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Da liegt was in der Luft! - Dr. Neinhaus Verlag AG

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Familie
Landpost 05/2014
27
Schimmel in der Wohnung
Da liegt was in der Luft!
Streitpunkt
Da liegt was in der Luft! Giftige Bausubstanzen, Schimmel
in der Wohnung und gesundheitsschädliche chemische
Verbindungen machen heute
manche Wohnung zur Gesundheitsfalle. Ein Dauerbrenner ist Schimmel im Haus.
E
in typischer Fall: Ein
Mieter hat Schimmel in
der Wohnung, der Vermieter will aber bloß den Maler
vorbeischicken. Genügt das?
„Nein“, sagt Dietmar Wall, Jurist
beim Deutschen Mieterbund.
„Bei Feuchtigkeitsschäden helfen Farben und Chemikalien
zur Pilzabtötung langfristig
nicht.“ Es müssten die Ursachen
beseitigt werden. „Das bloße
malermäßige Bearbeiten kann
regelmäßig als untauglich zurückgewiesen werden“, so Wall.
Feuchte Wände und Schimmelflecken sind immer Mängel und
berechtigen zur Mietminderung. Das gilt auch für Nebenräume und Keller. Die Höhe der
Minderung hängt von Schwere
und Dauer des Schadens ab.
Ursachen für Schimmel kann es
viele geben: Vor allem bauliche
Mängel wie Kältebrücken, ungünstige Luftströmungsverhältnisse oder elektrostatische Aufladung der Luft. Genauso kann
aber der Mieter verantwortlich
sein, indem er nicht richtig lüftet, zu wenig heizt, nicht putzt
oder Möbel falsch positioniert,
indem Sofas und Schränke ohnen einen Zentimeter Abstand
an die Wand gestellt werden.
Ein weiteres Problem ist heutzutage Fogging. Dahinter steckt
ein Phänomen, so der Berliner
Mietanwalt Dilip Maitra in seinem Ratgeber „Wenn das Mietverhältnis endet“, „bei dem die
Mieträume, meist nach dem
Neubezug oder einer Sanierung
mit Beginn der ersten Heizperiode, von schwarzen, klebrigen,
schimmel- oder rußartigen Flecken übersät werden, die sich
kaum abwaschen lassen und
nach dem Überstreichen wieder
erscheinen“.
Ursache für die Schwarzfärbung
sind schwerflüchtige Kohlenwasserstoffe (PAK), die durch
Richtiges Heizen und Lüften
W
ird im Winter geheizt,
ist es nicht nur die Luft,
die sich aufwärmt, sondern die
sogenannte Speichermasse, die
sie umgibt: Decken, Böden und
Wände. Beim kurzen täglichen
Lüften ändert sich nichts an
der Temperatur der Speichermasse, es kommt lediglich zum
Austausch der Luft. Und das
ist wichtig. Denn die frische
Luft, die beim Lüften in die
Wohnung strömt, kann mehr
Feuchtigkeit aufnehmen als die
verbrauchte. Die Gefahr von
Schimmelbildung ist viel geringer. Zudem sorgt der Luftwechsel für ein besseres Raumklima.
In der Küche, im Schlafzimmer
und im Bad empfiehlt sich zusätzliches Lüften. „Je neuer ein
Haus ist, desto wichtiger ist es,
zu lüften“, sagt der TÜV Rheinland-Experte. Denn Neubauten
Farben, Kleber oder Kunststoffböden in die Raumluft abgegeben werden und sich in Verbindung mit Staub ablagern. Hohe
PAK-Konzentrationen gelten als
gesundheitsgefährdend.
Der Deutsche Mieterbund betont: „Das Risiko des Fogging
ist nicht durch Vertrag auf den
Mieter abwälzbar, auch nicht
individualvertraglich.“ Denn es
wäre „unbillig“, sprich: unfair,
den Mieter mit einem Risiko zu
belasten, dessen Ursachen nicht
eindeutig feststehen und auch
im Verschulden Dritter liegen
können. Mieter sollten sich daher vor Einzug nach Vorschäden erkundigen, im besten Fall
beim Vormieter.
Oft endet ein Streit um
Schimmel vor Gericht
Streit um Schimmel, Fogging
und Feuchtigkeit führt am Ende
oft vor Gericht. Häufig muss ein
Sachverständigengutachten erstellt werden, wer die Schuld für
die Misere trägt. Die Kosten des
Gutachtens — meist ein vierstelliger Betrag — trägt am Ende die
unterlegene Partei. Für Mieter
ohne Rechtsschutzversicherung
sind heutzutage so dicht, dass
nicht, wie bei einem Altbau,
Luft an undichten Stellen ins
Haus strömt.
Kontinuierlich auf
niedriger Stufe heizen
Im Winter sollte ein Raum nie
ganz auskühlen. „Wir fühlen
uns bei einer Temperatur zwischen 18 und 23°C wohl“, erklärt Kai Zitzmann. Bei einer
herkömmlichen Heizung entspricht das in etwa Stufe drei.
Nachts reichen 15 Grad aus,
ist ein „Schimmel-Prozess“ daher riskant. In jedem Fall sollten Mieter Schäden ausreichend
dokumentieren — durch Fotos,
Protokolle über die Raumtemperatur, Begehungen mit unabhängigen Zeugen wie zum
Beispiel Handwerkern. „Beschädigte Gegenstände oder Austauschteile sollten bis zur Regulierung aufgehoben werden“, so
Maitra. Im Prozess hat zunächst
der Vermieter nachzuweisen,
dass der Mangel nicht aus seiner Risikosphäre stammt, insbesondere keine baulichen Ursachen hat. Maitra: „Kann dies
ausgeschlossen werden, müssen
die Mieter darlegen und, wenn
dies bestritten wird, beweisen,
dass sie die Mängel nicht durch
ihr Belüftungs-, Heiz- und Reinigungsverhalten verursacht
haben und auch die von ihnen
in die Mieträume eingebrachten
Sachen nicht schadensursächlich waren.“ Bleibe auch dann
noch offen, was die Ursache
war, muss der Vermieter den
Schaden tragen, die Wohnung
instand setzen — und die Mietminderung hinnehmen.
Kai Althoetmar
das entspricht Stufe zwei. Fürs
Schlafzimmer empfiehlt der
TÜV Rheinland-Experte eine
Temperatur von 16 bis 18°C
— kälter sollte es nicht sein.
Grundsätzlich gilt für alle Räume: Die Heizung abends nicht
komplett herunterdrehen und
morgens wieder aufdrehen. Wer
die Heizung immer auf niedriger
Stufe laufen lässt, verbraucht
weniger Energie. Und erspart
sich eine Nebenkostennachzahlung.
TÜV Rheinland
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Seele and Geist
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