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1 Besuchszeiten Woche II Besuchszeiten 6. was kann ein Tag

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Besuchszeiten Woche II
Besuchszeiten 6.
... was kann ein Tag schon gutes bringen, der mit Aufstehen beginnt?
Den roten Gotha!
Ein paar Mikrosekunden lang hätte mich beinahe ein Hausarrestkoller überfallen, als es mir
durch das Stammhirn blitzte:“ Was kann ein Tag schon gutes bringen, der mit Aufstehen
beginnt?“
Aber da holte ich zwei heiße Topfentaschen aus dem neuen Mikrogrill während ein
verführerisch arabischer Duft wie ein Flaschengeist aus dem Schnäbelchen der Moccaexpress
emporstieg. Die Topfentaschen hatten mir Immi und Ivan, die gewogenen Wirtsleute meiner
Vertrauensoenothek geschickt, einen Kilogramm Kaffee hatte Onkel Guido vom fernen
Monte Amiata angeschleppt, wo er – der Kaffee, nicht der Onkel Guido - mit Kastanienholz
geröstet worden war. Die Mikrosekunden an Koller waren wie weggeblasen.
Elmar Guntsch moderierte gerade mit seiner samtigen Bassstimme die morgendliche
Musiksendung „ Der Kaffee ist fertig“, als sich Thommy, der Wirt der 100 Messen und
Christkindlmärkte von Ungarn aus nach dem Befinden des „Käfigvogels“ erkundigte. Logisch
könne es mir nicht so gut wie ihm gehen, (auf gut mez per sort würde man „schblendent“
sagen) der sich ja von einem Thermalbadl des Ostens zum anderen trieb.
Zugleich mit dem Briefträger traf Peter, Herr vom Sonnleithenhofe ein und inspizierte die
Sommerweinreserven: er befand, es würde einer Aufstockung bedürfen und es war gut so.
Dank sei dem weitblickenden Winzer in seiner biblischen Weisheit.
Bei etwas Streichkäse und scharfer Wurst bot sich die Gelegenheit, in Ruhe über ein paar
Amtsgeschäfte zu reden, dann meldete die leibhaftige Weinkönigin fernmündlich ihren
mittäglichen Besuch an. Das war aber eine Aufregung, ich machte mir sofort Sorgen wegen
der Garderobe, wegen des Gedecks und der Pagen und Gehilfen, die man bei so einem
Staatsbesuch brauchen würde, um alles auch nur halbwegs standesgemäß zu gestalten. Ich rief
Siegrid, die Weinkönigin nochmals an und erführ, der Besuch hätte lediglich privaten
Charakter. Das Zeremoniell konnte somit gelockert werden und die große Aufregung war
nahezu überstanden. Gegen Mittag war sie plötzlich da: die faszinierende Erscheinung wie
eine Frauenschönheit aus der deutschen Heldensage, blond und rank und doch betucht wie
eine Zauberfee oder ein Ritterfräulein ohne Schuld und Tadel.
„Meine“ amtierende Weinkönigin ist nicht nur eine schöne Königin, sie weiß auch sehr viel
über den Wein; sie erzählte mir alles über die Hektarflächen von Südtirol und anderswo und
die alten und neuen Sorten und von ihren Erfahrungen als Weinkönigin in Straßburg und in
der Welt herum. Sie berichtete auch von den anderen Königinnen , denn ich wusste nicht, daß
es außer Weinköniginnen auch Apfelköniginnen, Erdbeerköniginnen, Kartoffelköniginnen
und sogar ( hoffentlich nicht Sauere-) Gurkenköniginnen gibt. Die Königinnen finden wir
dann alle im Großen Gotha, einer Art adeligem Telefonverzeichnis, das ein gewisser Herr
Gotha lange vor Erfindung der Telephons angelegt hat. Unsere Weinkönigin ist aber etwas
besonderes: sie steht im Bordeauxroten, Roten Gotha.
