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Hausgemeinschaften • Was ist eine Hausgemeinschaft? Eine

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Leitfaden zum Thema Hausgemeinschaft zur Vorlage in der LPSK
Hausgemeinschaften
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Was ist eine Hausgemeinschaft?
Eine Hausgemeinschaft ist eine räumliche und organisatorische Einheit, in der bis
zu 15 ältere und pflegebedürftige Menschen leben.
Alle Pflege- und Betreuungsleistungen sowie alle hauswirtschaftlichen Leistungen,
die nicht von den Bewohnern selbst, den Angehörigen und/oder Freunden geleistet
werden können, werden über die Präsenzkräfte im Zusammenhang mit den Tagesaktivitäten oder/und über den hauseigenen pflegerischen Dienst erbracht oder organisiert.
Hausgemeinschaften werden, anders als die Wohngemeinschaften, als zugelassene und pflegesatzfinanzierte vollstationäre Einrichtung betrieben. Als Heime unterliegen sie unter anderem dem Heimgesetz.
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Welches Ziel verfolgt eine Hausgemeinschaft?
In der Regel sind Hausgemeinschaften ein Wohnangebot für alte Menschen mit Pflegeund/oder Betreuungsbedarf (= Alternative zum vollstationären Pflegeheim). Die älteren
Menschen wollen – nach einem oft unfreiwilligen Umzug – dennoch nichts anderes, als
ihr Leben „normal“ so weiter leben, wie sie es von zu Hause her kennen. Diese Möglichkeit ist in einer Hausgemeinschaft gegeben, die eigene Wohnung und die Chance auf eine möglichst selbstbestimmte Lebensführung wiederzufinden. Dabei gedeiht normales
Leben in einem Klima, welches das Bedürfnis nach Intimität ebenso befriedigt wie das
Bedürfnis nach zwischenmenschlichen Kontakten.
Ziel ist, dass die Menschen, die alleine nicht mehr zurecht kommen, nach ihrem Umzug
eine Situation vorfinden, die möglichst viele Merkmale ihres früheren Lebens in sich trägt.
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Was ist keine Hausgemeinschaft – Abgrenzung zu anderen Bereichen wie Wohngruppen, –gemeinschaften, Betreutem Wohnen, gerontopsychiatrischen Einheiten
Damit die verschiedenen Wohn- und Pflegeformen voneinander abgegrenzt werden können, wurden diese gegenübergestellt und miteinander verglichen (s. Anlage 1).
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Für welchen Bewohnerkreis ist sie geeignet?
Grds. für alle Pflegebedürftigen; die Gruppen sollten jedoch homogen sein. Die Bewohnerstruktur muss die Umsetzung des Hausgemeinschaftskonzeptes ermöglichen.
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Beschreibung der baulich-räumlichen Aspekte
Eine Hausgemeinschaft umfasst im Kern eine in einem gemeinsamen Haushalt lebende
überschaubare soziale Gruppe von bis zu 15 älteren pflegebedürftigen Personen.
Jeder aus der Bewohnergruppe hat innerhalb der geräumigen, selbstverständlich barrierefreien Wohnung ein eigenes in sich geschlossenes Wohn-/Schlafzimmer mit kleiner
Diele und einem eigenen Duschbad und WC. Die Privaträume sind um eine große, für
diesen Haushalt ausgelegte Wohnküche beziehungsweise einen großzügigen Gemeinschafts-Wohn-/Essbereich mit einer offenen Küche als Mittelpunkt gruppiert.
Um die Zone mit Herd und Esstisch herum, die offen und einsehbar gehalten sein sollen,
gruppieren sich verschiedene weitere Zonen mit bequemen Sitzgelegenheiten, Ablagetischen, Regalen, usw., die zusammen die Atmosphäre eines normalen Wohnraumes erzeugen.
Von allen Zonen aus sollten anregungsreiche Ausblicke über zum Teil raumhohe Fenstertüren sowohl nach außen als auch in den geschützten Außenbereich in Form einer
Terrasse, eines Gartens oder begrünten Innenhofs möglich sein. Der Außenbereich sollte
leicht zugänglich und vor allem gefahrlos ohne ständige Aufsicht zu nutzen sein.
