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Gefühlsgedankenfragmente Dein Leben ist das was übrigbleibt

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Gefühlsgedankenfragmente
Dein Leben ist das was übrigbleibt, wenn alles zusammenbricht.
Manuela Ludorf
manuela.ludorf@gmail.com
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Zusammenfassung
Die Generation um die dreißig hat keine Ahnung, nach wem oder was sie Ausschau hält.
Sie stellen immer wieder fest, dass man nie das findet was man sucht und meistens was
besseres findet als man gedacht hatte. Den meisten macht das Angst, denn was ist wenn es
immer etwas Besseres gibt, woher weiß man wann man stoppen muss und wo das richtige
Maß liegt?
Das Problem ist, dass sich die Menschen, egal ob in einer Freundschaft oder in einer anderen zwischenmenschliche Begegnung, eher auseinander leben, anstatt sich für das weiter
oder anders entwickelte Ich des anderen zu interessieren. Das heißt wenn Menschen auf
einander treffen wollen sie, dass es immer so bleibt wie es zu Anfang war, die wenigsten
wissen, dass ein immer wieder zueinander finden ein wenig Neugier und Arbeit erfordert.
Dazu wird von dieser Generation verlangt endlich erwachsen und fertig zu sein und vor
allem angekommen. Aber was passiert wenn das nicht der Fall ist. Wenn man dadran zerbricht erwachsen sein zu müssen? Weil man einfach noch nicht soweit ist, obwohl man es
sein sollte?
Die ältere Generation sagt, dass sie nicht gleich weg gerannt sind, sondern gekämpft haben.
Und früher war sowieso alles besser und anders. Das ist es vielleicht, niemand will wirklich
noch um was kämpfen und viele weigern sich erwachsen zu werden und Verantwortung zu
übernehmen, vorallem für ihre eigenen Handlungen.
Sie geben eher auf und schmeißen weg, anstatt etwas zu reparieren. Es gibt nicht nur
Wegwerf-Konsumgüter, sondern auch Wegwerf-Beziehungen, und nach dem ersten Tief1
schlag wird sich aus Angst vor Verletzung auf niemanden mehr eingelassen und festlegen
will sich sowieso keiner mehr.
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Inhaltsverzeichnis
1 Die Vergangenheit lebt(November)
1.1
4
Falsches Vertrauen
4
3
1. Die Vergangenheit lebt(November)
1.1. Falsches Vertrauen
Meja saß in ihrer Wohnung und starrte an die Wand, sie strich sich ihre blonden Haare aus dem Gesicht. Die Erinnerng an letztes Jahr kamen zurück, in ihre blauen Augen
schoßen die Tränen. Vor etwas über einen Jahr war sie so unglaublich glücklich gewesen.
Sie hatte ihren Traumjob, eine halbwegs glückliche Familie und den besten und liebsten
Freund den man sich vorstellen konnte. Felix war alles was Meja sich je gewünscht hatte.
Aber dann brach innerhalb einer Stunde ihre ganze Welt zusammen. Ostern waren ihre
Eltern zu Besuch. Am Ostersonntag wollte ihr Vater eigentlich zu Hause bleiben, aber
plötzlich drängte es ihn doch an die frische Luft, kurz bevor sie fuhren guckte Meja ihren
Vater an und fragte sich verwundert «Warum lebst du noch?» Sie war nicht sauer oder
wütend gewesen, es war eine plötzliche Eingebung.
Nach einigen Metern blieb ihr Vater stehen «Mir geht es nicht gut. Geht alleine weiter,
ich bleibe hier sitzen»Er gab Meja seine Kamera. «Mach ein paar schöne Fotos für mich.
Weißt du wie sie funktioniert?»Meja lächelte ihren Vater an, nahm die Kamera und ging,
auf halbem Weg drehte sie sich noch einmal um «Aber Papa ich weiß doch wie eine Kamera funktioniert.»
Hätte sie doch nur auf ihre Vorahnung gehört. Hätte sie doch nur verstanden, dass diese
die letzte Unterhaltung war, die sie je mit ihm führen würde. Sie hätte soviel mehr gesagt.
Sie hätte ihn wissen lassen, dass er der wichtigste Mensch in ihrem Leben war. Sie hätte
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sich dafür bedankt, dass er immer für sie da war.