P.S. Abends kam noch die ungekrönte Marillenkönigein kurz vorbei: Die Karin ist zwar nicht
im Gotha zu finden, aber sie hatte einen Korb voll süßer, kleiner Biomarillen aus Siebeneich
als milde Gabe ! Wo sollte der Marillenkuchen sonst her?
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Königlicher Schnellimbiss
*
Tricholoma Nudum (Violetter Speisepilz) unter Olivenöl und pikant
*
Vegetarische Streichwurst zur Blutreinigung
*
Tunfischsalat auf Salatblatt ohne Worchester Sauce
*
Anchovies mit Ungarischer Paprikacreme
*
8 Schneckennudel gefüllt
*
Truthahnbrust garniert
*
Schwarzwälder Eis
*
Cardonnay Brut
*
Schulthauser Königinnenwein
*
Kaffee vom arabischen Duft
*
Likör je nach Sorgen
(Die geschilderten Vorkommnisse und Zustände sind frei erfunden, alle Übereinstimmungen
mit der Realität sind zufällig)
(Quelle: neue Südtiroler Tageszeitung vom Mittwoch 07.08.2002)
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Besuchszeiten 7.
Meinem verehrten Lehrer und Freund Hans Czuma gewidmet.
Jul Bruno Laner
Das Prosit der Philosophen.
Horkheimer, Adorno, Habermass & Co und vom Trost der Philosophen
Was Kongresse alles zu Wege bringen! Dabei denke ich nicht so direkt an den Fortschritt der
Wissenschaft oder die Weiterbildung der eh schon viel zu Weitergebildeten, die in den
meisten der Fälle „Kongress“ nur mit „Stress“ assoziieren. Nein, ich denke vielmehr an die
menschlichen Kontakte, die geknüpft oder wieder aufgenommen werden, nur weil der und der
Kongress an dem und dem einladenden Urlaubsort zelebriert wird. So was hat es immer schon
gegeben, bei den Griechen die Symposien, bei den Römern die Convivien, bei den Christen
die Concilia und Conciliabula, bei den Hexen den Sabbath. Sepp Messner Windschnur sagt es
ganz deutlich in einem seiner Lieder :“ Der Lauterfresser hot an Stress, maß aufn Schlern zu
an Kongress...“ Aber eines haben die wie immer auch genannten Kongresse gemeinsam: am
Rande soll es lustig zugehen, am besten ist es, wenn der Kongress, wie dereinst in Wien,
einfach tanzt und tanzt und damit basta, ist eh das gescheiteste!
Nun gut, zur Zeit ist in Südtirol ein Kongress, der mit Pädagogik oder Philosophie was zu tun
hat, weiß nicht genau, ist so eine Geschichte für Spezialisten. Einer dieser Spezialisten ist
mein ehemaligen Hochschullehrer, der Univ. Prof. Hans und seine hübsche Frau Christine die
ich das letzte mal vor etwa 27 Jahren in Innsbruck gesehen habe. Ich hatte ein Oberseminar in
Philosophie - über die Frankfurter Schule - bei ihm belegt mit Sonjas Hilfe mit „sehr gut“
bestanden. Über ein viertel Jahrhundert haben wir uns ab und zu, um Weihnachten zu
ähnlichen Anlässen, geschrieben und die Adressen nie verlegt. Kürzlich berichtete er mir vom
genannten Kongress und wo ich anzutreffen sei: im Hausarrest, und so hat sich ein
gemeinsames Abendessen nicht vermeiden lassen. Mein damaliges Consemester Sonja ( la
più bella di Laives) und ihr guter Mann Jörgl sollten mir beistehen, denn wenn man so lange
einen Freund ( und die Gattin auch) nicht gesehen hat, da weiß man nie, ob es einem nicht die
Stimme verschlagen könnte, wenn der Zahn der Zeit vielleicht allzu fest genagt haben sollte.