Stand: 06.06.2003
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Leitfaden zum Thema Hausgemeinschaft zur Vorlage in der LPSK
Die kostspieligen, dem Alltag der Bewohner eher fernen und fremden Flächen in einer
vollstationären Pflegeeinrichtung wie Eingangshalle, Festsaal, Speisesäle, Zentralküche
und Wäscherei werden in den Hausgemeinschaftsgebäuden erheblich reduziert bzw. fallen vollends weg.
Wirtschaftsräume müssen in der erforderlichen Zahl und Größe vorhanden sein, soweit
die Versorgung nicht durch Betriebe außerhalb des Heimes sichergestellt ist. Die HeimMindBauV ist zu beachten. Notwendige Abstimmungen mit der Heimaufsicht und anderen Behörden (z.B. Gesundheitsamt, Brandschutz) haben im Vorfeld zu erfolgen.
Die Hausgemeinschaft ist in sich autonom, versorgt sich also hauswirtschaftlich weitgehend selbst. Sie kann sich jedoch räumlich, teils auch organisatorisch mit anderen Hausgemeinschaften vernetzen.
Die Hausgemeinschaften sind möglichst ebenerdig oder auf zwei Ebenen zu überschaubaren Einheiten (Häusern) räumlich zusammengefasst. Sinnvoll wäre es z.B., zwei bis
vier Hausgemeinschaftswohnungen zu einem Haus zusammenzufassen.
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Spielt der Standort Stadt-Land eine Rolle?
Unterschiede bzw. ein Gefälle bei der Inanspruchnahme von Hausgemeinschaften im
Hinblick auf den Standort Stadt – Land sind nicht festzustellen.
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Ist eine Vernetzung mit anderen Einrichtungsarten (z.B. vollstationär) sinnvoll bzw.
notwendig?
Wie bereits ausgeführt, ist die Hausgemeinschaft in sich autonom, versorgt sich also
hauswirtschaftlich weitgehend selbst. Sie kann sich jedoch räumlich, teils auch organisatorisch mit anderen Hausgemeinschaften vernetzen.
Vorteilhaft ist auch die Anbindung an eine herkömmlich konzeptionierte vollstationäre
Pflegeeinrichtung.
Synergieeffekte sind zu nutzen (z.B. Hausmeister, Verwaltung, ...).
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Beschreibung des Personalkörpers
Welches Personal und wie viel ist in der Hausgemeinschaft notwendig?
Dreh- und Angelpunkt in der Hausgemeinschaft ist die Präsenzkraft als feste Bezugsperson. Diese hilft den Bewohnern bei den verschiedensten Verrichtungen des
täglichen Lebens. Weitergehende Pflegeleistungen werden je nach individuellem
Bedarf durch Fachkräfte eines hausinternen Pflegedienstes erbracht. Der Nachtdienst ist wie in herkömmlichen Pflegeheimen auch mit einer Pflegefachkraft besetzt.
Bei den meisten Hausgemeinschaften beteiligen sich außerdem Angehörige, ehemalige Nachbarn, Freunde und ehrenamtliche Helfer in der Regel gerne, da sie von
der Hauptlast der Pflege und Betreuung entbunden sind.
Auch beim Personal und bei den Funktionsabläufen muss eine Dezentralisierung
konsequent umgesetzt werden. Durch die Umverteilung der Ressourcen in die einzelnen Einheiten hinein wird ein doppelt wirksamer positiver Effekt erzielt.
Über das Konzept der jeweiligen Hausgemeinschaft ist der Personaleinsatzplan unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben darzustellen.
Stand: 06.06.2003
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Leitfaden zum Thema Hausgemeinschaft zur Vorlage in der LPSK
Welche Ausbildung muss die Präsenzkraft haben?
Geeignet ist der/die staatl. geprüfte Fachhauswirtschafter/in (s. Anlage 2), der/die
Altenpfleger/in sowie z.B. der/die Heilerziehungspfleger/in, der/die Dorfhelfer/in und
der/die Familienpfleger/innen jeweils mit Zusatzqualifikation. Geeignet sind aber
auch erfahrene Pflegehilfskräfte und Kräfte mit hauswirtschaftlicher Grundausbildung und Pflegeerfahrung (z.B. neue Berufsbilder wie Sozialbetreuer, Seniorenbetreuer). Entscheidend ist hierbei die Konzeption der Hausgemeinschaft.
Gibt der Arbeitsmarkt momentan und zukünftig entsprechende Kräfte her?
