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Antrag der CDU zur Gewerbeansiedlung

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Oktober 2014
DER RING
Zeitschrift der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel
Gott nahe zu sein ist mein Glück (Psalm 73, 28)
Foto: Schulz
sie gezählet, dass ihm auch
nicht eines fehlet, kennt auch
Dich und hat dich lieb.« Ich
drehe mich um und bin sofort
eingeschlafen.
Diakon Harald Glüer.
Ich stehe am Strand und sehe
die untergehende Sonne. Eine
leichte Brise kühlt das erhitzte
Gesicht. Ich fühle mich wohl.
So soll es sein, so soll es bleiben
– immer. Bis in alle Ewigkeit!
»Großer Gott wir loben Dich.
Herr wir preisen Deine Stärke.«
Ich halte die Hand meiner Tante.
Sie ist Mitte achtzig und wird
bald sterben. Krebs im Endsta­
dium. Sie flüstert mir zu: »Ach,
wann darf ich endlich gehen,
wann holt Gott mich endlich
…«, und ein trauriges Leuchten
ist in ihren Augen zu sehen.
»Und ob ich schon wanderte
im finsteren Tal, fürchte ich kein
Unglück; denn du bist bei mir, dein
Stecken und Stab trösten mich.«
Ich liege im Bett, bin fünf Jahre
alt und fühle mich rundum wohl.
Meine Mutter hält meine Hand
und singt: »Weißt du wie viel
Sternlein stehen an dem großen
Himmelszelt … Gott der Herr hat
Titelbild: Sport, Spiel und Spaß –
auf dem Gelände der Universität
Bielefeld fanden Ende August die
18. Bethel athletics statt. Weitsprung
war eine von zwölf Disziplinen
der inklusiven Sportveranstaltung.
Mehr dazu ab Seite 7. Foto: Schulz
Ich besuche eine langjährige
Freundin Bethels, wir haben
schon seit über zehn Jahren
Kontakt zueinander, jetzt ist sie
im 95. Lebensjahr. Sie sagt mir:
»Ich habe mein Kind sehr früh
verloren, auch mein Mann ist
seit vielen Jahren tot. Mein Knie
macht mir sehr zu schaffen,
und es fällt mir schwer, meinen
Alltag in meiner Wohnung im
ersten Stock zu bewältigen, und
manchmal denke ich, ich bin
allein. Doch dann spüre ich, dass
ich nicht allein bin. Gott ist bei
mir. Er passt auf mich auf. Ich
weiß nicht, was kommen wird,
aber ich weiß, dass er es gut mit
mir meint und immer bei mir ist.«
Wir schauen in den Nahen Osten
und die Ukraine und sehen, wie
Gewalt und Tod regieren und
Diplomatie zu scheitern droht
und stehen hilflos daneben und
sind irritiert.
Wir sehen Krieg, Elend, Hunger
und Not. Wir sehen »Gottes­
krieger«, die sich in die Luft
sprengen und andere mit in
den Tod reißen.
Wir sehen den Klimawandel und
die Umweltzerstörung in unserer
Welt. Dies führt zu Angst und
Hilflosigkeit in unserem Leben,
und mir sagte jemand: »In diese
Welt kann man doch keine Kin­
der mehr setzen.«
Wir leben in einer zerrissenen
und widersprüchlichen Welt,
und ich kann jeden verstehen,
der daran zu verzweifeln droht.
Und doch machen Menschen die
Erfahrungen, die ich eingangs
beschrieben habe – Erfahrungen,
die Halt geben und Mut machen
in oft schwierigen Lebenssituati­
onen. Sie machen diese Erfah­
rungen, weil sie zurückgreifen
können auf Erfahrungen mit
Gott, der ihnen Halt und Sicher­
heit und Orientierung gibt.
Die Schwierigkeiten und Pro­
bleme sind nicht weg, sie sind
immer noch da. Aber ich wün­
sche uns, dass wir den Blick
wenden und hinschauen können
auf das, was uns Halt gibt.
»Er hält die ganze Welt in
seiner Hand, er hält auch dich
und mich in seiner Hand.«
Das gibt wieder Mut zum
Handeln. Gerade dann,
wenn Verzweiflung droht.
Gott nahe zu sein ist mein
Glück!
So, isses!
– Diakon Harald Glüer –
( Nachlassabteilung im Dankort
Bethel )
DER RING. Monatszeitschrift der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. 54. Jahr­
gang. Herausgeber: Pastor Ulrich Pohl in Zusammenarbeit mit der Gesamtmitarbeiter­
vertretung der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Redaktion: Jens U. Garlichs
( verantwortlich ), Petra Wilkening. Satz und Gestaltung: Andrea Chyla. Sekretariat:
Bruni Außendorf/Christina Heitkämper. Anschrift: Quellenhofweg 25, 33617 Bielefeld,
Telefon: 0521 144­3512, Telefax 0521 144­2274. E­Mail: presse@bethel.de
Druck: Gieseking Print­ und Verlagsservices GmbH, 33617 Bielefeld. Nachdruck ist mit
Genehmigung der Redaktion gestattet. © bei v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel.
DER RING ist Mitglied im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik ( GEP ).
Interessierte können die Zeitschrift kostenlos abonnieren. – Spendenkonto: Nr. 4077
bei der Sparkasse Bielefeld ( BLZ 48050161 ). Bethel im Internet: www.bethel.de
Redaktionsschluss für den November­RING: 14. Oktober 2014
2
i
Inhalt
Kurz gesagt
Neue Demenz-Diagnostik 5
Als eines von zwei Kranken­
häusern bundesweit setzt
das Ev. Krankenhaus Bielefeld
einen neuen Biomarker ein.
Computer-Kompetenz
6
NRW­Wissenschaftsministerin
Svenja Schulze besuchte das
PIKSL­Labor in Düsseldorf.
Bethel athletics
7
»Alle(s) in Bewegung« war
das Motto des inklusiven
Sportfestes auf dem Gelände
der Universität Bielefeld.
Bethel in …
18
… Weyhe. Dort gibt es eine
Jugendwerkstatt.
Zu Gast bei der U-16
20
Schüler der Janusz­Korczak­
Schule in Vechta trafen die
Fußballstars von Morgen.
Darf ich Auto fahren?
21
Die Einschätzung der Fahr­
eignung beschäftigte Experten
in der Klinik für Psychiatrie
und Psychotherapie Bethel.
Bevorzugte Wohnlage
22
Mit aller Empathie
10
Im Ev. Krankenhaus Bielefeld
werden Menschen auch in
der letzten Lebensphase gut
begleitet.
Neu in Witten
12
Bethel hat eine Einrichtung
für Menschen mit einer
Abhängigkeitserkrankung
in der Kreisstraße eröffnet.
Auszeichnung für Organspende
Das Ev. Krankenhaus Bielefeld
(EvKB) ist im September von
NRW­Ministerpräsidentin Hanne­
lore Kraft und der Deutschen
Stiftung Organtransplantation für
sein Engagement für die Organ­
spende geehrt worden – bereits
zum vierten Mal. Das EvKB ist
eine von drei ausgezeichneten
Kliniken in NRW. Im Jahr 2013
wurden im EvKB 16 Organe ent­
nommen; zum Team der Klinik
für Anästhesiologie, Intensiv­ und
Notfallmedizin, Transfusionsme­
dizin und Schmerztherapie um
Chefarzt Prof. Dr. Fritz Mertzlufft
gehören auch speziell ausgebildete
Transplantationsbeauftragte.
Die Auszeichnung nahmen in
Essen EvKB­Geschäftsführer Dr.
Thomas Krössin und Geschäfts­
führungsreferentin Bettina
Halstrick entgegen.
Entgelterhöhung BAT-KF
In den Tagesgestaltenden
Angeboten Fliednerweg wer­
den Insektenhotels gebaut.
Verlässliche Absprachen 14
In Bielefeld­Bethel fand der
zweite Fachtag zur foren­
sischen Nachsorge statt.
Gemeinsam feiern
24
Rund um die Jugendfreizeit­
stätte Marten in Dortmund
fand ein inklusiver »Sommer­
zirkus« statt.
»Alle Neune« für Ophra 16
Der Prototyp einer barriere­
freien Außenkegelbahn wurde
jetzt in Bielefeld­Eckardtsheim
eingeweiht.
Inklusion und Arbeit
25
In Berlin traf sich Ende Sep­
tember der Verein Sozialarbeit
bei Epilepsie zu seiner
13. Fachtagung.
Lebenswertes Leben
17
Die postakute Neuroreha­
bilitation war das Thema eines
Fachtags im Haus Rehoboth,
einer Einrichtung für Men­
schen mit erworbenen Hirn­
schädigungen.
RING-Magazin
26
Mitarbeiterkreis
33
Namen
35
Die Arbeitsrechtliche Schiedskom­
mission für den Bereich des BAT­
KF (Bundesangestelltentarif­
Kirchliche Fassung) hat jetzt über
die Tarifsteigerung der Entgelte
für die Jahre 2014 und 2015 ent­
schieden. Für die Beschäftigten
im nichtärztlichen Bereich gilt
eine Erhöhung rückwirkend ab
dem 1. Juli 2014 von 3 Prozent,
mindestens jedoch um 90,00
Euro. Eine weitere Erhöhung um
2,4 Prozent wird es zum 1. Juli
2015 geben; sie gilt dann für
mindestens ein Jahr. Rückwirkend
zum Januar 2014 beträgt der
Urlaubsanspruch für alle Mitar­
beitenden im BAT­KF 30 Tage. Die
Unterscheidung nach Lebensalter
wurde endgültig aufgegeben.
Nach dem BAT­KF sind in Bethel
rund 5.500 Mitarbeitende be­
schäftigt. Die Erhöhungen kön­
nen wegen der notwendigen Pro­
grammierung voraussichtlich erst
im November 2014 rückwirkend
umgesetzt werden.
3
Aus Bethel – Für Bethel
Ich danke Gott für seinen reichen Segen
Vor Kurzem wurde der ehemalige Verwaltungs­
ratsvorsitzende der v. Bodelschwinghschen
Stiftungen Bethel, Ortwin Goldbeck, der
das gleichnamige Bielefelder Familienunter­
nehmen leitete und europaweit ausbaute,
besonders geehrt: NRW­Wirtschaftsminister
Garrelt Duin verlieh das Große Verdienst­
kreuz des Verdienstordens der Bundesrepu­
blik Deutschland an Herrn Goldbeck – nach
dem Bundesverdienstkreuz die nächst­
höchste Auszeichnung. Damit wurde nun
das gesamte Lebenswerk des Familien­
unternehmers, das sich durch vielfältiges
ehrenamtliches und wohltätiges Wirken aus­
zeichnet, sehr verdient gewürdigt. In seiner
Rede erklärte der Minister: Ortwin Goldbeck
habe das unternehmerische Idealbild des
ehrlichen Kaufmanns ein Leben lang gelebt.
Herausragend seien sein menschenfreund­
liches Denken und Verhalten. Altruistisch,
d. h. uneigennützig und selbstlos, nannte
er das Wirken Ortwin Goldbecks. Und er
stellte fest: Auf solche Menschen sind wir in
unserer Gesellschaft angewiesen. Auf Men­
schen, die die Bereitschaft mitbringen, ein
Vorbild zu sein. Menschen, die authentisch
sind, deren Denken, Reden und Handeln im
Einklang sind.
Was mir an der abschließenden Rede von
Ortwin Goldbeck sehr in Erinnerung blieb,
war sein letzter Satz. Nachdem er Kollegin­
nen und Kollegen, Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern und seiner Familie seinen Dank
ausgesprochen hatte, endete er mit den
Worten: Ich danke Gott für seinen reichen
Segen.
Das ist gut – ein öffentliches Bekenntnis.
Menschen wie Ortwin Goldbeck machen
deutlich: Unsere gottgegebenen Gaben sind
auch zugleich unsere Aufgaben. Christsein
hat immer auch mit Verantwortung zu tun.
Christsein ist immer mehr, als die eigene
Frömmigkeit zu leben und zu pflegen. Christ­
sein heißt, dass wir uns der Welt und den
Menschen zuwenden. Dass wir in und
neben unseren familiären, beruflichen und
4
freundschaftlichen Verbindlichkeiten und
Gewohnheiten immer wieder offen und
mutig neue Wege auf unsere Nächsten
hin wagen.
Gottvertrauen nimmt uns die Verantwor­
tung für unsere Welt nicht ab. Im Gegenteil:
Jeder übernehme nach seinen Gaben und
Möglichkeiten ein Stück Verantwortung,
Fürsorge, Zuständigkeit!
Das geschieht in unseren Betheler Einrich­
tungen und Diensten Tag für Tag auf unzäh­
lige und unterschiedlichste Art und Weise.
Käme ein Minister mit Bundesverdienstkreu­
zen – er hätte viele zu verleihen. Die hohe
Auszeichnung stünde all denen gut, die
sich mit ihren Gaben und Möglichkeiten am
Arbeitsplatz oder in ihrem privaten Umfeld
einsetzen – authentisch, vorbildlich, dem
Nächsten zuliebe. Ich denke an die Alten­
pflegerin, die sich liebevoll und geduldig um
eine ständig rufende demenzkranke Senio­
rin kümmert. Ich denke an die Mitarbeiterin­
nen, die an einem verregneten Sonntag von
jetzt auf gleich einen schwungvollen Tanz­
tee gegen die Langeweile für alle Bewohne­
rinnen und Bewohner einer Behindertenein­
richtung veranstalten. Ich denke an die pol­
nische Reinigungskraft, die jeden Tag einen
alten polnischen Patienten zum Lächeln
bringt und mit ihm betet. Ich denke an die
Nachtschwester, die die Mutter eines tot­
geborenen Kindes festhält und das Da­Sein
aushält. Ich denke an den jungen Mann mit
Down­Syndrom, der morgens auf dem Weg
zu seinem Arbeitsplatz die ihm begegnen­
den Autofahrer einfach anlacht. Ich denke
an …, an …, an …
Und auch ich danke Gott für seinen reichen
Segen.
Ihr
Pastor Ulrich Pohl
Diagnostik im EvKB auf aktuellstem Stand
Frühzeitige Demenz-Therapie durch neuen Biomarker
Erst seit Kurzem ist der Biomarker
Florbetaben auf dem Markt.
International sind derzeit drei
Biomarker zugelassen. Florbe­
taben ist der einzige, der in
Deutschland kommerziell verfüg­
bar ist. Im EvKB werden damit
jetzt Patienten untersucht, deren
Demenz­Erkrankung mit den bis­
herigen Methoden nicht genau
genug abgeklärt werden konnte.
Dabei wird eine leicht radioaktive
Substanz injiziert. Sie sammelt
sich dort im Gehirn an, wo sich
Demenz auslösende Proteine
(ß­Amyloid) abgelagert haben,
und ist auf dem Bildschirm sicht­
bar. Auch wenn der Patient noch
keine Symptome aufweist, kann
die Diagnostik bereits die Abla­
gerungen des Amyloid­Proteins
deutlich machen. So erhalten
die Ärzte frühzeitig wichtige
Informationen über die Art der
vorliegenden Erkrankung, sodass
entsprechend früh eine auf die
Patientinnen und Patienten an­
gepasste medikamentöse und
therapeutische Behandlung ver­
ordnet werden kann.
Mit der neuen Substanz haben
Nuklearmediziner erstmals die
Möglichkeit, die neurologischen
Prozesse im Gehirn sichtbar zu
machen. Dies war zuvor nur
Foto: Bünemann
Mit einer neuen DiagnostikMethode kommt das Ev.
Krankenhaus Bielefeld (EvKB)
der Demenz weiter auf die
Spur: Anhand eines leicht
radioaktiven Biomarkers
können Nuklearmediziner
jetzt erkennen, um welche
Art der Demenz es sich handelt. Für etwa jeden zehnten
Demenz-Patienten hat das
großen Einfluss auf seine weitere Behandlung. Das Betheler EvKB ist eines von zwei
Krankenhäusern in Deutschland, die diese neue Untersuchungsmethode anbieten.
