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Am besten Südwesten
Debüt im Dritten
ab 3. November 2014
montags, 20.15 Uhr im SWR Fernsehen
SWRFernsehen.de/debuet
© Mathias Bothor/Deutsche Filmakademie e.V.
Debüt im Dritten
»Nur wenn man Talente fördert, kann auch etwas
Großes daraus entstehen.
Dass die Debütfilme in der Primetime laufen,
finde ich großartig!
sagt Iris Berben, Präsidentin der Deutschen Filmakademie
und Patin für »Debüt im Dritten« 2014.
2
Debüt im Dritten
Inhalt
Vorwort Martina Zöllner, SWR-Fernsehfilmchefin
5
Einführung Stefanie Groß, Redaktion Debüt im Dritten
6
Ende der Schonzeit
10
Die Farbe des Ozeans
16
Freier Fall
22
Scherbenpark
28
Abseitsfalle
34
Kurzfilme
40
Übersicht Sendetermine
44
3
Debüt im Dritten
4
vorwort
Vorwort
Das SWR Debüt im Dritten ist der Dinosaurier unter den
Viele Jahre lang haben wir unsere jährliche Debüt-Staffel
ARD-Programmen zur Förderung des filmischen Nach-
um 22.30 Uhr oder um 22.00 Uhr ausgestrahlt – mit dieser
wuchses. Dieses Jahr ist das neunundzwanzigste seiner
Tradition wollen wir nun brechen: In diesem Jahr senden
Existenz. Im Debüt erhalten Absolventen der Filmhoch-
wir die Debütfilme in der Primetime, ab 3. November je-
schulen die Gelegenheit, ihren ersten großen Fernseh-
weils montags um 20.15 Uhr. Wir möchten damit ganz
oder Kinofilm zu realisieren. Viele heute arrivierte Regis-
einfach ausdrücken, wie wichtig uns die Reihe ist – und
seurinnen und Regisseure haben im Debüt ihre ersten
natürlich möglichst viele Zuschauer einladen, sie anzu-
Schritte hinaus aus der Filmhochschule und hinein in eine
schauen. Es freut mich sehr, dass niemand anderes als Iris
professionelle Existenz als Filmkreative gemacht. Für den
Berben, die Präsidentin der Deutschen Filmakademie, in
SWR ist das Debüt eine unverzichtbare Investition in die
einem Trailer für die erste Primetime-Staffel des Debüts
Zukunft – und die Qualitätssicherung unserer fiktionalen
besonders werben wird: Sie hat selbst vor fünf Jahren in
Filme von morgen. Denn oft genug war das Debüt der An-
Susanne Schneiders Debütfilm »Es kommt der Tag« mitge-
fang einer langjährigen Zusammenarbeit des SWR mit
wirkt, wie viele andere große Schauspieler für eine eher
seinen Machern. Nur ein Beispiel: In diesem Jahr kam der
geringe Gage – ihre Art der Förderung junger Talente.
»Debütant« Dietrich Brüggemann mit seinem Film »Kreuzweg« in den Wettbewerb der Berlinale – und gewann dort
Also: Mit der Primetime appellieren wir an die Abenteuer-
gemeinsam mit seiner Schwester Anna Brüggemann den
lust der Zuschauer – schalten Sie ein und erleben Sie zur
Silbernen Bären für das beste Drehbuch.
besten Sendezeit, was Franziska Schlotterer, Maggie Peren,
Stephan Lacant, Bettina Blümner, Katharina Kress, Stefan
Mit ihrem Debütfilm stellen sich die jungen Filmemacher
Hering und Beatrice Meier Ihnen zu erzählen haben.
der Kritik der Zuschauer wie der Branche. Und die Drehbuchautoren und Regisseure der Debütfilme nutzen die Frei-
Martina Zöllner,
heit, die sie in der »Debüt-Werkstatt« erhalten, um ihre
Leiterin Hauptabteilung Film und Kultur SWR
ganz eigenen Themen und Erzählweisen zu entwickeln:
Auch die Filme der diesjährigen Debüt-Reihe sind thematisch wie stilistisch auf höchst verschiedene Weise attraktiv –
von der intensiven historischen Dreiecksgeschichte »Ende
der Schonzeit« über die leichtfüßige Working-Class-Komödie
»Abseitsfalle« bis zum behutsam erzählten und großartig
gespielten Liebesdrama »Freier Fall«. Dieser Reichtum erstaunt und freut uns immer wieder.
5
Debüt im Dritten
Die Triade
Eine Frau zwischen zwei Männern, ein Mann zwischen sei-
Der Drehbuchautor André Georgi hat den Begriff der Tria-
ner Frau und einem anderen Mann, drei Menschen unter-
de geprägt, um die inneren Entscheidungskonflikte von
schiedlicher Nationalitäten, die sich in einem Konflikt ver-
Figuren zu beschreiben: In der Triade kämpfen zwei Fi-
stricken – Dreiecksgeschichten gehören zum Grundwort-
guren um die Loyalität einer dritten Person. Daraus ent-
schatz der Dramaturgie und begegnen allenthalben zwischen
stehen unterschiedliche Allianzen, denn die dritte, die so-
Hollywood und Fernsehdrama. Das Dreieck schlägt Fun-
genannte Dilemmafigur, muss ihre Zugehörigkeit klären.
ken, schürzt Knoten, setzt Drama in Gang. In der diesjäh-
Solange das nicht geschehen ist, ist das Drama in Bewe-
rigen Staffel von Debüt im Dritten spielen Dreieckskon-
gung. In dem Kampf entstehen Loyalitätsgewinner und –
stellationen eine besonders große Rolle. Ein Hinweis da-
verlierer, er kann auch in eine neue Runde gehen, die Di-
rauf, dass die Autoren und Regisseure der fünf Langfilme
lemmafigur ändert ihre Loyalität erneut, sie »switcht«vom
sich für dramatische, handlungsorientierte Geschichten
einen zum anderen und das Drama nimmt eine neue
entschieden. Bei allen, bedeutsamen, Unterschieden ver-
Wendung. Naturgemäß ist die Figur mit den meisten
bindet das die fünf Filme.
Dreiecksbeziehungen der Protagonist, die Protagonistin
der Geschichte. Betrachtet man mit diesem Blick die fünf
Filme, zeigen sich die Unterschiede und Charakteristika
der verschiedenen Dreieckskonstellationen.
Die diesjährige Staffel eröffnet mit »Ende der Schonzeit«,
dem ersten Langfilm von Franziska Schlotterer. Er erzählt
von einem Bauernpaar, dessen selbstgenügsames Leben
aufbricht, als ein flüchtiger Jude 1942 auf dem Hof auftaucht. Der zeugungsunfähige Bauer Fritz sieht eine Chance
6
einführung
und holt Albert bewusst in die eheliche Zweierbeziehung,
Das hochdramatische Melodram »Freier Fall« von Stephan
denn der Flüchtling soll an seiner Statt einen Hoferben
Lacant, geschrieben gemeinsam mit Karsten Dahlem, ent-
zeugen. Damit wird seine Frau Emma zur Dilemmafigur,
faltet ein Liebesdreieck und eine Coming-out-Geschichte:
die vergeblich versucht, sich zu wehren, weil sie sich nicht
Bereitschaftspolizist Marc, samt hochschwangerer Freundin
vorstellen kann, von Albert sozusagen begattet zu werden.
Bettina und properem Reihenhaus fest in kleinstädtischer
Doch die zunächst erzwungene Sexualität und die daraus
Normalität verankert, gerät in einen tiefen Konflikt, als er
entstehende Nähe wecken Emmas Erotik. Emma verliebt
sich in seinen Kollegen Kay verliebt. Er versucht zunächst
sich in Albert, die Konstellation wechselt. Durch dieses
auszuweichen, indem er Kay zurückstößt und die Anzie-
Switchen von Emma verschiebt sich das Dreieck, Fritz wird
hung ableugnet. Aber Kay lässt nicht locker, er verführt
zum Außenseiter in seiner Ehe. Interessanterweise ge-
Marc, der sich ganz gegen seinen Willen und seine Vorstel-
winnt er dabei unsere Empathie, weil wir mit ihm empfin-
lung in einem tiefen Dilemma findet und schließlich eine
den, wenn er aus der Bindung ausgeschlossen wird, die in
Affäre beginnt. Zwischen Marc und Kay entsteht eine neue
der er eigentlich unbedingt bleiben will. Emma dagegen
Allianz, nun ist es ist an Bettina, um Marcs Loyalität zu
sucht aus ihrer neuen Position heraus nach neuen Hand-
kämpfen. Doch die Beziehung zwischen den beiden Män-
lungsoptionen, die letztlich dazu führen, dass sie sich
nern bleibt vorübergehend. Am Ende von »Freier Fall«
schuldig macht.
sind alle drei Figuren allein, aber Marc hat viel über sich
selbst erfahren und wird von nun an stärker zu sich stehen.