Derzeit gibt es noch zu wenig Fachhauswirtschafter/innen. Für die weiter genannten
Ausbildungsberufe ist eine Aussage über die Verfügbarkeit nicht möglich. Allerdings
ist anzumerken, dass das Konzept der Hausgemeinschaft die Möglichkeit bietet, für
die Gruppe der Familienpfleger/innen und Dorfhelfer/innen andere als die bisher
klassischen Betätigungsfelder zu eröffnen.
In welchem Umfang wird Pflegepersonal (Fachkräfte und Hilfskräfte) vorgehalten bzw. welcher Maßstab wird angesetzt?
Unabdingbar ist die Sicherstellung einer Rund-um-die-Uhr-Versorgung durch eine
Pflegefachkraft. Daneben gelten grds. die Bestimmungen der HeimPersV, da es
sich um eine vollstationäre Pflegeeinrichtung handelt.
Problematisch bei dieser Fragestellung ist, dass eine analytische Trennung der beiden Bereiche Hauswirtschaft und Pflege, wie sie in einer herkömmlich konzipierten
Pflegeeinrichtung oft real erfahrbar ist und auch die Grundlage für die Personalbemessung bei Pflegesatzfragen ist, hier konzeptionell aufgehoben ist. Insofern ist ein
neuer Maßstab zu suchen, der als Orientierungsgröße dient und den gesetzlichen
Bestimmungen gerecht wird.
Beispielsweise könnte der Ansatz, der im Einklang mit der zuständigen Heimaufsicht für das Sozialzentrum in Dießen gefunden wurde, als neuer Maßstab dienen:
Mit Zustimmung der Heimaufsicht gilt in Dießen folgende Grundlage:
Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Fachkraftquote ist nicht die reale
Anzahl der eingesetzten Präsenzkräfte, sondern die sich aus der Belegungsstruktur
und den Personalschlüsseln in den Pflegestufen 0 - 3 ergebende Messzahl für Regeleinrichtungen. Von dieser Messzahl sind 40 % Pflegefachkräfte im engeren Sinne (Altenpfleger/Innen und Krankenpfleger/-schwestern) vorzuhalten. Weitere 10 %
müssen eine entsprechende Qualifikation im hauswirtschaftlichen bzw. betreuerischen Bereich aufweisen (z.B. staatlich anerkannte Fachhauswirtschafterinnen, Heilerziehungspfleger, Dorfhelferinnen etc.)
Kommt es zu Konflikten im Zusammenhang mit der Fachkraftquote?
Entsprechend den Ausführungen des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und
Sozialordnung, Familien und Frauen sind grds. die Vorgaben der HeimPersV – und
damit die Fachkraftquote von 50 % - zu beachten. Dies kann jedoch bei der Umsetzung der Konzeption für Hausgemeinschaften zu Problemen führen. Die HeimPersV
lässt – so das Ministerium – es aber zur Erhöhung der für den Betrieb einer Einrichtung erforderlichen Flexibilität zu, von dieser Anforderung mit Zustimmung der
Heimaufsichtsbehörde im Einzelfall abzuweichen. Auch ermöglicht die seit dem
01.01.2002 in das Heimgesetz aufgenommene Erprobungsregelung, unter bestimmen Voraussetzungen die Pflegeeinrichtung von Vorschriften des Heimgesetzes
bzw. der Rechtsverordnung zu befreien.
Stand: 06.06.2003
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Leitfaden zum Thema Hausgemeinschaft zur Vorlage in der LPSK
An welcher Stelle werden Aufgaben anderer Kräfte durch die Präsenzkräfte
übernommen?
Die Präsenzkräfte decken weite Teile ab, die in Regeleinrichtungen den hauswirtschaftlichen Kräften, den Pflegekräften aber auch den Sozialdiensten zugeordnet
sind.
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Die Rolle des Angehörigen – Ent- oder Belastung für das Personal?
Tendenziell ist eine verstärkte Einbindung der Angehörigen zu erkennen und sicherlich
auch notwendig. Dies führt sowohl zur Ent- als auch zur Belastung des Personals.
Eine Entlastung wird erfahren, da sich Angehörige (ehrenamtlich) mehr der Gruppe als
bisher nur dem einzelnen Bewohner annehmen.
Eine Belastung wird allerdings erfahren, da nunmehr die Angehörigen einen direkten Zugang zur diensthabenden Pflegefachkraft bzw. Präsenzkraft haben, um Konflikte auszutragen. Diese „Pufferfunktion“ übernimmt in einer herkömmlichen vollstationären Pflegeeinrichtung i.d.R. die Stationsleitung.
