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Folie 0. Wissen - aber was?

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Folie 0. Wissen - aber was?
13.04.04 P.Vachenauer
Ausgerechnet am Tag der Wiederholungsprüfung zur GOP 1 in HM 1 liest man
das Streiflicht der SZ vom 7. April 2004:
Niemand kann alles wissen. Aber Wissen, das nicht zunimmt, nimmt einer altchinesischen Weisheit zufolge ab. Schon nicken alle sechzehn Kultusminister und
denken - hoffentlich - an Pisa, jene wunderbare italienische Stadt, wo der Schiefe
Turm zu Hause ist. Auch erinnern wir uns der Altvorderen, die stets vorwurfsvoll
blickten, wenn sich wieder ein Abgrund an Ahnungslosigkeit in ihren Nachkommen
auftat. Vom Seufzen, Schmatzen und Leiden der Schulmeister, Quizmaster und
Honorarprofessoren ganz zu schweigen, wenn sie auf die versammelte Ignoranz
von Schülern und Kandidaten treffen.
Dabei haben die doch den Kopf voll mit Vornamen und Berufen der Helden aus
TV-Vorabendserien, kennen von allen Anwärtern, die Superstar werden wollen,
Geburtstag und Hosengröße. Sie summen im Schlaf die Songs der Hitliste von
2001 und sagen einem wie aus der Pistole geschossen, wie viele Freundinnen der
Fußballer X schon hatte. Aber ob nun Winston Churchill eine erfundene Figur ist
und stattdessen Harold Wilson England im Zweiten Weltkrieg als Premierminister
führte, ist doch nur eine Frage der Ein- und Vorstellung. Laut dem Independent
hielten bei einer Umfrage unter 2069 Erwachsenen tatsächlich 9 Prozent Churchill,
11 Prozent Hitler und 33 Prozent Mussolini für ein Hirngespinst. Solchen Phantasiegestalten stehen aber als geglaubte realhistorische Figuren König Artus (57
Prozent), Robin Hood (27 Prozent) und Conan, der Barbar (5 Prozent), gegenüber.
Nachdem der Kalte Krieg eh von Schriftstellern und Drehbuchautoren erfunden
wurde, aber die Marsianer den Krieg der Welten entfachten, wie es H.G .Wells berichtet und Orson Welles in seiner Reportage recherchiert und gesendet hat, und
nachdem die Schlacht von Helms Deep stattfand, wie im „Herrn der Ringe“ dokumentiert, muss sich niemand wundern, dass der Mongolenherrscher Dschingis
Khan oder Premier Benjamin Disraeli nur der blühenden Einbildung von Dichtern
und Filmemachern entsprungen sein können.
Die Phantasie an die Macht, heißt ein schöner Spruch von 1968. In Zeiten der Klone und eines Berliner Schlosses, das viel besser wieder aufgebaut wird, als es das
Original je war, kann es als nahezu sicher gelten, dass Münchhausen tatsächlich
auf Kanonenkugeln ritt, dass Aladins Wunderlampe dringend für den Aufbau Ost
gerieben werden muss und dass fliegende Teppiche an jeder Ecke im Sonderangebot zu haben sind. Wem das noch nicht genügt, der sollte wissen, dass Winnetou lebt und Kaiser Friedrich Barbarossa demnächst aus dem Kyffhäuser kommt,
um in Deutschland endlich den Aufschwung durchzusetzen. Ansonsten hat, wie jedes Kind in ganz Europa weiß, Peter Ustinov Rom angezündet. So wenigstens
Gerhard Polt, der wohl mit Kaiser Nero unter einer Decke steckt.
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Seele and Geist
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