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HOFLADEN - BlickPunkt Brandenburg

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Bauforschung
Bauliche Maßnahmen zur Begründung
städtischer Wohnbauten
F 1764
Fraunhofer IRB Verlag
F 1764
Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um die Kopie
des Abschlußberichtes einer vom Bundesmini sterium für
Verkehr, Bau- und Wohnungswesen -BMVBW- geförderten Forschungsarbeit. Die in dieser Forschungsarbeit
enthaltenen Darstellungen und Empfehlungen geben
die fachlichen Auffassungen der Verfasser wieder. Diese
werden hier unverändert wiedergegeben, sie geben
nicht unbedingt die Meinung des Zuwendungsgebers
oder des Herausgebers wieder.
Dieser Forschungsbericht wurde mit modernsten
Hochleistungskopierern auf Einzelanfrage hergestellt.
Die Originalmanuskripte wurden reprotechnisch, jedoch
nicht inhaltlich überarbeitet. Die Druckqualität hängt von
der reprotechnischen Eignung des Originalmanuskriptes
ab, das uns vom Autor bzw. von der Forschungsstelle
zur Verfügung gestellt wurde.
© by Fraunhofer IRB Verlag
Vervielfältigung, auch auszugsweise,
nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Verlages.
Fraunhofer IRB Verlag
Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau
Postfach 80 04 69
70504 Stuttgart
Nobelstraße 12
70569 Stuttgart
Telefon (07 11) 9 70 - 25 00
Telefax (07 11) 9 70 - 25 08
E-Mail irb@irb.fraunhofer.de
www.baufachinformation.de
INSTITUT FOR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUEN,-.4
Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber
Forschung • E nt wick I un g • P Ian u ng
RUF: (0511) 79 60 88 • FERNSCHREIBER: 09-23868 (TECHNISCHE UNIVERSITÄT HANNOVER)
BAULICHE MASSNAHMEN ZUR BEGRÜNUNG
STÄDTISCHER WOHNBAUTEN
Einwirkungen auf Gestaltung, Nutzung und Wohnwert
Forschungsauftrag des Bundesministers
für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau
durchgeführt am:
Institut für Industrialisierung des Bauens, Hannover
Prof. Dr. -Ing. Dr.h.c. Helmut Weber
Bearbeitung:
Prof. Dr. -Ing. habil. Ans elm Eisenblätter
F
D-3000 HANNOVER 21 (HERRENHAUSEN)
POSTANSCHR I FT DES I NST IT U TS: POSTFACH-NR. 21 05 60 FORSCHUNGSGRUPPE A: SCHLOSSWENDER STRASSE 1 . FORSCHUNGSGRUPPE B: BUSSILLIATWEG 24
F OR SC H UN GSGR UP P E C: HEGEBLACH 11 • FORSCHUNGSGRUPPE D: MORGENSTERNWEG 8C
INSTITUT FÜR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber • HANNOVER
SEITE
2
Seite
GLIEDERUNG
7
VORWORT
9
A.
ZUR SITUATION DES "GRÜNS" IM STÄDTISCHEN WOHNEN
1.
Verlust der Landschaft
1.1
Natur und Landschaft
1.2
Umweltbewußtsein
13
1.3
Grünflächenverlust
15
2.
Auswirkungen auf städtisches Wohnen
18
2.1
Wohnumfeld
18
2.2
Wohnwert
20
2.3
Identifikation
22
2.4
Vandalismus
27
2.5
Kriminalität
28
B.
EINSATZ VON "GRÜN" IM WOHNUNGSBAU 29
1.
Klimatische Auswirkungen
29
1.1
Kühlung
29
1.2
Sonnenschutz
37
1.3
Wärmeschutz
40
1.3.1
Winds chutz
40
1.3.2
Regenschutz
44
1.3.3
Luftpolsterdämmung
46
1.4
Staubschutz
46
1.5
Lärmschutz
48
1.6
Sauerstoffversorgung
48
9
9
INSTITUT FÜR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber HANNOVER
SEITE
3
2.
Seite
Begrünung im "natürlichen" Bodenverbund
51
Gebäude- und Wohnformen
52
2.2
Straßenräume
54
2.3
Vorgärten
56
2.4
Eingangsbereiche
58
2.5
Höfe
64
2.6
Spielplätze
70
3.
Begrünung in künstlichen Anlagen
73
3,1
Innengrün
73
3.2
Künstliche Freibereiche
76
3.2.1
Balkone
78
3.2.1.1
Abmessungen
79
3.2.1.2
Verschattung
80
3.2.1.3
Verfügungsfreiheit
81
3.2.1.4
Nachrüstung
83
3.2.2
Loggien
87
3.2.2.1
Abmessungen
87
3.2.2.2
Verschattung
87
3.2.2.3
Verfügungsfreiheit
90
3.2.2.4
Nachrüstung
90
3.2.3
Terrassen
93
3.2.3.1
Abmessungen
95
3.2.3.2
Verschattung , Einblick
97
3.2.3.3
Verfügungsfreiheit
98
3.2.3.4
Nachrüstung
99
3.2.4
Wintergärten
99
3.3
Wandbegrünung
102
3.3.1
Begrünung mit Stützfunktion der Wand 103
2.1
INSTITUT FOR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber HANNOVER
4
SEITE
Seite
3. 3. 1. 1
Begrünung durch Kletterpflanzen
1 03
3. 3.1. 2
Spaliergehölze
111
3. 3.1 . 3
Konstruktive Lösungen
112
3. 3. 2
Begrünung ohne Stützfunktion der Wand
117
3. 3. 3
Lärmschutzwände
119
3.4
Dachbegrünung
124
3. 4.1
Dachaufbau
129
3. 4.1 .1
Dachdichtung
131
3. 4.1 2
Schutzschicht
134
3. 4.1. 3
Drainschicht
136
3. 4.1 4
Filterschicht
138
3. 4.1. 5
Vegetations s chicht
139
3. 4. 2
Auflast
140
0•
Standsicherheit von Gehölzen
145
3. 4. 4
Geneigte Dächer
145
3. 4. 5
Nachrüstung
150
C.
PFL ANZEN
152
1
Pflanzenarten und ihr Einsatz
152
1.1
"Kunstgrün"
152
1. 2
Unkraut
154
1
Npokpnpflan7en
158
Bäume
160
1 . 5
Kletterpflanzen
164
1 • 5. 1
Rankenpflanzen
165
1 . 5. 2
Windepflanzen
168
1 • 5. 3
Wurzelkletterer
170
1. 5. 4
Spreizklimmer
171
1.5.5
Spaliergehölze
172
1.
A 0
•
4
INSTITUT FOR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS • Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber • HANNOVER
SEITE
5
Seite
1.6
Dach- und Trogpflanzen
173
2.
Hilfskonstruktionen
174
2.1
Kletterhilfen
174
2.1.1
Multifunktionale Kletterhilfen
174
2.1.2
Wandgebundene Rankgerüste
180
2.1.3
Freistehende Rankgerüste
183
2.1.4
Materialien
187
2.2
Pflanzbehälter
188
2.2.1
"Kübelkultur''
188
2.2.2
"Trog-Paradies"
191
2.2.2.1
Leichte Tröge
193
2.2.2.2
Schwere Tröge
197
2.3
Brüstungsfunkti on
198
3.
Pflege und Unterhaltung
199
3.1
Was s erversorgung
199
3.1.1
Beregnung
200
3.1.2
Tropfbewässerung
202
3.1.3
Anstau-Bewässerung
204
3.2.
Pflege
208
3.2.1
Arbeitsaufwand
211
3.2.2
Kosten
212
3.3
Schäden
215
3.3.1
Pflanzenschäden
215
3.3.1.1
Straßenbereich
215
3.3.1.2
Vorgarten- und Hofbereich
219
3.3.1.3
Dachgartenbereich
220
3.3,2
Gebäudeschäden
221
3.3.2.1
Fundamentbereich
221
3. 3. 2. 2
Wandbereich
224
3.3.2.3
Dachbereich
225
INSTITUT FOR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS - Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber - HANNOVER
SEITE
6
Seite
D.
LITERATUR
227
E.
STICHWORTE
243
zu weiterführender Literatur
INSTITUT FÜR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS • Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber • HANNOVER
SEITE
7
VORWORT
Die Untersuchung verfolgt das Ziel, städtisches Wohnen vor allem dadurch
wieder menschlicher zu machen, daß Natur in Form von Pflanzen dem
Wohnbereich möglichst direkt zugeordnet und somit wieder bemerkt und beobachtet werden kann.
Selbst geringe gärtnerische Eigenleistungen werden bisher in der Stadt zunehmend unterdrückt - Straßen schieben sich in die Vorgärten, Hinterhöfe
werden zu Parkplätzen. Sogar die Beobachtung natürlicher Vorgänge wie
Jahreszeiten, Wind, Sonnenschein, Regen an Pflanzen wird in vielen Wohnungen
unmöglich. Wer Natur erleben will, muß Ortwechsel auf sich nehmen (Stadtpark, Trimmpfad, Zoo usw.). Im Wohnalltag ist er von ihr abgeschnitten.
Der Mensch in dieser Situation kennt weder die Natur noch seine Position in
ihr. Solcher Identitätsverlust erzeugt oft Vandalismus (Demolierung von
Parks usw. ).
Grün muß auch zum Bewohner einer Geschoßwohnung kommen können und ihn
reizen, gestalterisch oder pflegerisch aktiv zu werden oder ihn zumindest
an Beobachtungen gewöhnen. Das Problem ist nicht mit 3 Blumenkästen auf
dem Balkon zu lösen. Es bedarf konstruktiver und gestalterischer Überlegungen für das gesamte Gebäude und sein Umfeld.
Diese Untersuchung ist in wesentlichen Teilen als Dokumentation angelegt.
Sie ist daher ähnlich einem Nachschlagewerk zu benutzen. Aus diesem Grunde
kann auch nicht ein zusammengefaßtes Ergebnis erwartet werden. Vielmehr
sind die Ergebnisse den jeweils in der Gliederung erkennbaren und programmierten Teilbereichen zugeordnet.
Wenn sich ein Argument als Resümee für nahezu alle Begrünungsmaßnahmen
anbietet, dann ist es die Erkenntnis, daß in fast allen Situationen abstoßende
Wohnumfelder durch Begrünung annehmbarer und damit menschlicher gemacht
werden können. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang, daß der not-
INSTITUT FÜR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber HANNOVER
SEITE
8
wendige materielle Aufwand im Verhältnis zu erzielbaren positiven
Veränderung sich in geringen Grenzen hält. Abgesehen von ausgesprochenen Hochhäusern sind auch fast überall Einrichtungen zur Begrünung nachrüstbar. Wesentlicher als der materielle Aufwand ist die ideelle und praktische Bereitschaft der Nutzer, für eine dauerhafte Qualitätsverbesserung
des Wohnumfeldes durch Begrüngungsmaßnahmen einzutreten.
INSTITUT FÜR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber • HANNOVER
SEITE
A.
9
ZUR SITUATION DES "GRÜNS" IM STÄDTISCHEN WOHNEN
Verlust der Landschaft
Solange man zurückdenken kann, ist die Existenz des Menschen
abhängig von dem Land, von dem er sich direkt durch Jagd,
Fischfang, Ackerbau ernährt. Er ist Teil der Landschaft, wird
von ihr geprägt und prägt umgekehrt die Landschaft. Die alten
Ackerbauerstädte,. wie sie sich heute in großer Zahl noch in Italien
erhalten haben, sind klein, überschaubar, direkt abhängig vom
Landbau und trotz ihrer steinernen Struktur Teil der Landschaft.
In ihnen gibt es kein Grün. Will man Grünes sehen, so ist man
nach wenigen Schritten vor den Mauern in der Landschaft.
Erst das Zeitalter der Industrialisierung mit seiner Spezialisierung und Arbeitsteilung führt zu Landflucht und ungeheurem,bis
dahin nicht gekanntem Wachstum der Städte. Erst durch die Größe
der Stadtkomplexe geht der Kontakt zur Landschaft verloren. Die
Sehnsucht der Menschen nach der Landschaft ist geblieben. Wo
kein Baum mehr wachsen kann, wird einer an die Giebelwand gemalt, quasi als Chiffre für den Verlust.
s. Abb. 1, 2
1 . 1
Natur und Landschaft
Natura bedeutet lateinisch Geburt und im übertragenen Sinne
"natürliche Beschaffenheit", "das Wesen der Dinge", "das
Geschaffene" - also die uns umgebende, vom Menschen nicht
geschaffene und beeinflußte Welt mit ihren Stoffen, Kräften und
Verhaltensweisen. Natur ist somit zu verstehen als die Gesamtheit des unmittelbar Vorhandenen, bevor es eines Menschen Hand
INSTITUT FÜR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS • PROFESSOR DR.-ING. DR. H.C. HELMUT WEBER
SEITE
Abb.
TO
1:
Sehnsucht nach Gran - Pinsel
statt Efeu (Deisterplatz,
Hannover)
Abb.
2:
"Surrogatbäume" aus Strukturputz
(aus: Bauen + Fertighaus 6/80)
•
HANNOVER
INSTITUT FOR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber • HANNOVER
SEITE
11
berührt oder verändert hat (Romano Guardini 1951).
Natur wird sichtbar in der Landschaft. Jeder Landschaft ist
ein "Naturhaushalt" eigen. Aus diesem Naturhaushalt entnimmt der Mensch alle Güter, die sein Leben ermöglichen
direkt:
- Wasser
- Rohstoffe
- Bodenschätze
- Pflanzen
Tiere
indirekt:
- Boden als Träger von Lebewesen
- Luft usw.
immaterielle Güter:
- Schönheit
- Buch
- Erholung uw. (37)
Wird die Natur genutzt, im landwirtschaftlichen Sinne bebaut
(im Lateinischen colere), so kann diese "Kultur" nur dann Erfolg
haben, wenn sie sich den Gesetzen der Natur fügt, also mit ihr
baut, nicht gegen sie. Natur und Kultur bedingen also einander.
Heute scheint ein unverträglicher Gegensatz zwischen Natur und
Zivilisation zu bestehen. Zu fragen ist daher, ob unsere Zivilisation noch Kultur ist. Bernatzky (37) fragt sogar, t ob es heute deswegen so wenig Kultur gibt, weil es nur noch so wenig Natur
gibt". Auf die Dauer kann nur die Natur obsiegen, denn niemand
kann sich des Physis entziehen. Das bewog schon 1951 Guardini
zu der Prophezeihung.
"Die Wildnis in ihrer ersten Form ist bezwungen: die unmittelbare
Natur gehorcht (dem Techniker). Sie kehrt aber innerhalb der
Kultur selbst wieder, und ihr Element ist die Macht. In dieser
zweiten Wildnis haben sich alle Abgründe der Neuzeit wieder geöffnet ... Der Mensch steht wieder vor dem Chaos, und das ist
umso furchtbarer, als es die meisten gar nicht sehen, weil
INSTITUT FOR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber • HANNOVER
SEITE
12
überall wissenschaftlich gebildete Leute reden, Maschinen laufen und Behörden funktionieren". (37) Diese Prophezeihung ist
auf dem besten Wege, sich zu bewahrheiten. Auch der holländische Kulturphilosoph Huizinga pflichtet dem bei, indem er sagt:
"Gott hat die Natur geschaffen, der Mensch die Wüste". (40)
Sehen wir uns die Karstlandschaften des Mittelmeerraumes an
und denken an die Flotten, die aus den geschlagenen Wäldern
von den antiken Weltreichen gebaut wurden, so haben wir das
Gleichnis lebendig vor Augen. Aber auch in den gemäßigten
klimatischen Zonen des Nordens finden wir heutzutage ähnliche
Erscheinungen, allerdings auch Bemühungen, sie zu steuern.
So sind die Prozentsätze der Waldbedeckung einiger nordeuropäischer Länder folgendermaßen gestaffelt:
Finnland
- Schweden
- Bundesrepublik
Deutschland
- EG-Durchschnitt
- Großbritannien
74 %
64 %
30 %
22 %
9 %
(121),
d. h. Großbritannien hat keine Wälder mehr. Es bemüht sich
aufzuforsten. Reichliche Niederschläge bewahrten es vor
mittelmeerischem Schicksal. Dramatische Was sermangelsituationen gab es dennoch in jüngster Zeit.
Die Lage von Großstädten hängt von der Landschaft ab. Die Landschaft diktiert die Verkehrswege. An ihren Knotenpunkten bilden
sich Städte, besonders wenn Fürsten und Pässe mit im Spiele
sind. Die Stadtgründungen unserer Ahnen konnten es sich nicht
leisten, gegen die natürlichen Gegebenheiten zu planen.
Unsere heutigen Städte haben sich von diesen Bindungen freigemacht (40). Könnten wir uns das straflos leisten?
INSTITUT FOR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS • Professor Dr.-ing. Dr. h.c. Helmut Weber HANNOVER
SEITE
1.2
13
Umweltbewußtsein
Die Vorstellungen über den Begriff "Umweltbewußtsein" gehen
auseinander. Erst seit Anfang der siebziger Jahre haben Fragen
des Umweltschutzes in Gesellschaft und Politik Bedeutung gewonnen. Der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen definiert
Umweltbewußtsein mit:
"Einsicht in die Gefährdung der natürlichen Lebensgrundlagen
der Menschen durch diese selbst, verbunden mit der Bereitschaft
zur Abhilfe". (119)
Da Einsichten häufig vermittelt werden müssen, wurde am
29. September 1971 das "Erste Umweltprogramm der Bundes-
regierung " verabschiedet, dessen Ziele unter anderem umfaßt:
-
"Weckung von Umweltbewußtsein in der Bevölkerung.
Unterstützung von Bürgerinitiativen für ein neues Umweltbewußtsein. Aufnahme von Umweltschutzthemen in Unterricht und Berufsausbildung.
-
Das Recht auf eine menschenwürdige Umwelt".
Da mit Umwelt keineswegs nur die natürliche, sondern auch die
gebaute verstanden werden muß, ist daraus abzuleiten, daß an
unseren Schulen neben schon installierten Fächern über Ökologie
auch solche über Wohnen, Wahrnehmen, Gestalten, also über
Architektur,gelehrt werden müssen. Das gibt es zwar schon lange,
z. B. in Finnland; in unserem Lande aber sucht man etwas Entsprechendes vergeblich auf den Stundenplänen unserer Kinder.
Die Schärfung des Bewußtseins gegenüber der gebauten Umwelt
ist deswegen besonders wichtig, weil Schäden aus ihr nur indirekt wahrnehmbar sind und oft genug übersehen werden, was z.B.
bei Luftverschmutzung, Wasserverunreinigung und Lärmbelästigung nicht möglich ist.
INSTITUT FÜR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber • HANNOVER
SEITE
14
Eine Isolierung einzelner Umweltprobleme kann dazu führen,
daß die Belästigungen aus der gebauten Umwelt an Rang verlieren (s .Abb . 3), wenn unter dem Eindruck von z. B. Energieverknappung Zusammenhänge nicht berücksichtigt werden.
Ltrfiaderse:nnutzung an ers ter Ste lle
Frage: Im Umweltschutz gibt es ja mehrere Problembereiche, die nicht alle gleichzeitig angepackt
werden kühnen. Wir möchten deshalb von Ihnen wissen, für wie dringlich Sie die einzelnen
Bereiche erachten und in welcher Reihenfolge Sie die Probleme anpacken würden. Schreiben Sie
bitte in das Kästchen mit dem für Sie dringlichsten Problem eine 1, in das zweitdringlichste
eine 2 usw.
Umfrage 1977
Umfrage 1978
Rangreihe
Mittlerer
Rangplatz
2,8
1 Luftverschmutzung
3,3
2 Wasserverunreinigung
3 Schadstoffe in Nahrungsmitteln 3,9
4,2
4 Lärmbelästigung
4,8
5 Energieprobleme
5,2
6 Abfallbeseitigung
5,6
7 Erschöpfung der Rohstoffe
8 Stadt- und Landschaftsgestaltung 5,7
Abb.
3 (119)
Rangreihe
Mittlerer
Rangplatz
1 Luftverschmutzung
2 Wasserverunreinigung
3 Energieprobleme
4 Schadstoffe in Nahrungsmitteln
5 Lärmbelästigung
6 Stadt- und Landschaftsgestaltung
7 Abfallbeseitigung
8 Erschöpfung der Rohstoffe
2,7
3,3
4,0
4,1
4,2
4,9
5,1
5,7
Nach: Internationales Institut für Umwelt und Gesellschaft (Umfragen in Berlin 1977 und 1978).
Verstärkte Aufklärung tut daher in dieser Hinsicht
Not.
An der
Bereitschaft, allgemein Verantwortung bei der Lösung von Umweltproblemen mitzutragen, scheint es nicht zu fehlen.
s. Abb. 4
90%: Jeder trägt Verantwortung
stimmt stimmt
nicht
(in %) (in %)
Abb, 4 (1.1 9)
Es ist eigentlich nicht Sache
des ejnzelnen Burgers, etwas
gegen die Unrweltvprschmutzung zu tun
23
74
Jeder einzelne hat die Verantwortung, seine Umwelt
zu schützen upd wiederherzustellen
90
7
Ich sehe nicht ein, warum
ich etwas gegen die Umweltverschmutzung tun
sollte, wenn Politiker, Experten und Industrielle
nichts dagegen unter89
nehmen
27
Es bedrückt mich, wenn ich
sehe, daß die wenigsten
Menschen bereit sind, selbst
etwas zur Erhaltung ihrer
Uhrwelt zu tun
76
20
Tauellen oben nach:
Internationaies Institut für Umwelt und Gesellschaft {Umfrage in Berlin 1977},
INSTITUT FOR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber HANNOVER
SEITE
1.3.
15
Grünflächenverlust
Der tägliche Grünflächenverlust in der Bundesrepublik Deutschland beträgt zur Zeit ca. 100 ha (17). In den Jahren 1973/74
sind es sogar 243 ha pro Trag oder 1.687 m 2 pro Minute gewesen (128). Die Städte wachsen weiter, obwohl die Einwohnerzahlen abnehmen. Opfer der Ausdehnung sind vornehmlich Straßenbäume und Grünflächen.
Grünflächen sind biologisch wirksame Flächen im Gegensatz zu
den toten Bau- und Verkehrsflächen. Grünflächen sind Parks,
öffentliche und private Gärten, Wälder, Straßenbäume, landwirtschaftlich genutzte Flächen, Wiesen und Brachflächen (52).
Die Tendenz wächst, die noch offenen oder begrünten Flächen
in den Städten weiter zu "versiegeln". Das bedeutet zunehmend
eine Umwandlung von Vor- und Hausgärten und Hinterhöfen in
betonierte Parkplätze und asphaltierte Wege. Selbst innerhalb
der Grünflächen vermindern die Wege durch Asphalt und Plattenbelege den biologisch wirksamen Anteil dieser Flächen, weil die
Pflege von biologisch aktiven Kieswegen zu teuer ist (96).
Dem beobachteten Trend steht der Wunsch der Stadtbewohner
nach mehr Grün entgegen. Bei diesem Wunsch handelt es sich
nicht um eine rein optische "Stadtverschönerung", sondern um
ein wichtiges Element zur Erhaltung und Wiederherstellung der
Lebens- und Wohnqualität in den Städten (86). Man sollte sich
also keineswegs scheuen, den bisher beanspruchten Platz für
den fließenden und ruhenden Kraftfahrzeugverkehr zugunsten
von mehr Grünflächen zu reduzieren. Diesem Wunsch kann man
aber schwer nachkommen, wenn Böden bereits "versiegelt" sind.
INSTITUT FOR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber HANNOVER
SEITE
16
Die dafür aufgebrachten Investitionen und die zusätzlich aufzubringenden erheblichen Abbruch- und Rekultivierungskosten verhindern das wirkungsvoll. Da dennoch für die Mehrzahl der Bewohner derart H versiegelter" Stadtregionen auch infolge des geringen Wohnungsangebots ein Verlassen unmöglich ist, muß ein
Hauptanliegen dieser Untersuchung darin bestehen, Möglichkeiten
der Begrünung gerade für diese gegebenen und ungünstigen Wohnsituationen aufzuzeigen.
Es ist verkehrt, die kleinen gärtnerischen Eigenleistungen einer
Urbanität zu opfern, zu der man erst mit Hilfe eines Autos gelangen kann, z. B. Orte wie:
-
Fitness - Zentrum
Trimmpfad
Grüngürtel
Freizeitcenter (82).
Die Erfüllung dieser Wünsche ist immer an einen Ortswechsel
gebunden. Die unmittelbare Wohnumwelt ist ungeeignet, diesen
Wünschen Rechnung zu tragen. So kann sie nicht Heimat sein.
Sie bedarf dringend der Änderung, auch wenn diese nur bescheiden sein kann.
Bedingt durch die u naturfernen m Wohnsituationen fehlt vielen
Stadtbewohnern der Sinn für ökologische Zusammenhänge in der
Natur. So ist zwar die Absicht zu-loben, durch sogenannte ÖkoDörfer, Öko -Urlaube und Öko-Parks (119) den Sinn für natürliche
ökologische Systeme bei den Stadtbewohnern publik zu machen
oder wieder zum Leben zu erwecken; dennoch scheint auch hier
die zu dieser Erkenntnismaßnahme notwendige Ortsveränderung
die "Natur" in etwas ähnliches wie einen Zoo zu verwandeln ein Ereignis, das man ein- bis dreimal pro Jahr erlebt und zwangsläufig als Ausnahmesituation begreifen muß. Natur kann nur in der
INSTITUT FOR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber HANNOVER
SEITE
17
alltäglichen Auseinandersetzung begriffen werden. Dazu eignet
sich die unmittelbare Wohnumgebung am besten, selbst wenn
diese Natur "nur" aus "Unkraut" in den Pflasterritzen besteht.
INSTITUT FOR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber HANNOVER
SEITE
18
2.
Auswirkungen auf städtisches Wohnen
2 . 1
Wohnumfeld
Steinberg (71) unterscheidet zwischen einem engeren und einem
weiteren Wohnumfeld.
"Das engere Wohnumfeld umfaßt den Bereich, der ausgehend von
der jeweiligen Einzelwohnung, benachbarte Wohnungen, Gebäude,
Frei- und Erschließungsflächen umfaßt, soweit sie in unmittelbarer funktioneller und visueller Beziehung zur jeweiligen Einzelwohnung stehen. Dazu gehören insbesondere auch die "privat
nutzbaren Außenräume..."
"Unter dem weiteren Wohnumfeld wird der Bereich verstanden,
der notwendig ist, um alle Belange des täglichen Bedarfs in bezug
auf Güter und Dienstleistungen öffentlicher und privater Art in
Wohnungsnähe zu befriedigen. Hierzu gehören neben entsprechenden
baulichen Anlagen auch alle Außenräume, wie öffentliche Spielplätze,
Liegewiesen, Sportplätze, Freibäder, Parks, Spazierwege usw.".
Die Einschränkungen bei der Nutzung des Wohnumfeldes lassen sich
häufig sehr wirkungsvoll bereits im Studium der Hausordnungen
erkennen und dokumentieren. Einige Auszüge solcher Hausordnungen
mögen das verdeutlichen:
unvorsichtiges Begießen der Balkonblumen ist nicht gestattet.
... das sichtbare Aufhängen und Auslegen von Wäsche, Betten
usw. auf Balkonen und aus Fenstern ist unzulässig. Das Aufhängen von Wäsche an Sonn- und Feiertagen im Freien ist ebenfalls nicht gestattet.
INSTITUT FOR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS • Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber HANNOVER
SEITE
19
- In den Gemeinschaftsräumen (Treppenhaus, Keller, Boden)
dürfen Möbel oder sonstige Gegenstände nicht abgestellt werden.
- Im Treppenhaus sollte darüber hinaus jeder unnötige Aufenthalt
der Mieter und deren Angehörigen, Hausgehilfen und Lieferanten
unterbleiben.
- Die Vortüren zu Kellern und Böden sind verschlossen zu halten,
ebenso die Haustür und gegebenenfalls die Hoftür.
- Das Betreten der Außenanlagen außerhalb der Wege und Spielplätze ist nicht gestattet. Kinder sind entsprechend zu belehren, Haustiere von den Anlagen fernzuhalten und Hunde an der
Leine zu führen. Für Beschädigungen der Außenanlagen durch
Familienangehörige ist der Mieter haftpflichtig.
- Das Trocknen der Wäsche darf nur auf dem Trockenboden oder
auf dem dafür vorgesehenen Hofplatz erfolgen.(30)
Obwohl diese Auszüge nur einer Hausordnung entstammen, sind
darin doch nahezu alle Sünden enthalten, die Kommunikation zwischen Mietern und "Wohnbarmachung" halböffentlicher Bereiche
verhindern. Der vollständige Rückzug in die Kleinwohnung ist mit
Sicherheit nicht der Wunsch der Bewohner solcher Wohnanlagen.
Sie haben jedoch keine andere Wahl, als in diesen Wohnungen zu
bleiben oder sich in Einfamilienhäuser "hineinzuträumen". Eine
Alternative des städtischen Wohnens mit der Chance, sich Wohnumfelder tätig aneignen und mitgestalten zu können, wird ihnen
nicht geboten. (29)
Derjenige Anteil der Bewohner, der am stärksten unter diesen
Restriktionen leidet - die Kinder -,hat mit seinen Eltern die geringste Chance, sich diesem Wohnumfeld der Verbote zu entziehen.
INSTITUT FOR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber HANNOVER
SEITE
20
Das Städtebauinstitut berichtet:"Kinderlose Ehepaare und Ledige
sind finanziell eher in der Lage zu bauen als andere. Es sei bedenklich, daß nahezu 80 % aller Bausparer mit mehreren Kindern
erst dann ein Eigenheim erwerben, wenn das älteste Kind, häufig
sogar jedoch das jüngste,bereits schulpflichtig seien." (35)
Es ist müßig, darüber zu streiten, ob Hausordnungen das Funktionsprogramm des Gebäudeentwurfes widerspiegeln,oder ob die
Funktionsprogramme durch die Bauherrschaft mit dem geistigen
Inhalt einer solchen Hausordnung dem Entwurf zugrunde gelegt
werden müßten. Wichtig ist, daß nur Änderungen,sowohl der bestehenden als auch der zukünftigen Wohnumfelder,den Wohnwert
für den Bewohner steigern können.
2.2
Wohnwert
Aus der Qualität des Wohnumfeldes ergibt sich der Wohnwert
einer Wohnung mindestens im gleichen Maße wie aus der Beschaffenheit der Wohnung selbst. Empirische Untersuchungen von Soziologen (129) haben ergeben, daß eine Identifikation mit dem Wohnumfeld von entscheidender Bedeutung ist und eine positive Bewertung der Wohnumgebung - bedingt vielleicht durch günstige soziale
und infrastrukturelle Faktoren, einen kurzen Weg zum Arbeitsplatz,
geringe Entfernung zu Freunden usw. - das Urteil über die Wohnung
günstig beeinflussen kann und über manche Mängel hinwegsehen
läßt. Das Phänomen gilt auch umgekehrt.
Jede Wohnung hat im konkreten Fall einen unterschiedlichen Wohnwert, der das Maß der Kongruenz von Wohnbedürfnis und Wohnungserwartung auf der einen und Wohnungsleistung auf der anderen Seite darstellt. (1)
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21
Zur Wohnungserwartung schrieb Tucholsky:
"Ja das möchtste:
eine Villa im Grünen mit großer
Terrasse, vorn die Ostsee, hinten die
Friedrichstraße, mit schöner Aussicht,
Iändlich mondän
eine Bibliothek und drumherum
Einsamkeit und Hummelgebrumm. (46)
Nun, die Ostsee läßt sich nicht ohne weiteres in die Wohnstadt
zwingen, aber eine ganze Generation von Architekten sah eines
ihrer Berufsziele darin, Siedlungen und Städte ohne Zäune zu
bauen. Der englische Park wurde zum Vorbild für den gepflegten
Kleingarten. So wurden Kitsch und Gestalt, Durcheinander und
Vielfalt, Geschmacklosigkeit und Farbigkeit aus Vorgärten und
Gärten vertrieben. Selbst der soziale Wohnungsbau wurde von
preiswerten englischen Parks umgeben (47). Wer aber pflegt die
Ostsee; wer pflegt den englischen Garten; wer fühlt sich dafür
verantwortlich wie für eine Kleingartenparzelle? Die Öffnung der
Gärten auf diese Weise bewirkt das Gegenteil dessen, was erreicht
werden sollte. Der Grünbereich ist der privaten Verantwortung
entzogen und wird uninteressant.
Auf der anderen Seite gibt es immer noch viele Wohnumfelder,
bei denen ein Grünflächenanteil kaum nachweisbar ist, wie aus
einer im Jahre 1978 durchgeführten bundesweiten Umfrage von
Altstadtquartieren und Blöcken der Gründerzeit hervorgeht. (71)
Rund 57 % der Befragten beklagten sich über die außerordentliche
Dichte der Bebauung. Rund 17 % der Befragten hatten nur 9 %
Freiflächenanteil in ihrem Wohnblock, 31 % nur 14 % Freiflächenanteil.
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22
Ebenso katastrophal sieht es mit Grünflächen in diesen Wohnquartieren aus. Rund 5 % der Befragten hatten keinerlei Grünflächen in ihrem Wohn- und Lebensbereich. 38 % der Befragten
hatten lediglich 9 % der Blockfläche als Grünfläche vorzuweisen.
Häufig bewegen sich diese Flächen zwischen 12 bis 40 m 2 .
Eine Wohnwertsteigerung kann in solchen Fällen nur durch
Schaffung von Freiräumen und Grünflächen durch künstliche, d.h.
konstruktive Maßnahmen erfolgen.
2.3
Identifikation
Jedes Tier braucht sein Revier und kennzeichnet es entsprechend
durch Gesang, Duftnoten, Scheuermarken usw. Auch der Mensch
braucht eine ähnliche Möglichkeit zur Identifikation, um durch die
gefühlsmäßige Bindung, vor allem an die Wohnung als seiner
Mitte der Welt und an das Wohnumfeld als seiner Heimat, feste
Bezugspunkte zu gewinnen. Die in den vergangenen Jahren so
stark propagierte Mobilität des Wohnens ist daher immer äußerst
fragwürdig. Wer sich nicht zu Hause fühlt, ist an einer Verbesserung
der Wohnumwelt wenig oder gar nicht interessiert. (76)
Viele Hochhäuser und Häuserzeilen sehen Iangweilig aus. Endlose
und einfallslose Reihungen führten zu dem Begriff der austauschbaren Architektur. Zur Verdeutlichung der Situation zitiert
Laage (35) ein "Liebeslied" von Scheibner. Es beginnt:
"Der Abend war zu E n de, wir hielten un gere Hände,
ich zahlte unsere Brause und bat sie
'Sag nicht nein, ich bringe dich nach Hause,
wo immer das sein mag' ..."
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23
Sie beschreibt dann den Wohnort:
"Erst kommen die roten Balkons,
dann kommen die gelben Balkons,
dann kommen die blauen Balkons,
dann kommen die grünen Balkons,
dann kommen die braunen Balkons,
dann kommen die roten Balkons,
dann kommen die gelben, die blauen,
die grünen dann kommen die roten Balkons,
die sechste Reihe
acht Reihen von unten und von oben zwei:
Da irgendwo wohn ich ..."
Monotonie schließt Identifikation aus. Die Möglichkeit, im Wohnumfeld immer wieder etwas Neues zu entdecken, muß gegeben sein.
