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Der Ernstfall Pflegebedürftigkeit – damit müssen Sie rechnen Was

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Der Ernstfall Pflegebedürftigkeit – damit müssen Sie rechnen
Eines der wichtigsten Themen im Zusammenhang mit der Finanzierung des Lebens im
Alter ist der Ernstfall Pflegebedürftigkeit. Das Risiko, pflegebedürftig zu werden, nimmt mit
dem Alter stetig zu: trifft es in der Altersgruppe ab 70 noch jeden Zwanzigsten, so ist in der
Altersgruppe 85 aufwärts schon jeder dritte Mann und fast die Hälfte der Frauen betroffen.
Pflegebedürftigkeit ist dabei sehr vielschichtig. Sie reicht von notwendiger, leichter
Unterstützung bis zur völligen Abhängigkeit. Hinzu kommt eine steigende Zahl DemenzErkrankter, die nicht selten einer ständigen Betreuung bedürfen. Fast die Hälfte aller
Pflegebedürftigen wird von Angehörigen gepflegt. Ein knappes Drittel bedarf einer
Heimunterbringung.
Was passiert, wenn es mich persönlich trifft? Mit welchen Kosten muss ich rechnen?
Pflegebedürftig zu werden, ist nicht nur ein persönlicher Schicksalsschlag, sondern erweist
sich in vielen Fällen auch als ein finanzielles Problem. Besonders dann, wenn ein
professioneller Pflegedienst die Aufgaben übernehmen muss oder eine Heimunterbringung
erforderlich ist, wird der eigene Geldbeutel unter Umständen stark strapaziert.
Was kostet eigentlich Pflegebedürftigkeit?
Das hängt davon ab, wie hoch der Grad der Pflegebedürftigkeit ist (so genannte
Pflegestufe) und wie gepflegt wird. Die Pflege in einem Heim bei Stufe III erfordert den
höchsten Aufwand. Doch auch die ambulante Pflege zu Hause bei Pflegestufe II kann
schnell genauso teuer werden. Hierzu einige Beispiele:
1. Stationäre Unterbringung:
Pflegestufe
Pflege
Unterkunft, Investitions GesamtVerpflegung anteil
Tagessatz
Monatliche
Kosten
I
35,92 €
26,76 €
14,36 €
77,02 €
2.342,95 €
II
56,90 €
26,76 €
14,36 €
98,02 €
2.981,77 €
III
74,78 €
26,76 €
14,36 €
115,90 €
3.525,68 €
Monatliche Kosten = 30,42 x Gesamt-Tagessatz. 30,42 = 365 : 12
Zu den Kosten für die stationäre Unterbringung müssen Sie noch den Aufwand für
persönliche Bedürfnisse wie Kleidung, Friseur, zusätzliche Getränke etc. hinzurechnen.
100 € bis 200 € sind je nach persönlichen Bedürfnissen sicher nicht zu hoch angesetzt.
2. Ambulante Versorgung: Pflege zu Hause durch Tochter
Ein Ehepaar, 81 und 87 Jahre, wohnt noch zu Hause im eigenen Haus. Sie ist stark
gehbehindert, er demenziell erkrankt. Beide haben Pflegestufe I. Er bekommt
Betreuungsgeld. Ein ambulanter Dienst kommt täglich ins Haus. Die Tochter wohnt 10 km
entfernt, sie kommt dreimal in der Woche (240 km monatlich).
Zusätzlicher Pflegedienst 8 x pro Monat
200 EUR
Putzfrau 2 x pro Woche
240 EUR
Gärtner nach Bedarf
240 EUR
Taxi zum Arzt und Einkaufen
200 EUR
Kleinere Hilfsdienste
100 EUR
Gesamt
980 EUR
Fahrgeld der Tochter (240 km x 0,30 EUR)
72 EUR
Müsste die Tochter beispielsweise ihre Arbeitszeit reduzieren, weil sie sonst ihre Arbeit
und die Pflege nicht bewältigen kann, so käme noch der Einkommensverlust auf sie zu.
Das neue Gesetz zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf (FamilienPflegezeitGesetz) bringt
hier unter Umständen eine gewisse Entlastung.
