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Alles was das SoSe bewegte - Augustana-Hochschule

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Das Magazin
der Studierenden
an der augustana
Hochschule
AUSGABE 1 | 2010
s
Alles wa
das SoSe
bewegte
augi Ausgabe 1|2010
Editorial
Ein Geist geht um – Der Geist des Campus.
Inhalt
Vorwort.......................................... 3
Worte des Seniors.......................... 4
Berichte
Ökumenischer
Kirchentag München..................... 7
Eichstätt – Tag............................. 10
Frauen-/Männerabendmahl........ 12
Augustana-Sommerfest.............. 13
Feuilleton
Augi – Interview.......................... 14
Gedanken zum Semestermotto... 16
Die letzte Seite............................. 18
2
A
ls Theologen sind wir den Umgang
mit Übernatürlichem gewöhnt. So
haben wir von der Augi-Redaktion
dieses Semester das Wehen eines sonderhaften Geistes auf dem Campus verspürt.
Was für ein Geist dies sei, ob er allein
oder im Dutzend wäre, war auch für uns
nur schwer zu erraten. Anfangs hielten wir
es für einen Geist des Aufbruchs, standen
doch viele große Projekte an: die EinfühDie Redaktion v.l.n.r.: Alexander Proksch, Judith Köhler,
rung der Ehrenamtsregelung bei der StuThomas Kelting
diengebührenerhebung, die Planungen
für die Sanierung der Hochschule und diesjährige Eichstätt-Tag waren sichtbare
die Reform der Ordnung der Studieren- Manifestationen dessen. Doch wehte er
denschaft.
leider zu mancher Zeit des SommersemesVon diesem Geist getrieben sah man ters in eine Richtung, dass man meinte, er
bald einige unserer KommilitonInnen sei zu einem Dämon verkommen: Fälle
bis spät in die Nacht hinein im Clubraum von Diebstahl und Mobbing werden hoftagen, mit dem edlen Vorhaben die OSt fentlich schon im nächsten Semester vom
zu erneuern als auch zu optimieren. Ob Winde verweht sein.
sie dabei nicht auch der viel beschworene
Alles im allem spürten wir aber in ihm
Geist der OSt wach hielt, bleibt wohl auf die Erneuerung, die sich auch bei uns
ewig ein Geheimnis der Augustana.
niedergeschlagen hat: Ab der heurigen
Eine solche Geistesergriffenheit wurde Ausgabe erscheint der Augi im neuen
von manchen dann doch als Besessenheit Design und mit einem neuen Konzept:
angesehen, die man mit allen Mitteln zu Die Dozierenden werden nun öfters mit
bekämpfen hatte. Im Gegenzug darauf Beiträgen die Zeitung bereichern und die
wurde eine Untergrundorganisation na- Hochschulpolitik soll mehr in den Fokus
mens PAStA ins Leben gerufen, deren rücken. Für die Hilfe zu diesen ÄnderunGeist mal in einer kurzzeitigen Böe über gen möchten wir an dieser Stelle Hermann
den Campus fegte.
Graf Castell und Herrn Matheis herzlich
Nur all zu oft änderte der Campus-Geist danken.
seine Intensität und Richtung. Über das
Euch, den Leserinnen und Lesern, wünganze Semester hinweg wurde der Spiri- schen wir während der Semesterferien
tus Augustanae jedoch als ökumenisch Erholung von jenem Campus-Geist und
wahrgenommen: Ereignisse wie der Öku- frischen Wind fürs neue Semester,
menische Kirchentag in München und der
eure Augi-Redaktion
3
Ein Rückblick auf das Sommersemester 2010
Ein Rückblick auf das Sommersemester 2010
Reinier van Persijn,
Singender Schwan,
Allegorie
Ein Schwanenoratorium
B
lickt man in die Fernsehprogram- Praeludium
me, so finden sich bereits Anfang Da ist das Sommerfest, das am 10. Juli
Dezember die ersten Sendungen dazu ermutigen will, einen vollen Schluck
wie „Das war 2010“, die ein noch gar nicht aus dem „Cup der guten Laune“ zu nehbeendetes Jahr feiern oder auch nicht. men. Dass das Sommerfest öffentlich
Derartige Rückblicke haben immer et- stattfindet, ist dabei ein weiterer Schritt
was von einem Schwanengesang an sich zur Einbindung der Augustana in den Ort,
– nach griechischer Mythologie beginnen für den sie manchmal immer noch wie
Schwäne vor ihrem Tod ein letztes Mal eine uneinnehmbare Festung mit kleiner
mit trauriger, jedoch wunderschöner Besuchsabteilung – genannt Bar – scheint.
