“ Doch Jesus ließ sich nicht beirren, entschlossen ging er Richtung Jerusalem Und auf dem Weg durch die Dörfer und Städte schlossen sich immer
mehr Menschen Jesus an. Jesus war ein charismatischer Führer. Was er sagte, wie er lehrte und vor allem
seine Zeichen Wunder zogen die Menschen magisch an.
An einem Sabbat machte Jesus Halt in einem nicht näher beschriebenen Ort. Ein führender Pharisäer lud
Jesus zum Essen ein. Seine Anhänger verteilten sich in der Stadt. Bei diesem Essen, es waren viele Leute mit
Rang und Namen eingeladen, erzählte Jesus das Gleichnis vom großen Fest: Ein Mensch lud zu einem großen Festessen ein. Doch seine Gäste sagten alle ab, weil sie gerade etwas Wichtigeres zu tun hatten. Der
eine hatte einen Acker gekauft, der andere Ochsen und wieder ein anderer hatte frisch geheiratet. Der
Gastgeber war enttäuscht und zornig darüber, dass alle etwas Wichtigeres zu tun hatten. Daraufhin schickte er seine Diener auf die Straßen und Gassen in der Stadt und raus auf Landstraßen, damit sie die Armen
und Behinderten holten. Das Haus sollte voll werden. Aber für die, die ursprünglich eingeladen waren, war
die Tür verschlossen. Soweit die Geschichte von Jesus, die er am Sabbat beim Essen erzählte.
Am nächsten Tag, nach unserer Zählung am Montag, zog Jesus weiter Richtung Jerusalem. Und mit ihm
seine Anhänger. Doch auf einmal blieb Jesus stehen, drehte sich um und sprach zu der Menschenmenge,
die ihm folgte. Lukas berichtet darüber in Kap 14,25-35
25 Es ging aber eine große Menge mit ihm; und er wandte sich um und sprach zu ihnen:
26 Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern
und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein.
27 Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.
28 Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt die
Kosten, ob er genug habe, um es auszuführen, 29 damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann's nicht ausführen, alle, die es sehen, anfangen,
über ihn zu spotten,
30 und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und kann's nicht ausführen?
31 Oder welcher König will sich auf einen Krieg einlassen gegen einen andern König und setzt sich nicht
zuvor hin und hält Rat, ob er mit zehntausend dem begegnen kann, der über ihn kommt mit zwanzigtausend?
32 Wenn nicht, so schickt er eine Gesandtschaft, solange jener noch fern ist, und bittet um Frieden.
33 So auch jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein.
34 Das Salz ist etwas Gutes; wenn aber das Salz nicht mehr salzt, womit soll man würzen?
35 Es ist weder für den Acker noch für den Mist zu gebrauchen, sondern man wird's wegwerfen. Wer
Ohren hat zu hören, der höre!
Ich stelle mir das bildlich vor wie Jesus an diesem Montagmorgen loszog. Jesus ging voran, das Ziel – Jerusalem – klar vor Augen. Entschlossen ging er seinen Weg. Hinter ihm seine Anhänger. Manche dicht dran,
einige neben ihm, andere etwas abseits und andere weiter hinten. So gingen sie den Weg. Auf einmal bleibt
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Jesus stehen. Die Gruppe bleibt auch stehen. Er dreht sich um. Völlig unerwartet sehen sie ihm plötzlich ins
Gesicht. Wie ist das, wenn man dem, dem man folgt plötzlich gegenüber steht und ins Gesicht sieht? Normalerweise erzählte Jesus viel beim Wandern. Interessiert liefen sie mit und hörten gespannt zu. Aber
diesmal bleibt Jesus stehen, dreht sich um und sieht seinen Anhängern ins Gesicht und konfrontiert sie:
Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und
dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein. Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der
