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Tier
BAUERNBLATT l 18. Oktober 2014 ■
Erfolgreich füttern: Von der Milchtränke zum Wiederkäuer
Kälber lieben Trocken-TMR
Immer mehr Betriebe setzen bei ihren Kälbern erfolgreich eine Trocken-TMR ein. Sie besteht aus pelletiertem Kälberaufzuchtfutter,
Stroh, zum Teil auch Luzerneheu
und eventuell auch noch ein wenig
Melasse. Die Melasse sorgt dafür,
dass sich beide Komponenten weniger leicht entmischen und sich
der Geschmack noch etwas verbessert. Der gewichtsmäßige Anteil
des Kälberaufzuchtfutters beträgt
etwa 88 bis 90 %. Auf das Volumen
bezogen, ergibt sich hingegen für
beide Komponenten ein Anteil von
jeweils etwa 50 %.
Solche Trocken-TMR für Kälber
werden von den meisten Futtermittelfirmen als fertige Mischung in Bigbags angeboten, können aber auch
selbst hergestellt werden. Wichtig
ist, dass es sich bei dem dafür verwendeten Stroh um kurz gehäckselte Ware von wenigen Zentimetern
handelt, damit die Kälber Stroh und
Kraftfutter möglichst nicht selektieren können. Zudem sollte das Stroh
entstaubt sein. In Ballenform kann
auch diese Komponente zugekauft
werden. Wer Melasse mit einsetzt,
kann davon etwa 2 % beimischen.
Vorteile
einer Trocken-TMR
Die Trocken-TMR ist keine Konkurrenz zur klassischen Fütterung
mit Kälberaufzuchtfutter und Heu,
sondern eine Alternative dazu.
Wichtig ist: Kälber brauchen beides,
auf der einen Seite die leicht lösli-
Die Kälber-Trocken-TMR wird anstelle von Heu und Kälberaufzuchtfutter bereits im Iglu gefüttert.
chen Kohlenhydrate aus dem Kälberaufzuchtfutter, die das Zottenwachstum stimulieren, und auf der
anderen Seite die Strukturwirkung
des Heus beziehungsweise des
Strohs, damit sich die Pansen- und
Darmmuskulatur gut entwickeln
kann und, das ist ganz wichtig, damit es nicht zum Verkleben der Pansenzotten kommt.
Im Vergleich zur getrennten Fütterung von Stroh/Heu und Kälberaufzuchtfutter bietet eine TrockenTMR den Vorteil, dass das Kalb beide Komponenten immer im gleichen Mengenverhältnis aufnimmt.
Das hat Vorteile. Beinahe jeder
kennt die Situation, dass einmal ein
Kalb, meist eines der schönsten und
der am weitesten entwickelten,
aufbläht oder tot in der Bucht liegt.
Eine Ursache dafür kann eine kleinschaumige Gärung sein, die durch
eine zu hohe Aufnahme von Kraftfutter in zu kurzer Zeit hervorgerufen worden ist. Durch die gleichzeitige Aufnahme von Stroh in einer
Kälber-TMR kann einer solchen
kleinschaumigen Gärung vorgebeugt werden.
Ein weiterer positiver Aspekt ist,
dass Kälber in ihrer Entwicklung in
der Regel zuerst damit beginnen,
Heu beziehungsweise Stroh zu fressen, und später Kraftfutter aufnehmen. Wird eine Kälber-TMR gegeben, nehmen die Kälber bereits mit
dem Stroh kleine Mengen an Kraft-
futter auf, das zur schnelleren Entwicklung des Zottenwachstums beiträgt.
Gibt es
Bedenken?
Es gibt Berater, die von einer frühzeitigen Fütterung von Stroh oder
Heu abraten. Dazu gehört Jud Hinrichs aus den USA. In einem Artikel
von ihm heißt es dazu im Fazit:
„Auf eine Zufütterung von Heu
kann verzichtet werden, wenn das
Kraftfutter mindestens 9 % ADF enthält. Heu und Silage verstopfen den
Pansen, sie sollten nicht in den ersten
Lebenswochen verfüttert werden,
zumindest nicht als alleiniges Futtermittel neben der Tränke.“
Zwei Kälber-Trocken-TMR, links eine Fertigmischung und rechts eine Eigenmischung. Optisch überwiegt das Stroh, obwohl der Gewichtsanteil nur 10 bis 12 %
an der Gesamtmischung beträgt.
