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Comeback einer Kaiserin
Benno Ohnesorg ist tot, Farah Diba lebt immer noch
Autor: U. Gellermann
Datum: 11. November 2014
Sie haben einen Dachboden voll mit altem Gerümpel und wollen es loswerden?
Dann annoncieren sie das Zeug doch im FRANKFURTER
ALLGEMEINE-MAGAZIN, das pünktlich vor Weihnachten seine Leser mit einem
Füllhorn exklusiven Gerümpels bedenkt. Was, Ihnen fehlt das Geld sich dort mit
einer vierfarbig-glänzenden Doppelseite für 52.000 Euro einzukaufen? Dann
wird aus Ihnen auch nichts mehr werden.
Mit staunenden Kinderaugen könnten Sie, wenn aus Ihnen was geworden wäre,
über das FAZ-MAGAZIN ein Set "einzigartiger Miniatur-Tischuhren von Gerald
Genta" für nur 340.450 Euro erwerben. Oder Sie würden mit Ihrem Scanner
einen "QR Code" auf einer Anzeigenseite erfassen, der sie garantiert zum
Auktions-Katalog des "Dorotheum" führt, zu einem Haus an der Wiener
Dorotheengasse, das in der Nazi-Zeit zuverlässig "arisierte" Kunst aus
jüdischem Besitz an die reichsdeutschen Besitzer brachte. Heute wäre dort die
"Femme debout" von Pablo Picasso zu erwerben, ein Bronze-Figürchen für
billige 40.000 - 50.000 Euro weil es nur eines von 10 Stück ist. Sie haben eine
kahle Stelle an der Wand? Wie wäre es mit einem Bild von Max Oppenheimer,
Anfangsgebot bei 100.000 Euro. Darf es auch ein wenig mehr sein? Zuschlag! Gerade haben Sie nur Kleingeld? Bitteschön: Ein Flakon mit dem Parfum "Mary
Celestia - Der Duft des Bürgerkriegs", kostet nur schäbige 225 Dollar. Bitte sehr,
bitte gleich.
Doch im Zentrum des mehr als 70 Seiten zählenden Verkaufsprospektes für
Millionäre oder jene, die es werden wollen, steht eine wirkliche, eine echte
Kaiserin: Farah Diba, jene iranische Studentin, die der persische Schah 1959
gegen die erste Gebärmutter in seinem Besitz, Soraya Esfandiary-Bakhtiary,
auswechselte, weil die einfach keinen Nachwuchs produzierte. Farah Diba
zierte bis weit in die 60er Jahre die Titelblätter der Blöd-Medien aller Art, ihre
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Quelle: http://www.rationalgalerie.de/comeback-einer-kaiserin.html
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Frisur wurde millionenfach kopiert, und das Wort "Pfauenthron" galt als
Synonym für märchenhaften Reichtum und exotische Schönheit. Bis die
Kaiserin dann, nach der iranischen Revolution 1979, gemeinsam mit ihrem
Mann, dem edlen Schah Mohammad Reza Pahlavi, das Land verlassen musste.
Nun doch mal, nach langer Zeit, wieder ein neues Titelblatt: Mit Brillanten
übergossen blickt die damals junge Kaiserin vom Titel des
FAZ-Verkaufsprospektes optimistisch in die weite Welt. Aber, so vertrauen uns
die Schleimer der FAZ an, heute schaut sie "mit betrübtem Blick auf ihr Land".
Mit Wendungen wie "Ihr Onkel arbeitete am Hof seiner Majestät" kommt der
Text höfisch und kniefällig daher. Als wäre die Zeit nicht über die Pahlavis
hinweg gegangen, als wäre da nicht die von Israel ausgebildete Folterpolizei
SAVAK im Reich des Schahs gewesen und der CIA-Putsch gegen die
demokratisch gewählte Regierung des Mohammad Mossadegh, der - von
internationalen Ölkonzernen gewollt - die Diktatur des Pahlavi-Herrschers
zeitweilig betonierte.