kann nicht mein Jünger sein. Da stehen sie plötzlich still, sehen Jesus in die Augen und werden zur Entscheidung herausgefordert. Wenn ihr nicht euren Vater, eure Mutter, eure Frau, eure Kinder, eure Brüder
und Schwester hasst, könnt ihr nicht meine Jünger sein. Ja, wenn ihr euch selbst nicht hasst, dann könnt ihr
nicht mit mir gehen. Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Da
stehen sie nun und schauen Jesus an. Sie müssen sich überlegen, „Will ich das? - Warum gehe ich hier eigentlich mit?“ Sie hatten sicher sehr unterschiedliche Motive. Die zwölf Jünger hatten eine klare Berufung:
„Folge mir nach!“, sage Jesus zu jedem von ihnen. Andere fühlten sich in seiner Nähe einfach wohl. Die
Frauen, einfache Leute, Außenseiter, bei Jesus waren sie akzeptiert und wertgeschätzt. Andere wollten
etwas erleben, sie wollten Wunder sehen. Wieder andere wurden geheilt. Sie wussten, Jesus kann mir helfen. Bei dem bleibe ich. Und schließlich erwarteten viele, dass mit Jesus in Jerusalem Gottes Königsherrschaft beginnen wird. Da stehen sie nun mit ihren ganz persönlichen Erwartungen vor Jesus und sehen ihn
in die Augen. Seid ihr bereit wegen mir eure Eltern, eure Kinder, eure Ehepartner zu hassen? Seid ihr bereit,
euch selbst zu hassen? Seid ihr bereit, mit mir zu leiden? Wenn nicht, dann könnt ihr nicht meine Jünger
sein.
Wie würdet ihr reagieren, wenn Jesus plötzlich vor euch steht, euch in die Augen schaut und so fragt? Es ist
doch bei uns auch nicht viel anders. Wir laufen hinter Jesus her. Alles geht so seinen Gang. Die einen sind
schon lange dabei, andere noch nicht so lange. Jeder trägt so seine Gedanken und Erwartungen mit sich,
man hat so seine Erfahrungen mit Jesus gemacht und ist ganz froh, dass man ihn kennt. Und völlig unerwartet, an einem Montagmorgen dreht sich Jesus um, sieht uns an und sagt: Wenn jemand zu mir kommt und
hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht
mein Jünger sein. Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Ich
glaube, wir brauchen das, dass wir mal stehen bleiben, dass wir mal nachdenken. Warum lebe ich eigentlich
mit Jesus? Was darf mir das Leben mit Jesus kosten? Was würde ich für Jesus zurückstellen? Bin ich bereit
um Jesu willen zu leiden? Es ist gefährlich, wenn der Glaube zur Gewohnheit wird. Wenn wir uns keine Gedanken mehr darüber machen. Wenn der Glaube zum Leben gehört wie die Arbeit, wie das Wochenende,
der Urlaub, die Besuche bei Verwandten, Kino und Essengehen. Nein, es ist nicht selbstverständlich, wenn
wir Jesus nachfolgen. Deshalb bleibt Jesus hin und wieder mal stehen, dreht sich um sieht uns an und fordert uns heraus. Und es ist gut, wenn wir das aushalten und vor allem eine Entscheidung treffen.
Was ist der Unterschied zwischen Glauben am Sonntag und am Montag? Jesus forderte seine Jünger an
einem Montag zur Entscheidung. Am Sonntag erzählte Jesus vom Fest am Montag forderte er seine Jünger
heraus. Am Sonntag ging es darum, dass Gottes Haus voll werden soll. Am Montag nannte Jesus die Bedingungen. Am Sonntag ging es um Gottes große Einladung. Am Montag geht es um die Konsequenzen. Das ist
der Unterschied zwischen Glauben am Sonntag und am Montag. Am Montag müssen wir uns entscheiden.
Und nicht nur einmal, sondern immer wieder. Am Montag, im Alltag werden die Entscheidungen getroffen.
Sonntag im Gottesdienst ist es leicht, Jesus zu folgen. Am Montag dreht er sich zu uns um und erinnert uns
an die Konsequenzen, was es heißt, im Alltag mit ihm zu leben.
Wie ist das zu verstehen, Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern hassen, sich selbst zu hassen?
