close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Bericht über das MINT-Camp Dresden (21.-24.11.12) Was für viele

EinbettenHerunterladen
Bericht über das MINT-Camp Dresden (21.-24.11.12)
Was für viele ein nervtötendes Thema ist, war für uns ein Traum – ein MINT-Camp zum Thema
„Teilchenphysik“!
Nachdem ich von der Schulleitung, trotz 13er-Regelung nach den Herbstferien, beurlaubt worden
war (wofür ich mich an dieser Stelle nochmals bedanken mochte) und eine lange Zugfahrt hinter
mich gebracht hatte, kam ich Mittwochabends im Hostel „Kangaroo-Stop“ nahe dem Bahnhof
Dresden-Neustadt an. Eine gemütliche, kleine Unterkunft, die für die überschaubare Gruppe sehr
geeignet war.
Am Abend stellte sich heraus, dass zwei Schülerinnen aus der Türkei hergeflogen waren, denn
sie besuchen dort eine deutsche Schule und haben naturwissenschaftlichen Unterricht komplett
auf Deutsch – alle Achtung!
Nachdem der Camp-Leiter Johannes Brattke die organisatorischen Dinge erklärt und der
Alumnus Johannes Zink sich vorgestellt hatte, konnten wir uns über die gelieferte Pizza
hermachen und anschließend unsere Erwartungen an das Camp loswerden. Sehr schnell
kristallisierten sich zwei Hauptwünsche heraus: interessante Camp-Inhalte und das
Kennenlernen der anderen Camp-Teilnehmer/innen sowie die Hoffnung auf eine spaßige Zeit.
Diese hatten wir auch durch das ganze Camp hindurch und die Gruppe fand rasch zueinander.
Aus Gesprächen mit anderen Teilnehmer/innen fanden wir uns gegenseitig kaum unsympathisch
und nicht nur das gemeinsame Interesse an MINT hielt unsere gegenseitige Neugier aufrecht.
Später am Abend wurde von den beiden Johannes' noch ein Stadtrundgang angeboten, an dem
ich ebenfalls teilnahm und so einen ersten Eindruck der Stadt bekam. Sie ist vor allem durch
einen starken Kontrast zwischen Alt- und Neustadt geprägt und weist viele historische Bauten
auf. Um uns gegenseitig noch ein bisschen besser kennenzulernen, schlossen wir den Abend mit
einem gemütlichen Beisammensein in einer Bar.
Bevor ich auf die nächsten Tage eingehe, noch schnell ein Wort zu den Alumni: sie sind
ehemalige Camp-Teilnehmer (lat. alumni → „die Ehemaligen“) und meistens Studenten;
Johannes Z. beispielsweise studiert Gebäudeklimatik. Ihre begleitende Funktion ist für uns
Schuler eine gute Gelegenheit, uns mit Studenten zu unterhalten und dadurch mehr über das
Studentenleben sowie Möglichkeiten zum Nachgehen unserer Studienwunsche zu erfahren.
Wichtig ist hierbei zu wissen, dass alle Alumni teil des Alumni-Netzwerkes sind. So können sie
uns Schuler in einer Weise
vermitteln, sodass wir die Chance haben, eine bestimmte Stadt und die dortige Universität zu
besuchen, indem wir vom entsprechenden Alumnus vor Ort betreut werden. Doch auch
anderweitig können sie uns Kontakte verschaffen, so studiert Johannes' Bruder Physik und wir
haben vereinbart, dass ich ihn bei Gelegenheit besuchen kann – ideal! Ein MINT-Camp ist daher
nie rein vom Inhalt geprägt, sondern auch von den entsprechenden teilnehmenden Personen.
Am nächsten Tag fuhren wir früh per Straßenbahn zur Technischen Universität (TU) Dresden.
Wir wurden von Frau Leuschel, die das Camp organisierte, und von Frau Gluck, die uns später
das Netzwerk Teilchenwelt nahebrachte, begrüßt und erhielten anschließend durch einen Vortrag
von Frau Hepp einen Einblick in die naturwissenschaftlichen Studienmöglichkeiten an der TU.
Nach einem umfassenden Campusrundgang mit Studentinnen wurde uns ein sehr informativer
und kompakter
Vortrag zur Einführung in die Teilchenphysik und hauptsachlich zum Standardmodell ebendieser
durch Herrn Prof. Dr. Kobel geliefert und durch die Doktorandin Frau von Krosigk um das ebenso
interessante Teilgebiet der Astroteilchenphysik ergänzt. Die beiden schafften eine Glanzleistung,
indem sie ihre Informationen in verständlicher Weise innerhalb von gerade mal 90 Minuten
gaben. Für mich persönlich enthielten die Vortrage zwar weniger neue Informationen, da ich mich
selbst schon ein
wenig mit Teilchenphysik befasst hatte, doch mochte ich sie nicht missen, da sie einen sehr
brauchbaren Überblick lieferten und vieles nochmals verständlich machten.
