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1 Anleitungen, nein danke! 2 Ich weiß nicht, was soll es - Sirantha

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Dieses PDF enthält nur das Inhaltsverzeichnis und Auszüge aus den auf dieser
Seite gelb markierten Kapiteln. Sie dürfen es gern an andere weitergeben www.sirantha.de
1 Anleitungen, nein danke!
Was unverständliche Texte kosten
Was Nicht-Verstehen Schreiber und Leser kostet . . . . . . . . . . . 7
Kostentreiber: Übersetzung schwer verständlicher Texte . . . . 9
Wer will, der kann . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
Weiterbildung lohnt sich. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
2 Ich weiß nicht, was soll es bedeuten...
Wie die Wortwahl die Verständlichkeit beeinflusst
Unnötige Fremdwörter meiden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Firmenjargon ersetzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Zusammengesetzte Hauptwörter sparen . . . . . . . . . . . . . . . . .
Modalverben richtig wählen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
15
18
21
24
3 Wer den Satz zu setzen weiß...
Rezepte gegen schwer verständlichen Satzbau
Befehlsform statt Passiv. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Aktiv statt Passiv in beschreibenden Texten . . . . . . . . . . . . . .
Mehr Verben, weniger Hauptwörter. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Bandwurmsätze teilen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Bedingungssätze enttarnen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Kompliziertheit abbauen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
29
32
34
37
41
43
4 Erst denken, dann schreiben...
Texte so aufbauen, dass jeder folgen kann
Planvoll schreiben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49
Gedanken logisch anordnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
Die Textstruktur sichtbar machen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54
5 Fähigere Autoren... bessere Texte
Ein 4-Punkte-Programm zur Verbesserung der
Textqualität
Sich den Fehlern stellen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Autoren schulen und coachen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Schreibregeln festlegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Texte prüfen und überarbeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
57
58
59
60
5
6 Anhang
Literatur zum Thema . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
6
„Kampf der Blähung“ — Anleitungen verständlich schreiben
1
Anleitungen, nein danke!
Was unverständliche Texte kosten
Dieses Kapitel behandelt die Auswirkungen schwer verständlicher Texte und die entscheidenden Voraussetzungen für Verbesserungen:
• Was kostet schlechter Text?
• Wollen wir verstanden werden?
• Was bringt die Weiterbildung von Schreibern und die Überarbeitung von Texten?
1.1
Was Nicht-Verstehen Schreiber
und Leser kostet
Der Philosoph Immanuel Kant definierte
bereits vor über 200 Jahren Qualitätskriterien
für die Übermittlung von Informationen:
Wahrheit, Notwendigkeit, Vollständigkeit und
Klarheit. Von diesen interessiert uns hier nur
die Klarheit. Kant forderte:
Was gesagt wird, sollte so dargelegt werden,
dass es so leicht wie möglich verstanden werden kann. Die Fähigkeiten des Empfängers
sollten berücksichtigt werden. Nichts sollte
unnötig kompliziert sein. (nicht wörtlich zitiert
— Anmerkung des Autors)
Denken Sie einmal über die Bedienungsanleitungen nach, die Sie bereits gelesen haben.
Hallt Kants letzter Satz nach? Bestimmt! Aber
es ist nicht nur unangenehm, schwer verständliche Texte zu lesen, es kostet auch
etwas. Die Liste auf Seite 8 gibt einen Überblick über Auswirkungen schwerverständlicher Texte. Die Liste können Sie wahrscheinlich um eigene Erfahrungen erweitern.
Vier Forderungen an
Text
7
Auswirkungen schwer verständlicher Texte
Rückfragen - Zeitverlust
• innerhalb einer Abteilung
• zwischen Abteilungen oder Unternehmensbereichen
• bei der Aus- und Weiterbildung
• zwischen Kunden/Lieferanten und dem Unternehmen
Fehlentscheidungen - materieller Schaden
• Fehlgebrauch, Unfall
• Produktvorteile können nicht genutzt werden
• Kunden geben das Produkt zurück, verlangen Nachbesserung
• Übersetzung in andere Sprachen wird erschwert/verteuert
Frustration - immaterieller Schaden
• Verständigungsstörungen innerhalb des Unternehmens
• verminderte Lerneffizienz in der Ausbildung
• Wissen geht verloren
• Kunden legen mit dem unverständlichen Text auch die „Marke“ des
Unternehmens beiseite
Bei Anleitungen für Produkte wiegt besonders schwer, dass aufwändig entwickelte Produktvorteile dem Kunden oft verlorengehen,
weil er sie nicht nutzen lernt. Daraus mag er
den Schluss ziehen, künftig anderswo zu kaufen. Warum sollte er erneut bei einem Anbieter kaufen, der ihm nicht hilft, alle Möglichkeiten seiner Produkte auszuschöpfen?
