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"Was heißt 'Leistung' – wie können wir sie feststellen und fördern

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wie können wir sie feststellen
und fördern?"
Vortrag von
Hans Brügelmann
(Universität Siegen)
auf dem Grundschultag
am 9.4.2011
an der Wichern-Schule Hamburg
Problem I: Die Unterschiede Largo (2009)
Bei der Diskussion
Eines vorweg: Leistung…
"Was heißt 'Leistung' –
über Leistungsbewertung unterscheiden
…ist je nach Funktion zu Recht
an drei verschiedenen Bezugsnormen zu messen:
-
-
 Grundschule primär Förderorientierung
bezogen auf inhaltliche Schwellenwerte
Kampf gegen Selektionsdruck unabhängig von Verfahren
 ausreichend für Zulassungen, z.B. beim Führerschein (&KMK)
-
als Fortschritt im Blick auf die individuelle Entwicklung
 sinnvoll als Rückmeldung (Trainingserfolg)
Fragen der Funktion
-
Fragen der Methoden
 Diskussion über Lernbeobachtung, Ziffernnoten, Tests usw.
-
als Rangplatz im Vergleich mit anderen
 notwendig zur Selektion, z.B. bei Stellenbesetzung
(Largo II)
Unterschiede: Erste Schritte
Das Grundproblem 
(Largo III)
Unterschiede 1. Klasse
aus: Largo „Schülerjahre“ (2009, 25)
1
Unterschiede 13-jähriger Mädchen (Largo III)
Qualitativer Karawaneneffekt in der Rechtschreibung May (1990)
PZR
Maja
1M
FA--RAT
-- Sven
1E
2M
2E
3M
3E
4M
4E
--
FA-R-T
F------
FA--RAT
F---
D
F
H-RAD
FA
RRAD
FAH
R-T
A--R-T
FA--RA
Leistung ist also,
Lea
FA--R
AT
Schwache
Rechtschreiber
sind
zum falschen Zeitpunkt
normal…
FA--RAD
was jemand
aus seinen individuellen Möglichkeiten
unter den konkret gegebenen Bedingungen
macht.
FAH-RAD
RRAD
FAH
D
FA--RA
 Inklusion –
statt Integration
H-RAD
FA
28 „Kühe“ gezählt- sonst käme man nie auf das
Ergebnis
Leistungsbeurteilung
Welche Aufgabe steckt in diesem Bild?
…muss deshalb erfassen
die Lerngeschichte
mit Bezug auf
den Lernkontext
Wie alt ist der Kapitän?
2
28 - Scherzfrage, wie Schule immer
20 - weil ein Schaf nicht älter werden kann
Wie 28 Rosen...
36 - Film gesehen - aber wer ist Kapitän?
Verweigerung - Das weiß nur der Kapitän
Quellen zur Frage: „Wie alt ist der Kapitän?“
Baruk, S. (1989): Wie alt ist der Kapitän? Über den Irrtum in
der Mathematik. Birkhäuser: Basel.
Selter, C. (1994): Jede Aufgabe hat eine Lösung – oder: Vom
rationalen Kern irrationalen Vorgehens. In: Grundschule, 26.
Jg., H. 3, 20-22.
Quelle: Keller, B./ Brandenburg, M. (1999): Kapitänsaufgaben in
Bildern. Von welchen Gedankengängen lassen sich Kinder beim
„Lösen“ von Kapitänsaufgaben leiten? In: Grundschulzeitschrift,
13 Jg., H. 126, 54-55.
Radatz, H. (1983): Untersuchungen zum Lösen eingekleideter
Aufgaben. In: Journal für Mathematik-Didaktik, 3. Jg.,
205-217.
3
Menschliches
Was können wir aus dieser Aufgabe lernen?
Verhalten ist
Or is this guy
simply reckless…?
mehrdeutig -
• Kinder deuten Aufgaben und Lernmöglichkeiten,
was wir ihnen anbieten und was wir von ihnen verlangen –
sie sind keine passiven Rezipienten.
