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Meterspur-Anlass, 5. November 2014 im Verkehrshaus Luzern
RAILplus. Synergien und eine geeinte Stimme der Bahnen
Referat am 3. Meterspuranlass vom 05.11.2014 im Verkehrshaus Luzern
Joachim Greuter, Geschäftsführer RAILplus AG
Es gilt das gesprochene Wort
RAILplus. Synergien und eine geeinte Stimme der Bahnen. In der RAILplus AG spannen elf regionale Schweizer Bahnen zusammen, um Grosses zu leisten. Auch ohne
zusammenhängende Netze finden die Meter- und Schmalspurbahnen unter dem Dach
von RAILplus zahlreiche Möglichkeiten, operative Erfahrungen auszutauschen, neue
technische Lösungen zu suchen, Produkte und Dienstleistungen einzukaufen oder die
Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam zu organisieren.
Vor über 10 Jahren wurde RAILplus gegründet mit dem Ziel Synergien zu schaffen und
ein gemeinsames Lobbying zu betreiben! Mehrere Vertreter aus der Gründerzeit sind hier
im Raum anwesend – was mich ganz besonders freut! Insbesondere freue ich mich über die
Anwesenheit meines langjährigen Vorgängers Hans-Jürg Spillmann, von dem ich ein sehr
gut organisiertes und erfolgreiches RAILplus übernehmen konnte.
Heute dürfen wir sagen, dass die interne und externe Zusammenarbeit von RAILplus nach
wie vor sehr gut funktioniert. So stehen wir unter anderem im regelmässigen Austausch mit
dem Bundesamt für Verkehr, sei dies auf fachlicher Ebene oder auch im strategischen Dialog, der einmal pro Jahr anlässlich einer VR Sitzung RAILplus stattfindet.
Vom Bodensee bis zum Genfersee. Hinter RAILplus stehen heute 11 erfolgreiche Meterund Schmalspurbahnen. Diese vereint neben der Spurweite der regionale Charakter und die
überschaubare Grösse. Gemeinsam betreiben diese Bahnen 1000 Streckenkilometer oder
20 % des schweizerischen Schienennetzes. Die betrieblichen und infrastrukturbezogenen
Unterschiede sind dabei nicht zu vernachlässigen. Die Bahnen des Alpenbogens meistern
touristische Spitzen und Naturereignisse, während die Nahverkehrsbahnen des Mittellandes
eher mit grossen Pendlerströmen und mit täglich wiederkehrenden Konflikten zwischen
Schienenverkehr und Strassenverkehr beschäftigt sind.
Synergien und eine geeinte Stimme. Wie geht das? Die Arbeitsweise von RAILplus basiert auf drei Säulen. Der Nutzung von Synergien, der gemeinsamen Erbringung von Dienstleistungen und der Lobbyarbeit.
Von Beginn weg stand bei RAILplus die Nutzung unternehmerischer Synergien im Zentrum der Zusammenarbeit. Erfolgreich führten und führen die RAILplus Bahnen Aktivitäten
durch wie:
• gemeinsame Mystery Tests zur Verbesserung der Kundenorientierung,
• Best practice und Ressourcen-Pooling in Produktion und Unterhalt,
• Förderung angepasster Standards für Meterspurbahnen
• Gemeinsame Beschaffung von Systemen, Material, Betriebsmitteln und Dienstleistungen,
• Gemeinsame Personalzufriedenheitsbefragungen
• Systematische Sammlung und Analyse von Kennzahlen
• Aber auch immer wieder Umfragen zu aktuellen Themen oder Problemstellungen, als
Beispiel sei genannt der Vergleich der Anstellungsbedingungen und Saläre.
Das Feld der Dienstleistungen soll weiter ausgebaut werden. Pièce de Résistance ist die
bestehende und äusserst erfolgreiche Lokführerausbildung. Diese soll nun ergänzt werden
durch Ausbildungsangebote in weiteren Berufsbildern. Zu diesem Zweck hat RAILplus per
1.Oktober 2014 die Funktion eines Ausbildungskoordinators eingerichtet, der die Aktivitäten
in diesem Feld koordiniert und vorantreibt. Daneben wurden aber auch andere Projekte aufgegleist, auf die ich in der Folge eingehen werde.
Ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit ist schliesslich das Lobbying. Denn nur eine geeinte
Stimme erlangt die Beachtung und den Einfluss, die 20% des Streckennetzes mit sich bringen. Die gemeinsamen Stellungnahmen sind aber auch ressourcenschonend, viele der
RAILplus-Bahnen verfügen nicht über die Kraft, um zu allen Themen eine gehaltvolle und
abgestimmte Stellungnahme einzureichen. Hier springt RAILplus in die Lücke, was von den
Bahnen, aber auch vom Bundesamt für Verkehr, sehr geschätzt wird. Die Themen 2013 reichen von der Leistungsvereinbarung Infrastruktur über den Standard Zugbeeinflussung bis
hin zur Teilrevision der betrieblichen Verordnungen AB EBV.