Vielleicht hätte sie es ja verhindern können, schoss ihr plötzlich durch den Kopf. Ein eiskalter Schauer lief ihr über den Rücken. Hätte sie es verhindern können? Wie in Trance
erinnerte er sich dadran, dass sie und ihre Mutter den kleinen Hügel hoch liefen, und genossen oben die Aussicht.
Meja machte einige Fotos von der Umgebung. Als sie herunter schaute erschrak sie «Mama, lass uns mal runter. Da kommen gerade Polizei und Krankenwagen und ich hab ein
richtig mieses Gefühl.» Als sie unten ankam war die Bank leer, kein 4 Zentner Teddybär,
in einer orangenen Winterjacke, kein fröhlich lächeldes Gesicht, dass sie fragte «Und hast
du schöne Bilder für mich gemacht? »
Sie wurde hysterrisch und stürmte auf die Polizistin zu, die auf der Bank gerade dabei war
Wertsachen zu sortieren. «Wo ist der Mann hin der hier saß?» «Wie stehen sie zu dem
Mann?», sie wiederholte ihre Fragen «Wo ist der Mann hin der hier saß?» wieder stellte
die Polizistin ihre Gegenfrage «Wie stehen sie zu dem Mann?» und diesmal kam die Frage
auch in Mejas Kopf an. «Er ist mein Vater.» «Er ist im Krankenwagen und wird gerade
reanimiert.»
Meja und ihre Mutter brachen in Tränen aus, Mejas erster Gedanke war damals Felix anzurufen und schon wählte sie seine Nummer. Den Tag davor noch hatte er zu ihr gesagt
sie solle froh sein, dass sie noch einen Vater hat. Seiner wäre vor einigen Jahren gestorben.
Als Meja ihn schluchzend anriefe, brauchte er 5 Minuten um herauszufinden was passiert
war. Immer wieder fragte er «Was ist los Süsse?» bis sie ihm erzählte was passiert war, er
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tröstete sie.
Es tat gut, aber Meja war unbewusst klar, dass auch Felix sie eines Tages allein lassen
würde, da jeder den sie liebt über kurz oder lang geht, aus ihrem Leben verschwindet, stirb
oder eigene Wege geht. Das hatte sie von klein auf gelernt, dass das einfach so ist.
Die nächsten Tage liefen in ihrem Kopf wie im Film ab, auch heute noch, eineinhalb Jahre
später. Die mobile Seelsorge hatte sie und ihre Mutter nach Hause gefahren und sich um sie
gekümmert. Als am Himmel, es hatte den ganzen Tag geregnet, ein Regenbogen erschien,
sagte Meja wie in Gedanken «Mama, guck mal ein Regenbogen. Jetzt ist Papa im Himmel
angekommen.» Sie lächelten beide.
Als sie einen Tag später nochmal wegen dem Ausfüllen einiger Papiere ins Leichenschauhaus auf den Friedhof mussten und Meja auf dem Weg zurück zur U-Bahn Dreck auf der
Jacke ihrer Mutter entdeckte, klopfte sie den Dreck ab und sagte «Mama, du hast da Dreck
auf der Schulter. Hast du versucht Papa wieder auszugraben?» Das war das erstmal, seit
ihr Vater, den Tag vorher, gestorben war, das ihre Mutter lachte. «Das hätte Papa jetzt
auch gesagt.» sagte Mejas Mutter.
Was dann passierte, was danach passierte, war als ob ihr ganzes Leben wegschwamm. Ihre
Eltern hatte vor Ewigkeiten ein Haus gekauft und in der Woche in der ihr Vater beerdigt
wurde, fand sie heraus das nichts abgesichert war.
Meja suchte stundenlang nach den Versicherungspapieren, um dann festzustellen, dass ihre
Eltern die Versicherung, um die es ging schon vor Jahren gekündigt hatten und sie und
ihre Mutter den Rest wohl jetzt selber stemmen mussten. Es war wie eine furchtbare Last.
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Dazu verliess Felix sie nach vier Monaten und ging zurück zu seiner Ex-Freundin, Verena.
Er war Mejas Trauer nicht gewachsen. In ihrem Job ging auch alles den Bach runter. Dazu
versuchte ihre Mutter Meja ihr Leben und ihrer Entscheidung aufzudrängen und Meja über
ihr Leben entscheiden zu lassen.
Plötzlich fühlte sie sich so, als müsste sie sich jetzt um alles kümmern, um ihre Mutter, um
das Haus, um alles. Sie fühlte sich schrecklich und furchtbar alleine und ohne jeden Halt.