• Sie reagieren dabei ganz unterschiedlich –
durch ihre je individuelle Brille.
• Wenn man ihnen Freiraum gewährt,
gehen sie selbstständig und sinnstiftend mit ihm um.
 Was heißt das für Lernbeobachtung und Lernbeurteilung?
Die Stärken von Tests bedeuten andere Schwächen
- sie müssen sich auf bestimmte Aufgabentypen und
Auswertungsformen beschränken („Standardisierung“) und diese schränken ihre Aussagekraft (Validität) ebenfalls ein;
konkret 
und seine Deutung
ist immer
theoriegebunden
und damit
personabhängig –
auch bei der
Vergabe von
Noten....
Interpretationsbedürftigkeit:
Ein Beispiel
aus VERA
„Nach dem Antwortmuster
sind beide Antworten von
Christopher falsch.
Die ersten beiden wären,
nach Meinung der Aufgabenmacher, die richtigen.
Christopher hat aber vermutlich vom Ergebnis her gedacht.
Tatsächlich ist der eigentlich schnelle Hase Kalulu hier der
langsame, weil er die Zeit verschläft, und die eigentlich
langsame Schildkröte ist hier die schnelle, weil sie als
erste am Ziel ist.“ (Bartnitzky 2008)
Das Lehrerurteil ist fehleranfällig –
wie die Forschung zu Noten zeigt:
• nicht valide, d. h. nicht vorhersagekräftig bezogen auf
zukünftigen Schul-, Ausbildungs- und Berufserfolg;
• nicht verlässlich, d. h. nicht stabil, sondern stark
beeinflusst von äußeren Umständen (z.B. Reihenfolge);
• nicht objektiv, d. h. nicht unabhängig von den
beurteilenden Personen (z.B. Sympathie);
• nicht vergleichbar, da sich die Bewertungen auf sehr
unterschiedliche Maßstäbe und Schwellenwerte beziehen
(z.B. Lehrer im sozialen Brennpunkt vs. Villenviertel);
• nicht fair wegen der als Norm unterstellten
Normalverteilung für jede Klasse, obwohl die
Durchschnittsniveaus stark streuen.
Das Richtige im Fehler:
Ein zweites Beispiel aus VERA
„Die Kinder sollten ein Adjektiv zum Verb kämpfen
bilden.
Weil das Wort kämpferisch den Kindern der 3. Klasse
nicht geläufig war, bildeten sie Adjektive wie
kämpferlich oder kämpfig.
Sie bewiesen damit, dass sie eine Vorstellung davon
hatten, wie Adjektive gebildet werden.
Ihre Lösung musste aber als falsch bewertet werden.“
(Bartnitzky 2009)
4
Die Stärken von Tests bedeuten andere Schwächen
Botschaft (I)
Botschaft (II)
Das menschliche Urteil
Daraus wurde der falsche Schluss gezogen:
- sie müssen sich auf bestimmte Aufgabentypen und
Auswertungsformen beschränken („Standardisierung“);
- sie konzentrieren sich inhaltlich auf wenige Ausschnitte der
Leistungsprofils (Messbarkeit; Ökonomie);
- ihre Ergebnisse sind bei punktueller Erhebung –
wie Noten - ebenfalls nicht verlässlich;
- ihre prognostische Validität ist ähnlich unsicher wie die der
Noten;
ist das differenzierteste und sensibelste Instrument,
man müsse es ersetzen
das wir haben –
durch technische Präzisionsinstrumente.
wegen seiner Sensibilität
Das klappt schon in der Medizin nicht,
ist es aber auch besonders fehleranfällig.
wo trotz aller High-Tech-Diagnose
der Arzt immer noch die Deutungshoheit über die Daten hat.
- insgesamt: auf Individualebene ist der Messfehler,
der sich in großen Stichproben ausgleicht,
zu groß, um biografische Entscheidungen abzusichern.
