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End of IT-Beratung und was man daraus machen kann

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End of IT-Beratung …
Johann Krakl
End of IT-Beratung und was man daraus machen kann.
© Johann Krakl Managementberatung, Berlin (0172-7334599)
Das IT-Beratung momentan nicht der Renner ist, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Ratlose
Berater sitzen in rauhen Mengen zu Hause vor dem Kamin, gehen ihrer Familie auf die Nerven
und suchen nach Aufträgen.
Warum dies so ist, könnte einem vielleicht ein Blick in die Harvard Business Review verraten. Der
Artikel, auf den ich mich beziehe, wurde publiziert in der Harvard Business Review im Mai 2003
und wirbelt nun allmählich auch bei uns in Deutschland mächtig Staub auf. Sie finden ihn, wenn
Sie den Link: http://harvardbusinessonline.hbsp.harvard.edu/ aufsuchen.
Der Autor, Nicholas G. Carr behauptet, Informationstechnologie sei zwar allgegenwärtig, weit
verbreitet und mächtig wie nie zuvor, wie ja leicht an den immensen Hard- und Softwarebudgets
der Unternehmen abzulesen sei. Doch auch wenn Vorstände routinemäßig die Wettbewerbsvorteile und den strategischen Nutzen der IT betonten, so sei diesen Lippenbekenntnissen nicht
so recht zu trauen.
Nicht Allgegenwart, sondern Mangel mache in Wirklichkeit einen strategischen Erfolgsvorteil
aus. Nur Konzentration auf einen Mangel erlaube es einem Unternehmen, hohe Margen und
daraus Wachstum zu generieren. Man triumphiere über Mitbewerber nur, indem man über eine
Fähigkeit verfüge, die andere nicht besitzen.
Die IT dagegen sei heute nur noch die neueste in einer langen Serie technologischer
Neuerungen und habe ihren Zenit jetzt überschritten. Was unserere Volkswirtschaften in den
letzten beiden Jahrhunderten immer wieder revolutioniert habe, angefangen mit Eisenbahn und
Elektrizität, erschaffe stets nur für kurze Zeit unerhörte Chancen für ein paar Unternehmen an
der Spitze der Entwicklung. Doch mit zunehmender Verbreitung und sinkenden Kosten würden
solche Technologien zur Alltagsware mit geringem Vorteil und - vom strategischen Standpunkt
aus gesehen - geringem Nutzen. Es kommt es auf diese Technologien dann nicht weiter an, weil
jeder über sie verfügt.
Und genau das, so Carr, sei jetzt der IT passiert. Das IT Management sei deshalb zu einer
todlangweiligen Sache geworden und man habe es künftig darauf zu verpflichten, seine Risiken
zu vemindern anstatt immerfort neue Anwendungsmöglichkeiten zu ersinnen. Zum Beispiel
könnten Unternehmen davon profitieren, daß sie ihre Netzwerk- und Datensicherheit
verbesserten. Am Wichtigsten sei es allerdings, ein aggressives Kostenmanagement der IT zu
betreiben, denn sie könne zwar nicht mehr zu strategischen Marktvorteilen führen, aber sie
könne Unternehmen sehr leicht auf der Kostenseite schaden.
Verständlich, daß vor allem in der IT-Branche und IT-nahen Beratungsunternehmen Sturm gegen
diese Thesen gelaufen wird. Man wähnt sich dort immer noch an der Spitze der Innovation und
hat (so vermute ich) nicht bemerkt, daß der Markt sich gedreht hat. Die Computerzeitung,
Verbandsorgan der Gesellschaft für Informatik, führt seit ein paar Wochen eine Artikelkampagne, in der sich die IT-Päpste mit wechselnden Argumenten dagegen zur Wehr setzen.
Für mich klingt das nach Schadensbegrenzung, nachdem eine Entwicklung längst vollzogen ist.
Die Argumentation von Mr. Carr ist plausibel, vor allem, wenn man sich die rasante Verbreitung
der IT und ihren ebenso rasanten Preisverfall anschaut. Doch was kommt danach? Die IT-Gurus
sind ratlos, so scheint mir. Zugkräftige Themen sind jedenfalls nicht in Sicht.
Doch auch wir als Managementberater müssen aus dieser Entwicklung Schlüsse ziehen, vor
allem, wenn wir im Gefolge der IT jahrelang gut verdient haben. Die Entwicklung der Preise und
die Attraktivität von Themen weist jedenfalls auf dem Gebiet der IT-bezogenen
Managementberatung eindeutig nach unten.