Die Erforschung und Erkundung der Wohnumwelt zu provozieren,
bedeutet, zu einer ständigen Auseinandersetzung mit dieser anzuregen, deren Dialog zur Identifikation führt. Bewußtes Einbauen
von Anlässen zu "milden Konflikten"(Überraschungsmomente, Unerwartetes, was zum Nachdenken anregt, Neugier erweckt ...)
ist wesentlicher, als durch ordnenden Eingriff alle Konflikte verhindern zu wollen. (130)
Da der Bewohner in der Regel nur innerhalb der Wohnung freie Gestaltungsmöglichkeiten hat, diese also an der Fassade oder im
Treppenhaus enden, ist es gerade die Aufgabe des Planers, der
Wohnumwelt einen individuellen Charakter zu verleihen, der zu
Identifikation beiträgt. (1)
Wichtig ist bei solchen Maßnahmen die Wahrung des Maßstabes, die
auch die Größe oder besser Kleinheit einer Wohnung noch erkennen
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24
Abb. 5 + 6:
Phantasie und Wirklichkeit. Kollage über monotoner Wohnstruktur. Versuch zur Identifikation mit der Wohnung
(aus: Mein Eigenheim 80)
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25
läßt. Maßnahmen, wie z. B. die Farbgestaltung im märkischen
Viertei von Berlin, sind in dieser Hinsicht ungeeignet. Wichtiger noch als die direkte Planung eines unverwechselbaren Charakters ist die indirekte, die Möglichkeiten vorsieht, daß die Wohnungsnutzer, die fast nie an der Planung beteiligt sind, jeweils
ihre eignen speziellen Merkmale einer Prägung anbringen können.
Partizipat ion, Mitbestimmung, Selbsthilfe sollten Versuche sein,
die Verfügungsgewalt über die eigene Existenz, das eigene Bewußtsein zurückzuerobern (51). In den meisten Gebäuden des
mehrgeschossigen Wohnungsbaus und der Wohnheime sind derartige Initiativen jedoch nicht vorgesehen oder im Sinne einer zweifelhaften Ästhetik sogar verboten. Dennoch versuchen bisweilen
Bewohner der Uniformität zu entrinnen und schaffen damit sozusagen ein "Dokument des Ungehorsams" wie z. B. an der Balkonbrüstung eines Braunschweiger Studentheimes s. Abb. 7 (89).
Der gestaltende Bewohner soll nicht nur geduldet werden, sondern
notwendig werden zur Fertigstellung seines Wohnumfeldes. Damit
sollte eine Architektur gefördert werden, die dank ihres strukturellen Konzeptes, dank ihrer Unfertigkeit wieder Spielraum schafft
und den falschen Respekt vor Perfektion und Hygiene abbaut, so
daß sich der einzelne Bewohner genötigt sieht, selbst mit Hand
anzulegen. (120) In Wohnumfeldsituationen, in denen wir keine
individuell verursachten materiellen Spuren persönlichen Verhaltens auffinden können, wird nicht gewohnt (132).
Möglichkeiten zur Ansiedlung, Pflege, aber auch Veränderungen
von Pflanzen, geben dem Bewohner besonders vielfältige Chancen, seine Identität mit seiner Wohnung, dem privaten und halböffentlichen Freiraum seines Wohnumfeldes zu dokumentieren.
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26
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Abb.
7:
Identifikation durch sichtbare
Aneignung der Balkonbrüstungen an einem Studentenheim
in Braunschweig
(aus: Mein Eigenheim 80)
Abb. 8:
Kunst und Natur. Der schnell
gemalte Baum wird von der
langsamer wachsenden Natur
(Wein) allmählich ersetzt
(aus: Althaus-Modernisierung 80)
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27
2.4
Vandalismus
"Je weniger Freizügigkeit, je weniger Anschauung der Natur mit
ihren biologischen Prozessen, je weniger Kontaktanregung zur
Befriedigung der Neugier, desto weniger kann ein Mensch seine
seelischen Fähigkeiten entfalten und mit seinem inneren Triebgeschehen umzugehen lernen." (Alexander Mitscherlich)
Von der geschilderten Art der Verkümmerung sind besonders
die Bewohnergruppen betroffen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, also die Hausfrauen, Mütter, Arbeitslosen, Alten,
aber vor allem die Kinder. (120)
Erstaunlicherweise werden in amtlichen Statistiken Personen in
Anstalten, Kasernen und Krankenhäusern der Wohnbevölkerung
nicht zugerechnet. Andererseits gleichen einige Mietwohnungsbauten eher Kasernen als Wohnhäusern und dies in mehrfacher
Hinsicht. Neben der Ähnlichkeit im Aussehen führt die baulichräumliche Ausformung der Freiräume um das Wohngebäude
herum zu derart beschränkten Verhaltensmöglichkeiten, wie sie
den Bewohnern der Kasernen erst durch die institutionell verankerten Verhaltensbeschränkungen eines Reglements auferlegt
werden. (90)
Inzwischen kann man bisweilen sogar feststellen, daß manche
Kasernenanlage von der Jahrhundertwende, wie z. B. die MarliKasernen in Lübeck, mit stark gegliederter Fassade nicht mehr
als 3 bis 4 Geschossen und gebäudehohem Baumbestand rings um
den Exerzierplatz (als Wochenmarkt genutzt) ein erheblich wertvolleres Wohnumfeld darstellt, als sie viele Wohnanlagen der
letzten 20 Jahre besitzen.
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28
Stadtkinder erleben Natur in ihrem Wohnumfeld nur noch als
Kümmerform. Das Grün ist hinter Gittern, nicht zu betreten,
nicht zu berühren, nicht zu verändern. Grün in der Stadt wird
totgepflegt! Wildbewachsene Restflächen, der Kinder liebstes
Spielgebiet, verschwinden als wertvoller Baugrund in der versteinerten Stadt. Kinder wachsen ohne Beziehung zur Natur auf.
"Identitätsveriust aber kann Vandalismus erzeugen: Nachts im
Stadtpark werden Bäume gebrochen und Tulpen geköpft. " (81)
Man sollte daher alle Möglichkeiten nutzen, die Bewohner frühzeitig durch Eigentätigkeit das Werden von Pflanzen und Natur
erleben zu lassen.
2.5
Kriminalität
Aus den Büchern Mitscherlichs (A.) über die Unwirtlichkeit der
Städte, Wachstum, Planung und Chaos geht hervor, daß Kriminalität, Selbstmordrate und Depressionsanfälligkeit in jenen
Stadtteilen weitaus am größten sind, denen der lebende Pflanzenbewuchs mehr oder weniger vollkommen fehlt. (92)
Im Dezember 1978 wurde in Wiesbaden ein Symposion über
"Städtebau und Kriminalität" abgehalten. Experten aus allen
tangierten Disziplinen kamen zu dem Schluß, daß weniger die
Bauformen Ursachen für Kriminalität seien, sondern eher die
Gestaltung und auch der Mangel an Bereitschaft zur Mitgestaltung (Sozialbewußtsein) des Wohnumfeldes. D.h. Wohnkonglomerate an sich müssen keine Begründung für ortsbezogene Zuwachsraten von kriminellen Delikten liefern (22). (131)
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B.
29
EINSATZ VON "GRÜN" IM WOHNUNGSBAU
Klimatische Auswirkungen
Je mehr eine Stadt an Ausdehnung, Dichte und Höhe zunimmt,
desto mehr verschlechtert sich das Stadtklima und entfernt sich
vom ursprünglichen Klima der entsprechenden Landschaft.
Insgesamt ergeben sich folgende Veränderungen, die sich für
das Leben in der Stadt negativ auswirken:
- Erhöhung der Temperatur
- Abnahme der Luftfeuchtigkeit
- Zunahme der Staubpartikel
- Abnahme der Strahlungsmenge
- Zunahme der chemischen Schadstoffe
- lokale Abnahme des Sauerstoffgehaltes
- Zunahme des Lärms
(92)
Der vermehrte Einsatz von Pflanzen in der Stadt ist geeignet,
diese negativen Erscheinungen zu verbessern oder gar auf zu-
heben.
1.1
Kühlung
Mit der zunehmenden Ausdehnung einer Stadt steigt auch ihr
Energiepotential infolge Zufuhr künstlicher Energie und Mangel
an natürlicher Wärmeabfuhr und hohem Wärmespeichervermö-
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30
gen der Gebäude- und Straßenmassen.
Die künstliche Energiezufuhr hat ihre Ursache in den verschiedensten Verbrennungsprozessen. So werden durch diese Prozesse
z.B. in Nordrhein-Westfalen 8, 5 %, in der bebauten Fläche
Westberlins gar 43, 8 % ( Flohn 1970) mehr Energie abgegeben
als in Norddeutschland.
Die Abkühlung durch Wind wird stark herabgesetzt, weil die
Windgeschwindigkeit durch die Gebäude verringert wird. Die
Folge sind Hitzeinseln über den Städten. Sie haben Temperaturerhöhungen im Jahresmittel bis zu 2°C gegenüber dem Umland
zur Folge. Die Tageswerte der Temperaturerhöhung können im
Sommer leicht 10 - 15°C erreichen und übersteigen. (52)
Der Hauptgrund für die Überwärmung der Städte liegt aber im
Fehlen der Vegetation. (70)
Die Kühlwirkung von Pflanzen ist weniger eine Folge ihres
Schattenwurfes, sondern hat vielmehr ihre Ursache im Energieverbrauch der Pflanzen für Verdunstung und andere physiologische Prozesse. Die Vegetation speichert infolge ihrer massearmen Organe so gut wie keine Wärme, so daß sich in Vegetationsgebieten bald ein Strahlungsgleichgewicht einstellt. Die
zugestrahlte Sonnenenergie wird zu 60 - 75 % für die Verdampfung des Wassers innerhalb der physiologischen Prozesse verbraucht. S. Abb. 9 (95)
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31
100% Einstrahlung
Abb. 9:
Kühlwirkung durch Laub
Die Stärke der Kühlwirkung hängt ab von den Laubmassen bzw.
den zur Verfügung stehenden Oberflächen der Blätter. Die Größe
einer Grünfläche ist also weniger entscheidend als die Pflanze,
die darauf steht. So haben Bäume die größte Kühlwirkung, weil
ihre Blattflächen im Durchschnitt 10 mal größer sind als die
von ihren Kronen überdeckten Standflächen. (52)
Die Kühlwirkung der Bäume ist tagsüber am stärksten - der
Rasen kühlt nachts. Die relative Luftfeuchtigkeit, die in den
Städten immer zu gering ist, nimmt wieder mit der Temperaturerniedrigung zu.
In Frankfurt am Main wurde an heißen windstillen Sommertagen
in den nur 50 bis 100 m breiten Wallgrünflächen eine Temperaturerniedrigung bis zu 3,5 o C gegenüber dem Stadtzentrum festgestellt, was einem Anstieg der Höhenlage um 700 m entspricht.
(70)
Andererseits sind durch gegebene bauliche Situationen Standorte
rar geworden, die Bäumen ausreichende Versorgung mit Boden,
Wasser, Licht, Raum gewähren. Aus diesem Grunde ist es
dringend notwendig, auch auf die Bepflanzungen zurückzugreifen,
die zwar erheblich weniger Leistung infolge geringerer Laub-
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32
massen aufweisen, dafür aber auch noch an extremen Standorten
wie Hauswänden und Hausdächern existieren können.
Pflanzenteppiche an Fassaden kühlen im Sommer vor allem dadurch, daß sie zusätzlich zu ihrem physiologischen Energieverbrauch der Sonnenstrahlung auch noch wie eine Lüftungsjalousie
wirken. Gemäß dem hohen sommerlichen Sonnenstand richten
sich die Blätter dieser Rankpflanzen auf und kühlen mit
der durch Verdunstung niedriger temperierten Luft und unter
Ausnutzung der Kaminwirkung zwischen Planze und Gebäudewand. S. Abb. 10
So wird nicht nur das Gebäude klimatisiert, sondern in bescheidenem Umfang auch "Stadtwind" erzeugt. (5)
'14"if
ski;
hoher
Sonnenstand
Luftstrom
Abb . 1 0 :
Kühlung bestrahlter Wände durch Rankgerüste nach Doernach
(aus: Schöner Wohnen 9/80)
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33
Zusätzlich beschattet der Pflanzenteppich die Hauswand und
verhindert so die Aufladung dieses Energiespeichers.
Dieses Prinzip der Kühlung ist so wirkungsvoll, daß es in heißen
Ländern wie z.B. Venezuela sogar für die Kühlung von Industrieanlagen Verwendung findet und infolge seiner Wirtschaftlichkeit
alternative, rein konstruktive Lösungen aussticht, (68)
Abb. 11: Variante 1
Erdwall
Vorteil:
Phasenverschiebung
durch große Spei-
chermasse
Nachteile:
hohe Kosten der
Stützmauern
-
Feuchtigkeitsabdichtung
-
gestörte Dampfdiffusion
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34
Abb. 12: Variante 2
Doppelwand aus
Metallpaneelen,
künstliche Ventilation, Wasser-
berieselung
Vorteil:
gute Wirkung
-
Wartung
Wasserknappheit
-
Kosten
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35
Abb. 13: Variante 3
Rankpflanzen an Rankgerüst
Wasserversorgung aus Regenwassertanks
Vorteile: - geringe Kasten
- keine Wartung
- Ernte von Granatäpfeln ("Parchitas")
Auch bepflanzte Dachflächen tragen zur Kühlung besonders der
Räume bei, die (z.B. Wohnhaus an Garagenkomplex) in direkter
Nachbarschaft über solchen Dachflächen liegen.
Bei einem Trockendach wird der größte Teil des Niederschlags
in die Kanalisation abfließen. Vom jährlichen Niederschlag
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36
(750 mm) wird nur ein geringer Teil (100 bis 150 mm) verdunstet. Dagegen kann der im Durchschnitt 40 cm hohe Aufbau einer
Dachbepflanzung eine Niederschlagsmenge von insgesamt 150 mm
speichern. Die Verdunstung wird bei künstlicher Beregnung auf
über 700 mm jährlich ansteigen. Die dazu nötige Energie wird
der Unterlage entzogen und führt zu niedrigeren Oberflächentemperaturen. Bei der Grünfläche wird der größte Teil der zur Verfügung stehenden Strahlungsenergie für die Verdunstung verbraucht.
Der Unt erschied zwischen den für die Verdunstung verbrauchten
Wärmestromdichten beim Kiesdach und bei dem beregneten begrünten Dach von 50 W/m 2 im Jahresmittel entspricht bei der
Fläche von 1.200 m2 einem Energiestrom von 60 kW. Für ein
ganzes Jahr kommt die erhebliche Energie von 5 x 10 5 kWh zusammen, von der ein großer Teil zu einer weiteren Erwärmung
(Kiesdach) bzw. Abkühlung (begrüntes Dach) der Umgebung beiträgt. S. Abb. :L; (94)
Abgabe der ein gestrahlt en Energie im Jahresverlauf durch Verdunstung (V) und durch
Erwärmung der Lull (L)
Lufterwärmung
150- W/m1
Verdunstung
0
J
F 14/
NO
J FMAMJ J ASO NO
.4v
Begrüntes Flachdach mit Beregnung
Abb. 14:
Flachdach mit K s au !loge
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37
Die Temperatur wird durch die Begrünung ausgeglichen. Statt
Spitzentemperaturen von über 80°C auf dem unbepflanzten
°
Flachdach kann zwischen Erde und Pflanzen mit 50 C weniger
gerechnet werden. Wir erreichen damit eine bis zu 10°C niedrigere Kleinklimatemperatur in der näheren Umgebung. (95)
1.2
Sonnenschutz
Die Sonnenstrahlung bewirkt nicht nur die lästige Aufheizung der
Raumluft, sie wirkt sich auch auf die Oberflächen des Wandund Dachmaterials negativ aus. Temperaturdifferenzen an der
Oberfläche von 50 Grad in wenigen Stunden sind keine Seltenheit.
Das thermische Verhalten der Baustoffe wird ständig auf die
Probe gestellt. Hier muß durch konstruktive Schutzmaßnahmen
wie Bewegungsfugen, Hinterlüftung, Entspannungsschichten,
Sperrschichten, Wärmedämmung, richtige Farbgebung der Fassadenflächen u.a. Vorsorge getroffen werden, um Bauschäden
zu verhindern. (72)
Man hat sich im Bauwesen darauf eingestellt, den Sonnenschutz
fast ausschließlich durch künstliche konstruktive Maßnahmen
herbeizuführen. Da diese Maßnahmen aufwendig und teuer sind,
beschränken sie sich überwiegend auf Dächer (Kiespackung) und
Fenster (Sonnenblenden, Jalousien usw. ). Die übrigen Teile des
Gebäudes aber setzt man den zu Anfang erwähnten Materialtorturen durch Temperatursprünge aus.
Eine ernst zu nehmende Alternative aber stellt der Schatten dar,
den Bäume und direkt am Gebäude rankende Pflanzen werfen.
INSTITUT FOR
SEITE
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38
Besonders Wände und Dächer können durch sie von der "Strahlungslast" befreit werden.
Die drei Komponenten Sonnenschutz, Heizung und Lüftung sind
eng aufeinander bezogen und müssen als Einheit betrachtet werden. Das Ausmaß der Raumaufheizung hängt weitgehend von den
Fenstergrößen ab. Kleine Fenster und große Wandflächen heizen
wenig auf, große Fenster dagegen stark. In früheren Zeiten betrug der Fensteranteil an der Fassade nur ca. 7 %, um 1900
schon 15 %, heute sogar bis zu 90 % (z. B. Verwaltungsgebäude).
(72)
Nach P. Moon setzt sich die Sonnenstrahlung aus folgenden Spektralbereichen zusammen: 4 % ultraviolett
45 % sichtbar
51 % infrarot
Für die Aufheizung bestrahlter Materie ist im wesentlichen die
infrarote Strahlung maßgebend. Einfaches Fensterglas von einer
Dicke von 6 mm hat eine Strahlungstransmission im Infrarotbereich von ca. 82 %. Die eingestrahlte Energie wird von Wänden und Möbeln gespeichert und verbleibt als langwellige Wärmestrahlung im Raum. Dieser Effekt ist im Herbst, Winter und
Frühjahr sehr angenehm und willkommen. Er hilft Heizaufwand
sparen und wird als sogenannter "Gewächshauseffekt" gezielt für
die passive Nutzung von Sonnenenergie eingesetzt. Im Sommer
jedoch führt er zu unerträglicher Überwärmung.
Da laubabwerfende Pflanzen in den Zeiten des häuslichen Ener-
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39
giebedarfs die Sonnenstrahlung passieren lassen, im Sommer
jedoch durch ihr Laub Schatten spenden, ist diese natürliche
"Sonnenschutzanlage" auch für große Fensterflächen im Wohnbereich sehr wirksam und außerdem über die Jahreszeiten
selbstregelnd.
Abb. 15:
Kühlung der stark bestrahlten Südwand eines 4-geschossigen
Hauses in Italien (Alassio) durch Zypressen.
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SEITE
1 . 3
40
Wärmeschutz
Während Pflanzen in der Wärme des Sommers kühlen, indem sie
Sonnenenergie zur Photosynthese verbrauchen, erzeugen sie
nachts und im Winter infolge ihres Atmungsprozesses (Homeostase) Wärme (108, 5). Diese allerdings geringe Wärmeerzeugung
tritt jedoch bezüglich der Wirksamkeit für den Wärmeschutz an
Gebäuden zurück hinter den Phänomenen des Windschutzes, des
Regenschutzes und der Dämmung durch stehende Luftpolster.
Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die wärmedämmende Wirkung von Pflanzen samt ihrem Substrat, die besonders im Bereich der Dächer, z.B. als Grasdach, aber auch
bei Wandkonstruktionen, z. B. aus Grassoden, zur Wirkung kommt.
Die wärmebewahrende Wirkung von immergrünen rankenden
Pflanzenteppichen durch Windschutz, Regenschutz und Luftpolsterdämmung zusammengenommen kann zu einer Energieeinsparung
von 15 - 30 % führen (110).
1. 3. 1
Windschutz
Unseren Vorfahren war es vertraut, sich vor Kälte und stürmischen Winden durch den Einsatz von Bäumen, Sträuchern und
Ranken zu schützen. Pflanzen können die Windströmung ablenken
und die Windenergie durch Umwandlung in kinetische Energie und
Wärme umsetzen.
Der systematische Einsatz dieser Fähigkeiten hat in windexponierten Lagen zu ganz spezifischen Siedlungsformen geführt, wie
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41
Abb. 16:
Schwedisches Bauernhaus mit Grasdach
(aus: Pöttler "A1te Volksarchitektur")
Abb. 17:
Kate auf Amrum, Wetterschutz durch Hecke und Giebelberankung (Althaus)
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42
Abb. 18:
Folienstall mit Berankung auf
Netzen
(FAL Braunschweig)
Abb. 19:
Biohaus, Kassel: Die klimatisier
Außenwand wird aus begrünten und durchwurzelten Säkken mit Substrat gebildet
(Minke)
INSTITUT FÜR
SEITE
INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS
43
Abb. 20:
Windschutzpflanzungen bei
Breedstedt im SöhnkeNissen-Kog
(aus: Luftbildatlas
Schleswig Holstein)
Abb. 21:
Windschutzpflanzungen in Japan
(aus: Architektur ohne
Architekten)
•
PROFESSOR DR.-ING. DR. H. C. HELMUT WEBER
•
HANNOVER
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SEITE
44
z.B. die Pflanzenringe um die Höfe im Sönke Nissenkoog an der
Nordseeküste Schleswig-Holsteins zeigen. (Abb. 20) Ein anderes
Beispiel zeigt den Einsatz von Windschutzpflanzungen in Japan.
(Abb. 21 )
Sehr dichte Büsche bilden einen Windschatten, dessen Wirkungsbereich 10 bis 15 mal so breit sein kann wie die Büsche hoch sind,
wie sich an Schneeverwehungen hinter Hecken und Knicks im Winter gut ablesen läßt. Je winddurchlässiger die Büsche sind, desto
weniger wird die Windströmung abgelenkt, jedoch wird die Windgeschwindigkeit durch die Reibung und durch das elastische Auffangen an den Pflanzenteilen stark reduziert (108).
Die normale Abkühlung einer Außenwand infolge Wärmedurchgang
und Fugenundichtigkeit wird durch den raschen oder langsamen
Abtransport der Wärme an der Außenhülle stark gefördert oder
gemindert. Damit kann durch schützende Pflanzen die Windbeanspruchung von Gebäuden allgemein und zugleich auch die Wärmeabfuhr durch Konvektion stark verringert werden.
1.3.2
Regenschutz
Pflanzen halten nicht nur den Wind, sondern noch zuverlässiger
Regen und Hagel ab. Sie sind außerdem in der Lage, Feuchtigkeit
durch ihre Blätter zu speichern und Wasser auf den Pflanzenoberflächen festzuhalten. Die einander überlappenden Blätter, vor allem von Rankbewuchs, sorgen dafür, daß die Gebäudeaußenwände
nicht durchfeuchtet werden. Durch eine trockene Außenwand aber
bleibt die vorhandene Dämmwirkung voll erhalten. Durchflutete
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Regenschutz der Außenwand durch Berankung nach Doernach
(aus: Schöner Wohnen 9/80)
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Abb. 22:
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Abb. 23:
Luftpolster-Dämmung der Außenwand im Winter nach Doernach
(aus: Schöner Wohnen 9/80)
Luftschicht
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46
Wände hingegen leiten große Wärmemengen ab. Darüber hinaus
wird das Phänomen der Verdunstungskühle wirksam, das dem
Gebäude weitere Wärme entzieht, und zwar im Verbund mit Wind
in besonders starkem Maße.
1.3.3
Luftpolsterdämmung
Immergrüne Rankpflanzen richten im Winter ihre Blätter nach
dem tiefen Stand der Sonne aus. Dadurch werden die Blätter gesenkt und bilden eine direkte Laubwand aus überlappenden Blättern. Zwischen den Blättern und der Außenwand bilden sich zwischen Rankenwerk und ggf. Kletterhilfen stehende Luftpolster aus,
die wärmedämmend wirken. s. Abb. 23
1.4
Staubschutz
Pflanzen können Staub und Schmutzpartikel aus der Luft filtern.
Die Teilchen bleiben an den Oberflächen von Blättern und Zweigen
haften. Der Regen spült sie später ab und schwemmt sie in den
Boden bzw. in die Kanalisation.
Grünflächen mindern die Tragkraft der Luft (besonders Gehölze),
so daß dann die festen Verunreinigungen sedimentieren. In Parks
können dadurch 85 % der Schwebstoffe aus der Luft gefiltert werden, durch Straßenbäume bis zu 70 %. Voraussetzung ist der richtige Aufbau einer solchen Schutzpflanzung, die vor allem durchblasbar, aber auch nicht lückig sein darf. Auch in laublosem Zustand besitzen Schutzpflanzungen noch 60 % der filternden Wirkung.
(52)
INSTITUT
FOR INDUSTRIALISIERUNG DES
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HANNOVER
In Vbereinstimmung damit ergaben z.B. Messungen in Frankfurt,
daß Straßen ohne Bäume eine Luftverschmutzung von 10.000 bis
12.000 Schmutzpartikeln je Liter Luft aufwiesen, während im
gleichen Viertel Straßen mit Baumbestand lediglich eine Verschmutzung von 3.000 Partikeln je Liter Luft zeigten (133).
Messungen in der nahezu baumlosen City von Hamburg im Jahre
1966 ergaben dort einen Staubniederschlag im Jahresdurchschnitt
von 850 mg/qm/Tag. Demgegenüber beträgt vor den Toren der
Stadt, in einigen Wohngebieten am Stadtrand sowie in allen, mehrere Hektar großen Parks innerhalb der Stadt die Staubmenge weniger als 100 mg/qm/Tag. (70)
Zur Minderung des Staubanteiles tragen jedoch nicht nur Bäume
und Sträucher bei, wenngleich sie die höchsten Leistungen aufweisen, auch der relativ bescheidene Pflanzenbestand eines Dachgartens kann noch gute Beiträge dazu leisten, selbst in trockenem
Zustand.
Dagegen hat eine trockene Kiesfläche infolge der geringeren Aufgliederung der Oberfläche und ihrer zumeist höheren Temperatur
im ganzen gesehen keine Filter- oder Sedimentationswirkung für
Staub. Zeitweise wirkt sie sogar als Staubquelle, wenn abgesetztes
Material wieder aufgewirbelt wird. Verglichen mit einem Kiesdach
setzt die Ausführung eines Dachgartens den Staubgehalt am leeseitigen Ende um 10 bis 20 % herab. (94)
Da die Dichte der Staubpartikel in den Großstädten gegenüber dem
Umland mindestens das 10 bis 15-fache beträgt (92), ist für Stadtwohnungen diese Pflanzenleistung von ganz besonderer Bedeutung.
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1.5
48
Lärmschutz
Pflanzen haben wenig Masse, und demzufolge ist ihr Wirk-ungsgrad beim Lärmschutz auch erheblich geringer als etwa der von
Schallschutzwänden oder Erdwällen. Die Lärmdämpfung kann
durch Pflanzen vor allem im Frequenzbereich von 1.000 bis
11.000 Herz bewirkt werden, erreicht aber lediglich Werte zwischen 5 und 15 Dezibel (92).
Schutzpflanzungen gegen Schall haben dennoch unbestreitbar ästhetische und ökologische Vorteile. Die Wirkung ist nur bei dichtbeblätterten, immergrünen Pflanzen, wie z. B. Rhododendron
oder Thuja, gleichmäßig befriedigend (92).
Oft werden Staub- und Lärmschutzpflanzungen gleichzeitig als
Erholungsflächen ausgewiesen. Diese Funktionen vertragen sich
jedoch nicht, denn Lärm und eingestaubte Blätter mindern den
Erholungswert erheblich. "Mehrzweckgrün (70)" kann es daher
in solchen Fällen besonders bei Extrembelastungen nicht geben.
Dennoch ist auch bei Dachgärten und berankten Wänden die Minderung der Lärmbelästigung eine erfreuliche, wenn auch geringe
Nebenwirkung. Infolge Absorption und verminderter Reflexion
kommen auch hier noch Dämpfungen von 2 bis 3 Dezibel gegenüber nicht bepflanzten Dächern und Wänden zustande (94).
1.6
Sauerstoffversorgung
Durch die oxydierenden Verbrennungsprozesse von organischen
Heiz- und Treibstoffen wird im Bereich der Städte und Industrie-
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49
zentren der Sauerstoffgehalt der Luft erniedrigt. NIan liest zwar
immer wieder, daß dieser Sauerstoffverzehr durch die menschliche Zivilisation längst durch Austausch aus den immensen Sauerstoffvorräten der Atmosphäre ausgeglichen werde. Das ist aber
keineswegs so klar, wie es auf den ersten Blick erscheint, da
genügend bekannt ist, daß bei ruhigen Wetterlagen mit geringer
Luftbewegung, bei Inversionen usw. dieser Austausch nur langsam erfolgt und deshalb durchaus lokale städtische Sauerstoffdefizite entstehen können, die gesundheitsschädigende Auswirkungen haben. (92)
So ist z. B. für die Stadt Los Angeles ein Sauerstoffdefizit von 6 %
ermittelt worden. (70)
Hinsichtlich der Produktion von Sauerstoff sind die Städte den
Wüsten dieser Erde gleichzusetzen (s. Abb. 24 ), wobei einige
Städte, wie das obige Beispiel von Los Angeles zeigt, noch erheblich ungünstiger dastehen.
Sauerstoffabgabe verschiedener Ökosysteme (nach Reichle 1970/Hansen 1975)
Ökosystem
Fläghe
(10u km 2)
02-Abgabe
(t/ha/Jahr)
(109 Wahr)
Forsten:
Gemäßtigt «KaIt-Laub«
Koniferen «Boreal gemischt«
Regenwald «Gemäßigt«
Regenwald «Tropisch« und Subtropisch«
Trockenwald «Verschieden«
8
15
1
10
14
26,0
15,6
31,2
39,0
5,2
20,8
23,4
3,1
39,0
7,3
Zwischensumme
48
23,4
93,6
Nicht-Waldland:
Landwirtschaft
Wiesen/Weiden
Tundra-ähnlich
Andere « Wüsten.
Eisflächen
15
26
12
32
15
10,4
7,8
2,6
2,6
15,6
20,3
3,1
8,3
Zwischensumme
Kontinente
100
148
4,8
14,6
Abb. 24:
—
47,3
140,9
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50
Die Vermehrung von Pflanzen in den Städten kann das Sauerstoffdefizit mindern helfen. Von besonderer Bedeutung ist dabei jedoch die Anordnung der Pflanzenbestände in einer Stadt, wie das
Modell von Bernatzky zeigt (s. Abb. .25. (70)
Lu erbesserung detrc Grünflächen
Dunstglocke
t I\
verschmutzte Warmluft
‚e
Bei austauscharmen Wetterlagen zeigt sich die ökologische Wirkung von Grünflächen. Ohne sie (links)
strömt als Folge der aufsteigenden Warmluft der Flurwind in das Stadtzentrum, wo sich ein lief bildet
Grünflächen teilen den Luftkreislauf in zahlreiche kleinere Kreisläufe, reinigen dabei die Luft und geben
kühle, sauerstoffreiche Luft an die angrenzenden Gebiete ab (rechts). Grünanlagen, die sich kreisförmig
durch die Stadt ziehen, sind dabei besonde rs wirksam.
Abb. 25:
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2.
51
Begrünung im "natürlichen" Bodenverbund
Natürlicherweise gedeihen Pflanzen im gewachsenen Boden. Die
Zusammensetzung des Bodens bestimmt die Art der Pflanzen,
die zu diesem Boden passen. Alle Nährstoffe, sowie die Versorgung mit Wasser und Luft werden über die Beschaffenheit
des Bodens geregelt.
In der überwiegend bebauten Umwelt einer Stadt ist natürlicher
ungestörter Boden kaum zu finden. Wenn Boden unversiegelt zur
Verfügung steht, so beschränkt er sich meistens auf schmale
Streifen und kleine Parzellen und ist von überaus schlechter Qua-
lität.
Der verfügbare Boden für Pflanzungen ist abhängig von Siedlungs-,
Gebäude- und Wohnformen. Er findet sich in Straf3enrändern,
in Vorgärten, Eingangsbereichen, Höfen sowie wenigen Parks
und Spielplätzen.
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2, 1
52
Gebäude- und Wohnformen
Für die Verfügbarkeit von Boden, der für Bepflanzungen geeignet
ist, spielen natürlich die Form und Größe des Gebäudes und das
verfügbare Grundstück eine wesentliche Rolle. Als Erinnerungsrest an den in das umgebende Land eingebetteten Bauernhof oder
auch nur die Kate, ist der heute immer noch mit großem Abstand
führende Wunsch der Menschen nach einem Haus zum Drumherumgehen. Die Einfamilienhausstatistik beweist, daß diesem Wunsch,
wann immer möglich nachgegeben wird, auch unter großen finanziellen Opfern, wenn es sein muß. In diesen Fällen ist im umgebenden Garten genug Freifläche für Pflanzen vorhanden. Solche Einfamilienhäuser böten keinen Ansatzpunkt für diese Untersuchung.
Allein die Grundstücke werden immer kleiner, die Grund- und
Geschoßflächenzahlen steigen in den Städten rapide. Die Häuser
müssen zusammenrücken. Dennoch ist das eigene Wohnhaus technisch und wirtschaftlich realisierbar. Die Lösung ist das Reihenhaus oder das heute so stark propagierte Stadthaus. Auch das
Reihen- oder Stadthaus hält genügend begrünbaren und individuell
nutzbaren Freiraum vor und hinter dem Haus bereit. Da es in
der Regel 3 und 4 Geschosse kaum übersteigt, befinden sich
diese Häuser alle noch im Bereich der reichlichen Begrünung
oder könnten diesem Bereich zumindest leicht zugeführt werden.
Die Probleme beginnen bei den mehrgeschossigen Mehrfamilienhäusern. Hier gibt es zwar auch Freiräume manchmal vor und
oft hinter den Häusern, doch sind diese nicht ohne weiteres individuell nutzbar und nur selten sinnvoll begrünt. Die Geschoß-
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53
Abb. 26:
Der Wohnzeilenbau der fünfziger Jahre überschreitet kaum
4 oder 5 Geschosse. Diese Gebäudehöhen sind durch Baumkronen inzwischen erreicht.
(Knoevenagelweg,
Hannover-Hainholz)
Abb. 27:
Der vielgeschossige Wohnungsbau der siebziger Jahre kann
von Baumkronen kaum erreicht
werden (Auf der Horst,
Hannover - Garbs en)
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54
zahlen dieser Gebäude sind gewachsen. Wie kritisch die Situation
ist, zeigt ein Vergleich der neu erstellten Wohngiganten mit den
harmlosen Zeilenbauten der fünfziger Jahre, die früher als verbesserungsbedürftig betrachtet wurden, heute aber nahezu human
gegenüber den neuesten Produktionen angesehen werden müssen
(122). Humaner wirken sie vor allem deshalb, weil ihre Gebäudehöhen mit 4 oder 5 Geschossen immer noch von den Kronen der sie
umgebenden und inzwischen zu voller Höhe herangewachsenen
Bäume gedeckt werden können.
Individuell nicht mehr nutzbare Freiräume treiben die Bewohner
in ihre Wohnungen. Während z. B. die Freizeit an schönen Sommertagen von 75 bis 80 % der Einfamilienhausbewohner im Garten und auf der Terrasse verbracht werden, halten sich nur 25
bis 30 % der Mitbewohner auf dem Balkon auf, wenn sie in der
glücklichen Lage sind, einen solchen zu besitzen (35). In den
Freiräumen rund um die Miethäuser halt sich kaum jemand auf,
man flieht lieber in das ferne Umland der Stadt.
Die vorhandenen öffentlichen und halböffentlichen Freibereiche
und Höfe werden ihren Aufgaben als Erholungsräume und Kommunikationsebenen meist nicht gerecht. Sie sind oft falsch
gestaltet.
