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***60.000 protestieren gegen die Atomkraft: "Was willsch - CL-Netz

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Anti-Atom
Sabine Ellersick <sabine.ellersick ät nadeshda.org>
12. Mar 2011 23:58
***60.000 protestieren gegen die Atomkraft: "Was willsch da mache?"
12.03.2011, 20:54:56 Uhr
(http://www.contratom.de/2.0/index.php?mod=artikel&id=32450)
60.000 protestieren gegen die Atomkraft: "Was willsch da mache?"
Sie setzten ein Zeichen an diesem tragischen Tag: 60.000 demonstrieren
in Baden-Württemberg gegen Atomkraft. Sie tanzen, trauen - und erwarten
eine neue Atomdebatte.
Nein, es ist kein leichter Protesttag, dieser Samstag. Schon seit
Monaten haben Atomkraftgegner in ganz Deutschland mobilisiert, um noch
einmal ein starkes Zeichen zu setzen, im Landtagswahlkampf von
Baden-Württemberg. Um Mappus abzuwählen, den Ministerpräsidenten. Um
gegen Filz und Atomkraft anzustänkern. Und dann das: Japan, Fukushima.
"Da sind gerade mal locker tausende Leute gestorben - und der Arsch da
vorne muss groß das Maul aufreißen", schreit ein Passant, der gehetzt
am Stuttgarter Schlossplatz vorbei stürmt. Er meint den Redner dort auf
der Bühne. Christoph Bautz von Campact, der gerade, natürlich, den
sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft fordert.
Tausende Menschen stehen auf dem Schlossplatz, unter dem grün-gelben
Fahnenmeer. Viele tanzen und jubeln, beklatschen die Rede dort auf der
Bühne. Andere sind ruhig und betroffen. Wie lässt sich protestieren, an
solch einem Tag, an dem niemand weiß, ob vielleicht gerade ein neues
Tschernobyl entsteht? Wieder ein Super-GAU und wieder eine Ernüchterung,
in diesem so zähen Kampf gegen Atomkraft?
Zehntausende sind heute nach Baden-Württemberg gekommen, weit mehr als
gedacht. 60.000 gar, sagt das Veranstalter-Bündnis. Sie haben eine 45
Kilometer lange Menschenkette gebildet. Die begann im Norden am
umstrittenen Atomkraftwerk Neckarwestheim, in der Idylle des Landes. Und
sie schlängelte sich hinab gen Süden, an den weiten Feldern entlang,
bis hin zu einem symbolischen Ort: Der Staatskanzlei in Stuttgart.
Falls hier am 27. März Stefan Mappus, der Ministerpräsident der
bisherigen CDU-Hochburg und des Atom-Standorts Baden-Württemberg,
abgewählt wird, dann könnte sich in Deutschland etwas ändern. Und dass
so viele Menschen heute gekommen sind, zeigt: Japan, das ist
atompolitisch gleich um's Eck.
Helmut Gerber, 73, steht bedächtig auf dem Schlossplatz. "Mulmig ist",
sagt der pensionierte Beamte. "So ein GAU ist keine
Unwahrscheinlichkeit, das passiert tatsächlich. Mir ist heute nicht
nach Tanzen zumute."
Und nur einige Meter weiter sitzt die 15-jährige Theresa aus
Stuttgart-Filderstadt mit ihren Freunden auf dem Boden, sie wippt mit
ihren Füßen. "Wenigstens ist es noch vor der Landtagswahl passiert",
sagt sie. "Das könnte doch noch mal etwas bewirken. Man muss ja in
allem auch das Positive sehen." Helmut Gerber und Teresa sind das
Spektrum dieses Tages.
Fukushima, das ist in Stuttgart heute ein Befehl. Atomausstieg jetzt.
Und Stuttgarts Schlossplatz ist das Zentrum dieses großen Zwiespalts,
der den Atomkraftgegnern Auftrieb gibt: Kurz vor den wichtigen Wahlen
im Ländle so eine Havarie. Das mobilisiert die Leute.
125 Busse und drei Sonderzüge sind gekommen, aus vielen Teilen
Deutschlands. Und Menschenmassen strömten in die Menschenkette, von
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denen auch die OrganisatorInnen nicht träumen wollten, als ihre
Planungen vor Monaten begannen. Ist nicht genau dieses Fukushima der
Beweis, dass sie doch alle schon immer auch Recht hatten?
Das sieht auch heute nicht jeder so. Frieder Bartlog, 61, ist
Fahrlehrer dort drüben "im Dorf", wie er es nennt. Das Dorf heißt
Obrigheim. 80 Kilometer nördlich von Stuttgart. Wieder so ein
Atomstandort in Baden-Württemberg.
Hier haben sie vor fünf Jahren das AKW abgeschaltet. Heute haben sie
"da vorn neben das Kraftwerk so einen Bio-Kram hingebaut", sagt
Bartlog. "Jetzt heizen die hier mit Holzschnitzeln."
Und heute steht Frieder Bartlog mit zwei Jungs auf dem Parkplatz vor
dem alten Akw, den sonst niemand mehr benötigt. Einer der Jungs dreht
Runden auf dem Moped. Eigentlich könnte Bartlog ja froh sein, dass es
beim ihm nicht mehr strahlt. Doch er hat nichts gegen Atomkraft. "Japan
das ist ganz weit weg", sagt Bartlog. "In Deutschland gibt's doch gar
keine Erdbeben."
Das sagt auch Larissa Bienias. Die 27-Jährige lebt in Neckarwestheim,
da läuft das Kraftwerk noch. Den ganzen Tag schon fahren hier die Busse
vorbei, mit den Protestlern. Und die Metzgersfrau schiebt Mettbrötchen
über die Theke in der Metzgerei Rieker. "Isch halt die Natur. Was
willsch da mache?"
"Wasch willscht da machen?" Das wird auch in Deutschland eine der
großen Fragen der kommenden Tage werden. Für Frieder Bartlog muss sich
nicht viel ändern. Doch die Bilder des Tages kommen an diesem
Protesttag vom Stuttgarter Schlossplatz. Dort trauern de Menschen. Und
sie tanzen auch.
Und weil nun auch aus der CSU erste Stimmen fordern, alle deutschen
Kernkraftwerke neu zu überprüfen, darf auch die Kanzlerin nervös
werden. Neulich erst hat ihre Regierung die Laufzeiten deutscher
Kernkraftwerke verlängert.
Für heute Abend hat Angela Merkel ins Kanzleramt geladen, zum Krisengipfel.
Dort will sie mit ihren Ministern bereden, was nun zu tun ist. Mit
Innenminister Hans-Peter Friedrich, mit Außenminister Guido Westerwelle
und mit Umweltmonster Norbert Röttgen. Der wollte zwar am Samstag noch
keine Parteipolitik machen, aber eines sagte er im Deutschlandfunk dann
auch: Dass sich nun auch wieder "Grundfragen" stellen. Grundfragen.
Nein, es war kein leichter Protesttag, dieser Samstag. Aber so tragisch
es ist: Er war erfolgreich.
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