In Maggie Perens Film »Die Farbe des Ozeans«, ihrer zweite Spielfilmregie, quält sich die deutsche Urlauberin Nathalie mit der Entscheidung, wem ihre Loyalität gehört.
Auf Gran Canaria wird sie Zeugin der Ankunft senegalesischer Flüchtlinge. Aus Pflichtgefühl und Mitleid hilft sie
Zola und seinem kleinen Sohn Mamadou, die aus einem
Internierungslager flüchten. Da ihr Mann Paul strikt dagegen ist, dass Nathalie sich einmischt, gerät ihre Ehe in eine
Krise und Nathalies Dilemma zwischen der Loyalität zu
Paul und dem Wunsch Zola und Mamadou zu helfen, vertieft sich.
7
Debüt im Dritten
Dazugelernt hat am Ende auch die Hauptfigur Karin aus
platzt Saschas ohnehin stets gleich unter der Oberfläche
der Personalabteilung des wirtschaftlich gebeutelten
brodelnde Wut aus ihr heraus. Sie bringt den Ressortleiter
Waschmaschinenwerks Perla. In »Abseitsfalle«, dem De-
Volker dazu, sich bei ihr zu entschuldigen und lädt sich bei
bütfilm von Regisseur Stefan Hering und Autorin Beatrice
ihm ein. Die Tage, die Sascha bei Volker und seinem Sohn
Meier soll sie zusammen mit dem externen Controller Dr.
Felix verbringt, zeigen ihr eine neue Welt und eröffnen die
Kruger ein Fünftel der Stellen im Werk abbauen. Damit
Möglichkeit eines Männerbildes jenseits von Machtaus-
steht sie zwischen den Fronten: auf der einen Seite ist sie
übung und Provokation. Sie katapultieren Sascha aber
den Kollegen verbunden und will Solidarität üben, auf der
auch in ein emotionales Dreieck zwischen Vater und Sohn,
anderen sieht sie eine Chance für die Rettung des Stand-
das die 17-jährige überfordert. Sascha verteilt ihre Loyali-
orts und für sich selbst und ihr Fortkommen. Auch persön-
tät sozusagen testweise. Dabei macht sie Erfahrungen, es
lich ist Karin zwischen Dr. Kruger und dem charisma-
wird aber auch klar, dass es andere Konstellationen sein
tischen Gewerkschafter Mike hin- und hergerissen. Weil
werden, in denen sie weiterkommen kann.
sie ihnen nicht ihre uneingeschränkte Loyalität schenkt,
sehen die Kollegen sie als Verräterin. Trotzdem sieht es so
Dass das Dreieck dramaturgisch gesehen nicht das einzige
als, als bliebe Karin in ihrer Konstellation verhaftet. Erst
Erzählmodell darstellt, daran erinnert das Kurzfilmpro-
als sie ahnt, dass die Rettung des Standorts gar nicht wirk-
gramm der diesjährigen Staffel von Debüt im Dritten: Der
lich intendiert ist, switcht Karin und erreicht dadurch
Episodenfilm »Couchmovie«, die tragikomische Weltge-
auch eine neue Stufe im Arbeitskampf. Die Haltungsände-
schichte »Great« und das überaus eindringliche Drama
rung der Dilemmafigur schafft es, in der Handlung eine
»Sunny« führen in durchaus andere dramaturgische
tiefgreifende Wendung zu erzielen.
Welten. Sie tun das teils witzig, teils überaus eindringlich.
Und wie so häufig weckt auch in diesem Jahr das Kurz-
In »Scherbenpark«, den Bettina Blümner nach dem Dreh-
filmprogramm die Vorfreude auf das, was diese talen-
buch von Katharina Kress inszenierte und der auf Alina
tierten Nachwuchsfilmer uns in der Zukunft zu erzählen
Bronskys gleichnamigem Roman beruht, steht Hauptfigur
haben werden.
Sascha erst mal gegen alle anderen in ihrer Hochhaussiedlung. Ihre Mutter wurde von ihrem Stiefvater erschossen, seitdem leben sie und ihre Geschwister mit einer Tante
und versuchen, den Kopf oben zu behalten. Als ein wohlwollender Artikel über den Mörder ihrer Mutter erscheint,
8
9
Debüt im Dritten
Ende der Schonzeit
Regie: Franziska Schlotterer
Buch: Franziska Schlotterer und Gwendolyn Bellmann
10
Montag, 3.11.2014, 20.15 Uhr
10
Ende der schonzeit
Ein abgelegener Bauernhof im Schwarzwald 1942. Emma
und Fritz sind seit zehn Jahren verheiratet. Die wortkarge,
aber gut eingespielte Ehe überschattet der bisher unerfüllte
Wunsch nach einem Stammhalter für den Hof. Eines Abends
entdeckt der raubeinige Fritz beim Wildern den Juden Albert
im Unterholz und bietet ihm kurzerhand ein Nachtlager in
der Scheune an. Gegen Emmas Willen bietet Fritz dem Juden
Das Regiedebüt »Ende der Schonzeit« von Franziska Schlotterer
auf dem Hof Unterschlupf an. Im Gegenzug soll Albert dem
steht in der Tradition des kritischen Heimatfilms. Der Titel spielt
Bauernehepaar bei der harten Arbeit unter die Arme greifen.
vordergründig auf die Wilderei an, bei der Fritz nachts im Wald
zum ersten Mal Albert begegnet. Er lässt aber viele Auslegungen
Fritz findet zunehmend Gefallen an dem Flüchtling, dem er,
offen. Geschont wird niemand in dem emotionalen Abgrund
anders als Emma, vorurteilsfrei begegnet. Die sich langsam
dieser Ménage-à-trois. Liebe, Hass und Verrat liegen eng beiei-
entwickelnde Männerfreundschaft wird auf eine harte Probe
nander und haben fatale Folgen im nationalsozialistischen
gestellt, als Fritz den jungen Mann um einen besonderen Ge-
Terrorstaat. Ein wahres Kunsterlebnis, wie drei großartige
fallen bittet. Albert soll an seiner Stelle mit Emma ein Kind
Schauspieler die Tiefen dieses Abgrunds ausloten und den Zu-
zeugen. Unter zunehmendem Druck stimmt Albert schließ-
schauer von Anfang bis Ende in ihren Bann ziehen.
lich zu, Emma wird die Wahl gar nicht erst gelassen. Aus dem
technischen Begattungsvorgang entwickeln sich ungeahnte
Gefühle: Emma entdeckt zum ersten Mal in ihrem Leben die
Leidenschaft, Fritz die Eifersucht und Albert die Willkür. Als
sich die Schwangerschaft nicht sofort einstellt, wird das Arrangement zur Zerreißprobe für alle Beteiligten.
11
Debüt im Dritten
Besetzung
Emma Brigitte Hobmeier
Fritz Hans-Jochen Wagner
Albert Christian Friedel
Walter Thomas Loibl
Avi Rami Heuberger
Bruno Max Mauff
Ruth Michaela Eshet
Tami Ayala Meidan
Ernst Mike Maas
Stab
Regie Franziska Schlotterer
Buch Franziska Schlotter und Gwendolyn Bellmann
Kamera Bernd Fischer
Schnitt Karl Riedl
Musik Ari Benjamin Meyers
Szenenbild Wolfgang Arens
Kostümbild Bettina Weiß
Produzenten Philipp Homberg, Christian Drewing
Koproduzent Itai Tamir
Redaktion Stefanie Groß
Produktion
Eine Produktion der Eikon Südwest in Koproduktion mit
Laila Films und dem SWR. Gefördert von der MFG Filmförderung, dem BKM, dem Israeli Filmfond und dem DFFF.