2.2
Straßenräume
Öffentliche Räume gewinnen Leben und Interesse, wenn privater
und öffentlicher Bereich miteinander korrespondieren. In den
alten Städten lagen Wohnzimmer, Salons und andere wichtige
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55
Abb. 28:
Ein Baum beherrscht den Platz und wirkt weit in die strahlenförmig auf ihn zulaufenden Straßen ein
(Lichtenbergplatz, Hannover-Linden)
Abb. 29:
Eingegrünte Wohnstraße unter Heranziehung der Vorgartenstreifen (175)
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56
Räume selbstverständlich zur Straße hin. Die Blickbeziehung
zwischen Wohnbereich und Straße war wichtiger als die optimale
Himmelsrichtung. Man wollte sich aus dem Fenster legen und das
Straßenleben verfolgen können (47). Die ursprüngliche Form der
Straße war eine Aneinanderreihung von Hausvorplätzen, die von
den Hausbewohnern genutzt und von ihnen selbst - nicht von Behörden, wie Straßenbau- und Gartenämtern - gepflegt wurden.
(134) Im Mittelmeerraum dienen diese Zonen heute noch dem Arbeiten und Wohnen. Jahrtausende bestimmte die Fußgängergeschwindigkeit Form, Gestalt und Ausstattung der Plätze und
Straßen. Den Geschwindigkeiten der Autos waren diese bewährten
Strukturen jedoch nicht gewachsen. Keiner dachte daran, die Geschwindigkeit der Stadt anzupassen. Man paßte vielmehr die
Stadt der Geschwindigkeit an. (49) Nicht mehr der Mensch, sondern das Auto war zum Maß aller Dinge geworden.
Höhere Geschwindigkeiten beanspruchen größere Sicherheitsabstände, Kurvenradien, Parkplätze usw. In der Folge verschwanden kleine Plätze, Nischen, Vorgärten, Straßenbäume. Die Bewohner wurden von der Straße vertrieben.
Ein wichtiger Schritt zur Wiederwohnbarmachung der Straßen ist
daher die Wiederanpflanzung von Straßenbäumen, auch wenn es
20 bis 30 Jahre dauert, bis die Bäume eine wirkungsvolle Größe
erreicht haben.
2.3
Vorgärten
In vielen Kleinstädten gibt es noch keine durch kommunale Gebiets-
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57
reformen verordneten Gartenämter. Das Erscheinungsbild der
Straßen dieser Städte wird geprägt durch eine Vielfalt von Pflanzen in den Vorgärten und um die Häuser herum. Die Abgrenzungen
durch Zäune, Hecken und Mauern lassen erkennen, daß hier ein
Durcheinander von privaten Entscheidungen über das Wachstum
auf den verschiedenen Grundstücken entscheidet. Die ordnende,
gleichmäßiges Grün ausgießende öffentliche Hand des Gartenamtes fehlt. Dafür bleiben die Lebendigkeit und das bekundete
Interesse der Bewohner erhalten und signalisieren Halböffentlichkeit.
Die Vielfalt der Erscheinung von Freiräumen ist bedingt durch
die Vielfalt der zuständigen Benutzer. Die Differenzierung entsteht durch die Kompetenz der Bewohner, Ideen im eigenen Garten, sei es auch nur ein Vorgarten, zu verwirklichen und sich auf
dieser Basis auch die Zugänglichkeit und Vertrautheit zu Wegen,
Plätzen, Restflächen aufzubauen und mit einem Sinn zu besetzen.
Erst die Verfügung über privaten Freiraum macht die spezifischen
Formen öffentlicher Räume sinnvoll und sozial besetzbar. (114)
Die Reprivatisierung der Vorgartenzone ist selbst da möglich, wo
keine Vorgärten mehr sind, wie Erfahrungen in Holland zeigen.
(76) Hausnahe Pflastersteine werden herausgenommen und Bäume,
Sträucher und Ranken eingepflanzt. "Pflastergärtchen" werden angelegt. Zu diesen Begrünungsaktionen gesellen sich weitere Maßnahmen wie die Bemalung von Straßenmobiliar und das Aufstellen
von Einrichtungsgegenständen vor der Tür.
Die Straße erhält durch die Mitwirkung der Anlieger ihre ursprüngliche Funktion eines kommunikativen Lebensraumes zurück. Das
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58
bewirken Umgestaltung durch Grün, partielle Einengung des Fahrstreifens, Entfernung der Bürgersteige, Anpflanzung von Bäumen.
Bloßes Abstandsgrün zwischen bewegten Häuserzeilen ist unbrauchbar. (96) Notwendig ist die sinnvolle Zuordnung des Grüns
gemäß den mehr öffentlichen (Allee, Platz, Park) oder der mehr
privaten (Vorgarten, Hof) Nutzbereichen.
2. 4
Eingangsbereiche
Haustaren sind meistens verschlossen, weisen ab, sind ggf.
schwer zu finden und höchst kompliziert zu bedienen. Haustüren
sind die empfindlichsten Stellen der Häuser. Sie "regeln ?? den
Zugang, laden ein oder weisen ab. Früher hatte die Haustür ihren Platz im Gesicht des Hauses, meist in der Mitte, zumindest
aber an einem unübersehbaren Ort. Auch die RegeLfunktionen waren
klar zu erkennen, im Frieden war das Fallgatter hochgezogen, die
Zugbrücke herabgelassen, im Kriege umgekehrt.
Abgesehen von diesen klaren kriegerischen, fortifikatorischen
Aspekten hatte und hat der Eingangsbereich aber auch andere
Aufgaben. Man kann hervortreten auf die Straße, in den Garten,
man ist in einem Übergangsbereich, der noch Privatheit ausstrahlen sollte.
Man muß es geradezu als Hohn empfinden, wenn die technischen
Einrichtungen des heutigen Eingangsbereiches - Klingel, Summer,
Türöffner, Gegensprechanlage, Lichtschranken, Alarmanlagen
usw. unter der Bezeichnung " Kommunikationssysteme" zusammengefaßt sind. Das Gegenteil ist der Fall. Kommunikation wird
verhindert.
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59
Abb. 30:
Der hochgelegte Keller trennt das Erdgeschoß vom bepflanzbaren Boden. Die Müllbox dominiert. Die Pergola ist nackt,
der Eingang abweisend.
(Roderbruch, Hannover)
Abb. 31:
Mäuerchen, Hecke, überdachter Eingang und Wein. Der
Eingang ist wohnlich.
(Bunsenstraße, Hannover)
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61
Die Tendenzen, den Straßenraum möglichst homogen zu schließen
und die Erdgeschoßzone maximal auszunutzen, widerstreben den
Versuchen, halböffentliche Bereiche den Hauseingängen vorzulagern. (32)
Ein verhängnisvoller Irrtum wäre es, aus diesen Tendenzen zu
schließen, daß es keinen Bedarf gäbe, sich vor die Tür zu setzen,
einen Teil seiner Wohnung vor das Haus zu tragen, sein Leben
anderen zu öffnen. Es wäre für die Qualität des Lebens in Miethäusern sicher besonders wertvoll, seine Nachbarn, ihre Lebensweise, Hobbys, Sorgen und Freuden kennenzulernen in einer entspannteren Umgebung, als sterile Podeste, Treppenhäuser und
Türen mit Schließautomatik es zulassen. Der Blumentopf auf der
Fensterbank des Treppenpodestes ist ein erstes zaghaftes Überschreiten der Wohnungstürschwelle. (90) Die Fensterbank wird
in Besitz genommen, wird angeeignet, ist nicht mehr anonym.
Beispiele baulicher und pflanzlicher Gestaltung des Eingangsbereiches stammen häufig aus ländlichem Bauen: ein überkragendes
Dach oder ein spezielles Vordach, eine Bank vor der Tür, eine
Pergola, ein Rosentor, flankierende Rotdornbäumchen oder ein
,! Platzbaum II , meist Eiche oder Linde, als wachsende Möbelaussteuer für die kommenden Generationen.
In der Stadt lassen sich nicht ländliche Verhältnisse herstellen,
auch die vorhandene bauliche Situation läßt sich oft nicht ohne besondere Aufwendungen ändern. Hingegen wäre es jedoch möglich,
mit geringem Einsatz Bänke aufzustellen, Pergolen zu bauen und
Versorgungsstreifen für Rankgewächse und Spaliere anzulegen,
ggf. unter Aufreißen eines Streifens vom Bürgersteig. Vorhandene
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62
Stufen können verbreitert und Treppenwangen so ausgebildet werden, daß man sich darauf setzen kann. Bei endlosen Wohnfluchten
kann jeweils ein Signalbaum vor dem Eingang bisweilen Wunder
wirken und zumindest einen besonderen Raum im Freien anzeigen.
Eine Marotte der letzten Architektur-Jahre ist die Anordnung der
Eingangsebene auf Höhe des Sockelgeschosses. Vorbei an Pkw
-Abstelipätzen,Abstelrä.umen,Versoguns-undTrockenräumen
mit kleinen blinden und darüber hinaus vergitterten Fenstern findet die "Einstimmung" auf das Gebäude statt. Man hat das Gefühl,
das Haus durch den Keller zu betreten. (1)
Dort, wo z.B. hoher Grundwasserstänckwegen Sockelgeschosse
mit hochliegenden Kellern anzutreffen sind, sollte man die Anhebung der Wohnebene zeigen und betonen, indem man Podest und
Treppe zur Überwindung dieses Höhenunterschiedes nach draußen
verlegt und einen begrünten Vorbau daraus macht. Das kann durchaus mit anderen Materialien und anderer Konstruktion bewirkt werden. Seit Ralph Erskine' s Umgestaltung des Stadtviertels von
Byker in Newcastle upon Tyne (Großbritannien) hat diese Art von
architektonischer Applikation sich vielerorts angeboten, nicht nur
zur Bereicherung bislang der Wohnblöcke, sondern auch zur Auflockerung neuer Bausysteme, die ohne diese sture Betonkuben geblieben wären (Kopenhagen).
Der Verbund von Leichtbaukonstruktionen für Treppen, Gangways,
Pergolen, Spaliere, Bänke, Lümmelbretter und Pflanzen beinhaltet viele Chancen,vor den Wohnblöcken halböffentliche, besser
halbprivate Zonen zu schaffen.
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63
Abb. 34:
Nachgerüstete Balkone und Laubengänge aus
leichten Materialien geben Begrünungsmöglichkeiten und steigern die Wohnlichkeit des
Quartiers.
Großbritannien, New Byker in Newcastle
(aus Bauwelt 80 Heft 46)
INSTITUT FÜR INDUSTRIALISIERUNG
SEITE
2.5
DES
BAUENS
• Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber •
HANNOVER
64
Höfe
"Haus und Hof" ist eine begriffliche Einheit. (114) Wohnen spielt
sich nicht allein in Gebäuden ab. In der Stadt von heute ist die
Einheit von Haus und Hof weitgehend verlorengegangen. Der Hof
wird in den Wohnbereich nicht mehr überzeugt hinzugerechnet.
Seit der Charta von Athen werden Abstände zwischen Häusern
mehr schematisch als gestalterisch wirksam verordnet. Die im
Prinzip lobenswerte Maßnahme, die mit den engen lichtlosen Hinterhöfen der Gründerzeitwohnquartiere Schluß machen sollte,
führte dazu, daß Baublöcke grundsätzlich aufgelöst wurden. Es
gab keine Höfe mehr; Gebäude hatten kein Vorder- oder Hinterhaus mehr. Der "Vorgarten" ging rund um das Haus. Hofräume
wurden nicht mehr gebildet. Anonymes pflegeleichtes Abstandsgrün (Englischer Garten ohne Landschaft) ergoß sich zwischen
den Gebäuden. Kein Bewohner fühlt sich dafür verantwortlich und
nutzt das Grün auch kaum, selbst wenn Betreten und Ballspielen
nicht verboten sind.
In Wohnsituationen, die über Blockinnenhöfe verfügen, ist eine
Nutzung dieser Höfe zum Wohnen jedoch meist durch eine Vielzahl von hinderlichen Gegebenheiten nahezu unmöglich. Meist
sind solche Blockinnenhöfe abgegrenzt, in München sogar der
dortigen Bauordnung gemäß durch "kommunale Mauern". (31)
Sie teilen das Hofgeviert in kleine Parzellen, und Schuppen, Garagen; Werkstattbauten beanspruchen weiteren Raum, der oft
nichts anderes ist als ein Abstellplatz. Der verbliebene Platz ist
oft noch asphaltiert oder betoniert. Das Spielen ist in vielen Fäl-
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65
len, obwohl die Höfe unattraktiv genug sind, vorn Hauswirt verboten. Gerade Kindern und älteren Menschen mit eingeschränkter Mobilität fehlt dieser Lebensraum.
In den letzten Jahren sind in vielen Städten Initiativen zur Verbesserung des "Wohnklimas" der Hinterhöfe ins Leben gerufen worden. Hannover, Kiel, Darmstadt und München haben Wettbewerbe
zur besseren Nutzbarkeit der Hint erhöfe ausgeschrieben. (2)
Das Stichwort für solche Maßnahmen heißt in München Hoferneuerung. In einem Schwabinger Wohnblock beteiligten sich 70 % der
angeschriebenen 540 Mieter an der Umgestaltung des Hofes. 82 %
hatten zugestimmt. Es wurden Mauern niedergelegt, Bäume gepflanzt, Gärten und Rasen angelegt und Verbindungen zu Nachbarhöfen hergestellt. Die Stadt München fördert seit 1977 solche
Umgestaltungen durch Wettbewerbe und Zuschüsse. Sie übernimmt bis zu zwei Drittel der Kosten. Ein Leistungskatalog setzt
mögliche Eigenleistungen der Mieter oder Eigentümer in Summen
fest, z. B. für Schuttwegräumen, Baumgruben ausheben, Flatten
legen, pflanzen, pflegen usw. (31).
Die Stadt Zürich hat an ihrem Hochbauamt sogar einen Beauftragten für Hinterhofsanierung. Hier wollten Politiker unbedingt etwas
für die Bewohner der Wohnquartiere tun. Das Stadtplanungsamt
schlug eine Fußgängerachse durch mehrere Blockinnenhöfe vor,
die Quartierstraßen, Fußgängerplätze und Naherholungszonen miteinander verbinden soll. In diesem Zusammenhang wurde auch in
Erwägung gezogen, das Durchgangsrecht ggf. durch Baulinien für
Fußgängerwege zu sichern. (20)
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66
Abb. 35:
Aktion der Bewohner gegen die
Versiegelung des Bodens in
Wohnhöfen
(Verein Urbanes Wohnen e.V.)
Abb. 36:
Begrünung von Wohnhöfen durch
Rankgewächse. Der alte Wäschedraht dient als Rankgerüst.
(aus: Althaus-Modernisierung 80)
INSTITUT
FÜR
SEITE
67
INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS PROFESSOR DR.-ING. DR. H.C. HELMUT WEBER
Abb. 37:
vorher
Abb_ 38!
nachher
Abb. 37 + 38:
Beispiel einer Wohnhof-Begrünung in München-Schwabing
(Verein Urbanes Wohnen e. V. )
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69
Abb. 41:
Kleingarten-Begrünung statt "Sozialgrün". Persönliches Engagement statt Gleichgültigkeit
und ggf. Vandalismus
Mannheim-Herzogenried
(Gemeinnützige WohnungsbauGesellschaft Mannheim)
Abb. 42:
Balkons: uniform, ungeschützt,
zu hoch gelegen. Das "Sozialgrün" kann nicht sichtbar in
Besitz genommen werden.
(Leineweg, Hannover-Garbsen)
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70
Spätestens bei dieser Maßnahme muß man sich fragen, ob damit
nicht mehr zerstört als geheilt wird. Man sollte eher versuchen,
einen möglichst intimen Hofbereich zu schaffen und die Öffentlichkeit auszuschließen. "Soziales Gewebe" läßt sich nicht implantieren, es muß wachsen können. Vorrangig sollten darum die Bedingungen für dieses Wachstum verbessert werden. Das geschieht
sicher nicht durch radikale Umfunktionierung der bisherigen Höfe
in sogenannte "Kommunikationszentren". Kommunikation kann erst
zustandekommen, wenn Verantwortungen zu vertreten sind. Es
sollte daher die Regel und nicht die Ausnahme werden, daß vor
den Erdgeschoßwohnungen kleine private Gärtchen liegen, "in denen Kinder nicht zu Kletteraffen erzogen werden, sondern in denen
sie probieren können, wie etwas wächst. Welcher Traum ware es
für manchen Geschoßbewohner, wenn er 30 oder 40 qm Gärtchen
mit einer Butze von 5 qm hinter dem Haus hätte. Der Kontrast
zwischen öffentlich zugänglichen Flächen, das sich Darstellen der
einzelnen Menschen gegenüber der Öffentlichkeit ist es, was die
Stadt mit Leben erfüllt." (47)
Höfe bieten in der Stadt die Chance des privaten Naturerlebnisses,
der Identifikation mit dieser Natur und der Erziehung zur Bereitschaft, diese zu verteidigen. Gärten mit Bepflanzung freier Wahl
sind daher von besonderem Wert, obwohl man nicht vergessen
sollte, daß nur Vorgärten und Höfe die Möglichkeit lassen, Bäume
und hochkletternde Rankgewächse mit ausgedehntem Wurzelwerk
zu beherbergen, die in Trögen und Pflanzkästen nicht genügend
Lebensraum fänden.
2.6
Spielplätze
Spielplätze zu jedem Wohnblock sind eine Erfindung des modernen
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71
Städtebaus. Sie erklären sich aus den Verhältnissen in den Mietskasernen der Gründerzeit ohne Licht und Luft. Davon hat die
Charta von Athen inzwischen genug beschert. Doch damit ist das
Naturerleben für Stadtkinder nicht intensiver geworden. Sie erleben die Natur als Kümmerform, vorwiegend als Repräsentationsgrün.
Wunschvorstellungen frustrierter Erwachsener vom problemlosen
Leben in einer unverfälschten heilen Natur sind der Grund für die
Schaffung von "Robinsonwelten" und "Westernlandschaften" . Palisadentreppen ersetzen Berge, Asphaltflächen das Gras, Sandkästen den Meeresstrand, Stahlrohrgerüste die Kletterbäume, Wippen die umgestürzten Baumstämme, Schaukeln die Schlinggewächse,
Rutschen den Steilhang. (81) Wo aber spielen Kinder am liebsten?
Auf freien unbebauten Grünflächen, in den Wohnstraßen, an den
Hauseingängen, zwischen den Autos, in Bäumen usw. Spielplätze, Environments und Klettergeräte stehen meist leer.
(96)
Auf den geplanten Spielplätzen bleibt von echter Vegetation oft nur
das Dorngesträuch als dekorative Einfassung hinter dem Jägerzaun
übrig. Anstatt die spärlichen Waldreste im Stadtgebiet mit verwilderter Vegetation als abenteuerliche Spielgebiete zu erhalten,
werden sie mit Palisadenforts und hölzernen "Indianerzelten" präpariert. (81)
Notwendig sind Freiflächen, die wirklich für Kinder auch frei nutzbar sind. Nur wer erlebt hat, welche Trauer unter Kindern in
einer Wohnsiedlung ausbricht, wenn das einzige freigebliebene und
von Wiesenkräutern und Unkraut überwucherte Baugrundstück, das
ihnen jahrelang als geliebtes Refugium (Spielplatz? ) gedient hatte,
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72
schließlich doch bebaut wird, kann den Wert ermessen, den "naturüberlassene" Freibereiche für das Spiel der Kinder haben.
Naturspielplätze brauchen keine Einrichtung, sie brauchen Pflanzen robuster Natur, hohes "Unkraut", Sträucher, Kletterbäume,
robuste Obstbäume alter Art (nicht empfindliche Hochleistungsgewächse für Obstplantagen) und warum nicht auch einen modrigen
flachen Tümpel.
INSTITUT FÜR INDUSTRIALISIERUNG
SEITE
DES
BAUENS
• Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber •
HANNOVER
73
3.
Begrünung in künstlichen Anlagen
3.1
Innengrün
Ein Blumentopf auf der Fensterbank ist wohl die verbreitetste,
wenn auch unvollkommenste Methode, natürliches Grün in den
Innenraum zu bringen. Pflanzen brauchen zu ihrer Existenz Licht,
also ist die Fensternähe der einzig mögliche Standort, wenn man
von reinen Kunstlichtanlagen einmal absehen will.
Am Fenster häufen sich bauphysikalische Probleme. Es wird vorwiegend nach technischen Gesichtspunkten wie Licht-, Luft-,
Wärme- und Lärmdurchlässigkeit beurteilt. Die Frage, wann
Fenster als "Energielöcher" und wann sie als "Sonnenkollektoren"
fungieren, ist erst seit der Ölverknappung bedeutsam geworden.
Die Architektur der letzten Jahrzehnte hat mit einem an dieser
Frage nicht orientierten "Glasbaustil" geradezu einen Kult betrieben. Fenster sind nicht nach menschlichen Bedürfnissen geplant und gebaut worden. Das Gegenteil war der Fall. Infolge fehlender Sonnenschutzvorrichtungen einerseits und mangelhafter
Wärmedämmung andererseits war das Raumklima oft jenseits
der Behaglichkeitsgrenzen. (77)
Weniger noch als die Menschen vertragen Pflanzen solche Extremklimata. Nicht nur die vielen Blumentöpfe, sondern auch die vielen
unvollkommenen Blumenfenster, bei denen ohne Einbaumöglichkeit
für die Pflanzenwanne nur eine etwas verstärkte Fensterbank ohne
Unterbau nach außen vorspringt, während drinnen Radiatoren der
Zentralheizung trockene Heißluft zu kunstvoll drapierten Gardinen
emporschicken, sind "Pflanzenmarterkästen" (101). Dennoch ist
diese unvollkommene Möglichkeit zugleich auch oft die einzige, um
Grün in die Wohnung oder in das Fenster zu bekommen. Selbst das
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74
zuvor genannte leicht vorkragende Blumenfenster scheitert meist,
weil es sich um eine nachträgliche Änderung der Hausfassade
handelt, die auch bei privatem Wohneigentum von der Baubehörde
genehmigt werden muß. Bei Mietwohnungen ist die Zustimmung
des Hausbesitzers einzuholen, die meist verweigert wird, obwohl
eine richterliche Entscheidung schon 1956 unter Berufung auf das
Grundgesetz feststellte, daß diese Genehmigung nur aus wichtigem
Grund versagt werden darf, denn:
"Das Recht auf Dasein und Entfaltung der Persönlichkeit beinhaltet auch die Befugnis zu einer gemütlichen, Ruhe und Entspannung
vermittelnden Wohnung. Dazu gehört nicht zuletzt ein Blumenfenster." (101)
In Großraumbüros, Empfangshallen, Kliniken, Schulen, Restaurants, Kantinen usw. werden in den letzten Jahren Innenräume zunehmend begrünt. (28) Die Verbreitung in diesen öffentlichen Räumen ist vor allem dem System der Hydrokultur zu verdanken,
d. h. die Pflanzen wachsen nicht in Erde, sondern in Nährlösungen.
Die hohen Gestehungskosten und die niedrigen Unterhaltskosten 70 % niedriger als bei Erdkulturen - prädestinieren die Hydrokultur für öffentliche und halböffentliche Gebäude. (141)
Der Einsatz solcher Systeme im Wohnbereich scheint dagegen weniger sinnvoll zu sein, weil hier die hohen Beschaffungskosten abschrecken und Pflege bzw. Unterhaltung eher als befriedigende
Tätigkeit, denn als Arbeitszeit fressende Faktoren beurteilt werden. Auch sollte von vornherein die Konzentration des Wohnens
allein auf den Innenraum einer Wohnung nicht noch dadurch gefördert werden, daß auch die Natur sozusagen "unter der Käseglocke als Konsumartikel säuberlich abgepackt" gehandelt und ver-
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75
standen wird. Wohnen sollte den Innenraum sprengen. Das Grün
sollte draußen aber allezeit sichtbar bleiben und Wind, Wetter,
Jahreszeiten stets verläßlich signalisieren. In öffentlichen Großräumen ist das oft nicht möglich, in Wohnbereichen aber sollte
dieser Zustand mit aller Macht erstrebt werden.
Abb. 43:
Der Miniaturbaum auf dem Fensterbrett kann die Natur auf der
anderen Seite des Fensters nicht ersetzen
(Bonsai-Kiefer) aus: Zeit-Magazin 80)
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3.2
76
Künstliche Freibereiche
Der Wohnwert einer Wohnung wird in besonders hohem Maße von
einer direkten Verbindung zum privat geprägten Freiraum bestimmt. Diesem Ideal kommt die ebenerdige Wohnung mit Zugang
zum Garten am nächsten.
Im Stockwerksbau gibt es eine direkte Verbindung der Wohnung
mit dem Freiraum nur in der Form von Balkonen, Loggien oder
Terrassen. Diese künstlichen Freibereiche sind nur selten so bemessen und ausgestattet, daß sie einen brauchbaren Ersatz für
den "verlorenen Garten" bieten können. Dennoch ist es ein besonders erfreuliches Ergebnis, daß heute Wohnungen ohne Balkon
oder Terrasse nur noch schlecht zu vermieten sind, der Anspruch
auf direkten Zutritt zu einem Freiraum also inzwischen eine
Standardforderung ist. Im sozialen Wohnungsbau galten anfangs
solche Freibereiche als überflüssige Verteuerung.
Die Gründe hierfür sind meist in der ungünstigen Bewertung
bei der Wohnflächenberechnung nach DIN 283 zu suchen,
wo unter Ziffer 2.23 festgelegt ist, daß Balkone, Loggien und gedeckte Freisitze nur mit einem Viertel der Grundflächen angesetzt
werden dürfen.
Abb. 44: Einsamer Begrünungsversuch am Studentenwohnheim in
Hannover-Herrenhausen
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77
Der Wert künstlicher Freibereiche für die zugeordnete Wohnung
hängt im wesentlichen von folgenden Faktoren ab (142):
gute Orientierung zur Sonne und Aussicht
- richtige Lage zu benachbarten Wohnungen und Bauten
- gute räumliche Beziehung zu den angrenzenden Wohn-,
Arbeits- und Schlafräumen
- ausreichende Abmessungen
-
Einhaltung guter Tageslicht- und Besonnungsverhältnisse
in angrenzenden Räumen
- ausreichender Schutz gegen Einblick und akustische
Belästigungen
Schutz vor Niederschlägen, Wind, Sonne
- Schutz vor einseitiger Abkühlung (Zugerscheinungen)
wirtschaftliche, schadenfreie Konstruktion.
Viele der hier aufgeführten Wertfaktoren lassen sich häufig nur
durch überlegten Einsatz von Pflanzen realisieren. Daneben sind
ausreichende Abmessungen ein Kardinalkriterium, weil künstlich
geschaffene Freibereiche nur dann für die Erholung einen Sinn haben, wenn sie ausreichend Platz nicht nur für verschiedene Erholungsaktivitäten, sondern auch für die Pflanzung von Grün bereithalten. So geben denn auch bei Befragungen nach Beanstandungen
die Mieter zu hohen Prozentsätzen an, daß die Freiflächen zu klein
wären. (105)
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3.2.1
78
Balkone
Balkone sind Freiraum-Wohnflächen, die keinen direkten senkrechten Himmelslichteinfall haben; der nächsthöhere Balkon bildet jeweils das Dach. Im allgemeinen kragt der Balkon frei aus
oder ist teilweise eingezogen.
Abb. 45:
Die reiche Gliederung älterer Fassaden gewährleistet auch
ohne Begrünung Wohnidentität
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79
3. 2.1 . 1
Abmessungen
Häufig sieht man nutzlose Balkonfragmente von nur wenigen Zentimetern Tiefe an Neubaufassaden kleben. Diese sogenannten
"FensterputzbaIkone m haben ihren Ursprung in Bestimmungen,
die u.a. festlegen, daß ein Balkon, der weniger als 1,40 m
tief ist, bei der Berechnung der Quadratmeter-Miete nicht berücksichtigt werden darf, während Balkone, deren Tiefe über
diese Grenze hinausgeht, bis zu 50 Prozent in die Mietkalkulation
einfließen können,
(3)
Die Mindestgröße eines Balkons ergibt sich aus Wohnungsart und
Balkonfunktion wie: Wohnen, Arbeiten, Schlafen, Aufenthalt für
kleine Kinder. Die Abmessungen sind daher ableitbar von Platzbedarf für Sitzgruppen, Liegestuhl, Kinderbett, Kinderwagen.
Die entsprechenden funktionsorientierten Untersuchungen berücksichtigen auch noch entsprechende Verkehrszonen; Zonen für die
Begrünung, also das Deponieren von Pflanzkästen usw. werden
nicht ausgewiesen. (s. Abb.46 ) (43)
Dabei dürften die o. a. Erholungsaktivitäten und die Begrünung vom
Platzangebot einander ausschließen; das Gegenteil muß angestrebt
werden, denn Begrünung und Erholung bedingen einander. Auch
ist die Pflege von Pflanzen eine sehr bedeutsame Erholungsaktivität.
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80
0
180
190
Sitzgruppe
Sitzgruppe
210
Liegstuhl
0
4-- 80 —*Kinderbett
Abb. 46:
250
Kinderwagen
M ndestgröBe
Bei der Herleitung von Balkonabmessungen werden Begrünungszonen nicht berücksichtigt.
Die herkömmlich ermittelten Mindestmaße für Balkons betragen
somit 1,50/2,50 m.
3.2.1.2
Verschattung
Von besonderer Bedeutung ist die Balkontiefe, die einerseits die
Nutzungsmöglichkeiten erhöht, andererseits aber zur Verschattung der im Untergeschoß liegenden Wohnung führen kann. Ohne
den Nachteil der Verschattung werden Balkontiefen bis zu 2 m
gebaut. (103)
Eine gute Möglichkeit, die vorhandene Nutzfläche des Balkons voll
zu nutzen und zusätzlich Raum für Anpflanzungen zu schaffen,
ohne daß dabei Verschattung eintritt, bietet der Einsatz von abgeschrägten Pflanztrögen, die zugleich als Balkonbrüstung Verwendung finden. (s. Abb. 47 )
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81
Abb. 47:
Abgeschrägte Pflanztröge
als Balkonbrüstungen vergrößern den Lichteinfall
Eine weitere Möglichkeit, die Balkontiefe ohne Verschattung zu
vergrößern, besteht in dem teilweise Einziehen des Balkons in
die Wohnräume. Diese Maßnahme geht allerdings zu Lasten der
Wohnraumgröße und macht wegen des erhöhten Außenwandanteiles höhere Wärmedämmungen erforderlich.
3.2.1.3
Verfügungsfreiheit
Ebenso wie bei seiner Wohnung darf der Mieter auch von seinem
Balkon nur vertragsmäßigen Gebrauch machen. Dabei handelt es
sich vorzugsweise um Nutzungseinschränkungen, die oft nicht im
Mietvertrag, sondern in der Hausordnung festgelegt sind. Zugunsten der Erhaltung einer einheitlichen Fassade um jeden Preis
ist es zumeist verboten, Wäsche zum Trocknen auf den Balkon
zu hängen, obwohl jeder Mittelmeer-Reisende von den malerischen
Aussichten der dortigen Straßenfronten schwärmt, die ohne Wäsche
gar nicht denkbar sind.
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82
Verboten ist alles, was für die Nachbarn und die Straßenpassanten
ein Ärgernis oder eine Gefährdung werden könnte, also z.B. laut
spielende Kofferradios, rauchende Grills, lärmende Gäste usw.
Nach § 117 OWiG können Ordnungswidrigkeiten Geldbußen bis zu
DM 10.000, -- nach sich ziehen. Diese Verhaltensmaßregeln sind
in § 157 BGB festgelegt. Danach "bestimmt sich der Gebrauch
eines Balkons nach Treu und Glauben unter Berücksichtigung der
Verkehrssitte." (3)
Balkons sind dem Wohnbereich angegliedert. Dennoch hört das
Recht auf individuelle Gestaltung an der Balkontür auf. Die Gestaltung der Hausfront ist Sache des Eigentümers, d.h. Balkonbrüstungen dürfen z.B. nicht nach eigenem Geschmack des Mieters gestrichen werden. Für die innere, von außen nicht sichtbare Gestaltung ist alles erlaubt, was nicht in die bauliche Substanz eingreift.
Freie Hand haben Mieter zumeist auch in der Bepflanzung des
Balkons. In seltenen Fällen sind einheitliche Bepflanzungen vorgeschrieben. Eine solche Auflage bekommt vor allem dann Sinn,
wenn Wohnungen von "Pflanzenmuffeln" bewohnt werden. Jeder
kann in Wohngebieten immer wieder feststellen, wie neben verschwenderisch blühenden, zu kleinen Paradiesgärtchen ausgelegten Balkonen ganze Reihen völlig ungenutzter kahler B alkone
den Anblick einer Hausfront erheblich mindern. Nicht die Gleichförmigkeit der Bepflanzung soll gefördert, sondern die Kahlheit
bekämpft werden. So ist auch in den meisten Fällen, in denen
Mieter für ihre Geranien vor Gericht gezogen sind, diesen recht gegeben worden; denn Balkonbepflanzung gehört zum Mietgebrauch.
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83
3.2.1.4
Nachrüstung
Altbauten verfügen nur in seltenen Fällen über Balkone oder andere künstliche oder gar natürliche Freibereiche. Eine Nachrüstung von Balkonen wäre also besonders wirksam für die Anhebung des bisherigen Wohnwertes. Grundsätzlich ergeben sich
zwei Möglichkeiten: das Anbringen von Konsolen mit Balkonplatten und das Vorstellen von Balkongerüsten.
Abb. 48:
Nachrüstung von
Balkonen. Aus dem
Fenster wird eine
Fenstertür,
(Heimathilfe gemeinnützige Baugenossenschaft e.G.,
Würzburg) (175)
Die Montage von Konsolbalkonen ist in starkem Maße abhängig
von Zustand und der Tragfähigkeit der vorhandenen Außenwände.
Die Konsolen müssen mit Schwerlastankern befestigt oder noch
besser verbolzt werden. Die Balkonlast wird beschränkt sein, und
auch die Balkontiefe wird 1 m kaum überschreiten, wenn übermässig hoher konstruktiver Aufwand vermieden werden soll. Nach Abbruch einer Fensterbrüstung kann eine Balkontür (Fenstertür)
eingesetzt werden. (s. Abb. 48)
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84
Der vorgeständerte Balkon hat den Vorteil, daß er in das vorhandene bauliche Gefüge nicht eingreift. Er trägt seine Lasten auf
eigene separate Fundamente ab und braucht die vorhandene Aussenwand lediglich als Kippsicherung und ggf. Aussteifung zu beanspruchen. Die Balkongrößen können ausreichend bemessen werden, da Kragmomente nicht auftreten.
Für die Konstruktion können sowohl Holzskelette als auch Stahlskelette herangezogen werden. In beiden Fällen bietet sich der
Einsatz von Baugerüsten an. Die Freiheit des vorgeständerten
Systems läßt vielfältige und phantasievolle Lösungen zu, die monotone Mietskasernen in ansprechende und individuelle Gebäude
verwandeln können. Dies Prinzip der getrennten Konstruktionen,
das u. a. von Erskine (s. B 2.4) in großem Stil angewendet wurde,
hat auch bei neuen Bausystemen u. a. in Dänemark dazu geführt,
daß betont schlichte, aber rationell gefertigte Betonkuben mit ergänzenden, meist hölzernen Vorstellsystemen (Balkons, Loggien,
Treppen, Dächer, Tröge) gekoppelt werden.