Im Einsatz für demenzkranke Patienten: (v. l.) Dr. Christine Neumann, Chefärztin der
Klinik für Nuklearmedizin, EvKB-Geschäftsführer Dr. Rainer Norden und Prof. Dr. WolfRüdiger Schäbitz, Chefarzt der Klinik für Neurologie.
durch eine postmortale Gewebe­
entnahme möglich. Die neue
Diagnostik hat eine Sensitivität
und Spezifität von über 90 Pro­
zent, das heißt, mit 90­prozentiger
Sicherheit lässt sie erkennen, ob
jemand erkrankt oder gesund ist.
Immer mehr Betroffene
Besonders im Hinblick auf die
immer älter werdende Gesell­
schaft und den steigenden
Anteil an Menschen mit Demenz
gewinnt die neue Diagnostikme­
thode an Bedeutung. Die Deut­
sche Alzheimer Gesellschaft geht
davon aus, dass sich die Zahl der
Erkrankungen an Demenz bis
2050 von heute 1,5 Millionen
auf 3 Millionen verdoppelt. Das
entspricht etwa 100 neuen Fällen
pro Tag.
Vor dem Hintergrund der demo­
grafischen Entwicklung und
der damit einhergehenden
Zunahme von Alterserkrankun­
gen ist die neue Diagnoseform
ein weiterer Baustein in der
Behandlung von hochbetagten
Menschen.
Schon heute hat die Hälfte der
Patientinnen und Patienten, die
im EvKB behandelt werden, das
Alter von 65 Jahren überschrit­
ten. In die Altersmedizin werden
fortlaufend innovative und auf
die Bedürfnisse des hochbe­
tagten Menschen angepasste
Behandlungsmodule aufgenom­
men. Zu ihnen gehören im EvKB
das »help«­Projekt – ein spezi­
elles Programm zur Vorbeugung
eines Delirs, eines akuten Ver­
wirrtheitszustands während des
Krankenhausaufenthalts – und
das neue Schulungsprojekt zur
Demenzsensibilisierung von Mit­
arbeitenden.
Im vergangenen Jahr wurden
knapp 400 Patientinnen und
Patienten mit der Hauptdiagnose
Demenz im EvKB behandelt. Die
Demenzabklärung und ­behand­
lung werden von der Klinik für
Neurologie, der Klinik für Innere
Medizin und Geriatrie und der
Abteilung für Gerontopsychiatrie
vorgenommen.
– Manuel Bünemann –
5
NRW­Wissenschaftsministerin lobte das PIKSL­Labor
Foto: Kreutner
Unternehmen sollen PIKSL-Kompetenz nutzen
Prof. Dr. Christian Ressel von der Hochschule Rhein-Waal erläuterte gemeinsam mit
PIKSL-Projektleiter Tobias Marczinzik (r.) den Gästen Ministerin Svenja Schulze und
Günter Garbrecht (l.) sowie IGL-Geschäftsführer Kurt-Ulrich Wiggers das Projekt »Keep
in Touch«.
Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsministerin Svenja Schulze
war Anfang September zu Gast im Betheler Multimedia-Projekt
»PIKSL-Labor« in Düsseldorf. Das Labor in der Erkrather Straße
gehört zur In der Gemeinde leben gGmbH (IGL). Bei ihrem
Besuch zeigte sich die Ministerin beeindruckt von der Vielzahl
aktueller PIKSL-Entwicklungen, die Menschen mit Behinderungen den Umgang mit digitalen Medien erleichtern sollen.
»Es freut mich, dass viele Hoch­
schulen in NRW das Potenzial
erkannt haben und mit PIKSL
kooperieren«, sagte die Minis­
terin bei der Veranstaltung
»Besprechung 02«, die unter
dem Titel »Drei Jahre Querden­
ken im PIKSL­Labor« stattfand.
Zu einer inklusiven Gesellschaft
gehöre auch barrierearme Tech­
nik. Sie trage dazu bei, »dass
Menschen mit Behinderungen
ein selbstbestimmtes Leben füh­
ren und an der Gesellschaft teil­
haben können«.
Das PIKSL­Labor, das von der
Stiftung Wohlfahrtspflege NRW
gefördert wird, ist ein vernetzter
Ort mit Computer­Arbeitsplät­
zen. Hier entwickeln Menschen
mit Behinderungen als Experten
in eigener Sache gemeinsam mit
Fachleuten aus Wissenschaft und
6
Forschung vereinfachte Anwen­
dungen im Bereich der Neuen
Medien. Das Projekt wird sozial­
wissenschaftlich von der Univer­
sität Siegen begleitet. Mittler­
weile nutzen jede Woche rund
50 Menschen mit Behinderungen
das Angebot.
Skypen mit »Puzzle«
Seit dem Start von PIKSL im
Oktober 2011 ist eine Vielzahl
von Projekten entstanden. Die
Laboranten lernen dabei vor
allem den Umgang mit moder­
ner Computertechnologie im
Alltag. Außerdem helfen sie zum
Beispiel, die Nutzung von Skype
oder facebook zu erleichtern.
Die aktuellsten Projekte wurden
den Gästen, darunter auch der
Vorsitzende des Stiftungsrates
der Stiftung Wohlfahrtpflege
Günter Garbrecht, vorgestellt.
Ministerin Schulze interessierte
sich besonders für ein »Puzzle«,
mit dem man Skypen kann. Das
Bedienkonzept wird unter dem
Titel »Keep in Touch« gemein­
sam mit der Hochschule Rhein­
Waal entwickelt. Mit der Tech­
nologie können Menschen mit
Behinderungen vereinfacht eine
Videotelefonie­Verbindung über
Skype aufbauen. Die Bedienkon­
sole dafür erinnert an ein Puzzle
mit Steckelementen. Um zum
Beispiel eine Verbindung auf­
zubauen oder den Status eines
Kontaktes abzufragen, stehen
verschiedene »Du­Elemente« zur
Verfügung. Zusätzlich kann über
die Steckelemente mit einfachen
Symbolen der eigene Status mit­
geteilt werden – zum Beispiel,
wie es einem gerade geht. Die
Technologie soll möglichst bald
in Einrichtungen für Menschen
mit Behinderungen eingeführt
werden.
In der Entwicklung befinden
sich auch ein Internetportal, das
schwierige technische Begriffe in
leichte Sprache übersetzt, sowie
ein Navigationssystem, das auch
Menschen mit kognitiven und
körperlichen Einschränkungen
von Tür zu Tür leitet.
»Menschen mit Behinderungen
sind oft sehr kompetent, wenn
es darum geht, technische
Anwendungen komfortabler zu
gestalten«, stellte Svenja Schulze
fest. Unternehmen wären gut
beraten, wenn sie die Kompe­
tenz des PIKSL­Labors stärker in
Anspruch nehmen würden – und
bei der Entwicklung von Geräten
und Software auf den Rat dieser
Experten zurückgreifen würden.
– Gunnar Kreutner –
Bethel athletics 2014
Fotos: Elbracht/Schulz
Inklusives Sportfest bringt Menschen zusammen
Patrick Meiners (l.) und Hagen Schwartz entzündeten das olympische Feuer.
2.000 Augenpaare blinzelten fragend himmelwärts: »Springen sie, oder springen sie nicht?«
Auch wenn wegen des kräftigen Windes mehrere »Anläufe« nötig waren, ließen sich die drei
Fallschirmspringer ihren großen Auftritt nicht nehmen. Wohlbehalten landeten sie wenig später
auf dem Sportplatz der Universität Bielefeld und überbrachten den Fackelträgern Patrick Meiners
und Hagen Schwartz das »olympische Feuer« zur Eröffnung der 18. Bethel athletics.
»Alle(s) in Bewegung« lautete
in diesem Jahr das Motto der
inklusiven Sportveranstaltung,
die Ende August stattfand. Bereits
zum zweiten Mal war die Uni­
versität Bielefeld Gastgeberin.
Beim Therapeutischen Reiten traten rund
100 Menschen mit und ohne Behinderungen gegeneinander an.
Anlässlich des 800­jährigen
Stadtjubiläums beteiligten sich
zahlreiche weitere Partner, wie
die Laborschule, der Stadtsport­
bund und viele Vereine.
Einen ganzen Tag lang, vom
Entzünden des Feuers bis zur
Abschlussfeier, traten die Teil­
nehmenden in zwölf Diszipli­
nen an. Neben dem klassischen
Leichtathletik­Wettbewerb fan­
den unter anderem Basketball­,
Fußball­, Judo­ und Tischtennis­
Turniere statt. Hinzu kam ein
Golf­Wettkampf, der am Vortag
im Bielefelder Golfclub ausgetra­
gen wurde.
Mit der Europahymne »An die
Freude« sorgte Opernsängerin
Melanie Forgeron bei der Eröff­
nungsfeier nicht nur für eine
passende musikalische Einstim­
mung – »Alle Menschen werden
Brüder« –, sondern auch für den
ersten Gänsehautmoment der
18. Bethel athletics. Für Aktive
wie Zuschauer war es nur der
erste von vielen. Kurz darauf
kochte die Stimmung beim
Schwimmen im »Aquarium«
im Herzen des Uni­Gebäudes.
Direkt nebenan wurde in ge­
diegener Atmosphäre beim
An der Laborschule gab es ein wettbewerbsfreies Angebot.
7
Inklusives Sportfest …
Rund 2.000 Menschen beteiligten sich aktiv an den Bethel
athletics auf dem Uni-Gelände.
Mit Geschick und schnellen Reaktionen kämpften die Tischtennis-Spieler an neun Platten um jeden Ball.
Eine ruhige Hand ist beim Bogenschießen gefragt.
Paartanz mitgefiebert, während
sich draußen, auf den Außen­
sportanlagen der Universität,
die Sprinter von ihren Begleitern
anfeuern ließen.
Schnell und konzentriert – oder einfach
nur mit Freude dabei.
8
In diesem Jahr zeichnete der
inklusive Ansatz das Sportfest
in besonderem Maße aus. Men­
schen mit und ohne Behinde­
rungen traten in gemischten
Boulegruppen, als Tanzpaar und
bei dem Reitturnier im Betheler
Reitstall mit­ und gegeneinan­
der an. »Beim Reiten hatten wir
eine allgemeine Ausschreibung«,
betont Dr. Lutz Worms, Leiter
des Bewegungs­ und Sportthera­
peutischen Dienstes und Organi­
sator der Bethel athletics. Das
bedeutet, dass die rund 100 Teil­
nehmerinnen und Teilnehmer
alle in der gleichen Leistungsklasse
antraten – ob behindert oder
nicht. Mit der Veranstaltung war
Dr. Worms mehr als zufrieden:
»Unsere Idee, Menschen über
den Sport zusammenzubringen,
ist aufgegangen.«
Nils Lorenz und Chantal Schmidt sind
stolz auf ihre ertanzten Goldmedaillen.
Inklusives Sportfest …
Freundschaftlich, aber engagiert ging es zu, als die Fußballer
der Mamre-Patmos-Schule gegen die Gäste aus Polen antraten.
Dr. Lutz Worms (r.) und Bethel-Vorstand Prof. Dr. Günther
Wienberg begleiteten Ministerin Ute Schäfer bei ihrem Besuch.
Schnell, wendig und treffsicher zeigten sich die Rollstuhl-Basketballer bei ihrem Wettkampf.
Fotos: Elbracht/Schulz
Menschen mit und ohne Behinderungen maßen im Foxtrott und
Disco-Fox als gemischte Paare ihr Können.
Neben dem sportlichen Leis­
tungsvergleich gab es ein um­
fangreiches wettbewerbsfreies
Angebot, das nicht nur für Men­
schen mit komplexen Behinde­
rungen attraktiv war. So ging es
etwa mit den Heilerziehungs­
pflege­Schülerinnen des Berufs­
kollegs Bethel, die in der Sport­
halle einen Themenparcours
aufgebaut hatten, in den »Welt­
raum«. Auf der Vereinsmeile
konnten Neugierige und Bewe­
gungshungrige Bogenschießen,
Klettern und Seilspringen auspro­
bieren – zumindest so lange, bis
sich am Nachmittag der leichte
Nieselregen in einen Wolken­
bruch verwandelte.
Bethels Aufsichtsratsvorsitzende Ingeborg
von Schubert beim Boule-Wettkampf.
Mitten im Geschehen: Der Rolli-Parcours
auf dem Uni-Sportplatz.
– Robert Burg –
9
Sterbebegleitung im Ev. Krankenhaus Bielefeld
Menschen in allen Lebensphasen zur Seite stehen
Foto: Schulz
Dafür steht ihm ein multipro­
fessionelles Team zur Seite, das
sich neben der medizinischen
Behandlung auch um die psycho­
logische, soziale und spirituelle
Betreuung der Patienten küm­
mert. Verstärkt wird es durch
ehrenamtliche Hospizbegleiterin­
nen und ­begleiter. Bereits seit
zehn Jahren gibt es die Palliativ­
station im EvKB am Standort
Johannesstift. Sie war damals die
erste in Bielefeld.
Marion Bögeholz (v. l.), Lutz Drink, Karin Niekamp und Krankenpfleger Christian
Gärtner beim Übergabegespräch.
Sanft streichelt der Pfleger über die Hand seines Patienten.
Der 72-jährige Heinz Weber * wird auf der Palliativstation im
Ev. Krankenhaus Bielefeld (EvKB) versorgt. Er weiß, dass er
nicht mehr lange leben wird. Die Vorstellung, im Krankenhaus
zu sterben, macht ihm keine Angst. Im Gegenteil: »Ich möchte
hier bleiben bis zuletzt«, sagt er. Mit einem Team aus Ärzten,
Pflegekräften, Therapeuten, Sozialarbeitern, Seelsorgern, Ethikern und ehrenamtlichen Helfern steht das EvKB Menschen in
der letzten Lebensphase zur Seite.
Auf der Palliativstation werden
Menschen mit einer fortgeschrit­
tenen, nicht heilbaren Krank­
heit aufgenommen. Im Vorder­
grund steht die Linderung der
10
Beschwerden. Das Behandlungs­
ziel ist die Verbesserung der
Lebensqualität. Die Begleitung
erfolgt nicht ausschließlich in der
letzten Lebensphase. Ein Großteil
der Patientinnen und Patienten
leidet an einer unheilbaren Krebs­
erkrankung und wechselt von
der onkologischen Behandlung
zur palliativen Versorgung. Auch
von anderen Krankenhäusern
und von ambulanten Diensten
werden die Patienten an das
EvKB vermittelt.
Mit aller Empathie
»Unser Auftrag ist es, die Men­
schen ganzheitlich zu unterstüt­
zen und durch alle Phasen zu
begleiten«, sagt Prof. Dr. Florian
Weißinger, Chefarzt der Klinik
für Innere Medizin, Hämatologie,
Onkologie und Palliativmedizin.
Fotos (2): EvKB
Vom hektischen Klinikalltag ist
auf der Palliativstation am Stand­
ort Johannesstift nicht viel zu
spüren. Auch optisch unterschei­
det sich dieser Bereich vom Rest
des Krankenhauses: Das Licht
ist gedimmt. Die Wände sind in
Pastelltönen gestrichen, und an
den Türen hängen Schmetterlinge
und Herzen. »Hier muss man
sich einfach wohl fühlen«, so
Heinz Weber. Zu dem Palliativ­
team hat er ein enges Verhältnis.
»Wir haben schon einen langen
gemeinsamen Weg auf der
Onkologie hinter uns«, erklärt
Dennis Kuchenbecker, der in
Palliativpflege ausgebildet ist.
Obwohl es auf der Palliativstation
keine Hoffnung auf Heilung gibt,
machen die Patientinnen und
Patienten keinen verzweifelten
oder traurigen Eindruck. »Die
meisten Leute wären irritiert,
wie viel hier gelacht wird«, sagt
Dennis Kuchenbecker. Ihm ist
es wichtig, auch in der letzten
Lebensphase normal mit den
kranken Menschen umzugehen.
Damit fühlten sich die Patienten
wohler. Immer wenn er Heinz
Webers Zimmer betritt, strahlt
dieser übers ganze Gesicht. Der
Betheler Pfleger nimmt sich Zeit,
hört zu und scherzt mit dem
älteren Mann. »Natürlich gehen
Chefarzt Prof. Dr. Florian Weißinger.