Stimme ein Lied anstimmen. Sie wissen,
dass sich nach dem Ende des Gesangs ei- Arie I
nige Dinge entscheidend ändern werden. Stichwort Bar: Seit es wieder um den Cup
Dieser Artikel ist in gewisser Weise geht, herrscht dort Dauerbetrieb – was
auch ein Schwanengesang. Nicht, weil manchen als Exzess vorkommen mag,
ich nach Abfassung in den Sarg steigen scheint mir eine willkommene Gelegenwerde, auch nicht, weil ich etwa der heit zu sein, bei der sich die HochschulfaAuffassung wäre, die Augustana würde milie wieder als solche zeigen kann, wenn
nach meinem Weggang sterben – beides vom Lehrstuhlinhaber bis zu den Kindern
ist Gott sei Dank nicht der Fall und zu- einiger Kommilitonen alle Generationen
mindest letzteres würde sehr gegen mich mit der deutschen Elf schwitzen (vielsprechen.
leicht kommt ja das ESW noch vor dem
Aber eines hat das zu Ende gehende Se- Jüngsten Tag auf die Idee, eine funktiomester doch mit dem sterbenden Schwan nierende Lüftung einzubauen?).
und seinem Gesang gemeinsam: In den
letzten Zügen scheut es keinen Aufwand, Arie II
um – wenn schon das Ende unausweich- Gelegenheit zu reichlicher Schweißprolich ist – doch ein schönes Ende zu finden. duktion hatten auch die Schauspieler der
So wird der Schwanengesang zu einem Theatergruppe – mit der „alten Dame“ von
Schwanenoratorium:
Dürrenmatt rangen sie im hitzeprodu4
zierenden Licht der Scheinwerfer um die
Frage, ob der Tod eines Menschen durch
eine Milliarde gerechtfertigt wurde. Mit
der durchweg gelungenen Inszenierung
fand nicht nur eine intensive Probenarbeit ihren krönenden und bejubelten
Abschluss: Wieder einmal konnte unter
Beweis gestellt werden, dass Theologen
keinen Schauspielunterricht zu nehmen
brauchen, auch wenn es gegenwärtig
Stimmen wie den Erlanger Nicol oder den
Basler Plüss gibt, die den Gottesdienst als
Inszenierung verstehen wollen...
In jedem Fall war das Theaterstück
„Der Besuch der Alten Dame“ ein gelungener Teil – sagen wir: eine beeindruckende
Arie – des Schwanenoratoriums.
Intermezzo
Weniger spektakulär war eine Sitzung
mit weitreichenden Folgen: Der Bauausschuss – übrigens nur ein beratendes Gremium, die Idee, dass die Hochschule in
Bezug auf die von ihr genutzten Gebäude
etwas zu melden habe, ist doch nun wirklich überbewertet! – durfte den Worten
des ESW-Sachbearbeiters lauschen, der
verkündete, dass im nächsten halben
Jahr Maßnahmen zur energetischen Sanierung betrieben werden. Ob die neuen
Fenster indes zu
den Gebäuden
passen werden,
sollte die Hochschule nicht interessieren...
Fuge
Getreu seinem Semestermotto „Fürchte
dich nicht, sondern rede und schweige
nicht“ (Apg 18,9) fürchtete sich der AStA
nicht, ein Projekt anzugehen, das lange
Zeit zwar in der Luft lag, jedoch in der
Luft blieb – eine Reform der Studierendenschaftsordnung. Die Arbeit eines
eingesetzten Reformausschusses war in
der Tat intensiv: In neun Plenarsitzungen wurden 30 Stunden Arbeit geleistet
– dabei nicht eingerechnet sind die unzähligen Stunden Vorbereitungsarbeit. In
erster und zweiter Lesung der Entwürfe
wurde sehr engagiert und bisweilen auch
heftig debattiert, bevor demokratisch per
Abstimmung entscheiden wurde. Darin
gleicht diese Arbeit einer Fuge: Immer
mehr Stimmen wetteifern miteinander,
bevor dann am Ende ein imponierender
Akkord steht. So kann sich auch das Ergebnis dieser Arbeit gut sehen lassen: Herausgekommen ist ein kohärenter Text,
5
Ein Rückblick auf das Sommersemester 2010
Bericht vom 2. Ökumenischen Kirchentag vom 12. bis 16. Mai 2010
„Damit ihr Hoffnung habt“ –
Ökumenischer Kirchentag in München
Tobias Jammerthal
ist der Senior der
Studierendenschaft
im Sommer­
In die lange Tradition der Kirchentagsfahrten konn-
semester 2010
ten sich auch im Jahr 2010 über 70 Studierende der
der dem Zusammenleben keine lähmenden Fesseln anlegt, sondern der an den
richtigen Stellen Freiheit eröffnet, auch
einmal neue Wege zu gehen. Es bleibt zu
hoffen, dass der Text die Studierenden
überzeugen kann, wie er den AStA überzeugt hat, der sich den Vorschlag zu eigen
gemacht hat.
