close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

1 Predigt Bevor ich nun die Predigt über das Thema „Was ist

EinbettenHerunterladen
Predigt
Bevor ich nun die Predigt über das Thema „Was ist Pfingsten und wie
erkennen wir den Heiligen Geist?“ beginne, möchte ich doch mit Ihnen
zusammen den Glückwunschbrief lesen und das dazugehörige
Geschenk betrachten, die heute Morgen hier abgegeben wurden.
(Beide Requisiten waren vorher bereits für alle sichtbar, schienen aber
unbeachtet zu bleiben).
Oh, das ist aber doch ein schönes Paket (hochhalten und zeigen), was
da wohl drin ist? Der Brief gehört dazu, vielleicht erfahren wir da etwas
Näheres. Ich werde ihn nun mal herausholen und laut vorlesen:
Liebe Frau Pfarrerin, lieber Kirchenvorstand, lieber Organist, liebe Kinder
und Erwachsene, liebe Gemeinde!
Die Kirche feiert heute Geburtstag. Nicht allein die evangelische Kirche,
nicht allein die katholische oder die orthodoxe Kirche. Nein, die weltweite
Kirche feiert jetzt, an diesen zwei Tagen, an Pfingsten, Geburtstag. Vor
fast 2000 Jahren geschah in Jerusalem jenes Wunder, dass Menschen,
die sich bis dahin angstvoll verkrochen hatten, mutig in die Offensive
gingen, und anderen von dem erzählten, was ihrem Leben Halt gab: Von
Jesus Christus, an den sie glaubten, und der ihrer Meinung nach in
einzigartiger Weise Gott verkörperte. So sehr, dass sie spürten: In ihm
ist uns Gott selbst nahegekommen, er ist der Sohn Gottes. Und sie
waren sicher: Er wird sein Versprechen halten. Er wird uns seinen guten
Geist schenken.
Und genau dieses geschah an Pfingsten. Und das war die
Geburtsstunde der Kirche, weil sich nun in Windeseile überall im
Römischen Reich kleine christliche Gemeinden gründeten, die schnell an
Größe und Bedeutung gewannen – und vor allem immer wieder jene
Events feierten: die Gottesdienste nämlich.
Doch wie können wir uns heute, wie können Sie sich das Pfingstwunder
eigentlich vorstellen?
Welches sind die typischen Symbole, um Pfingsten zu erkennen?
Anbei übersenden wir Ihnen ein kleines Geschenk, das Sie alle auf die
1
Spur des Heiligen Geistes und des Pfingstfestes führen möge. Wir
wünschen Ihnen viel Freude damit!
Ihr Pfingstgeheimnis-Kommitee
(Das Paket besteht aus einem Karton der eine Tüte Fisherman‘s FriendPastillen, eine Streichholzschachtel und eine Karte mit dem Motiv de
Taube von Picasso enthält).
Liebe Gemeinde!
Das abstrakte Pfingstgeschehen lässt sich gegenständlich schwer
darstellen. Es gibt zwar in manchen Orten Pfingstfeuer, die entzündet
werden, wobei die lodernden Flammen den Heiligen Geist symbolisieren
sollen, doch meist geht das Pfingstbrauchtum auf althergebrachtes und
in christlicher Zeit weiter gepflegtes Frühlingsbrauchtum zurück. Noch
immer schmücken viele Menschen ihre Kirchen und Häuser mit
Birkenzweigen und begrüßen so die wiedererwachte Natur. Diesem
Brauch liegt Psalm 118 zugrunde: „Schmückt das Fest mit Maien.“ Auf
Dorfplätzen wird der Maibaum aufgerichtet, der mit einem Kranz und mit
bunten Bändern und Fahnen verziert ist. Verliebte Männer setzen
„Pfingstmaien“ vor die Häuser ihrer Mädchen als Symbol für Frische und
Zuneigung. Und von dieser Symbolhandlung her rührt der Satz: „Ich bin
dir grün! Ich mag dich“ bzw.: „Die beiden sind sich nicht grün, heißt dann
also: Die haben einige Differenzen.“
Wer Geburtstag feiert, bekommt Geschenke.
Also auch Sie von der Kirchengemeinde Villamont.
Oeffnen Sie nun die Geschenkschachtel und nehmen Sie ein Tütchen
heraus (Schachtel öffnen, das Tütchen herausholen und zeigen!)
Es ist etwas, das, wenn man genügend Fantasie aufbringt, ganz entfernt
auch ein wenig mit dem Heiligen Geist, mit dem guten Geist Gottes, mit
dem Hauch Gottes zu tun hat. Wir schenken jedem von Ihnen einen
guten Hauch. Wir schenken jedem von Ihnen eine Pastille: Können Sie
erkennen, was das ist? Ein Pfefferminz der besonderen Art.
„Fisherman’s Friend“. Damit Sie einander gut riechen können. Frische.
Lebendigkeit. „Fisherman’s Friend“. Guter Hauch im Hause Gottes.