Große Spannung, wir trafen recht pünktlich zusammen und es war keine traumatische
Begegnung. Erkennung und Umarmung waren eins. Wir Herren waren etwas in Ehren ergraut
und zerrupft, die Damen gepflegt und übermütig wie unbeaufsichtigte Backfische. Die
schwere Philosophie aus dem alten Jahrhundert wollte nicht so richtig abheben. Wer
demonstriert heute schon mit den Slogans der Frankfurter Schule. Der Professor erinnert sich:
wir wussten alles über Habermas, Horkheimer, Adorno, Marcuse. Und stellt fest: wir sind
doch noch auf freiem Fuß!
Denkste! Ein anständiges Menu ist auch ein Trost für Philosophen.
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Menu
nach dem Motto
Gott zum Gruß auf freiem Fuß
Nouvelle Cousin
Groaße Taller und nix drinn
*
Crostinen vegetarisch a la Adorno
*
Vinschger (nicht Frankfurter) Gamswürstlen
*
Risotto mit frischen Pilzen aus dem Garten Eden
*
Fiorentina Chianina mit Filet Marcuse
*
Aprikosenschnitte Siebeneich auf Kastanienboden
*
Zuckermelone getauft
*
Frankenwein Haus Huinz
*
St. Magdalena Reischwein extra light *)
*
Café etc. a la carte
*
No Horkheimer, no Altzheimer no American Express
*) mäßig genossen, schadet er auch in rauen Mengen nicht
Die geschilderten Vorkommnisse und Zustände sind frei erfunden, alle Übereinstimmungen
mit der Realität sind zufällig
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Besuchszeiten 8.
Heiteres und Ernstes über den Wein zu sammeln war ein Anliegen des Weltreisenden und
Geographen Max Reisch. Er hatte schon viele Bücher veröffentlicht, doch jenes über den
Wein zu beenden sollte ihm nicht beschieden sein. So trat sein Sohn Peter das Erbe an. Mit
dem Weinhof in Rentsch übernahm er auch das begonnene Manuskript als Herausgeber und
der Titel „Heiteres und Ernstes über den Wein“ kam in der Edition Raetia heraus. ( das Buch
ist im Handel vergriffen, wenn, nur über den Hsg. zu finden) . Befreundete Künstler (von
Bonell bis Welponer in alphabetischer Reihenfolge.) haben Illustrationen beigesteuert. Das
Buch bringt Sprüche, Zitate und Weisheiten über den Wein, die von der Bibel bis zu den
Aussagen junger Zeitgenossinnen stammen
In diesem Büchlein steht auch drinnen, woher die Vinobarden kommen. “Jener
kosmopolitische Volksstamm, der sich, ähnlich wie die Rebe an der 18 Grad Isotherme bei
entsprechendem Jahresniederschlag angesiedelt hat und die Kulturlandschaft bis in die
heutige Zeit maßgeblich mitgeprägt hat. Ob in der Provence oder in Puente dell’Inca, ob im
Rheinland oder im kalifornischen Nappa Valley, ob im südlichen Afrika oder im südlichen
Tirol, die Vinobarden leben in ihrer typischen Reblandschaft und sind ein ganze eigener,
fröhlicher, fleißiger und gemütlicher Volksschlag. Nicht jeder wird als Vinobarde geboren,
doch den aufrechten soll kein Bürgerrecht verwehrt sein.
Die Vinobarden, obwohl weit verstreut sind organisiert und haben sogar ( außer eigenen Pass
und eigene Währung) eigene Gremien, die in vinokratischer Eintracht die Geschicke leiten.
Das oberste Gremium ist der Rat der 7, der einmal im Monat zusammentritt um zu beraten.