Chorus
Ein Juwel des Schwanenoratoriums bildet
die schlichte, aber tiefgreifende Ehrenamtsregelung, die gemeinsam mit dem
Lehrkörper gefunden werden konnte.
Indem jeder, der eine gewisse Anzahl
an Stunden ehrenamtlich arbeitet, von
der Studiengebührenpflicht befreit wird,
wird ein weiteres Stückchen dazu getan,
eine unmenschliche Bildungspolitik zu
korrigieren. Mag auch ein gerechtes Bildungssystem noch zur Vorstellungswelt
visionärer Propheten gehören, so wurde jedenfalls das Gegenteil ein weiteres
Stückchen zurückgedrängt.
6
Finale
­Augustana-Hochschule einreihen, die in diesem Jahr
Was also bleibt am Ende dieses Oratoriums? Kann das Sommersemester 2010
sich am 22. Juli guten Gewissens auf das
Sterbebett legen und die Augen schließen?
Ja.
Denn wenn es auch kurz war, dieses
Semester, so war es doch intensiv und keineswegs ereignislos. Mit all seinen Höhen
und Tiefen ist es ein Stück gut genutzten
Lebens, auch wenn das Oratorium durch
einige Misstöne keine romantische Sinfonie werden konnte. Diese Misstöne
– mögen sie zuweilen auch schmezlich
gewesen sein – haben doch ihren guten
Sinn und wir tun gut daran, uns hin und
wieder daran zu erinnern, dass es „draußen“, also: nach dem Bahnhof Wicklesgreuth, auch nicht harmonischer zugeht
als bei uns.
Die vorgetragenen Stücke des Schwanenoratoriums ließen sich gut und gerne
zu einer Oper wagnerschen Ausmaßes
ausdehnen – dann aber bliebe für das
Wintersemester keine angemessene
Form, von dem ich die begründete Hoffnung habe, dass es so gewinnbringend
wird wie das Sommersemester. Mindestens.
Tobias Jammerthal
unter Leitung von Frau Pfarrerin Susanne Munzert
und mit Unterstützung von Herrn Dr. Martin Fritz
stattfand. Der Zielort unserer Reise mit dem Bus von
der Diakonie Neuendettelsau war der 2. Ökumenische
Kirchentag in München. Dieser stand unter dem Motto:
„Damit ihr Hoffnung habt“!
„Damit ihr Hoffnung habt“
Aber Hoffnung auf was: Hoffnung darauf, dass dieses Mal ein gemeinsames
Abendmahl zwischen Protestanten und
Katholiken gefeiert wird; Hoffnung, dass
endlich auch Frauen in der katholischen
Kirche zu Priesterinnen ordiniert werden dürfen; Hoffnung auf Reformen in
der Kirchenstruktur der beiden großen
Konfessionen oder Hoffnung auf ein liberales, tolerantes und modernes Christentum, dass für Soziale Gerechtigkeit,
Frieden und Bewahrung der Schöpfung
eintritt und sich mit den Ärmsten dieser
Welt solidarisiert. Viele Christinnen und
Christen fragten sich im Vorfeld des ÖKT,
was der Kirchentag in der ökumenischen
Landschaft positives verändern kann.
Wird er die Erneuerung der Einheit der
weltweiten Christenheit voranbringen?
Wie wird die Kirche auf die Herausforderungen der globalen Finanz- und Wirt-
schaftskrise reagieren oder wie wird es
mit dem Christentum weitergehen aufgrund der aktuellen Enthüllungen von
sexuellen Missbrauchsfällen besonders in
katholischen Einrichtungen, die v. a. die
katholische Kirche in eine schwere Vertrauens- und Kirchenkrise gestürzt haben
und als Folge dessen viele Menschen aus
der Kirche ausgetreten sind? Diese und
viele andere Fragestellungen und Themen
wurden innerhalb dieser fünf Tage in
Foren, Podiumsdiskussionen, Vorträgen
und Gottesdiensten in vielfältiger Weise
erörtert und diskutiert. Von Donnerstag
bis Samstag wurden Morgen-, Abendund Nachtgebete, Bibelarbeiten und ein
thematisches, kulturelles Programm auf
der „Agora“ angeboten. Hier gab es folgende Themenbereiche: 1. Verantwortlich
handeln – Christsein in der einen Welt; 2.
