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"Donaukurier", (Konzert am 18.10.2001 - schwallerjazz.ch

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"Donaukurier", (Konzert am 18.10.2001, Audiforum, Ingolstadt)
Es tummelt sich alles, was Rang, Namen und einen Schalltrichter hat.
Sechs Hörner – große, kleine, dicke, dünne, krumme, gerade, hohe,
tiefe.
Nichts Einheitliches, Gerades, sondern heterogener, komplexer Schall.
Mit einer wichtigen Gemeinsamkeit: Jedes der Blasinstrumente erfährt
an diesem Abend im museum mobile des Ingolstädter Audi-Forums eine
höchst virtuose Bedienung.
Und das Meer der Nuancen, Klangfarben fügt sich zu einem mächtigen,
fliegenden Sound.
Ein Paternoster für Stimmungen, Emotionen, Philosophien.
Etwas, das im Jazz eben nur eine Formation kann, die größer ist als eine
Small Group, aber nicht die Breiigkeit und Unbeweglichkeit einer Big
Band vor sich herschiebt.
Im Prinzip hat Roman Schwaller mit der Zusammenstellung seines
internationalen Nonetts alles richtig gemacht.
Der Schweizer Tenorsaxofonist bietet seinen Zuhörern eine Mischung
aus dem, was Jazz einfach unverwechselbar erscheinen lässt, ohne
gleich in die Rubrik „Gemischtwarenladen“ abzugleiten: Knackige Tutti,
verästelte Arrangements, grandiose solistische Intermezzi und
unwiderstehlichen Swing.
Ganz davon abgesehen, dass er sich selbst und seinen Musikerfreunden
damit einen lang gehegten Herzenswunsch erfüllt.
Nur das Publikum nahm diese Steilvorlage am Donnerstagabend wieder
einmal nicht auf. Auch beim zweiten Konzert der Reihe „Jazz im Audi
Forum“ (das ausverkaufte Gastspiel von Freddie Hubbard musste wegen
der Ereignisse des 11. September abgesagt werden) blieb gut die Hälfte
der Stühle unbesetzt.
Gerade aber wegen der diesmal wirklich vorzüglichen Akustik des
museum mobile sollten sich die Veranstalter (Audi-Forum und „Birdland“Jazzclub Neuburg) nicht entmutigen lassen. Die große Bühne im
Kinosaal böte genügend Entfaltungsspielraum, um die Phantasie aus
ihrem Käfig zu befreien.
Schwallers Nonett münzte die anfangs leicht unterkühlte Stimmung in
einen Brückenschlag zwischen den poetischen Notenfeldern der
Moderne und den ästhetischen Parametern der Cooljazz-Phase eines
Miles Davis um.
Keine überkochende Bebopsuppe, sondern eher ein prickelnder Soda
auf Eis mit einem Schuss Gin.
Jedes Solo wirkt, als ob es mit der Kippe zwischen den Fingern gespielt
wurde: lässig, relaxt, aber durchaus konzentriert.
Die „Exoten“ unter den sechs Bläsern stecken dabei den Claim ab.
Der junge Schweizer Domenic Landolf an der Bassklarinette im
schattenumwehten „A Line For Two“ mit eigenwillig brummelnder, cooler
Linienführung.
Der New Yorker Tom Varner, der es in „La Ballade pour Pipette“
verblüffend versteht, sein Waldhorn (!) mit der rechten Hand im
Schalltrichter wie eine Trompete zu modulieren.
Oder der erstaunlich behände österreichische Tubist Ed Partyka, dessen
Koloss sich gerne und oft mit tänzelnden Bocksprüngen in den
Vordergrund drängt.
Die „konservative“ Frontline koloriert dezent die offenen Freiflächen:
Peter Tuscher am Flügelhorn als unnachahmlich lyrischer Erzähler,
Johannes Herrlich an der Posaune mit wellenförmigen Bluesfiguren und
Boss Roman Schwaller im klassischen Tenorsax-Duktus als expressiver
Frager.
Mit Hilfe ihres natürlich autoritären Rhythmustrios (Piano: Claus Raible,
Bass: Thomas Stabenow, Drums: Mario Gonzi) gelingt ihnen Musik von
der Qualität einer hölzernen Skulptur: fein gedrechselt, warm, spannend,
voller verborgener und offener Reize.
Reinhard Köchl
"Neuburger Rundschau", (Konzert am 18.10.2001, Audiforum, Ingolstadt)
Der Schweizer Roman Schwaller ist einer der profiliertesten
Saxophonisten Europas.
Mit seinem neunköpfigem Large Ensemble gastierte er im Rahmen einer
Kurztournee im Ingolstädter Audiforum.
Das ist durchaus etwas Besonderes: Neun Männer auf der Bühne, jeder
von ihnen ein veritabler Könner seines Faches, die meisten selbst
Leader ihrer eigenen Bands. Gemeinsam verwirklichen sie Jazz im
Large Ensemble, wie er gepflegter kaum vorstellbar ist.
Elegant durchsichtige Arrangements, reichlich Platz für Soli aller
Beteiligten, gestochen scharfe Tutti und organisch einander ergänzende
Klangfarben, das Roman Schwaller Nonett lässt nichts zu wünschen
übrig.
Nicht zuletzt die beiden jazzigen Instrumentalexoten, Tom Varner am
Waldhorn und Domenic Landolf an der Bassclarinette, tragen bei zu
einer faszinierenden Variabilität des Klangbildes, das changierend fließt
wie ein Herbstwald in sanfter Brise.
Ein Who is Who der süddeutschen Jazzszene hat sich Tenorsaxophonist
Schwaller zusammengesammelt um seine Kompositionen ins Leben zu
setzen:
Mit dabei sind der Linzer Trompetenprofessor Peter Tuscher, der
variable Posaunist Johannes Herrlich, Ed Partyka an der Tuba, der
expressive Bebop Pianist Claus Raible, die Münchener
Kontrabassinstitution Thomas Stabenow und der Wiener Mario Gonzi,
einer der markantesten europäischen Schlagzeuger.
In elegant ausbalanciertem Zusammenklang zeigen diese glorreichen
Neun, auf welch hohem Niveau ein großes Ensemble spielen kann,
seien es federnde Bebopattacken wie in "The Loco Motif", kühle Brisen
von der Westküste wie in "Pacific View Drive" oder die samtblaue
"Ballade pour Pipette".
Dr. Tobias Böcker
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