Tier
■ BAUERNBLATT l 18. Oktober 2014
Jeder Rinderhalter weiß jedoch,
dass Heu beziehungsweise Stroh in
hoher Qualität das einzige feste Futter ist, das Kälber als Erstes aufnehmen. Natürlich ist es sinnvoll, ihnen
zum Kennenlernen zusätzlich von
Beginn an kleine Mengen Kälberaufzuchtfutter mit anzubieten, auch
wenn es erst mit drei bis vier Wochen
zu einer deutlichen Steigerung der
gefressenen Menge kommt. Wären
die Empfehlungen von Jud Hinrichs
richtig, wäre die Verfütterung von
reinem Kraftfutter ohne Stroh beziehungsweise Heu einer solchen
Trocken-TMR vorzuziehen. Was ist
davon zu halten?
Das von Jud Hinrichs angesprochene ADF (acid detergent fiber: schwer
verdauliche Zellwandbestandteile,
Zellulose und Lignin), das mindestens mit 9 % im Kraftfutter enthalten sein soll, reicht jedoch nicht aus,
um bei steigender Kraftfutteraufnahme ein Verkleben der Pansenzotten zu verhindern. Dies haben
bereits Untersuchungen von Marx
(1972) und von Mahlkow-Nerge
(1999) eindrucksvoll gezeigt. Die für
die Pansentätigkeit notwendigen
und unbedingt zu berücksichtigenden physikalischen Eigenschaften
des Futters werden bei einer Reduzierung der Rohfaser auf ADF vernachlässigt. Hierfür ist im Sinne von
Hoffmann die strukturwirksame
Rohfaser zu berücksichtigen, und für
Kälber kommen dann sehr schnell
Futterkomponenten wie Stroh oder
Heu ins Spiel. Die angesprochenen
Untersuchungen von Marx haben
gezeigt, dass in diesem Fall Partikelgrößen von mindestens 6 mm Länge
benötigt werden. Solche Partikel
würden beim Pressen von Pellets unweigerlich zerstört werden und damit ihre Strukturwirksamkeit im
Pansen verlieren.
Fütterungsstrategie
mit Kälber-TMR
Wie kann nun eine Fütterungsstrategie mit einer Kälber-Trocken-TMR
aussehen, egal ob die TMR selbst hergestellt oder zugekauft ist? Als Beispiel soll das Aufzuchtprogramm für
dieKälberundJungrinderausderHerde des Lehr- und Versuchszentrums
Futterkamp dienen. Auch hier wird
derzeit mit Erfolg eine Kälber-TMR im
Rahmen eines Versuches eingesetzt.
Die Aufzucht beginnt mit einer Adlibitum-Biestmilch/Vollmilch-Tränke
im Einzeliglu. Dort sind die Kälber in
den ersten beiden Lebenswochen untergebracht. Die Nuckeleimer werden
zwei Mal täglich frisch mit Milch befüllt und bleiben beim Kalb hängen.
Die Kälber haben somit zu jeder Zeit
Zugang zur Milch, die leicht auf einen
pH-Wert von 5,5 angesäuert ist. Anstelle von Heu und Kälberaufzuchtfutter wird ihnen in einer Kraftfutterschale eine Kälber-TMR angeboten.
Das darin enthaltene kurz gehäckselte
Stroh in Verbindung mit Melasse und
Kälberaufzuchtfutter wird sehr früh
aufgenommen, wenn auch nur in kleinen Mengen.
Im Anschluss an die Einzelhaltung
kommen die Kälber mit der dritten Lebenswoche in Gruppenbuchten und
werden dort über Tränkeautomaten
mit Milchaustauscher (50 % Magermilchpulver) versorgt. In der ersten
Woche in der Gruppenbox (dritte Lebenswoche) bekommen sie noch
10,4 l Tränke (9 l + 160 g MAT/l = 10,4 l
Tränke). Anschließend werden sie bis
zur vollendeten neunten Lebenswoche auf 0 l abgetränkt. In der ersten
Gruppenbox am Tränkeautomaten
bleiben die Kälber drei bis vier Wochen und bekommen über den Futtertrog ad libitum Kälber-TMR zu fressen.