Deutschland 2012
Gedreht 2011 in Süddeutschland und Israel
Ausgezeichnungen
Beste Hauptdarstellerin beim Festival des films du monde
Montreal, Lüdia beim Filmfest Lünen, Bayerischer Filmpreis
als beste Schauspielerin für Brigitte Hobmeier
12
Ende der schonzeit
Franziska Schlotterer über ihren Film
»Ende der Schonzeit« erzählt eine ganz starke, konzentrierte
menschliche Schuld in einem Spielfilm zu behandeln. Ich wollte
Geschichte von den Gefühlen dreier Menschen und ist gleich-
bewusst keinen teuren historischen Schinken drehen, sondern
zeitig auch paradigmatisch, was den Zeitbezug betrifft. Wor-
das große Thema im Kleinen zeigen, ohne auf die bekannten
um ging es Ihnen dabei?
Bilder zurückzugreifen. Und das ließ sich dann auch im Rahmen des Debüts im Dritten umsetzen. Unser großes Glück da-
In meinem Film ging es mir darum, anhand einer kleinen, zwi-
bei war, dass wir den Windberghof in St. Blasien gefunden
schenmenschlichen Geschichte zu untersuchen, wie sich ein
haben, den seine Besitzer aus Liebhaberei in mühevoller Ar-
totalitäres System auf die Moral der Einzelnen auswirkt. Der
beit auf den Stand von 1930 zurückgebaut haben. Da konnte
Film thematisiert, inwiefern ungleiche Machtverhältnisse
man quasi, ohne viel Aufwand zu betreiben, sofort anfangen
und Abhängigkeiten einen Menschen, der eigentlich eine kla-
zu drehen.
re Vorstellung von Gut und Böse hat, korrumpierbar machen
können. Sind wir — wenn es uns opportun erscheint — alle in
Brigitte Hobmeier wurde für ihre Darstellung mehrfach aus-
der Lage, unser Gewissen auszublenden, sobald die Gesell-
gezeichnet, auch die beiden anderen Hauptdarsteller spielen
schaft um uns herum unser Fehlverhalten nicht ahndet? Und
mit großer Intensität. Wie haben Sie das erreicht?
wohin führt das?
Für mich war es ein riesiges Geschenk, als Debütantin mit dieEinen historischen Film, noch dazu über den Nationalsozialis-
sen großartigen Schauspielern arbeiten zu dürfen. Bei Brigitte
mus, glaubwürdig zu erzählen, ist ja nicht die leichteste Auf-
Hobmeier war es schon beim ersten Casting, als sie mit Gum-
gabe für den ersten Film, auch in der Umsetzung. Was hat Sie
mistiefeln und Kittelschürze herein kam, klar, dass nur sie un-
angetrieben, sich dieser Aufgabe zu stellen und wie sind Sie
sere Emma sein konnte. Sie mochte das Drehbuch sehr und
rangegangen?
hat diese Figur einfach sofort mit allen ihren Widersprüchen
verstanden. Brigitte kann beide Seiten dieser Figur perfekt be-
Ich habe mich immer sehr für die NS-Zeit interessiert und
dienen, hat das etwas Spröde und Zupackende, das Emma als
habe mich auch schon früher in einem Dokumentarfilm da-
Bäuerin braucht, und zugleich diese große Sensibilität und
mit beschäftigt. Die Antworten der Zeitzeugen damals auf die
Zartheit, die die andere Seite der Figur ausmacht. Christian
Frage nach der persönlichen Verantwortung waren meist sehr
Friedel, der den jüdischen Flüchtling spielt, war mir in dem
ausweichend und unbefriedigend. Aber genau diese Frage hat
Film »Das weiße Band« aufgefallen. Nur hatte er da noch eine
mich stets beschäftigt. Wie haben sich die einfachen Bürger
ganz andere Statur. Ich wusste, dass er der Figur des Albert
innerhalb des Systems verhalten? Welche persönlichen Ent-
etwas Geheimnisvolles und Tiefgründiges geben konnte, nur
scheidungen haben sie getroffen und welchen Spielraum hat-
musste er als Flüchtling eben sehr dünn sein. Er hat dann in
ten sie? Inwiefern trugen sie durch Wegsehen oder passives
sieben Wochen für uns über zehn Kilo abgenommen. Hans-
Mitlaufen persönliche Schuld am Holocaust? Und welche
Jochen Wagner hat selbst mal als junger Mann ein Jahr auf
Rückschlüsse kann ich daraus auf mein eigenes Verhalten in
einem Bauernhof gearbeitet. Er hat den alten Bauern dort
der heutigen Gesellschaft ziehen?
sehr bewundert und ganz viel von der Körperlichkeit dieses
Mannes für den Fritz übernommen. Das hat für mich sehr gut
Als ich zufällig einen Bericht über einen Bauern las, der im
funktioniert.
zweiten Weltkrieg einen Juden versteckt und ihn dann gezwungen hat, für ihn ein Kind zu zeugen, dachte ich sofort, das
Alle drei Hauptdarsteller kommen vom Theater. Oft haben wir
ist der perfekte Aufhänger für mich, um diese zwischen-
die ganzen Szenen in ein oder zwei Einstellungen durchge-
13
Debüt im Dritten
spielt, um eine Echtheit und Klarheit zu erzeugen. Das war für
ernhof gedreht haben. Wir haben alle zusammen für fünf Wo-
diese Schauspieler überhaupt kein Problem, im Gegenteil, ihr
chen im Nachbarort gewohnt, kaum einer ist je am Wochen-
Zusammenspiel hat dadurch unglaublich an Intensität ge-
ende nach Hause gefahren und so fühlte es sich an, als ob wir
wonnen. Und Brigitte Hobmeier hat alle, auch das Team, mit
alle irgendwie in unserem Film(set) leben.
ihrer fast kindlichen Spielfreude angesteckt.
Ich glaube auch, dass es geholfen hat, dass wir nicht im Studio,
sondern auf diesem wunderbaren alten authentischen Bau-
Franziska Schlotterer
Franziska Schlotterer wurde 1972 in München geboren und studierte Regie und Drehbuch an der Tisch School of the Arts der New York University. Ihr erster abendfüllender
Dokumentarfilm »Wendezeiten« von 1998 wurde für den Prix Europa nominiert. Es
folgte der Kurzfilm »Game over« (2005) und die Dokumentation »Ein Volk unter Verdacht« (2010). Parallel drehte Franziska Schlotterer diverse Image- und Auftragsfilme.
»Ende der Schonzeit« ist ihr Spielfilmdebüt.
14
Debüt im Dritten
15
Debüt im Dritten
Die Farbe des Ozeans
16
Buch und Regie: Maggie Peren
Montag, 10.11.2014, 20.15 Uhr
16
die farbe des ozeans
»Die Farbe des Ozeans« verknüpft für kurze Zeit die Schicksale dreier Menschen miteinander und zeichnet ein berührendes und tragisches Szenario, wie es sich heute in vielen
Krass-realistisches Vater-Sohn-Flüchtlingsdrama an den Gren-
Urlaubsgebieten am Mittelmeer und am Atlantik abspielen
zen Europas, das wachrüttelt und erschüttert. Höchst span-
könnte.
nend erzählt Maggie Peren in ihrem zweiten Film, wie die Mitleids- und Hilfsaktion der deutschen Urlauberin Nathalie für
Nathalie und Paul, ein deutsches Paar, verbringt die Silve-
den afrikanischen Flüchtling Zola zur tödlichen Hilfe wird. Ein
stertage auf einer kanarischen Insel. Nathalie wird Zeugin,
politisch aktuelles Drama zum Thema »boat people«.
wie ein Boot mit senegalesischen Flüchtlingen am Strand anlandet. Mit zweien von ihnen, Zola und seinem siebenjährigen Sohn Mamadou, nimmt sie kurz Kontakt auf, bevor die
Flüchtlinge von dem unbarmherzig wirkenden, spanischen
Polizisten José festgenommen und in ein Internierungslager
gebracht werden. Zola und Mamadou gelingt jedoch die
Flucht und mit Hilfe eines scheinbar mitfühlenden Landsmannes verstecken sie sich in einem Freibad. Zola kann Nathalie anrufen und bittet sie um Geld für die weitere Flucht.