Matthäus hat uns eine ähnliche Aussage von Jesus überliefert. In Matthäus 10,37 heißt es: Wer Vater oder
Mutter mehr liebt als mich, ist es nicht wert, zu mir zu gehören; und wer seinen Sohn oder seine Tochter
mehr liebt als mich, der ist es nicht wert, zu mir zu gehören. Wer sich weigert, sein Kreuz auf sich zu
nehmen und mir nachzufolgen, ist es nicht wert, zu mir zu gehören. Es geht also im Prinzip um den gleichen Sachverhalt. Nur dass es hier umgekehrt formuliert ist. Wer die Angehörigen mehr liebt als Jesus,
kann nicht sein Jünger sein. Hassen wäre dann zu verstehen im Sinne von, weniger lieben. In Lukas 16,13
sagt Jesus: Niemand kann zwei Herren dienen. Denn man wird immer den einen hassen und den anderen
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lieben oder dem einen gehorchen, den anderen aber verachten. Ihr könnt nicht Gott und dem Geld zugleich dienen. In diesem Zusammenhang bedeutet hassen, sich nicht verpflichtet fühlen. Man kann nicht
zwei Herren dienen. Man ist immer nur einem verpflichtet. Hassen bedeutet dann: Ich bin dem einen Herrn
zu nichts verpflichtet. Lieben bedeutet: ich bin meinem Herrn zum Gehorsam verpflichtet. Hassen meint
auch nicht eine emotionale Regung. Es geht also nicht um negative Gefühle, nicht um Abscheu oder Verachtung. Hassen ist eine sachliche Überlegung etwa im dem Sinn: „Ich bin dir gegenüber nicht verpflichtet!“
Weniger lieben, sich nicht verpflichtet fühlen, in diesem Sinne kann man hier hassen verstehen. Die Neue
Genfer Übersetzung übersetzt daher: Wenn jemand zu mir kommen will, muss er alles andere zurückstellen – Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein eigenes Leben; Hassen
bedeutet dann zurückstellen, zurücksetzen. Das deckt sich mit der Aussage im Matthäusevangelium. Wer
Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist es nicht wert, zu mir zu gehören; und wer seinen Sohn oder
seine Tochter mehr liebt als mich, der ist es nicht wert, zu mir zu gehören. Jesus will damit sagen: Wer
mir nachfolgen will, dem muss ich wichtiger sein, als alle anderen Beziehungen. Damit erhebt Jesus den
Anspruch, die Nummer eins im Leben zu sein.
Wenn Jesus sich also zu uns umdreht und er macht das im Alltag, dann stellt er uns vor die Entscheidung:
Bist du bereit, für mich alles andere zurückzustellen? Deine Eltern, deinen Ehepartner, deine Kinder, deine
Geschwister? Bist du bereit, deine eigenen Interessen für mich zurückzustellen? Das fragt Jesus nicht am
Sonntag, sondern am Montag in ganz konkreten Situationen.
Jesus geht sogar so weit, dass er fragt, ob ich bereit bin, für ihn zu leiden und zu sterben. Wer nicht sein
Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Als die Leute Jesus damals fassungslos in
die Augen sahen, wussten sie, was mit Kreuz gemeint ist. Leiden, grausam Sterben. Die Römer hatten die
Kreuzigung erfunden, um Menschen aufs extremste zu demütigen. Die Kreuzigung war eine perverse Form
von Menschenverachtung. Das hatten die Leute vor Augen, als Jesus sagte: Wer nicht sein Kreuz trägt und
mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein. Dietrich Bonhoeffer schrieb in seinem Buch Nachfolge dazu: „Kreuzestod heißt als Verworfener, Ausgestoßener leiden und sterben.“ Sein Kreuz tragen bedeutet,
wegen Jesus verachtet und ausgestoßen zu werden und im Extremfall für den Glauben an Jesus zu sterben.
Bonhoeffer schreibt weiter dazu und das hat im Blick auf sein eigenes Schicksal schon prophetische Züge:
„Damit aber keiner meine, er müsse sich selbst irgendein Kreuz suchen, er müsse willkürlich ein Leiden
aufsuchen, sagt Jesus, es sei einem jeden sein Kreuz schon bereit, ihm von Gott bestimmt und zugemessen.