Im 2014 starteten wir mit der Stellungnahme zur Vernehmlassung zum neuen Arbeitszeitgesetz, welches weitreichende Folgen für die Planung und Führung der Mitarbeitenden hat.
Darüber hinaus ging es um Strukturnachweise Meter- und Spezialspurbahnen, aber auch um
das Thema der Komponentenabschreibung.
Ausserdem wird durch die Arbeitsgruppe Benchmark & Finanzen unter Leitung von Andrea
Felix (Zentralbahn) die Vertretung in der Technischen Arbeitsgruppe Trassenpreissystem
2017 sichergestellt, welche das Bundesamt für Verkehr dieses Jahr ins Leben gerufen hat.
In der Folge möchte ich Ihnen einige Blicke ins Nähkästchen gewähren. Was versteckt
sich beispielsweise hinter den Beschaffungsvorteilen? In der Arbeitsgruppe Strategischer
Einkauf treffen sich die Vertreter der RAILplus Bahnen unter Leitung von Stefan Ackermann,
RhB, regelmässig zur Abstimmung der laufenden Beschaffungsvorhaben und zum Austausch über aktuelle Themen. Bis anhin wurden über 40 Rahmenvereinbarungen mit Lieferanten geschlossen, welche vorteilhafte Konditionen und eine hohe Servicequalität garantieren.
Dabei liegt der Fokus immer auf einer langfristigen Partnerschaft mit den Geschäftspartnern,
nicht auf einseitigen Vorteilen einer Partei. Dass uns dies ganz gut gelingt, erkennen Sie
nicht zuletzt an der regen Teilnahme unserer Lieferanten am heutigen Anlass und an der
grossen Bereitschaft, diesen Tag zu ermöglichen dank grosszügigen Sponsorenbeiträgen.
In diesem Jahr haben wir auch die Zusammenarbeit mit der SBB Infrastruktur neu lanciert.
Die SBB verfügt über eine Vielzahl von Rahmenverträgen, die auch anderen schweizerischen Bahnen zur Verfügung stehen. Es nützt aber wenig, wenn dieses Potential vorhanden
ist, aber nicht genutzt wird. Gemeinsam mit der Marktmacht der SBB erzielen wir so nicht nur
Vorteile im Preis, sondern können auch gemeinsame Interessen und Technologien verfolgen
und Skaleneffekte erzielen, die auch für die Lieferanten interessant sind. Der Mehrwert realisiert sich dabei nicht nur monetär, sondern auch in Qualitätsvorteilen, in vereinfachten Prozessen und in einer langfristigen Versorgungssicherheit.
Die Kür bezüglich Beschaffungssynergien ist die gemeinsame Ausschreibung von Rollmaterial, denn hier gilt es, mehrere Hürden zu überwinden. Nur schon die zeitliche Abstimmung zwischen den Beschaffungsvorhaben ist schwierig. Nichtsdestotrotz wird bei Beschaffungen regelmässig überprüft, ob ähnliche Fahrzeuge von verschiedenen Bahnen in einer
Ausschreibung zusammengefasst werden können. Die Mehrwerte der Zusammenarbeit sind
vielfältig und liegen in der gemeinsamen Aufbereitung der Ausschreibungsunterlagen, der
gemeinsamen Abwicklung des Prozesses bis hin zur gemeinsamen Vorhaltung von Ersatzteilen und Werkzeugen oder sogar einer gemeinsamen Ausschreibung baugleicher Fahrzeuge.
Aktuelles Beispiel ist die anstehende Beschaffung bei den Appenzeller Bahnen, der Rhätischen Bahn, dem Regionalverkehr Bern Solothurn und der AAR bus + bahn. Vorausschauend wurde geprüft, ob sich genügend Synergien für eine gemeinsame Ausschreibung oder
einen gemeinsamen Prozess ergeben könnten. Die Evaluation hat aufgrund der ähnlichen
Betriebskonzepte ergeben, dass zwischen AB und RhB einerseits sowie AAR und RBS andererseits die grössten Potenziale bestehen. Die beiden daraus resultierenden Ausschreibungen von 32 Tourismuszügen und von 22 Vorortszügen sollen gestaffelt ablaufen.