Gegen den Willen von Paul beschließt Nathalie, einmal wirklich zu helfen. Heimlich bringt sie den beiden Geld in ihr Versteck. Damit allerdings stellt sie nicht, wie sie glaubt, deren
Überleben sicher, sondern liefert sie der Gier der afrikanischen Mitwisser aus – die gute Tat erweist sich als lebensbedrohlich für Zola und seinen Sohn. Wieder wird die Polizei
eingeschaltet und José zeigt zum ersten Mal Mitmenschlichkeit. Aber die Chancen für die zwei Flüchtlinge stehen jetzt
weitaus schlechter als zuvor.
17
Debüt im Dritten
Besetzung
Nathalie Sabine Timoteo
Paul Friedrich Mücke
Zola Hubert Koundé
José Alex Gonzalez
Carla Nathalie Poza
Marielle Alba Alonso
Mamadou Damie Adeeri
Stab
Buch und Regie Maggie Peren
Kamera Armin Franzen
Schnitt Simon Blasi
Musik Carolin Heiß, Marc-Sidney Müller
Szenenbild Julian R. Wagner
Kostümbild Manuel Bonillo, Ruth Sempere
Casting An Dorthe Braker
Produzenten Boris Jendreyko, Thomas Klimmer
Koproduzenten Rainer Kölmel, Wasiliki Bleser,
Gregorio Sacristán Gómez, Peter Welter Soler,
Alfonso Garcia López, Boris Michalski
Redaktion Hubert von Spreti, Natalie Lambsdorff/BR,
Jochen Kölsch, Monika Lobkowitz BR/ARTE,
Stefanie Groß/SWR, Georg Steinert/ARTE
Produktion
Eine Produktion der Südart Filmproduktion in Koproduktion
mit Starhaus Filmproduktion, El Olivo Producciones Audiovisuales, Noirfilm Filmproduktion, 40° Filmproduktion,
BR, ARTE und dem SWR.
Gefördert von FFF Bayern, FFA, MFG Filmförderung und DFFF.
Deutschland 2011
Gedreht Juni/Juli 2010 in Alicante und auf Gran Canaria
Ausgezeichnungen
VGF Nachwuchsproduzenten-Preis, Bernhard-Wicki-Nachwuchspreis, Förderpreis Deutscher Film für das Szenenbild
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die farbe des ozeans
Maggie Peren über ihren Film
Wer Tagespresse und Nachrichten regelmäßig verfolgt, sieht
sich unabwendbar mit in Seenot geratenen Flüchtlingsbooten, unzähligen Todesopfern und qualvollen menschlichen
Schicksalen vor den kanarischen Inseln, Lampedusa oder
Malta konfrontiert. So vehement klopft Afrika in der jüngsten Zeit an Europas Pforten, dass es in Deutschland, Spanien
oder Frankreich nicht mehr möglich ist, sich dieser Thematik
zu verschließen. Vielmehr ist das Problem seit langem schon
schen Urlauberpaares, in dem viele Zuschauer sich wiederer-
ein gesamteuropäisches. Die Ursachen dafür haben ihren
kennen werden. Diese Perspektive ist für mich der eigentli-
Grund nicht zuletzt im Verhalten der westlichen Welt: Die
che Ansatz, an das Flüchtlingsproblem heranzugehen. Ich
Globalisierung trägt dazu bei, dass Menschen auf dem afri-
möchte den Zuschauer unmittelbar mit der Frage konfron-
kanischen Kontinent keinen anderen Ausweg finden, als ihr
tieren: wie würde ich selbst reagieren? Dadurch bietet dieser
Leben zu riskieren, indem sie nach Europa fliehen. Darin liegt
Film ein hohes Identifikationspotential. Ich bin von dessen
ihre einzige Hoffnung auf eine bessere Zukunft, denn in ihrer
Wirkung und Wucht nach außen überzeugt.
Heimat wurden sie jeder wirtschaftlichen Grundlage dafür
beraubt. Daraus ergibt sich nicht nur eine große politische
Relevanz innerhalb der Europäischen Union, sondern auch
ein immenses humanitäres Problem, mit dessen Lösung und
Umgang sich Europa noch lange konfrontiert sehen wird.
Je mehr ich recherchierte und über die Ursachen für die
Flüchtlingsströme nachdachte, desto mehr stellte ich mir die
Frage, was man als Einzelner dagegen tun könne. Kann man
überhaupt helfen? Was ist eigentlich Hilfe und wo beginnt
diese? Wie definiert man die Richtigkeit des Handelns? Oder
ist die Welt, wie wir sie nun kennen, nicht viel zu kompliziert
geworden, um überhaupt irgendetwas zu tun? Gibt es ein
Gutes im Schlechten? Und meinen wir nicht immer alle alles
gut, und am Ende machen wir doch das Falsche? Hätte ich,
wie die Figur Nathalie, die Chance, ganz konkret etwas tun
zu können, wie würde ich wohl selbst darauf reagieren? Diese ambivalente Frage ist das Kernthema meiner Geschichte.
In diesem Rahmen lasse ich alle Figuren agieren, um auch
den Zuschauer zu fordern und zum Denken anzuregen.
»Die Farbe des Ozeans« ist ein politischer Film, ohne jedoch
zu belehren. So geht es im Kern der Geschichte um Humanität und Menschlichkeit. Im Vordergrund stehen menschliche
Schicksale, die Dramen erlebt man aus der Sicht eines deut-
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Debüt im Dritten
Maggie Peren
Maggie Peren, 1974 in Heidelberg geboren, studierte zunächst Schauspiel in Manchester und danach Literaturwissenschaften in München. Während des Studiums
(c) Karin Kohlberg
schrieb sie 1997 ihr erstes Drehbuch »Vergiss Amerika« (Regie Vanessa Jopp). Es
folgte der Film »Das Phantom« (Regie Dennis Gansel), der 2000 mit dem GrimmePreis ausgezeichnet wurde. Maggie Peren schrieb darüber hinaus u. a. »Mädchen,
Mädchen« (gemeinsam mit Regisseur Christian Zübert), »Ganz und gar«, »Kiss and
run« (ebenfalls mit dem Grimme-Preis gewürdigt), »Napola« (in Zusammenarbeit
mit Dennis Gansel) und »Hände weg von Mississippi« nach Cornelia Funke. Bei ihrem Kurzfilm »Hypochonder« führte
sie zum ersten Mal selbst Regie, ihr Langfilmdebüt als Regisseurin war der Kinofilm »Stellungswechsel«. »Die Farbe des
Ozeans« ist ihre zweite Regiearbeit fürs Kino und wurde beim Filmfest München 2011 uraufgeführt. Maggie Peren arbeitet u. a. an einer Verfilmung von »Wachstumsschmerz« von Sarah Kuttner.
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Debüt im Dritten
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Debüt im Dritten
Freier Fall
Regie: Stephan Lacant · Buch: Karsten Dahlem und Stephan Lacant
22
Montag, 17.11.2014, 20.15 Uhr
22
Freier Fall
Karriereaussichten bei der Bereitschaftspolizei, Nachwuchs
unterwegs, die Doppelhaushälfte von den Eltern vorfinanziert: Marcs Leben ist gut eingerichtet. Doch dann lernt er
bei einer Fortbildung den Kollegen Kay kennen. Der bringt
ihm beim Lauftraining ein neues Gefühl von Leichtigkeit
bei – und wie es ist, Gefühle für einen Mann zu entwickeln.
Hin- und hergerissen zwischen der ihm vertrauten Welt
und dem Rausch der neuen Erfahrung gerät ihm sein Leben
Karsten Dahlem und Stephan Lacant als Drehbuchautoren
zusehends außer Kontrolle. Im freien Fall kann Marc es nie-
ist es gelungen, in einem erstaunlich eindringlichen und sou-
mandem mehr recht machen. Am wenigsten sich selbst.
veränen Erzählstil das Buch zu einem intensiven Liebesfilm zu
entwickeln. In der filmischen Umsetzung greift Lacant indes
mit Unterstützung der sehr starken Bildgestaltung von Sten
Mende vor allem auf Bilder und Blicke zurück. Hauptfigur
Marc (hervorragend interpretiert von Hanno Koffler, der für
diese Rolle für den deutschen Filmpreis nominiert war) pendelt zwischen der testosterongeschwängerten Polizeiwelt
und der homosexuellen Welt, zwischen kleinbürgerlicher Familienidylle und dem verführerischen Lover Kay.