Er soll das ihm verordnete Maß von Leiden und Verworfensein tragen. Es ist für jeden ein anderes Maß.
Den einen würdigt Gott großer Leiden, er schenkt ihm die Gnade des Martyriums, den anderen lässt er
nicht über seine Kraft versucht werden. Doch es ist das Eine Kreuz.“ Für jeden kann „sein Kreuz tragen“
anders aussehen. Von daher verzichte ich auf Beispiele. Es gäbe genügend. Aber jedes Beispiel würde eine
bestimmte Vorstellung bei uns auslösen. Das möchte ich nicht, denn „mein Kreuz“ und „ihr Kreuz“ ist etwas ganz Individuelles.
Jesus nennt auch keine Beispiele. Ihm geht es darum, dass wir uns darauf einstellen. Wir sollen die Kosten
überschlagen. „Will ich das? Kann ich das?“ Das will er mit den beiden Gleichnissen deutlich machen. Die
Botschaft ist klar. Beim Turm – gemeint ist ein Aussichtsturm im Weinberg – geht es um die Frage: „Kann
ich das Bauvorhaben vollenden? Habe ich genug in der Kasse, um alle Kosten zu tragen? Kann ich das Projekt vollenden?“ Der König im zweiten Gleichnis steht vor der Frage: „Bin ich dem gewachsen?“. Das sind
unbequeme Fragen. Jeder, der Jesus nachfolgen will, bekommt diese Fragen von ihm gestellt. Bist du bereit, ja bist du in der Lage, mir bis zum Ende zu folgen? Bist du den Herausforderungen gewachsen?
Kann man das überhaupt überschauen? War Dietrich Bonhoeffer Mitte der 30er Jahre, als der das Buch
Nachfolge schrieb, schon bereit, für seinen Glauben zu sterben? Ich weiß es nicht. Dietrich Bonhoeffer war
bis 1935 im sicheren London. Er hätte die Nazidiktatur im Exil überwintern können. Doch Bonhoeffer entschied sich, nach Deutschland zurückzukehren, er entschied sich für den politischen Widerstand. Sein Glaube, die Nachfolge Jesu verpflichtete ihn dazu. Hatte er mit der Entscheidung, nach Deutschland zurückzukehren die Konsequenzen bis zum Letzten durchkalkuliert? Ich weiß es nicht. Dietrich Bonhoeffer hat aber
das getan, was Jesus hier sagt. Er hat sich von allem losgesagt, was er hat. Er hat seine Sicherheiten aufge3
geben. Er war bereit, für seinen Glauben und für seine Überzeugung alles zu geben. Tobias Faix schreibt
über Dietrich Bonhoeffer: „Dietrich Bonhoeffer war nicht nur einer der einflussreichsten und wichtigsten
Theologen, sondern auch einer der herausragendsten Menschen des 20. Jahrhunderts. Er war ein großes
Vorbild, weil er das, was er gelehrt und geschrieben hat, auch lebte. Bonhoeffer nahm die Bibel ernst und
wurde so zu Salz und Licht in einer der dunkelsten Epochen deutscher Geschichte.“
Ich habe mich gefragt, warum hängt Jesus das Bild vom Salz an diese Rede? Wie passt dieser Abschluss vom
Salz, das nicht mehr salzt zu der Herausforderung, für Jesus alles zu geben und alle Beziehungen für Jesus
zurückzustellen? Das Zitat über Bonhoeffer weißt uns auf die Lösung hin. Menschen, die Jesus konsequent
nachfolgen, sind Salz in ihrer Umgebung. Bonhoeffer wurde Salz in seiner Zeit, weil er bereit war, für seinen
Glauben alles zu geben, auch die Beziehung zu seiner Verlobten. Es wird immer wieder beklagt, dass das
Christentum in der westlichen Welt immer mehr an Einfluss verliert. Wir wundern uns, warum wir Christen
in der Gesellschaft kaum mehr wahrgenommen werden. Das gilt für unser Land, für unseren Ort und für
unser persönliches Umfeld. Wir werden als Christen kaum wahrgenommen. Warum verschwinden wir in