Ja ja, wir können verstehen, der Vergleich mit dem guten Geist Gottes
hinkt sehr, aber haben Sie eine bessere Idee, wie man dieses
2
dogmatische Faktum Heiliger Geist, Hauch Gottes konkret beschreiben
könnte. Das ist extrem schwer. Zumal in unserer heutigen Zeit. Von
etwas völlig Immateriellen zu erzählen in einer Welt, in der nur
Materielles zählt. Da steht man doch von vornherein auf verlorenem
Posten. Versuchen wir es etwas konkreter.
Nehmen Sie nun die kleine Schachtel herausnehmen!
(Die Streichholzschachtel herausnehmen und zeigen!)
Wir glauben doch oft nur an das, was wir sehen. In der Pfingstgeschichte
war vom Feuer und von Feuerzungen die Rede. Heiliger Geist? Was soll
das? Können Sie es sich trotzdem nicht vorstellen. Also probieren wir es
mit Streichhölzern, sie symbolisieren die Feuerzungen!
(Einige Streichhölzer herausnehmen und anzünden!)
War das auch noch nicht ausreichend?
Dann wollen wir es jetzt ganz praktisch machen: Die Bibel versucht den
Heiligen Geist mit Feuer und Wind konkreter zu umschreiben. In der
Kunst und in der Verkündigung wird jedoch ein anderes Zeichen Sinnbild
für Pfingsten: die Taube. Zwar berichtet die Pfingstgeschichte in der
Verbindung mit dem Heiligen Geist von keiner Taube, wohl aber die
Taufgeschichte Jesu. Dort kommt der Heilige Geist „wie eine Taube“
vom Himmel herab. Seit dem Mittelalter versuchten Pfingstgottesdienste,
die Ausgießung des Heiligen Geistes anschaulich darzustellen. Auf
Sizilien „regnete“ es Rosenblätter, und in Deutschland war in manchen
Gegenden das „Heiliggeistschwingen“ Brauch. An einem Seil senkte der
Küster während des Gottesdienstes eine hölzerne Taube durch das
„Heiligengeistloch“ im Kirchengewölbe herab und ließ sie anschließend
über den Köpfen der Kirchenbesucher kreisen; gleichzeitig mühte sich
der Organist um ein gewaltiges Brausen, indem er alle Register der
Orgel zog. Manchmal wurden lebende Tauben durch das
„Heiligengeistloch“ in die Kirche gelassen, das klappte aber nicht immer.
Es wird erzählt, dass während eines Pfingstgottesdienstes statt der
Taube das Gesicht des Küsters im Deckenloch erschien. Der sichtlich
aufgeregte Mann rief die Begründung laut in die Gemeinde hinein: „Die
Katze hat den Heiligen Geist gefressen!“
Hören Sie am Ende nun noch auf eine Geschichte, in der der Heilige
Geist ganz konkret wird:
3
Ein jüdischer Theologe, ein Rabbi, bat Gott einmal, den Himmel und die
Hölle sehen zu dürfen. Gott erlaubte es ihm und gab ihm den Propheten
Elia als Führer mit. Zuerst führte Elia den Rabbi in einen großen Raum,
in dessen Mitte auf einem Feuer ein Topf mit einem köstlichen Gericht
stand. Rundum saßen Leute mit langen Löffeln und langten alle in den
Topf. Aber sie sahen blass und mager aus. Dem Rabbi fiel auf, dass sie
alle kein Ellenbogengelenk hatten und deshalb ihre Arme nicht krümmen
konnten, und so die langen Stiele der Löffel nicht zu ihrem Mund führen
konnten. So saßen sie hungrig vor dem köstlichen Gericht, weil sie
nichts essen konnten. Als die beiden Besucher wieder draußen vor dem
Raum waren, fragte der Rabbi den Propheten, welch seltsamer Ort das
gewesen sei. Das war die Hölle, antwortete Elia.
Daraufhin führte er den Rabbi in einen zweiten Raum, der haargenau
dem ersten glich. In der Mitte stand genauso ein großer Topf, mit genau
dem gleichen herrlichen Gericht. Und die Menschen, die um den Topf
herum saßen, hatten genau wie die Menschen im ersten Raum kein
Ellenbogengelenk. Und hatten genau die gleichen langen Löffel. Aber sie
waren alle gesund, glücklich und gut genährt. Der wichtigste Unterschied
zum ersten Raum war: Sie benutzten die langen Löffelstiele, um sich
gegenseitig zu essen zu geben. Und das, das war der Himmel.
Da war der Heilige Geist zum Greifen nah. Menschen, die geistvoll
miteinander umgehen, sehen nicht nur sich, sondern vor allem den
anderen. So wird der gute Hauch Gottes konkret. Ganz konkret. Und hilft
zu einem guten Leben. Mehr will Gott nicht für uns. Das ist sein großes
Geschenk für uns. Nicht nur heute. Und das ist unser ganz, ganz kleines
Geschenk für Sie alle. Amen.
(nach einer Idee von Kerstin Kiehl)
4
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
5
Dateigröße
22 KB
Tags
1/--Seiten
melden