Miteinander leben – Christsein in der offenen Gesellschaft; 3. Suchen und finden
7
Bericht vom 2. Ökumenischen Kirchentag vom 12. bis 16. Mai 2010
rende aus den 60er Jahren bis heute vertreten, haben Neuigkeiten ausgetauscht
und sich gefreut, manch altbekanntes Gesicht aus der Studienzeit wieder zu sehen.
Hüdi’s Döner und Pizza
Fazit: Aufbruch oder Zusammen­
bruch in der Ökumene?
Der Augustanastand auf dem Markt der Möglichkeiten
– Christsein und die vielfältigen Orientierungen; 4. Glauben leben – Christsein in
der Vielfalt der Kirchen.
Die Augustana auf dem Kirchentag
Die Augustana-Hochschule war natürlich dieses Mal auch dabei! Gemeinsam
mit der Kirchlichen Hochschule Wuppertal-Bethel hat sich die AugustanaHochschule mit einem Stand auf dem
„Markt der Möglichkeiten“ in der Messehalle A6 unter dem Motto „Evangelische
Theologie studieren an einer Kirchlichen
Hochschule“ präsentiert. Dort konnten
sich die Kirchentagsteilnehmer/innen
über die beiden Kirchlichen Hochschulen und das Diakoniewissenschaftliche
Institut in Bethel informieren. Wer wollte,
bekam einen Rucksackanhänger „Damit
ihr HoffnungsträgerInnen habt“ mit auf
den Weg. Besonders begehrt: Wer wollte,
konnte den eigenen Namen in Hebräisch
oder Griechisch darauf schreiben lassen.
Ein großes Hallo gab es beim Sektempfang für alle aktuellen und ehemaligen
Studierenden am Samstagnachmittag am
Stand. Es waren Studierende und Dozie8
Nicht nur am schlechten Wetter kann
es gelegen haben, dass der 2. ÖKT nicht
die Hoffnung und Aufbruchsstimmung
verbreitet hat, die das für die derzeitige
Situation eigentlich so passende Leitwort
„Damit Ihr Hoffnung habt“ versprochen
hatte. In diesen fünf Tagen hat es nur
geregnet, was wiederum gut zur negativen, resignativen Stimmung in der
Ökumene gepasst hat, vielleicht hat Gott
seine Finger im Spiel gehabt. Wer weiß?
Während die Erwartungen des „ersten
Mals“ den Berliner ÖKT noch zu einem
vielbeachteten Ereignis machten, konnte
der Münchner ÖKT nach ohnehin sieben
mageren Jahren in der Ökumene keine
(neuen) Visionen und nicht einmal weiterführende Kontroversen bieten; auf den
großen Podien fehlten die Positionen von
Reformgruppen. Dies schlug sich auch in
den Teilnehmerzahlen nieder. Da konnte
man den Eindruck bekommen, dass der
ÖKT nur eine Show der Mächtigen aus
der Kirche war, die sich nicht nach den
Anliegen der Teilnehmenden gerichtet
haben. Jedoch hatte es sich gelohnt zum
Kirchentag zu fahren, um damit aufzuzeigen, dass die Ökumene jeden und jede
etwas angehen sollte.
Tobias Heinzelmann
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Eichstätt-Tag
Eichstätt-Tag
Linke Seite: Prof. Dr. Buntfuß
beim Festvortrag
Studierende der Augustana
und der katholischen Uni
Eichstätt-Tag
Entsprechend langer und guter ökumenischer Tradition fand auch
in diesem Sommersemester wieder der „Eichstätt-Tag“ statt.
D
ie theologische Fakultät der Katholischen Universität Eichstätt,
das Collegium Willibaldinum
Eichstätt und das Collegium Orientale
Eichstätt waren am Mittwoch, 16. Juni
an der Augustana-Hochschule zu Gast.