Sie hatte seitdem immer wieder an die Beerdigung ihres Vaters gedacht und an alles was
danach kam. Sie fühlte sich dem allen nicht gewachsen und doch schien es als wäre es
eine Ewigkeit her. Es war als hätte ihr jemand die Füße unter den Boden weggezogen und
ein schwarzes Loch zog sie unaufhaltsam an aus dem es keinen Ausweg gab. Sie war sich
immer wieder sicher gewesen, dass Felix sie schon auffangen würde, wenn sie am Boden
angekommen war, aber mittlerweile war sie sich sicher, dass es nur noch eine Frage der
Zeit war, wann sie aufschlug und er zur Seite sprang.
Im Geschäft war es auch nicht mehr so wie früher, was vor 4 Jahren als ihr absoluter
Traumjob angefangen hatte, war heute nur noch lästig und eine Unterbrechung ihres Gedankenganges wie, wann und vorallem wodurch sie entweder starb oder heilte. Sie war sich
Stand heute nicht so sicher wie es ausgehen würde.
Nur konnte sie nicht vergessen, dass sie was wichtiges verloren hatte, etwas das ihr immer
Kraft gegeben hat, und das drehte sich in ihrem Kopf. Der Tod ihres Vater, um den ging
es nur noch. Dazu hatte sie ihre kindliche Naivität verloren und fühlte sich so verdammt
allein gelassen. Es war als ob sie der einzige Mensch war der da drunter litt. Die Einzige
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der er etwas bedeutet hatte. Sie fühlte sich so verdammt alt und viel zu erwachsen, als ihr
selber gut tat.
Sie dachte dadrüber nach, dass jedes «Sei nicht so unglücklich», jedes «Du bist zu empfindlich»wie ein Stich ist, weil sie in dem Moment weiß, dass sie sich verloren hat, dass sie
nicht mehr sie ist.
Jedes seltsame Gucken, beim Auffinden von Seifenblasen in ihrer Tasche, jedes auslachen
und fragen ob sie besoffen sei, wenn sie einfach versuchte einen Moment sorgenlos zu sein.
Kindheit ist für sie Sorglosigkeit, Kindheit heißt für sie loslassen. Warum also fragt sie sich
sind alle so dadrauf versessen rund um die Uhr erwachsen zu sein, das zu vergessen was
am wichtigsten ist, das was jeden einen Moment vergessen lässt das man Verantwortung
hat, das man Rechnungen zahlen muss, das man an alles denken muss.
Was ist dadran verwerflich einmal Kind zu sein, einmal zu vergessen wer man ist, alles
fallen zu lassen und für einen Tag zu vergessen das man Erwachsen ist.
Vieles hat sie vergessen aus ihrer Kindheit, und eine Zeit lang, nach dem Tod ihres Vaters,
hat sie gedacht. Nein es war so. Sie hätte nur schlechte Erinnerungen an ihre Kindheit. Als
er starb nahm er ihre Erinnerungen an ihn mit.
Felix machte es immer noch schlimmer, jedes Mal stach er, wenn es ihr schon so schlecht
ging, steckte er das Messer in irgendeine ihrer alten Wunden und dann war sie verzweifelt
und dann war alles noch viel schlimmer, als es ohnehin schon war. Sie wollte so gerne so
stark wie ihr Vater sein, der Fels in der Brandung, der immer auf alles eine Antwort hatte.
Ihr Vater hatte sie furchtbar geliebt und war immer da, bedingungslos und ohne Forderun8
gen an sie zu stellen. Wenn sie jemanden brauchte, der ihr half, er war da, immer da. Und
jetzt? Er war ohne jede Vorwarnung aus ihrem Leben gerissen worden und das brachte ihre
ganze Welt zum Einsturz. Es war niemand mehr da der ihre Launen und ihren Dickkopf
aushielt. Der ihr Paroli bietet und mit dem sie sich so unterhalten konnte, auch Felix war
nicht so.
Jeden Tag, jede Woche, jeden Monat zerbrach Meja ein Stück mehr. Sie hielt sich an
dem Strohalm Felix fest, es sollte nicht noch ein Mensch aus ihrem Leben verschwinden.
Felix und sie fingen eine Affäre an, während er noch mit Verena zusammen war, genau in
dem Moment, in dem Meja weiter ziehen und ein neues Leben anfangen wollte, kam Felix
zurück. Sie hatte Tobias kennengelernt und er war nett und liebevoll, aber er war nicht
Felix.