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Gibt es Konfliktpotential im Zusammenhang mit rechtlichen Bestimmungen
im Verhältnis zu den Bestimmungen des SGB XI
im Verhältnis zur Heimaufsicht
Mögliche Konfliktpotentiale im Verhältnis zur Heimaufsicht wurden in Form von Fragen formuliert und dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen zur Stellungnahme vorgelegt:
- Welche baulichen Anforderungen werden an die Hausgemeinschaften gestellt?
- Wird bei den Hausgemeinschaften an der Fachkraftquote von mind. 50 % festgehalten?
- Wird u.U. die Diskussion um die Fachkraftquote aufgrund der Schnittstellenanalyse
Pflege/Hauswirtschaft erneut geführt?
- Gibt es im Bereich der Hausgemeinschaften eine andere Definition von Fachkräften als im vollstationären Pflegebereich?
Entsprechend den Ausführungen des Ministeriums werden grds. keine Probleme bei
der Umsetzung gesehen. Die Stellungnahme ist als Anlage 3 beigefügt. Ungeachtet
dessen erscheint an dieser Stelle der Hinweis nochmals sinnvoll, dass im Vorfeld –
also vor der jeweiligen Baumaßnahme – die Heimaufsicht einzubinden ist.
im Verhältnis zum Gesundheitsamt
Im Verhältnis zum Gesundheitsamt wurde lediglich 1 Fragestellung als mögliches
Konfliktpotential bewertet und diese dem zuständigen Ministerium zur Stellungnahme vorgelegt:
- Welche Anforderungen werden seitens der Gesundheitsämter insb. im Hinblick auf
die (Lebensmittel-)Hygiene an Hausgemeinschaften gestellt?
Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz verwies in diesem Zusammenhang auf die einschlägige Bekanntmachung
vom 10.06.2002, die als Anlage 4 beigefügt ist. Danach ist anzunehmen, dass es
kaum Probleme geben dürfte. Auch an dieser Stelle sei nochmals der Hinweis erlaubt, dass im Vorfeld – also vor der jeweiligen Baumaßnahme – das Gesundheitsamt einzubinden ist.
Stand: 06.06.2003
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Leitfaden zum Thema Hausgemeinschaft zur Vorlage in der LPSK
im Verhältnis zur Sozialhilfe
Hausgemeinschaften müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, wenn dieses
Leistungsangebot auch Personen zur Verfügung stehen soll, die die Kosten nicht
vollständig selbst oder durch Dritte (insbesondere Angehörige) tragen können und
die deshalb auf Leistungen der Sozialhilfe angewiesen sind.
Die Zahl der Sozialhilfeempfänger schon in „klassischen“ Pflegeheimen steigt immer
mehr an. Dies ist u.a. eine Folge von (auch durch Leistungsverbesserungen verursachte) Preissteigerungen einerseits und unveränderter Leistungen der Pflegeversicherung seit ihrer Einführung andererseits.
Deshalb ist dem Aspekt, ob und unter welchen Voraussetzungen (ergänzende) Leistungen der Sozialhilfe zur Finanzierung des Leistungsangebots zulässig sind, von
großer Bedeutung, wenn man mit dem Hausgemeinschaftsmodell nicht ein Angebot
nur für „Selbstzahler“ abbilden will.
Tragende Säulen der Sozialhilfe sind der Nachranggrundsatz und das Bedarfsdeckungsprinzip.
Nach § 2 Abs. 1 BSHG erhält Sozialhilfe nicht, wer „sich selbst helfen kann oder wer
die erforderliche Hilfe“ von Dritten erhält.
Leistungen der Sozialhilfe müssen danach so bemessen sein, dass sie einerseits
den individuellen Bedarf der/des Hilfesuchenden decken. Sie dürfen andererseits
das Maß des sozialhilferechtlich Notwendigen nicht überschreiten.
Aus den genannten Prinzipien ergeben sich für die Frage, ob und unter welchen
Voraussetzungen Leistungen der Sozialhilfe in Hausgemeinschaften zulässig sind,
folgende Konsequenzen:
Sofern das Hausgemeinschaftsmodell „nur“ ein alternatives Leistungsangebot für
Personen darstellt, die bisher in den „klassischen“ Alten- und Pflegeeinrichtungen
betreut werden, sind Leistungen der Sozialhilfe dann ohne Probleme möglich,
wenn
o
der Bedarf der Bewohner mindestens in gleicher Qualität wie in den „klassischen“ Alten- und Pflegeeinrichtungen gedeckt wird, und gleichzeitig
o
dieses Leistungsangebot nicht mit unverhältnismäßigen Mehrkosten verbunden ist.