Der Einsatz von vorgestellten Balkonen ist auf 3 bis 4-geschossige Gebäude beschränkt. Er ist stark abhängig von dem Freiraum,
der am Sockel des Gebäudes vorhanden ist. An der Hof- oder Gartenseite sind die geringsten Schwierigkeiten zu erwarten. Dort
bietet sich auch die Nutzung der Balkonständer als Rankhilfe an
für Pflanzen, die sich noch aus dem "natürlichen Erdboden' des
Hofes oder Gartens versorgen und mehrere Geschosse klettern
können. (s. Abb. 51)
Auf der Straßenseite läßt sich aus der Not eine Tugend machen,
wenn das Erdgeschoß, wie häufig üblich, als Laden oder Geschäft
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85
Abb. 49 vorher
Abb. 50 nachher
Nachrüstung von Balkonen durch Vorständerung
(Heirnathilfe gemeinnützige Baugenossenschaft e G.
Würzburg), (175)
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86
genutzt wird. Es liegt dann nahe, das Basisgeschoß des vorgeständerten Balkonsystems als Arkade auszubilden. Darauf kann
sich eine wegen der Belichtung gestaffelte Balkonlandschaft mit
vielen Begrünungsmöglichkeiten aufbauen. Dadurch wird auch ein
besonderer Schutz vor dem Verkehrslärm erreicht. (s. Abb. 52)
Abb. 51:
Vorgeständerter Balkon
auf der Hofseite
Abb. 52:
Vorgeständerter Balkon
auf der Straßenseite
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87
Alle vorgeständerten oder nachträglich mit Konsolkonstruktionen
ausgeführten Balkone haben gegenüber durchlaufenden und auskragenden Stahlbetonplatten den großen Vorteil, daß sie keine
Kältebrücken bilden.
3.2.2
Loggien
Loggien sind Freiraumwohnflächen, die wie Balkone keinen direkten senkrechten Himmelslichteinfall haben und außerdem noch
seitlich geschlossene Wände aufweisen. Für die Begrünung und
die Plazierung von Pflanzkästen eignet sich hier allein die Brüstungszone.
3.2.2.1
Abmessungen
Prinzipiell ist eine Loggia bezüglich der Nutzung einem Balkon
gleichzusetzen. Seine Mindestabmessungen von 1, 50 m Tiefe und
2, 50 m Länge sollten daher auch für die Loggien gelten,
3.2.2.2
Verschattung
Auch hinsichtlich der Verschattung gilt wie beim Balkon eine begrenzte Raumtiefe. Die Verschattung ist allerdings bei der Loggia
zusätzlich noch dadurch größer, daß auch in horizontaler Ebene
zur Fassade schräger Lichteinfall durch die Seitenwände der Logfia verhindert wird. Diesem Nachteil steht der Vorteil gegenüber,
daß die Seitenwände Schutz vor nachbarlicher Einsicht und Geräuschen sowie vor Wind bieten.
INSTITUT
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88
Abb. 53 + 54:
Die Wirkung von Loggien und
Balkonen ist stark abhängig
von der Initiative der jeweiligen Nutzer, Diese Loggien befinden sich an benachbarten Häus ern
(Auf der Horst,
Hannover-Garbsen)
•
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89
Abb. 55
Nicht genutzte Loggien an modernen mehrgeschossigen
Wohngebäuden wirken "steril"
und monoton
(Katalonienweg, Hannover-List)
Abb. 56
Ältere Wohngebäude verfügen
über Loggien mit so differenzierten Details, daß sie auch
ohne Bepflanzung interessant
und sehenswert bleiben.
(Wittekindstraße,
Hannover-Linden)
•
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90
3. 2 .2. 3
Verfügungsfreiheit
Die Benutzung von Loggien unterliegt den gleichen Beschränkungen wie die von Balkonen, d. h. nur die innere von außen nicht
sichtbare Gestaltung ist freigestellt; verboten ist dem Mieter
dagegen alles, was von außen die Fassade ändert oder sonst in
die bauliche Substanz eingreift. Die Entscheidung über die Bepflanzung ist jedoch ins Belieben des Nutzers gestellt.
3.2.2.4
Nachrüstung
Bei älteren mehrgeschossigen Häusern ohne Freisitze können
Loggien nachträglich dadurch eingerichtet werden, daß die bisherige Außenwand um die Tiefe der geplanten Loggia in die dahinterliegenden Wohnräume zurückgenommen wird. Bei Gebäuden
mit tragenden Querwänden (Schottenbauweise) ist die Maßnahme
relativ unproblematisch (s. Abb. ). Die Loggia kann dann raumbreit ausgelegt werden. Bei tragenden Längswänden dagegen
(Außenwände) müssen bei vertretbarem, konstruktivem Aufwand
die Öffnungen der Loggia den Stützbreiten der ehemaligen Fenster
entsprechen. Die dahinterliegende Loggia kann natürlich auch
Raumbreite haben, doch ist bei dieser Lösung mit erheblicher
Verschattung zu rechnen. Da in der Regel die Wohnräume nicht so
großzügig bemessen sind, daß eine ganze Loggientiefe von ca.
1, 50 m abgezogen werden kann, bietet sich ein Einziehen der
Außenwand bzw. der Raumverglasung um nur ca. 1 m an. Der
restliche Freiraum kann durch ein Kragelement von ca. 0, 50 bis
0, 75 m Tiefe erbracht werden. (140) (s. Abb. 57, 58)
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•
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Abb. 57 + 58:
Nachrüstung von Loggien durch Einziehen der Außenwand und
vorkragendes Brüstungselement.
Die auskragende Konsolenkonstruktion sollte möglichst leicht sein.
Transparente Stahlgitterkonstruktion erlaubt die Integration von
Halterungen für Pflanzkästen. Die Halterungen müssen nicht ausschließlich an der oberen Brüstungskante angeordnet sein. Gerade
ein Pflanzkasten in Höhe des Loggien- oder Balkonbodens verwandelt die oft etwas langweilig sturen Brüstungen in Pflanzenwälle.
Die Pflanzen können durch die Gitterstäbe betreut werden und gewähren Sichtschutz. (s. Abb. 59)
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92
Abb. 59:
Berankung der Loggienbrüstung durch Pflanzkasten in Bodenhöhe
Der Aufbau des Loggiabodens muß dem einer Dachterrasse entsprechen, besonders dann, wenn er über Wohnräumen angeordnet ist, d.h. Wärmedämmung und Feuchtigkeitssperre müssen
sorgfältig ausgebildet werden.
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SEITE
3.2.3
93
Terrassen
Das Prinzip der Terrasse ist dem Landbau entlehnt. Abfallendem
Gelände werden horizontal ebene Teilflächen abgerungen, handelt
es sich nun um Reisf elder oder Weinberge. Terrassen haben mit
"terra" = Erde zu tun, sind also eigentlich erdgebunden. Die ersten Terrassenwohnhäuser sind demzufolge auch dort entstanden,
wo natürliches Hängegefälle vorhanden ist und für das Wohnen genutzt werden sollte. Demzufolge wurde in der Schweiz diese Idee
besonders intensiv praktiziert. Eines der bekanntesten frühen Beispiele ist z.B. die Siedlung Halen bei Bern.
Um den Wohnwert einer Stockwerkswohnung dem eines ebenerdigen
oder am Hang gestaffelten Einfamilienhauses mit privatem Freibereich mehr anzugleichen, wurde die Idee der Terrasse unabhän-
Abb. 60:
Terrassen erfordern einen Hang. Hier bildet die Gebäudeform
einen künstlichen Hang
(Burgwedel bei Hannover)
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94
Abb. 61:
Terrassenbrüstungen sollten
weit vorkragen, sich um das
Gebäude ringförmig herumlegen
(aus: Mein Eigenheim 80)
Abb. 62:
Ständig unterbrochene Brüstungen und nackte Giebelwände
sowie unzweckmäßige, weil
nicht brüstungsdeckende und
begleitende Bepflanzung machen die Terrassenwirkung
zunichte
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gig von der Topographie auch in den Stockwerksbau in ebenem
Gelände übernommen. Ergebnisse dieser Überlegungen sind die
sogenannten "Terrassenhäuser, Wohnhügel und Trichterhäuser".
Als Terrasse wird der befestigte Sitzplatz am ebenerdigen Wohnhaus bezeichnet. Gemäß den o. a. Überlegungen aber ist dieser
Begriff zu erweitern auf alle Freiraum-Wohnflächen, die in senkrechter Position volles Himmelslicht erhalten. (43) Wegen der
besonders günstigen Licht- und Raumverhältnisse bieten Terrassen
unvergleichlich viel mehr Möglichkeiten für die Anlage von Pflanzungen.
3.2.3.1
Abmessungen
Die Größe einer Terrasse wird durch den Geschoßversatz, also
die Stufung eines Terrassenhauses, bestimmt. Der Terrassenboden bildet oft zugleich das Dach des darunterliegenden Wohngeschosses und muß deshalb konstruktiv genauso ausgebildet werden
wie ein begehbares Flachdach.
Der Platzbedarf einer Terrasse richtet sich u. a. nach den auf
der Terrasse möglichen Tätigkeiten, s. Tabelle 63 (43)
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96
Aktivität
Notwendige Art der
Möblierung
Möblierung
Liegen
Schlafen
Ruhen
Lesen
Sonnen-
baden
Liege
Liegestuhl
Sessel
Essen Sitzgrüppe
für mind.
4 Personen
Wirt-
schatten
Betten
lüften
Wäsche
trocknen
Abb. 63:
Übliche Zusammenstellung
von Aktivitäten für die Nutzung von Wohnterrassen (43)
Wäsche-
ständer
Teppichstange
Beweglich
Aufstellung
Senkrecht u.
parallel zur
Außenbegrenzung der
Wohnräume mit
Fläche für
Durchgang
Beweglich
Fest
Spielen
Plansch-
Fest,
Sandeln
becken
je nach
Duschen
Sandkasten Größe auch
Planschen beweglich
Es fäl]t auf, daß in dieser Tabelle unter Aktivitäten das Anbauen
und Pflegen von Pflanzen und unter "Möblierung" Tröge, Pflanzkästen, Hochbeete usw. fehlen. Das ist umso erstaunlicher, als
sowohl für den Erholungswert als auch für den Flächenbedarf
diese Aktivitäten und Einrichtungen von besonderer Bedeutung
sind. Gerade bei der Abmessung von Terrassen sollte nicht allein
die Mindestabmessung von Liege- und Sitzmöglichkeiten (s. Abb. 64)
Abb. 64:
Mindest abmessungen für
Liege- und Sitzmöglichkeiten
4-60
t
180_4-
60 •
140
die Größe bestimmen. Die Einbeziehung von Pflanzbehältern,
Pergolen, überdeckten Sitzplätzen usw. in den Katalog der Gestaltungsmittel und der Aufbau eines günstigen Kleinklimas führen
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SEITE
97
zu Abmessungen, die das gewohnte Maß von Balkonen und Loggien
bei weitem übertreffen. Daraus folgt, daß Terrassen sinnvoll nur
im Zuge der Gesamtkonzeption eines Wohngebäudes eingeplant
werden können, wie z.B. beim Wohnhügel Marl. (104)
Dort haben Wohnungen im Durchschnitt eine nutzbare Fläche von
127 qm. Davon macht die Terrassenfläche mit 32 qm fast 25 %
aus, Die nutzbare Freifläche ist damit um ein Vielfaches größer,
als es sonst bei Wohnungen in Mehrfamilienhäusern möglich und
üblich ist.
Für wohnwirtschaftliche Vergleiche ist von Bedeutung, in welchem Maße die Terrassenfläche als Wohnfläche angerechnet wird.
Die II. Berechnungsverordnung läßt eine Anrechnung bis zur
Hälfte der Fläche zu. Nach DIN 283 ist dagegen der Freisitz nur
mit einem Viertel seiner Grundfläche als Wohnfläche anzurechnen.
Da die tatsächlichen Aufwendungen durch die Methode der Flächenanrechnung nicht beeinflußt werden, ergeben sich höhere oder geringere Kosten je gm Wohnfläche. Die Berücksichtigung der realen
Herstellungskosten führt selbst bei Einbeziehung konstruktiver
Pflanzbehälter zu einer Einstufung z.B. des Wohnhügels in die
Kategorie zwischen Einfamilien- Reihenhäuser und mehrgeschossige Mehrfamilienhäuser. (104)
3.2.3.2
Verschattung
Da Terrassen ihrer Natur nach unter freiem Himmel liegen, gibt
es keine Verschattungsprobleme. Kragende Gebäudeteile werden
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durch Geschoßversätze überflüssig. Dennoch sollte ein Überkragen des höher liegenden Geschosses bei Terrassenhäusern so
groß sein, daß ein gedeckter Sitzplatz entstehen kann. Dieser
einer Loggia ähnliche Teil einer Terrasse bietet nicht nur Wetterschutz, sondern gewährleistet auch einen wirksamen Schallschutz.
Das ist besonders wichtig, wenn die Intimität der Terrasse erhalten bleiben soll; d.h. Gespräche nicht für die Nachbarschaft hörbar sein sollen.
Innerhalb eines Terrassenhauses kann der Einblick in nebengelegene oder darunterliegende Terrassen durch vorkragende bepflanzte Brüstungen und andere Sichtschutzeinrichtungen verhindert werden. (99) Besondere Bedeutung kommt in diesem Punkte
der Bepflanzung zu, die z.B. durch Rankgewächse und Pergolen
in jeder gewünschten Dimension Wahrung der Wohnatmoshäre gewährleistet und den "Ausgesperrten" dennoch durch den angenehmen Anblick eine ständige Freude beschert.
3. 2. 3. 3
Verfügungsfreiheit
infolge der etwas aufwendigeren Bauweise von Terrassenhäusern
ist der Anteil von Eigentumswohnungen größer als bei anderen
mehrgeschossigen Wohngebäuden, so daß Hausordnungen und Fassadenverfügungen sich nicht im gleichen Umfange auswirken.
Dennoch bestehen auch bei Terrassen grundsätzlich die gleichen
Verfügungseinschränkungen wie für Balkone und Loggien.
Bemerkenswert ist, daß der vergrößerte Freisitz der Terrassenwohnungen relativ häufiger genutzt wird als in anderen Geschoß-
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SEITE
99
wohnungen. Die größere Fläche bietet eben mehr und vielfältigere
Nutzungsmöglichkeiten. (106) Vor allem dominiert hier die Nutzung als "Grüne Stube", die noch dadurch gefördert wird, daß es
möglich ist, innerhalb der verfügbaren Fläche den Platz zu
wechseln. Auch das vielzitierte und oft verbotene Trocknen der
Wäsche, das übrigens von ca. 60 % aller Freisitznutzer auch im
üblichen Geschoß-Wohngebäude praktiziert wird (106), hat auf den
größeren Terrassen hinter begrünten Pergolen u. ä. eher die
Chance, übersehen zu werden. Entsprechend niedriger ist auch
die "Schwellenangst" gegenüber dieser Nutzung.
3.2.3.4
Nachrüstung
Terrassen erlauben wegen ihrer Größe in der Regel keine Nachrüstung, d.h. bestehende Gebäude würden so starken Eingriffen
in die Bausubstanz unterzogen werden müssen, daß der bauliche
Aufwand wirtschaftlich nicht vertretbar ware.
Es gibt lediglich zwei Ausnahmen: die Erschließung vorhandener,
von der Wohnung erreichbarer Flachdächer, wie z.B. Garagendächer, und die Einrichtung einer Terrasse auf dem Dach des
Wohngebäudes selbst. Beide Möglichkeiten fallen in den Bereich
der Dachbegrünung und werden daher auch in dem zugehörigen
Kapit el B 3.4 behandelt.
3.2.4
Wintergärten
Balkons, Loggien, Terrassen und auch Dachgärten bieten Möglichkeiten, um das Wohngebäude herum eine thermische Pufferzone
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SEITE
100
aufzubauen, welche die Energiebilanz des Hauses in unseren Breiten positiv beeinflussen kann.
Erker und Wintergärten finden sich nur noch an alten Gebäuden,
wo sie die Aufgabe der Temperaturpufferung nach wie vor gut
versehen. Es empfiehlt sich daher, die o. a. Gebäudeteile zu verglasen oder zumindest mit einer nur temporären Verglasung für
den Winter auszustatten. Der bekannte Gewächshauseffekt sorgt
dafür, daß das kurzwellige Sonnenlicht nach Durchdringen des
Glases an Wand und Fußboden langwellige Wärmestrahlung erzeugt,
der Abfluß aber durch das Glas selbst verhindert wird (Strahlenfalle). Hinzu kommt der Ausschluß des Windes, der durch Konvektion die Hauswand an dieser Stelle nicht mehr abkühlen kann.
Im Frühling und Herbst dient der Wintergarten dem Wärmegewinn. Die zu dieser Jahreszeit angenehme Sonneneinstrahlung
wird tagsüber direkt durch Öffnen der Türen dem Wohnraum zugeführt. Nachts werden die Türen wieder geschlossen, um Wärmeverlust zu verhindern.
Im Sommer kann ein Wintergarten dagegen zu einer mörderischen
Hitzefalle werden, wenn man nicht entsprechende Sonnenschutzmaßnahmen ergreift, in dem man entweder die Verglasung entfernt, einen mechanischen Sonnenschutz (Markisen, Rollos, Lamellen - alles von außen) davorsetzt oder aber auf den wirksamen
Schattenwurf von Pflanzen (außerhalb der Glasfläche) vertraut, die
ihre Blätter im Winter wieder abwerfen, um der dann willkomme,,
nen Sonnenwärme wieder freie Bahn zu geben.
Temporäre Überdachungen von Atriumhöfen durch klappbare Glaskuppeln (99) oder verfahrbare Tageslichtlemente sind ebenso Mög-
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10•
lichkeiten zur nachträglichen Schaffung von Wintergärten wie das
Anbringen von Glas-Ericern. In letzter Zeit wurde eine Vielzahl
von Anlehngewächshäusern u. a. für diese Zwecke auf den Markt
gebracht.
Abb. 65:
Anlehngewächshaus
(aus: Mein Eigenheim 80)
Das Prinzip der Klimaregulierung dieser Pufferzonen durch
Pflanzen scheint mit der eleganteste und natürlichste Weg beim
Energiesparen zu sein. Es hat zu neuen Hauskonstruktionen geführt, bei denen mehrere Hüllen vorhanden sind.
Das sogenannte H i-Taus im Haus'' von O.M. Ungers gehört dazu.
Ein Steinhaus (Speicherung und Wärmedämmung) steckt in einem
Glashaus (Pufferzone, Strahlenfalle) und dieses wiederum in
einem Grünhaus aus blattabwerfenden Pflanzen an Klettergerüsten. (85) Dieses Prinzip sollte nicht nur bei Neubauten, sondern über Nachrüstungen auch im starken Maße bei Altbauten
Verwendung finden. Dabei könnte so manche wohltuende Auflockerung in den m Steinwüsten n unserer Großstädte eine zu begrüßende Folgeerscheinung sein.
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3.3
102
Wandbegrünung
Würden konsequent alle Dächer von Gebäuden begrünt, so wäre
abgesehen von den Verkehrsflächen der Verlust an begrünter
Fläche durch überbaute Flächen wettgemacht. Die Heranziehung
der Gebäudeaußenwände zum Träger von Grün aber könnte das
Ergebnis noch entscheidend verbessern. Im Idealfalle könnte so
mehr begrünte Fläche entstehen, als normalerweise auf der naturbelassenen Fläche vorhanden wäre. Diese Sätze sind bewußt
im Konjunktiv geschrieben. Die alten Griechen kannten sogar
eine besondere Form für die Kennzeichnung ihrer Wünsche den Optativ. Er wäre hier angebracht.
Allein die Realität sieht anders aus. Die wenigsten Dächer sind
begrünt, und der Verkehr deckt gewaltige Flächen zu. Die Heranziehung der Wand als Grünträger ist daher dringend notwendig,
um das ökologische Defizit auszugleichen.
Abgesehen von reinen Nordwänden werden die Außenwände eines
Gebäudes im jahreszeitlichen Besonnungsrhythmus gegenläufig zu
horizontalen Flächen bestrahlt und erwärmt. Am ausgeprägtesten
zeigen sich diese Verhältnisse an Südwänden. Sie erhalten im Winter rund die drei- bis vierfache Wärmemenge einer ebenen Fläche,
im Sommer hingegen nur rund ein Drittel.
Neben "Sonneneinfangflächen" und Speichermassen zum Klimaausgleich sind Außenwände ideale Bewuchsflächen, die durch ihren
günstigen Wärmehaushalt die Vegetationsperiode verlängern, vor
starker nächtlicher Ausstrahlung, insbesondere Frost, schützen
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SEITE
1.03
und durch Reflexion die Sonnenstrahlung erhöhen. (146) Die insgesamt zu erwartenden klimatischen Auswirkungen sind in Kapitel B 1 beschrieben.
3.3.1
Begrünung mit Stützfunktion der Wand
Die Wandbegrünung ist vor allem deshalb dem Kapitel "Begrünung in künstlichen Anlagen" zugeordnet, weil die Wand als
künstliches Bauteil die Entfaltung von "Kletterpflanzen" überhaupt erst ermöglicht. Darüber hinaus sind außerdem die konstruktiven Maßnahmen zu berücksichtigen, die eine Wandbegrünung z. B. durch Pflanztröge gestatten.
3.3.1.1
Begrünung durch Kletterpflanzen
Kletterpflanzen werden von Grünplanern nur spärlich verwendet.
Man findet Kletterpflanzen eigentlich nur in Privatgärten, Schaugärten oder gelegentlich sehr alte Pflanzen an historischen Bauwerken. (6) Kletterpflanzen können Wände flächenhaft begrünen
oder von freistehenden Gerüsten selbst lebende Wände bilden.
Hier liegen nicht nur Möglichkeiten zur Verbesserung des Kleinklimas, die heute im Rahmen der Energiesparmaßnahmen besonders Beachtung finden, sondern auch in hohem Maße Gestaltungsmöglichkeiten, die man nicht mit leichter Hand u. a. als sogenannte "Architekten-Petersilie" zur Seite schieben sollte. Zum einen
sollten diese Begrünungsmöglichkeiten von vornherein bei der Gebäudeplanung berücksichtigt werden (das ist bisher fast gänzlich
unterblieben), zum anderen ist bei bestehenden Gebäuden, besonders bei sogenannten "architektonischen Schandtaten", die Chance
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104
Abb. 66:
Die Begrünung von Industriegebäuden ist für den Wohnwert be
nachbarter Wohngebäude sehr wichtig. Weinranken folgen
dem Fugenverlauf.
(Hafenbauweg, Hannover-Linden)
Abb. 67:
Die Begrünung von Wohngebäuden setzt die horizontale,
meist sehr kleine Gartenfläche in der vertikalen Ebene
fort - Das Grün "schwappt" an den Wänden hoch
(aus: Mein Eigenheim 80)
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107
gegeben, durch sinnvolle Begrünung auch im nachhinein eine wirksame Verbesserung sowohl des äußeren Erscheinungsbildes als
auch des inneren Wohngefühls (Identifikation) zu erreichen.
Kletterpflanzen bilden einen Sammelbegriff aus der gärtnerischen
Praxis für Pflanzen mit klimmenden Stämmen (147). Das Wesensmerkmal dieser Pflanzen ist, daß sie keinen tragfähigen Sproß
ausbilden, aber dennoch aufrecht wachsen. Sie sind nicht kräftig
genug, um aus eigener Kraft dem Licht zuzuwachsen. Dazu benötigen sie eine Stütze, an der sie sich mit Hilfe besonderer Suchund Haftorgane oder aber des gesamten Sprosses festhalten (148).
In der Natur bieten lebende und abgestorbene Bäume, Sträucher
und Felswände die notwendige Stütze, für die sich aber die Außenwände eines Gebäudes genauso gut eignen. Zu den Erscheinungsformen der Kletterpflanzen gehören Rankenpflanzen, Windepflanzen, Wurzelkletterer und Spreizklimmer. Die besonderen Eigenarten dieser Pflanzen werden in Kapitel C - Pflanzen - beschrieben.
Grundsätzlich muß zwischen den Kletterpflanzen unterschieden
werden, die direkt, z.B. durch Haftscheiben (wilder Wein) oder
Haftwurzeln (Efeu), an der Wand emporzuklimmen vermögen, und
solchen, die dazu eines Klettergerüstes bedürfen, z.B. Rosen,
Knöterich (Polygonum) usw.
Das Gedeihen der Pflanzen ist abhängig von der Himmelsrichtung,
der Wasserversorgung, der Bodenbeschaffenheit, dem Wandbaustoff bzw. - wie schon erwähnt - ggf. von den vorgesehenen Kletterhilfen.
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108
Himmelsrichtungen
Für die vier grundsätzlichen Wandorientierungen gemäß den Himmelsrichtungen haben sich folgende Bewuchsarten bewährt:
Südseite:
Blattwerfender Bewuchs, früchtetragend, mit Abstand von der
Wand (also Klettergerüst) erzeugt im Sommer Kühlung durch Kaminwirkung. Im Winter wird die flache einstrahlende Sonne, nachdem der Bewuchs seine Blätter abgeworfen hat, nicht reflektiert
und erwärmt so die dahinterliegende Wand, die günstigerweise in
dunklen Farben ausgeführt sein sollte.
Westseite:
Falls viel Westsonne und wenig Schlagregen anfallen (in Westeuropa selten), kann die Westwand wie eine Südwand ausgebildet
werden. In der Regel aber erfüllt immergrüner Bewuchs auf einem
mit Abstand vor der Wand geführten Rankgerüst am besten die
Funktion des Wetterschutzes, der Kühlkaminwirkung im Sommer
und des ruhenden Wärmepolsters im Winter.
Ostseite:
Falls die Morgensonne die Wand voll trifft, kann sie wie eine Südwand, im anderen Fall wie eine begrünte Westwand ausgebildet
werden.
Nordseite:
Die Nordwand sollte immergrünen Bewuchs auf einem Gerüst mit
Abstand tragen. So wird das stehende wärmedämmende Luftpolster
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109
erreicht, und außerdem kann Schlagregen wie an der Westseite
die Wand nicht erreichen, sondern tropft schon vorher an den
Pflanzen ab. (54)
Wasserversorgung
Die Wasserversorgung für Kletterpflanzen kann an Gebäudeaußenwänden durch große Dachüberstände gefährdet sein, die das natürliche Regenwasser nicht in den Boden gelangen lassen. Auch
die Situation des Windschattens in unserer Region, vornehmlich
die Ost- und Südseite des Gebäudes, kann zu akutem Wassermangel
führen. Andererseits kann an den Wetterseiten im Westen und
Norden durch Schlagregen Stauwasser auftreten, dem durch eine
sinnvolle Drainage begegnet werden kann. Diese Drainage ist
besonders sinnvoll, wenn sie zugleich die Bewässerung der Pflanzen an den Wassermangel-Seiten des Gebäudes vornehmen kann.
Bodenverhältnisse
Da Kletterpflanzen direkt an Gebäudeaußenwänden stehen, ist ihr
Wurzelraum an seiner Ausbreitung durch Kellerwände oder Fundamente gebäudeseitig nicht erweiterungsfähig. Das ist besonders
nachteilig für ausdauernde, verholzende Kletterpflanzen, die einen
großen Wurzelraum benötigen. Die Wurzelentwicklung wird zusätzlich erschwert, wenn Fußwege bis an die Hauswände heranreichen, die den Zutritt von Luft und Wasser durch Verdichtung
oder gar Pflasterung unterbinden. Ein breiter gelockerter Pflanzst reifen ist für eine kräftige Wandbegrünung daher Voraussetzung.
Auch sollten die Pflanzen wenigstens in 50 cm Abstand von der
Wand gesetzt werden.
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110
Wandbaustoff
Wärmeleitfähigkeit und Oberflächenbeschaffenheit der Wandbaustoffe sind bestimmend für die Temperatur, der die Kletterpflanzen ausgesetzt sind. Dunkle Flächen absorbieren große Wärmemengen, die bei schlechter Leitfähigkeit des Wandbaustoffes
schnell zu hohen Temperaturen führen können, unter denen besonders junge Pflanzen in starkem Maße leiden. So ist z.B. Air
schwarz gestrichenen Gasbeton die sommerliche Temperatur von
°
80 C gemessen worden (149). Andererseits lassen ausgewachsene Pflanzenbestände durch Reflexion so hohe Temperaturen gar
nicht erst aufkommen. Da im Wohnungsbau Wärmedämmung
dringend notwendig ist und Wärmeabsorption besonders im Winter durch dunkle Außenwände die Energiebilanz stark verbessert,
muß hier ein Kompromiß eingegangen werden, der durch künstliche Verschattung (Matten usw. ) der jungen Pflanze über die
Empfindlichkeit am Beginn ihres Wachstums hinweghilft.
Die Oberflächenbeschaffenheit des Wandbaustoffes ist für diejenigen Kletterpflanzen von Bedeutung, die mit Hilfe von Haftwurzeln
(z.B. Efeu) an der Wand hochklettern. Sie brauchen eine gewisse
Griffigkeit, die z.B. von unverputztem Mauerwerk, Rauhputz,
schalungsrohem Beton und Holz geboten wird.
Pflanzen, die über Haftscheiben verfügen (z.B. wilder Wein),
kommen auch mit glatteren Oberflächen wie z.B. Kunststoffputz
und Naturstein zurecht (6).
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3. 3. 1. 2
111
Spaliergehölze
Spaliergehölze sind im engen Sinne eigentlich keine Kletterpflanzen. Hierbei handelt es sich um Gehölze, die am Spalier gezogen,
stark zurückgeschnitten und dadurch eine flächige vertikale Wuchsform erhalten haben, wie z.B. Spalierobst. Die Wand des Gebäudes
wird hier also zur "gezielten Mißbildung" benötigt. Sie erhöht allerdings den Nutzen besonders bei auf Spalieren gezogenen Obstbäumen, deren Früchte infolge Wetterschutz und Sonnenreflexion
leichter zu hohen Reifegraden geführt werden können.
Abb. 72:
Birnen als Spalierbewuchs
(Garbsener Landstraße, Hannover-Garbsen)
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112
Zu den Spaliergehölzen sind auch Sträucher mit langen, bogig überhängenden oder flächigen, weit ausladenden Trieben zu zählen.
Wenn die Triebe hochgebunden werden, lassen sich diese Pflanzen
ebenso zur Wandbegrünung einsetzen wie Kletterplanzen (6).
3.3.1.3
Konstruktive Lösungen
Während Kletterpflanzen und Spaliergehölze die Wand zwar als
Stützkonstruktion benötigen, ruhen die Wurzeln dieser Pflanzen
jedoch in einem Randstreifen des mehr oder weniger natürlich
versorgten Bodens am Sockel der Gebäude.
Wie die Untersuchung der Begrünungsmöglichkeiten an Balkonen,
Loggien und Terrassen bereits gezeigt hat, lassen sich Wände
auch durch vorgehängte Pflanzkästen oder aus der Fassade herausragende trogartige Vorsprünge, in die Kletterpflanzen gesetzt werden können, begrünen. Dabei ist zu beachten, daß solche Tröge für Pflanz- und Pflegearbeiten zugänglich sein müssen.
Abb.73 + 74:
Flachdachabschlüsse durch Pflanztröge
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113
Normalerweise werden dafür Balkon-, Loggien- und Terrassenbrüstungen genutzt, doch ist auch für Gebäude ohne solche Einrichtungen eine Wandbegrünung dieser Art möglich und für die
Bewohner besonders erstrebenswert, wenn Pflanzkästen vor die
Fensterbrüstungen gehängt werden. Vom Fenster aus können sie
gut versorgt werden. Diese Pflanzkästen bilden eine Art Vorland,
die den direkten Sturz des Fensterblickes in leider oft unschöne
Straßenschluchten aufhält und mit vertrautem, weil selbst gepflegtern Grün umrahmt. Auf diese Weise wird das Fenster ebenso
angeeignet wie der Ausblick. Auch von der Straße her ist an den
Pflanzen zu erkennen, welches das eigene,inzwischen eben unverwechselbare Fenster ist.
Eine Abschrägung der Fensterkästen verhindert die Verschattung
des darunterliegenden Fensters. Hinter den Kästen ware auch ein
günstiger Platz für ein Paket von Außenjalousien. Eine kettenartige Verbindung zwischen den einzelnen übereinanderliegenden
Fensterkästen gibt Kletterpflanzen Gelegenheit zum Emporwachsen,
wobei eine seitliche intime "Grünblende" entsteht. (s. Abb. 75)
-3
Abb. 75:
Pflanzkästen im Bereich der Fensterbrüstungen
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114
Ist die Wandkonstruktion z.B. bei Leichtbaufassaden zur Aufnahme schwerer Lasten nicht geeignet, so läßt sich ähnlich wie bei
entsprechenden Balkonen eine vorgeständerte Trägerkonstruktion
für Pflanzkästen anfügen. Die vertikalen Stützelemente bieten sich
zugleich als Kletterhilfen an. Voraussetzung ist natürlich auch in
diesem Falle die Verfügbarkeit einer ausreichenden Fläche im
Sockelbereich für die Einbringung der Fundamente dieser Trägerkonstruktion (s. Abb. 76)
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Abb. 76: Vorgestb.nderte Pflanzkästen im Fensterbrüstungsbereich
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115
Abb. 77 + 78:
Leichtes, vorgehängtes Balkongerüst, Lintgasse 9, Köln,
(aus: Beton Prisma 39/80)
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116
Ist zum Beispiel auf Gehwegen, die bis unmittelbar an den Sockelbereich des Gebäudes heranreichen, kein Platz für die Gründung
einer vorgeständerten Konstruktion verfügbar, so ist ein angelehntes Trägergerüst denkbar, das keine Balkonböden enthält und
so zwischen den Pflanzkästen das Licht auch in die niedrigeren
Geschosse gelangen kann. Pflanzkästen können bei diesem Vorschlag sowohl dem privaten Bereich am Fenster zugeordnet werden als auch dem halböffentlichen Bereich des Traggerüstes. Im
letzteren Falle müssen die Pflanzen nahezu ohne Pflege auskommen und werden an ein künstliches Bewässerungssystem angeschlossen. Das Erdgeschoß ist straßenseitig bei solchen Situationen besser für gewerbliche Nutzung als zum Wohnen geeignet.
Das Traggerüst für die Begrünung legt sich als eine Privatheit
vermittelnde Hülle zwischen Wohngebäude und Straßenraum.
Für die Realisierung dieser oder ähnlicher Konstruktionen bieten
sich Baugerüste an, die in vielfältiger Ausführung und mit leistungsfähigen Verbindungselementen am Markt vorhanden sind.
Im einzelnen ist zu prüfen, wie z.B. Rohre und Hohlstützen zur
Bewässerungsinstalltion herangezogen werden können. (Abb. 79,
Abb. 80)
Auf der Suche nach einem Wandbegrünungssystem ohne aufwendige Tragkonstruktion und unter Einsatz von Pflanzen, die der
Pflege nicht bedürfen, sind an der Gesamthochschule Kassel
(Minke, 53) Pflanzbehälter entwickelt worden, die als einander
überdeckende, wetterfeste Elemente für Wand- und Dachflächen
ausgebildet sind. Die einzelnen Elemente enthalten Taschen für
eine Erdfüllung. Die Kunststoffelemente sind auf den Schatten der
auf ihnen wachsenden Pflanzen angewiesen, damit ultraviolette
Strahlung ferngehalten wird. Für eine Nachrüstung mit solchen
Elementen dürfte das hohe, zusätzlich aufgebrachte Gewicht der
Erdtaschen bei mehrgeschossigen Häusern problematisch werden.