23
Debüt im Dritten
Besetzung
Produktion
Marc Borgmann Hanno Koffler
Eine Produktion der kurhaus production
Kay Engel Max Riemelt
in Koproduktion mit dem SWR. Gefördert von der
Bettina Bischoff Katharina Schüttler
MFG Filmförderung Baden-Württemberg
Inge Borgmann Maren Kroymann
Wolfgang Borgmann Luis Lamprecht
Deutschland 2013
Frank Richter Oliver Bröcker
Gedreht im Sommer 2012 in Ludwigsburg und Umgebung
Claudia Richter Stephanie Schönfeld
Britt Rebmann Britta Hammelstein
Gregor Limpinski Shenja Lacher
Auszeichnungen
Lothar Bischoff Vilmar Bieri
Preis als bester Film beim QFest in Philadelphia, Publikums-
Werner Brandt Attila Borian
preis beim Louisville Festival, NDR Regiepreis beim Film-
Bernd Eiden Horst Krebs
kunstfest Schwerin, Günter Rohrbach Preis für die beste Regie
Benno Borgmann Samuel Schnepf
Stab
Regie Stephan Lacant
Buch Karsten Dahlem
und Stephan Lacant
Kamera Sten Mende
Schnitt Monika Schindler
Musik Dürbeck & Dohmen
Sounddesign Jörg Klaussner
Szenenbild Petra Bock-Hofbauer
Kostümbild Bettina Marx
Besetzung Marion Haack
Produzenten Daniel Reich
und Christof Holfhof
Redaktion Stefanie Groß
24
freier fall
Stephan Lacant über seinen Film
»Freier Fall« ist die Geschichte einer Leidenschaft, die durch
Ländern festgestellt, dass unsere Gesellschaft beim Thema
das Milieu, in dem sie spielt, unter noch größeren Druck ge-
Homosexualität dann doch nicht so liberal ist, wie man es
rät. Was war Ihre Motivation für die Geschichte?
eigentlich vermuten würde.
»Freier Fall« ist entstanden, als Karsten Dahlem, Koautor der
Während der mehrjährigen Arbeit an dem Drehbuch haben
Geschichte, mir von Mobbingfällen an homosexuellen Kolle-
wir mit vielen schwulen Polizeibeamten gesprochen und
gen erzählte, die er während seiner Ausbildung bei der Be-
auch eng mit dem Verband schwul-lesbischer Polizisten zu-
reitschaftspolizei beobachtete. Eine Thematik, die ich auf
sammengearbeitet. Mit dem Fazit, dass der Prozentsatz der
Anhieb erzählenswert fand, zumal die Polizei ja oft als Spie-
nicht geouteten Kollegen weitaus höher liegt, als wir es an-
gel der Gesellschaft zitiert wird. Und tatsächlich haben wir
fangs für möglich hielten – natürlich von Hundertschaft zu
dann bei unserer intensiven Recherche und bei vielen Ge-
Hundertschaft und Bundesland zu Bundesland unterschied-
sprächen nach den Filmvorführungen in unterschiedlichsten
lich. Homophobie ist heutzutage vielleicht versteckter, weni-
25
Debüt im Dritten
ger offensichtlich, aber sicherlich nach wie vor weit verbreitet
Ich hatte großes Glück, mit so tollen Schauspielern arbeiten
und das nicht nur bei der Polizei.
zu können. Als Hanno, Max und Katharina gecastet waren,
haben wir uns zu viert sehr intensiv mit dem Drehbuch aus-
Ist »Freier Fall« letztlich die Geschichte einer Befreiung?
einandergesetzt und daraufhin auch noch mal einiges um-
Marc bleibt lange Zeit sehr passiv, Reflexion seiner Sexuali-
geschrieben und die eh schon sparsamen Dialoge weiter ein-
tät und seiner Gefühle, vielleicht sogar der Zugang dazu,
gekürzt. Mir war es ganz wichtig, dass die Schauspieler sich
sind nicht seine Sache.
in ihren Rollen wohl fühlen und sich die Figuren zu eigen
machen können.
Unsere Hauptfigur Marc ist von seiner Veranlagung her eher der
schweigsame Typ, der Konflikte erst einmal mit sich selbst aus-
Natürlich folgten wir beim Schreiben dramaturgischen Struk-
trägt, bevor er sie verbalisiert. Außerdem steht für ihn ja auch
turen, aber wichtig war uns, echte, lebensnahe Charaktere zu
alles auf dem Spiel – sein gesamtes wohlbehütetes, bürgerliches
entwickeln und die Geschichte aus diesen Figuren heraus zu
Leben. Generell war es mir wichtig, nicht überzudramatisieren
erzählen und sie nicht in ein Plotkorsett zu zwängen.
und mich eher an einem Realismus zu orientieren, so wie ich ihn
kenne: in dem nicht immer alles ausdiskutiert wird, sondern
Der Film soll packen und berühren, aber am Ende soll nicht
nicht selten auch einfach nur Sprachlosigkeit herrscht.
irgendeine Moral stehen. Ich glaube, das Ende, das wir für
den Film gewählt haben, gibt trotz seiner Offenheit doch
Neben dem augenscheinlichen Liebesdreieck und der Kon-
auch einen hoffungsvollen Ausblick. Ich mag es generell,
fliktwahl zwischen Hetero- und Homosexualität, geht es in
wenn eine Geschichte nicht vollends geschlossen ist und der
dem Film letztlich um Selbstfindung. Im Grunde ist es eine
Zuschauer sich nach dem Film selbst mit der Frage beschäf-
Geschichte über jemanden, der sich aus dem Korsett gesell-
tigen kann, wie es wohl weitergeht.
schaftlicher Zwänge und Erwartungen zu befreien versucht.
Der Film heißt ja »Freier Fall« – Mark verliert zwar alles, gewinnt aber ein Stück weit sich selbst, seine eigene Freiheit.
Sie haben Marc und Kay sehr körperlich inszeniert, was vielleicht umso mehr auffällt, als Marc in der Wortlosigkeit verhaftet bleibt. Wie sind Sie an die Regie und die Arbeit mit
den Schauspielern herangegangen?
Stephan Lacant
Stephan Lacant, geboren 1972 in Essen, studierte nach dem Abitur zunächst Theater-,
Film- und Fernsehwissenschaften, bevor er in die USA übersiedelte und während seines
mehrjährigen Aufenthaltes in New York eine Regieausbildung am Stella Adler Acting
Conservatory und an der Film Academy absolvierte. Er schrieb und inszenierte mehrere
Kurzfilme, darunter »Little India«, »Max Goodman’s Last Film« und »Aquanauten«, und
Dokumentarfilme, bevor gemeinsam mit Karsten Dahlem seinen ersten Langfilm entwickelte. Auch sein nächstes Projekt, »Fremde Tochter«, schreibt er gemeinsam mit Karsten
Dahlem. »Freier Fall« wurde als Eröffnungsfilm der Perspektive Deutsches Kino bei der
Berlinale 2013 uraufgeführt.
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Debüt im Dritten
27
Debüt im Dritten
Scherbenpark
Regie: Bettina Blümner
Buch: Katharina Kress nach dem gleichnamigen Roman von Alina Bronsky
28
Mittwoch, 24.11.2014, 20.15 Uhr
28
scherbenpark
Im Scherbenpark nimmt man sich, was man haben will. Es
braucht eine große Klappe und ein dickes Fell, wenn harte
Sprüche von der Seite kommen und die eigene Mutter ermordet wird. Sascha ist eine junge Frau, furchtlos, verdammt
schlau und im Scherbenpark zu Hause. Wer ihre Mutter auf
dem Gewissen hat, weiß Sascha genau: ihr Stiefvater Vadim
E. Dass ihn die Justiz kassiert hat, tröstet sie nicht. Und dann
erscheint in der Zeitung auch noch ein Artikel, der den Mörder ihrer Mutter als geläuterten, reumütigen Sünder darstellt. Der verantwortliche Redakteur Volker Trebur bekommt
Bettina Blümners Verfilmung des Romans »Scherbenpark« von
Saschas geballte Wut zu spüren. Dem tut die Sache jedoch
Alina Bronsky nach der Drehbuchadaption von Katharina
ehrlich leid und er will das Geschehene wieder gutmachen.