Mit der grösseren Stückzahl gleicher Fahrzeuge sollen in erster Linie Skaleneffekte realisiert
werden. Andererseits soll das Beschaffungsgeschäft für möglichst viele Anbieter interessant
werden, so dass ein echter Wettbewerb zwischen den Anbietern stattfindet.
Bereits umgesetzt ist die Ausschreibung und Beschaffung der Albula Gliederzüge der Rhätischen Bahn, die 2016 in Betrieb gehen werden.
Auch unsere Arbeitsgruppe Betrieb trifft sich regelmässig zum Erfahrungsaustausch, zur
Steuerung von Projekten und zum Kennenlernen von Best Practice Lösungen der einzelnen
Bahnen. Aufgrund der positiven Erfahrungen, die mit den harmonisierten Fahrdienstvorschriften der Alpenbahnen gewonnen wurden, initiierten wir im Jahr 2013 das Projekt „Harmonisierung Ausführungsbestimmungen Fahrdienstvorschriften Nahverkehr“. Dieses steht
unter Führung des Leiters Verkehr der Aare Seeland mobil, Markus Flück. Zielsetzung ist
unter anderem die Reduktion des Umfangs der Ausführungsbestimmungen und vor allem
der Vereinheitlichung der Artikel. Matchentscheidend ist, dass die Beschaffung und die Sanierung von Infrastruktur und Rollmaterial auf Basis der Grundvorschriften FDV und der geltenden Normen erfolgt. So können die Standards materiell vereinfacht werden.
Der Ball liegt nun bei den Vertretern der einzelnen Bahnen, indem die Vereinfachung in den
bahnspezifischen Verordnungen umgesetzt werden muss. Im Rahmen des bereits angekündeten nationalen Änderungszyklus 2016 wird das Projektteam gemeinsame Stellungnahmen
einreichen und bestrebt sein, die Vorschriften weiter zu harmonisieren bzw. diese gemeinsam weiter zu entwickeln.
Ein weiteres Highlight in der Zusammenarbeit bei RAILplus ist die gemeinsame Aus- und
Weiterbildung der Lokführer. Diese stellen mit über 1000 Personen die grösste Personalgruppe bei den RAILplus-Bahnen. Seit Beginn der Lokführer-Ausbildung bei RAILplus im
Jahre 2003 konnten bereits 250 Auszubildende erfolgreich zum Abschluss geführt werden.
Die Synergien äussern sich hier nicht nur in den Kosten, denn die gemeinsame Ausbildung
erlaubt insbesondere auch, mehr Kurse pro Jahr anzubieten.
Auch erzielen wir eine bessere Qualität durch die gemeinsame Erarbeitung der Lehrmittel
und der Prüfungsfragen. RAILplus hat überdies mit der Fachhochschule Biel den Simulator
entwickelt, der die Schulung von Echtsituationen im geschützten Umfeld des Übungscontainers erlaubt.
Stellen Sie sich vor, jeder Kurs hat eigene Unterlagen und Papierkopien. Eine Unmenge an
Papier wird produziert und die Aktualität der Dokumente ist nicht sichergestellt. Deshalb
wurde im Jahr 2012 das Projekt eRAILplus gestartet, welches in diesem Jahr zum erfolgreichen Abschluss geführt werden konnte. Es umfasst ein internetbasiertes System, welches
die Kursunterlagen elektronisch zur Verfügung stellt und ausserdem die standardisierte Prüfung zum Schluss des Kurses, wie auch die Durchführung der Periodischen Prüfung für die
operativen Lokführer erlaubt.
Das System präsentiert die Prüfungsfragen optisch attraktiv bis hin zu interaktiven Elementen mit Bildern und Schaltflächen, die zur Beantwortung der Fragen gedrückt werden müssen. Wir erhalten laufend positive Rückmeldungen von Seiten der Lokführer-Anwärter, wie
auch von Seite der Instruktoren und Prüfungsanwärter zu diesem neuen Tool.
Sie wissen, dass RAILplus sehr schlank aufgebaut ist. Abgesehen von den Leistungen
durch meine Person als Geschäftsführer werden sämtliche Aufgaben durch Mitglieder der
Arbeitsgruppen erbracht, welche hauptberuflich bei den RAILplus-Bahnen tätig sind. Dieses
System ist sehr effizient und es stellt sicher, dass die Bodenhaftung und die notwendigen
Betriebskenntnisse bestehen bleiben.
Gleichzeitig ist es im reinen Milizsystem schwierig, übergreifende Projekte voranzutreiben
und Systeme wie das eRAILplus zu verwalten und weiter zu entwickeln. Deshalb hat der
Verwaltungsrat RAILplus beschlossen, die Stelle eines Ausbildungskoordinators aufzubauen.