Den akademischen Vortrag am Vormittag hielt diesmal Professor Dr. Markus
Buntfuß zum Thema „Zur ästhetischen
Umformung des modernen Protestantismus“. Prof. Buntfuß zeichnete in seinem
Vortrag die wechselvolle Geschichte des
ästhetischen Religions- und Christentumsverständnisses im neueren Protes-
10
tantismus seit dem 17. Jahrhundert nach
und verband damit die systematische
These, dass auch die Glaubens- und Lebensformen des gegenwärtigen protestantischen Christentums im Kontext
ethischer und ästhetischer Kategorien zu
reflektieren sind. Indem sich der neuzeitliche Protestantismus nicht nur im kirchlichen und staatlich-politischen Leben,
sondern auch im kulturellen und künstlerischen Leben realisiert, entspricht er
dem modernen Wandel religiöser Lebensdeutungen und Weltanschauungen
in spezifischer Weise. Die symbolische
Nach einem getrennten BegegnungsDeutung seiner Glaubensaussagen und
deren Kommunikation in Gestalt ästhe- programm der Dozierenden und der
tischer Darstellungsformen lässt den Studierenden am Nachmittag trafen sich
neuzeitlichen Protestantismus deshalb alle wieder in der St.-Laurentius-Kirche
auch unter modernen Bedingungen als Neuendettelsau zu einer ökumenischen
überzeugendes und erschließungskräfti- Vesper. Dekan Prof. Dr. Maier, Eichstätt,
ges Selbst-, Welt- und Gottesverständnis hielt die Predigt. Chor- und Orchester
erscheinen. Davon zeuge die vielfältige unter Leitung von Hansjörg Rey, PosauDurchdringung der modernen Kultur mit nenchor unter Leitung von Dr. Klaus
christlich-religiösen Motiven und Figu- Neumann, sowie Pfarrer Matthias Hopf
ren ebenso, wie die ästhetische Gestal- und stud. theol. Christine Schabdach
tung des neuzeitlichen Protestantismus als Solist/innen umrahmten dem Gothinsichtlich seiner symbolischen, narra- tesdienst musikalisch festlichen. Dekan
tiven und rituellen Erscheinungsformen. Prof. Dr. Maier bedankte sich am Ende für
Im Anschluss an den Vortrag ergab die guten Begegnungen, das vielseitige
sich eine rege Diskussion, in der vor allem Programm und die herzliche Gastfreundauch die vielfältigen Berührungspunkte schaft und lud die Neuendettelsauer für
zwischen katholischer und evangelischer einen Gegenbesuch im nächsten Jahr in
Theologie in dieser Fragestellung deut- Eichstätt ein.
Susanne Munzert
lich wurden.
11
Genderarbeit
Das Frauen-/
Männerabendmahl
Für den ein oder die andere mag es auf den
ersten Blick befremdlich wirken, ein nach
Geschlechtern getrennter Abendmahlsgottesdienst. Wie diese Idee an unserer Hochschule
entstand, zeigt folgender Beitrag.
N
ur noch ein knappes Drittel der
Gottesdienstbesucher in den
EKD-Kirchen sind männlich.
Der Großteil der Ehrenamtlichen in den
Kirchengemeinden sind weiblich und
Studien belegen, dass vor allem junge
Männer sich nicht mehr mit der Kirche
als auch mit dem christlichen Glauben
identifizieren. Das erste Männerplenum
im Sommersemester thematisierte diese
Problematik und gründete den Arbeitskreis „Gottesdienst auch für Männer“
mit dem Ziel, ein Abendmahlsgottesdient durchzuführen, der Elemente und
Erfahrungen aus Untersuchungen zur
Männerspiritualität aufnimmt.
So fand am 24. Juni an einem herrlichen Sommerabend ein Männerabendmahl an den Neuendettelsauern Weihern
statt. Im Blickpunkt stand König David,
eine biblische Männerfigur, die selbst zerrissen war zwischen Rollenerwartungen
und – erfüllung.
12
Höhepunkt des Semesters
Durch die Beleuchtung einzelner Aspekte dieses Mannes (David als Womanizer, Freund, Krieger, Machtmensch usw.)
zeigte man den Teilnehmern auch heute
noch bestehende Erwartungshaltungen
der Gesellschaft an Männer und ihre
schwierige Erfüllbarkeit auf.
Spezielle Gottesdienstelemente, wie
Schweigephasen, das Einbeziehen der
Besucher in den Aufbau und Abbau oder
das Feiern des Abendmahls in einzelnen
Tischgruppen gaben der Veranstaltung
einen besonderen Rahmen. Liturgisch
begleitet wurde es von Pfarrer Günter
Baum, der derzeit an der Augustana ein
Studiensemester verbringt.