Kress beleuchtet mit spritzig-bissigen Dialogen und teilweise
Sascha landet mitten im bildungsbürgerlichen Leben, als sie
komödiantischem Blick einen Entwicklungsschritt im Leben der
Trebur beim Wort nimmt und spontan zu ihm und seinem
sympathischen, frechen Heldin Sascha. Jasna Fritzi Bauer ver-
Sohn Felix ins ökologische Passivhaus zieht. Hier gelten ganz
körpert liebevoll, aber mit aller Direktheit, Präsenz und Energie
andere Regeln als im Scherbenpark. Sascha fühlt sich sowohl
dieses junge, hochbegabte russische Mädchen und spielt bra-
zu Felix als auch zu dem charismatischen Volker hingezogen
vourös ihre Dreiecksgeschichte zwischen einem Arbeitskolle-
und es entspinnt sich eine sanfte Dreiecksgeschichte.
gen ihrer ermordeten Mutter und dessen Sohn.
29
Debüt im Dritten
Besetzung
Produktion
Sascha Jasna Fritzi Bauer
Eine Produktion der Eyeworks Film Gemini
Volker Trebur Ulrich Noethen
in Koproduktion mit dem SWR. Gefördert von Film- und
Felix Trebur Max Hegewald
Medienstiftung NRW, MFG Filmförderung, DFFF
Peter Vladimir Burlakow
Mascha Jana Lissovskaia
Deutschland 2012
Anna Maria Dragus
Gedreht 2011 in Stuttgart und Köln
Anton Cedric Koch
Alissa Lara Siebertz
Igor Konstantin Folov
Gregorij Mark Zak
Festival Max-Ophüls Preis: Drehbuchpreis für Katharina Kress
Kevin Yung Ngo
und beste Darstellerin Jasna Fritzi Bauer, Publikumspreis
Murat Michael Keseroglu
beim Filmkunstfest Schwerin
Stab
Regie Bettina Blümner
Drehbuch Katharina Kress
nach dem gleichnamigen Roman
von Alina Bronsky
Kamera Mathias Schöningh
Schnitt Inge Schneider
Musik Ali N. Askin
Szenenbild Jost Schrader
Kostümbild Bettina Marx
Executive Producer Tim Rostock
Produzentinnen Sabine de Mardt,
Iris Wolfinger
Redaktion Stefanie Groß
30
Auszeichnungen
scherbenpark
Bettina Blümner über ihren Film
Eigentlich ist meine Hauptfigur Sascha ein ganz normaler
lust eines geliebten Menschen um? Sascha versucht eine
Teenager: sie möchte das Leben und die Liebe kennenlernen.
Antwort für sich zu finden. In der Begegnung mit dem allein-
Doch nachdem ihre Mutter von ihrem Stiefvater Vadim er-
erziehenden Vater Volker und seinem Sohn Felix zeigt der
mordet wurde, ist einfach alles durcheinander geraten. Sascha
Film die verwirrenden, aber auch humorvollen Seiten des Er-
muss nun viele Dinge gleichzeitig meistern: Sie versucht die
wachsenwerdens. Saschas Suche nach Nähe und ihre große
Erinnerung an ihre Mutter zu bewahren und übernimmt die
Kraft habe mich sehr beeindruckt.
Verantwortung für ihre kleinen Halbgeschwister, obwohl sie
in ihrem Viertel zunehmend stigmatisiert wird. Saschas Geschichte hat mich sehr berührt. Wie geht man mit dem Ver-
31
Debüt im Dritten
Katharina Kress
Katharina Kress, 1979 in Westerland geboren, studierte Germanistik, Geographie und
Psychologie an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg, wo sie 2007 mit einer Diplomarbeit über die Drehbuchgenese der Literaturadaption »Das Parfum« abschloss.
Von 2007 bis 2010 studierte sie an der Filmakademie Baden-Württemberg im Aufbaustudiengang Drehbuch, Abteilung Szenischer Film und arbeitet inzwischen als freie
Autorin. Ihr Kurzfilm »Am anderen Ende« von 2009 wurde zweifach mit dem First Steps
Award ausgezeichnet und wurde genauso wie der nachfolgende Film »Monika« im
Kurzfilmprogramm von Debüt im Dritten ausgestrahlt.
Bettina Blümner
Bettina Blümner studierte an der Bauhaus-Universität, der Filmakademie BadenWürttemberg und der Esuela Internacional de Cine y Television auf Kuba. In dieser Zeit
entstanden verschiedene Kurzfilme, 1999 »Forever Young«, 2001 »Sommersonne«,
2003 »Wash and Go« und 2004 »Die Kette«. Auf Kuba entstand »La vida dulce« (2004)
über Muttertagsbräuche kubanischer Familien. Großen Erfolg hatte Bettina Blümners
abendfüllender Dokumentarfilm »Prinzessinnenbad« von 2007, der u. a. mit dem Preis
Dialogue en Perspective der Berlinale und dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet
wurde.
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Debüt im Dritten
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Debüt im Dritten
Abseitsfalle
Regie: Stefan Hering · Buch: Beatrice Meier
34
Montag, 1.12.2014, 20.15 Uhr
34
Abseitsfalle
Bochum. Karin arbeitet bei der Waschmaschinenfabrik
Perla in der Personalabteilung und wartet auf ihre Karrierechance. Die erhält sie auf finstere Weise: 400 Leute
müssen eingespart werden, da sonst das Werk geschlossen würde. Das ist die Ansage vom Mutterkonzern. Karin
Autorin Bea Meier und Regisseur Stefan Hering verbinden das
gibt ihr Bestes für die Sozialverträglichkeit der Kündi-
Drama um die Werkschließung des fiktiven Perla Werkes (die
gungen, zusammen mit Dr. Kruger. Doch dann verliebt sie
Vorgänge sind an die Werkschließung von Opel Bochum ange-
sich – in Mike, der die Kollegen und die Werksmannschaft
lehnt) mit dem privaten Liebes- und Lebensglück der Hauptfi-
gegen das Abfindungsprogramm mobilisiert ...
gur Karin, die ihrem Milieu durch ihre Karriere entrinnen will.
»Abseitsfalle« erzählt mit Humor von Teamgeist und Würde.
Eine packende Geschichte über menschenverachtende Spar-
Und von einer Liebe, die eigentlich keine Chance hat.
kurse von Unternehmen im Gegensatz zur Solidarität von Mitarbeitern, über den Spagat zwischen Pragmatismus und Idealismus, Kapitalismus und Arbeiterinteressen sowie die Idee
eines europaweiten Widerstandes gegen globale Konzernstrategien. Und über den Mut und die Kreativität der Mitarbeiter,
gegen ein ungerechtes System zu rebellieren.
35
Debüt im Dritten
Besetzung
Stab
Produktion
Karin Wegmann Bernadette Heerwagen
Drehbuch Beatrice Meier
Eine Produktion der Ester.Reglin.Film
Mike Sobotka Sebastian Ströbel
Regie Stefan Hering
in Koproduktion mit SWR und ARTE.
Dr. Thomas Kruger Christoph Bach
Kamera Christof Oefelein
Gefördert durch Film- und
Vatta Wegmann Jürg Löw
Schnitt Oliver Grothoff
Medienstiftung NRW, FFA und DFFF.
Podolski Fabian Busch
Musik Matthias Hornschuh
Garibaldi Tim Seyfi
Szenenbild Cora Pratz
Gittie Dagmar Sachse
und Cordula Jedamski
Deutschland 2013
Tina Charlotte Bohning
Kostümbild Frauke Firl
Gedreht April 2012 in Köln und Umgebung
Schüppe Andreas Windhuis
Casting Clemens Erbach
Willy Zwo Stephan Szász
Produktion Roswitha Ester
Herr Wassmann Herbert Schäfer
und Torsten Reglin
Auszeichnungen
Borchert Heinrich Schafmeister
Redaktion Stefanie Groß/SWR,
Berndt-Media-Preis des Kinofests Lünen,
Barbara Häbe/ARTE
Ludwigshafener Drehbuchpreis
für Beatrice Meier
36
abseitsfalle
Stefan Hering
über seinen Film
»Abseitsfalle« ist ein Film über eine Figur mit einem Traum:
Karin will raus aus dem Mief ihrer harten Bochumer Kindheit, hoch hinaus in dieglitzernde Zentrale eines multinationalen Konzerns. Sie verfällt einem trügerischen Traumbild
und findet sich in einem Alptraum wieder. Filme über Träume
haben ein hohes emotionales Potenzial für den Zuschauer,
weil er mitträumen darf.