Menschen in …
die Schicksale nicht spurlos an
einem vorüber, deswegen erfül­
len wir unsere Aufgabe mit aller
Empathie«, so Prof. Weißinger.
»Aber wir wollen nicht mit einer
Trauermiene umherlaufen.«
Begleitung der Angehörigen
Foto: Weische
Besonders viel Einfühlungsver­
mögen brauchen auch Karin
Niekamp und Lutz Drink. Beide
sind ehrenamtliche Helfer des
Hospiz e.V., Bethel und betreuen
regelmäßig Patientinnen und
Patienten in den EvKB­Kliniken
Dennis Kuchenbecker nimmt sich Zeit für seinen Patienten.
Leitender klinischer Ethiker Dr. Klaus
Kobert.
am Standort Bethel. »Wir machen
ganz alltägliche Dinge. Wir
hören zu, lesen vor, unterhal­
ten uns, gehen spazieren oder
halten manchmal einfach nur
die Hand«, erzählen die beiden.
Dabei erleben sie auch schöne
Momente. »Hospizarbeit muss
nicht nur traurig sein, sie kann
auch lustige Situationen bereit­
halten«, bestätigt Lutz Drink.
»Es ist toll, wer oder was einem
begegnet.«
Oft seien es auch gar nicht die
schwerkranken Menschen, die
Unterstützung von den ehren­
amtlichen Begleiterinnen und
Begleitern benötigten, sondern
ihre Angehörigen. »Viele Patien­
ten haben keine Angst vor dem
Tod, aber für ihre Familien ist es
schwer«, sagt Marion Bögeholz,
Koordinatorin der Hospizarbeit
am EvKB­Standort Bethel. »Einen
wichtigen Teil macht deshalb
auch die Trauerbegleitung der
Angehörigen aus.« Karin Nie­
kamp erinnert sich gut an einen
Patienten, der in ihrer Anwesen­
heit gestorben ist. »Es hat der
Familie Trost gegeben, dass ich
in den letzten Minuten bei ihm
war.«
Frage der Einstellung
Die ehrenamtliche Sterbebeglei­
tung im Betheler Krankenhaus
wurde auf Initiative des klini­
schen Ethikkomitees im EvKB
aufgebaut. »Gerade wir als evan­
gelisches Krankenhaus müssen
den Menschen im Blick behalten.
Das zeichnet Bethel schließlich
aus«, sagt Dr. Klaus Kobert, lei­
tender klinischer Ethiker im EvKB.
Das Ethikkomitee unterstützt die
Kliniken und das Personal unter
anderem bei ethischen Fragen
und ermöglicht Schulungen. So
bietet es zum Beispiel regelmäßig
Fortbildungen in Palliativmedizin
und ­pflege für Mitarbeitende
anderer Stationen an. Die Kurse
beinhalten relevante Themen wie
Schmerztherapie, Symptomkont­
rolle und Kommunikation.
Auch wenn sowohl das Palliativ­
team als auch die ehrenamtlichen
Hospizbegleiter regelmäßig mit
dem Tod konfrontiert werden,
empfinden sie ihre Aufgaben als
befriedigend und schön. »Das
ist eine Frage der Einstellung«,
erklärt Dennis Kuchenbecker. Das
Sterben gehöre zum Leben dazu
und sei nichts Schlimmes. Viel
wichtiger sei das »WIE«. »Wir
tun alles dafür, dass Menschen in
Würde sterben können.«
– Christina Heitkämper –
* Name von der Redaktion
geändert
11
Neues Wohnangebot in Witten­Annen
Eine Chance für das abstinente Leben
Der erste Eindruck ist positiv:
Die neue Einrichtung in der
Kreisstraße in Witten wirkt
einladend und freundlich. Mit
der weißen Fassade und den
vereinzelten Farbakzenten
fügt sich das dreistöckige
Gebäude harmonisch in die
Nachbarschaft ein. 2,2 Millionen Euro hat der Neubau von
Bethel.regional gekostet. Er
bietet 16 Plätze für erwachsene Menschen mit einer
Abhängigkeitserkrankung.
»Die Männer und Frauen, die
das Angebot nutzen, benötigen ein stationäres Angebot,
um langfristig abstinent leben
zu können«, so die Bereichsleiterin Barbara Kristen.
Am 18. August wurde die Ein­
richtung eröffnet. Günter Ditt­
feld zog als zweiter Bewohner
einen Tag später ein und hatte
noch freie Zimmerwahl. »Für
mich ist das Apartment neben
der Dachterrasse das Schönste«,
sagt der 63­Jährige, der sich sein
eigenes Reich schon wohnlich
hergerichtet hat. Günter Dittfeld
nennt sich selbst ein Wittener
Urgestein. Er ist froh, ein zent­
rales Angebot in seiner Hei­
matstadt gefunden zu haben.
Geschäfte, Arztpraxen oder auch
der S­Bahnhof sind fußläufig
erreichbar.
Alle Apartments im Haus Kreis­
straße haben eine Grundausstat­
tung, unter anderem mit Bett,
Kleiderschrank, Tisch und Stüh­
len. Zu jedem Zimmer gehört ein
eigenes Duschbad. Wer bei schö­
nem Wetter nicht wie Günter
Dittfeld auf der großen Dachter­
rasse sitzen möchte, hat auf wei­
teren Zwischenebenen die Mög­
lichkeit, sich draußen aufzuhal­
ten. Und wem das immer noch
nicht ausreicht, der kann über
das Grundstück zum anliegen­
den Rad­ und Spazierweg »Rhei­
nischer Esel« ins Grüne gehen.
12
Anne Schuler (l.) und Barbara Kristen vor der neuen Einrichtung in Witten.
Die Bewohnerinnen und Bewoh­
ner im Haus Kreisstraße haben
über Jahrzehnte Alkohol oder
Medikamente missbräuchlich
konsumiert. Einige Klienten kom­
men aus der Wohnungslosen­
Szene. Das multiprofessionelle
Team mit 14 Mitarbeitenden,
zum Beispiel aus den Bereichen
der Sozialarbeit, Pflege oder Heil­
pädagogik, erarbeitet mit jedem
Klienten einen individuellen Teil­
habeplan. Eines der Ziele muss
die dauerhafte Abstinenz sein.
»Uns ist klar, dass es zu Rückfäl­
len kommt. Mit Rückfällen arbei­
ten wir, aber nicht mit Trinkpau­
sen. Wir möchten erkennen, dass
der Bewohner mitwirkt. Sonst ist
das hier das falsche Angebot«,
betont Barbara Kristen.
Aufgrund ihrer Suchterkrankung
haben viele Bewohnerinnen und
Bewohner körperliche Beein­
trächtigungen sowie Merk­ und
Gedächtnisstörungen. Sie haben
verlernt, gut für sich zu sorgen,
neue Kontakte zu knüpfen und
gemeinsam etwas zu schaffen.
»Wir unterstützen sie darin,
den Alltag zu gestalten, eine
Lebensplanung zu erarbeiten,
persönliche Angelegenheiten
zu regeln und Krisen zu bewäl­
tigen«, so Anne Schuler, die als
Bereichskoordinatorin für das
Haus Kreisstraße zuständig ist.
Zu den Alltagsaufgaben, die neu
erlernt werden müssen, gehört
einkaufen zu gehen genauso wie
ein Butterbrot zu schmieren oder
das Bad sauber zu halten. Die
Einrichtung bietet keine Vollver­
sorgung und keinen Hauswirt­
schaftsdienst. Bei der Arbeit im
Haushalt steht den Bewohnern
eine Assistenz zur Seite.
Jede Etage hat eine eigene
Küche, in der sich die Bewohner
etwas kochen können. Im Erd­
Eine Chance für …
Das Haus Kreisstraße ist eine
Erweiterung des Hauses »Am
Stift« in Gevelsberg, das zur
Betheler Suchtkrankenhilfe
gehört. »Der Kostenträger hat
uns gebeten, ein weiteres Ange­
bot zu schaffen. Denn der Bedarf
in der Region Südwestfalen/
Ruhr ist hoch«, betont Barbara
Kristen. Ganz in Ruhe haben die
Bethel.regional­Mitarbeitenden
in Witten nach dem geeignets­
ten Standort gesucht. Die Kreis­
straße erwies sich als optimal.
»Eine Ärztin, die auch Patienten
in der Bethel­Einrichtung für psy­
chisch Kranke in der Billerbeck­
Fotos: Schulz
geschoss befindet sich eine Trai­
ningsküche. »Die gute Ausstat­
tung der Küche und der Apart­
ments soll die Wertschätzung
gegenüber den Klienten zum
Ausdruck bringen«, so Anne
Schuler. Vor allem die Bewoh­
ner, die vorher wohnungslos
waren, seien sehr angetan von
dem Standard. So überlege sich
der eine oder andere, ob es sich
nicht lohne, dafür abstinent zu
bleiben. Allerdings ist das Ziel der
Maßnahme nicht, die Klienten
dauerhaft in der Einrichtung zu
halten, sondern sie auf ein Leben
in einer eigenen Wohnung vor­
zubereiten.
»Hinterhof-Stillleben« in der Kreisstraße.
straße versorgt, hat ihre Praxis in
Witten­Annen. Dadurch war uns
der Stadtteil bekannt. Hier hat
sich ein sehr aktiver Sozialraum
entwickelt«, so Barbara Kristen.
Plätze für Einzelwohnen
Um sich der Nachbarschaft vor­
zustellen, hat sich Bethel schon
am Frühlingsfest im »Park der
Generationen« mit einer Trom­
melgruppe beteiligt und seine
Angebote vorgestellt. Beim Richt­
fest des Hauses Kreisstraße seien
auch Nachbarn dabei gewesen,
Günter Dittfeld hat sich sein Apartment wohnlich zurechtgemacht.
freut sich Barbara Kristen. »Lang­
sam lernen wir uns kennen und
fangen an, uns zu grüßen. Auch
der Kontakt zur evangelischen
Kirchengemeinde ist gut.« Der
Pfarrer hat sein Kommen zur offi­
ziellen Eröffnung am 20. Oktober
zugesagt.
Zum Wohnangebot in der Kreis­
straße gehören auch zwei Plätze
des stationären Einzelwohnens
ganz in der Nähe der Einrich­
tung. Die externen Klienten
können an den tagesstrukturie­
renden Angeboten im Haus, wie
Werk­ und Ergotherapie oder
Suchtgruppe, teilnehmen. »In
der Suchtgruppe geht es um
Fragen wie: Wer bin ich ohne
Sucht? Wie gehe ich mit Rück­
fällen um? Und wie bewältige
ich meinen Alltag, ohne mich
zu betäuben?«, so die Sozialpä­
dagogin Heike Stechert, die die
Gruppe leitet. Sie, ihre Kollegen
und die Bewohner sind Pioniere
in der neuen Einrichtung. Und
das gibt ihnen Freiraum zur
Gestaltung. »Wir freuen uns
auf das, was vor uns liegt. Das
ist alles sehr spannend«, betont
Barbara Kristen.
– Silja Harrsen –
13
Zweiter Fachtag zur forensischen Nachsorge
»Offenheit lässt keinen Raum für hinderliche Fantasien!«
Zum Fachtag konnte (v. l.) Prof. Dr. Günther Wienberg die Referenten Dr. Friedhelm
Schmidt-Quernheim, Michael Fallenstein (Bethel.regional Ruhrgebiet), Thomas
Strzelczyk, Ernst Belschner (GPVA Berlin) und Bruno Reinke begrüßen.
Ein psychisch kranker Rechtsbrecher, der aus einer Klinik des
Maßregelvollzugs in die ambulante forensische Nachsorge
wechselt – im Rahmen der Langzeitbeurlaubung oder der
bedingten Entlassung –, ist kein freier Mann. Für ihn gelten
gerichtliche Auflagen zur Betreuung, zu therapeutischen Maßnahmen und zur Führungsaufsicht. Damit der Übergang von
»drinnen nach draußen« gelingt, bedarf es einer sorgfältigen
Planung. Dies war ein zentrales Thema des zweiten Betheler
Fachtags zur forensischen Nachsorge Ende August in der Neuen
Schmiede in Bielefeld-Bethel.
Die forensische Fachambulanz ist
die Schnittstelle zwischen einer
Vielzahl von Akteuren, die für
die schrittweise Wiedereinglie­
derung eines Patienten wichtig
sind: Sie muss Brücken schlagen
zwischen der Klinik des Maßre­
gelvollzugs, der Führungsauf­
sicht und der Bewährungshilfe,
der künftigen Wohneinrichtung
oder dem Betreuten Wohnen,
der Suchtkrankenhilfe, Arbeitge­
bern, Familie und niedergelas­
senen Ärzten oder auch Anbie­
tern von Freizeitaktivitäten. Vor
dem Übergang in die Nachsorge
müssten der individuelle Hilfe­
bedarf beschrieben und der
Kontakt zu den entsprechen­
den Hilfesystemen aufgenom­
men sein, sagte Dr. Friedhelm
14
Schmidt­Quernheim, Referent für
Nachsorge beim NRW­Landes­
beauftragten für den Maßregel­
vollzug und Diplom­Pädagoge in
der Forensischen Ambulanz der
LVR­Klinik Düren. Die forensische
Fachambulanz habe eine Lotsen­
funktion.
Enge Unterstützung
Mitarbeitende der künftigen
betreuenden Einrichtung wüss­
ten, dass Patienten aus einer
forensischen Klinik oft gut vor­
bereitete Patienten seien, so
Dr. Schmidt­Quernheim. Alle
Beteiligten seien frühzeitig und
umfassend über den Klienten
und seine Geschichte zu infor­
mieren. Bei der Übernahme des
Patienten müsse verbindlich ge­
klärt werden, wer welche Aufga­
ben übernehme. Die künftigen
Betreuer könnten vom Maßregel­
vollzug einfordern, dass er die
Kontinuität der Behandlung
sicherstelle, einen aufsuchenden
Kontakt und eine ständig aktu­
alisierte Risikoeinschätzung ge­
währleiste sowie in einer Krise
sofort interveniere. »Eine umfas­
sende Information und eine enge
Unterstützung sind wichtig für
die Sicherheit in der Nachsorge«,
so Dr. Schmidt­Quernheim. Und
es gebe eine »Rücknahmegaran­
tie«: Die stationäre Wiederauf­
nahme des Patienten ist vorge­
sehen, wenn sich eine kritische
Entwicklung abzeichnet oder der
Patient dies wünscht.
In den v. Bodelschwinghschen
Stiftungen Bethel werden derzeit
in den verschiedenen Regionen
102 Menschen in der forensi­
schen Nachsorge betreut. Aus
Berlin, Lobetal, Bielefeld und
dem Ruhrgebiet stellten Mitar­
beiter vor, wie in ihren Bereichen
die Aufnahme dieser Klienten
geregelt ist. Ein »Muss« ist für
alle, dass es einen intensiven
Kontakt zwischen allen Beteilig­
ten gibt und Absprachen verläss­
lich sind, dass ein individueller
Hilfe­ und auch Krisenplan sowie
eine vollständige Information
über den Patienten vorliegen.
»Offenheit bezüglich der Vor­
geschichte und des Delikts lässt
keinen Raum für hinderliche Fan­
tasien«, so Thomas Strzelczyk,
stellvertretender Verbundleiter in
der Lobetaler Behindertenhilfe.
»Das ist auch wichtig für die
erfolgreiche Wiedereingliederung
forensischer Patienten.«
Mitarbeiterschulungen, Fachfort­
bildungen, ein­ bis zweiwöchige
Praktika in einer forensischen
Klinik, aber auch umgekehrt
Hospitationen von Klinik­Mitar­
beitenden in Einrichtungen der
»Offenheit lässt …
In den Pausen gab es einen regen Austausch.