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117
Abb. 79 + 80:
3.3.2
Begrünung ohne Stützfunktion der Wand
Die natürlichste Begrünung einer Wand wird durch das Verpflanzen hoher selbsttragender Pflanzen wie Bäume und Hecken erreicht. Es ist eine der ältesten Methoden, um besonders im
ländlichen Küstenbereich Wetterschutz zu erhalten.
Heckensträucher und Heckenbäume können einen zweiten Grün-
wall vor der Hauswand bilden. Fenster und Türöffnungen können
in den lebenden Grünwall entsprechend eingeschnitten werden,
wie es traditionelle Beispiele in Dänemark zeigen. Sie können
durch regelmäßigen Schnitt sehr dicht werden und z. T. Abstellräume bilden. (146) Da ihre Höhe begrenzt und eine intensive
Pflege nötig ist, scheint diese Art von Wandbegrünung für Mehrfamilien-Wohngebäude wenig geeignet.
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118
Abb. 81:
Abb. 82:
Die sorgfältige Erhaltung alten
Baumbestandes ermöglicht die
Begrünung von bis zu 10-geschossigen Gebäuden
(von Alten Garten,
Hannover-Linden)
Schnellwüchsige Pappeln können grüne Wälle vor Häusern schaffen.
(Wilhelm Buschstraße, Hannover)
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119
Eine Begrünung bis zu großer Höhe kann auch durch hochwüchsige
schlanke Baumreihen, z. B. Pappeln, erreicht werden. An Giebelwände können die Bäume relativ dicht an das Gebäude herangepflanzt werden, wenn keine Fenster zu berücksichtigen sind. An
den meistens durch Fenster stark geöffneten Traufwänden müssen
solche hohen Bäume Abstand halten, um keine Verschattung zu verursachen. Von einer Begrünung der Wand kann im engen Sinne dabei nicht mehr die Rede sein. Dennoch ist eine hohe Grünkulisse
in besonderem Maße angenehm für die Geborgenheit von Wohngebäuden
mit bis zu 10 Geschossen. Andererseits tritt auch aus größerer
Entfernung das hohe Wohngebäude hinter der Baumkulisse zurück.
Solange die Gebäudehöhe die Kronenhöhe von Bäumen nicht überschreitet, ist das Gebäude ungeachtet seiner architektonischen
Qualität erträglich.
3.3.3
Lärmschutzwände
Mit der Verabschiedung des derzeit noch heftig diskutierten
Lärmschutzgesetzes werden wahrscheinlich entlang vieler stark
befahrener Straßen, die Wohnsiedlungen tangieren, Lärmschutzanlagen entstehen müssen.
Lärmschutzwälle in ausreichender Breite und Höhe stellen, wenn
sie begrünt sind, die angenehmste Lösung dar und können der
Straße einen ganz anderen Charakter geben als den einer Stadtstraße. Eine andere Möglichkeit ist, dort Gebäude anderer Nutzung
mit künstlicher Be- und Entlüftung unterzubringen oder Wohnungstypen, wo das Wohnen eindeutig nach innen gekehrt ist, nur mit
Nebenräumen zur Straße (34).
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•
HANNOVER
120
So einfach ein Lärmschutzwall auch herzustellen ist, so ungeeignet ist er für den Einsatz im Stadtgebiet, weil er viel zuviel
Platz braucht und trennt (96). Gesucht sind also Anlagen, die
mit weniger Platz auskommen und dennoch in den betroffenen
Straßen nicht den Eindruck von Zuchthausmauern oder militärischen Anlagen entstehen lassen.
Die Industrie bietet verschiedene Schallschutzwände aus Stahlbeton, Metall und Kunststoff an, die aber alle den zuvor beschriebenen Eindruck nicht vermeiden können.
Die Schirmwirkung einer Wand ist durch ihre Abmessungen und
durch die Entfernung von der Lärmquelle gegeben. Es muß allerdings sichergestellt sein, daß sie eine ausreichende Luftschalldämmung aufweist. Ein Nachweis erübrigt sich, wenn das Flächengewicht der Schalldämmschicht an der dünnsten Stelle mindest ens 40 kg/qm beträgt. (10)
Die Vorteile des begrünten, aber zu breiten begrünten Walles mit
denen einer vorfertigbaren schmalen Konstruktion zu verbinden,
hat zu verschiedenen Konstruktionen begrünter Lärmschutzwände geführt. Da diese steilen Konstruktionen bei gleicher Bauhöhe näher an die Schallquelle heranrücken können als der herkömmliche Erdwall, haben sie eine größere Schirmwirkung. Die
Basisbreite dieser Lärmschutzwände beträgt etwa nur 25 % derjenigen eines entsprechenden Erdwalles. All diesen LärmschutzKonstruktionen ist gemeinsam, daß sie aus Stahlbetonfertigteilen
bestehen, die trocken, d.h. ohne Mörtel, aufeinandergelegt und
anschließend mit Erde gefüllt werden. (10) So entsteht ein in
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121
sich geschlossener Erdkörper, der ein erheblich besseres Wasserspeichervermögen besitzt, als es z.B. bei kleinen stapelbaren
Kästen der Fall wäre.
Im einzelnen kommen folgende Konstruktionsprinzipien zur Anwendung:
-
wabenartige, etwa geschoßhohe Elemente werden gegeneinandergestellt und am Kopfpunkt gekoppelt. (s. Abb. 83, 84)
Abb. 83 + 84:
14,2 a
Lärmschutzwall
aus wabenartigen
Stahlbeton-Elementen
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Wurzelzone
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INSTITUT
FÜR
SEITE
122
INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS
•
PROFESSOR DR.-ING. DR. H.C. HELMUT WEBER
•
HANNOVER
A-förmige Böcke, deren Stiele die spätere Wallneigung vorgeben, sind mit anbetonierten Auflagern für ca. 5 m lange
Wandplatten versehen. (s. Abb. 85)
Abb. 85:
Lärmschutzwall aus Stahlbetonböcken
Raumgitterkonstruktion aus Läufer- und Binderschichten
(Balkenstapel). Die Läufer werden möglichst dünn dimensioniert. Breite und Abstand der Läufer gestatten dem
Füllmaterial, in den Zellen bis an die Vorderkante der
Läufer in natürlicher Böschung auszufließen. Raumgitterwände sind setzungsunempfindlich. Daher kann in der Regel
auf Fundamente verzichtet werden (145); das wiederum ist
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123
günstig für die ungestörte Ausbreitung des Wurzelwerkes der
zur Begrünung eingesetzten Pflanzen
(s. Abb. 86)
03519631.28Malael».
Abb. 86:
Lärmschutzwall aus Stahlbeton-Balkenstapein
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Lärmschutzwände aus gestapelten Pflanzkästen haben den Nachteil, daß die Wurzeln der Pflanzen, die sie beherbergen, bei
jeder Trockenperiode ab 2 m Höhe austrocknen (96). Die zuvor
erläuterten begrünten Lärmschutzwände haben zwar demgegenüber wegen ihrer großen zusammenhängenden Erdmasse einen
erheblich ausgeglicheneren Wasserhaushalt, dennoch können auch
hier in den hochgelegenen schmaleren Regionen Trockenschäden
auftreten. Eine Bewässerungseinrichtung sollte darum im Scheitelpunkt der Wand fest installiert werden. Sie wird auch von
Herstellern dieser Wände angeboten.
3.4
Dachbegrünung
"Ist es nicht wahrhaft wider alle Logik, wenn eine ganze Stadtoberfläche ungenutzt und der Zwiesprache der Schiefer mit den
Sternen vorbehalten bleibt? " Diese Bemerkung von Le Corbusier,
einem der Väter der Architektur des 20. Jahrhunderts, verdient
heute noch mehr Priorität, weil die Stadtoberflächen sich vergrößert haben. Dennoch wurde diese Idee nicht erst im 20. Jahrhundert geboren.
Dachterrassen und Dachgärten stammen aus dem Vorderen Orient,
aus Ländern also, in denen mit flachem Dach gebaut wird. In
Assyrien und Babylonien baute man bereits im 7. und 6. Jahrhundert vor Christus terrassierte Gärten auf stabilen Substruktionen.
Weil sie über dem Erdboden lagen, nannten die Griechen sie
"hängende Gärten". "Die hängenden Gärten der Semiramis" sind
als eines der sieben antiken Weltwunder am bekanntesten (siehe
Rekonstruktion von Koldewey und Krischen - Abb. 87 , Abb.88 ).
INSTITUT FOR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber HANNOVER
SEITE 125
Mit dieser assyrischen Königin haben sie allerdings nichts zu tun;
gebaut wurden sie unter Nebukadnezar IL, König von Babylon (98).
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Abb. 87:
Die hängenden Gärten der Semiramis
Rekonstruktionsversuch Krischen 1 : 666
Abb. 88:
Die hängenden Gärten der Semiramis
Rekonstruktionsversuch Koldewey 1 : 666
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1 26
Auch in Rom und Pompeji wurden die Dächer von Villen wie von
Mietshäusern als Gärten genutzt.
Das milde Klima des Mittelmeerraumes und die traditionelle Bauweise - Flachdach - trugen wesentlich zur Entwicklung des Dachgartens bei, ebenso wohl der Adoniskult:
Der alljährlich sterbende und neugeborene phönizfsche Gott der
Natur - Adonis - wurde durch das Schmücken der Häuser mit
Blumen verehrt. Dies geschah u. a. durch Aufstellen von bepflanzten Schalen, Töpfen und Vasen auf den Dachterrassen und Balkonen.
Die daraus entstandenen Dachgärten bildeten denn auch lange
Zeit eine Ansammlung von Pflanzgefäßen unterschiedlichster Form
und Größe.
Eine geschlossene Erd- und Pflanzendecke, wie wir sie heute bei
Dachgärten kennen, war sehr selten und meist mit technischen
Mängeln behaftet - sie waren undicht.
Im allgemeinen gehörten die Erbauer von hängenden Gärten, Dachgärten und Dachterrassen zu den Herrschern und hohen Herren;
denn solche Anlagen setzten bis dahin luxuriöse, weiträumige
Bauten und Substruktionen voraus; ihre Ausstattung war äußerst
kostspielig.
Erst die Einführung neuer Baustoffe und Bautechniken - wie Beton erlaubte einen risikoloseren Einsatz von Dachgärten. In den ersten
drei Jahrzehnten dieses Jahrhunderts wurden von allen großen
Architekten Versuche mit Dachgärten unternommen, wie die
nachstehende '7usammenstellung zeigt:
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127
Mietshaus mit Terrassen Paris
und Dachgärten
Brüder Perret
1903
Zweiseitig gestaffeltes
Terrassenhaus
Paris
Henry
Sauvage
1912
Restaurant mit
Dachgärten
Chicago
Frank Lloyd
Wright
1914
Bürogebäude der Werkkunstausstellung mit
Dachgarten- Restaurant
Köln
Gropius
1914
Siedlung Praunheim
Frankfurt/M.
Ernst May
Wohnhäuser für
Bauhausmeister
Dessau
Gropius
Haus Wolf
Guben
Mies
v. d. Rohe
Klinik mit Terrassen
Elberfeld
Marcel Breuer
Warenhaus Karstadt mit
4.000 qm Dachgarten
Berlin
1925
1929
Abb. 89:
Zusammenstellung von Projekten mit Dachgärten aus der Zeit
von 1900 bis 1930 (nach 98).
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SEITE
128
Am intensivsten hat sich wohl Le Corbusier mit dem Thema
"Dachgarten" beschäftigt, wenngleich keines seiner zahlreichen
Projekte in der o. a. Tabelle aufgeführt ist. In seinen "5 Punkten
zu einer neuen Architektur" schreibt er: "Der Dachgarten wird
zum bevorzugtesten Aufenthalt des Hauses und bedeutet außerdem
für eine Stadt den Wiedergewinn ihrer ganzen bebauten Fläche."
Die etwas euphorische Verkündung Corbusiers muß nicht dadurch unglaubwürdiger werden, daß man die Nachteile eines
Dachgartens gegenüber einem Garten auf gewachsenem Boden
gegenüberstellt. Im Gegenteil - erst die Kenntnis der Probleme
führt zu brauchbaren Lösungen. Die Lösungen aber begründen
gewisse Mehraufwendungen u.a. in folgenden Bereichen:
- Statik
- Bewässerung
Entwässerung
- Verankerungen
Pflege
Gegenüber den Baukosten sind diese Mehraufwendungen jedoch
relativ bescheiden. Dennoch werden in Verkennung der klimatischen und ästhetischen Vorzüge - allen immer wieder propagierten Bekenntnissen zur Verbesserung der Umwelt zum Trotz diese Maßnahmen oft aus falscher Sparsamkeit gestrichen, z.B.
Bundeskanzleramt
Baukosten 115 Millionen DM
Dachbegrünung 170.000,-- DM
Der Betrag für die Dachbegrünung wurde gestrichen. (59)
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129
Im Etat der letzten Bundesgartenschau war für eine Sonderschau
Dachbegrünung und die Darstellung dieses wichtigen Themas
keine einzige Mark eingesetzt, obwohl die planenden Landschaftsarchitekten schon sehr frühzeitig auf die Bedeutung dieses wichtigen Themas aufmerksam gemacht hatten. Die Leute, die sich
für das Thema Dachbegrünung engagieren, stehen also immer
noch etwas verlassen da. (59)
3.4.1
Dachaufbau
Als Dachgarten wird jede bepflanzte Fläche bezeichnet, die keine
direkte Verbindung mit dem gewachsenen Boden hat. Demzufolge
werden also nicht nur Gärten auf Dächern, sondern auch bepflanzte Terrassen, Vorplätze, Tiefgaragen usw. mit einbezogen, weil
sie einer ähnlichen Pflanztechnik bedürfen.
Grundsätzlich sind Kaltdach und Warmdach gleichermaßen für den
Aufbau eines Dachgartens geeignet. Da aber in der Mehrzahl aller
Fälle Stahlbetondecken als Tragkonstruktion Anwendung finden,
ist ein Warmdach bei Dachgärten über bewohnten Räumen der
Regelfall. Den konventionellen Aufbau eines solchen Daches zeigt
schematisch Abb. 90
Abgesehen von der bekannten Warmdachkonstruktion sollen die
einzelnen im Aufbau folgenden Schichten unter den besonderen
Bedingungen der Dachbegrünung erläutert werden.
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130
Abb. 90:
Konventioneller Aufbau eines
Dachgartens über einem Warmdach
Bepflanzung
Vegetationsschicht
••.-.-.
• • • •• •• •..••• •O• .•
••O••••••••
.............
• • • 0 • • • • .. • •
.. •• •• •. •• .• •• •• .•••. .••
Filterschicht
Drainschicht
•..••...•..
Schutzschicht
Dichtschicht
Dämmschicht
Dampfsperre
Dampfdruckausgleichsschicht
Tragende Konstruktion
(Stahlbeton- Decke)
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131
3.4.1.1
Dachdichtung
Die Abdichung bepflanzter Dächer war seit eh und je das Kardinalproblem, und zu Recht wird von vorsichtigen Bauherren und
Architekten im regenreichen Nordeuropa das flache Dach und besonders der Dachgarten gemieden.
Johann Chr. Volkamer (1662 - 1744) sah in Verona den Dachgarten
auf dem Palast des Grafen Maffei und schrieb darüber in seinem
Werk "Ntirnberger Hesperides" folgendes:
"Er hatte genugsames Erdreich, war in Feldlein eingetheilet,
darinnen Blumen und Bäume gepflanzet. Weiter fanden sich daselbst anmutige Springbrunnen. Allein, so großen Fleiß man auch
an dessen Erhaltung gewendet, so wenig hat man gleichwohl verhüten können, daß von wegen allzugroßer Feuchtigkeit der Pallast
selbsten Noth gelitten habe und zur Abstellung des besorglichen
Schadens es nöthig gewesen seye, den zu oberst aufgestellet-gewesenen Garten eingehen zu lassen."
Die Zeit der Renaissance versuchte an die Quellen der Vergangenheit anzuknüpfen, doch die praktischen Bezüge waren zu oft verschüttet, wie z.B. die neuerliche Entwicklung der Kuppelbauten
zeigten. Die hängenden Gärten Babylons waren über 2.000 Jahre
vor dieser geschilderten Begebenheit entschieden besser abgedichtet. Die Babylonier sicherten ihre Räume und ihr Mauerwerk
gegen Feuchtigkeit durch folgende Maßnahmen:
- Natursteinquader
eine Lage Schilf und Asphalt
- zwei Ziegelschichten in Mörtel
Bleiplatten
(98).
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132
Das Gewicht, das der Abdichtung von Dachterrassen und Dachgärten heute beigemessen wird, läßt sich an den Richtlinien ablesen, die bei Planung und Ausführung zu beachten sind. Die Zusammenstellung der Richtlinien zeigt, daß das Problem der Dichtung nicht allein auf die Feuchtigkeitssperre beschränkt bleibt,
sondern in starkem Maße von der gesamten umgebenden Konstruktion abhängig ist:
-
DIN 1 055 Lastannahmen im Hochbau
-
DIN 4 108 Wärmeschutz im Hochbau
DIN 4 109 Schallschutz im Hochbau
DIN 4 122 Abdichtung von Bauwerken gegen nicht drückendes
Oberflächenwasser und Sickerwasser mit bituminösen Stoffen und Kunststoffbahnen
DIN 18 320 Landschaftsgärtnerische Arbeiten
-
DIN 18 337 Abdichtung gegen nicht drückendes Wasser
-
DIN 18 338 Dachdeckungs- und Dachdichtungsarbeiten
-
DIN 18 530 Massive Deckenkonstruktionen für Dächer
Verlegerichtlinien ''Dachbahnen aus PVC weich, nicht bitumenbeständig, trägerlosu
-
Richtlinien für die Ausführung von Flachdächern
a b c der Bitumen- Dachbahn
-
Technische Richtlinien für die Planung und Ausführung von
dehnfähigen Bauwerksabdichtungen
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133
Neue Abdichtungsnorm
DIN 18 192 Teil 5 "Abdichtung gegen nicht drückendes Wasser"
Teil 10 "Schutzschichten und Schutzmaßnahmen"
DIN 18 531
"Dachabdichtungen"
Die Dichtschicht, an die im eingebauten Zustand nur sehr schwer
und unter großem Kostenaufwand heranzukommen ist, muß mit
besonderer Sorgfalt ausgeführt werden. Es wird daher empfohlen,
nach Ausführung der Abdichtungsarbeiten die Dichtigkeit dieser
wichtigen Schicht zu überprüfen, indem die Fläche einige Tage
unter Wasser gesetzt wird. (155)
Dabei sollte eine Stauhöhe von mindestens 20 cm eingehalten werden. (136)
Für bituminöse Abdichtungen sollten nur Dichtungsbahnen mit anorganischem Trägergewebe eingesetzt werden, das keine Feuchtigkeit aufnimmt und auch nicht vrrottet. Die Abdichtung mit Bitumenbahnen ist grundsätzlich dreilagig im Gieß- und Einwalzverfahren auszuführen. (155)
Die Abdichtung mit Kunststoff-Dichtungsbahnen kann sowohl im
losen als auch im verklebten Schichtenaufbau vorgenommen werden. Der lose Schichtenaufbau schließt Spannungsübertragungen
praktisch aus und bietet den Vorteil rationeller und witterungsunabhängiger Verlegetechnik. (42)
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134
3.4.1.2
Schutzschicht
Die Schutzschicht hat die Aufgabe, die Feuchtigkeitssperre vor
mechanischen Beschädigungen zu schützen, wie sie z.B. das
Aufbringen von Mutterboden oder anderer schwerer Lasten sowie die spätere gärtnerische Wartung ständig herbeiführen können. Die Verletzbarkeit der Feuchtigkeitssperre ist dann besonders groß, wenn über einem üblicherweise aus Kostengründen
weichen und kompressiblen Dämmstoff (z. B. Polystyrol oder
Polyurethan) liegt.
Neben den mechanischen Belastungen hat die Schutzschicht auch
die Aufgabe, die Feuchtigkeitssperre vor dem Eindringen von
Pflanzenwurzeln zu schützen.
Nach DIN 4122 kommen als massive Schutzschichten Betonestriche
(Bn 150 aus Rundkorn, 5 cm Mindestdicke, ggf. mit Mattenbewehrung)
oder Beton-, Keramik- oder Klinkerplatten im ZementMörtelbett (Mörtelgruppe III, Mörtelschicht mind. 3,5 cm dick,
bewehrt, Gesamtdicke mind. 5 cm) zur Anwendung. Der Betonestrich muß sich auf einer Trennschicht frei bewegen können. Dehnfugen
müssen nur in Feldern von 5 m angeordnet werden, weil Betonestriche
unter Dachgärten nicht so hohen Temperaturdifferenzen ausgesetzt
sind wie freiliegende (42). Dennoch ist ein solcher Schutzestrich
wegen seines hohen Herstellungsaufwandes und seiner Zerstöranfälligkeit gegenüber Witterungseinflüssen problematisch (109).
Schon beim Einbau des Estrichs, besonders auch seiner Bewehrung, besteht die Gefahr, daß die Feuchtigkeitssperre unbemerkt
zerstört wird. Die spätere Lokalisierung des Lecks ist wegen
der Wasserverteilungsmöglichkeiten in allen Schichten des Dach-
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135
aufbaus nur durch großflächige oder gar totale Zerstörung eben
dieses Estrichs möglich. (116) In zunehmendem Maße werden
daher durch Vlies- Zwischenlagen getrennte Leichtplatten, wie
z. B. Gummischrotplatten, eingesetzt.
Eine gewisse Verbesserung brachte die Einführung des Umkehrdaches, bei dem eine geschlossenporige Dämmschicht nicht unter,
sondern auf der Feuchtigkeitssperre liegt und diese schützt. Die
Leistungsfähigkeit dieser Wärmedämmschicht wird oft überschätzt.
Untersuchungen haben um 22 - 32 % erhöhte Wärmeverluste festgestellt, die ihre Ursache in der Unterströmung der Dämmplatten
durch kaltes Niederschlagswasser haben. Dieser Wärmeverlust
ist praktisch unabhängig von der Dicke der Dämmschicht. (117)
Bei einer vollflächigen Dachbegrünung ist ständige Feuchtigkeit
und ggf. Stauwasser für das Gedeihen der Pflanzen Bedingung.
Solches "Meteorwasser n muß verhindert werden. Demzufolge
sollte auch ein Umkehrdach bei Begrünung mit einem Fugenausgleichsvlies und einer weiteren Dachschutzfolie überdeckt werden.
(95)
Neben den Schutzmaßnahmen gegen mechanische Beschädigungen
müssen besondere Vorkehrungen gegen das Eindringen von Wurzeln getroffen werden, die vermöge von Säuren besonders jungen
Beton leicht durchdringen können. Bituminöse Dachabdichtungsbahnen werden durch Anstriche mit Wurzelgiftzusatz und/oder
Metallbaueinlagen (z.B. nach DIN 18 190) wurzelfest (93) oder zumindest wurzelhemmend (116) gemacht.
Aufgrund des derzeitigen Erkenntnisstandes werden zusätzliche
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136
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Kunststoff-Dichtungsbahnen aus PVC-weich (nach DIN 16 938) als
Schutzschicht eingebaut, die in der Lage sind, eine Durchwurzelung zu verhindern (156). Da diese Bahnen nicht bitumenbeständig
sind, ist bei bituminösen Dachabdichtungen eine Trennschicht aus
Polyestervlies (200 - 300 g/qm) oder aus Rohglasvlies (80 - 100 g/
qm locker) vorzusehen, um die sogenannte "Weichmacherwanderung" auszuschließen (157).
Einen gewissen zusätzlichen Durchwurzelungsschutz bietet auch
die Anstaubewässerung, sofern ein ständiger Minimalwasserstand gewährleistet ist. Die Wurzeln der meisten Pflanzen vermögen nicht in sauerstoffarmem Wasser zu wachsen (153).
3. 4. 1. 3
Drainschicht
Die Drainschicht muß das aus der Vegetationsschicht und Filterschicht einsickernde Überschußwasser der Niederschläge und ggf.
künstlichen Beregnung aufnehmen, ggf. speichern und den Rest den
Dachabläufen zuführen.
Wegen ihres großen Hohlraumvolumens eignen sich insbesondere
folgende Stoffe (42):
Stoff
Raumgewicht (kg/ cb
Rundkies, Körnung 16/32 mm
Bimskies
Blähton, Körnung 15/20 mm 0
Polystyrol Drainplatten
ca. 1.800
ca.
800
ca.
330
ca.
30
Tabelle 91:
Materialien für die Drainschicht
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137
..
4:r47f4i,X.611t. • .4,
15,
Abb. 92:
Verlegen von Drainplatten
(aus: Prospekt, Fränkische
Rohrwerke 1/80)
Abb. 93:
Wasserspeicherung durch
ortgeschäumtes Harz
(Hygromull)
(aus: Prospekt, Fränkische
Rohrwerke 1/80)
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138
Die Dicke der Drainschicht ist abhängig von der Größe der Dachfläche, der Vegetationsart, der Bewässerungsart und den Eigenschaften der verwendeten Stoffe. Sie schwankt zwischen 5 und 20
CM.
Für Schüttbaustoffe ist nach DIN 18 915, Teil 3 eine Schichtdicke
von mindestens 10 cm empfohlen.
Neben der wasserableitenden Funktion, der sie ihren Namen verdankt, kann die Drainschicht aber auch zur Bewässerung und
Wasserbevorratung genutzt werden, wenn künstlich ein ständiger
Wasserstau aufrechterhalten wird (95).
3.4.1.4
Filterschicht
Aufgabe der Filterschicht ist es, das Eindringen von Feinteilen
aus der Vegetationsschicht in die Drainschicht und damit ihre
Verstopfung zu verhindern. Ein Einsatz von Schüttbaustoffen
bildet heute die Ausnahme. In der Regel werden Vliese aus Glasfasern und synthetischen Fasern, wie z.B. Polyester, eingesetzt
(158). Darüber hinaus können Schichten aus Hygromull verwendet werden, die gleichzeitig filtern und Wasser bis zu 50 Vol. %
zu speichern in der Lage sind. Dieser Schaumstoff (Harnstoff-Formaldehyd-Kondensat) kann als Ortschaum (bei Großflächen)
oder in Plattenform (bei Kleinflächen) aufgebracht werden. Das
gespeicherte Wasser kann an die Pflanzen, die mit ihren Wurzeln
in den Schaumstoff hineinwachsen, nahezu restlos abgegeben werden (93).
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139
3. 4. 1, 5
Vegetationsschicht
Die Vegetationsschicht bildet den Nährboden für das Pflanzenwachstum. Aufgrund der gegenüber dem Freiland geringeren
Schichtdicke muß sie besonders nahrhaft, gut durchlüftet und frei
von Krankheiten und Unkraut sein. Natürliche Mineralböden erfüllen diese Bedingungen kaum. Sie weisen hohe Eigenlasten auf
und neigen zu Verschlämmung, Verdichtung und Staunässebildung.
Für die Vegetationsschicht von Dachgärten werden daher industriell hergestellte Einheitserden, sogenannte "Kultursubstrate"
eingesetzt. Gute Kultursubstrate besitzen ein geringes Gewicht,
weisen einen ausgewogenen Wasser- und Lufthaushalt auf, verfügen über eine gute Speicherfähigkeit für Nährstoffe und sind
unkrautfrei (159).
Die Dicke der Vegetationsschicht richtet sich nach den Bedürfnissen der Pflanzen, die darauf wachsen sollen (109). Tabelle 94
gibt eine Übersicht.
DICKE DER VEGETATIONSSCHICHT
(cm)
I VEGETATION
Rasenfläche, unbelastet
Rasenfläche, belastbar
Stauden, höhere
Sträucher, bodendeckende
Großsträucher
Bäume, kleinere
Bäume
VININUMINIX
==1,
F.
1
5
10
15
15
25
25
- 25
- 25
- 45
- 45
Minimum
•:- •
Tab. 94:
Erforderliche Dicke der Vegetationsschicht in Abhängigkeit von
der gewählten Bepflanzung (Vegetation).
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3. 4 . 2
140
Auflast
Die Technik der Kultursubstrate für die Vegetationsschichten und
der leichten Filter-, Drain- und Schutzschicht-Materialien hat
zu Konstruktionsgewichten geführt, die im normalen Wohnungsbau als Auflasten aufnehmbar sind und bei weitem nicht mehr der
gewaltigen lastabtragenden Substruktionen, z. B. der "hängenden
Gärten der Semiramis' ? oder italienischer Palazzi, bedürfen.
Auflasten des Dachgartenaufbaus mit herkömmlichen Materialien
betrugen über 5 KN/qm (s. Abb. 95)
HERKÖMMLICHE BAUWEISE
Dicke
(cm)
Aufbau
•••••••••
•••••••••
•••••••••
• • • • • • • +6 •
•••••••••
•••••••••
•••••••••
•••••••••
••••••• *
•••••••••
• •
• •
•
• •
•
•
•
• •
•
• • • • •
•
•
•
•
•
•
•
• • •
•
• • •
•
•
•
•
•
•
•
•
•
• • •
•
•
20
•
Material
Belastung
(KN/qm)
75 Vol % Oberboden
25 Vol % Torf
3, 00
Torf 8 Filtervlies
0, 35
Kies 8/16 mm
1, 80
•
•
41
•
•
•
•
*
•••••••••
•••••••••
•••••••••
•••••••••
000410.6.9.
•••••••••
*000000e.
•••••••••
•••••••••
000000 n ••
Tab 95:
5
10
35
1
Der Einsatz künstlicher,industriell erzeugter Materialien erlaubt
eine Reduzierung der Auflasten auf unter 3 KN/qm, wie die drei
folgenden Beispiele (nach 109) bei angenähert gleicher Vegetationsschichtdicke zeigen. Selbstverständlich müssen die Lasten im
wassergesättigten Zustand des Dachgartens ermittelt werden;
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141
insbesondere bei Staubbewässerung ist der Wasserinhalt des
Sp eichers mit in den Ansatz zu bringen. (s. Tabellen 96, 97, 98)
OPTIMA-SYSTEM / Gilgen (1974) Optima Werk
Aufbau
•••••••••
• • •• • . . , ,
• ••••• •••• •4/ • 0 • 0 •
• •••••••••
• • • • 4n • • •
Dicke
(cm)
25
•••••••••
•••••••••
•••••••••
• • • • • • • •
Tab. 96:
Aufbau
•••••••••
• • •• •••• •
• •410 • • • •• •
II•••••••
• • • •• •
•
*
• * *e.g....4, 0 6,0 A...
Optima-Erde
1, 75
1
Optima- Filtermatte
0, 01
10
Blähton 8/16 mm +
1, 50
7 cm Wasserstau
0, 70
36
96
Dicke
(cm'
20, 0
50 Vol % Oberboden
50 Vol % Hygropor 73
+ Novolen- Bändchen
•••••••••••••••••••
Hygromull +
Lutraflor Trennvlies
Tab. 97:
(KN/qm)
lungsgewebe
1•••••••••
I• •e•••••••••• 0• • •0••0• •0•
0 • • •0 0
0 0•0
1•••••
1•••••••••
0••••••••
1000.00000
• • • • • • • •. 0 . . 0 0 . 0 0 *
•••••••••
660'000000
•••••••••
000000000
•••••••• n
Belastung
Optima- Verwur ze-
• •••••••••
• • •e• • • • •
•••••••••
••••••
••••
•••••••••
•••••••••
•••••••••
•••
•• • ••• •••• ••• •
•••••••••
•••••••
•nn••Wid
l#10•04,1
••••••••
•••••••••
••••••••
•••••••••
••••••••
•••••••0•
••••••••
•••••••
spa
Material
6, 5
Styropor-Dränplatten
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142
TKS-SYSTEM / nach Reeker (1971
Aufbau
•• ••••••••••••••• ••
• ••••••••••••• •• •• •
•• • • • • • • • • • • •• • • • • •
••••••••••
•••••••••••••••••••••• ••• •••
••• ••••••••••• •• •• •
•••••••••••••••••••
•••0••••••••••••• ••
••• ••••••••••• •• •• •
••••••••••••••••••••••••••••
•••••••••••••••••••
•••••••••••••••••••
••••••••••
Dicke
(ein)
Belastung
Material
(KN/qm)
25
Torfkultursubstrat
1, 50
1
10
Terra- Tel- Filtermatte
Blähton 8/16 mm
7 cm Wasserstau
0, 01
0, 50
0, 70
In starkem Maße hängt die Auflast des Dachgartens natürlich von
der Art der Pflanzen und der davon abhängigen Dicke der Vegetationsschicht ab. (s. Tab. 99)
VEGETATION
Einfachbegrünung, selbstregenerierend
Aufbaudicke (c
-
Belastung
(KN/qm)
10
1, 25
Rasenflächen, niedrige Stauden,
bodendeckende Gehölze
20
2, 00
hohe Stauden, Sträucher
35
3, 25
Großsträucher, kleine Bäume
60
5, 60
Tab, 99:
Belastung durch wassergesättigten Gesamtaufbau nach Liesecke
(152, 153).
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143
Die Einfachbegrünung kommt mit den geringsten Lasten aus. Ein
weiterer Versuch, die Vegetationsschicht zu vereinfachen und zu
minimieren, ist in vorgefertigten Vegetationsplatten zu sehen.
Sie sollen direkt Kiesabdeckungen ersetzen. Damit wäre ein besonders großes und lohnendes Einsatzgebiet erschlossen. Die
Vegetationsplatten bestehen aus Schaumstoffen, Weißtorf oder
Steinwolle, aus denen Öffnungen für die Pflanzen herausgestanzt
sind. Da besonders Steinwolle Wasser nicht lange speichern kann
und wegen der grundsätzlich geringen Schichtdicke, ist das Gedeihen der darin eingebetteten Pflanzen in besonderem Maße von
einer gut funktionierenden Bewässerungsautomatik abhängig (153).
Das Gewicht der Pflanzen selbst trägt gegenüber ihrem Wurzelraum, der Vegetationsschicht nur unwesentlich zur Vergrößerung
der Auflast bei (s. Tab. 100)
VEGETATION
Bodendeckende Stauden
Pflanzenhöhe
cm
Belastung
(KN/ qm)
30
0, 10
Blütenstauden
150
0, 20
Bodendeckende Gehölze
100
0, 20
Sträucher
300
0, 30
Tab. 100:
Lastannahmen von Stauden und Sträuchern in frischgeschnittenem
und regennassem Zustand, nach Liesecke (151).
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144
Abb. 101:
Einsetzen von Pflanzen in leichte Vegetationsplatten
(aus: Prospekt, Plantener 80)
Abb. 102:
Verlegen von Rollrasen auf Vegetationsplatten
(aus: Prospekt, Plantener 80)
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3.4.3
145
Standsicherheit
von
Gehölzen
Bei dünnen Vegetationsschichten auf den Dächern ist die Standfestigkeit größerer Sträucher und Bäume grundsätzlich geringer,
vor allem bei hochliegenden windexponierten Flächen (160). Durch
leichte und für den Einsatz in Dachgärten auf Wohngebäuden günstige Baustoffe wird die Standfestigkeit noch weiter herabgesetzt.
Abhilfe kann durch den Einbau von weitmaschigem Gewebe in dem
unteren Teil der Vegetationsschicht erreicht werden. Während die
durch Maschen wachsenden Wurzeln einerseits zunächst an einem
Dickenwachstum unterhalb des Gewebes gehindert werden, erfolgt
andererseits eine Ausbreitung der Wurzeln auf einer größeren
Fläche. Dadurch ergibt sich sowohl eine Vergrößerung der Standfläche der Gehölze als auch eine Zunahme der Standflächenbelastung
durch größere Bodenmenge. Für Gehölze in geschlossener Pflanzung reicht diese Maßnahme gewöhnlich aus, da die Wurzeln beschleunigt ineinanderwachsen. Freistehende Bäume sollten zusätzlich durch den Einbau von Hartholzrahmen, Findlingen oder
Gesteinsbrocken gesichert werden, wenn diese Belastung von der
Unterkonstruktion verkraftet werden kann (93). Maßnahmen ohne
Gewichtserhöhungen wären Drahtabspannungen oder an Wänden
abgestützte Hülsen.