Das Frauenabendmahl wurde von den
Beiträgen der ausländischen Studentinnen geprägt. Verschiedene Stationen auf
dem Campusgelände wurden zu einer
Reise über die verschiedenen Kontinente und Länder: Brasilien, USA, Ungarn,
Indonesien und Deutschland. Die Berichte der Studentinnen über die Situation
von Frauen im eigenen Land waren sehr
abwechslungsreich und spannend, und
die laue Sommernacht und der mehrstimmige „rein weibliche“ Gesang sorgten für
eine besondere Atmosphäre. Die Studierendenpfarrerin Frau Munzert setzte
das Abendmahl ein und stellte in einer
Ansprache die visionäre Rede „I have a
dream“ von Martin Luther King sowie
die Worte des Paulus aus Galater 3, 28 in
einen Dialog mit den Berichten.
Anschließend tauschten in der Bar
Frauen und Männer ihre Erfahrungen
und Erlebnisse des Abends miteinander
aus.
­K. Siebert und A. Proksch
Die Sieger des Fußball­
tuniers der theologischen
Fakultäten in Bayern:
Die Mannschaft der ehe­
maligen Augustanis.
Sommerfest
2010
Pfarrer Winkler als Wilhelm Löhe, der die Tauf­erinnerungs­
maschine ausprobiert.
H
ochsommerliche Temperaturen,
Getränke in rauen Mengen, ein
Salatbuffet der Extraklasse und
verschiedene Spezialitäten vom Grill, ein
abwechslungsreiches Programm und als
Krönung des ganzen siegt Deutschland
im Spiel um den dritten Platz bei der WM
– braucht es mehr für ein gelungenes Sommerfest? Natürlich brauchte es das: und
in erster Linie waren das eine ganze Reihe
von fleißigen Helfern, die auf kreative Weise den Aufbau meisterten.
Parallel dazu lief das Fußballturnier:
Auf diesem halfen leider alle Anfeuerungsrufe am Ende der „Augustana I“ doch nicht
zum Sieg; im Elfmeterschießen wurden sie
nach einem spannenden Finale von den
„Ehemaligen“ geschlagen.
Rechtzeitig zum Beginn des „Cups
der guten Laune“ waren die Fußballer
(hoffentlich) frisch geduscht zurück, das
erste Fass der 800 Liter Bier angestochen
und trotz Verwirrungen im Vorfeld wurden die Salate nicht im Kühlhaus gegrillt,
sondern standen auf dem Buffet bereit.
Damit die Augustana nicht nur als „Dorf
im Dorf“ wahrgenommen wird, wie die
Kulturreferentin Rebekka Wackler in
ihrer Eröffnungsrede betonte, war das
Sommerfest dieses Jahr erstmals öffentlich: das Grillen übernahm Metzger Keim,
beim Programm beteiligte sich Herr Pfarrer Winkler von der Diakonie und etliche
Bewohner von Neuendettelsau betraten
zum ersten Mal in ihrem Leben das Gelände der Augustana. Geboten bekamen
sie einen abwechslungsreiches Programm:
vom Posaunenchor über Freiheitslieder
aus verschiedenen Jahrhunderten bis zu
einem theologischen Schlagabtausch von
Katholiken und Protestanten auf dem Fußballfeld, kommentiert von Herr und Frau
Fritz war alles und noch viel mehr dabei.
Mit dem definitiv letzten Auftritt der
Combo endete die offizielle Spielzeit des
Programms, die Verlängerung dauerte bis
in die frühen Morgenstunden an: Tanzen
auf der Grastanzfläche, Cocktails schlürfen und Gespräche führen unter sternenklarem Himmel waren angesagt. Selbst
wenn wir bei der WM „nur“ den dritten
Platz erspielt haben, den „Cup der guten
Laune“ haben wir als Weltmeister in sämtlichen Disziplinen abgeschlossen!
Miriam Ohnmacht
13
Interview
Interview
» Als sehr positiv sehe ich es, dass nicht nur ­
kritisiert wurde, sondern gleichzeitig von ­
dieser Seite konstruktive Verbesserungsvor schläge gemacht und erarbeitet wurden. «
Frau Jost, wenn Sie auf Ihre Rektorats­
zeit zurückblicken, wie empfanden Sie
in dieser Zeit das Verhältnis zwischen
Rektorat und der Studierendenschaft?
Das Augi – Interview
Mit diesem Sommersemester endet die aktive Amtszeit
unserer Rektorin Professorin Dr. Renate Jost.
Im Gespräch mit dem Augi hält sie Rückschau.