Die letzte Session ( so werden sie Sitzungen auch genannt) wurde aus Gründen des
Ausgehverbotes im Hause des Arrestes abgehalten. 12 Punkte der Tagesordnung, die nicht
mit routinemäßigen Verwaltungsakten und Erlässen zu tun haben, werden zur
Veröffentlichung freigegeben, Punkt 13 wird zum Staatsgeheimnis N.27 erklärt:
Tagesordnung für die Julisession des Jahres 2002
1.
Session mit voller Haftung
2.
Hirtenhappen mit Frischkäse und Jungfisch
3.
Toast mit roter Pastete
4.
Unterakzeten aus VIB Kreisen hausgemacht
5.
Pellkartoffelhäppchen veredelt mit Fischeiern
6.
Weinblätter aus dem Tschumpusgarten gefüllt und verpacktelt
7.
Schwarzer Waldreis mit Sarner Pfifferlingen
8.
Kalbskopf hausgemacht a la Staatssekretärin
9.
Mexikanische Böhnchen mit Lauchringen
10.
Robertinischer Honigkäse aus dem Pustertal
6
11.
Sommerwein Sonnleithen
12.
Maria Tafele Eau de Pipp
13.
Allfälliges und andere Verwaltungsobliegenheiten (Zensur).
Die geschilderten Vorkommnisse und Zustände sind frei erfunden, alle Übereinstimmungen
mit der Realität sind zufällig
Besuchszeiten 9.
Giuseppe Verdi : der Gefangenenchor
„Im Mund der Freunde schmeckt das Essen besser“ sagen die Massais, die Pokots oder die
Kipsigies, weiß nicht mehr ganz genau, bei welchem Stamm ich diese Weisheit
aufgeschnappt habe aber sie birgt ein Stück Lebensfreude in sich, denn was gibt es schöneres,
als Freunde/Innen (beim Zeus, jetzt ist die ganze „/Innerei“ bis in einfache Menus
vorgedrungen, wie halten wir es eigentlich mit den männlichen Vestalinnen und
Klosterfrauen?) es gibt kaum schöneres, als im Freundeskreis glückliche Augen, mamfende
Münder und zufriedene – angeregte Gesichter zu sehen. Zwischen Wiege und Sarg ist wohl
die Geselligkeit der Leitfaden des Lebens. Selbst die Asketen und Einsiedler müssen sehen,
wie sie mit ihrem zweiten Ich zurecht kommen, denn: „hin bis zu der Friedhofsmauer, ist
Alter Ego auf der Lauer!“
Aber zurück zum geselligen Essen, am heutigen Tag ist der (gemischte!) Chor der VIBs als
Gast angesagt. Durch meine derzeitige, justizmäßig bedingte Ausgehverhinderung wurde
mein Domizil in den Rang eines Probelokals erhoben, da man auf den II. Bass nicht zu
verzichten gedachte.
Punkt 19Uhr 30 erschien – trotz Urlaubszeit und Hitzewelle – der Chor fast vollständig, daß
bis auf den letzten Gartenstuhl alle Sitzgelegenheiten belegt waren. Nach einer kühlen
Stehbowle waren die Kehlen bereit, Obercantor VIB Horsti hob den Taktstock und die
Blattsänger schienen angespannt wie lauter Zen – Bögen mit eingelegtem Gedankenpfeil und
dann kam es, das Crescendo, das, im Gefangenenchor des Nabucco, Giuseppe Verdis Genie
ausmacht:
Va Patente, du kamst mir abhanden
Jetzt sich ich da, bin zu Hause gefa – a – a- an – gen!
Ein promill war zuviel auf diesem Feufelsgerät
Jetz sitz ich da, es ist zu spät, ja es ist zu spät
Sollt ich einmal den Führerschein wider ha – a – a – a- am
Bin ich ganz bestimmt brav und zahm
Doch das eine, das weiß ich schon heute
Die kriegt mich nie wieder diese Meute!
7
Wenn so eine musikalische Aufwartung nicht die Moral aufbaut, was soll man sich denn
darüber hinaus noch erwarten? Einen guten Bissen, der im Mund der Freunde besser
schmeckt!