3.4.4
Geneigte Dächer
Die einfachste Begrünung geneigter Dächer ist der Bewuchs durch
Kletterpflanzen. Sie benötigen keine schweren Substruktionen,
versorgen sich aus dem anstehenden Boden und gewähren dem
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146
Dach dennoch Schutz vor Wind und Sonnenstrahlung. Viele Wetterseiten älterer Häuser werden auf diese Weise wirksam geschützt.
Die Wirkung des Dämmens und Speicherns von bepflanztem Erdreich führte aber schon vor vielen Jahrhunderten zu den Grassoden und Torfdächern, wie sie noch heute in Skandinavien und
Island bekannt sind. Die mit der Anlage eines bepflanzten geneigten Erddaches angestrebten klimatischen Vorteile bringen jedoch
auch Nachteile mit sich, die nur durch besondere konstruktive
und technische Maßnahmen ausgeglichen werden können. Dabei
handelt es sich im wesentlichen um die drei folgenden Probleme:
- Gewicht
Abrutschgefahr
Austrocknungsgefahr
Gewicht
Das zusätzliche Aufbringen von Mutterboden oder sehr dicken Grassoden auf die normale Dachhaut führt bei geneigten Dächern häufig
dazu, daß die hier üblichen leichten Holzkonstruktionen übermäßig
stark dimensioniert sein müssen. Das zeigen auch die Beispiele
aus Skandinavien. Wegen des Holzreichtums dieser Region war das
Problem jedoch unwichtig. Die geringen Spannweiten und die Wahl
von Pfettenkonstrukt ionen verdeutlichen aber dennoch das Gewichtsproblem des begrünten Schrägdaches. Dieses Problem läßt
sich heu-te durch die im Kapitel B.3.4.2 geschilderten Kultursubstrate und leichte Vegetationskissen relativ wirkungsvoll umgehen.
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147
Abrutschgefahr
Auf schiefen Ebenen geraten Schüttgüter besonders leicht ins
Rutschen. In Verbindung mit Niederschlagswasser tritt das
Phänomen der Erosion auf, das in kürzester Zeit das geneigte
Dach von seiner "Erdkrume" befreit haben würde, wenn man
diese verwendete. Die Verwendung von fertig eingewachsenen
Grassoden, Rollrasen oder Vegetationsplatten sichert dieses
Risiko von vornherein ab, weil hier formstabile, d.h. biologisch und mechanisch funktionsfähige "Pflanzenbausteine" zur
Verfügung stehen.
Aber auch diese "Pflanzenbausteine" würden von der schrägen
Dachebene abrutschen, wenn sie nicht durch besondere Profilierung der Dachoberfläche Halt fänden. Insgesamt resultieren
aus der aufgebauten Vegetationsschicht erhebliche Schubkräfte.
Bei den skandinavischen Grasdächern werden diese Schubkräfte
durch Traufkonstruktionen aufgenommen, die als kräftige Randbalken ausgebildet sind. (146) Bei den isländischen Häusern läßt
man den Dachschub direkt auf den Boden laufen, verzichtet also
auf Wände an der Traufseite bzw. gräbt das Haus bis zur Traufe
ein.
Drefahl (161) benutzt zum Abfangen dieser Schubkräfte ein
Schubflächenraster. Es funktioniert wie ein Teppich auf der
Klopfstange, d.h. unabhängig von der Dachhaut werden auf Zug
beanspruchte Längsriegel parallel zu den Sparren beidseitig vom
First montiert. Zwischen ihnen verlaufen parallel zur Traufe
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SEITE
148
Querriegel. Sowohl Längs- als auch Querriegel teilen die Dachfläche in ein Raster, dessen Felder die Schubkräfte der Vegetationsschicht aufnehmen. Die gesamte Konstruktion verläuft
über der Dachhaut.
Austrocknungsgefahr
An schrägen Ebenen gibt es keinen Wasserstau. Dieser für die
wasserableitende Funktion eines geneigten Daches so vorteilhafte Eigenschaft erweist sich für die Feuchtigkeitsversorgung
von Nachteil. Die Drainageschicht kann entfallen oder auf ein
Minimum reduziert werden. Damit entfällt jedoch auch ein Teil
des durchwurzelbaren Raumes. Eine entsprechend niedrigere
Vegetation ist die Folge. Da außer der dünnen Vegetationsschicht
kein weiterer Wasserspeicher vorhanden ist, muß mit Austrocknung gerechnet werden. Darauf sollte bei der Pflanzenwahl Rücksicht genommen werden.
Es wurde jedoch inzwischen ein Bewässerungssystem (161) entwickelt, das auch den Einsatz anspruchsvoller Pflanzen erlaubt.
Vom First bewässert ein Rohr über eine dünne Drainageschicht
die darüberliegende Vegetationsschicht. Überschußwasser wird
in der als Drainage ausgebildeten Traufe aufgefangen und über
eine Pumpe dem Bewässerungsrohr am First wieder zugeführt.
Das System läßt sich durch Feuchtefühler automatisch regeln.
_0
a)
cd
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ca
P-1
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a)
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(1)
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w
w
,
L11-
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SEITE
3.4.5.
150
Nachrüstung
Eine Nachrüstung von begehbaren Dachgärten für anspruchsvollere
Pflanzen wird wegen der aus den dickeren Vegetations- und Drainschichten resultierenden Auflast immer von der Tragfähigkeitsreserve der vorhandenen Dachdecke abhängen. Eine nachträgliche
Verstärkung der Tragkonstruktionen scheidet aus Kostengründen
gewöhnlich aus. Dennoch sind diese Flachdachflächen fast immer
für eine Einfachbegrünung geeignet, die eine eindeutige Verbesserung des Kleinklimas sowie eine entschieden verbesserte Draufsicht bei Flachdächern (z.B. Garagenbauten) in verdichtet gebauten
Wohnvierteln herbeiführt.
Ähnliches gilt für geneigte Dächer. Hier bietet sich außerdem im
Falle einer Sanierung der Dachhaut an, zur Erhöhung der Tragfähigkeit im Zuge des gleichen Arbeitsganges Sparren aufzudoppeln
und danach das gewünschte Begrünungssystem zu installieren.
(146, 161)
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151
Abb. 105:
Begrünung der Dächer einer Garagenzeile durch überwachsenden wilden Wein
(Biesterstraße, Hannover)
Abb. 106:
Improvisiert nachgerüsteter Dachgarten mit Gartenkamin.
Optische Erweiterung des Gartens durch die Krone eines
alten Baumes.
(Glockseestraße, Hannover)
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152
PFLANZEN
Pflanzenarten und ihr Einsatz
Kunstgrün
Naturgetreue,Kunstblumen gab es schon zu Zeiten der Königin von
Saba, die nach der Bibel dem König Salomo sechs natürliche und
sechs künstliche Lilien reichte, die so täuschend nachgeahmt waren, daß sie von den wirklichen Lilien nicht unterschieden werden
konnten. König Salomo überließ die Klärung der Echtheitsfrage
einer Biene, die mit sicherem Instinkt nur die Kelche der echten
Lilie besuchte. Auch in orientalischen Märchen werden künstliche Pflanzen und Blumen bis hin zur Versorgung mit künstlichen
Düften beschrieben.
War es früher die Freude am künstlichen Nachschöpfen, so sind
es heute vor allem die verschlechterten Lebensbedingungen für
Pflanzen in unseren Industriestädten sowie die mangelnde Bereitschaft der Menschen, Pflanzen zu pflegen, die zur Produktion und
zum Einsatz künstlicher Pflanzen führen.
Wegen der Haltbarkeit wurden künstliche Blumen für Feste usw.
schon früh arbeitsteilig und fast industrialisiert hergestellt (s.
Abb.107). Moderne Produktionsverfahren und Kunststoffe haben
U Kunstpflanzen" in vielen Formen und großem Umfang verfügbar
gemacht. Sie bevölkern die Empfangshallen und Appartements
amerikanischer Hotels. Ihr Umfang und ihre Ausführung sind
inzwischen fast zum Klassifikationsmerkmal der Qualität des
entsprechenden Appartements geworden. Selbst die "Bepflanzung"
von Straßenrändern und Mittelstreifen, die natürliche Pflanzen
nicht mehr überleben, wird inzwischen "Kunstpflanzen" überlassen.
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153
Abb. 107:
Fertigung von KunStblumen in einer französischen Blumenstube
(Kupferstich: Diderot + Alembert, 1751)
Ein weiteres Einsatzgebiet ist der "Kunstrasen", ein grüner Teppich, der über steinerne Terrassen gebreitet werden kann. Es ist
gewiß von Vorteil, eine gewisse Staubbindung und einen weichen,
nicht verrottbaren Terrassenbelag zu haben, dennoch sollte zugunsten der Illusion nicht die Indikationswirkung natürlicher Pflanzen vergessen werden. Sie zeigen verläßlich an, wann die Lebensbedingungen unverantwortbar schlecht geworden sind. Unsere Aufgabe
muß es sein, nicht die Symptome zu kurieren, sondern die Ursachen zu bekämpfen. Gegen einen weichen Terrassenbelag ist natürlich nichts einzuwenden, aber er sollte z.B. eine Farbe haben, die
eine Verwechslung mit natürlichem Gras ausschließt.
Auch "Kunstpflanzen" haben ein besonderes Erkennungsmerkmal,
das König Salomo bei etwas mehr Zeitaufwand statt der Bienenentscheidung hätte wählen können. Pflanzen aus Kunststoff laden sich
elektrostatisch
stark auf und ziehen daher Staub besonders
gerne an. Wer also nicht natürliche Pflanzen begief3en will, muß
auf künstlichen eben Staub wischen.
INSTITUT
FÜR
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154
1.2
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•
HANNOVER
Unkraut
Wilde Vegetation wird überall als unbequemer Eindringling bekämpft. Tradierte Schönheitsideale und agrarisches Nutzungsdenken teilt die Pflanzen ein in nützlich und schädlich, in schön
und häßlich (81). Gänseblümchen und Löwenzahn werden auf keinem Rasen geduldet. Dieser Kampf ist keineswegs in der Unwissenheit des Laien begründet, der sein Wochenende auf den Knieen
verbringt und Gänseblümchen rupft. Viel schlimmer ist es, daß
die Fachleute, die Gärtner, die es besser wissen müßten, diese
Auffassung nicht nur teilen, sondern mit Hilfe von Ratschlägen
und gut prosperierender Unkrautchemie den Laien dazu verleiten,
täglich ökologischen Frevel zu begehen. Unkräuter werden auch
dann noch bekämpft, wenn sie Kulturpflanzen nicht direkt bedrohen (82).
Aber - Unkraut vergeht nicht. Es wächst in der Stadt,trotz aller
Mühe, es zu verhindern, auf 60 bis 70 % aller bewachsbaren
Flächen. Sein Vorkommen und seine Verteilung sind abhängig
von der Entwicklung und Nutzung der Stadt bzw. der in Frage
kommenden Flächen (84). Tabelle 108 gibt einen Überblick über
das "Unkraut" als Stadtvegetation. In Abhängigkeit von den Gegebenheiten und unterschiedlichen Belastungen des Bodens sind die
dort angetroffenen Pflanzen und Pflanzengesellschaften aufgeführt.
Diese Pflanzen sind nicht gepflanzt, sie haben sich selbst eingefunden, d.h. sich das zu ihnen passende Biotop gesucht. Was
alles über Pflegearmut und Widerstandskraft gärtnerisch erzeugter Pflanzen behauptet wird, beim "Unkraut" trifft es wirklich zu.
Schön ist es bei vorurteilsfreier Betrachtung auch. Daraus folgt,
daß unter Berücksichtigung von Pflege und Nutzung (Nutzbarkeit)
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155
"UNKRAUT" = STADTVEGETATION
Bodengegebenheiten.
Belastungen
angetroffene Pflanzen
Pflaster
"Pflasterritzengesellschaft"
- Moose
- 1- bis 2-jährige Kräuter
- mehrjährige Stauden
mit abnehmender Belastung
Gehwegränder
Trampelpfade
Spielplätze
Bolzplätze
- strahlende Kamille
- Weidelgras
- Breitwegerich
Schotterdecken
Grusdecken
- Vogelknöterich
- 1-jährige Rispe
Wärmebelastung
Immissionsbelastung
Salzbelastung
Brachflächen
Ruinenflächen
"Umwidmungsgebiete"
kleines Liebesgras
- Wegkresse
S -
Stadtrandvegetation '
- Staudenpflanzen
Salweidengebüsche
Ahorn- + Eschenwäldchen
V
mit zunehmender Dauer der Selbst-
überlassung
Industriegebiete
Gewerbegebiete
Tab. 108:
- Pflanzen aus wärmeren, niederschlagsarmen Regionen
- seltene Arten aus dem Agrarraum
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156
nur die Vegetation mit nachhaltigem Erfolg in der Stadt eingesetzt
werden kann, die nicht zur Voraussetzung hat, daß die öffentlichen
Freiräume in eine Großgärtnerei verwandelt werden müssen. Das
Prinzip dieses Vegetationseinsatzes geht davon aus, daß der öffentliche Freiraum auch begehbar sein muß und nicht zugepflanzt
mit dem Hinweis auf Empfindlichkeit und Kosten der exotischen
Gebilde die dem "Schutz des Publikums" empfohlen werden (114).
Abb. 109:
Fugenbewuchs an mörtellosem Mauerwerk
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157
Es bedeutet aber, einen Gewöhnungsprozeß Natur arbeiten zu
lassen und selbst zuzuschauen. Der Gärtner wie der Laie sollten sich mehr den Regeln des Naturgartens unterwerfen. Das
Blockieren des natürlichen Systems aufgrund fragwürdiger ästhetischer Überlegungen ist sinnlos (163).
Die Idee,der Natur wieder mehr Feld zu geben, muß nicht auf
die öffentlichen Freiräume beschränkt bleiben. Auch für die privaten Terrassen und Dachgärten ist die Verfolgung dieses Gedankens lohnenswert. In Kapitel B 3.4 sind die Möglichkeiten der
Dachbegrünung nach den sogenannten Regeln der Kunst wiedergegeben. Diese Dachgärten sollen den verlorengegangenen Gar .ten des Erdgeschoßhauses ersetzen. Da damit auch die Übernahme der gewohnten Pflanzen verbunden ist, bedeutet dies im
allgemeinen eine recht aufwendige Schaffung der diesen Pflanzen
halbwegs gemäßen Umwelt. Nicht zu Unrecht wird in diesem
Aufwand ein Haupthindernis für die größere Verbreitung begrünter Dächer gesehen.
Dächer begrünen aber auch ohne menschliches Zutun. Auf vielen
Kiesdächern siedeln sich trotz ungünstiger Faktoren (Hitze, Nässe,
starke Frostwirkung, Nährstoffarmut) nach wenigen Jahren Pflanzenarten an. Eine Untersuchung solch ungeplanter Dachgärten (4)
zeigt, daß sich hier besonders widerstandsfähige Samenpflanzen,
wie z.B. Goldrute, Quecke, Birke, Weide oder Esche, einfinden.
Diese Pflanzen stellen wegen ihres starken Wurzelsystems eine
erhebliche Gefahr für die Dachdichtung dar. Sie müssen bekämpft
werden, Andere Pflanzen jedoch bilden ungefährliche und völlig
anspruchslose Begrünungen. Sie speichern reichlich Wasser, kön-
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SEITE
158
nen lange Zeit im "Dtirreschlaf n verharren und ernähren sich
von dem Humus, der sich in Form von Staub auf den Dächern ablagert bzw. von den Pflanzenwurzeln gehalten und zu Humus verwandelt wird. Zu diesen Pflanzen zählen Moose, Fetthenne,
Portulack, Hauswurz, Schnittlauch, einjähriger Steinbrech,
Sedumpflanzen, Sempervivum. Bei reichlicherer Humusschicht
finden sich auch Gräser, Unkräuter aller Art und auch Gehölze
wie Brombeeren, Himbeeren, Haselnüsse usw. ein (z.B. auf der
Siedlung Halen bei Bern).
Die Methode, eine Humusschicht auf dem Dach von selbstversäten Samen der Natur begrünen zu lassen, wurde oft von Le
Corbusier angewandt (98).
1.3
Heckenpflanzen
Hecken bilden natürliche, zum Teil sehr wehrhafte Zäune und
eignen sich an Häusern auf gewachsenem Boden als wetterschützende Wand (siehe auch B 3.3.2). Tabelle 110 gibt eine Übersicht
darüber, welche Gehölze sich für welchen Zweck gut eignen.
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159
Heckenart
Heckenpflanzen
Nutzfunktion
Geschnittene
^^aou- und
Wandhecken
Niedrig: Apfelrose, Berberitze,
Brombeere, Feuerdorn, Beidelbeere, Bi.obeero 'Johannisbeere, Mahonie, jap.Quitte,
Stachelbeere, Weinrose
Mittel: Apfelbeere, E[uiobucbeo,
Haselnuß, Hundsrose, l{ornelkirscbe, Mispel, Sauerkirsche,
Weißdorn
Hoch: Buche, Edelkastanie,
Eiche, Felsenbirne, Holzapfel,
Holzbirne, Linde, Maulbeere,
Mehlbeere, Ilo8buatuoie, Spei *rliof„ Vogelbeere, Vogelkirsche
Windschutz,
Sichtschutz,
Grundstücksabgrenzung
Ruu zäuuemösaeo
ruru Teil angebunden werden
Sichtschutz,
Brombeere, Himbeere, lIletterrosen, BnpfeuodereioObst,
jäbrigeI{nitureovvie:
Erbsen, Bohnen, Tomaten etc. Gemüse
Hang- und Böschungspflanzen,
auch sandige Böden
Brombeere, Grauweide, Ginster, Himbeere, Hundsrose,
Purpurweide, Roterle, Robinie, Sandbirke, Sanddorn,
Schlehe, Grauerle, Vogelbeere, Weißdorn, Zitterpappel
Halbschattengehöl- Brombeere, Elsbeere, Felsenbirne, Himbeere, Haselzer
nuß, aobvv.Boluoder ' Johannisbeere, Kornelkirsche, Mahonie, Stachelbeere, Weichselkirsche, Weißdorn, II=erQruiapel
meist PioniergebÖlue^ wachsen auch auf
schlechtesten
Böden und verbessern Stand-.
ort; Obst
für Hecken in
Schattenzonen
vouGebüudeo'
Hängen oder
Wälder, Obst
bei licbteozlJu-
Unter- und
I'öllPfIuuzeo
Brombeere, Haselnuß, Himbeare ^ schw. Holunder, Johannisbeere, Traubenkirsche
Kleinsthecken
Buchsbaum, Rosmarin, L aven- Garteneinteilung
del, Kerbel, Salbei, Ibytoiuo, Gewürz,
Geruuae
Gartenkresse etc.
T ub, 110:
terwuchs und
Wiuddüaen zur
nachträglichen
Füllung, Obst
Einheimische Laub- und Sträucherarten mit Eignung zur
Heckenbildung (nach 146)
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1.4
160
Bäume
Auf den hohen Wert der Bäume bei der Verbesserung des Stadtklimas ist schon in Kapitel B. 1 hingewiesen worden. Ihr gestalterischer Wert sollte nicht unterschätzt werden. Baumbestände sind
für manche Städte ebenso typisch geworden wie Denkmäler, Kirchen oder andere Gebäude: die Champs-Elysees mit ihren Platanenreihen; die Wiener Ringstraße, wo der Ahorn dominiert (136)
oder die Herrenhäuser Allee in Hannover, deren Bestand sofort
durch vorgezogene Linden ersetzt wurde, als die alten kranken
Bäume der Motorsäge überantwortet werden mußten. Durch rechtzeitige Ersatzplanung konnte Volkes Zorn gedämpft werden.
Dennoch ist die Haltung des Stadtmenschen Bäumen gegenüber
äußerst zwiespältig. Sofern sie verkehrs- und bautechnische Maßnahmen behindern, müssen sie meist schonungslos weichen. Darüber hinaus ist ihr Fortbestand vielfach durch die Belastung ihrer
Umwelt mit Schadstoffen der Stadtwelt ernstlich gefährdet (92).
Obwohl Bäume ihrer großen Blattoberfläche wegen klimatisch die
größte Leistung von allen Pflanzen in der Stadt erbringen, haben
sie unter denkbar schlechten Lebensbedingungen zu existieren.
Das führt häufig zu Schäden, die in Kap. C.3.2 beschrieben sind.
Bäume haben ein großes Wurzelwerk. Es erstreckt sich im allgemeinen in einem Raum von der Größenordnung der Kronen. Es ist
also unsinnig, Bäume in Tröge zu pflanzen und sie als "Straßenmöbel" hin- und herzukarren, weil Leitungen und Verkehrsplanungen es so wollen. Wichtig ist daher, den Standplatz von Stadtbäumen so umsichtig zu planen, daß er über Menschengenerationen
hinaus an seinem Platz stehen bleiben kann. Erst dann wird nach
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DES
BAUENS
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161
Jahrzehnten der Nutzen eines Baumes voll zur Entfaltung gelangen können.
So genießen wir erst heute die Investitionen unserer Großväter,
die in den 20er Jahren und um die Jahrhundertwende Bäume in
die Straßen und Höfe gepflanzt haben. Andererseits kennt jeder
die Straßen und Quartiere, in denen leichtfertig geholzt oder vergessen wurde, die nächste Baumgeneration rechtzeitig zu pflanzen. Der Bestand an Stadtbäumen ist und wird bedenkenlos reduziert. Die Tief- und Straßenbauer, unterstützt von den Parlamenten, sind die größten Übeltäter (114).
Der Bestand der Straßenbäume muß erhalten und möglichst ausgeweitet werden, denn er ist maßgeblich an der Anhebung des
Wohnwertes in Städten beteiligt. Das größte Kapital, das in diesem
Zusammenhang bewahrt werden muß, ist die bereits zurückgelegte Zeit des Wachstums der Bäume. Selbst die Zeilensiedlungen
und Blockbebauungen der 50er Jahre sind inzwischen so eingewachsen, daß die berechtigte Klage Barth' s über die Unwirtlichkeit der Städte teilweise nicht mehr verstanden wird (21); denn
die Monotonie der Gebäude ist von individuellen Bäumen inzwischen überdeckt. Das häufigste Argument gegen die Pflanzungen
von Bäumen entlang den Fahrbahnen der Straßen ist die Besorgnis, die Bäume würden Verkehrsunfälle begünstigen oder gar verursachen. Zwei Untersuchungen der Technischen Universität Wien
widersprechen eindeutig dieser Ansicht. Beide Arbeiten haben gezeigt, daß sich baumlose und baumbestandene Straßen in ihren
Unfallzahlen - auch was die Schwere der Unfälle betrifft - kaum
unterscheiden (136).
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162
Von besonderer Bedeutung ist die richtige Auswahl der Straßenbäume. Das heiße, wasserarme und abgasreiche Stadtklima stellt
so harte Lebensbedingungen, daß nur noch wenige Bäume aus der
breiten Angebotspalette der Natur eingesetzt werden können.
Tab. ill:
Folgende Arten sind als Stadtbäume besonders geeignet (38):
- Robinien
- Mehlbeeren
- Erlen
- Robinia monophylla
- Robinia pseudoacacia
- Sorbus aria magnifica
- Sorbus intermedia
- Alnus incana
- Alnus cordata
- orientalischer
Weißdorn
- Platanen
- Linden
-
Eichen
- Silberahorn
- Schnurbaum
- Gingko
- Crataegus orientalis
- Platanus acerfolia
- Tilia tomentosa
- Tilia pallida
- Quercus rubra
- Quercus robur
- Acer saccharinum
- Sophora japonica
- Gingko biloba
Nadelgehölze (Koniferen) sind als Straßenbäume ungeeignet. Sie
verlangen im Vergleich zu Laubbäumen mehr Luft- und Bodenfeuchtigkeit und sind auch gegenüber Rauchgasen empfindlicher.
(38)
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163
Abb. 112:
Hohe Stadtbäume können relativ große monotone Baumassen durch
Brechung der Silhoutte erträglich machen
(Von Alten Garten, Hannover-Linden)
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1.5
164
Kletterpflanzen
Zu den Kletterpflanzen zählen Vertreter der Gehölze, der Stauden
und der einjährigen Pflanzen (6). Kletterpflanzen wachsen aufrecht, sind aber nicht in der Lage, sich selbst zu tragen. Sie benötigen fremde Stützen, also z.B. Bäume, Felswände, Häuser,
Rankgerüste usw. (148). Kletterpflanzen werden unterschieden
nach Rankenpflanzen, Windepflanzen, Wurzelkletterern und
Spreizklimmern. Im weiteren Sinne können auch noch die Spaliergehölze dazugerechnet werden. Weil die Kletterpflanzen für die
Gestaltung von Wohngebäuden von besonderer Bedeutung sind,
werden sie besonders eingehend behandelt.
Abb. 113:
Kletterpflanzen finden
in der Natur Kletterhilfen an Felsen und
Bäumen. Gebäude können diegleiche Funktion
übernehmen.
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1.5.1
165
Rankenpflanzen (s. Tab. 115)
Rankenpflanzen halten sich mit Hilfe besonderer Befestigungen,
den Ranken, an der Stütze fest. Ranken sind fadenförmige Greiforgane, die kreisende Bewegungen ausführen, bis sie auf eine
Stütze treffen. Auf den Berührungsreiz hin umwachsen sie die
Stütze in ein- bis mehrfachen Windungen. Man unterscheidet
zwischen Blatt-, Sproß- und Wurzelranken. (6)
Eine besondere Ausbildung der Sproßranken tritt beim wilden Wein
auf. Hier wird die Befestigung der Pflanze an der Stütze durch
Haftscheiben herbeigeführt. Sie sitzen an den Rankenenden und
sondern ein Kontaktsekret ab, das Haftscheibe und Stütze fest
miteinander verklebt (148).
Abb. 114:
Berankung von Wand und Dach durch Clematis montana rubens
(aus: Schöner Wohnen 9/80)
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166
RANKENPFLANZEN
ART
HÖHE LICHT BEMERKUNGEN
Akebia quinata
10 m
0 sehr wärmebedürf-
0
tig, eßbare Früchte
4m
Ampelopsis aconitifolia
(Scheinrebe)
0
schöne Herbstfärbung
Clematis (Waldrebe)
- alpina
montana
vitalba
2m
8m
12 m
0
0
0
Lathyrus latifolius
(Staudenwicke)
0
0
0
0
Parthenocissus
(Wilder Wein)
- quinquefolia
tricu spidata
0
• schöne Herbstfärbung
12 m
20 m
Vitis (Weinrebe)
0
0 schöne Herbstfärbung
- coignetia
vinifera
- riparia
10 m
8m
8m
eßbare Früchte
Adlumia fungosa
(Adlumie)
1, 5 m 0
windempfindlich
8m
Cobaea scandens
(Glockenrebe)
Cucurbita pepo var.
ovifera (Zierkürbis)
X
3m
Eccremocarpus scaber
(Schönranke)
X
5m
Lathyrus odoratus
(Duftwicke)
X
1 M.
Tab. 115:
Quellen: (6/165, 167, 168, 169, 170, 171)
0
sehr schnellwüchsig,
zierende Früchte
0
0
0
0
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167
Abb. 116:
Wilder Wein in herbstlicher
Färbung
(aus: Schöner Wohnen 9/80)
Abb. 117:
Grüne Fassade aus wildem
Wein
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SEITE
168
1.5.2
Windepflanzen (s. Tab. 119)
Im Gegensatz zu den Rankenpflanzen bilden Windepflanzen oder
Schlinger keine besonderen Kletterorgane. Sie umschlingen mit
ihrem ganzen Sproß die Stütze und drehen sich aufwärts. Waagerechte oder nach unten geneigte Stützen werden nicht selbständig
bewachsen, nur schwach aufwärts geneigte ungern.
Windepflanzen lassen sich gut führen, umschlingen andere Pflanzen, aber ggf. so kräftig, daf3 diese erwürgt werden können (146).
Abb. 118:
Fenster von blühender Glyzinie umrahmt
(aus: Schöner Wohnen 9/80)
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169
WINDEPFLANZEN
ART
AUSDAU- EINHÖHE LICHT BEMERKUNGEN
ERND JÄHRIG
Actinidia arguta
(Strahlengriffel)
0
zweihäusig
zierende Früchte
Aristolochia macrophylla (Pfeifenwinde)
0
sehr anspruchslos
Celastrus scandens
(Baumwürger)
Lonicera (Geißblatt)
caprifolium
- henryi
periclymenum
Polygonum aubertii
(Schlingknöterich)
8m
X
X
X
X
7m
3m
5m
X
20 m
O
4 zweihäusig, sehr
anspruchslos, alle
Pflanzenteile giftig
O
4
immergrün
O
Wisteria (Glyzine)
floribunda
sinensis
4 trockene Lagen,
schnell wüchsig
0
sehr große Blütenstände
Convolvulus tricolor
(Dreifarbige Winde)
X
1m
0
Dolichos lablab
(Heimbohne)
X
4m
0
Humulus scandens
(Jap. Hopfen)
X
4m
Ipomoea purpurea
(P runkwinde)
X
Quamoclit coccinea
(Sternwinde)
X
Thunbergia alata
(Schwarzäug. Susanne)
X
Tropaeolum majus
X
(Kapuzinerkresse)
Tab. 119:
Quellen: (6/165, 167, 168, 169, 170, 171)
sehr wärmebedürftig
• 4 sehr anspruchslos
0
4m
0
1, 5 m O
2m
O
sehr wärmebedürftig
4 kriecht auch am
Boden
4 für magere Lagen,
kriecht auch am Boden
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SEITE
170
1.5.3
Wurzelkletterer (s. Tab.
120)
Die Triebe von Wurzelkletterern führen keine Suchbewegungen aus.
In der Jugend kriechen sie über den Boden dahin, bis sie eine
Stütze finden, an der sie emporwachsen (147). Sie bilden auf
der dem Licht abgewandten Seite Haftwurzeln aus, die sich an
der Stütze fest verankern. Bekannte Vertreter sind Efeu und
Kletterhortensie (167) .
WURZELKLETTERER
ART
AUSDAU- E
"HOHE LICHT BEMERKUNGEN
ERND .JÄHRIG
Hydrangea petiolaris
(Kletterhortensie)
X
Campsis radicans
(Trompetenblume)
X
Euonymus fortunei
(kriechender
Spindelstrauch)
X
Hedera helix
(Efeu)
X
25 m 0 0 kriecht auch am
Boden
Tab. 120:
Quellen: (6/165, 167, 168, 169, 170, 171)
10 m 0
sehr wärmebedürftig, windempfindlich
2m 00 halbimmergrün,
kriecht auch am
Boden
30 m 0 0 immergrün, kriecht
auch am Boden
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171
1.5.4
Spreizklimmer (s. Tab. 122)
Diese Kletterpflanzen können sich mit Hilfe von Stacheln, Dornen
und kurzen Seitentrieben an den Stützen verkrallen. Haben die
Triebe erst einmal Halt gefunden, können sie für die nachwachsenden Triebe Stützfunktionen übernehmen (167). Die Spreizklimmer werden auch als flechtende Sträucher oder Heckensträucher (s. Heckenpflanzen) bezeichnet, da sich ohne fremde
Stützen die Triebe so ineinander verflechten, daß sich eine Hekke bildet (147). Zu dieser Gruppe gehören u.a. die Kletterrosen
und Kletterbrombeeren (167).
Abb. 121:
Kletterrosen als AussenwandbekIeidung
(aus: Schöner Wohnen 9/80)
SPREIZKLIMMER
ART
AUSDAU
E
D
Lycium halimifolium
(Bocksdorn)
X
Rosa sp. (Kletterrose)
X
Rubus henryi
(Kletterbrombeere)
X
EIN-
JAI-] RIG
Tab. 122:
Quellen: (6/165, 167, 168, 169, 170, 171)
HHF
LICHT BEMERKUNGEN
0
2- 8
0 für arme trockene
Lagen
00
0
0 wintergrün
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1.5.5
172
Spaliergehölze
(s. Tab. 1.23)
Bei Spaliergehölzen handelt es sich nicht im eigentlichen Sinne
um Kletterpflanzen. Sie sind willkürlich durch Schnitt und Ziehen
zu flächiger Wuchsform gezwungene Gehölze. Wand oder Gerüst
dienen dabei als Fessel. Diese Gehölze sind zur Wandbegrünung
gut geeignet, und da es sich meist um Obstgehölze handelt, liefern sie auch noch Früchte, die besonders an warmen Südwänden
zu höherer Reife gelangen können.
Cotoneaster horizontalis
(Zwergmispel)
1, 5 m 0 ® für trockene Lagen
4 -8 m 0 •
3m 0 0 wärmebedürftig
4- 0 0
10 m
2 -8 m 0 0 zum Teil auch für
trockene Lagen
für trockene Lagen
Tab. 123:
Quellen: (6/165, 167, 168, 169, 170, 171)
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1.6
173
Dach- und Trogpflanzen
Die Bedingungen für Pflanzen auf Dachgärten und in Trögen lassen
nicht zu, daß die Flora eines normalen, zu ebener Erde gelegenen
Gartens einfach auf das Dach verlegt wird. Allein entscheidend
ist nicht das technisch Machbare, auch Sehgewohnheiten und eingeprägte Landschaftserlebnisse müssen berücksichtigt werden.
So wirkt es z.B. ziemlich grotesk, wenn über einer hohen Hauswand eine Birke schwankt oder ein Hochhaus von einer Fichtengruppe gekrönt ist. Das Gefühl der Befremdung oder auch der
Komik bei solchem Anblick ist begründet in der Unnatur der Situation:
- Die Proportionen stimmen nicht ganz, denn von unten gesehen
verliert ein Baum, der uns auf dem Erdboden durch seine
Größe beeindruckt, jede Wirkung.
- Man glaubt diesen Bäumen auf dem Dach ihr Leben nicht recht.
Bäume gehören auf den Erdboden, nicht auf die dünne Vegetationsschicht eines Dachgartens. (98)
Die Klimazone des Daches läßt sich etwa mit der Krummholzzone
unserer Berge vergleichen. Niedrige breite Zwerggehölze passen
daher am ehesten auf Dächer.
Sehr wichtig ist die Berücksichtigung besonders widerstandsfähiger
und mit Sicherheit blühender Pflanzen. Unter diesen Gesichtspunkten müssen aus einer gewaltigen Anzahl möglicher Bepflanzungen wenige Arten ausgewählt werden.
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174
Die dabei verbleibende Zahl ist dennoch so groß, daß es nicht
Aufgabe dieser Untersuchung sein kann, eine entsprechende
Pflanzenliste wiederzugeben. Sie sind mit ausführlichen Beschreibungen und Biotophinweisen in der Literatur z.B. 97 und
98 zu finden.
Die Listen umfassen Laubbäume, Sträucher, Nadelgehölze, immergrüne Pflanzen, Gräser, Blütenstauden, einjährige Sommerblumen, Blumenzwiebeln und Knollen, die für die Bepflanzung von
Dächern und Trögen besonders geeignet sind.
2.
Hilfskonstruktionen
2.1
Kletterhilfen
Kletterpflanzen mit Haftscheiben (z. B. wilder Wein) oder Haftwurzeln (z.B. Efeu) benötigen keine Kletterhilfen, sie finden an
der vorhandenen, halbwegs griffigen Hauswand, z.B. mit Putz
oder Ziegeloberfläche, ausreichenden Halt. Andere Pflanzen wie z.B. Windepflanzen, Rankenpflanzen, Spreizklimmer und
Spaliergehölze - bedürfen einer stützenden und tragfähigen Konstruktion.