der Bedeutungslosigkeit? Warum ist das so? Ich glaube, die Antwort liegt in dieser Rede von Jesus. Wir sind
nicht mehr bereit, Jesus konsequent nachzufolgen. Und dadurch unterscheiden wir uns nicht mehr von
unseren Mitmenschen. Wir leben genau so angepasst wie alle anderen, sind auf Sicherheit und Komfort
bedacht. Christen, die nur auf ihr eigenes Wohlergehen aus sind, denen es nur darum geht, einigermaßen
komfortabel und sicher zu leben, die werden von den Mitmenschen nicht ernst genommen. Im Blick auf
diese radikale Anfrage von Jesus wird mir klar, warum wir in der Gesellschaft nicht ernst genommen werden. Wir werden nur als Salz wahrgenommen, wenn wir konsequent so leben, wie es Jesus hier meint. So
lange wir nicht konsequent Jesus folgen, werden wir auch nicht ernstgenommen. Ich denke an eine junge
Frau. Sie bekam von ihrem Chef eine Beförderung angeboten. Weiterbildung, mehr Verantwortung, höheres Gehalt, aber auch mehr Arbeit. Sie lehnte ab mit der Begründung: Sie ist Mitarbeiterin im CVJM und in
der neuen Position könnte sie nicht mehr in dem Maß im CVJM mitarbeiten, wie es für sich wichtig ist. Das
wurde ernstgenommen – wenn auch mit Kopfschütteln.
Wie können wir Salz für unsere Gesellschaft werden? Wie können wir wirkungsvoll werden? Wenn wir im
Sinne von Jesus hassen. Wenn wir im Sinne von Jesus Vater, Mutter, Ehepartner, Kinder, Brüder, Schwestern und uns selbst hassen. Dietrich Bonhoeffer beschreibt das mit einem interessanten Bild. Stellt euch
eure Beziehung vor. Vater – Sohn, Mutter – Tochter, Ehepartner, Eltern – Kinder. Wenn nun Christus in das
Leben von einem von euch kommt, oder wenn Christus in das Leben von euch beiden kommt. - Es geht
aber immer um den Einzelnen. – Dann passiert folgendes: Christus stellt sich zwischen euch. Christus drängt
sich in eure Beziehung, in die Beziehung zwischen Vater und Kind oder Kind und Vater und in die Beziehung
zwischen Mann und Frau. Das ist zunächst etwas Ärgerliches. Es ist nicht schön, wenn etwas zwischen uns
steht. Wir wollen unmittelbar verbunden sein. Was heißt das nun, wenn sich Christus zwischen euch gestellt hat? Ihr seid nicht mehr unmittelbar miteinander verbunden. Christus ist sozusagen der Mittler zwischen euch. Christus ist also nicht nur der Mittler zwischen dir und Gott. Er ist auch der Mittler zwischen dir
und deinem Partner, zwischen dir und deinen Eltern oder zwischen dir und deinen Kindern. Das heißt, die
Beziehung zum anderen geht über Christus. Christus bestimmt jetzt, wie du deine Beziehung gestaltest.
Christus bestimmt jetzt dein Verhältnis zum Partner oder zu den Eltern oder zu den Kindern. Und so wie ich
Jesus kenne, wird er es gut meinen. Aber er ist die Mitte, der Mittelpunkt, um den sich alles dreht. Das gilt
auch für deine Arbeit, den Chef, für deinen Besitz für die Gegebenheiten in der Welt. Christus stellt sich
auch zwischen Dich und Dinge und die Gegebenheiten dieser Welt. Es gibt keine Unmittelbarkeit mehr.
In allem bestimmt Jesus mit. Es ist nur die Frage, ob ich ihn lasse. Ich glaube es hilft schon wenn uns Jesus
jeden Montagmorgen, oder besser jeden Morgen kurz stoppt. Und wenn wir ihn dann in unsere Mitte einladen.
Amen.
Reinhard Reitenspieß
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