In der zweiten Box am gleichen Auto-
Diese Kälber im vierten Lebensmonat zeigen einen sehr guten Rahmen und
eine ausgeprägte Pansenentwicklung.
Fotos: Dr. Hans-Jürgen Kunz
maten erhalten sie während der letzten Wochen der Milchtränke zusätzlich zur Kälber-TMR auch schon die
Teilmischration der Kühe, die auf 24 l
ausgelegt ist. Nachdem die Kälber von
der Milch abgesetzt sind, das heißt im
vierten und fünften Lebensmonat, be-
Tiere in den Jungviehbereich mit einem Alter von sechs Monaten liegen
im Mittel bei 230 kg. Entscheidend
hierbei ist allerdings, dass die Tiere ihre
höchsten Zunahmen in den ersten Lebenswochen beziehungsweise Monaten gehabt haben, um anschließend
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kommen sie weiterhin die Teil-TMR
der Kühe, aber nur noch 2,5 kg pro
Tier und Tag von der Kälber-TMR. Im
sechsten Lebensmonat gibt es nur
noch die Teilmischration der Kühe. Die
Kälber-TMR wird hier nicht mehr angeboten. Ab dem siebten Lebensmonat wird nur noch eine mineralisierte
Trockensteherration ohne Kraftfutter
gefüttert.
Die Entwicklung der Kälber ist mit
dieser Methode hervorragend. Auffallend sind ein sehr guter Gesundheitsstatus, eine stark ausgeprägte Pansenentwicklung und eine damit verbundene hohe Grundfutteraufnahme.
Die Gewichte bei der Umstallung der
früh auf eine kraftfutterarme Ration
umgestellt werden zu können. Das
Ziel ist es, durch die Ad-libitum-Tränke
in den ersten Wochen und die frühzeitige Aufnahme von Kälberaufzuchtfutter in der Kälber-TMR die Anlage für eine hohe Grundfutteraufnahme zu legen und es zu ermöglichen, dass die Tiere früh auf eine kraftfutterarme beziehungsweise kraftfutterloseRationumgestelltwerdenkönnen.
Dr. Hans-Jürgen Kunz
Landwirtschaftskammer
Tel.: 0 43 81-90 09-48
hkunz@lksh.de
FAZIT
Der Einsatz einer Kälber-TMR, bestehend aus Kälberaufzuchtfutter,
entstaubtem kurz gehäckselten
Stroh und ebenfalls kurz gehäckseltem Luzerneheu in Verbindung
mit etwas Melasse hat sich in der
Kälberaufzucht im Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp als hervorragender Ersatz für die Gaben
von reinem Kälberaufzuchtfutter
und zusätzlichem Heu erwiesen.
Die Kälber-TMR zeichnet sich dabei
durch gleichbleibende Qualität aus
und wird bereits in den Kälberiglus
anstelle von Heu gut angenommen. Die Kälber nehmen auf diese
Weise gleichzeitig das in der TMR
enthaltene Käberaufzuchtfutter
mit auf, das sich über die Propionund Buttersäurebildung positiv auf
das Pansenzottenwachstum auswirkt. Auch später in den Gruppenboxen kann es nicht zu einer zu hohen Aufnahme von Kraftfutter
kommen, da immer zu gleichen
Teilen Stroh- beziehungsweise
Heuhäcksel mit aufgenommen
wird. Dadurch kann das Entstehen
einer kleinschaumigen Gärung, die
nicht selten durch die Aufnahme
von zu hohen Kraftfutteranteilen
ausgelöst wird, verhindert werden.
Die Ad-libitum-Tränke in Verbindung mit der Kälber-Trocken-TMR
führt frühzeitig zu einer guten
Pansenentwicklung und damit hohen Grundfutteraufnahme, sodass
spätestens ab dem siebten Lebensmonat keine zusätzliche Kraftfutterfütterung mehr notwendig ist.
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Seele and Geist
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