Ist der Wunsch eines Hilfeempfängers mit unverhältnismäßigen Mehrkosten verbunden, braucht der Sozialhilfeträger diesem Wunsch nicht zu entsprechen, § 3
Abs. 3 Satz 3 BSHG. Außerdem bestünde kein Anspruch auf Sozialhilfe, da die
Leistung sozialhilferechtlich nicht notwendig ist, weil der Bedarf in der „klassischen“ Alten- und Pflegeeinrichtung preiswerter gedeckt werden kann, § 2 Abs. 1,
§ 3 Abs. 2 Satz 1 BSHG (keine „erforderliche“ Hilfe).
Leistungen der Sozialhilfe trotz höherer Kosten im Vergleich zum „klassischen“
Alten- und Pflegeeinrichtungen sind nur dann zulässig, wenn
o
Stand: 06.06.2003
der sozialhilferechtlich notwendige Bedarf von (bestimmten) Hilfesuchenden in
den „klassischen“ Alten- und Pflegeeinrichtungen nicht gedeckt werden könnte und
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Leitfaden zum Thema Hausgemeinschaft zur Vorlage in der LPSK
o
die Leistungen der Hausgemeinschaft geeignet und erforderlich (notwendig)
sind, diesen Bedarf zu decken.
Leistungen, die über das Maß des „sozialhilferechtlich Notwendigen“ hinaus gehen,
dürfen auch hier nicht im Rahmen der Sozialhilfe finanziert werden.
Um Sozialhilfeempfänger/innen betreuen zu können, müsste das Leistungsangebot
einer Hausgemeinschaft also so konzipiert sein, dass die Voraussetzungen einer
der beiden Alternativen erfüllt werden.
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Finanzierung
Gibt es Unterschiede bei der Vergütung im Vergleich zu einer herkömmlich
konzipierten vollstationären Pflegeeinrichtung?
Der Vergleich der (Personal-) Strukturen in herkömmlichen vollstationären Pflegeeinrichtungen und in Hausgemeinschaften hat ergeben, dass diese – bedingt durch
die unterschiedliche Schwerpunktsetzung - erheblich voneinander abweichen. Deshalb wurden für die Hausgemeinschaft gesondert Musterberechnungen zur Ermittlung von Vergütungen durchgeführt. Dabei wurden unterschiedliche Platzzahlen
zugrundegelegt. Jeweils auf der Basis der unterschiedlichen Platzzahlen wurde auf
verschiedenen Wegen versucht, einen Pflegesatz zu ermitteln. Zum einen wurde
der jeweilige Personalbedarf zugrundegelegt und anschließend die jeweilige Vergütung ermittelt. Zum anderen wurde jeweils der Pflegesatz einer herkömmlich konzipierten Pflegeeinrichtung mit entsprechender Platzzahl als Grundlage herangezogen und anschließend eine Rückrechnung vorgenommen.
Als Ergebnis muss festgehalten werden, dass eine Hausgemeinschaft in „Reinkultur“ mit permanenter Besetzung durch eine Präsenzkraft nicht mit den herkömmlichen Pflegesätzen zu finanzieren ist. Der Entgeltbedarf liegt weit über dem aktuellen
Vergütungsniveau.
Eine weitergehende Betrachtung lässt erkennen, dass eine Annäherung an das aktuelle Vergütungsniveau nicht unmöglich ist. Allerdings müsste dann von der Hausgemeinschaft in „Reinkultur“ etwas abgewichen werden. Der Begriff der Hausgemeinschaft müsste insofern neu definiert werden, als dass Lücken bei der permanenten Präsenz möglich sind. Diese bedeuten jedoch – und das sollte an dieser
Stelle erwähnt werden – eine qualitative Einschränkung bis hin zur Einbuße.
Wie hoch ist die Belastbarkeit der Bewohner bzw. deren Angehörigen in Sachen Mehrkosten?
