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"... daß zusammenwachse, was zusammengehört"

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Ilmenauer Uni-Nachrichten 36/10/93 S. 10
"... daß zusammenwachse, was zusammengehört"
Siegener Physikstudentinnen absolvierten Elektronikpraktikum an TU Ilmenau
Für uns, das heißt zwei Studentinnen und
acht Studenten des Fachbereichs Physik der
Universität Gesamthochschule Siegen bot
sich die Möglichkeit, an einem Blockpraktikum "Grundlagen der Elektronik" des Instituts für Festkörperelektronik an der TU Ilmenau in Thüringen teilzunehmen und dies
für unser Vorexamen anerkennen zu lassen.
Die Idee und die Initiative zu diesem "Sonderangebot" hatten die Herren Dr. Peter
Kornetzky, Ilmenau, und Dr. Klaus Pingel,
Siegen, die Leiter der Elektronik-Praktika an
den beiden Universitäten, unterstützt durch
die Dekane der zuständigen Fachbereiche in
Ilmenau und Siegen. Die entsprechenden
Vorbereitungen wurden schon im Sommer
vergangenen Jahres mit Unterstützung des
Rektors der TU Emenau, Herrn Prof. Dr.
Eberhart Köhler, getroffen.
Am Morgen des 29.3.93 wurden wir von
Herrn Dr. Kornetzky in der TU begrüßt und
mit dem Programm für die nächsten 10 Tage
vertraut gemacht. Dessen fachspezifischer
Teil umfaßte zunächst Seminare, in denen
die flmenauer Praktikumsbetreuer (wie Dr.
Kornetzky meist jüngere Wissenschaftler)
Vorträge zu Themen der Versuche hielten.
Aus der Gruppe der Professoren lernten wir
Herrn Prof. Dr. Werner Buff kennen, der
über das Thema "Kleinsignalverhalten am
Transistorverstärker" referierte und von dem
auch der so wichtige Vermerk "Bestanden" auf
unseren Praktikumsbescheinigungen herrührt
Weiter gehörten dazu die hervorragend ausgestatteten und modernen Praktikumsversuche. An jeden Versuch schlossen sich als
"Quiz" bezeichnete mündliche Prüfungen
an. Es gab also eine sehr intensive und individuelle Betreuung.
Auch ein "Rahmenprogramm" gehörte dazu.
So fanden eine Fahrt nach Weimar und eine
Exkursion "Auf Goethes Spuren" in Emenau
(unter anderem mit Rückblicken auf Goethes Wirken als Leiter des hiesigen Bergwerkes) statt. Aus einer historischen und technisch-wirtschaftlichen Perspektive beleuchtete der Kustos der TU, Herr Dr. Herbert
Bömer, in seinem Vortrag zum Thema
"Elektronenröhre" eine Pionierzeit der
Nachrichtentechnik.
Abends und am Wochenende war dann noch
genug Zeit für einige Unternehmungen, wobei sich auch Kontakte zu den Emenauer
Studenten ergaben, die sonst wegen der intensiven Arbeit nicht möglich waren.
Es war, gerade bei den vielen deutsch-deutschen Vorurteilen, interessant, mit den Leuten zu reden, die die Vereinigung von der
"anderen Seite aus" erlebt hatten und erleben. Was uns am meisten auffiel, war der
Sarkasmus, mit dem die Thüringer über ihre
Situation in der damaligen DDR redeten. Zu
spüren war aber auch Unzufriedenheit über
den Umgang der Justiz mit der ehemaligen
Staatsfiihrung und Angst vor politischer
(Rechts-)Radikalisierung als Reaktion auf
fehlende Erfahrung mit einer "Demokratie".
Zusammenfassend können wir sagen, daß
wir nicht nur fachlich viel gelernt haben,
sondern uns auch die kulturelle und menschliche Seite der Fahrt nach Thüringen viel gebracht hat. Wir haben neue Erfahrungen und
besseres Verständnis für das Leben in diesem Teil Deutschlands gewonnen und hoffen, daß es auch für unsere Gastgeber eine
interessante Begegnung war!
Wir möchten ihnen nochmals unseren herzlichen Dank für die Mühe abstatten, die sie
sich mit uns gegeben haben! Ein solcher
Austausch sollte auch in den nächsten Jahren weiter durchgeführt werden, vielleicht
auch einmal mit Siegen als Gastgeber. So
könnten auch wir unseren bescheidenen Anteil daran übernehmen, "daß zusammenwächst, was zusammengehört", wie ein gewichtiger deutscher Politiker formulierte.
Ralf Küster
Student des Fachbereichs Physik an der
Universität Gesamthochschule Siegen
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Seele and Geist
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