Noch reizvoller wird die Geschichte für mich durch den Wettstreit alter Werte gegen (leider nicht mehr ganz so) neue Paradigmen: Solidarität, Loyalität und ehrliche Arbeit scheinen
auf den ersten Blick chancenlos gegen knallharten Pragmatismus und rücksichtslose Profitmaximierung.
Man wünscht sich fast schon verzweifelt, dass die alten
Werte – repräsentiert durch die Perla-Arbeiter – doch noch
triumphieren werden. Und dass Karin rechtzeitig aufwacht:
Die verfolgt aus nachvollziehbaren Gründen ihren Traum,
Beatrice Meier
zu ihrem Film
geht menschlich und mitfühlend ihren Weg und verrennt
Kann man auf einem Bolzplatz die Welt retten? Natürlich
sich dennoch hoffnungslos. Als sie – zu spät – doch noch die
nicht. Dennoch: Ich wollte eine Geschichte erzählen, die der
Seiten wechselt, ist das zwar nur eine Momentaufnahme –
scheinbar aussichtslosen »Die Welt ist eben heute so«-Lage
doch dieser kurze Lichtblick löst einen enormen emotionalen
etwas entgegenstellt. Mit Menschen, die sich – einfach mal
Schub aus.
– nicht abfinden. Auch wenn ihre Aktion – zunächst mal –
lächerlich wirkt.
Und klar, wir spüren, dass dieses Team der Unabfindbaren
eigentlich keine Chance hat, dass sie das »große Spiel« nicht
gewinnen können. Aber egal. Sie geben nicht auf. Sie haben
sich. Ihre Werte. Ihren Humor. Und das rettet sie. Vor diesem
miesen Gefühl, dass von einem Tag auf den anderen plötzlich
alles wegbrechen soll. Das treibt sie an. Um wenigstens eins
nicht zu verlieren: ihre Würde.
Ich sach ma so: Wenn dieses »Irgendwas geht immer!«-Gefühl den Weg in die Herzen findet, ist die Partie schon halb
gewonnen. Und vielleicht rollt am Ende ja noch ein anderes
»Gut« aufs Feld? Die Wahrheit. Und spätestens dann hat sich
das Spiel wirklich gelohnt.
37
Debüt im Dritten
Beatrice Meier
Beatrice Meier wurde 1969 in Bochum geboren. Sie machte an der Universität Düsseldorf das Diplom als Literaturübersetzerin und schrieb währenddessen für Zeitungen
an Rhein und Ruhr. Seit 1995 arbeitet sie Teilzeit für Arte in Straßburg in Textredaktion
(c) Stephanie Gagel
und Sprachregie. Beatrice Meier absolvierte ein Drehbuchseminar an der INA in Paris
und verschiedene Drehbuchkurse. 2002/2003 war sie Stipendiatin der Drehbuchwerkstatt München und nahm 2006 am Autorenprogramm der Internationalen Filmschule
Köln teil. »Abseitsfall« ist ihr erster abendfüllender Film.
Stefan Hering
Stefan Hering, 1972 in Stuttgart geboren und in Heubach aufgewachsen, machte eine
Ausbildung zum Bankkaufmann, begann zunächst Betriebswirtschaft zu studieren
und ging dann zum Produktionsstudium an die HFF München. Er schloss dort mit
einem Regieprojekt ab, dem mehrfach ausgezeichneten Mundart-Kurzfilm »Moianacht«. Parallel legte er sein BWL-Diplom ab. Es folgte ein Aufbaustudium Regie an der
Hamburg Media School. Dort entstanden die Kurzfilme »Der Bildermacher«, »Eject«
und »Neuland«. Seitdem ist er als Regisseur tätig und inszenierte u. a. Imagefilme, Werbespots, Kindersendungen, Dokumentarfilme und den erfolgreichen Kurzfilm »Ten«
mit Jopi Heesters in seiner letzten Rolle. »Abseitsfalle« ist sein erster Kinofilm.
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Debüt im Dritten
39
Debüt im Dritten
kurzfilme
Couchmovie
Regie: Isabel Braak · Buch: Amrei Ruth Kriener
40
Donnerstag, 27.11. 2014, 23.15 Uhr
An vier europäischen Orten empfangen Gastgeber fremde
Besetzung
Couchsurfer in ihrer Wohnung. Mit viel Freude an absurden
Reka Maria Dragus · Alma Helen Woigk Matti Samuel
Situationen und der Komik des Alltags erzählt der Film, wie
Schneider · Nina Lore Richter · Ito Miguel Blanco
schwäbische Verlegerin und polnischer Lebenskünstler, feier-
Anette Babett Arens · Pawel Ilja Pletner · Cisem Hélène
willige Studentin und schwerhöriger Spanier aufeinander-
Kuhn · Louise Sarah-Megan Allouch-Mainier
treffen, ein Abiturient gleich zwei Pariser Gastgeberinnen begegnet und zwei Erasmustudentinnen ihren Gastgeber nicht
Stab
finden. Letztlich erfahren die Vabanque-Touristen und -Gast-
Regie Isabel Braak · Drehbuch Amrei Ruth Kriener
geber zwar viel über Fremde, aber noch mehr über sich selbst.
Kamera Frederick Gomoll · Schnitt Alexander Menkö
Musik Marcel Walter, Stefan Wiedmer
Wenn es eine Brücke gibt zwischen den virtuellen Kontakten
Szenenbild Simon Schabert · Kostümbild Svenja Gassen
im Netz und solchen in der Realität, dann ist es übers Reisen.
Produktion Nathalie Kraft, Julia Golembiowski
Man sucht sich im Netz, um sich irgendwo in der Welt zu tref-
Redaktion Brigitte Dithard/SWR, Claudia Gladziejewski/BR,
fen. Und auch für die Erstellung des Films war dieses Netzwerk
Sabine Brantus/ARTE
im praktischen Sinn äußerst hilfreich. Die Seite, die für den
Film eingerichtet wurde, hat viele Kontakte gebracht, die den
Produktion
Dreh in den verschiedenen Städten für ein Studentenprojekt
Eine Produktion der Filmakademie Baden-Württemberg
überhaupt erst möglich gemacht haben. Wohnungen, Arbeits-
in Koproduktion mit SWR, BR und ARTE
kraft, Kenntnisse, alles wurde den Filmemachern angeboten.
Das Wort community erhält dadurch noch einmal eine ganz
Länge 56 Minuten
neue Facette. Die Regisseurin und viele an der Produktion Beteiligte kennen das Couchsurfen aus eigener Anschauung, was
zur Wahrhaftigkeit der Situationen sicher beigetragen hat.
Auszeichnungen
Preis für das beste Kostümbild bei den Hofer Filmtagen
40
Debüt im Dritten
kurzfilme
Sunny
Buch und Regie: Barbara Ott
Donnerstag, 27.11. 2014, 0.10 Uhr
Hajo denkt nicht lange nach, bevor er jemand anderem die
Besetzung
Fresse poliert. Hajo ist 19, hochgradig aggressiv und vor einem
Hajo Vincent Krüger · Su Paula Kroh · Jan Edin Hasanovic
halben Jahr Vater geworden. Anstatt wie früher mit seinen
Egon Hansrich Thorsten Merten
Freunden eine gute Zeit zu haben, muss er sich nun um seinen
Sohn kümmern.
Stab
Buch und Regie Barbara Ott · Kamera Falko Lachmund
Doch Hajo hat keinen Bock mehr, die Windeln zu wechseln und
Schnitt Gregory Schuchmann · Musik Jasmin Reuter
Mutter zu spielen. Er will arbeiten und Geld verdienen. Hajo
Szenenbild Stefanie Hinterauer
hat einen Plan und bringt sein Kind dabei in größte Gefahr.
Produktion Nicole Springstubbe, Simon Rühlemann
Redaktion Brigitte Dithard/SWR, Claudia Gladziejewski/BR,
Auch wenn es wie ein Gemeinplatz klingt: Wahrhaftigkeit ist
auch in dem Film von Barbara Ott eine große Qualität. In einer
Sabine Brantus/ARTE
halben Stunde Film schafft sie es, eine komplexe Figur wie
Produktion
Hajo zu entwickeln, einen jungen Mann, hin- und hergerissen
Eine Produktion der Filmakademie Baden-Württemberg in
zwischen seinem Selbstbild als Mann, der das Geld verdienen
Koproduktion mit SWR, BR und ARTE
muss, und seiner Rolle als arbeitsloser Nur-Vater, dem die Verantwortung für sein Kind im Wege steht. Mit drei wunder-
Länge 29 Minuten
baren jungen Schauspielern gelingt Barbara Ott eine feinfühlige und genaue Inszenierung, die uns von Anfang an für die
Figuren einnimmt.