Das Beispiel „ambulante Versorgung“ zeigt zwar, dass der Aufwand gegenüber der
Unterbringung im Heim niedriger ist. Allerdings bleiben die Kosten für Wohnen und Essen
in vollem Umfang erhalten. Bei einer stationären Unterbringung entfallen diese. Schon
dieses einfache Beispiel zeigt, wie komplex das Ganze ist. Ein eindeutiger Bedarf in Euro
und Cent ist nicht zu ermitteln! Er hängt von den Einzelheiten des Pflegefalls und den
persönlichen Wünschen ab. Heimkosten schwanken um bis zu 1.000 EUR (unabhängig
von der Pflegestufe) zwischen dem preisgünstigsten und dem teuersten Heim in einer
Region.
Welche Finanzierungsmittel stehen zur Verfügung?
Leistung
Quelle
Pflegegeld, Sachleistungen
Pflegepflichtversicherung
zusätzliche Leistungen
(nur Beihilfeberechtigte)
Beihilfe
außergewöhnliche Belastung
Steuer
Behindertenpauschbeträge
Steuer
Pflegepauschbeträge
Steuer
haushaltsnahe Dienstleistungen
Steuer
Pflegewohngeld
Sozialamt
Hilfe zum Lebensunterhalt
Sozialamt
Pflegetagegeld, Pflegekosten
private Versicherung
Einnahmen und Vermögensverzehr
Sie selbst
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Darüber hinaus gibt es noch indirekte Finanzierungsteile. Dazu zählen z.B. wegfallende
Kosten der Lebenshaltung (Wohnen, Essen). In sehr vielen Kommunen gibt es weitere
Hilfen, um diese ausfindig zu machen, muss man sich leider oft „durchfragen“ und selbst
kundig machen.
Die wichtigsten Leistungen aus der obigen Liste sind sicher die Leistungen der
Pflegepflichtversicherung (gesetzlich, privat oder Beihilfe plus Ergänzungsversicherung):
ambulante Pflege
Sachleistung
Sie pflegen selbst:
Pflegegeld
stationäre
Leistungen
Pflegestufe I
450 €
235 €
1.023 €
Pflegestufe II
1.100€
440 €
1.279 €
Pflegestufe III
1.550€
700 €
1.550 €
Stand 2012
Ab 2013 ist eine Erhöhung der ambulanten Leistungen in den Pflegestufen I und II
vorgesehen: Es soll rund 70 bzw. 85 EUR Pflegegeld zusätzlich geben.
Wie werden die Kosten finanziert?
Neben der Leistungen der Pflegepflichtversicherung muss das eigene Alterseinkommen
und – wenn dieses nicht reicht – das Vermögen in Anspruch genommen werden. Für
diejenigen, die im Ruhestand Steuern zahlen, ist die Möglichkeit, die Pflegekosten
(abzüglich der Leistungen aus der Pflegeversicherung) als außergewöhnliche Belastung
geltend zu machen, eine wichtige Finanzierungsquelle. Fast immer führen die Pflegekosten
selbst nach Berücksichtigung des zu tragenden „zumutbaren Eigenanteils“ zur
Steuerfreiheit. Das heißt, die zur Verfügung stehenden Eigenmittel werden netto größer.
Wichtig an der Abzugsmöglichkeit ist die Tatsache, dass diese Aufwendungen auch von
den Kindern übernommen und steuerlich geltend gemacht werden können. Das ist dann
von Bedeutung, wenn der Pflegebedürftige selbst keine Steuern zahlen muss.
Interessant sind noch die haushaltsnahen Dienstleistungen, dazu gehören auch die
Pflegeaufwendungen. Hier können Sie bis maximal 1.800 € Ihre Steuerschuld reduzieren.
Steuerpflicht ist hier natürlich auch Voraussetzung, anderenfalls laufen diese
Vergünstigungen ins Leere. Alle anderen Beträge sind nur sehr kleine Tropfen auf sehr
großen heißen Steinen und daher im Ernstfall keine wirkliche Hilfe.