Es ist mir eine grosse Freude, Ihnen nun unseren neu gewählten Ausbildungskoordinator,
Herr Reto Kast von den Appenzeller Bahnen vorzustellen (Reto steh doch bitte kurz auf).
Herr Kast ist seit 29 Jahren bei den Appenzeller Bahnen tätig, nachdem er seine Lehre als
Elektromonteur abgeschlossen hat. Über den Fahrdienstanwärter, Lokführer, Fahrlehrer und
schlussendlich Ausbildungsleiter hat er sich innerhalb der Appenzeller Bahnen stetig und
kontinuierlich weiterentwickelt. Im Rahmen von RAILplus hat er überdies die Projektleitung
zur Überarbeitung der Lehrmittel und des Kursaufbaus übernommen. Neben dem Beruf hat
er den eidgenössischen Fachausweis als Technischer Kaufmann und als Ausbildner für
Auszubildende erworben. Ich freue mich sehr, mit Reto eine kompetente und engagierte
Person zur Verfügung zu haben, die die Ausbildungsthemen RAILplus erfolgreich vorantreiben wird!
Nun mögen Sie vielleicht denken: Ok, die positiven Aspekte hat er uns sehr gut verkauft.
Aber wo gearbeitet wird, fliegen auch Späne! Das ist natürlich auch bei RAILplus nicht anders! Auch in unserer dezentralen Organisation kann es vorkommen, dass die linke Hand
nicht weiss, was die rechte macht. Manchmal ist die bestehende Organisation nicht 1:1 bereit, die aktuellen Themen aufzugreifen. Neben der Intensivierung der Projektarbeit arbeiten
wir deshalb seit diesem Jahr verstärkt mit Ad Hoc Workshops und Arbeitsgruppen. Denn die
Herausforderungen der Bahnwelt sind oft sehr vernetzt und lassen sich nicht immer eins zu
eins einer der bestehenden Arbeitsgruppen zuordnen. Die Arbeit in diesen losen Arbeitsgruppen erlaubt es, themenbezogene Teams zusammenzustellen und auf diese Weise sehr
schlagkräftig zu arbeiten. Ein Beispiel: Im Strategie Workshop Vertrieb und ÖV Karte haben
wir uns intensiv mit der Umsetzung der ÖV Karte auseinandergesetzt sowie mit der Fragestellung, wie wir die Kostenstruktur im Vertrieb verbessern könnten. Ebenso bearbeiten wir
die Themen Sicherheits- und Qualitätsmanagementsysteme, aber auch Beschaffungs- und
Vertragsrecht im Rahmen von Ad Hoc Gruppen. Diese Art der Zusammenarbeit hat sich als
sehr gewinnbringend herausgestellt, da sich in kurzer Zeit sehr viel Wissen zusammentragen
lässt und gute Ideen einfach und rasch umgesetzt werden können.
Meine Damen und Herren: Wohin geht die Reise? Wie meistens im Leben gilt es, das was
gut ist, zu bewahren und dort Neues einzuführen, wo Handlungsbedarf besteht und auch da,
wo sich neue Chancen ergeben. Die Ziele 2015 für die Arbeitsgruppen bestätigen dieses
Bild. Es findet sich ein breiter Strauss an Themen von einem Messsystem für die Infrastruktur über Synergien in der Fahrzeugrevision bis hin zur Optimierung der Verkaufsschulung auf
Basis der Mystery Tests, um nur einige Beispiele zu nennen. Im Herbst 2015 wird ein weiterer Strategie Workshop zur Festlegung der künftigen inhaltlichen und organisatorischen
Stossrichtungen stattfinden.
Es ist genau diese Breite an Themen, die mir so viel Freude bereitet und meinen Job so interessant und vielseitig macht. Ich hoffe, der Spass an der Arbeit ist in unseren Lieferobjekten
und unseren Handlungen spürbar! In diesem Sinne freue ich mich sehr auf die weitere Zusammenarbeit mit Ihnen allen, seien Sie Vertreter aus Politik, BAV oder aus der ÖVBranche. Seien es auch unsere Lieferanten oder die interessierten Medien und Journalisten.
Und nicht zuletzt freue ich mich sehr auf die weitere, sehr gute Zusammenarbeit mit allen
Vertreterinnen und Vertretern der RAILplus-Bahnen, die ebenfalls hier versammelt sind!
Damit bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen allen einen spannenden, informativen und anregenden Meterspuranlass 2014!
Kontakt:
RAILplus AG
Joachim Greuter
Geschäftsführer
Postfach 4331
5001 Aarau
Tel: +41 62 832 83 66
joachim.greuter@railplus.ch
www.railplus.ch
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