Im Ganzen würde ich es als sehr konstruktiv bezeichnen. Die Studierenden haben
in diesen zwei Jahren auf mich einen aktiven Eindruck gemacht und sich für ihre
Rechte eingesetzt. Als sehr positiv sehe
ich es, dass nicht nur kritisiert wurde,
sondern gleichzeitig von dieser Seite
konstruktive Verbesserungsvorschläge
gemacht und erarbeitet wurden. Das
empfand ich als eine besondere Qualität,
die ich als Rektorin immer gerne unterstützt habe.
Dennoch wurde in bestimmten Phasen das Rektorat als Gegner angesehen,
was dann manchmal zu einer aggressiven und angespannten Verhaltensweise
der Studierendenschaft führte. Solche
Unstimmigkeiten ließen sich aber stets
bald klären.
In Ihre Amtszeit fiel auch eine der
größten Hochschulreformen der letz­
ten Jahrzehnte: die Modularisierung.
Wie beurteilen Sie aus heutiger Sicht
ihre Einführung ?
Zu der Modularisierung habe ich ein
gespaltenes Verhältnis. Die Einführung
selbst war notwendig, da sie vom Fakultätentag beschlossen wurde und die Augustana dadurch ihre Vergleichbarkeit
mit anderen Fakultäten erhalten musste.
Wir haben es der guten Arbeit von Herrn
Neumann (Anm. d. Red.: Modularisierungsbeauftragter der Hochschule) zu
verdanken, dass die Umsetzung weitgehend problemlos vonstatten ging.
Natürlich engt dieses System das Studium ein. Andererseits ist es gut für die
Feministische Theologie, weil jetzt eine
Veranstaltung verpflichtend ist und sich
nun alle mit diesem Fach beschäftigen
werden.
Im kommenden Wintersemester wer­
den Sie in ein Forschungssemester ge­
hen. Worauf werden Sie Schwerpunk­
te ihrer Tätigkeit legen ?
Zum einen werde ich einige Artikel schreiben. Für das Buch „Feministische
Theologie im 20. Jahrhundert“, das von
Professorin Schüssler-Fiorenza herausgegeben wird, werde ich die Entwicklung
feministischer Theologie der letzten Jahre in weltweiter Perspektive näher beleuchten. Zum anderen plane ich meine
Forschungen über das Christkind zu vertiefen. Mit dieser aus der evangelischen
Weihnachtsfrömmigkeit entstandenen
Figur hat sich bislang noch niemand aus
feministisch-theologischer Perspektive
befasst. Ich möchte dabei auch volkskundliche Aspekte einbeziehen.
Es soll dabei ein Buch entstehen, das
zwischen wissenschaftlicher und Populartheologie angesiedelt und auch für
Nichttheologen gut zugänglich ist.
Vielen Dank für das Gespräch.
14
15
Dozenten im Augi
Dozenten im Augi
Gedanken zum Semestermotto
Der AStA des Sommersemesters hat in traditioneller Weise seiner
Arbeit und dem ­Semester ein Motto gegeben. Dr. Stefan Seiler, der
Dozent für Hebräisch und ­Bibelkunde, hat sich zu diesem Bibelvers
Gedanken gemacht.
V
or 65 Jahren hat der Rat der Evange- chen oder auch, sich nicht »mund-tot«
lischen Kirche in Deutschland im machen zu lassen. So scheint es Paulus
Stuttgarter Schuldbekenntnis ein- in Korinth ergangen zu sein. Trotz grogestanden, dass die Kirche angesichts des ßer Erfolge bei seiner Verkündigung
nationalsozialistischen Gewaltregimes hatte er sich mit erheblichen Widerstän»nicht mutiger bekannt, nicht treuer ge- den auseinanderzusetzen. Permanent
betet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht Widerspruch ertragen zu müssen, ist
brennender geliebt« hat. Auch wenn es in ermüdend und kann einen am Ende verden Gemeinden einzelne Ausnahmen gab stummen lassen. Vielleicht war das der
− insgesamt hat man zu jenen Verbrechen Grund, dass an ihn die ermutigende, aber
geschwiegen. Wer schweigt, stimmt zu auch herausfordernde Botschaft erging:
− und wird so mitverantwortlich für das, »Fürchte dich nicht, sondern rede und
schweige nicht!« − Worte, die in ihrem
was geschieht.
Gott sei Dank leben wir heute in einem Kontext bemerkenswerterweise an die
freien, demokratischen Staat. Als Chris- Berufung (!) Jeremias erinnern.