TSCHUMPUSMENU
Für den VIB Gefangenenchor
*
Knastoliven mit Restaufschnitten Vinschgau , Pustertal und Sarntal
*
Lebensfreudige Totentrompeten (cratarellus cornucopoides)
*
Galgenbock a la Edelweißschreck milde Art
*
Teufelsmünich ungarisch
*
Roter Kürbis in Einzelhaft
*
LSD*) mit beschränkter Haftung
*
Mineralwasser vom Karzerquell
*) LSD = Lagrein Sehr Dunkel zum bockigen Essen
Die geschilderten Vorkommnisse und Zustände sind frei erfunden, alle Übereinstimmungen
mit der Realität sind zufällig
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Besuchszeiten 10.
Am lichten Vormittag überkommen mich Tag – Albträume wegen der ungemütlichen
Stimmung, die das Heer der Katastrophentheoretiker in hemmungslosem Sadismus und ohne
jede Rücksicht an alle Wände malen. Die Religionen, im Unterschied zu früher, spenden
Hoffnung – sogar die Zeugen Jehovas haben seit 1995 keinen aufgeschobenen
Weltuntergangstermin mehr ausgerufen und der Pabst stellt der lebensbedrohenden
Bevölkerungsexplosion voller Zuversicht das Pillenverbot entgegen. Wenn das nicht gute
Anzeichen sind? Die sich aufgeklärt nennenden Geister sind es hingegen, die in jedem
Bullauge ein Ozonloch größer werden sehen, hinter jedem Vogelschiss todbringende
Asteroiden ausmachen und in kaum verständlichen Formeln das ewige Mene -Tekel -Fares
zelebrieren und in der Flucht auf den Mars die einzige Rettung für die (reiche) Menschheit
serkennen. Den heimischen Volksmassen schienen bis gestern die Unkenrufe nicht viel
Eindruck zu machen, die hatten ja Superman und Spinnenmann und Asterix und Obelix,
Batman und Wunderwomen, die Pachler Zottl und den Lauterfresser, die würden schon alles
in Ordnung bringen . Das galt noch gestern, heute ist das nichts mehr, denn der Feuerbrand ist
ausgebrochen und das in Südtirol : Äpfel krank, Birnen krank, als wären die großen
Monokulturen ein überfülltes Ghetto in dem die Pocken ausgebrochen sind und kein
Fluchtweg auf den Mars. Was wird aus meinen Latifundien (1,20 qm)? Aus den Rebblättern
und meinem Lorbeerbusch und dem Grabschmuck meiner Eltern? Wem soll ich die Schuld
zuweisen an der Misere? Wo bleibt Superman? Weckt ihn, schnell, am Schreibtisch!
Meine Insel der Seligen schien ein Leck zu bekommen und im unwirtlichen Meer
unterzugehen. Ich setzte mich verzagt unter den geschnitzten Heiligen Geist, den mir Clara,
die Fassmalerin, Ingrid, die Gralshüterin des ladinischen Idioms und Moritz, Almbauer und
Bankdirektor, bei einem Besuch geschenkt hatten. Die Taube tat Wunder und erleuchtete
meinen leicht verwirrten Kopf. Es läutete und Freiherr Christian brachte zum Halbmittag eine
Packung Frischmilch. Bei einem Pils wurden meine Katastrophengedanken weitergesponnen.
Nach kurzer Zeit erscheinen Thomas, der Jungbarde und Marisa, die Astrologin,
Kristalltherapeutin, Chiromantin und Bachblütenknospe zugleich. Das war ein Feuerwerk von
Antworten auf alle Grundfragen, die uns quälen. Als Luisl, der Bergsteiger und Alpinist sich
gegen Mittag dazugesellte, schien alles schon auf esoterischer Ebene gelöst und die
Bierbüchsen waren alle. Die Mittagspause wurde mit Maria Tafele zu einer verlängerten
Lurende ausgebaut. Der Abend steht auf einem ganz anderen Blatt.