Nach dem Mittagessen in der Mensa der TU gingen wir von der Theorie in die Praxis über. Wir
durften jeweils zu zweit an einer sogenannten Master-Class teilnehmen und eigenständig am
Computer originale Messdaten vom CERN auswerten, was fur uns teilchenphysikinteressierte
eine vergnügsame Beschäftigung war. Betreut wurden wir hierbei vom Doktoranden Christian.
Zum Verständnis: das CERN (französisches Akronym für „Europaische Organisation für
Kernforschung“) ist eines der größten Forschungszentren weltweit, befindet sich in Genf
zwischen der französischen und schweizerischen Grenze und beherbergt derzeit den weltweit
größten Teilchenbeschleuniger, den 27km langen, ringförmigen LHC (Large Hadron Collider).
Unsere ausgewerteten Messdaten stammten von Aufzeichnungen der dort installierten
Detektoren, die die Produkte einer Teilchenkollision zweier Protonen registrieren. Wir
beschäftigten uns an diesem Nachmittag ausschließlich mit dem Zerfall von W-Bosonen
(Botenteilchen, die grob gesagt dafür verantwortlich sind, dass sich Materieteilchen ineinander
umwandeln können; Angabe ohne Gewähr), um Aufschlusse über die Struktur eines Protons zu
erhalten. Nebenbei wurden wir netterweise mit Süßgebäck und Getränken versorgt.
Am Abend dieses ereignisreichen Tages sollten wir in eigener Organisation im Hostel kochen –
dies funktionierte auch mit mehr oder weniger (eher weniger) Problemen und zeigte, dass wir
nicht nur Spaß an physikalischen, sondern auch an Gourmet-Experimenten hatten (es gab,
nebenbei, Spaghetti mit Tomatensoße, Salat, und den Versuch eines Puddings). Auch diesen
Abend ließen wir nach einem zufriedenstellendem Plenum, in dem die Aufteilung auf die
Workshops am darauffolgenden Tag überraschend schnell verlief, in einer Bar ausklingen, deren
Name „Planwirtschaft“ eine (schöne) Anspielung auf die Vergangenheit der lokalen
Himmelsrichtung (Osten) darstellte.
Der Freitag war mindestens genauso spannend wie der vorherige Tag: den Vormittag
verbrachten wir in Kleingruppen mit verschieden Workshops, die von Doktorand/innen geleitet
wurden. Ich selbst nahm am Workshop „Vertiefende Messungen zum Thema Higgs-Boson“ teil,
welcher von der Doktorandin Constanze betreut wurde und im Vornhinein mein absoluter Favorit
gewesen war, da mich die
Spekulationen über dieses Teilchen nach wie vor neugierig stimmten. Dieses Higgs-Boson wird
irrtümlicherweise öfters als „Gottesteilchen“ bezeichnet und fand im Sommer dieses Jahres
Einzug in viele Pressemitteilungen, da sich CERN-Wissenschaftler nun mit einer recht hohen
Wahrscheinlichkeit sicher waren, dieses Teilchen entdeckt zu haben. Ganz grob umschrieben ist
es ein Teilchen, welches
einen Indiz liefert für das sogenannte „Higgs-Feld“, welches dafür verantwortlich ist, dass alle
Materieteilchen eine Masse besitzen und somit die Gravitation wirkt. Die Existenz dieses Feldes
wiederum wäre eine Bestätigung der Korrektheit des Standardmodells und dadurch ein großer
Erfolg der Physiker (Angaben erneut ohne Gewähr). Auch hierbei untersuchten wir Originaldaten
vom CERN und stellten eine eigene Auswertung über den Higgs-Zerfall auf; das Süßgebäck kam
ebenfalls nicht zu kurz.
Nach dem Mensa-Essen kam für viele ein großer Hohepunkt des Camps: eine Live-Schaltung
zum CERN. Hier stellten uns die Doktorandin Frau Schnoor von der TU Dresden und der
Doktorand Boris Lemmer von der Georg-August-Universität Göttingen (dies war für mich ein
besonderes Vergnügen, da ich im MINT-Camp Hannover 2011 live den Sieg Herrn Lemmers im
Science-Slam miterlebt hatte)
den Kontrollraum des ATLAS-Experimentes (einer der vier großen Detektoren) am CERN vor
und gaben uns lehrreiche Antworten auf unsere Fragen. Anschließend wurde uns von Frau Glück
das Netzwerk Teilchenwelt vorgestellt, welches eine praktische Möglichkeit bietet, mit anderen
Teilchenphysik-Interessenten und -Standorten in Verbindung zu treten sowie an informatives
Material zu gelangen. Sie eröffnete uns sogar die Möglichkeit und somit auch Hoffnung auf einen
Schülerworkshop am CERN, sofern wir vorher entsprechende Voraussetzungen erfüllten.