Reicht das verfügbare Einkommen nicht aus und ist das Vermögen aufgebraucht, so
springt das Sozialamt ein. Vielfach liest man, dass dann die Kinder „dran sind“: „Kinder
haften für Ihre Eltern“ oder „Mutter im Heim, Kinder ruiniert!“. Fest steht: In der
überwiegenden Zahl der Fälle bleiben die Kinder vom so genannten Regress des
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Sozialamtes verschont. Der Grund sind hohe Freibeträge. Wäre dem nicht so, würde man
den einen Sozialfall durch den nächsten ablösen.
Anders sieht es natürlich mit einer privaten Zusatzversicherung aus. Mit einer solchen
Zusatzversorgung können Sie – einen entsprechenden Geldbeutel vorausgesetzt – selbst
bestimmen, in welcher Höhe Sie zusätzliche Leistungen bekommen. Damit lassen sich
Deckungslücken sehr zielgenau abdecken. Es gibt insgesamt drei verschiedene
Angebotsformen:
Pflegetagegeld, Pflegerenten und Pflegekostenversicherungen
Die flexibelsten Angebote sind die Pflegetagegelder. Pflegetagegelder und PflegekostenVersicherungen werden von den privaten Krankenversicherern angeboten, die Renten von
den Lebensversicherern.
Eine gute Zusatzversicherung sollte mindestens folgende Merkmale aufweisen:
Kriterium
Grund
Versicherte Pflegestufen sollten
frei wählbar sein
Der finanzielle Aufwand ist in den einzelnen
Pflegestufen oft gleich hoch.
Leistungsdefinition entspricht
gesetzlicher Pflegeversicherung
Erspart zumindest eine zusätzliche Leistungsprüfung
wie sie beim Punkte-Modell der Lebensversicherer
erforderlich wäre. Ein MDK-Gutachten sollte als
Leistungsvoraussetzung reichen.
Die Leistungen sollten nicht starr
an einander gekoppelt sein.
Wenn Sie in Stufe III und II jeweils 50 € Bedarf ermitteln,
dann zahlen Sie zu viel, wenn Sie in Stufe III 70 €
versichern, nur damit Sie in Stufe II 50 € erhalten.
Beispiel: Die Leistung in Stufe II
beträgt immer 70 % von Stufe III:
Keine Leistungsdifferenzierung
bei ambulanter oder stationärer
Versorgung
Ambulante Versorgung ist nicht weniger kostenintensiv
als stationäre Versorgung, zumal keine Aufwendungen
wie Miete etc. wegfallen
Keine Leistungseinschränkung
bei nicht-professionellen Pflegekräften
Die Haushaltshilfe muss nicht unbedingt Krankenschwester sein.
Kein Verwendungsnachweis für
die Leistungen
Die Leistung sollte völlig zur freien Verwendung zur
Verfügung stehen.
Keine Wartezeiten
Kurze Wartezeiten, maximal ein Jahr, wären gerade
noch zu akzeptieren. Drei Jahre Wartezeit sind aber
definitiv zu lang
Keine Karenzzeiten
Die Leistung sollte bei Erfüllung der Kriterien sofort
beginnen
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Zusätzliche Leistung bei Demenz Immer mehr Menschen sind demenziell erkrankt, die
Betreuung kann sehr aufwändig sein
Pflegestufe 0 sollte versicherbar
sein
Oft sind Menschen noch nicht körperlich Pflegebedürftig
haben aber eine so genannte „eingeschränkte
Alltagskompetenz“ – auch hier fallen teilweise hohe
Kosten an
Keine Altersbegrenzung für den
Neuabschluss
Wer jung genug ist, den interessiert es nicht. Wer schon
älter ist, wird es zu schätzen wissen
Keine Beitragszahlung im
Pflegefall
Der Pflegefall ist bereits teuer genug, dann sollte die
Versicherung das Budget nicht zusätzlich belasten
Anpassen der Leistung sowohl
vor dem Leistungsfall als auch
während des Leistungsfalls.
Lebensbedingungen ändern sich – daher sollte man
jederzeit ohne neue Gesundheitsfragen die Leistungen
anpassen können
Rudolf Bönsch, Dipl. Mathematiker, Herausgeber „Fakten & Tipps edition 50plus“
R.Boensch@Boensch.org
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