Lurende
( Synthese zwischen Lunch und Marende)
Napoletana Piccante
*
Stracchinobrot mit Salzsardellen
*
Wildschweinwurst von der Kalterer Höh
*
Vinschger Speck halb rot halb weiß
*
Almkas Pramajur
*
Geselchtes Notscherfilet Matschertal
9
*
Algunder Ziegenkas
*
Kapernfrüchte
*
Spreegurken
*
Saure Schwammelen
Besuchszeiten 11.
Zum Halbmittag war Siegfried, der Metallurg und Erfinder angemeldet. Lange schon sollte
ich ihm aus einem bürokratischen Dickicht helfen, doch ich war nie zu erwischen, nun war
der richtige Zeitpunkt gekommen, wie der Mondkalender sagt.
Siegfried ist seit etwa vierzig Jahre in Südtirol und ein Genie, was die Herstellung von
Gegenständen aus eluxiertem Stahl betrifft. In der ex Bierbrauerei von Blumau hat der ex
DDR Bürger sein Reich. Seit der Zeit der Feuergötter Hephaistos und Vulcanus, die in den
diversen feuerspeienden Bergen saßen, hat sich des Feuers Macht, die Siegfried bewacht,
kaum geändert. Es ist auch ein Bisschen „antrisch“ in der Werkstatt, so ähnlich wie in einem
hohlen Berg. Nur in der Technik des Schmelzens und Gießens, die Siegfried entwickelt hat,
da würden nicht nur die Götter der Griechen und Römer staunen, auch eine große deutsche
Technische Universität hat dem genialen Gießer bescheinigt, daß seine nahtlose Gusstechnik
in der Praxis die theoretischen Berechnungen der Uni im Wirkungsgrad weit übertroffen hat.
Das ist doch was, oder? Nun ist er Teil eines Forschungsprojektes und arbeitet mit der Uni
zusammen. Welch eine Befriedigung nach 40 Jahren Theorie und Praxis! Doch es kann kein
braver Mensch in Frieden werken, wenn der Bürokratius es nicht will. Und wenn dieser
Schimmel einmal zu wiehern anfangt, dann treibt er in seiner Erfindungslosigkeit die
stumpfsinnigsten Blüten.
Nun sollte Siegfried in seine Werkstätte so viel in Umbauten investieren, daß er – inzwischen
ein Übersiebziger – die Tilgung der Kredite den Enkeln vererben müsste. Die Beamten sollen
doch dem Ätna und dem Pinotubo ein Kittelchen aus Stempelpapier umhängen und schauen,
was Vulcanus dazu sagt! So unfähig und senil sei er noch nicht in seinem Betrieb, daß er
Peters Prinzip erliegen würde. Er erklärte mir, ein gewisser Professor Schreibnamens Peter,
Betriebswirtschaftsforscher, habe das folgende allgemeingültige Prinzip aufgestellt: In allen
betrieblichen Hierarchien strebt der Mensch nach dem höchsten Rang seiner Inkompetenz,
päng! Der Siegfried fragte, fast abwesend, vor sich hin:“ Der Berlusconi, der Schröder, die
haben noch Spielraum aber, wie weit muß es der Pabst es noch bringen?“ Ein Philosoph ist er
auch noch, der Gießer Siegfried und was er sagt, klingt wie aus einem Guss. Ich möchte, daß
er zum Abendessen kommt, aber Hephaistos muß zurück an den Blasebalg und ich an den
Küchenherd.
10
Schlussmenu vor dem Freigang
im
Tschumpus zum alten Kastanienbaum
*
Melanzen mit Ei
*
Wundersuppe mit Reggiano
*
Risotto mit Gansgeselchtem
*
Vegetarische Schnecken in Kräuterbutter
*
Pfifferlinge mit Polenta
*
Marillenyogurt
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