Risikoeinschätzung
Methoden zur Risikoeinschätzung erläuterte Jan Cronshage
von der Aufsuchenden Forensischen Ambulanz des Ev. Krankenhauses Bielefeld in seinem
Workshop »Zwischen Checkliste
und Bauchgefühl«. Eine früh
beginnende Delinquenz mit
einer zunehmenden Schwere
der Taten, eine antisoziale,
aggressive Persönlichkeit, eine
kriminalitätsbegünstigende Einstellung – »Diebstähle sind im
Preis inbegriffen« – und ein kriminogener Bekanntenkreis als
soziale Einbettung seien die »big
four«, die laut der kanadischen
Wissenschaftler Andrews und
Bonta die Rückfallwahrscheinlichkeit erhöhten; hinzu kommen
vier weitere Faktoren: die Familie
– ist sie dissozial und hat multiple
Probleme –, der Aspekt der Leistung – welche Ausbildung hat der
Betreffende, welche Leistungsmo-
tivation –, das Thema »Freizeit«
– die Mitgliedschaft in einem
Verein ist positiver zu bewerten
als ein »Sich-Treiben-Lassen«
auf der Straße – und der Faktor
»Suchtmittel«. Diese »central
eight« haben den größten Einfluss auf die Rückfallwahrscheinlichkeit. Es gibt einen Erfassungsbogen, in dem 54 Punkte
zu diesen Faktoren gewichtet
werden. So wird ein möglicher
Handlungsbedarf deutlich. »Die
acht Faktoren sollten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Hinterkopf mitlaufen lassen, wenn ein
neuer Klient vorstellig wird«, riet
Jan Cronshage.
Im Stiftungsbereich Bethel.regional wurde jetzt mit Mitteln der
Stiftung Wohlfahrtspflege das
»KIBA.netz« als ein KompetenzNetzwerk für Mitarbeitende in
Intensiv Betreuten Angeboten
eingerichtet. Auch mit Fragen
zur forensischen Nachsorge können sich Mitarbeitende dorthin wenden. Die Koordinatorin
Monja Emmel ist unter Tel. 0231
42579360 zu erreichen.
– Petra Wilkening –
Fotos: Schulz
Eingliederungshilfe nannte Bruno
Reinke, Bereichsleiter im Bereich
»Fachkrankenhaus« von Bethel.
regional, als weitere unverzichtbare Maßnahmen in der forensischen Nachsorge. Mitarbeitende
in den Einrichtungen müssten
die Frühwarnzeichen einer sich
anbahnenden Krise erkennen
können.
In einer abschließenden Gesprächsrunde sprachen zwei
Klienten über ihre positiven
Erfahrungen mit der Betheler
Nachsorge. Sie machten deutlich,
dass sie dank der qualifizierten
Hilfe eine neue Perspektive für
ihre Zukunft entwickeln konnten.
Die Nachsorgearbeit sei ein wichtiges Aufgabenfeld und entspreche der sozialpolitischen Positionierung und der diakonischen
Identität Bethels, unterstrich
Bethel-Vorstand Prof. Dr. Günther Wienberg. Er dankte den
Mitarbeitenden für ihren Einsatz
und versicherte sie des Rückhalts
durch den Vorstand. »Wir stehen
zu dieser Aufgabe auch in der
Öffentlichkeit!«
Jan Cronshage informierte über Methoden der Risikoeinschätzung.
15
Prototyp einer barrierefreien Außenkegelbahn
»Alle Neune« für das Haus Ophra
Fotos: Elbracht
jemand wirft. Der Sport soll Spaß
machen und nicht frustrieren«,
erläutert der Leiter des Hauses
Ophra II Vaughan Waters. Die
kürzere, steilere Bahn ist für Roll­
stuhlfahrer gedacht, die längere,
flache für Kegler, die stehen
können. »Die beiden Bahnen
machen es möglich, dass Men­
schen mit ganz unterschiedlichen
Behinderungen miteinander spie­
len können.«
Als alles fertig war, lud Vaughan Waters (l., vorne) alle Beteiligten zum Grillen ein.
»Und jetzt noch einmal in die Vollen, Janne!« Vaughan Waters
feuert Janne Knüppel mit aufmunternden Worten an. Die 38jährige behinderte Frau kegelt leidenschaftlich gern. Bisher tat
sie das immer im Sport- und Kulturzentrum SpuK in BielefeldEckardtsheim. Seit Kurzem braucht sie aber nur noch vor die Tür
zu gehen. Denn im Garten der beiden Häuser Ophra I und II gibt
es eine neue Kegelbahn.
Diese Kegelbahn fällt auf. Ers­
tens hat sie zwei Laufflächen,
und zweitens sind diese schräg.
»Dadurch ist gewährleistet,
dass alle Kugeln bei den Kegeln
ankommen, egal wie schwach
Kegeln ist ein beliebter Sport
und bringt Menschen mit Behin­
derungen auf spielerische Art
und Weise in Bewegung. Die
barrierefreie Außenkegelbahn
mit unterschiedlichen Laufflä­
chen hat Vaughan Waters erfun­
den. Vergangenes Jahr entstan­
den an seinem Schreibtisch die
ersten Skizzen auf Schmierpa­
pier. Nach vielen Versuchen war
er endlich zufrieden mit seinem
Entwurf. Mit Hilfe von Spenden
wurde aus der Idee ein Projekt,
für das sich mehrere Abteilungen
in Bethel engagierten.
Gelungene Zusammenarbeit
Die Bauunterhaltung erstellte
von dem Prototyp professionelle
Zeichnungen. Die Beschäftigten
der Holz­ und Metall­Werkstät­
ten Wilhelmsdorf und Kracks
fertigten die Holzkegel, Aufstell­
hilfen, Kugelrückläufe, Banden
und Bänke an. Und die Eckardts­
heimer Gärtner leisteten ihren
Beitrag, indem sie den Boden im
Garten planierten, Schotter auf­
füllten und Steine verlegten.
Knapp vorbei! Janne Knüppel und ihre
Mutter Krista Knüppel sind häufig auf
der Kegelbahn.
16
Karin Wächter und Vaughan Waters
können sicher sein, dass die Kugel ankommt – die Lauffläche hat ein Gefälle.
Mit einem Grillfest für alle Mit­
wirkenden wurde die Kegel­
bahn offiziell eingeweiht. Die
Stimmung war gut, denn es war
zuvor schon das eingetreten, was
alle gehofft hatten: Die Kegel­
bahn in Eckardtsheim wird viel
und gerne genutzt.
– Silja Harrsen –
Fachtag zur neurologischen Rehabilitation
Und er fand trotzdem statt –
der Fachtag im Haus Rehoboth. Das war nicht selbstverständlich, denn eine Woche
zuvor hatte es in der Einrichtung für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen
(MEH) in Bielefeld-Eckardtsheim gebrannt. Als jedoch die
rund 100 Gäste Anfang September zu der Veranstaltung
kamen, waren die Schäden
fast schon beseitigt. »Wie die
Mitarbeitenden zusammengestanden, mitgeholfen und
sich um die Bewohnerschaft
gekümmert haben, ist vorbildlich«, lobte Christoph Siedersleben vom Fachkrankenhaus-Leitungsteam.
Das Wichtigste zuerst: Von den
45 Bewohnerinnen und Bewoh­
nern wurde bei dem Feuer nie­
mand verletzt. Darüber infor­
mierte die Bereichsleiterin Sandra
Waters, bevor sie die postakuten
neurorehabilitativen Maßnahmen
im Haus Rehoboth vorstellte.
»Menschen mit erworbenen
Hirnschädigungen sind in der
Regel körperlich eingeschränkt,
zeigen psychiatrische Symptome
und haben kognitive Beeinträch­
tigungen«, so Sandra Waters.
Um verbliebene Fähigkeiten zu
trainieren, biete die Betheler
MEH­Einrichtung eine Reihe spe­
zifischer Therapien an, wie Hirn­
leistungstraining oder Kunstthe­
rapie. Ein ganz neues Angebot
ist die Golftherapie, die von den
Bewohnerinnen und Bewohnern
sehr gut angenommen wird.
Damit können auf spielerische
Weise Motorik, Kraft und die
Hand­Augen­Koordination trai­
niert werden.
Die Hirnverletzungen führen
bei jedem einzelnen Betroffe­
nen zu ganz unterschiedlichen
Beeinträchtigungen. Um diese
herauszufinden, durchlaufen
neu aufgenommene Bewohne­
Foto: Schulz
In der Einrichtung Rehoboth tut sich etwas
Die MEH-Experten (v. l.) Dr. Nicole Frommann, Björn Andersen, Sandra Waters und
Christoph Siedersleben führten durch den Fachtag im Haus Rehoboth.
rinnen und Bewohner im Haus
Rehoboth eine »Assessment­
phase«. »Körperliche Behinde­
rungen sind sichtbar. Aber kog­
nitive und emotionale Defizite
kann man allenfalls durch das
Verhalten herausfinden«, sagte
Björn Andersen. Der klinische
Neuropsychologe hat lange Zeit
in leitender Funktion im Haus
Rehoboth gearbeitet und viele
betroffene Menschen begleitet.
»Auch nach 20 Jahren Tätigkeit
im Hilfefeld MEH bin ich immer
wieder überrascht, wie vielfältig
die Folgen von Hirnerkrankun­
gen sind«, stellte er fest.
Erkennbares Profil
Im Haus Rehoboth wird Rehabili­
tationsplanung nun zur Kernak­
tivität. Das kündigte Christoph
Siedersleben an. »Wir sind zirka
acht Jahre nach Gründung der
Einrichtung dabei, das Konzept
zu überarbeiten und aktuellen
Erfordernissen anzupassen«,
betonte Christoph Siedersleben,
der seit März für das Haus Reho­
both und den fachlichen Schwer­
punkt MEH in den Fachkranken­
häusern Bethel und Eckardtsheim
zuständig ist. »Ziel ist es, ein
fachlich konturiertes, erkennba­
res Profil unserer Angebote zu
entwickeln, das für Betroffene,
Angehörige, Kooperationspart­
ner und Kostenträger verlässlich
etabliert ist.«
Zu dem erkennbaren Profil ge­
hört auch das Diakonische. Im
Haus Rehoboth werden neben
den Bewohnerinnen und Bewoh­
nern auch deren Angehörige
von den Seelsorgerinnen mitbe­
treut. »Die Hirnschädigung eines
Angehörigen hat erhebliche Aus­
wirkungen auf die ganze Fami­
lie«, so Dr. Nicole Frommann.
Die theologische Direktorin des
Ev. Krankenhauses Bielefeld war
viele Jahre als Pastorin für die
Betheler MEH­Einrichtungen
zuständig und hat zum Thema
Seelsorge bei Menschen mit
erworbenen Hirnschädigungen
promoviert. »Seelsorge kann in
trostlosen Situationen ein Ort des
Tröstens, der Ermutigung und
des Aushaltens sein«, sagte sie.
»Auch mit einer Hirnschädigung
ist das Leben wert, gelebt zu
werden.«
– Silja Harrsen –
17
Bethel in Weyhe
Über die Jugendwerkstatt in das Berufsleben
»Man weiß nie, was einen erwartet!«
Für viele junge Menschen geschieht in der Jugendwerkstatt Weyhe eine lebensentscheidende »Weichenstellung«.
In einer ehemaligen Trafo-Station, die an Bahngleise angrenzt
und an einen Bahnhof erinnert, befindet sich die Jugendwerkstatt Weyhe. Das dunkelbraune Backsteingebäude rund acht
Kilometer südlich von Bremen ist für viele junge Menschen ein
zukunftsweisender Ort in ihrem Leben. Für einige ist das Angebot die letzte große Chance, eine Perspektive zu entwickeln.
Privat wie beruflich stellt die Einrichtung viele »Weichen«.
Am heutigen späten Vormittag
wird in der Kirchweyher Straße
vor allem Zweierlei »hergestellt«:
Liegestühle und Möhrenlasagne.
Denn in der Jugendwerkstatt
werden gleichzeitig der Koch­
löffel geschwungen und die
Kreissäge bedient. Die Einrich­
tung besteht aus zwei Fachberei­
chen: der Hauswirtschaft und der
Tischlerei – beide nur durch eine
Tür voneinander getrennt. Dar­
um vermischen sich die Gerüche
von Leim und Spänen mit den
Düften aus der Küche und dem
Geruch von frischer Wäsche.
Ein »Hauswirtschaftstyp«
Der 21­jährige Justin Lemke steht
grübelnd mit einem Haufen nas­
ser weißer Wäsche im Arm vor
Der enge und vertrauensvolle Kontakt ist Einrichtungsleiterin Petra Scholten (2. v. r.)
besonders wichtig im Umgang mit den jungen Menschen.
18
einem Trockner. »Frau Könken!
Welche Einstellung muss ich an
dem Trockner wählen?«, ruft er
in die angrenzende Küche. Mit­
arbeiterin Christina Könken, die
in der Urlaubszeit den Anleiter
Michael Schomaker vertritt, steht
mit einem anderen jungen Teil­
nehmer an einem Herd und gibt
Tipps für eine gelungene Möh­
renlasagne. »Stell auf ‚Bügel­
feucht‘!«, ruft sie zurück. Justin
Lemke dreht den Schalter und
hilft anschließend in der Küche
beim Spülen. Die Arbeit macht
ihm sichtlich Spaß. »Ich bin mehr
der Hauswirtschaftstyp«, sagt er
mit einem Augenzwinkern. Einen
Monat lang habe er den Holz­
bereich ausprobiert und schnell
festgestellt, dass er handwerklich
nicht begabt sei.
Justin Lemke ist seit einem Jahr
in der Jugendwerkstatt Weyhe.
Bald will er seinen Hauptschul­
abschluss nachholen. In der
Jugendwerkstatt lernt er aber
zunächst, sich an den Rhythmus
einer 30­Stunden­Arbeitswoche
zu gewöhnen. »Ich brauche
Struktur. Das ist das Allerwich­
tigste für mich«, sagt er. Die
Jugendwerkstatt sei eine gute
Hilfe für ihn – und eine wertvolle
Erfahrung. Denn in der Einrich­
tung habe er festgestellt, dass
ihn der soziale Bereich reize.
»Jetzt weiß ich, dass ich später
mal eine Ausbildung zum Alten­
pfleger machen will oder in der
Jugendhilfe arbeiten werde«, so
Justin Lemke.
Die jungen Menschen in der
Kirchweyher Straße haben
alle Probleme, auf dem ersten
Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die
Bethel in …
Die Beschäftigung und Betreu­
ung in der Jugendwerkstatt
Weyhe soll den Teilnehmerinnen
und Teilnehmern im Alter bis 27
Jahren den Start oder die Wie­
dereingliederung in das Berufs­
leben erleichtern. Das geschieht
vor allem über das Training von
Betriebsabläufen, von der Kun­
den­Akquise bis zum Verkauf,
und über das Erlernen von All­
tagsfähigkeiten.
Disziplin und Motivation
Christina Könken lernt bei ihrer
Arbeit sehr unterschiedliche junge
Menschen kennen. »Es ist schön,
dass ich immer wieder positi­
ve Lebensverläufe erlebe – trotz
aller Probleme, die die jungen
Menschen haben«, sagt die
57­Jährige. Das größte Problem
seien Disziplin und Motivation.
Justin Lemke will später im sozialen
Bereich arbeiten.
Fotos: Schulz
Gründe dafür seien unter ande­
rem fehlende Schulabschlüsse,
Vorstrafen, Verhaltensauffällig­
keiten oder psychische Erkran­
kungen, informiert Einrichtungs­
leiterin Petra Scholten. Auch
Schulden seien ein großes Pro­
blem. »Handyschulden haben
eigentlich fast alle hier«, so die
Psychologin.
Sven Brethorst (l.) hilft dem 23-jährigen René Pfeiffer beim Zuschnitt von Brettern.
Christina Könken hat viel Ver­
ständnis für die Teilnehmer, die
über das Jugend­ oder Arbeits­
amt in die Einrichtung vermittelt
werden. »Viele müssen einfach
erst einmal richtig erwachsen
werden«, ist sie überzeugt. Es sei
wichtig, ihnen vorurteilsfrei zu
begegnen.