2.1.1
Multifunktionale Kletterhilfen
Manche Kletterhilfe muß nicht eigens für den beabsichtigten Pflanzenwuchs konstruiert werden, sie ist schon zur Erfüllung anderer
Funktionen vorhanden und erfüllt die Aufgabe als Kletterhilfe so
nebenher.
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Abb. 127:
Wilder Wein als Sonnenschutz
(aus: Schöner Wohnen 9/80)
Abb. 128:
Glyzinie im Versprung zweier
Häuser am Regenfallrohr rankend
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Abb.
177
129:
Einbruchschutz als Rankgerüst
für Tomaten
(aus: Althaus-Modernisierung /80)
Abb. 130:
Loggien-Trennwand als Kletterhilfe für Glyzinie
(Roderbruch-Hannover)
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178
Hierzu eignen sich besonders technische Zweckbauten,wie Hochspannungsmasten, Telegraphenmasten und Brückenpfeiler, die ja
oft genug und unvermeidlich auch in Wohngebieten anzutreffen
sind. Ein Bewuchs mit Kletterpflanzen gibt diesen nüchternen
Konstruktionen ein versöhnliches und unverwechselbares Aussehen, denn so sehr sich nackte Masten auch gleichen, im berankten Zustand entwickeln sie individuelle Eigenformen.
An Haus und Garten direkt sind als multifunktionale Kletterhilfen
vor allem Zäune, Brüstungen, Geländer und Regenfallrohre zu
nennen. Das Regenfallrohr ist nahezu eine Domäne von Polygonum und Glyzine, die das Rohr spielend bis zur Höhe von 3 bis
4 Geschossen begrünen.
Für Zäune und Geländer eignen sich auch einjährige Pflanzen besonders gut, weil sie sehr schnellwüchsig sind, blühen und wie
z.B. bei Bohnen und Erbsen auch noch Früchte tragen. Von Nachteil ist, daß jedesmal im Herbst die alten Pflanzen aus der Kletterhilfe wieder herausgeflochten werden müssen. Bei Gartenzäunen
bietet sich an, 'Einwegkonstruktionen' wie Reisig oder Bindfadengerüste zu verwenden, die im Herbst zusammen mit den Pflanzenresten kompostiert werden können (146).
Da Brüstungen von Terrassen und Dachgärten zur Vermeidung des
Herabfallens, z.B. von Kinderspielzeug u. ä., oft über bauaufsichtliche geforderte Höhe hinaus gesichert werden müssen, können hier z.B. zwischen Stahlstäben gespannte feinmaschige Kunststoffnetze Verwendung finden, die wetterfest sind und Windschutz
bieten. (95) Sie geben eine hervorragende Kletterhilfe ab. Gegen-
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179
über Metallkonstruktionen haben Kunststoffnetze den Vorteil der
geringeren Wärmeleitung, die das _Ausfrieren von mehrjährigen
Pflanzen verhindert.
Netz mit Schlingpflanzen
bewachsen
Abb. 131:
Kletternetze als Abschluß von Dachgärten
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180
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2 . 1. 2
Wandgebundene Rankgerüste
Ausbildung und Material der Kletterhilfen werden durch die
Wuchsform der verwendeten Kletterpflanzen bestimmt.
Windepflanzen benötigen ein Gerüst aus senkrechten Drähten,
Stäben oder Latten. Um den Trieben genügend Umlauffreiheit
zu geben, sollte ein Mindestabstand von 20 cm von der Wand und
zwischen den Stäben von 30 cm eingehalten werden (147). Außerdem dürfen die Stäbe nicht zu dick sein, damit der Weg nicht zu
Abb. 132:
Grüngatter an einer Brandmauer
(Nähe Champs Elisees, Paris)
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Abb. 133 + 134:
Rankgerüste bestimmen im Winter bei abgeworfenem Laub
durch ihre Gestalt maßgeblich die Fassade. Dieser Umstand muß bei der Planung berücksichtigt werden.
(aus: Schöner Wohnen 9/80)
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182
lang ist, den die kreisende Triebspitze zurücklegen muß.
Spreizklimmer benötigen waagerechte Querlatten. Bei Rosen
sollte der Abstand zwischen den Latten 40 - 50 cm betragen,
sonst maximal 40 cm. Der Abstand zur Wand sollte mindestens
15 cm betragen (147). Die Latten dürfen nicht zu schwach dimensioniert sein, da Spreizklimmer recht schwer sein können.
Rankenpflanzen kommen gut an einem Geflecht aus senkrechten
und waagerechten Drähten oder Stäben hoch. Der Abstand zwischen den Stäben sollte 40 cm nicht überschreiten (147). Besser
noch als orthogonale Rankgerüste eignen sich diagonale. Sie wurden deshalb schon im vergangenen Jahrhundert häufiger benutzt.
(110)
Auch für Fassaden, die in regelmäßigen Abständen renoviert werden müssen, braucht man auf eine Wandbegrünung nicht zu verzichten, wenn die Kletterhilfen lösbar an der Wand befestigt sind,
so daß sie gemeinsam mit den Kletterpflanzen heruntergelegt werden können. (165)
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183
2.1.3
Freistehende Rankgerüste
Kletterpflanzen können auch unabhängig von Gebäuden oder mit
diesen im Wechselspiel zur Raumbildung beitra gen. Dazu werden
eigens dafür vorgesehene Gerüste gebaut.
Die bekannteste Konstruktion dieser Art ist die Pergola, die entweder freistehend oder angelehnt an die Kletterpflanzen zunächst
durch ihre Stützen Gelegenheit gibt, Höhe zu gewinnen und dann
durch horizontale Riegel die Pflanzen zu einer Dachbildung veranlaßt.
Abb. 135:
Sicht und Sonnenschutz durch
begrünte Pergolen über mehrere Geschosse gezogen.
Architekt: Schneider Wessling
(aus: Bauwelt 78 Heft 27/28)
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Abb.
184
136:
Fassade mit berankter
Pergola
(aus: Bauwelt 78
Heft 27/28)
Abb.
137:
Von Kragarmen
gehaltenes abgespanntes Kletternetz ermöglicht die vertikale Unterteilung
von Fassaden
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185
Für die Gestaltung größerer Freibereiche werden auch vorgefertigte Raumgitterkonstruktionen aus Metall (z. B. Mero-System)
eingesetzt. (111)
Auch vorgestellte oder abgehängte Fassaden und Balkongerüste
können gezielt als Rankgerüste eingesetzt werden. (14)
Da die verwendeten Bauelemente zumeist as Metall gefertigt sind,
ist darauf zu achten, daß nur frostunempfindliche Pflanzen eingesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit bestünde im Einhängen von
Kunststoffnetzen als sekundäre Kletterstruktur.
Abb. 138:
Ein Seilzirkus, der Kindern zum Klettern dient, kann auch
Pflanzen als Rankhilfe dienen
(aus: Prospekt, Corocord Spielbau GmbH 1977)
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186
Stabile wetterfeste (verzinkte Stahldrahtseile mit PolyamidgarnUmmantelung) Netzstrukturen ( Abb.138/139), wie sie z.B. auf
Kinderspielplä.tzen Verwendung finden, können auch zur Überspannung von Straßen und Höfen dienen. Auf diesen Netzen können sich rankende Grünflächen entwickeln, mit denen große Freiräume gebildet werden können (z. B. Straßenraum-Abschlüsse).
Abb. 139:
Seilkonstruktionen können Hof- und Straßenräume überspannen und so ein Dach aus rankenden Pflanzen schaffen
aus: Prospekt, Corocord Spielbau GmbH 1977)
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2.1.4
187
Materialien
Für Kletterhilfen können unterschiedliche Materialien verwendet
werden. Üblich sind Harthölzer, Bambus, Baustahlgewebe, Metallrohre oder Draht. Holzarten wie Lärche, Kiefer, Eiche müssen imprägniert werden, Bongossi und Afzelia können ohne Imprägnierung auskommen. (164)
Bei der Verwendung von Imprägnier- und Anstrichmitteln muß
darauf geachtet werden, daß darin keine pflanzenschädigenden
Substanzen wie Phenole, Ammoniak, Chlor usw. enthalten sind
(165). Holz sollte daher mit natürlichen Holzschutzmitteln wie
Holzteer, Holzöl oder Soda behandelt werden (146).
Metall ist für frostempfindliche Pflanzen nicht geeignet, weil
dieses Material stark auskühlt und Erfrierungserscheinungen
bei der Pflanze hervorrufen kann (166).
Da Stahl außerdem vor Rost geschützt werden muß, werden für
diese Zwecke sowohl Stahldrähte, Stahlseile und Stahlmatten mit
Kunststoffummantelungen von der Industrie angeboten. (17)
Alle Kletterhilfen müssen mit rostfreien Befestigungsmitteln
an der Wand angebracht werden.
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188
2.2
Pflanzbehälter
2.2.1
"Kübelkultur"
Selten hat es in Architektur und Städtebau so viel Grünfreundlichkeit wie in den letzten Jahren gegeben. In vielen Fällen handelt
es sich hier wohl eher um Alibifunktionen (96). Pflanzen werden
am liebsten in Tröge gesperrt, auch dort, wo es gar nicht nötig
wäre, nur damit das Gelände "dramatisch" modelliert werden
kann. Wie sehr man des natürlichen Grüns entwöhnt ist, zeigt
z.B. die Tatsache, daß abgesehen vom Central Park in New Yorks
Manhattan nur zwei erwähnenswerte Oasen mit Pflanzen unter
freiem Himmel bestehen, und dieser Umstand als Sensation vermerkt wird (87). Sieht man genau hin, stellt man fest, daß offener Boden nirgendwo zutage tritt. Die Bäume erheben sich aus
dem Pflaster, werden künstlich unterirdisch versorgt. Die Kletterpflanzen an den Wänden senken ihre Wurzeln in ebenso versorgte Tröge. Jeder erreichbare Zentimeter ist gepflastert und
für Stühle, Tische, Kaffeetrinken, Spazierengehen reserviert Pflanzen sind in diesen "Oasen" sauber vom Boden weggeräumt.
Was in New York die Regel ist, muß ja z.B. in Bonns sogenannten "hängenden Gärten" nicht nachgeahmt werden. (111) Sicher
schneidet ein U-Bahn-Bau jegliche natürliche Bodenversorgung
ab. Pflanzen können nur noch in Trögen gedeihen. Je größer der
Trog ist, umso besser sind die Lebensbedingungen für die Pflanzen. Warum aber müssen hier z. B. kleine Tröge auf eine Raumgitterkonstruktion gehoben werden, deren Höhe spielend von jeder
Kletterpflanze überwuchert werden kann?
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189
Abb.
140:
Wandbegrünung: Topf an Topf? Das Gefühl für die Nutzung
natürlichen Bodens ist verloren gegangen
(aus: db 3/73)
Abb.
141:
Wenn der Blumenkasten als Objekt formalistischer
Spielereien dient, geht seine Funktion, Pflanzen zu beherbergen, oft verloren
(Kaplaustra0e, Hannover-Linden)
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190
Abb . 142 + 143:
Häufig werden Pflanzkästen zu wahren "Spurenelementen" verstümmelt.
Erst die Initiative der Bewohner bringt mit Blumenkästen an den Laubengangbrüstungen und Kapuziner-Kresse einen Ansatz zur Begrünung.
(Ihme -Zentrum, Spinnereistraße, Hannover -Linden)
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191
Es ist eine Unsitte, Pflanzen auch dort in Tröge einzusperren,
wo es nicht nötig wäre. Es entsteht sogenanntes "Leistungsgrün"
(22). Die Leistung reduziert sich auf die mobilen Pflanzkübel,
die leicht verändert oder ausgetauscht werden können. Biotope,
die sich langfristig entwickeln, werden so verhindert. Pflanzen
sind keine Vagabunden oder beliebig verschiebbare Dekorationen.
Dieser "Kübelkultur" sollte man den Kampf ansagen.
Tröge, besonders Betontröge, sind für die Bepflanzung klimatisch
ungeeignet, weil sie sich in der Sonne aufheizen, Wärme speichern
und bis in die Nacht den Pflanzen Feuchtigkeit entziehen.
Im Winter frieren sie sehr schnell durch und tauen zu schnell auf.
Dieser rabiate Temperaturwechsel schadet den Pflanzen. (96)
2.2.2
"Trog-Paradies"
Überall dort, wo natürlich anstehender Boden oder die Unterbringung
kompakter schwerer Vegetationsmassen konstruktiv nicht möglich
sind, in der Regel also bei allen künstlichen Freiflächen des Wohnungsbaus, kommt dem Pflanzbehälter dennoch eine nicht positiv
genug einzuschätzende Bedeutung zu. Natürlich ist es unabdingbar,
die Bedingungen der Pflanz g efäße bei Pflanzenwahl und Versorgung
mit Wasser und Nährstoffen von vornherein in Rechnung zu stellen.
Pflanztröge ohne Bewässerungssystem sind eigentlich nur für
Kakteen geeignet (96). Diese Pflanzen sind natürlich nicht jedermanns Sache und außerdem nicht winterfest. Je kleiner ein Pflanzgefäß ist, desto höher ist sein Wasserbedarf. Blumenkästen an
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192
Abb. 144:
Blumentöpfe in Drahtkörben können trübe Hinterhofwände auflockern. Das Gedeihen ist abhä.ngig vom fleißigen Gief3en und der
Zuverlässigkeit des "Gärtners"
(aus: Althaus-Modernisierung
/80)
Automatische
Wasserstands-regulierung
'lurch
Aquamatic
0 Die Wasserführung,
für das Auge
unsichtbar, gelangt
zu jedem
Pflanzelement
Abb. 145:
Pflanztröge mit Wasserspeicher
erlauben größere Pflegeintervalle. Bewässerungsautomaten
machen nur noch Kontrollen notwendig
(aus: Prospekt, Balcol-r/80)
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193
Fenstern und Balkonbrüstungen mit im Schnitt nur 15 cm Breite
und einer maximalen Länge von ca. 1 m (97) können nur wenig
Feuchtigkeit speichern und sind schnell ausgedörrt, wenn die
Gießkanne besonders an heißen Sommertagen nicht regelmäßig
eingesetzt wird. Bei größeren Mengen solcher Blumenkästen kann
die Wasserversorgung per Gießkanne zur "Vollbeschäftigung" ausarten. Aus diesem Grunde ist die Pflege der Pflanzen während
des Urlaubs immer ein Problem. Hier sind inzwischen auch für
kleine Pflanzbehälter wirkungsvolle Bewässerungsanlagen entwickelt worden, die sich im Verbund mit einer Drainschicht ähnlich wie bei der Dachgartenbewässerung sowohl der Tropf- als
auch der Anstaubewässerung bedienen. (s. Abb. 145),
Eine Zwischenlösung bilden Pflanzgefäße mit halbautomatischer
Bewässerung. Sie verfügen über einen mit Drainmaterial gefüllten kapillaren Speicherraum, der je nach Gefäßgröße und Pflanzen eine Wasserversorgung zwischen 7 und 30 Tagen gewährleistet. (95)
2.2.2.1
Leichte Tröge
Die am häufigsten zur Herstellung von Pflanzbehältern eingesetzten Mat erialien Rind Kunststoffe, Asbestzement und Beton.
Ton und Holz kommen nur noch selten zum Einsatz. Die mobilen
Behälter bestehen gewöhnlich aus den leichten Materialien Kunststoff und Asbestzement. Sie werden bisweilen zusammen mit
Brüstungs- und Bewässerungselementen als Teil von Systemen
angeboten. (s. Abb. 145, 146, 147).
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194
Mobile Pflanzbehälter, die auf einem ebenen Balkon oder Terrassenboden abgesetzt werden, bestehen oft aus mehreren Ringen,
mit denen, dem benötigten Wurzelraum der jeweiligen Pflanzen
entsprechend, dünnere oder dickere Vegetationsschichten aufgenommen werden können.
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Abb. 146:
Leichter Asbestzement-Trog als
Mauerkrone
(aus: Prospekt,
aktual-optima 8/79)
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Abb. 147:
AsbestzementBrüstungstrog für
Loggien und Terrassen
mit Wasserspeicher
(aus: Prospekt, aktualoptima 8/79)
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195
Eine besondere Funktion erfüllen stapelbare wasserdurchlässige
Pflanzkästen aus Kunststoffen, die nur in Verbindung mit einem
großflächigen Dachgartenbereich eingesetzt werden und eigentlich nur die Armierung für einen Vegetationshügel (Pyramide)
bilden.
Abb. 148:
Pflanzenhügel aus
dreieckigen Kästen
(Oskar Brecht + Co)
Abb. 149:
Pyramide aus
Pflanzenkästen
(Oskar Brecht + Co
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196
Abb. 150:
Pflanztröge schützen vor Verkehrslärm
(Otto-Brenner-Straf3e, Hannover)
Abb . 151:
Richtige Pflanzenkombinationen gedeihen auch auf Nordseiten
(Ihme-Zentrum, Hannover)
Abb. 152:
Breite Brüstungströge trocknen und frieren nicht so schnell
aus. Die Bepflanzung sollte niedrig sein.
(aus: Mein Eigenheim / 80)
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197
2.2.2.2
Schwere Tröge
Der W erkstoff Beton verleitet seiner guten Formbarkeit wegen oft
dazu, Pflanztröge monolitisch im. Zuge mit Dach- und Deckenplatten zu schalen und zu schütten.
Der Trog übernimmt so zwar auch die statische Funktion eines
Randbalkens und bei terrassierten Häusern (z, B. Hügelhaus) auch
die wasserableitende Funktion der Dachrinnen, die durch ein
Drainrohr vor dem Einschlämmen mit _Erdsubstrat besonders
geschützt werden muß. Dennoch ist infolge dieser Überfrachtung
des Bauteils durch Funktionen verschiedenster Art mit Bauschäden
zu rechnen, die durch Dehnungsspannungen, unzureichende
Feuchtigkeitssperre und nicht kontrollierbare Entwässerung pro- .
grammiert sind.(104) Darüber hinaus bringt diese Konstruktion
Kältebrücken in das Gebäudegefüge, denn ein an die Deckenplatte
angeschlossener Trog wirkt wie eine Kühlrippe.
Eindeutig vorteilhafter ist die Lösung des Troges, der als Fertigbauteil präziser, wasserdicht und mechanisch sauber getrennt
und elastisch aufgelagert in den Bau eingebracht wird. (106)
Nach Möglichkeit sollte einer Montage durch Haftreibung infolge
hohen Eigengewichtes oder durch Dollen die den Trogboden nicht
durchstoßen (wie z.B. Schraubenbolzen) der Vorzug gegeben werden, weil die Dichtung von Montagelöchern zusätzliche Risiken
für Leckagen birgt. Oft finden Reiterkonstruktionen Anwendung,
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2.3
198
Brüstungsfunktion
Werden Pflanzengefäße wie üblich als Brüstungselemente eingesetzt, so muß die vorgeschriebene Brüstungshöhe nicht unbedingt
durch konstruktive Elemente hergestellt werden. Diese Funktion
kann auch geeigneten Pflanzen zugewiesen werden, die damit direkt zu einer baubehördlichen Angelegenheit werden. Entsprechende Maßnahmen schlugen sich in dem "Benutzungsbewilligungsbescheid" eines Terrassenhauses in Österreich nieder (135),
in dem es heißt:
"Die Blumentröge sind mit winterharten Stauden oder Rosen zu
bepflanzen, so daß ein Erklettern erschwert wird. Bei Terrassen
mit Erdaufschüttungen und Bepflanzungen hat das Geländer stets
eine Höhe von 1,10 m zu erhalten oder ist die Bepflanzung so zu
gestalten, daß ein Zutritt zur Brüstung beziehungsweise zum Geländer unmöglich gemacht wird."
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199
3.
Pflege und Unterhaltung
3.1
Wasserversorgung
Die Wasserversorgung ist für alle Pflanzen im städtischen Wohnbereich ein Kardinalproblem. Die Freiflächen auf Höfen, Straßen
und Plätzen haben häufig so geringe Abmessungen gegenüber den
zugepflasterten und asphaltierten Bereichen, daß sie als Speichermassen für Wasser nur wenig zu leisten vermögen. Auch wird
durch den schnellen Abfluß des Wassers über die Kanalisation
der natürliche Nachschub über Regenwasser stark reduziert. Solange diese Oberflächenversiegelung beibehalten wird, muß also
auch bei den ebenerdigen Freiflächen an eine zusätzliche künstliche Bewässerung gedacht werden, wenn der Pflanzenbestand
vor der Gefahr des Verdurstens bewahrt werden soll.
Bei Baumbepflanzungen an Stadtstraßen wird aber immer wieder
eine ausreichende Bewässerung vernachlässigt. In Los Angeles
gibt es z.B. für alle Stadtstraßen eine automatische Zusatzbewässerung. Eine billigere Möglichkeit ist das Einlegen von
Drainagerohren in den Wurzelbereich, die dann periodisch mit
Wasser gefüllt werden. (136)
Alle künstlich angelegten Pflanzbereiche wie Tröge, Terrassen
und Dachgärten sind nahezu ausschließlich auf ebenso künstliche
Wasserhaltungs- und Versorgungssysteme angewiesen.
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200
Bewässerungssysteme sind so alt wie die Kunstgärten überhaupt.
Erst die Bewässerung erlaubt ja den Anbau von Pflanzen in für
sie im Grunde tödlichem Terrain. So ist es kein Wunder, daß
Bewässerungssysteme in den alten Stromkulturen Mesopotamiens
entstanden. Es gehörte zur alltäglichen Übung, mit Hilfe von Kanälen und Schöpfwerken Wasser auf trockene Landstriche zu verteilen, um so Ernten zu ermöglichen. Auch die sogenannten
"Hängenden Gärten der Semiramis" (siehe auch B. 3.4) wurden
künstlich durch eine Schöpfmaschine bewässert, die nach dem
Paternostersystem derart arbeitete, daß eine Kette von Eimern
über eine Welle lief und Wasser - entweder Grundwasser oder
Flußwasser aus Zuführungskanälen des Euphrat - heraufholte.
Vom höchsten Teil des Gebäudes wurde es durch Röhren zum
Verbrauchsort geleitet (98).
Dieses Prinzip der Wasserverteilung durch Schwerkraft innerhalb des Bodens (Drainageschicht) wird auch heute noch zur Bewässerung geneigter begrünter Dächer (161) genutzt, indem
Wasser in ein Firstrohr gepumpt wird und sich von dort unter
den Pflanzen hindurch bis zu einem Sammelrohr in der Traufe
ausbreitet. Das Überschußwasser wird wieder zurückgepumpt natürlich mit einer modernen Pumpe. Diese Bewässerungsmethode
ist heute eher die Ausnahme. Die Regel sind Beregnung, Tröpfchenbewässerung
3.1.1
und für ebene Flächen die Anstaubewässerung.
Beregnung
Die Beregnung ist die verlustreichste Bewässerung in bezug auf
den Wasserverbrauch, denn durch Verdunstung gehen rund 40 %
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201
des Wassers verloren, ohne der Pflanze zu nützen (63). Man findet sie überall da, wo der Boden durchlässig, Wasser aber wenn auch in größerer Tiefe - noch ausreichend vorhanden ist.
Die Lüneburger Heide z.B. steht im Sommer voller Beregnungsanlagen. Das ist nicht immer so gewesen. Erst der verantwortungslose Raubbau am Grundwasserpotential,verursacht durch den Wasserbedarf der Städte, hat den Grundwasserspiegel so weit sinken
lassen. Leider ist die Beregnung auch die verbreitetste Bewässerungsmethode fast aller Privatgärten im städtischen Wohnbereich.
Das liegt daran, daß ein Gartenschlauch mit Düse eben die geringsten Anlagekosten verursacht. Die Betriebskosten (Wasserrechnung Stromkosten der Grundwasserpumpe) sind die höchsten.
Auch die Bewässerung dieser Gärten ware weitestgehend überflüssig, wenn darauf verzichtet würde, durch Anschütten des Baugeländes mit minderwertigen Böden und übermäßige Kanalisation
des Regenwassers den Grundwasserspiegel unsinnig abzusenken.
Jeder Bauherr hat es in der Hand, diesen Wasser-Raubbau dadurch zu steuern, daß er das anfallende Regenwasser nicht auf
schnellstem Wege dem Regenwasserkanal zuführt, sondern es zur
Bewässerung von Dachgarten, Terrasse und Garten nutzt (138).
Bei Überangebot von Regen sollten Speicher wie Zisternen, Regentonnen oder rlartentimpel Speicherfunktion tibernehmen.
Für die staubbeladene Luft der Innenstädte hat die "Bewässerung
von oben" (Beregnung) trotz ihrer hohen Verdunstungsverluste
jedoch auch einen Vorteil. Sie wäscht sowohl die Luft als auch
die verstaubten Pflanzen (93).
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3. 1. 2
202
Tropfbewässerung
Die Tropfbewässerung vermeidet die hohen Verdunstungsverluste
einer Beregnung dadurch, daß sie den Transport des Wassers zur
Pflanze im geschlossenen System besorgt. Alle dazwischenliegenden Flächen werden nicht benetzt und scheiden als Verdunstungsflächen aus. Dazu ist natürlich ein weitverzweigtes Leitungsnetz
meist aus Kunststoffrohren, meist kleineren Durchmessers,
notwendig. Das Wasser tritt drucklos und tropfenweise aus
Tropfdüsen und sinkt unmittelbar an der Pflanze in den Boden.
Dort verteilt sich das Wasser durch Kapillarkräfte und bildet
Feuchtigkeitszonen direkt im Wurzelbereich der Pflanzen.
Die Leitungen werden zumeist oberirdisch geführt Abb. 153. 154)
Wenn sie unterirdisch z.B. bei Dachgärten verlaufen, werden
zumindest die Endzweige mit den Tropfdüsen oberirdisch geführt.
Abb. 153:
Tropfbewässerung erlaubt auch die automatische Wasserversorgung von kleinen Blumenkästen
(aus: Prospekt, Perrot 80)
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203
Auch die Verlegung eines Tropfrohres unt er der Vegetationsschicht ist möglich, bildet aber wegen der Verstopfungsgefahr
die Ausnahme. (Abb.155)
Die Tropfbewässerung eignet sich auch für kleinste Pflanzbehälter.
Sie kann über Feuchtefühler über längere Zeiträume (z.B. Ferien)
automatisch bewässern. (Abb.153)
Abb. 154:
Tropfbewässerung
durch oberirdisch
verlegte Leitungen
(aus: Prospekt,
Perrot 80)
Abb. 155:
Tropfbewässerung
durch unterirdisch
verlegte Leitungen
(aus: Prospekt,
Fränkische Rohrwerke 11/77)
Sand- oder
Splittbett
Hygromull-Schicht
Lutraflor-Filterviies
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3. 1, 3
204
Anstaubewässerung
Die Anstaubewässerung ist besonders gut für den Einsatz auf begrünten Flachdächern mit geringem Gefälle (0 - 0, 5 %) (95)
geeignet. Der Wasserstau erstreckt sich auf die Drainschicht und
muß einige Zentimeter unter ihrer Oberfläche liegen. In der bei
Staubewässerung üblichen Drainschicht u. a. z.B. aus Lecaton
erfolgt der Wasseranstieg begrenzt kapillar über die punktuellen
und linearen Kornberührungen (109). Drainschicht und Staupegel
+ 1 bis 1, 5 cm
dürfen daher nur minimale Toleranzen von
aufweisen. (95)
Werden Schaumstoffe als Drainschicht verwendet, so ist bei Anstaubewässerung zu prüfen, ob die Vegetationsschicht mächtig,
d.h. schwer genug ist, um ein Aufschwimmen der extrem leichten Drainschicht zu verhindern. (93) Schwere Drainmaterialien
wie Kies sind in dieser Hinsicht unbedenklich. Um dennoch auch
bei dünnen bzw. leichten Vegetationsschichten nicht auf den Vorteil einer leichten Drainschicht verzichten zu müssen, sind Vegetationsplatten entwickelt worden, die nur mit geringen Volumina
in das Stauwasser eintauchen und Kanäle für Wasser und Luft
freilassen. (s. Abb. 156, 157)
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Betonehdeckung
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TinCof dterv0es Decnnnanze
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Abb. 156:
Vegetationsplatte mit Anstaubewässerung, Schmitt (Zinco
(aus: Der Architekt 9/77)
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205
Vegetationsplatte mit Anstaubewässerung
(aus: Prospekt, Zinco 79/80)
Abb. 157:
Auf größeren Flächen mit Gefälle bis zu 2 % würde die für eine
durchgehende Staubewässerung nötige Drainschicht zu dick werden. Hier hilft eine abgestufte Anstaubewässerung nach dem Prinzip der Fischtreppe s. Abb. 158 (95)
Der Wasserstand ist allerdings nicht regulierbar.
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300 cm be 1% Gefälle
Abb. 158:
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'
3
300 cm avec 1 % de pente
Anstaubewässerung nach dem Prinzip der Fischtreppe (93)
-
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206
Der Wasserstau erfordert eine sorgfältige Ausführung von Dachdichtung (s, B. 3.4.1.1) und Wannenrand. Für die Wannenränder
werden u. a. Winkel aus Beton oder Asbestzement eingesetzt. Sie
nutzen die Auflast des Gründachaufbaues zur Erhöhung der Haftungsreibung. Die Dichtungsfolien der Stauwannen werden an
ihnen hochgeklebt. s. Abb. 159 (95), 160 (Zink)
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4. n
11,0
avantearararierarimumestrega.
Abb.
159:
Wannenrand aus Asbest
zementwinkel (95)
Abb.
160:
Wannenrand aus Betonwinkel (Zinco)
Wasserzufuhr und Wasserstand lassen sich über Schwimmer oder
Druckventile regeln, die zusammen mit einem Überlaufrohr gewöhnlich im Schutze eines Kontrollschachtes angeordnet sind.
s. Abb.161,
Die Anstaubewässerung ermöglicht eine ständige und gleichmäßige
Versorgung der Vegetation mit Wasser (109). Da der Wasserstau
einen erheblichen Speichereffekt besitzt, werden die Pflanzen fast
ausschließlich mit Regenwasser versorgt. Dies ist für das Gedeihen der Pflanzen besonders dann wichtig, wenn zur Bewässerung stark chlorhaltiges Leitungswasser eingesetzt werden muß.
Unabhängig davon wirkt sich diese Bewässerungsmethode besonders günstig auf die Reduzierung der unsinnigen schnellen Regenwasserableitung durch die Städtische Kanalisation aus. Nur während einer langen Regenperiode fließt noch Überschußwasser in
die Kanalisation.
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207
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1 Kontrollschacht mit Deckel isoliert
2 optima-Dachgartenschwimmerventil
3 Auslaufrohr mit Verteilstück
4 Bewässerungsrohr
5 Wasserstand
Abb. 161:
Kontrollschacht mit Schwimmventil und Überlauf (95)
.
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3.2
208
Pflege
In der Stadt benötigen nahezu alle Pflanzen Pflege, weil zum einen
die Lebensbedingungen besonders pflanzenfeindlich sind, zum anderen aber auch
deshalb, weil die wirklich pflegefreien Pflanzen wie sogenanntes "Unkraut" (s. Kapital C. 1.2) nicht den Normvorstellungen der Stadtbewohner vom "gepflegten Grün" entsprechen.
Das sogenannte "öffentliche Grün" wird in seinem leistungsfähigsten Teil durch Bäume, überwiegend Straßenbäume, repräsentiert.
Selbst wenn nur Bäume eingesetzt werden, die den harten Lebensbedingungen am ehesten widerstehen können (s. Kap. C.1.4), so
sind sie dennoch pflegebedürftig - besonders als Jungbäume.
Gepflanzte Bäume sollten mindestens 10 Jahre lang verstärkt gepflegt, d.h. durchschnittlich 3 mal im Jahr gewässert und gedüngt
werden einschließlich dem Auflockern der Baumscheibe (38).
Besonders stark von der Pflege ist das Gedeihen von Pflanzen auf
Balkonen, Loggien, Terrassen und Dachgärten abhängig. Kahle
und üppig bewachsene Balkone an ein und demselben Haus machen
m c r wieder schlagend deutlich, daß privates Grün nur gedeiht,
wenn sich der Besitzer intensiv darum kümmert.
Häufig ist es eine Angst vor der ungewohnten Pflanzenfürsorge,
die Benutzer künstlicher Freibereiche abhält, aus eigenem Antrieb
zu begrünen. Hinzu kommt oft auch Unkenntnis über Bezugsquellen,
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209
Pflegebedingungen und Kosten der ersten Bepflanzung. Eine gute
Maßnahme, diese Schwellenangst zu überwinden, ist das kostenlose, weil im Wohnungspreis inbegriffene Angebot der Erstbepflanzung. Eine solche Initialzündung hatte in Österreich Erfolg.
Jeder konnte sich aus 150 Pflanzenarten umsonst aussuchen, was
er wollte. Im Endeffekt blieb keine Pflanzfläche leer, man war
auf den Geschmack gekommen. (135)
Bei sehr kleinen Pflanzkästen wie Fensterblumenkästen usw.
werden im allgemeinen jährlich Erdsubstrat und Pflanzen komplett
ausgetauscht. Wegen der geringen Mengen ist dieser Aufwand
auch vertretbar. (97) Für größere Pflanztröge und Dachgärten
muß jedoch eine kontinuierliche Nährstoffversorgung gewährleistet sein. Hier eignen sich gekörnte Dünger mit Langzeitwirkungen von mindestens zwei Monaten. Nach langen Regenperioden
ist wegen der Auswaschungen der Nährstoffbedarf besonders groß.
Vor allem bei geringen Dicken der Vegetationsschicht unter 10cm
und für stark zehrende Pflanzen wie Rasengräser ist eine gute
Nährstoffversorgung wichtig. Bei dickeren Vegetationsschichten
von 20 - 25 cm genügt je eine Düngergabe im Frühjahr und im
Sommer. Für Vegetationsschichten ab 40 cm genügt eine Düngergabe im Frühjahr (95).
Von solchen Pflegemaßnahmen können die sogenannten "Einfachbegrünungen" von Dächern ausgenommen werden, die nicht betreten werden, aber dennoch für Klima und Auge einen hohen
Wert haben. Voraussetzung ist natürlich die richtige, d. h. anspruchslose Pflanzenwahl (siehe Kap. C.1.2).
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210
Nahezu ohne Pflegeaufwand kommen die zur Begrünung von
Wänden am Haussockel gesetzten Pflanzen aus. Wichtig ist
hier vor allem eine ausreichende Wasserversorgung, da Dachvorsprünge und windabgekehrte Lagen direkte Bewegung verhindern können. Hier hilft in der Regel eine Bewässerung über das
Regenfallrohr. Anderenfalls müssen solche Pflanzstreifen am
besten über eine feste Ringleitung bei Bedarf bewässert werden.
Alte trockene Pflanzenteile z. B. bei Polygonum müssen im Frühjahr entfernt werden. Damit wird u. a. Vorsorge gegen Brandgefahr vor allem hinsichtlich des Feuerüberschlages von einem
Geschoß ins andere getroffen.
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3.2.1
211
Arbeitsaufwand
Das Grünflächenamt Wiesbaden hat für die Baumbepflanzung und
Baumpflege folgende Arbeitsnormen hochgerechnet und auf 100
Bäume ermittelt (38):
1) Baumbepflanzung
mit 4 cbm Bodenaustausch 500 Arbeitsstunden
250 Bagger stunden
400 Lkw- Stunden
2) Jun gbaumpfle ge
(Wässern, düngen usw.)
200 Std. /Jahr/Baum
3) Allgemeine Baumwässerung,
Erdlockerung usw.