Die Belastbarkeit der Bewohner bzw. deren Angehörigen lässt sich nicht konkret
beschreiben. Eine Befragung von Bewohnern hat jedoch ergeben, dass diese den
Preis sehr kritisch betrachten und kalkulieren. Es gibt allerdings auch Bewohner, die
bereit sind, die Mehrkosten zu zahlen.
•
Wie viele Einrichtungen sind notwendig/ sinnvoll in Bayern?
Der Bedarf an Hausgemeinschaften für Bayern lässt sich nicht quantifizieren. Wie bereits
eingangs ausgeführt, ist eine Hausgemeinschaft grds. für alle Pflegebedürftigen geeignet.
Zudem ist ein Stadt-Land-Gefälle nicht erkennbar.
Die Entscheidung liegt vielmehr bei dem – künftigen - Bewohner bzw. dessen Angehörigen, ob dieser den Lebensabend in einer Hausgemeinschaft oder in einer herkömmlich
konzipierten Einrichtung – mit den jeweiligen Konsequenzen - verbringen möchte.
Stand: 06.06.2003
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Leitfaden zum Thema Hausgemeinschaft zur Vorlage in der LPSK
Empfehlung für die Landespflegesatzkommission
Die von der Landespflegesatzkommission eingesetzte Arbeitsgruppe hat sich intensiv mit
der Thematik Hausgemeinschaft beschäftigt und versucht, alle ihre Facetten in der Diskussion zu berücksichtigen. Das Ergebnis ist in den vorgenannten Ausführungen dargestellt.
Als Fazit und damit sich anschließender Lösungsansatz kann jedoch folgendes
festgehalten werden:
Das Konzept der Hausgemeinschaft ist kein Ersatz für die herkömmliche vollstationäre Pflegeeinrichtung. Das Konzept der Hausgemeinschaft stellt vielmehr eine
Alternative zum Konzept der herkömmlichen vollstationären Pflegeeinrichtung dar.
Eine Hausgemeinschaft ist grds. für alle Pflegebedürftigen geeignet, die ihren Lebensabend dort verleben möchten. In der Hausgemeinschaft wird versucht, die
bisherige Lebenskultur weiterzuführen. Das Konzept ist es daher wert, in die Praxis gelebt zu werden.
Das Konzept der Hausgemeinschaft kommt insbesondere den Bedürfnissen von
gerontopsychiatrisch veränderten Bewohnern sehr entgegen, da eine Weiterführung der bisherigen Lebensform ermöglicht wird und bei einem Ein-/ Umzug keine
Umstellung auf den herkömmlichen Pflegeheimbetrieb notwendig wird.
Eine Hausgemeinschaft mit permanenter Besetzung durch eine Präsenzkraft ist
mit den herkömmlichen Pflegesätzen nicht zu finanzieren.
Der in sehr kleingruppigen Hausgemeinschaften notwendige finanzielle Mehraufwand kann – in Anbetracht der überall gespannten Finanzsituationen – derzeit von
den Bezirken nicht aufgebracht werden.
Eine neu definierte Hausgemeinschaft – also mit Einschränkungen und Einbußen
durch höhere Platzzahlen bzw. Präsenzlücken – wäre im Rahmen des momentanen Vergütungsniveaus umsetzbar. Anzumerken ist, dass die Einschränkungen
umso geringer sind, je höher das Vergütungsniveau ausfällt.
Als Konsequenz würde sich daraus ergeben, das Konzept der Hausgemeinschaften für alte Menschen mit Demenz umzusetzen.
Zum einen kommt das Konzept den Bedürfnissen der Bewohnergruppe sehr
entgegen. Zum anderen ist im Bereich der Gerontopsychiatrie über den besseren Personalschlüssel ein etwas höheres Vergütungsniveau gegeben.
Einzelheiten zum Zulassungswesen wurden in der Arbeitsgruppe nicht beraten. Klar herauskristallisiert hat sich jedoch, dass bereits zu Beginn aber
auch während der Planungsphase alle – am Projekt insgesamt - beteiligten
Stellen eingebunden werden müssen. Nur auf diesem Wege ist es möglich,
die Besonderheiten, die sich aus der neuen Konzeptionsform ergeben, im
Hinblick auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen, den finanziellen Rahmen
sowie die qualitativen Erfordernisse zu prüfen.
Das Positionspapier zur gerontopsychiatrischen Versorgung hat in diesem Leitfaden noch keinen Niederschlag gefunden.
Stand: 06.06.2003
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