Nun also der kaiserliche Originalton: "Die islamische Republik müsse dafür
sorgen, dass im Iran niemand mehr leidet", wird Fahrah Diba, die Witwe des
Folterkaisers zitiert. Unwidersprochen und unkommentiert lässt die FAZ sie
vom kaiserlichen Sohn Reza erzählen, der seinem Vater nachfolgen will: Das sei
"kein Machtanspruch sondern Traditionspflege". Und das Zentralorgan der
deutschen Bourgeoisie stellt beglückt fest: "Heute ist Farah Diba wieder sehr
populär", und diese Mär vom Luxus am persischen Hof sei so entstanden:
"Offenbar blendete die iranische Kunst, Räume mit zahllosen Spiegeln
auszustatten, die Besucher." In der peinlichen Stille nach solchen Sätzen hört
man das Schmatzen der FAZ-Hofberichterstatter, wenn sie ehrfürchtig den
kaiserlichen Speichel schlecken.
Da gab es doch auch, schreiben die Marketing-Journalisten der FAZ, diese
Studenten, die in West-Berlin gegen das Schah-Regime und "seine scheinbare
Verschwendungssucht" demonstrierten. Aber für den Mord an Benno Ohnesorg,
der im Umfeld der "Unruhen" von einem Polizisten erschossen wurde, sei ein
"inoffizieller Mitarbeiter der Stasi" verantwortlich gewesen. Kein Wort von den
Knüppelgarden des iranischen Geheimdienstes SAVAK, die unter dem Schutz
der West-Berliner Bereitschafts-Polizei (die damals zu 50 Prozent aus Offizieren
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der Nazi-Wehmacht bestand) auf deutsche Studenten einprügelten. Kein Wort
über die verschworene Omertà der West-Berliner Justiz und Polizei, die von
damals bis ins Heute langt: Im November 2011 stellte die Berliner
Generalstaatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen (den Mörder) Kurras ein: Die
Beweislage reiche nicht zur Neueröffnung eines Verfahrens wegen
vorsätzlicher oder fahrlässiger Tötung Ohnesorgs aus. So geht deutscher
Qualitäts-Journalismus.
In drei Jahren wird es den 50. Jahrestag des Ohnesorg-Mordes geben. Im Feiern
von Jahrestagen kennt sich der Deutsche Bundestag wirklich aus, wie man
jüngst am 25ten Jahrestag des Mauerfalls erleben durfte. Weil der
Ohnesorg-Mörder tatsächlich IM war, wird Bundestagspräsident Lammert
sicher aus dem alten Mord ein neue Erinnerung an die Stasi destillieren. Ob
Biermann noch zur Verfügung stehen kann ist ungewiss. Aber die
Schlagersängerin Helene Fischer, die man gemeinsam mit ihren
russlanddeutschen Eltern schon 1988 wegen ihres echt deutschen Blutes aus
den Fängen des Sowjetkommunismus befreit hat, kann ein Freiheits-Gen
bezeugen, das der gewachsenen deutschen Verantwortung gerecht wird. Die
Sängerin würde wohl ihr Lied "Fehlerfrei" vortragen:
"Keiner ist fehlerfrei!Sei´s doch wie es sei!Lasst uns versprechen,auf Biegen und
Brechen,wir feiern die Schwächen!"
Angela Merkel wird danach auf Biegen und Brechen ihren berühmten Satz
"Nichts ist so wie es bleibt" in eine Wand des Reichstags meisseln lassen und
Präsident Gauck muss die Performance mit dem kernigen "Sei´s doch wie es
sei!" bereichern. Als Erinnerungs-Geschenk für die Bundestagsabgeordneten
bietet sich der Cartier-Ring "d´Amour" an, ein Solitär aus dem
FAZ-Verkaufsprospekt. Dem verantwortlichen Redakteur des Prospektes, Alfons
Kaiser, sollte dann die Gelegenheit zu einem Schusswort gegeben werden: "Es
geht also beim Thema Schmuck . . . nicht um Klimbim, sondern um eine
anthropologische Konstante mit schillernder Wirkung." Anschließend wird das
Stabsmusikkorps der Bundeswehr in die National-Hymne ausbrechen. Ob man
den Abgeordneten ein "Hipp-Hipp-Hurra" als ihren Beitrag zur Feierstunde
gestatten wird, ist noch fraglich.
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