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End of IT-Beratung …
Johann Krakl
Viele Kolleginnen und Kollegen aus der IT-Beratung müssen sich mit einem ruinösen HonorarDumping abfinden, sofern sie überhaupt noch Projekte finden. Meine Meinung: viele suchen nur
deshalb händeringend nach Aufträgen, weil das Wissen, das sie mitbringen, zu weit verbreitet
und zu wenig attraktiv ist für Kunden ist. Es ist nicht die „Schuld“ der Berater selbst, es ist nicht
die ominöse Wirtschaftskrise, es ist eine nachzuvollziehende Entwicklung und sie ist nicht zu
ändern. Die alten Zeiten werden auch nicht wiederkommen.
Was aber ist zu tun? Wer heute noch mit Profilen um sich wirft, in dem es von
Programmiersprachen, technischen Standards und Abkürzungen nur so wimmelt, sieht im
wahrsten Sinne des Wortes "alt" aus und muß sich mit ganz geringen Honoraren abfinden, wenn
sich überhaupt noch ein Projekt findet. Ich denke, daß IT-Beratung in dem Sinne, wie sie
jahrzehntelang betrieben wurde, sich überlebt hat.
Dennoch gibt es in der Managementberatung attraktive Beratungsfelder, wenn man bereit ist,
den Wandel zu akzeptieren. Das IT-Wissen und das Methodenwissen, von dem viele jahrelang gut
gelebt haben, ist zwar selbstverständlich geworden. Wir können uns aber aktiv jenseits dessen,
was wir können und beherrschen nach vollkommen neuen Beratungsfeldern und Consultingansätzen umtun. Wenn wir als Beraterin oder Berater in der Branche bleiben wollen, müssen wir
das sogar. Und ich denke, es gibt viele Chancen dazu, wenn man in der Lage ist, sie zu erkennen
und aktiv zu nutzen.
Doch wie soll man sich in einer solchen Situation neu profilieren? Schon wenn Sie in ihr eigenes
Profil schauen, werden Sie Kenntnisse und Fähigkeiten entdecken, die vielleicht nicht direkt mit
ihrem bisherigen Tätigkeitsfeld zu tun haben, die aber durchaus eine Marktchance haben
könnten, weil sie sich auch anderswo einsetzen läßt.
Vielleicht ist es Ihre Fähigkeit, Teams aus Spezialisten zu einem gemeinsamen Thema
zusammenzuführen? Vielleicht lassen sich Ihre Modellierungskenntnisse und Ihre konzeptionelle
Vorgehensweise auf einem ganz anderen Gebiet verwerten als in der IT? Oder vielleicht haben
Sie durch jahrelange Zusammenarbeit mit bestimmten Fachleuten so viel über dieses Fachgebiet
gelernt, daß Sie jetzt den Sprung in diese Richtung wagen können? Oder vielleicht verfolgen Sie
gar seit Jahren ein privates Interesse, das jetzt zu einem interessanten neuen Feld ausgebaut
werden könnte?
Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, daß es sich lohnt, nach solchen „verborgenen
Stärken“ zu forschen. Vor allem, wenn die Chance besteht, daraus ein ganz ein neues
Dienstleistungskonzept zu entwickeln. Wie? Es geht, aber es ist wirklich harte Arbeit. Arbeit an
sich selbst, Arbeit am Kunden, Arbeit am Markt. Arbeit auf Feldern, für die man sich vorher nicht
besonders interessiert hat. Es bedeutet Marketing. Es bedeutet, noch einmal von vorne zu
lernen. Es bedeutet, sich neu zu entdecken. Es bedeutet, neu verkaufen zu lernen. Es bedeutet,
umzudenken und die eigene Positionierung, um die man vielleicht jahrelang hart gerungen hat
über den Haufen zu werfen.
Wie genau? Das ist schon ein neues Thema. Vielleicht für einen Folgeartikel. Nebenbei bemerkt:
Ich führe Workshops und Beratungen für interessierte Kolleginnen und Kollegen durch, in denen
ich meine Erfahrungen weitergebe. Meinungen, Kommentare, Anregungen, Aufträge? Johann
Krakl: Johann@Krakl.com / Johann Krakl Managementberatung.
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