Im Holzbereich werden die
Teilnehmer von Sven Brethorst
angeleitet. Jeder Tag sei anders
in der Einrichtung, erzählt der
Tischlermeister. »Man weiß nie,
was einen erwartet und wer
morgens pünktlich auf der Matte
steht.« Es komme häufig vor,
dass jemand mehrere Tage nicht
erscheine, zum Beispiel wegen
psychischer Probleme. »Alle mit
ihren Eigenarten unter einen
Hut zu bekommen ist eine echte
Herausforderung«, so Sven Bret­
horst. Es sei aber umso erfreuli­
cher, dass es jedes Jahr gelinge,
Teilnehmer in eine Ausbildung
oder sogar direkt auf den ersten
Arbeitsmarkt zu vermitteln.
Die Jugendwerkstatt Weyhe
befindet sich im Erdgeschoss und
im hinteren Teil der ehemaligen
Trafo­Station. Die übrigen Teile
des Gebäudes werden von der
Gemeinde als Jugendhaus und
von der Volkshochschule im Kreis
Diepholz als Schulungsräume
genutzt. Das sei ganz hilfreich,
betont Petra Scholten. »Wir
haben auch einen allgemeinbil­
denden Auftrag, und unsere Teil­
nehmer haben so einen kurzen
Weg zu Angeboten wie Compu­
terkursen, Ernährungsberatung
oder Erste­Hilfe­Kursen.«
– Gunnar Kreutner –
Jugendwerkstatt Weyhe
· Einrichtung von Bethel im
Norden
· Eröffnet im April 1998
· 16 Plätze für junge Menschen
zur Heranführung an den Aus­
bildungs­ und Arbeitsmarkt
· Team: vier Mitarbeitende in
Voll­ und Teilzeit
· Maßnahme wird gefördert
mit Mitteln des Europäischen
Sozialfonds (ESF), des Landes
Niedersachsen, des Jobcenters
im Landkreis Diepholz und des
Landkreises Diepholz
19
Zu Gast beim DFB­U­16­Nationalteam
Janusz-Korczak-Schüler trafen Fußballstars von Morgen
Für zwölf Schüler der JanuszKorczak-Schule in Vechta,
einer Förderschule von Bethel
im Norden mit dem Schwerpunkt »Emotionale und soziale Entwicklung«, ging ein
kleiner Traum in Erfüllung.
Im Rahmen zweier Testspiele
der U-16-Nationalmannschaft
des Deutschen Fußball-Bundes
gegen Belgien konnten sich
die Schüler nicht nur ein Training anschauen und mit den
Fußballstars von Morgen
sprechen, sondern wurden
vom Delegationsleiter Dennis
Bessel auch eingeladen, die
erste Begegnung im Lohner
Stadion vor mehr als 5.000
Zuschauern live mitzuerleben.
Die Freude bei den jungen
Fußballfans war riesengroß.
Adrian und der elfjährige Mike;
zumal sie auch Stifte und Blät­
ter mitgebracht hatten, um sich
Autogramme geben zu lassen.
Und für die jungen Fußballer
war es eine Abwechslung zum
ansonsten stramm durchgeplan­
ten Tagesablauf. »Uns macht es
Spaß, die Jungs zu treffen, ihnen
zu erzählen, wo wir herkommen
und wie wir den Sprung in die
Nationalmannschaft geschafft
haben«, so der 15­jährige Jannis
Kübler, der im Nachwuchsbereich
des Zweitligisten Karlsruher SC
spielt.
Die Schüler waren ganz erstaunt
zu erfahren, dass selbst bei die­
sem achttägigen Lehrgang auch
Lehrer im Betreuerstab mit dabei
sind. »Wenn morgens trainiert
wird, dann haben wir eben am
Nachmittag Unterricht«, erklärte
der 14­jährige Alfons Amade
und schrieb weiter fleißig Auto­
gramme. Weil die Zettel schon
voll waren, wurden kurzerhand
die T­Shirts beschriftet. Und am
Ende des Treffens durfte dann
natürlich auch ein gemeinsa­
mes Foto nicht fehlen. »Das
bekommt in unserer Schule
einen Ehrenplatz«, versprach
Klaus Waldhelm zum Abschluss.
– Ingolf Semper –
Fotos: Semper
Auf die Frage von Schulleiter
Klaus Waldhelm, aus welchen
Vereinen die Spieler dieser
Jugend­Nationalmannschaft
kämen, hagelte es nur so Namen
von Erst­ und Zweitligisten. Dar­
unter waren Spieler von Borussia
Dortmund, Hoffenheim, Schalke
04, Werder Bremen, vom Ham­
burger Sport­Verein, von Ein­
tracht Frankfurt und vom FC St.
Pauli. »Das ist schon toll, solch
ein Training einmal mitzuerleben
und danach auch noch mit den
Spielern sprechen zu können«,
freuten sich der achtjährige
Die Fußballer Alfons Amade (l.) und Jannis Kübler nahmen sich Zeit für die Schüler
Adrian (2. v. l.) und Mike.
Das gemeinsame Foto mit der U-16-Nationalmannschaft wird einen Ehrenplatz in der Janusz-Korczak-Schule bekommen.
20
Fachtag in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Einschätzung der Fahreignung wirft viele Fragen auf
Eine Dauerbehandlung mit einem
Antidepressivum schließt eine
Teilnahme am Straßenverkehr
nicht automatisch aus. Die medi­
kamentöse Behandlung trägt
oft zu einer Verbesserung der
kognitiven Fähigkeiten bei. Die
Fahreignung eines behandelten
Patienten sei darum günstiger
einzuschätzen als die eines unbe­
handelten, so Dr. Felix Segmiller
von der Fahreignungsgruppe an
der Ludwig­Maximilians­Univer­
sität München. Allerdings müsse
man sedierende Antidepressiva
kritischer bewerten als neuere,
nicht sedierende Medikamente.
Unter den Antipsychotika beein­
trächtigen Neuroleptika der
ersten Generation die Fahreig­
nung stärker als die neueren, die
»atypischen«. Bei Patienten, die
mit einem »Typikum« behandelt
würden, sei eine fachliche Beur­
teilung der Fahreignung beson­
ders anzuraten, unterstrich Dr.
Segmiller.
Die Fahreignung wird in einer
Medizinisch­Psychologischen
Untersuchung (MPU) bewertet.
Deren Bestehen setze die Prob­
lemeinsicht des Teilnehmers vor­
aus, erläuterte Dr. Kirsten Heit­
land von der Bielefelder Begut­
achtungsstelle des TÜV Hessen.
»Lügen«, auswendig gelernte
Antworten, würden schnell auf­
gedeckt. Hilfreich sei aber eine
MPU­Vorbereitung, die die Aus­
einandersetzung mit dem eige­
nen Verhalten unterstütze. Ein
Foto: Elbracht
»Darf ich Auto fahren?«, werden Ärzte von ihren Patienten
oft gefragt, und die Antwort
ist nicht immer einfach. Die
Fahreignung bei psychiatrischen Erkrankungen und
Epilepsie war darum Ende
August das Thema eines
multiprofessionellen Fachtreffens in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in
Bielefeld-Bethel.
Bei dem Symposium referierten und moderierten (v. l.) Sybille Fuhrmann, Dr. Christina
Thissen, Dr. Felix Segmiller, Prof. Dr. Volker Dittmann, Dr. Kirsten Heitland sowie
Dr. Stefan Spannhorst, Dr. Stefan Kreisel und Prof. Dr. Martin Driessen von der Klinik
für Psychiatrie und Psychotherapie Bethel.
positives Beispiel gibt die Carl­
Friedrich­Flemming­Klinik für
Abhängigkeitskranke in Schwe­
rin. Hier gehe es um die Förde­
rung der Änderungsbereitschaft,
die Verbesserung der kognitiven
Leistungsfähigkeit oder auch
die Entwicklung alternativer
Verhaltensweisen, informierte
die leitende Oberärztin Sybille
Fuhrmann.
Aufklärungspflicht
Auch bei einer leichten Demenz
könne die Fahreignung positiv
eingeschätzt werden, wenn es
keine besonderen Auffälligkeiten
gebe, so Prof. Dr. Volker Ditt­
mann, Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Verkehrsmedizin.
Der Übergang zwischen unver­
meidbarem, erlaubtem und nicht
erlaubtem Risiko werde diskutiert,
es gebe hier eine breite Grauzone.
Für Menschen mit Epilepsie da­
gegen sind klare Regelungen
getroffen. So darf ein Kraftfahr­
zeug der Gruppe 1 steuern,
wer ein Jahr lang anfallsfrei war.
Lkw­ und Busfahrer müssten
fünf Jahre anfallsfrei gewesen
sein, erläuterte Dr. Ulrich Specht,
leitender Arzt der Rehabiliations­
abteilung im Epilepsie­Zentrum
Bethel. Ausführliche Informa­
tionen gibt es im Internet als
Download unter www.mara.de.
Ärzte sind verpflichtet, ihre Pati­
enten über Medikamente und
deren Folgen für die Fahreignung
aufzuklären. Diese Gespräche
sollten sie sorgfältig dokumentie­
ren, riet ihnen Rechtsanwältin
Dr. Christine Thissen aus Müns­
ter. Eine fehlende Dokumenta­
tion bedeutet, dass eine Auf­
klärung nicht zu beweisen ist.
In einem möglichen Verfahren
wird sie dann im Zweifelsfall als
»nicht stattgefunden« angese­
hen. Das Versäumnis werde als
Behandlungsfehler bewertet, der
Arzt müsse haften. Grundsätz­
lich gelte die Schweigepflicht,
aber es gebe auch den rechtfer­
tigenden Notstand und damit im
Ausnahmefall bei akuter Gefähr­
dungslage eine Sanktionsfrei­
heit bei Mitteilungen an Dritte.
Der Arzt müsse aber zunächst
mit dem Patienten sprechen. Sei
dieser uneinsichtig, bestehe das
Recht, aber nicht die Verpflich­
tung, Dritte zu informieren. Die
Verantwortung trägt letztendlich
der Verkehrsteilnehmer: Er macht
sich bei fehlender Fahreignung
strafbar.
– Petra Wilkening –
21
Tagesgestaltende Angebote Fliednerweg in Bielefeld­Eckardtsheim
»Bethel-Hotels« für Wildbienen und Glühwürmchen
alten Fachwerkhauses in Rheda­
Wiedenbrück. Aus dem Bau­
schutt dürfen sich die Baumeister
einige gut erhaltene Balken her­
aussuchen, die später den stabi­
len Rahmen für die Insektenho­
tels bilden sollen. »Wir wollen
nämlich nicht alles einfach aus
dem Baumarkt holen, was wir
benötigen«, betont Thorsten
Forke, der das Projekt gemein­
sam mit seinem Kollegen Jörg
Berensmeier leitet. Beide haben
die gesamte Gruppe für den
heutigen Tag standesgemäß mit
Bauhelmen ausgestattet.
Burkhard Brutzer (l.) und Jörg Berensmeier überlegen, für welche Insekten ein Tannenzapfen als Behausung geeignet sein könnte.
Rund 200 Zimmer, verteilt auf acht Etagen und wahlweise mit
Balkon oder Terrasse, sollen die Insektenhotels »Sonneck«
und »Ophra« haben – so viel steht bereits fest. Die »Architekten« vom Fliednerweg 7 in Bielefeld-Eckardtsheim haben
sehr genaue Vorstellungen, wie ihre Bauprojekte aussehen
sollen. »Es interessiert mich, welche Einrichtung wir für welche
Insekten nehmen müssen, damit sie sich wohl fühlen«, sagt der
73-jährige Ingo Schmitt.
Aus sicherer Entfernung beob­
achtet Ingo Schmitt gemeinsam
mit drei anderen Teilnehmern
und zwei Mitarbeitern der Tages­
gestaltenden Angebote (TGA)
Fliednerweg den Abriss eines
Der »Abriss­Besuch« in Rheda­
Wiedenbrück Anfang April war
der Start des Projekts »Insekten­
hotels«. Thorsten Forke ist über­
zeugt, dass das Projekt sehr gut
geeignet ist, die Teilnehmerin­
nen und Teilnehmer anzuregen
und ihnen gleichzeitig sichtbare
Erfolgserlebnisse zu vermitteln.
»Das Projekt vereint Vieles: Es
bietet einen gewissen Lerneffekt,
da wir etwas über die Insekten
lernen und natürlich auch viel
handwerklich arbeiten werden.
Außerdem ist es sehr gesellig
und macht Spaß«, so Thorsten
Forke. Gut sei auch, dass man
bei dem Projekt viel unterwegs
sei. »Die meisten Materialien
werden wir uns im Wald zusam­
mensuchen.«
Im dichten Unterholz
Der Abriss eines Fachwerkhauses war der Projektstart für (v. l.) Thorsten Forke, Jörg
Berensmeier, Ingo Schmitt, Franz Kümper, Burkhard Brutzer sowie (vorne) Klaus Primke.
22
Und so findet sich die Gruppe
wenige Tage später im dichten
Unterholz eines Wäldchens
wieder, das unmittelbar an den
Hinterhof der TGA Fliednerweg
angrenzt. Der 70­jährige Burk­
hard Brutzer kniet gemeinsam
mit Jörg Berensmeier auf einem
Trampelpfad. Beide begutachten
einen Tannenzapfen, der prima
als »Möbelstück« geeignet sein
könnte. Im Hintergrund ziehen
die übrigen Teilnehmer mit
einem Bollerwagen durch den
»Bethel-Hotels« …
Wald und sammeln Rinde, Moos
und Äste. »Später sollen die Teil­
nehmer alle diese Materialien in
den fertigen Hotels wiederfin­
den«, sagt Jörg Berensmeier.
Für Sonneck und Ophra
Die Bauanleitung für die fast
zweieinhalb Meter hohen Insek­
tenhotels haben Jörg Berensmeier
und Thorsten Forke aus dem
Internet. Die beiden Nist­ und
Überwinterungsstätten sollen als
Geschenke der TGA Fliednerweg
im Garten der Betheler Häuser
Sonneck und Ophra in Eckardts­
heim aufgestellt werden. Das
zweite Hotel für Ophra wird im
Winter fertig gestellt.
Zu der Projektgruppe gehört ein
fester Stamm von zehn Men­
schen mit Behinderungen oder
psychischen Erkrankungen, die
in Eckardtsheim wohnen. Alle
sind regelmäßige Nutzer der TGA
Fliednerweg, die bis Anfang des
Jahres noch »Tagesförderverbund
60Plus Fliednerweg« hieß. »Wir
wollen uns auch jüngeren Alters­
gruppen öffnen. Darum passte
der Name nicht mehr«, erläutert
Thorsten Forke die Änderung.
Einmal in der Woche arbeiten
die Teilnehmer am Insektenhotel.
Wenige Tage vor der offiziellen
Einweihung des ersten Hotels am
Haus Sonneck sind sie in ihrem
Gemeinschaftsraum mit den
letzten Handgriffen beschäftigt.
Es wird gebohrt, gehämmert und
gesägt. Ingo Schmitt füllt größere
Lücken in dem bereits aufgerich­
teten und sehr weit fortgeschrit­
tenen Hotel mit Moos aus. Dann
klopft er auf die Unterkante der
Konstruktion. »Unsere Hotels
werden so hoch gebaut, dass
auch Rollifahrer bis über die Knie
darunterfahren können«, sagt er.
Bevorzugte Wohnlage
Anfang September ist es dann
endlich soweit. Am Haus Sonn­
eck feiern einige Bewohnerin­
nen und Bewohner gemein­
sam mit den stolzen Architek­
ten den neuen Mittelpunkt in
ihrem Garten – natürlich mit
leckerem »Bienenstich«­Kuchen.
Das Insektenhotel steht gut
geschützt im Schatten großer
Fichten.
Fotos: Kreutner
Sonneck-Bewohnerin Renate Tietz gefällt das Rollstuhl-gerechte Geschenk der Projektgruppe um Jörg Berensmeier.
Ingo Schmitt hatte besonders viel Spaß
an den handwerklichen Aufgaben.
eine bevorzugte Wohnlage für
die Insekten: Südhang und gut
möbliert«, stellt er fest. »Und
mit schöner Aussicht!«, ergänzt
Ingo Schmitt. Hummeln, Wild­
bienen, Schlupfwespen, Glüh­
würmchen, Schwebfliegen und
Ohrwürmer sollen bald einziehen.