Auszeichnungen
First Steps Award, Studio Hamburg Nachwuchspreis,
Bild-Kunst Förderpreis Ausstattung bei den Hofer Filmtagen
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Debüt im Dritten
kurzfilme
Great
Regie: Andreas Henn · Buch: Andreas Henn, Alexander Wasielewski,
Gawain Mallinckrodt
42
Donnerstag, 27.11.2014, 0.40 Uhr
Haben die Nazis jemals Charlie Chaplin‘s »The Great Dictator«
Besetzung
gesehen?
Nikola Milos Bikovic · Oberst Paulus Manker
Wir schreiben den 10. Mai 1942. Ein Ereignis ganz am Rande
Gefreiter II Gustav Koenigs
Leutnant Simon Schwarz · Gefreiter I Raphael Dwinger
der großen Weltgeschichte. Ganz Jugoslawien ist fest in
deutscher Hand. Der junge serbische Filmvorführer Nikola
Stab
hat die Nase gestrichen voll von den deutschen Besatzern.
Regie Andreas Henn · Drehbuch Andreas Henn,
Alexander Wasielewski, Gawain Mallinckrodt
Statt es seinen gewaltbereiten Partisanenfreunden gleich zu
Kamera Alexander Wasielewski · Schnitt Andreas Henn
tun, entscheidet sich Nikola, den Deutschen auf eigene Faust
Musik Sandy Lopicic · Szenenbild Sophia Schneider
einen Denkzettel zu verpassen. Seine Waffe: »The Great Dic-
Kostümbild Bettina Werner, Tania da Silva
tator« von Charlie Chaplin. Sein Ziel: ein deutsches Soldaten-
Produktion Andreas Henn, Alexander Wasielewski
kino im Herzen Serbiens. Was dort geschieht, hätte sich Nikola
Redaktion Brigitte Dithard/SWR, Sabine Brantus/ARTE
nicht einmal in seinen kühnsten Träumen ausmalen können.
Doch sein Einfall bleibt nicht ohne Folgen für ihn.
Produktion
Eine Produktion der Dog Ear Films in Koproduktion mit SWR
Eine kleine Notiz über eine Vorführung des Films »Der große
und ARTE. Gefördert von FFF Bayern und MBB
Diktator« in Serbien 1942 war Auslöser für das Filmprojekt von
Andreas Henn. Der Film, der weltweit auf vielen Festivals aufge-
Länge 23 Minuten
führt wurde und viele Preise gewann, zeigt, was Kino kann: mit
der Kraft des Humors zumindest einen Moment lang ein totalitäres System außer Kraft setzen.
Auszeichnungen
Preis des europäischen Wettbewerbs beim Kurzfilmfestival
in Ravenna, Publikumspreis beim Kurzfilmfestival von Palm
Springs, Hauptpreis beim Aspen Shortsfest u.v.a.
42
Debüt im Dritten
Nachwuchsförderung im SWR Fernsehen
Nachwuchsförderung im Fernsehen bedeutet für den SWR, jungen Künstlern und Filmemachern von morgen schon
heute ein Forum zu bieten. Die renommierten Sendereihen »Debüt im Dritten« und »Junger Dokumentarfilm« ermöglichen begabten Regisseuren und Autoren ihren ersten Film für das Fernsehen bzw. Kino zu realisieren. Der SWR sieht
die Nachwuchsförderung als Teil seines Kulturauftrags und als Chance, Kultur qualitätvoll zu gestalten, zu vermitteln
und zu fördern. Neben der Reihe Debüt im Dritten (SWR.de/debuet) gibt es unter anderem:
Junger Dokumentarfilm –
Nichts ist spannender als die
Wirklichkeit
Emmerich Smola Förderpreis –
Große Namen von morgen
entdecken
Ausdauer, Einfühlungsvermögen und Sensibilität im Um-
Seit 2004 lobt das SWR Fernsehen einen der höchstdo-
gang mit den beobachteten Personen sind die Anforde-
tierten deutschen Musikförderpreise aus: den »Emmerich
rungen, denen sich Dokumentarfilmer stellen müssen.
Smola Förderpreis« für junge Opernsängerinnen und -sänger.
Eine eigene Filmsprache und Ästhetik zu entwickeln, er-
In Zusammenarbeit mitder Stadt Landau in der Pfalz erhal-
fordert nicht nur eine notwendige kreative Leistung, son-
ten sechs Kandidaten die Gelegenheit, in einem festlichen
dern kostet auch Zeit und damit Geld. Für junge Autoren
Konzert um den Publikumspreis zu wetteifern. Sie sind bereits
sind dies schwer zu überwindende Hürden. Hier setzt die
im Engagement an großen Opernhäusern oder bei inter-
Reihe »Junger Dokumentarfilm« an, die dem dokumenta-
nationalen Gesangswettbewerben als Finalisten oder Preis-
rischen Nachwuchs seit 1999 eine Chance gibt. Ins Leben
träger hervorgetreten. Die Sängerinnen und Sänger werden
gerufen hat sie der SWR gemeinsam mit der Medien- und
von der Redaktion Musik und Theater des SWR Fernsehens
Filmgesellschaft Baden-Württemberg und der Filmakade-
ausgewählt, die auch den Wettbewerb koordiniert.
mie Baden-Württemberg. Jungen Filmemachern ermögli-
SWR.de/musikdebuet
cht dies die Finanzierung und Ausstrahlung ihres Debütfilms. Jahr für Jahr entstehen so völlig unterschiedliche
Filme mit ganz eigenen Handschriften. Und jedes Jahr zeigen die Autoren des »Jungen Dokumentarfilms«, dass sie
es verstehen, den Blick zu öffnen für Dinge, die sich nicht
nur auf der Oberfläche abspielen.
Der Erfolg gibt der Reihe recht: Regelmäßig werden junge
Dokumentarfilme zu internationalen Festivals eingeladen
und ausgezeichnet.
SWR.de/junger-dokumentarfilm
43
Debüt im Dritten
Sendetermine im SWR Fernsehen
44
Montag, 3.11.2014, 20.15 Uhr
Ende der Schonzeit
Regie: Franziska Schlotterer
Buch: Franziska Schlotterer und Gwendolyn Bellmann
Montag, 10.11.2014, 20.15 Uhr
Die Farbe des Ozeans
Buch und Regie: Maggie Peren
Montag, 17.11.2014, 20.15 Uhr
Freier Fall
Regie: Stephan Lacant
Buch: Karsten Dahlem und Stephan Lacant
44
sendetermine
Montag, 24.11.2014, 20.15 Uhr
Scherbenpark
Regie: Bettina Blümner
Buch: Katharina Kress
Donnerstag, 27.11.2014, ab 23.15 Uhr
Kurzfilme
23.15 Uhr Couchmovie
0.10 Uhr Sunny
0.40 Uhr Great
Montag, 1.12.2014, 20.15 Uhr
Abseitsfalle
Regie: Stefan Hering
Buch: Beatrice Meier
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Pressekontakt
Pressestelle
Leitung Programmpresse: Anja Görzel
Telefon: +49 711 929 1 10 46 | anja.goerzel@swr.de
Programmpresse Fernsehfilm: Annette Gilcher
Telefon: +49 7221 929 2 40 16 | annette.gilcher@swr.de
SWR-Fotoredaktion
Gabriele Genißer-Baudisch
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Redaktion »Debüt im Dritten«
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Telefon: +49 7221 929 2 44 83 | stefanie.groß@swr.de
Fotos
ard-foto.de
Redaktion Presseheft
Annette Gilcher
Gestaltung
SWR Design: Jutta Haderer
Fotos
Eikon Südwest Ende der Schonzeit
Pere Pueyo, Alejandra Alonso Die Farbe des Ozeans
kurhaus production Freier Fall
Thomas Kost Scherbenpark
Martin Valentin Menke Abseitsfalle
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Herausgeber:
Südwestrundfunk · SWR Pressestelle · Anja Görzel · Leitung Programmpresse · Hans-Bredow-Straße · 76530 Baden-Baden · SWR.de/presse
© SWR 2014 · Pressemappe des SWR. Nutzung nur zu Pressezwecken.
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