Felix war zwar halbwegs intelligent und man konnte sich gut mit ihm unterhalten, aber was
nutzte das alles, wenn er nur mit dem Schwanz dachte? Sie ausnutzte, sie in die Verzweiflung trieb? Sie verließ und immer nur zurück kam wenn sie im Begriff war zu gehen? Er
hatte Angst alleine zu sein, auch Meja hatte diese Angst und so blieb sie. Wo sollte sie
denn hin? Wer gab sich denn mit ihr ab und lieber mit ihm und die paar Stunden genießen,
die glücklich waren, als für immer alleine und unglücklich.
«Hey du, alles ok mit dir?» Die Nachricht kam als Meja lange nicht geantwortet hatte.
«Nichts, ich denke nach!», wie mechanisch kam seine Antwort «Kann ich dir helfen?»
Doch das konnte er schon lange nicht mehr. Letztes Jahr, ja da war alles anders, aber
dieses? Es war zu viel zwischen ihnen passiert.
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Es hätte schon längst einen endgültigen Schnitt geben müssen, damals, aber sie konnte
nicht. Sie hielten sich aneinander fest, wie ertrinkende in dieser Welt voller Menschen, die
für keinen von ihnen irgendeinen Sinn machten.
Sie hätte damals gehen sollen, damals als das mit Tobias war. Sie hätte nicht zurück gehen
sollen. Sie hätte bei Tobias bleiben sollen. Sie hätte sich dadrauf einlassen sollen, dass sie
glücklich sein durfte. Aber sie war dazu nicht bereit, denn immer wenn sie glücklich war,
und dachte es läuft alles gut. Ja dann endet alles in einer Katastrophe.
Darum rannte sie davon, sie rannte von allem was ihr gut tun könnte davon, weil sie nicht
bereit war glücklich zu sein oder irgendwas werden wollte was man erwachsen nennen
könnte. Sie wollte die Verantwortung nicht. Sie wollte sorgenfrei sein. Sie sah an den Möglichkeiten, die sich einem boten, wenn man sich dem Leben stellte, einfach vorbei.
Und gerade, ja gerade, da ging es ihr nur darum nicht zu verlieren. Sie wollte Felix auf
keinen Fall verlieren. Dieses Spiel wollte sie gewinnen, koste es was es wolle. Es ging schon
lange nicht mehr um die Gefühle von irgendwem. Sie wollte Felix nicht Verena überlassen,
sie wollte sich auch einmal wertvoll und wichtig fühlen. Sie wollte das Gefühl haben, dass
sie jemand liebt.
Was im Moment zählte war gegen die Frau zu gewinnen, die ihr Felix weggenommen hatte,
in der Zeit in der Meja am meisten jemanden gebraucht hatte, der für sie da war. Es würde
nicht noch ein Mensch aus ihrem Leben verschwinden, dafür würde sie sorgen und wenn
es das Letzte war was sie tat.
Meja war überzeugt, dass sie Felix über alles liebte, aber diese Liebe starb an dem Tag
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an dem sie sich von Tobias trennte, Felix zurück zu Verena ging und Meja verzweifelt mit
dem Messer in der Hand auf dem Boden saß und sich hoffnungslos die Arme aufschnitt.
Er würde bleiben, egal was sie tun musste, dass genau das passierte.
Im Moment waren Felix und sie beste Freunde, aber doch mehr und irgendwo in den Grauzonen ihrer zwischenmenschlicher Begegnung hatte sie ihre Würde verloren. Mittlerweile
bestand alles nur noch aus Sex. Mehr war nicht übrig, es war das was sie zueinander finden
ließ und zusammen hielt. Aber um mehr ging es bei ihnen lange nicht mehr.
Sie konnten keine tiefsinnigen Gespräche führen, er verstand immer das was er wollte, nie
das was sie sagte. Eigentlich interessierte er sich nur für materielles und nicht für Philosophien. Sie redete gerne über Sachen, die er für Humbug hielt Er hielt nichts von Tarotkarten
und der Macht des Unterbewusstseins.
Er war sich sicher, dass man nicht durch seine Gedanken sein eigenes Schicksal bestimmen
konnte. Er hielt nichts von alle dem was ihr wichtig war, aber man muss Abstriche machen,
dachte sie. Doch immer wenn sie das Gefühl hatte er würde gehen, dann hatte sie Panik,
er war doch das Einzige was sie noch hatte, nachdem ihre Familie nicht mehr für sie da
war. Seitdem war er ihre Familie!
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