Der 76­jährigen Sonneck­Bewoh­
nerin Renate Tietz gefällt das
imposante Gebilde. Sie freut
sich, dass sie mit ihrem Rollstuhl
so dicht an die Wohnungen der
neuen Nachbarn heranfahren
kann. »Ich mag Insekten aber
nur, wenn sie nicht zwicken«,
sagt sie mit einem Schmun­
zeln. Auch Burkhard Brutzer ist
begeistert: »Wenn ich winzig
genug wäre, würde ich hier ein­
ziehen!«
– Gunnar Kreutner –
Jörg Berensmeier betrachtet das
Ergebnis zufrieden: »Das ist hier
23
»Sommerzirkus« in Dortmund
Inklusion macht Spaß
Dennise Traut aus dem Haus Winterkampweg trat mit der Gruppe »Tanzfieber« auf.
Die ersten Kontakte zwischen
der Jugendfreizeitstätte und dem
Haus Kesselborn hatte es im
Rahmen des Projekts »Vielfäl­
tiges Dortmund – eine inklusive
Stadt für Kinder und Jugend­
liche« gegeben. Aus diesem
Musikprojekt für Jugendliche
mit und ohne Behinderungen
im Tonstudio der Freizeitstätte
entstand die Band »Inklufusi­
on«, die beim »Sommerzirkus«
auftrat. Für Unterhaltung sorg­
ten auch »Jam Connection«, die
Tanzgruppen »Just Dance« und
»Tanzfieber« sowie der Zauberer
Jan Hendrix.
– PW –
Das inklusive Fest war ein voller Erfolg.
Tino Wiechers ließ sich von der fetzigen
Musik mitreißen.
Lukas Dylong, Leiter der Tagesgestaltenden Angebote Dortmund, und Lea Nell aus dem
Haus Kesselborn, machten gemeinsam Musik.
Fotos: Schulz
Gelebte Inklusion war der
»Sommerzirkus« rund um die
Jugendfreizeitstätte Marten
in Dortmund. Das Fest veranstalteten das Haus Kesselborn,
eine Einrichtung von Bethel.
regional für Menschen mit
Behinderungen, und die Jugendfreizeitstätte gemeinsam. Kinder, Jugendliche
und Erwachsene, mit und
ohne Behinderungen und
mit vielfältigem kulturellem
Hintergrund erlebten einen
abwechslungsreichen Nachmittag.
24
Sozialarbeit bei Epilepsie
Fotos: Schulz (l.), Elbracht
Inklusion – was ist das?
Ingrid Coban gehörte zum Organisationsteam der Fachtagung.
Norbert van Kampen ist Diplomsoziologe.
Als sich Ende September rund 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur 13. Fachtagung des Vereins Sozialarbeit bei Epilepsie in Berlin trafen, war Bethel stark vertreten. »Das ist nicht verwunderlich«, betont Ingrid Coban, Leiterin der sozialtherapeutischen Dienste im Epilepsie-Zentrum
Bethel und Vorstandsmitglied des Vereins. »Es geht um Epilepsie und Arbeit, und darin ist Bethel
Vorreiter«, so die Sozialarbeiterin. Auch die Impulse zur Gründung des Vereins kamen aus Bielefeld-Bethel, und folgerichtig ist dort auch der Vereinssitz.
In diesem Jahr stand das Thema
»Inklusion und Arbeit« im Mit­
telpunkt. »Alle finden Inklusion
gut, aber keiner weiß, wie man
sie umsetzen soll. Die gesetzli­
chen Regelungen reichen jeden­
falls nicht aus«, hebt Ingrid
Coban hervor. Auch ihr Kollege
Norbert van Kampen vom Bethe­
ler Epilepsie­Zentrum Berlin­
Brandenburg wünscht sich mehr
Klarheit darüber, was Inklusion
für die Sozialarbeit bedeutet.
»Der Inklusionsgedanke ist rich­
tig. Aber was ist praxistauglich,
und welche Forderungen sind
überzogen?«, fragt der Diplom­
soziologe. Sorgen mache er sich
darüber, dass es Verlierer der
Inklusion geben könne. »Men­
schen, die medikamentös gut
eingestellt sind, lassen sich gut
inkludieren. Schwierig wird es
mit Menschen, die Anfälle oder
psychische und psychiatrische
Auffälligkeiten haben.«
Um gute Sozialarbeit für Men­
schen mit Epilepsie leisten zu
können, seien regelmäßige
Fortbildungen wichtig, betont
Norbert van Kampen. »Wir brau­
chen Spezialwissen zum Bei­
spiel über die Nebenwirkungen
von Medikamenten oder über
Epilepsie und Mehrfachbehin­
derungen.« Außerdem müss­
ten die sozialen Dienste immer
auf der Höhe sein in Bezug auf
das Arbeitsrecht und die Emp­
fehlungen der Berufsgenossen­
schaft zur Beurteilung berufli­
cher Möglichkeiten von Personen
mit Epilepsie. Die Fortbildungen
des Vereins für Sozialarbeit bei
Epilepsie finden seit 1998 alle
zwei Jahre in unterschiedlichen
epileptologischen Einrichtungen
im deutschen Sprachraum statt.
Das Epilepsie­Zentrum Berlin­
Brandenburg mit seinen beiden
Standorten in Berlin und Bernau
war zum zweiten Mal Gastgeber.
Wiedereingliederung
Die berufliche Wiedereinglie­
derung ist eine der wichtigsten
Aufgaben der sozialen Dienste in
den Epilepsie­Zentren und ­Klini­
ken. »Arbeit gibt Tagesstruktur,
Vertrauen in die eigenen Kompe­
tenzen und Selbstbewusstsein«,
so Ingrid Coban. Um die beruf­
liche Belastbarkeit der Patien­
ten zu verbessern, wurde 1997
eine Rehabilitationsabteilung für
Anfallskranke in Bethel eröffnet.
Sie war die erste ihrer Art in
Deutschland. Das Epilepsie­Zent­
rum Berlin­Brandenburg arbeitet
auf dem Gebiet der medizini­
schen und beruflichen Rehabilita­
tion mit externen Kooperations­
partnern zusammen.
Die diesjährige Fachtagung fand
im Vorfeld des Tags der Epilep­
sie am 8. Oktober statt. Auch
Experten in eigener Sache kamen
zu Wort. Eine Gruppe von drei
deutschen und drei türkischen
jungen Menschen mit Epilepsie
stellte ihr Projekt vor. Sie hatten
sich während der Behandlung
im Epilepsie­Zentrum Bethel
kennen gelernt und den Kontakt
gehalten. Über ihre Gedanken
und ihren Austausch haben sie
einen ehrlichen, ermutigenden
Film gedreht. »Den Film habe
ich kürzlich einem jungen Mann
gezeigt, der seine Krankheit
nicht akzeptieren konnte«, sagt
Ingrid Coban. Beim Zuschauen
habe er erstaunt ausgerufen:
»Aber die sind ja alle normal!«
– Silja Harrsen –
25
RING-Magazin
Pensionskasse Bethel 2013
Am Ende des Geschäftsjahres hatte die Kasse 744
Pensionäre (Vorjahr 751) und 557 Anwärter (Vor­
jahr 567). Die Beitragseinnahmen haben sich um
14.400,40 € auf nun 459.627,71 € verringert. Im
Berichtsjahr wurden insgesamt 2.950.596,20 €
Pensionszahlungen, damit ca. 20 € weniger als
2012 geleistet.
Seit 2004 werden keine weiteren Mitglieder mehr
aufgenommen, so dass die Entwicklung der Mit­
gliederzahlen, der Beiträge und der Pensionszah­
lungen den Erwartungen entspricht. Auch in der
Zukunft wird sich dieser Prozess fortsetzen.
Der Bilanzwert der Kapitalanlagen hat sich im Jahr
2013 um ca. 80 T€ auf nunmehr 64.870.682,00 €
verringert. Das Bilanzvolumen ist im abgelau­
fenen Geschäftsjahr von 67.115.708,00 € auf
67.081.873,32 € gesunken. Die Deckungsrück­
stellung wurde satzungsgemäß zum 31.12.2012
berechnet. Sie beträgt bis zur Neuberechnung
zum 31.12.2015 weiterhin ca. 63 Mio €.
Der Funktionsausgliederungsvertrag mit der Ham­
burger Pensionskassenverwaltung e.G. besteht
seit 2004 unverändert fort. Die Verwaltungsauf­
wendungen für den Versicherungsbetrieb sind
leicht zurückgegangen und betragen nun 33,8 T €
gegenüber 34,5 T € im Vorjahr.
Das dauerhaft niedrige Zinsniveau an den Finanz­
märkten bestimmt insgesamt die Kapitalanlage­
strategie der Pensionskasse. Die zehnjährige Bundes­
anleihe rentierte im Jahresverlauf 2013 mit einem
neuen Tiefstwert von 1,16 Prozent. Die Fälligkei­
ten der Kapitalanlagen sind mit der Altersstruk­
tur der Mitglieder jedoch so abgestimmt, dass der
Liquiditätsbedarf für die Rentenzahlungen regel­
mäßig gedeckt ist. Damit besteht nur geringer
Wiederanlagebedarf, der auch unter der anhalten­
den Niedrigzinsphase kein nennenswertes Risiko
darstellt.
Kernziel der Anlagestrategie ist unverändert die
dauerhafte Erwirtschaftung des Garantiezinses für
die Mitglieder der Kasse. Die geringe Risikotragfä­
26
higkeit der Pensionskasse zwingt zur Kapitalanlage
überwiegend in Zinsanlagen und Hypotheken.
Daneben gehören Anteile an einem ausgesuchten
Immobilienfonds zum Engagement der Kasse. Alle
Kapitalanlagen unterliegen laufend einer strengen
Ergebnis­ und Risikoüberwachung.
Für die Pensionskasse liegt der Anlageschwerpunkt
weiterhin bei Schuldscheindarlehen und Namens­
titeln. Diese langlaufenden Anlagen gewährleisten
einen dauerhaften Ertrag, der den Garantiezins im
Geschäftsjahr 2013 ausreichend gedeckt hat. Das
Ergebnis der Kapitalanlagen liegt mit etwa 2,567
Mio € um ca. 78 T € unter dem Niveau des Vorjah­
res. Die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen beläuft
sich im Berichtsjahr auf 4,0 %.
Mit der Neuberechnung der Deckungsrückstel­
lung zum 31.12.2012 wurde der Ausgleichsposten
aufgelöst. Die Erfolgsrechnung 2013 ergab einen
Rohverlust von 38.363,46 €, der in voller Höhe in
den Ausgleichsposten eingestellt und auf die Jah­
resrechnung 2014 vorgetragen wird.
Die laufende Geschäftsführung des Vorstands
sowie der Rechnungs­ und Verwaltungsdienst wur­
den durch den Aufsichtsrat geprüft. Der Vorstand
gab ergänzende Auskünfte. Der Aufsichtsrat hat
den Bericht des Wirtschaftsprüfers BDO AG Wirt­
schaftsprüfungsgesellschaft, Hamburg, über die
Prüfung des Jahresabschlusses zum 31.12.2013 zur
Kenntnis genommen.
Anlass zu Beanstandungen des Jahresabschlusses
2013 war nicht gegeben. Einwendungen waren
nicht zu erheben. Der vom Vorstand aufgestellte
Jahresabschluss 2013 wurde vom Aufsichtsrat
gebilligt und abschließend von der Mitgliederver­
sammlung festgestellt.
– Dr. Rainer Norden –
n siehe beigeheftete Bilanz
Foto: Bünemann
RING-Magazin
Aus dem Ev. Krankenhaus Bielefeld (EvKB) kamen die »Pokalhelden« des ersten AOK­Firmenlaufs in
Bielefeld. Gleich vier Trophäen holten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ende August »nach Hause«. So
ging der größte Pokal für die meisten Teilnehmer ans EvKB: 53 Läuferinnen und Läufer starteten für ihren
Arbeitgeber. Im Team­Wettbewerb, bei dem die Zeiten der drei Schnellsten eines Unternehmens addiert
wurden, liefen die EvKB­Läuferinnen mit einer Gesamtzeit von 1:07:19 auf den ersten Platz der Damen.
Die Läufer erreichten mit 56:43 Minuten den zweiten Platz der Herren. In der Einzelwertung ergatterte Dr.
Marie­Luise Becker den dritten Platz. Die Anästhesistin benötigte nur 19:39 Minuten für die Laufstrecke
von 4,8 Kilometern Länge. Den erfolgreichen Sportlerinnen und Sportlern gratulierte auch der vorsitzende
EvKB­Geschäftsführer Dr. Rainer Norden (hinten, l.). Insgesamt waren 550 Läuferinnen und Läufer aus 45
Unternehmen gestartet.
Bethel bei der 17. Berliner Hospizwoche
Das Betheler Lazarus­Hospiz in
der Bernauer Straße 117 in Ber­
lin lädt am 13. Oktober zu einem
»Tag der offenen Tür« mit Rund­
gängen und Fachvorträgen ein.
Die Rundgänge finden stündlich
zwischen 12 und 19 Uhr statt.
Um 11 Uhr berichtet Lydia Röder,
Leiterin des Ambulanten Lazarus­
Hospizdienstes, über ihre Erfah­
rungen im St. Joseph’s Hospice
in Südindien. Dazu gibt es auch
eine Fotoausstellung.
Was ein Trauercafé trauernden
Menschen anbieten kann, erläu­
tert Adelheid Scholten, Trauer­
begleiterin im Lazarus­Hospiz,
um 15 Uhr.
Eine stimmige Nähe und Distanz
als Grundlage einer Haltung der
Achtsamkeit ist das Thema von
Gerlinde Poldrack, Koordinatorin
des Ambulanten Hospizdienstes
Halle und Trainerin für Palliative
Care. Ihr Vortrag »respectare –
Berührungen für Leib und Seele«
beginnt um 19.30 Uhr.
Der Tag der offenen Tür findet
im Rahmen der 17. Berliner
Hospizwoche vom 10. bis 16.
Oktober statt. Auch das Bethe­
ler Diakonie­Hospiz Lichtenberg
beteiligt sich an dem Programm.
Am 14. Oktober von 16.30 bis
19.30 Uhr stehen im Festsaal des
Ev. Krankenhauses Königin Elisa­
beth Herzberge (Haus 22) in der
Herzbergstraße 79 »Kulturen­
Vorträge« auf dem Programm.
Silva Demirci, Dozentin für inter­
kulturelle Kommunikation, spricht
über »Das Eigene und das Fremde
– kultursensible Pflege und
Begleitung von Migranten am
Ende ihres Lebens«. Die »Rus­
sischsprachige Sterbebegleitung
in Berlin« ist das Thema von
Tamara Maier vom Malteser Hos­
piz­ und Palliativberatungsdienst.
Ngoc Diêp NGÔ, Beauftragter
für Migration und Gesundheit
vom Danke­Deutschland e.V.,
hält einen Vortrag über »Viet­
namesen an ihrem Lebensende
in Berlin«. Zu den Moderatoren
gehört Pastor André­Sebastian
Zank­Wins, Leiter des Diakonie­
Hospizes Lichtenberg.
27
Foto: Elbracht
RING-Magazin
Die internationalen Betheljahr-Teilnehmenden sind da. Am 1. September begrüßten Bethels Vorstands­
vorsitzender Pastor Ulrich Pohl (M.) und der Leiter der Freiwilligenagentur Stefan Homann (r.) 36 junge
Menschen aus 24 Nationen. Nahezu zwei Drittel der Neuankömmlinge stammen aus nichteuropäischen
Ländern, wie Sri Lanka, Bolivien, Kamerun oder Nepal. Sie werden in Einrichtungen in Bielefeld, Hannover
und Bremen eingesetzt. Das Betheljahr International gibt es seit 2012. Die Zahl der Bewerber aus dem Aus­
land ist seitdem stetig gestiegen. Grundkenntnisse in deutscher Sprache werden vorausgesetzt. Das Bethel­
jahr ist das Freiwillige Soziale Jahr der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Im Jahrgang 2014/2015
werden insgesamt 490 Plätze angeboten.