Botschaft (III)
Botschaft (IV)
Deshalb müssen wir lernen,
Alle unsere Instrumente sind wie Thermometer:
Folgerung
Mit der Not produktiv umgehen:
und ihre Risiken zu reduzieren.
Sie liefern Warnsignale,
aber keine Diagnosen –
Wenn die Medizin
das schmerzhaft gelernt hat,
sollte es uns in der Pädagogik erst recht gelingen.
Dialogische Lernberatung
in einer
mit dieser Fehleranfälligkeit zu leben
und es handelt sich nur um punktuelle Sondierungen.
Pädagogischen Leistungskultur
Bartnitzky, H., u. a. (Hrsg.): Pädagogische Leistungskultur. Beiträge
zur Reform der Grundschule. Bde. 119, 121, 124.
Bd. 119 (2005): Materialien für Klasse 1/2 (Deutsch, Mathematik,
Sachunterricht)
Bd. 121 (2006): Materialien für Klasse 3/4 (Deutsch, Mathematik,
Sachunterricht)
Bd. 124 (2007): Ästhetik, Sport, Englisch - Arbeits-/Sozialverhalten
 www.grundschulverband.de
5
Grundprinzipien:
Beteiligung & Förderung von SchülerInnen
Ziele: Die SchülerInnen
sollen...
• Verantwortung für die eigene
Arbeit übernehmen (können)
• Methoden zur realistischen
Selbsteinschätzung lernen
• Bereitschaft zur Rechenschaft
vor sich selbst und vor anderen
entwickeln.
 Leistungsbewertung als
dialogischen Prozess organisieren
(I) Erreichen von Lernzielen wahrnehmen:
Kompetenzen zeigen statt an Hürden zu scheitern
Dialogische Lernberatung
im
Konzept der
„Pädagogischen Leistungskultur“
konkrete Beispiele 
(s. Workshops und Markt)
Lern-Landkarte (Wartburgschule, Münster)
Individuelle
Buchstabenhefte
mit eigenen Wörtern
Sammelheft
für Wörter mit bestimmten
Besonderheiten
(II) Leistungen der SchülerInnen würdigen:
unterschiedliche Lernentwicklungen
dokumentieren und bestätigen
und Bildern
analog:
eigene Wortschätze
im Rechtschreibund Fremdsprachenunterricht
6
Gutachter-Gespräch (Lernpartner)
fremd-formal: Laborführerschein 5. Klasse
(III) SchülerInnen individuell fördern:
Lerngespräche führen
zu ihrer Verbesserung entwickeln
Die Expertin
durch...
Die Gutachterin
... zeigt und erklärt ihre Ergebnisse
... sagt, was ihr gefällt
Schreibkonferenzen in Kleingruppen
_____________________________________________
(Unterschrift der Lehrkraft)
(IV) Lernmöglichkeiten eröffnen:
eigene Lernwege beschreiben
... bittet bei Unklarheiten um Hilfe oder Tipps
... hilft bei Unklarheiten und gibt Tipps
oder allen z. B. über alternative
Bogen zur Selbst- und Fremdbeurteilung
Selbsteinschätzungsbogen mit Förderhilfen
Umgang mit Texten und Medien; Lesen
Das kann
ich schon
ICH
Ich lese gerne.
Portfolios: „Meine besten Arbeiten“
Ich lese viel, auch zu Hause.
Selbstzeugnisse: „Das kann ich gut, dass
muss ich noch besser machen.“
Ich nütze Bücher um mir Informationen zu beschaffen.
Was ich lese kann ich verstehen und erzählen.
Ich kann schriftliche Arbeitsanweisungen verstehen und
danach handeln.
Ich kann Gedichte auswendig lernen.
Ich kann Gedichte betont vortragen.
L
Das muss
ich noch
üben
ICH
L
Das kann
ich noch
nicht
ICH
L
Wie sicher fühlst du dich in den
folgenden Situationen?
Ich kann bei einem Buch den Autor, Verlag, Titel
benennen.