Danach wurden die Workshops fortgesetzt, wobei wir anfingen, die entsprechende Präsentation
vorzubereiten, da jede Gruppe am nächsten Tag ihren Workshopinhalt vorstellen sollte.
Der nächste Programmpunkt bestand aus dem Besuch des Kultusministeriums Sachsen. Hier
wohnten wir als MINT-Camp-Teilnehmer der Ehrung dreier Preistragerinnen eines
Internationalen Chemiewettbewerbes teil, der exklusiv an MINT-EC-Schulen durchgeführt wurde.
Alle drei stammten von der gleichen Schule und eine von ihnen hatte die volle Punktzahl erreicht
– was neben ihr nur vier
andere Schüler/innen weltweit geschafft hatten! Für mich persönlich war die Pressekonferenz in
der Hinsicht interessant, als dass ich selbst am genannten Wettbewerb teilgenommen hatte und
daher wusste, mit welcher Herausforderung die Preistragerinnen konfrontiert gewesen waren.
Den restlichen Abend hatten wir zur freien Gestaltung zur Verfügung und wir nutzten diesen für
einen Restaurant-Besuch und anschließend der Fertigstellung unserer Workshop-Präsentation.
An dieser Stelle zeigte sich nochmal ganz deutlich ein erheblicher Unterschied zur
Arbeitsmotivation in der Schule, denn wir waren so interessiert an diesem Thema, dass wir über
den Vortrag hinaus noch lange über das Thema diskutierten und uns informierten. Ich möchte
damit nicht sagen, dass dies nicht auch bei einem interessanten Thema in der Schule passieren
kann – dieses tiefergehende Interesse und die ständige Neugier auf mehr Wissen war jedoch
über das ganze Camp hin bei den meisten Teilnehmer/innen verankert und schaffte somit eine
einzigartige Arbeits- und Lernatmosphäre, welches für mich ein wunderbares Erlebnis war.
Dann brach schon leider der letzte Tag des Camps an. In einer gemütlichen Runde, bei der alle
Camp-Teilnehmer, -Organisatoren sowie Wissenschaftler, die u.a. die Workshops geleitet hatten,
anwesend waren, stellten alle Kleingruppen ihre Workshops vor. Neben dem Workshop zum
Higgs-Boson, welchen meine Gruppe erfolgreich vorstellte, erfuhren wir Details über die
Auswertung von Daten vom
CMS-Detektor am CERN, dem Bau einer Nebelkammer zur Messung kosmischer Teilchen,
Experimente zur Astroteilchenphysik und der Entstehung eines Radiobeitrags zum Thema „Wie
arbeitet ein Teilchenphysiker?“. Nach einer weiteren, angeregten, wissenschaftlichen Diskussion
blieb uns nur noch übrig die Feedback-Bogen auszufüllen und uns von allen Camp-Beteiligten
mit großem Dank zu verabschieden. Bevor wir abreisten, hatten einige noch die Möglichkeit, sich
von Johannes Z. das Buchmuseum sowie die Universitatsbibliothek der TU Dresden zeigen zu
lassen.
Insgesamt also in hochspannendes Camp, welches sehr viele Erfahrungen, neue Kontakte,
Informationen und freudige Momente mit sich brachte; die Organisation empfand ich als
regelrechte Meisterleistung. Zum Abschluss meines Berichts möchte ich mein Feedback,
welches auf der MINT-EC-Homepage zu ebendiesem Camp veröffentlicht ist, zitieren:
„Das Thema war genial und es ist einfach eine wunderbare Erfahrung, sich mit Gleichgesinnten
darüber auszutauschen. [...] Ich fand es einfach wunderbar, wie sehr man sich um uns
gekümmert hat unser Interesse wurde toll aufgenommen und man hat sich so viel Zeit und Geduld für uns
genommen
um uns intensiv über das Thema aufzuklären. [...] Danke für dieses Erlebnis!"
Fazit: an diesem Camp wurde ich jederzeit wieder teilnehmen und kann zukünftige Camps an
Interessierte nur empfehlen! :-)
Sebastian Spaniol, 13g/h, Max-Planck-Gymnasium Trier
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
6
Dateigröße
29 KB
Tags
1/--Seiten
melden