Trauergruppe im Hospiz
Neu in Dortmund
Klassik um 3
Für junge Erwachsene findet
am 21. und 22. November eine
Trauergruppe im Hospiz Haus
Zuversicht in Bielefeld­Bethel
statt. Eingeladen sind Menschen,
die schon früh einen geliebten
Menschen verloren haben. Dabei
ist es nicht entscheidend, wie
lange der Verlust schon zurück­
liegt. Die Gruppe trifft sich am
21. November von 16 bis 20 Uhr
und am 22. November von 10
bis 17 Uhr im Bethelweg 25. Sie
wird begleitet von Rene Meistrell,
Diplom­Pädagoge im Kinder­ und
Jugendhospiz Bethel, und Beate
Dirkschnieder, Diplom­Sozialar­
beiterin im Hospiz Haus Zuver­
sicht für Erwachsene.
In der Kleingartenanlage Otto
Hue im Steinkühlerweg in Dort­
mund eröffneten Bethel.regional
und die Werkstätten der AWO
Anfang September die Werk­
einheit »Garten«. Die zweite
gemeinsame dezentrale Werk­
einheit ist eine Erweiterung der
Arbeitsangebote für Menschen
mit komplexen Behinderungen
und umfasst zwölf Arbeitsplätze.
Bei der Planung war beiden Trä­
gern wichtig, dass die Arbeits­
plätze inklusionsfördernd im
Sozialraum angeboten werden.
Der Kleingartenverein liegt in
unmittelbarer Nähe des Hauses
Breslaustraße und des Intensiv
Betreuten Wohnens Breslaustraße.
In den Betheler Einrichtungen
werden Menschen mit erworbe­
nen Hirnschädigungen betreut.
In der Benefiz­Reihe »Klassik um
3« der Bielefelder Philharmoni­
ker findet am 26. Oktober von
15 bis 16.30 Uhr im Assapheum
in Bielefeld­Bethel ein Kammer­
konzert statt. Unter dem Titel
»märchenhaft« spielen Susanne
Heilig (Klarinette), Monica Apo­
stol (Viola) und Elena Kaßmann
(Klavier) Werke von Debussy,
Schumann und Mozart. Das Kon­
zert ist eintrittfrei und richtet
sich an Menschen mit Behinde­
rungen und Familien mit jungen
Kindern. Diese können Musik
auf entspannte Art und Weise
kennen lernen, ohne still sitzen
zu müssen. Zwischendurch gibt
es eine 30­minütige Pause mit
Kaffee und Kuchen. Die Konzert­
reihe ist ein gemeinsames Projekt
der Bielefelder Philharmoniker
und der Diakonischen Gemein­
schaft Nazareth.
Information und Anmeldung:
Tel. 0521 144­6180, E­Mail
beate.dirkschnieder@bethel.de
28
RING-Magazin
Trauer um
Grazia Chowanski
Grazia Chowanski starb am
21. August nach schwerer
Krankheit im Alter von 55
Jahren. Sie war seit 2003 im
Ev. Krankenhaus Bielefeld
und dem Krankenhaus Mara
zunächst in der Hauswirtschaft,
später als Gesundheits­ und
Krankenpflegehelferin in der
Gerontopsychiatrie tätig.
Ein Stille­Wochenende zu christ­
licher Meditation und Kontemp­
lation findet vom 31. Oktober
bis 2. November im Haus Salem
in Bielefeld­Bethel statt.
Palliativversorgung
In der Vortragsreihe »Pädiatri­
sche Palliativversorgung OWL
2014« referiert Dorothee Meyer,
Diplom­Pädagogin im Kinder­
palliativzentrum Datteln, am
30. Oktober über die Teamarbeit
in der pädiatrischen Palliativver­
sorgung. Die Veranstaltung fin­
det von 17 bis 19 Uhr im Kinder­
und Jugendhospiz in Bielefeld­
Bethel, Remterweg 55, statt.
Foto: Schulz
Haus Salem
Der Geschäftsführung von Bethel.regional gehört seit September
Ursula Veh­Weingarten, bisher in der Geschäftsführung von Bethel
proWerk tätig, an. Die neue Geschäftsführerin wurde vom Vorsit­
zenden der Geschäftsführung Michael Conty in der Bethel­Kanzlei
in Bielefeld begrüßt. Ihren Dienstsitz hat Ursula Veh­Weingarten in
Dortmund.
• Theater Compania­t : 3 kleine
Monster (Vorverkauf nur Neue
Schmiede), 5. Oktober, 16 Uhr
• Kultur im Café mit Britta Marie
& Daniel Oliver: Lieder aus fünf
Jahrhunderten (Eintritt frei),
10. Oktober, 19 Uhr
• Celtic Folk Konzert mit The
Rapparees aus Irland, 17.
Oktober, 20 Uhr
• Tobias Mann: Verrückt in die
Zukunft, 24. Oktober, 20 Uhr
• Kultur Brunch mit Patma, 26.
Oktober, 11 Uhr (Anmeldung:
Tel. 0521 144­3003)
Foto: Weigelt
Neue Schmiede
Ministerpräsident a. D. Matthias Platzeck (3. v. l.) und die SPD­
Landtagsabgeordnete Britta Stark (4. v. l.) waren jetzt zu Gast in
Lobetal. In der voll besetzten Alten Schmiede ging es bei einem Dis­
kussionsforum zum Thema »Jugendpolitik im Land Brandenburg«
kräftig »zur Sache«. Inklusion in Brandenburg war eines von vielen
Themen, zu denen Matthias Platzeck und Britta Stark Stellung nah­
men: »Wir haben unterschätzt, was alles damit zusammenhängt.
Wir werden deutlich mehr Geld in die Hand nehmen müssen, um
die personellen und technischen Voraussetzungen zu schaffen.«
Auch der schlechte Personalschlüssel in den Kindertagesstätten und
die Sozialarbeit in Schulen waren Themen des Abends.
29
RING-Magazin
Brosa-Produkte gesucht
Foto: Schulz
Die Betheler Brockensammlung
(Brosa) sammelte früher auch
Altmetall. Dieses wurde nicht nur
weiterverkauft, sondern in eige­
nen Produkten verarbeitet. Für
eine Ausstellung zum 125­jähri­
gen Bestehen der Brosa im kom­
menden Jahr sucht Bärbel Bitter
von der Historischen Sammlung
Bethel als Leihgabe entsprechende
Beispiele.
Foto: Elbracht
»Das Spiel wird uns gelingen« heißt es im Eingangslied des diesjäh­
rigen Kinderchor­Musicals – und tatsächlich: Die beiden Aufführungen
von »La piccola banda – Festivale di fantasia« Mitte September im
Assapheum in Bielefeld­Bethel fanden ein begeistertes Publikum. 800
Zuschauerinnen und Zuschauer sahen das Stück von Wolfgang König
und Veronica te Reh, das rund 90 Kinder und Jugendliche des Betheler
Kinderchors aufführten. Seit Januar hatten sie für ihren großen Auf­
tritt geprobt.
Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl lobte jetzt die
erfolgreiche Dezentralisierung und den innovativen Charakter der
Betheler Hilfeangebote. Mitte September besuchte sie verschiedene
Angebote in der Ortschaft Eckardtsheim und dem Bielefelder Stadtteil
Sennestadt. Bei ihrem Besuch traf sie auch den 70­jährigen Werner
Stiller, der in der Innstraße in einer eigenen Wohnung lebt und vom
Betheler Unterstützten Wohnen Sennestadt betreut wird. Im Rahmen
des Projektes »Verler Dreieck«, das Bethel gemeinsam mit der Freien
Scholle betreibt, leben Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf in
einem ganz normalen und gewachsenen Stadtteil. »Wir sind immer
wieder überrascht, wie groß das Potenzial von Menschen mit Behin­
derungen ist, die selbstständig leben wollen«, betonte Bethels stellver­
tretender Vorstandsvorsitzender Pastor Bernward Wolf.
30
Für manche Produkte erwirkte
die Brosa einen Gebrauchsmus­
terschutz: für eine »Laterna
Magica«, die man auf jede Tisch­
lampe aufsetzen konnte (Deut­
sche Reichs­Gebrauchsmuster­
Nummer D.R.G.M. 53229), für
ein Panorama (D.R.G.M. No.
192522), eine Missionssammel­
büchse (138690), eine Kartoffel­
schälmaschine für größere Haus­
halte und Hotels (241769) und
einen Topfdeckelhalter (339138).
Besonders groß war das Ange­
bot an Blechspielzeug. Für die
Mädchen gab es eine Kinder­
kochmaschine mit Küchenblech
und vier Spiritusflammen, einen
kleinen Puppenwagen sowie etli­
che Backförmchen. Die Jungen
konnten sich über Zinnsolda­
ten, Eisenbahn und Lokomotive,
Omnibus und Pferdestall sowie
über einen »Karton mit Formen
und Schippe zum Spielen im
Sande« freuen.
Kontakt: E­Mail historische­
sammlung@bethel.de, Tel. 0521
144­2024
Foto: Elbracht
RING-Magazin
Aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) sowie aus dem NRW­Landesministerium
für Arbeit, Integration und Soziales (MAIS) besuchten hochrangige Mitarbeitende im August Bethel. In den
Stiftungsbereichen Bethel.regional und proWerk informierten sie sich über verschiedenste Arbeitsbereiche
der Eingliederungshilfe. Zum Abschluss fand im Hotel Lindenhof ein Meinungsaustausch mit Betheler
Vorstandsmitgliedern und Geschäftsführern zum künftigen Bundesteilhabegesetz statt: (v. l.) Cornelia
Sennewald und Roland Borosch (MAIS), Dr. Carola Brückner, Dr. Peter Mozet und Dr. Rolf Schmachtenberg
(BMAS), Michael Conty (Bethel), Marc Nellen (BMAS) sowie Reinhard Dörr, Prof. Dr. Günther Wienberg,
Dr. Rainer Norden, Stefan Helling­Voß, Ottokar Baum und Erhard Kunert (alle Bethel).
Der Identitätssalat
Bildung & Beratung Bethel
Goldenes Jubiläum
Aktuelle Diskurse um das
Arbeitsrecht sind das Thema
des 11. Forums Diakoniewis­
senschaft am 7. November in
Bielefeld­Bethel. Unter dem Titel
»Es ist angerichtet: Der diako­
nische Identitätssalat« lädt das
Institut für Diakoniewissenschaft
und DiakonieManagement der
Kirchlichen Hochschule Wupper­
tal/Bethel von 10 bis 16 Uhr zu
Vorträgen mit Diskussion und
Workshops ein. Arbeitsrechtliche
Perspektiven vertritt Ingo Dreyer
vom Verband diakonischer
Dienstgeber in Deutschland,
theologische Perspektiven Prof.
Dr. Dierk Starnitzke von der Dia­
konischen Stiftung Wittekindshof
und soziologische Perspektiven
Prof. Dr. Rolf Heinze von der Ruhr­
Universität Bochum.
• DiakonieCare – Selbstsorge,
Spiritualität und Existenzielle
Kommunikation in der Pflege,
3. November 2014 bis 19.
Januar 2016
• Eingliederungshilfe aktuell –
Grundlagen zu Ansprüchen
und Leistungen, 5. bis 6.
November
• Risiko Dekubitus, 5. November
• Als Führungskraft aktivierende
Workshops moderieren, 6. bis
7. November
• Orientierung im Berufsleben –
Eigene Standortbestimmung,
7. bis 8. November
• Wiedereinstieg in den Beruf –
für Frauen, 10. November
2014 bis 4. März 2015
• Palliative Care PLUS­Praxistage,
11. bis 12. November
• Basiswissen Sucht, 13. bis
14. November
• Weiterbildung Seelsorge mit
krebskranken Menschen, 24.
November 2014 bis Ende 2015
Die Fachschule für Heilpädagogik
im Berufskolleg Bethel in Bielefeld
lädt zu einer Feierstunde anläss­
lich des 50­jährigen Bestehens
der heilpädagogischen Ausbil­
dung in Bethel ein. Die Veranstal­
tung am 5. November beginnt
um 13 Uhr in der Aula des
Berufskollegs Bethel. Die Anmel­
dung ist bis zum 21. Oktober
unter Tel. 0521 144­3917 oder
per E­Mail an berufskolleg­hpz@
fvbschulen.de möglich.
Die Anmeldung ist bis zum 17.
Oktober per E­Mail an forum@
diakoniewissenschaft­idm.de
möglich. Weitere Informationen
gibt unter Tel. 0521 144­3948.
Anmeldung: Tel. 0521 144­5770
Persönliches Budget
Das Team des Cafés 3 b infor­
miert am 21. Oktober von 17
bis 18.30 Uhr bei Gemeinsam
Wohnen in Bielefeld e. V. in der
Turnerstraße 5 – 9 über das Per­
sönliche Budget. Menschen mit
Behinderungen können dort mit
den Fachleuten über ihre Wün­
sche und Ideen ins Gespräch
kommen und sich Wege aufzei­
gen lassen, diese umzusetzen.
31
RING-Magazin
Foto: Schulz
Schulentwicklungspreis
Foto: privat
Genau 1.111 Kilometer fuhr Bethel­Mitarbeiterin Britta Pohl beim
diesjährigen Bielefelder Stadtradeln. Die Diakonin der Freiwilligen­
agentur Bethel sowie Diakon Henrik van Gellekom (l.), Bereichsleiter
in Bethel.regional, und Nazareth­Diakon Uwe Krah wurden Ende
August von Oberbürgermeister Pit Clausen besonders geehrt. Sie
hatten das Bielefelder Stadtjubiläum wörtlich genommen und »800
Kilometer und mehr« erradelt. Das Betheler Team mit 63 Fahrradfah­
rern und ­fahrerinnen legte ingesamt 12.799 Kilometer zurück und
erreichte damit den dritten Platz. Am Bielefelder Stadtradeln nahmen
43 Unternehmen teil. Im bundesweiten Ranking liegt Bielefeld auf
Platz Vier, in Nordrhein­Westfalen auf Platz Eins.
Die Unfallkasse Nordrhein­West­
falen hat die Ev. Sozialpädagogi­
sche Ausbildungsstätte Münster
(ESPA) mit dem Schulentwick­
lungspreis »Gute gesunde Schule
2014« ausgezeichnet. Um den
Preis hatten sich 249 Schulen in
Nordrhein­Westfalen beworben;
48 von ihnen wurden wegen
ihres erfolgreichen Engagements
für mehr Gesundheit und Sicher­
heit im Schulalltag gewürdigt.
Die Betheler ESPA erhielt eine
Prämie in Höhe von 10.180 Euro.
Der Preis wurde im September in
der Philharmonie in Essen über­
geben. Bei einem Ortstermin in
der ESPA waren der Jury beson­
ders die intensive Begleitung der
Schülerinnen und Schüler, die
Partizipationskultur aller Betei­
ligten sowie die Ausstattung
und der gepflegte Zustand des
Gebäudes aufgefallen. Die Schule
leiste in wesentlichen Bereichen
eine hervorragende Schulent­
wicklungsarbeit, so das Lob.
Beim vierten »Homborner Bergfest« Anfang September tummelten sich zahlreiche Besucherinnen und
Besucher auf dem »Platz der Begegnung« in Breckerfeld, um den Auftritt des Posaunenchors Zurstraße zu
erleben. Zum Programm gehörten aber auch die Gesanggruppe »Voices2Help«, Ponyreiten, Kutschfahrten,
ein Kindertrödelmarkt sowie zahlreiche Stände, an denen unter anderem Produkte aus der Betheler Kreativ­
werkstatt in Hagen verkauft wurden. Im Zuge der sozialraumorientierten Verlagerung stationärer Plätze
sind mittlerweile nur noch zwei Einrichtungen der ehemaligen Betheler Teilanstalt Homborn »auf dem Berg«
in Breckerfeld­Zurstraße geblieben: das Philipp­Nicolai­Haus und die Homborner Werkstatt, die zum heuti­
gen Stiftungsbereich Bethel.regional gehören.