Ich kann den Inhalt eines Buches mündlich nacherzählen.
Ich kann den Inhalt eines Buches schriftlich
nacherzählen.
Ich kann selbstständig im Internet arbeiten und mir
Informationen besorgen.
Ich kann schnell lesen.
Hier findest du
Aufgaben zum
Üben.
1. Ich kann Größen abschätzen, z.B.
die Länge der Aula,
mein Alter in Tagen,
das Gewicht einer Katze .
AB „Schätze !“
AB „Mit Längen
rechnen“
2. Ich kann Einheiten umrechnen,
z.B. 3,4 m in mm,
500 min in h,
0,3 t in kg.
AB „Übung
Größen“
AB „Rechnen
mit der Zeit“
Klammerkarten
Zeitdreiecke
3. Ich kann mit Größen rechnen, z.B.
4,2 m – 54 cm,
4min 5s – 1min 15 s,
8 · 170 g in kg.
S. 166, Nr.2a,b,
S. 166, Nr. 3
AB „Das
verrückte Haus
der Größen“
4. Ich kann Fahrpläne lesen und
Fahrzeiten bestimmen.
S. 166, Nr. 4, 5
5. Ich mache zweimal wöchentlich
einen Waldlauf von 2600 m
Länge. Ich kann ausrechnen, wie
viele Kilometer ich im Jahr laufe,
wenn ich insgesamt 38 Wochen
laufe.
S. 166, Nr. 7- 10
Aufgabenkarten
Ich kann Stichworte aus einem Text aufschreiben.
Ich kann Texte markieren.
Quelle:
Fridtjof-Nansen-IGS Flensburg
... überarbeitet ihre Ergebnisse
Arbeits- und Lernstrategien
durch Selbstreflexion...
Lernverträge:
„Das will ich als nächstes lernen.“
... erklärt bei Fragen, was gemeint ist
Metagespräche mit PartnerInnen
„Lernen des Lernens“
Lerntagebücher:
„Wie habe ich das gelernt?“
... gibt Anregungen für die Überarbeitung
Rechtschreib-Diskussionen im Plenum
ziemlich
sicher
________________________________
(Datum)
... fragt nach, wenn ihr etwas unklar ist
Überarbeitung von Text-Entwürfen
sicher
Sie hat dabei folgende Leistungen gezeigt:
☺ Sie kann die Gefahren beim Experimentieren erkennen.
☺ Sie kann die Gefahrensymbole und ihre Bedeutungen benennen.
☺ Sie kann die Laborgeräte benennen.
☺ Sie kann die Teile des Bunsenbrenners benennen.
☺ Sie kann einen Bunsenbrenner fachgerecht benutzen.
sehr
unsicher
hat im 5.Jahrgang
den Laborführerschein erworben.
Kriterien für Qualität und Strategien
unsicher
Klare Anforderungen, aber mit flexiblen Terminen
_________________________
So führen wir ein Gutachter-Gespräch (Lernpartner)
7
Bedingungen
ABER:
Was nutzen veränderte Formen
- bei gleicher Funktion?
Kontext wesentlich –
nicht die Form allein.
• Mentalitätswandel unter Lehrerinnen und den anderen Beteiligten:
von der Klassifikation der Person
zur Information über deren Leistung
von der Beurteilung ex cathedra
zur dialogischen Lernberatung
von der Einzelbeurteilung
nur unter vier Voraussetzungen:
Das ist unser
bildungspolitischer Auftrag.
• Rollenveränderung im Unterricht
• Qualitätssicherung des Beurteilungswesens:
Wechsel der Form wird produktiv
Ausblick
zur Mehrperspektivität
• Strukturreform im Schulsystem:
von der Selektion leistungsschwacher Schülergruppen
zur individuellen Förderung ihrer Entwicklungsmöglichkeiten
Darum:
Unterstützen Sie
den Grundschulverband
bei seiner Initiativen –
werden Sie Mitglied
und arbeiten Sie mit!
www.grundschulverband.de
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