Rede und schweige nicht − was hatten und Christinnen haben wir freilich
nicht weniger als damals zu prüfen, ob te Paulus denn zu sagen? Lassen Sie es
die Maßstäbe, die unserm Glauben ent- mich einmal so formulieren: Ihm war das
sprechen, in Politik und Gesellschaft be- »heilsame Wort« aufgetragen − das Wort
achtet werden. Die Hauptgefahr, die ich des Evangeliums und der Versöhnung.
gegenwärtig sehe, ist nicht so sehr die Das »heilsame Wort« mit andern teilen
Angst, man könnte durch ein offenes, − es ihnen »mit-teilen« − das war und ist
kritisches Wort Nachteile erleiden, als Aufgabe der Kirche wie jedes einzelnen
vielmehr die Gleichgültigkeit. »Das geht Christen und jeder einzelnen Christin:
Wir dürfen und sollen heilsame Worte
mich nichts an … Da mische ich mich
nicht ein … Was habe ich damit zu tun?« in verfahrene und scheinbar ausweglose
Schulterzucken, wegschauen, schweigen Situationen hineinsprechen, in denen
… Wie gesagt: Wer schweigt, stimmt zu.
keiner mehr mit dem andern, sondern
Manchmal braucht es geradezu einen nur noch über ihn redet. Das werden
Impuls, um das Schweigen zu durchbre- meist keine aufdringlichen, aber sehr
16
Schweigen zum richtigen Zeitpunkt
klare, durchdachte und am Maßstab der
Liebe und Versöhnung orientierte Worte − das hilft, sich neu zu besinnen, zu reflektieren, Abstand zu gewinnen. Dazu gesein.
Heilsame Worte beziehen Stellung − hört auch das Schweigen vor − und damit
für die Schwachen und die an den Rand das Hören auf − Gott. Es ist − und das geht
Gedrängten. Sie beziehen Stellung gegen besonders uns Theologen und Theologineine Unterteilung unserer Gesellschaft in nen an − mindestens genauso wichtig wie
Menschen erster und zweiter Klasse, ge- das Reden über ihn. »Lerne schweigen, so
gen eine Ausgrenzung Einzelner wegen kannst du am besten reden« − vielleicht
ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe oder ih- liegt in dieser alten Sentenz das Geheimnis der rechten Verhältnisbestimmung
rer Religion.
Nicht zuletzt deshalb sind solche heil- zwischen beidem.
Stefan Seiler
samen Worte manchmal auch ziemlich
unbequem. Sie können Missstände aufdecken, die bisher in den »Mantel des
Schweigens« gehüllt worden waren. Solche (offenen) Worte finden nicht überall
Beifall und werden nicht selten von einem
Chor erbitterter »Gegen-Stimmen« beantwortet. Nein, im Mainstream liegen
sie nicht, jene heilsamen Worte …
»Alles hat seine Zeit« − sagt der Prediger. So sehr es eine Zeit wohltuenden
(Apg 18,9)
Redens gibt, so sehr gibt es auch eine
Zeit heilsamen Schweigens. Wir kennen
das aus unserm Zusammenleben: Nicht
jeder Kommentar ist notwendig, manche
Bemerkungen sind überflüssig, ja sogar
verletzend. Probleme können »zer-redet«
werden.
»Fürchte dich nicht,
sondern rede
und schweige nicht! «
17
Die letzte Seite
Impressum
Herausgeber:
Studierendenschaft der
Augustana-Hochschule
Verantwortliche Leitung:
Alexander Proksch
Redaktion:
Thomas Kelting, Judith
Koehler, ­Alexander Proksch
Druck:
Online-Druck.biz
Adresse:
Augustana Hochschule
Waldstraße 11
91564 Neuendettelsau
Tel.: 09874/509-0
18
Themenvorschau WiSe–Ausgabe
Augustana-Tag 2010
Einführungstage für Erstsemester
Wechsel des NT-Lehrstuhls
Interview mit dem neuen Rektor
Termine und Fristen
für das WS 2010/11
Internet:
www.augustana.de
Wann
E-mail:
hochschule@augustana.de
07.09.2010 - 28.10.2010 Sprachkurse in der
vorlesungsfreien Zeit
Haftungshinweis:
Für den Inhalt der einzelnen
Artikel sind ausschließlich
deren Verfasser verant­
wortlich.
15.10.2010
Annahmeschluss der
Befreiungsanträge
von den Studiengebühren für das
Wintersemester
2010/11
09.11.2010
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Kategorie
Seele and Geist
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