32
Foto: Frücht
RING-Magazin
Das Theater Götterspeise feierte Ende August eine gelungene Premiere seines neuen Stücks »Alice –
verrückte Welten«. 170 Besucherinnen und Besucher sahen die Inszenierung im ausverkauften Thekoasaal
in Bielefeld­Eckardtsheim. Die inzwischen neunte Produktion des Tourneetheaters ist eine Montage von
Fragmenten aus »Alice im Wunderland« und »Alice im Spiegelland«. Die Zuschauer tauchen ein in eine
Welt voller Absurditäten, in der das Zauberwort »Inklusion« heißt. Inklusiv ist auch das Theaterensemble
mit alten und jungen Akteuren, Menschen mit und ohne Handikap, mit und ohne Psychiatrie­Erfahrung.
Die Theatergruppe, ein Projekt von Bethel und dem Forum für Kreativität und Kommunikation e. V., führt
das neue Stück auch am 17. Oktober im Bürgerzentrum Schuhfabrik Ahlen auf.
Aus dem Mitarbeiterkreis
Geburtstag
100 Jahre: Diakonisse Käthe Peter, Haus Abendfrieden, am 5.10. – 98 Jahre:
Diakonisse Friedel Pickhardt, Haus Abendfrieden, am 18.10. – 97 Jahre: Diakonisse
Marie Rodenbeck, Haus Morgenstern, am 12.10. – 92 Jahre: Diakonische Schwes­
ter Marianne Bunke, Bielefeld, am 5.10. – Diakonisse Adelheid Klausmeyer,
Wohnstift Frieda­v.­Bodelschwingh, am 20.10. – 91 Jahre: Diakonische Schwester
Hertha Bujak, Berchtesgaden, am 12.10. – Diakonische Schwester Lina Finke,
Stolzenau, am 28.10. – Diakon Kurt Rasokat, Bielefeld, am 29.10. – 90 Jahre:
Diakonische Schwester Helga Heininger, Haus Morgenstern, am 13.10. – Diakoni­
sche Schwester Hilda Richter, Bielefeld, am 29.10. – 80 Jahre: Susanne Scholz,
Bernau, am 18.10. – 70 Jahre: Diakonische Schwester Bärbel Feddern-Waßmann,
Münster­Hiltrup, am 2.10. – Diakonische Schwester Brigitte Leimkühler, Bielefeld,
am 5.10. – Diakonische Schwester Erika Hoheisel, Hamm, am 13.10.
33
Aus dem Mitarbeiterkreis
Arbeitsplatzund Gemeinschaftsjubiläum
50 Jahre: Diakonische Schwester Magdalene Brockhaus, Lemgo, am 2.11. –
40 Jahre: Helga Apke, EvKB, am 1.11. – Detlef Striese, EvKB, am 1.11. – Gerda
Kambach, EvKB, am 21.11. – 35 Jahre: Sabine Brinkmann, EvKB, am 1.11. –
Sigrid Grünberg, Bethel.regional, am 1.11. – Carola Hasse, EvKB, am 1.11. –
Ulrich Schütte, Schulen, am 1.11. – Horst Boehlert, Bethel.regional, am 3.11. –
Irmgard Groß, Bethel.regional, am 3.11. – 30 Jahre: Manfred Dietz, Bethel.regi­
onal, am 1.11. – Rudolf Hans, Schulen, am 1.11. – Karin Räker, Bethel.regional,
am 1.11. – Marie-Elisabeth Schacke, EvKB, am 1.11. – Waltraud Senfft, Zentraler
Bereich, am 1.11. – Annette Ossenbrink, EvKB, am 11.11. – Diakonische Schwester
Monika Venohr, Bielefeld, am 14.11. – Wolfgang Bluhm, Freistatt, am 15.11. –
Robert Schulze, EvKB, am 16.11. – Holger Schäfer, Bethel.regional, am 17.11.
– Gisela Maas, SB Altenhilfe, am 26.11. – 25 Jahre: Isabelle-Beate Barton, EvKB,
am 1.11. – Regine Dieckwisch, EvKB, am 1.11. – Wolfgang Finn, proWerk, am
1.11. – Eva Jonek, Bethel.regional, am 1.11. – Inga Jürgens-Leischner, EvKB, am
1.11. – Gudrun Krueger, Bethel.regional, am 1.11. – Anette Lindemann, Bethel.
regional/Nazareth, am 1.11. – Iris Masurat, Freistatt, am 1.11. – Susanne Müller, EvKB, am 1.11. – Andrea Pruß, EvKB, am 1.11. – Klaus Rohlfing, Bethel.
regional, am 1.11. – Maike Rudloff, Freistatt, am 1.11. – Mirko Stasik, EvKB, am
1.11. – Melanie Vogt, Mara, am 1.11. – Sigrid Weiß, Bethel.regional, am 1.11. –
Ralph Karow, Schulen, am 13.11. – Ingrid Wellmann, Bethel.regional, am 14.11.
– Roman Berger, EvKB, am 15.11. – Sigrid-Hanna Mayer-Muranovic, Bethel.
regional, am 15.11. – Uwe Metz, Bethel.regional, am 15.11. – Diakonische Schwes­
ter Marietheres Gustorff, Bielefeld, am 18.11. – Diakonische Schwester Sylvia
Ott, Glinde, am 18.11. – Diakonische Schwester Ute Strothmann, Bielefeld, am
18.11. – Diakonische Schwester Gudrun Wenzel, Bielefeld, am 18.11. – Monika
Hildebrand, Bethel.regional, am 20.11. – Marion Weiß, Bethel.regional, am 20.11.
– Roger Wohlenberg, Bethel.regional, am 20.11. – Andrea Höppner, EvKB, am
23.11. – 20 Jahre: Thomas Bogedaly, EvKB, am 1.11. – Dorota Fabrykiewicz,
Zentraler Bereich, am 1.11. – Guelsen Goenduek, EvKB, am 1.11. – Birgit Herting,
EvKB, am 1.11. – Bernadette Jessulat, proWerk, am 1.11. – Frank Schöning,
Zentraler Bereich, am 1.11. – Rolf-Dieter Grün, Bereich Betriebe, am 2.11. – Maria
Miske, EvKB, am 4.11. – Hinrich Arends, Bethel.regional, am 5.11. – Anna Greff,
EvKB, am 7.11. – Beate Groß, Bethel.regional, am 7.11. – Sefika Ates, Birkenhof
Altenhilfe, am 11.11. – Natalie Handau, Schulen, am 14.11. – Lutz Stuebner,
Bereich Betriebe, am 14.11. – Eckehard Köhler, EvKB, am 16.11.
Ruhestand
Doris Heckert-Kemmerling, Bethel.regional, zum 1.9. – Irma Kasak, Bethel.regio­
nal, zum 1.9. – Brigitte Broksche, Bereich Betriebe, zum 1.10. – Valentina Köhler,
Bethel.regional, zum 1.9. – Dörthe Künzel, Bethel.regional, zum 1.10. – Ingrid
Lautz, EvKB, zum 1.10. – Ulrike Senke, EvKB, zum 1.10. – Petra Geilhaupt, Be­
reich Betriebe, zum 1.11. – Petra Kienitz, Bethel.regional, zum 1.11. – Albert Oldenburg, Bethel.regional, zum 1.11.
Gestorben
Diakon Friedrich-Wilhelm Groote, Bielefeld, 83 Jahre, am 16.8. – Diakonisse Elli
Kaufmann, Bielefeld, 90 Jahre, am 18.8. – Günter Pieper, Bielefeld, 84 Jahre, am
20.8. – Ruth Joswig, Bielefeld, 88 Jahre, am 22.8. – Diakonisse Erna Heidkamp,
Bad Oeynhausen, 96 Jahre, am 23.8. – Annemarie Brüggensieker, Kirchdorf,
77 Jahre, am 25.8. – Diakon Hans-Heinrich Rempel, Bielefeld, 89 Jahre, am 3.9. –
Diakonisse Gundula Finkenstaedt, Bielefeld, 89 Jahre, am 7.9. – Diakonisse Ruth
Stender, Bad Oeynhausen, 91 Jahre, am 7.9.
34
Namen
Prof. Dr. Heiner Berthold, seit
Januar Chefarzt der Klinik für
Innere Medizin und Geriatrie des
Ev. Krankenhauses Bielefeld,
hat zum 1. September auch die
chefärztliche Leitung der Abtei­
lung für Innere Medizin des
Zentrums für Behindertenmedi­
zin im Krankenhaus Mara in
Bielefeld­Bethel übernommen. In
dieser Aufgabe arbeitet er eng
mit dem leitenden Arzt Dr. Jörg
Stockmann zusammen. Durch
die neue Leitungsstruktur wer­
den das Zentrum für Behindertenmedizin und die Klinik
für Innere Medizin und Geriatrie
weiter zusammenwachsen. Der
Zusammenschluss ist ein erster
Schritt für die Etablierung eines
Zentrums für Altersmedizin am
Ev. Krankenhaus Bielefeld.
Prof. Dr. Albert Diefenbacher,
Chefarzt der Abteilung für Psy­
chiatrie, Psychotherapie und
Psychosomatik des Ev. Krankenhauses Königin Elisabeth
Herzberge in Berlin, und Ober­
arzt Dr. Ronald Burian konnten
sich jetzt über eine besondere
Auszeichnung freuen. Prof. Die­
fenbacher ist Vorsitzender der
Sektion »Konsiliarpsychiatrie und
Psychosomatik« der Europäi­
schen Psychiatrischen Fachgesell­
schaft (EPA). Für deren Kongress
2015 in Wien hatte diese Sektion
gemeinsam mit einer weiteren
das Symposiumskonzept »Psy­
chopharmakotherapie an der
Schnittstelle von somatischer und
psychischer Erkrankung« einge­
reicht. Das Symposium, das Dr.
Burian leiten wird, wurde jetzt
mit dem EPA­Preis für »höchste
wissenschaftliche Qualität« aus­
gezeichnet.
Das Hauptarchiv Bethel ist an
einem virtuellen Ausstellungs­
projekt zum Ersten Weltkrieg
beteiligt. Unter www.owlarchive.de findet man einen
blog im Internet. Zu Bethel gibt
es dort Fakten zur Ernährungs­
Übrigens
lage, Feldpostbriefe und Informa­
tionen zu den »Landkriegshelfe­
rinnen«, die in Bethel eingesetzt
wurden, wie Archivleiterin Kerstin
Stockhecke erklärt. Weitere
öffentliche Archive zeigen dort
Originaldokumente zum Kriegs­
geschehen.
Der Hospiz-Verein Rhein-Ahr
e. V., die v. Bodelschwinghschen
Stiftungen Bethel und die
katholische Marienhaus­Stiftung
bauen zurzeit in Bad Neuenahr
am Dorotheenweg das stationäre
»Hospiz im Ahrtal« mit zehn
Plätzen für schwerstkranke ster­
bende Menschen. Mitte Septem­
ber begann der Bau mit einem
symbolischen ersten Spatenstich.
Das Hospiz entsteht auf dem
Gelände des Krankenhauses
Maria Hilf. Die Marienhaus­
Stiftung stellt das Grundstück
für einen symbolischen Preis zur
Verfügung. Die beiden konfes­
sionellen Gesellschafter sind mit
jeweils 45 Prozent am Hospiz
beteiligt, der Verein mit 10 Pro­
zent. Die Baukosten werden auf
rund 2,9 Millionen Euro veran­
schlagt, die Finanzierung erfolgt
im Wesentlichen durch Spenden
und Darlehen.
EvKB­Geschäftsführer Dr. Thomas
Krössin und die theologische
Direktorin im EvKB Dr. Nicole
Frommann waren Ende Septem­
ber bei einem Arbeitsfrühstück
im Bundesfamilienministerium zu Gast. Zum Thema »Mehr
Frauen in Führungspositionen«
hatten die Minister Manuela
Schwesig und Heiko Maas
verschiedene Führungskräfte
eingeladen.
Der Betheler Betrieb Orthopädie-Schuhtechnik ist in das
Gebäude der früheren Apotheke
im Nazarethweg 10 in BielefeldBethel umgezogen. Die Öff­
nungszeiten sind montags bis
donnerstags von 8 bis 17 Uhr
und freitags von 8 bis 16 Uhr.
Freiheit die ich meine
Ende des Monats wird es grund­
sätzlich, in Bethel. Und das ist
gerade für Bethel gut so. Die dia­
konische Arbeit, das diakonische
Handeln zwischen den Polen
Autonomie und Angewiesenheit
ist das Thema der Tagung »Die
Freiheit nehm ich mir«. Mit Teil­
nehmerinnen und Teilnehmern
aus allen Bereichen der v. Bodel­
schwinghschen Stiftungen Bethel
geht es um die Balance zwischen
der notwendigen Unterstützung
und Assistenz einerseits und der
Respektierung der Persönlich­
keits­ und Freiheitsrechte eines
jeden einzelnen andererseits.
Selbst­ oder Fremdbestimmung
ist immer wieder in der Arbeit für
und mit kranken oder behinder­
ten Menschen das grundlegende
Thema. Wie ist möglichst viel
Autonomie möglich, und wo ist
wie viel Fürsorge notwendig?
In der Betreuung von Menschen
mit Behinderungen gehören
Selbstbestimmung und Teilhabe
unbestritten zu den wichtigsten
Zielen aller assistierenden oder
unterstützenden Arbeit. Wie
ist es aber in Krankenhäusern
oder Pflegeeinrichtungen, wenn
Menschen über ihren eigenen
Todeszeitpunkt entscheiden
wollen? Oder wo liegt in ande­
ren Bereichen der diakonischen
Arbeit die Norm für helfendes
Eingreifen, wo ist die Ablehnung
von Unterstützung zu akzeptie­
ren? Hier in Bethel ist bereits ein
guter Weg zu diesen Fragestel­
lungen begonnen worden, auf
dem unter anderem die Seelsorge
und ebenso die Ethikkomitees im
Krankenhaus oder in der Alten­
hilfe segensreich sind. Gut, dass
mit dieser Tagung bereits zum
dritten Mal unternehmensweit
die Debatte zu Grundsatzfragen
geführt wird, meint …
– Götz Pförtner –
35
Foto: Elbracht
Bundespräsident Joachim Gauck begrüßte bei seinem Bürgerfest Anfang September im Park von Schloss
Bellevue in Berlin Sarah Baum und weitere Gäste aus Bethel. Insgesamt 35 Freiwillige im Betheljahr und
Menschen mit Behinderungen, die sich ehrenamtlich engagieren, waren seiner persönlichen Einladung
gefolgt. Joachim Gauck hatte die Gruppe bei seinem Besuch in Bielefeld­Bethel im Februar eingeladen.
Der Bundespräsident unterstrich die hohe Bedeutung des Ehrenamtes und von Modellen wie dem Bethel­
jahr für die Zivilgesellschaft.
Veranstaltungen
09.10.
Assapheum, Bielefeld­Bethel, Bethelplatz: 9 – 18 Uhr, Großer Buchverkauf der Bücherei der
Zionsgemeinde Bethel
26.10.
Haus Elim, Bielefeld­Eckardtsheim, Semmelweisweg 3: ab 14 Uhr, Koffermarkt
28.10.
Neue Schmiede, Bielefeld­Bethel, Handwerkerstraße 7: 19.30 Uhr, Offener Hospiztreff
mit Beate Dirkschnieder und weiteren Mitarbeitenden des Hospizes Haus Zuversicht,
»Die Gewissensfrage – Ethische Entscheidungen am Ende des Lebens«
29.10.
Heinrich­Böll­Stiftung, Berlin, Schumannstraße 8: 17.30 – 19 Uhr, Berlin­Brandenburger
Epilepsie­Kolloquium mit Markus Reuber, University of Sheffield/Academic Neurology Unit,
»Sprechen über Anfälle – Linguistik für Epileptologen«
31.10.
Eckardtskirche, Bielefeld­Eckardtsheim, Paracelsusweg: 18 Uhr, Jahreskonzert des Eckardts­
heimer Posaunenchors
08.11.
Neue Schmiede, Bielefeld­Bethel, Handwerkerstraße 7: 9 – 13 Uhr, 6. Bielefelder Schmerztag
zum Thema »Schmerz und Alter«
für die Ortschaften Bethel und Eckardtsheim
Mo – Fr 13 – 14, 18 – 19 Uhr, Sa 16 Uhr, So 10 Uhr
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Seele and Geist
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