200 Std. /Jahr/Baum
4) Baumfütterung mit organischem
Dünger (alle 5 Jahre)
50 Std. /Jahr/Baum
5) Sonderarbeiten
Formschnitt bei "Kastenbäumen" 800 Std. /Jahr/Baum
Auslichtungsschnitt
135 Std. /Jahr/Baum
Aus den Arbeitsnormen, ergänzt durch weitere Baumpflegearbeiten
wie Beseitigung von Unfallschäden, abgestorbenen Bäumen usw.
ergibt sich nach den Erfahrungen ein Arbeitskräftebedarf von rund
2 Arbeitskräften pro 1.000 Straßenbäumen, bezogen auf die 40Stunden-Woche.
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212
Im privaten Bereich ist die Pflege natürlich abhängig von den
Ambitionen des Nutzers. Wer die Pflege seines Grüns als Erholung ansieht, wird diese Tätigkeit kaum als Arbeitsaufwand
deklarieren wollen. Dennoch sind für die Pflege einer Dachterrasse durchschnittlich 5 - 7 Stunden pro Woche anzusetzen, wie
eine kleine Umfrage (135) ergab.
3. 2 . 2
Kosten
Hier soll nicht von den Kosten für die konstruktiven Elemente
(Tröge, Balkons, Dachgärten, Gerüste usw. ) gesprochen werden.
Sie sind zu sehr abhängig von der jeweiligen Grundstücks- und
Gebäudesituation. Hier soll vielmehr ein Hinweis auf die Kosten
der Pflanzen gegeben werden, mit denen oft in Verkennung ihres
auch hohen materiellen Wertes viel zu leichtfertig umgegangen
wird.
Häufige Auseinandersetzungen über den Wert beschädigter und
z.B. für andere Nutzung abzutretender Gehölzbestände haben zu
Verfahren geführt, welche die Kosten für die Herstellung von Einzelbäumen und Pflanzungen vor Augen führen (45). (s. Tabelle 162/163)
Für die Herstellung einzelner Bäume können so Kosten bis zu
DM 10.000, -- entstehen.
Die Kosten für Begrünungen direkt am Gebäude liegen zumindest
in der Anschaffung relativ niedrig im Verhältnis zu ihrer klimatischen und ästhetischen Wirkung. Für einen Quadratmeter begrünter Wandfläche durch Kletterpflanzen werden einschließlich Rankgerüst ca. DM 50, -- veranschlagt. (5)
Kosten der Pflanzung
Beispiele für die
Herstellungskosten
von Einzelbäumen
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25/30
4 (-5)
X V.
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900 DM •
Bflaoz^
kuatau l ^
DM
2
0ucb 3 J.
Mit Anwachspflege u.
-risiko 2)
IM
4
D8
3
Nach weiteren 10 Berat.jahrwo
Nach 20 l{eraCeIluogaiuhron
Spalte 4
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Ciuebumteo
x F
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Spalte 4
zuzüAl.
Zinskosten
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2,ü5
8
Pflege
und
Dioiko
60.-/J.
x F
Ergibt
8eraLul~
lungswert
12 / 5D .
5
DM
6
7
Pflege
und
Risiko
60.-/J.
x F
33,07
9
Ergibt
UeruLollun gsncrL
DH
10
Pappel, Vogelkirsche,
y'Ulma
33O.-
1 23O.-
1 798.-
2 927.-
755,~
3 8O2.-
4 759.-
1 984.-
6 743,-
Esche, Erle, Silberweide, W'Birke, Feldahorn,
CÜtterhaum
450.-
1 350.-
l g26.-
] 139.-
755.-
.
3 894.- `
5 104.-
1 984.-
7 888,-
Eberesche, Silberahorn
520.-
1 420.-
2 002,-
3 263.- 755,-
4 Dl8.-
5 305.-
1 984.-
7 289.-
Roßkastanie, Jap. Nelkenkirsche + gef.bl. Kirsche
J]U.-
l ö3O.-
2 228.-
3 632.-
755.-
4 387^-^
5 904.-
1 984,-
7 888.-
QinLer/Sonunerliuda,
Serb. Fichte, Tulpenbaum
840.-
1 740.-
2 347.-
] 826.-
755.-
4 58l.-
6 220.-
1 984.-
8 2U4^-
4 792,-
ö 564,-
1 084.-
8 548.-
Hainbuche, Robinie,
Blaue Atlaszeder, Amberbaum, Schourbaumx
Berg- u. Spitzahorn
Baumhasel, Krimlinde,
Stieleiche, Robinie
/ Monophyllu', Iu1aoheo
lioJo, Kaiserlinde,
Gleditschie
8 stmrr. Schwarzkiefer,
Platane, rot- u. Dn-
'
^
°
960,~
1 860.-
3 477,-
4 098,~ 755.-
l 080 " -
1 980^~
2 606,-
6 26U ^ r
755^~
003^°
6 986,_
1 984.-
G 890,-
l 200.~ 2 100^~
2 738^~
6 4üO'-
755,~
5 2l5.-
7 250.~
1 984^-
O 2]4^-
l 350.-
2 250^-
2 89O.-
4 72/I.-
755,~
5 479.-
7 680.~
1 984.-
9 664^-
'
{ülltkl, Kastanie
Roteiche
Tab. 162:
x Bei Pflanzung eines
.,......11,,n••••••n•n•n•n.•
einfachen Solitärbaumes (1, 50 - 2, 00 m Kronendurchmesser, 25 - 30
cm Stammumfang
Kosten der
Pflanzung
einschl.
Vorbereitung
2
Nach 3 Jahren
mit Anwachspflege und
-risiko
Wenn eine weitere Herstellung erforderlich
Nach weiteren 5 Jahren
4
Nach 10 Jahren
5
11 - 14 DM
15 - 19 DM
25 - 28 DM
21 - 28 DM
32 - 47 DM
47 - 71 DM
3
Waldparkartige Pflanzungen
einfache, forstartige Herstellung
Schutz- u. Abpflanzungen, Autobahnpflanzungen, freie Landschaft. In
diesem Rahmen liegen auch gut ausgestattete Freizeitgärten
wie vor, jedoch besser
z.B. Straßenbegleitgrün im stadt.
Bereich, Larmschutzwallpflanzungen
und vergleichbare Bestende zu
Schutz und Abschirmung.
Wertvolle Freizeitgärten
etwa
5 - 10 DM/m2
etwa
15 - 20 DM /m2
Gestaltete, parkartige
Gartenanlagen
etwa
Einfachere Herstellung
25 DM /m2
35.- DM
62.- DM
95,- DM
Mittlere Herstellung
etwa 35.- DM
49.
DM
80.- DM
118.- DM
Wertvolle Gehölze
(z.B. hoher Anteil Koniferen,
Rhododendron usw.
etwa 50.- DM
70,- DM
. 107.- DM
152.- DM
Tab. 163:
J
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215
Die Bepflanzung z.B. von Dachterrassen ist genau wie der Arbeitsaufwand stark abhängig von der Einstellung des Nutzers.
Bei einem großen österreichischen Projekt lagen die durchschnittlichen Aufwendungen für die Begrünung einer Dachterrasse
bei etwa DM 3.000, -- . Die Spitzenwerte lagen bei ca.
DM 15 - 20.000,-- (135).
Damit ist keineswegs gesagt, daß Dachgärten teuer sein müssen,
wenn sie schon sein sollen. Der Reiz besteht im Gegenteil gerade darin, mit wenigen einfachen und preiswerten Mitteln (z. B.
Pergola plus Polygonum) überzeugende und zufriedenstellende
Leistungen zu finden.
3.3
Schäden
Im Zusammenwirken von Pflanzen und baulicher Substand müssen
die besonderen Eigenschaften von Baugrund, Pflanzgrund, Gebäude und Pflanzen berücksichtigt werden. Geschieht das nicht, so
sind Schäden unvermeidlich. Zu unterscheiden ist dabei zwischen
Schäden, die an den Pflanzen entstehen, und solchen, die durch
Pflanzen den Gebäuden zugefügt werden können.
Pflanzenschäden
Straßenbereich
Der in mehrfacher Hinsicht hohe Wert von Straßenbäumen für
städtische Wohnsituationen ist an mehreren Stellen dieser Unter--
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SEITE
216
suchung erwähnt und belegt worden. Diese Werte sind durch
Schädigungen aus der Stadtatmosphäre und den dort üblichen Gewohnheiten bei baulichen Veränderungen stark gefährdet. Der
Baumbestand, der das heutige Stadtbild prägt, ist ca. 50 bis
100 Jahre alt. Diese Bäume fanden zur Zeit ihrer Anpflanzung
noch günstigere Lebensbedingungen vor, als sie heute für Neupflanzungen anzutreffen sind; d.h. die damals üblichen Pflasterstraßen waren wurzelfreundlicher, weil sie Regenwasser und
Gase durch ihre Fugen hindurchließen. Der Fahrverkehr und
damit die Bodenverdichtung waren erheblich geringer, ebenso
die Abgasbelastung. Auch waren die Böden weniger durch Leitungen gestört. Aus dieser allgemeinen Verschlechterung der
Lebensbedingungen resultieren die folgenden wichtigsten Schäden
an Straßenbäumen.
Erdgas
Gegenüber dem früheren feuchten Stadtgas (Leuchtgas) ist das
Ireute vielfach verwendete Erdgas absolut trocken. Die Folge war
das Austrocknen und damit das Undichtwerden der hanfgedichteten Muffen in alten Leitungssystemen.
Erdgas ist zwar ein ungiftiges Substrat, löst aber, wenn es in
den Boden gelangt, eine biologische Kettenreaktion aus, die zum
Absterben der Bäume führt. Das in den Boden gelangte Methangas
(etwa 80 % CH 4) wird kurzfristig durch methan- oxydierende Bakterien in Kohlendioxyd (CO2 ) und Wasser (H 2 0) umgewandelt. Bei
diesem Prozeß wird Sauerstoff im Boden verbraucht.
Sinkt der Sauerstoffgehalt im Boden unter 16 % und steigt der Kohlendioxydgehalt über 30 %, sind die Bodengase für die Bäume
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217
schädlich und führen in der Regel zum Baumtod. Die extremsten
Meßergebnisse bei gasgeschädigten Bäumen in Wiesbaden betrugen 1 - 2 % Sauerstoff. Hier waren die Baumpatienten bereits tot.
Je nach Stärke des Gaslecks kränkelt bzw. stirbt der Baum. In
Extremfällen kann der Gastod innerhalb weniger Wochen eintreten.
Die ersten Anzeichen sind Vergilben der Blätter und Absterben
der Rinde und der Äste. (38)
Streusalz
Das im Winter tonnenweise verwendete Streusalz (Na Cl) ist ein
ausgesprochenes Pflanzengift. Die Chlorionen werden durch die
Wurzeln aufgenommen und in den Geweben und in den Blättern gespeichert und führen zu Blatt- und Gewebeverbrennungen. Die
Baumrinde stirbt partiell ab, es kommt zum verfrühten Blattfall,
und bei fortdauernder Schädigung stirbt der Baum ganz ab. Die in
den Blättern gespeicherten Salzmengen gelangen durch den Blattfall wiederum in den Boden,und der Chlorkreislauf beginnt von
neuem.
Allein in Hannover sind derzeit ca. 2.800 Straßenbäume streusalzgeschädigt. Die Streusalzmengen des städtischen Fuhramtes wurden in dieser Stadt von früher 8.000 Tonnen auf 1.200 pro Winter
reduziert.
Dennoch ist die Schädigung nicht zurückgegangen, weil das Streuen
der Fußwege den privaten Anliegern obliegt. Die aber verwenden
reines Salz, obwohl ein ungefährlicheres Salz-Sand-Gemisch aus
den öffentlichen Streusandkisten zur Verfügung steht. (173) Gerade
dieses Salz auf den Fußwegen aber schadet besonders, weil hier
vor allem der Wurzelbereich der Bäume direkt getroffen wird.
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SEITE
218
Bodenverdichtung
Die Verdichtung des Bodens im Kronenbereich durch parkende
Autos, Arbeitsmaschinen auf Baustellen, aber auch durch das
ständige Betreten der Fußgänger, kann zur Dauererkrankung
oder sogar zum Absterben der Bäume führen. Durch die Verdichtung werden die Hohlräume des Bodens zusammengedrückt und
damit die ausreichende Durchlüftung des Bodens verhindert und
die wasserhaltende Kraft der lockeren Bodenkrume vermindert.
Die Baumwurzeln bekommen nicht genügend Luft, desgleichen
Milliarden kleiner und kleinster Lebewesen, ohne deren Tätigkeit ein Baum nicht leben und sich nicht ernähren kann. (38)
Versiegelung des Bodens
Auf die Versiegelung des Bodens durch Asphalt- und geschlossene
Betondecken wurde schon mehrfach hingewiesen. Die Bäume
werden von Wasserzufuhr und Gasaustausch abgeschlossen und
müssen eingehen. Eine Hilfe ist der Austausch durch Pflasterflächen im Wurzelbereich.
Grundwasserabsenk-ungen
Bei unterirdischen Bauarbeiten wird sehr häufig der Grundwasserhorizont angeschnitten bzw. abgepumpt. Der Straßenbaum leidet
sehr häufig dabei, denn seine Wurzeln, die sich auf eine bestimmte Grundwasserhöhe eingestellt haben, liegen im Trockenen und können sich nicht so schnell auf den neuen Grundwasserhorizont einstellen, d.h. tiefer wachsen. Die Bäume "verdursten".
(38) Dagegen hilft nur Bewässerung während der Bauarbeiten.
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SEITE
219
Beschädigungen
Beschädigungen entstehen an Straßenbäumen im Wurzelbereich
durch Kabel- und Kanalarbeiten im Stamm- und Kronenbereich
durch Kraftfahrzeuge und Baustellenbetrieb.
Strom-, Gas- und Telefonleitungen müssen bei der Standortwahl
von Straßenbäumen beachtet werden. Umgekehrt können diese
Leitungen mit geringem Querschnitt auch um alte Bäume herumgelegt werden, um deren Wurzelwerk zu schonen. Abwasserkanäle und -einleitungen liegen meist tiefer und sind wegen der in
der Stadt oft grof3en Querschnitte oft begehbar und daher unterirdisch zu warten.
Wirksame Maßnahmen gegen Baustellenbeschädigungen und gegen
Schäden durch parkende Kraftfahrzeuge sind Prallsteine und
-Pfosten, Schutzzäune und Packungen aus elastischem Material
(z. B. alte Autoreifen). (75)
3.3.1.2
Vorgarten- und Hofbereich
Häufig werden diese Bereiche genauso genutzt wie die Straße,
d.h. Autos parken, die Oberfläche ist versiegelt, Salz wird gestr eut usw. Dann lauern auf Pflanzen dieselben Gefahren wie im
Straßenraum. Es muß daher mit allen Mitteln versucht werden,
diese Freibereiche so offen wie möglich zu halten und ggf. mit
dem Stadtplanungsamt um ein paar Fußwegplatten oder Pflastersteine zu kämpfen, damit statt derer Kletterpflanzen für die
Hauswand eingebracht werden können. Das Ersetzen von Streusalz durch Sand ist eine weitere Bedingung zu Schadensverhütung.
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SEITE
220
Im Bereich der Höfe muß noch besonders auf die Gefahr des Einsickerns von Mineralölen durch Autos, Heizölanschlüsse und
-tanks hingewiesen werden. Dadurch können alle Mikroorganismen des Bodens vergiftet und pflanzliches Leben unmöglich gemacht werden,
3:3.1.3
Dachgartenbereich
Die Schäden von Pflanzen im Dachgartenbereich sind vor allem
auf Fehler bei der Anlage des Gartens zurückzuführen, die jedoch (s. Kapitel C. 3.4) schon ausführlich beschrieben wurde.
Weiter können Schäden durch die Anpflanzung ungeeigneter Pflanzen entstehen. Dabei handelt es sich um folgende Pflanzenarten
(95):
Krankheits- und mehltauanfällige Pflanzenarten sollten in
extremen Lagen ganz gemieden werden. Dem Eigentümer
kann nicht zugemutet werden, zweimal pro Woche Schädlingsbekämpfung zu betreiben. Dazu gehören stark mehltauanfällige Arten und Sorten von Rosen:
- Mahonia
- Malus
Spiraea arguta
- Spiraea thunbergi
- Spiraea vanhouttei
Anfällige Arten für Blattläuse:
Viburnum (alle weichblättrigen Schneeballarten)
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SEITE
221
Anfällige Arten für Spinnmilben:
Acaena (Stachelnüsschen)
Pfahlwurzler der Gruppe Xerophyten (Trockenbewohner)
gedeihen auf einem Dachgarten mit Wasserspeicher und
dünner Erdschicht als einzige Ausnahme weniger gut. Dazu
gehören vor allem Distelarten.
Werden solche Pflanzen dennoch gewünscht, so muß die
Drainschicht um 10 bis 20 cm verdickt werden, damit der
Pfahlwurzel mehr Platz zur Verfügung steht.
3. 3.2
Gebäudeschäden
3. 3.2. 1
Fundamentbereich
In durchgehend tonigem Untergrund ist normalerweise kein Grundwasser anzutreffen. Von einer gewissen Tiefe ab liegt aber volle
Wassersättigung durch Kapillarwasser vor. Da der Ton nur über
-1
-12
eine äußerst geringe Durchlässigkeit verfügt (k P.110
bis 10
m/s), ist der Wassernachschub aus tieferen Schichten außerordentlich langsam und so gering, daß die Pflanzen daraus keinen
praktischen Nutzen ziehen können. Ausgetrocknete Partien können
sich im Laufe des Winterhalbjahres bis zur nächsten Vegetationsperiode durch aufsteigendes Kapillarwasser nicht wieder mit
Wasser anreichern.
Bäume und Sträucher, die auf solch einem Untergrund wachsen,
sind somit in vollem Umfang auf das Sickerwasser und das sich
oberhalb der Tonschicht ausbildende Schichtenwasser angewiesen.
Dies ist unmittelbar von der jährlichen Niederschlagsmenge, vor
allem aber von den Winterniederschlägen, abhängig.
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SEITE
•
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•
HANNOVER
222
Da in den Monaten Mai bis Juli die Verdunstung die Niederschlagsmenge übersteigt, greifen die Bäume nach Verbrauch des Schichtenwassers das Porenwasser des Tones an. Die Folge ist eine
Austrocknung und Schrumpfung des Baugrundes. In der Stadt
wird dieser Austrocknungsprozef3 noch durch die Bodenversiegelung (Pflaster, Asphalt, Gebäude) und Kanalisation verstärkt.
(124)
Der Wasserbedarf von Pflanzen ist sehr hoch. Zur Erzeugung von
1 kg Trockenmasse werden 200 bis 600 1 Wasser benötigt (125).
Bäume und Sträucher sind daher wegen des ungenügenden Wasserangebotes im Ton gezwungen, den Boden in relativ weitem Umfang
zu durchwurzeln. Stehen den sich seitlich ausdehenden Wurzeln
Gebäudefundamente im Wege, wird ihre Ausbreitung nach unten
oder zur freien Seite hin umgelenkt. Dabei wurden Wurzeltiefen
bis zu 5 m und Ausbreitungen bis zu 25 m (124) festgestellt. In
Reihen gepflanzte Bäume dehnen ihre Wurzeln infolge gegenseitiger Behinderung bei der Wasserversorgung noch wesentlich weiter
aus. Den größten Wasserverbrauch haben starkwüchsige Bäume.
Dabei ist besonders die Pappel zu nennen, die alle anderen einheimischen Holzarten in der Transpiration bei weitem übertrifft.
Die mit diesen Austrocknungsprozessen einhergehende Schrumpfung
des bindigen (tonigen) Baugrundes führen zu Setzungsschäden an den
daraufstehenden Gebäuden. Gebäudeecken sind besonders gefährdet, weil hier eine Angriffs- (Austrocknungs- )Möglichkeit von zwei
Seiten besteht. In der Zeit des größten Baumwachstums im Alter
von ca. 10 - 20 Jahren wird die stärkste Austrocknung und Schrumpfung des Bodens hervorgerufen (126).
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223
Als Sanierungsmaßnahme wird im Schadensfalle das Fällen solcher Bäume empfohlen. Der Boden quillt dann und hebt das ab-gesenkte Gebäude wieder an (124). Ob eine künstliche Bewässerung unter Erhaltung der Bäume ebenso wirksam ist, konnte in
der Literatur nicht festgestellt werden.
In Tongebieten muß bei der Pflanzung von Bäumen und Sträuchern
ein besonderer Sicherheitsabstand L. eingehalten werden. Dieser
Abstand berechnet sich nach der Formel L = x • H (127). Darin
bedeuten:
H
zu erwartende Höhe des ausgewachsenen Baumes oder
Strauches,
x
Faktor entsprechend der Art des Baumes und der örtlichen Gegebenheiten.
Für die Größe von x gilt dabei:
x
1, 0 bei einzeln stehenden, stark wasserverbrauchenden
Laubbäumen,
x
1, 0 bis 1, 5 bei Gruppen oder Reihen von Laubbäumen
oder bei großen befestigten Flächen, die ein Versickern
von Niederschlägen verhindern,
x
0, 7 bis 1, 0 in Einzelfällen mit besonders günstigen
Gegebenheiten oder bei einzelnen Nadelbäumen.
Bei Neubauten in solchen Gebieten ist es zweckmäßig, die Schrumpfund Schwelleigenschaften des Tones auch im Hinblick auf die Wahl
der Gründungstiefe bzw. die Anordnung von besonderen Gründungsmaßnahmen bereits von vornherein zu beachten. Es emp-
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224
fiehlt sich, örtlich besondere Festlegungen zur Mindestgründungstiefe der Bauten zu treffen. (124)
3.3.2.2
Wandbereich
Bei der Verwendung von Kletterpflanzen an Gebäudewänden taucht
immer wieder die Frage auf, ob die Haftorgane an den Wänden
Schäden verursachen können. Die bekannten Haftorgane sind
Haftwurzeln (z.B. Efeu) und Haftscheiben (z.B. wilder Wein).
Alle anderen Rankenpflanzen, die Windepflanzen und Spreizklimmer, sind ohnehin auf künstliche Kletterhilfen angewiesen
und wachsen nicht auf, sondern vor der Wand.
Die Haftwurzeln der Wurzelkletterer rufen keine Schädigungen
hervor, weil sie nur der Verankerung dienen (147). Sie scheiden
deshalb auch keine organischen Säuren ab. Haftscheiben sondern
dagegen ein Sekret ab, mit dessen Hilfe sie die Haftung herbeiführen. Informationen über ggf. schädigende Wirkungen waren
der untersuchten Literatur jedoch nicht zu entnehmen.
Einige Fälle sind bekannt, wo an Wetterseiten der Direktbewuchs
vorhandene Putzrisse erweitert hat, so daß es durch eindringendes Wasser zu Frostbrüchen kam (172). Dieses Risiko läßt sich
durch den Einsatz eines vorgesetzten Rankgerüstes vermeiden.
In der Regel aber hat direkter Wandbewuchs den Putz über 60 bis
70 Jahre nicht beschädigt, sondern geschützt. Im gleichen Zeitraum wurden die Häuser in gleicher klimatischer Lage drei- bis
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225
viermal ausgebessert und neu geputzt. Putz aus dem üblichen
Kalkzementmörtel (Gruppe II, DIN 18 550) hält jedem Direktbewuchs stand. Seine Lebensdauer wird durch die grüne Schutzhülle wesentlich verlängert (172).
Schuppenartige Wandverkleidungen wie Schindeln, abgehängte
Dachpfannen usw. sind für den Bewuchs mit Kletterpflanzen nicht
geeignet, weil die einzelnen Verkleidungselemente durch dazwischenwachsende Pflanzenstränge auseinandergedrückt werden
können.
In diesem Zusammenhang soll nicht unterschlagen werden, daß
begrünte Wände zwar auch Schlupfwinkel für Insekten darstellen.
In gleichem Maße aber bieten sie auch ideale Nistmöglichkeiten
für Singvögel, deren Nahrungsquelle Insekten sind. Das Problem
regelt sich also von selbst mit dem erfreulichen Nebeneffekt der
Präsenz von Singvögeln.
3.3.2.3
Dachbereich
Aus dem gleichen Grunde, aus dem Kletterpflanzen für schindelartige Wandverkleidungen ungeeignet sind, ist auch bei Dächern
aus Dachsteinen darauf zu achten, daß Pflanzenteile nicht die einzelnen Ziegel unterwachsen und anheben. Möglich ist auch eine
Verstopfung der Regenrinnen (165). Es ist daher in den meisten
Fällen angebracht, die Kletterpflanzen im Bereich der Traufen
abzuschneiden.
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226
Zur Vermeidung von Schäden auf bewachsenen Flachdächern und
Trögen ist es fast noch wichtiger zu wissen, welche Pflanzen für
eine Begrünung ungeeignet sind, als die Kenntnis des geeigneten
Bewuchses. Nach Gilgen (95) sind in diesem Zusammenhang folgende Pflanzengruppen gefahrenträchtig:
Pflanzen, die im Wasserspeicher starke Wurzeln bilden und
sogar die wurzeldichte Dachdichtung gefährden können, sind
zu vermeiden. In diese Gruppe gehören viele Arten wie:
großwachsende Weiden und Birken
-
Erlen
Eschen
- Pappeln
Pflanzen, die starke unterirdische Sprosse bilden und durch
ihren ungeheuren Druck an den Vegetationsspitzen jede
Dachschutzfolie oder wurzeldichte Dachdichtung durchstechen, müssen ebenfalls aus der Liste gestrichen werden.
Die bis heute bekannten sind: Schilf, Grasarten mit starken
unterirdischen Sprossen:
- Bambus
- Miscanthus japonicus (Chinaschilf)
Spartina
- Nothofagus
Eine dritte Gruppe hat die unangenehme Eigenschaft, Sprosse
oder Wurzeln unter Plattenbeläge zu schicken und durch Jungsprosse Beläge, Steine und Mauern anzuheben. Als klassische
Beispiele gelten:
- Hippophae
- Rhus typhina
Taxodium
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D.
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LITERATUR
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Lebende Sonnenkollektoren:
Pflanzenpelze - Anleitungen zum
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In: db 7/80
111. Spengelin, Gerlach,
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Die hängenden Gärten von Bonn
In: db 7/80
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Möglichkeiten und Nutzen Häuser zu
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Cotoneaster und Pflaster-Pflanzen
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Durch Pflege zerstört - die Kasseler
Karlsaue vor der Bundesgartenschau
In: db 7/80
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Forschungsgemeinschaft Bauen
und Wohnen (FBW)
35/54 Stuttgart
143,
N.N.
Die grüne Dämmwand
In: Bauen + Fertighaus 7/8. 80
INSTITUT FÜR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS • Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber • HANNOVER
SEITE
240
144 ,
Wolf, H. G.
Klimatisierung durch Pflanzenbewuchs
In: Sonnenenergie 3/80
145.
N.N.
Lärmbekämpfung mit Raumgitterkonstruktionen
In: bba-Informationen 5/80
146, Althaus, D.
Gabriel, I.
Krusche, P.
Krusche, M.
Ökologisches Bauen
im Auftrag des Umweltbundesamtes
Berlin
Hannover 1980
147.
Jänicke, W.
Gartenspiele mit Lianen
In: Pflanze und Garten
Heft 5, 1959
148.
Troll, W.
Allgemeine Botanik
Stuttgart 1948
149.
Künzel, H.
Die thermische Beanspruchung von
Fassadenoberflächen
In: Veröffentlichungen aus dem
Institut für Bauphysik der Fraunhofergesellschaft
Stuttgart 1974
150. Klein, W.
Stiewe, H.-M.
Schäden an Balkonen und Dachterrassen
In: DBZ 10/80
151. Liesecke, H.-J.
Lastannahmen für Stauden und
Sträucher bei Dachbegrünungen
In: Das Gartenamt 11/78
152.
Liesecke, H. J.
153, Liesecke, H. -J.
Grünflächen auf Flachdächern, Dachund Terrassengärten
In: Zink, W. (Hrsg.)
Vom Flachdach zum Dachgarten
Stuttgart 1976
Funktionsgerechter Aufbau von
Dachbegrünungen
In: Das Gartenamt 5/79
INSTITUT FÜR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS
SEITE
Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber HANNOVER
241
154.
Liesecke, H.-J.
Skirde, W.
Stand und Entwicklungsrichtung
der Herstellung von Dachrasenflächen
in der Bundesrepublik Deutschland
In: Rasen - Grünflächen - Begrünungen
Heft 3/76
155.
Hebgen, H.
Heck, F.
Dächer, Decken, Fußböden mit
optimalem Wärmeschutz
Gütersloh 1975
156.
Penningsfeld, F.
Durchwurzelungsschutz bei Dachbegrünungen
In: Das Dachdecker-Handwerk
Heft 4/1977
157.
Diersen, H.
Kunststoff-Wurzeischutzbahnen bei
begrünten Flachdächern
In: Das Dachdecker-Handwerk
Heft 4/1977
158.
Niesel, A.
Dachgarten - wachsende Bedeutung
der Zukunft
In: Gartenwelt, Heft 14/1973
159.
Penningsfeld, F.
Substrate für die Begrünung von
Dachflächen und anderen extremen
Standorten
In: Das Gartenamt, Heft 5/1979
160.
Weißer, P.
Klaassen, H.
Dachgärten mit Hilfe von Schaumstoffen
In: Garten und Landschaft
Heft 19/1971
161.
Drefahl, J.
Blumenhügel - Dachbepflanzung
Rodenbach 1980
162.
Ei chenauer, M.
von Winning, H.-H.
Streichert, E.
Wohnstraßen der Zukunft - Verkehrsberuhigung zur Verbesserung des
Wohnumfeldes
Bonn 1979
163.
Le Roy, L.G.
Natur ausschalten - Natur einschalten
Stuttgart 1978
INSTITUT FÜR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS
SEITE
Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber HANNOVER
242
164.
Walser, U.
Rankwände machen ihren Garten
wohnlicher
In: Grün - das Gartenmagazin
Heft 4/1973
165.
Gernet, P.
Kletterpflanzen
Stuttgart 1969
166.
Jänicke, W.
Lob den Kletterrosen
In: Pflanze und Garten
Heft 10/1959
167.
Olbruch, G.
Zier- und Blütensträucher
Hannover/Berlin (ohne Jahresangabe)
168.
Göritz, H.
Laubgehölze für Garten und Landschaft
Berlin 1957
169.
Grunert, Ch.
Sonnenblumen
Darmstadt 1956
170.
Jacobi, K.
Pflanzen am Haus
München, Bern, Wien 1975
171.
Eischbacher
Dröge
Gartenhöfe
In: Schriftenreihe der Deutschen
Gesellschaft für Gartenkunst und
Landschaftspflege, Heft 6
München 1966
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SEITE
E.
243
STICHWORTE
zu weiterfiihrender Literatur
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SEITE
244
Stichtworte
Literatur
Funktionswert von Bäumen
52, 92
Gartenterrasse
19
Gasaustausch
70
Gebrauchsbestimmungen (Balkone)
3
Gestaltung (durch Pflanzen)
6
Gestaltung (Freibereiche)
1
Grünlandverlust
17, 82, 86, 128
Hecken
17
Hinterhöfe
2, 20, 22, 31, 48, 135
Höhlen (Erdhäuser)
33, 78, 108, 112
Hofgestaltung
20, 136
Identifikation
1, 51, 81, 89, 120, 130, 132
Innenraum- Grün
28, 141
Kletterhilfen
6, 17, 110
Kletterpflanzen
6, 17, 110, 147, 148, 164, 165, 166,
167, 168, 169, 170, 171
Klima
94
Kosten (Gehölze)
45
Kriminalität
22, 92, 131
"Kilb e 1- Kultur n
82, 87, 96
Kühlung
52, 54
Kultursubstrat
159
Kunstgrün
88
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SEITE
245
Stichworte
Literatur
Anordnung von Grün
15
Arbeitsaufwand
38, 75
Balkone
3, 13, 43, 89, 97, 103, 105, 106, 112,
123, 142, 150
Baugrund
124, 126, 127
Bäume
21, 38, 75, 114, 115, 121, 124, 125,
126, 127, 136, 16
Biotektur
74, 113
Blumenfenster
101
Dachbegrünung
15, 27, 33, 42, 44, 53, 54, 58, 59, 60,
61, 62, 63, 64, 65, 66, 67, 93, 94, 95,
97 ' 98 99 ' 107, 108, 109, 110, 112,
116, 117, 135, 136, 138, 140, 146, 155,
160, 161
Dachaufbau
155
Dachdichtung
116
Dachgärten
4, 19, 79, 123
Drainage
44, 95, 124, 125, 126, 127
Düngung
95
Energiezufuhr
52, 54
Fenster
77
Feuchtigkeit
70
Filterschicht
158
Freibereiche
1, 16, 22, 24, 32, 39, 70, 76, 82, 90,
114, 115, 118, 120, 134, 135, 136
Freiräume, privat
22, 25, 34, 39, 49, 71, 90, 96, 106,
120
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246
Stichworte
Literatur
Landschaft
40, 80, 83, 121
Lärmschutzwände (bepflanzte)
10, 96, 136, 145
Lastannahmen
109, 151
Licht
95
Loggien
99, 104, 105, 106, 112, 123
Luftaustausch
52
Naturschutz
37
Ökodörfer
119
Ökologie
112, 121
Ökoparks
119
Pergolen
13
natürliche Pflanzenansiedlungen
4, 163
Pflanztechnik
108
Pflanztröge
13, 91, 97, 99, 104, 106, 111,
135, 150
Pf lege
38, 45, 75, 114, 115, 135, 163
Rankgerüste
5, 14, 17, 68, 110, 111
Reihenhaus
34
Sauerstoffproduktion
5, 52
Schäden
6, 38, 45, 54, 108, 124, 126, 127, 172
Selbsthilfe
51, 120
Si chtschutz
108
Siedlungsformen
40, 122
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HANNOVER
247
Stichworte
Literatur
Sonnenschutz
57, 72
Spielplätze
96, 135, 136
Standorte (Pflanzen)
4, 6, 124, 125
Standsicherheit (Gehölze)
160
Stadthaus
34, 35
Staub
92, 133
Straßengrün
12, 88, 92, 114, 124, 136, 162
Straßenraum
134
Temperatur
70, 92, 95
Terrassen
13. 14, 24, 26, 43, 67, 97, 98, 99,
100, 102, 103, 104, 106, 107, 123, 140
Umkehrdach
116, 117
Umweltbewußtsein
119
Unkraut
82, 84, 92, 114, 163
Vandalismus
81, 114
Vegetationsplatten
153
Vegetationsschichten
154
Verankerung von Pflanzen
99
Verbindungsmittel
56
Versiegelung des Bodens
52, 96, 114, 124
Wandbegrünung
27, 53, 54, 68, 108, 110, 112, 135,
137, 138, 139, 143, 144, 146, 149
Wärmedämmung
5, 23, 33, 60, 69, 108, 110, 117
Wasserversorgung
1'5, 44, 93, 95, 109, 125, 138, 152
INSTITUT FOR INDUSTRIALISIERUNG DES BAUENS
SEITE
•
Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Helmut Weber
•
HANNOVER
248
Stichworte
Literatur
Wetterschutz
18
Windschutz
18, 23, 69 'I08, 110
Wintergarten
19, 33, 50, 85, 99
Wohnbedürfnis
90
Wohnsiedlungen
122
Wohnumfeld
1, 11, 29, 30, 31, 32, 35, 46, 47, 48,
49, 51 ^71, 76, 80 '81 ^118, I20^
129, 130
Wohnverhalten
90, I05
Wohnwert
1, 25, 39, 71, 73, I06, 129
Wurzelfestigkeit
156, 157
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