Auch innerhalb von Unternehmen schaden
schwer verständliche Texte. Arbeitsanweisungen werden nicht korrekt verstanden und
angewendet oder gar nicht erst gelesen, weil
sie unverdaulich sind — aufgebläht, gespickt
mit Bandwurmsätzen und unverständlichen
Ausdrücken.
Spitzenreiter unter den Kostentreibern in
der Technischen Dokumentation ist das Übersetzen in andere Sprachen. Hier geht beson-
8
„Kampf der Blähung“ — Anleitungen verständlich schreiben
ders viel Zeit und Geld verloren, wenn die
Texte schwer verständlich sind.
1.2
Kostentreiber: Übersetzung
schwer verständlicher Texte
Das folgende Beispiel zeigt, wie wir beim
Schreiben von Texten, die übersetzt werden
müssen, häufig Geld zum Fenster hinauswerfen:
Die Druckeinstellung wird an einem Druckbegrenzungsventil vorgenommen. Es dient
zur Begrenzung des Maximaldrucks.
Beispiel negativ
Diese zwei Sätze enthalten 102 Zeichen.
Nach der marktüblichen Berechnung ergibt
das 1,85 Zeilen (55 Zeichen = 1 Zeile). Es geht
aber viel verständlicher und dabei kürzer:
Den Druck stellen Sie mit einem Druckbegrenzungsventil ein. Es begrenzt den Maximaldruck.
Beispiel, positiv
Diese beiden Sätze enthalten nur 76 Zeichen
und entsprechen 1,45 Zeilen. Das ist eine Einsparung von 26 %. Möglicherweise werden
diese Sätze in 20 und mehr Sprachen übersetzt. Der Aussagegehalt hat sich nicht verändert, er wurde nur verdichtet. Liegt da nicht
eine riesige Menge Geld zwischen den Zeilen
schwerverständlicher Texte herum?
Bei der Übersetzung spart man nicht nur an
der Menge, sondern gleich noch zweimal:
• Der Übersetzer benötigt weniger Zeit, um
den Text zu lesen und zu verstehen.
• Er muss seltener fragen.
1 Anleitungen, nein danke!
9
Leicht verständliche
Texte sparen beim
Übersetzen Zeit:
• für Lesen und Verstehen
• für Fragen
• für unnötige
„Anschläge“ beim
Schreiben
Das Beispiel ist allerdings einer der einfachsten Fälle. Ich habe lediglich aus den unnötigen Substantivierungen (Druckeinstellung und
Begrenzung) wieder anschauliche Verben
gemacht und die bedeutungsarmen Verben
(vornehmen und dienen) gestrichen. Oder um
es salopp mit dem Titel dieser Broschüre zu
sagen: die „Blähungen“ beseitigt.
Es gibt bedeutend kompliziertere Formen
schwer verständlichen Satzbaus, bei denen
man noch mehr sparen kann (nicht: ein noch
größeres Einsparungspotential realisieren
kann). Einige dieser Kompliziertmacher entlarvt das nächste Kapitel.
Es lohnt sich schwer verständliche Texte vor
der Übersetzung in mehrere Sprachen überarbeiten zu lassen. Den dafür erforderlichen
Aufwand holen Sie beim Übersetzen wieder
rein. Ab zwei Zielsprachen sparen Sie auf
jeden Fall etwas ein.
Und inzwischen gibt es sogar Software, die
Sie dabei unterstützt, wie GFT DokuCheck,
ein Programm, das PDF-Dateien einliest und
den Text dann auf gängige Probleme hin
untersucht.
1.3
Wer will, der kann
Wenn man anderen durch Text Wissen oder
Fähigkeiten vermitteln will, kommt es nicht
allein auf die Technik des Schreibens an. Es
geht nicht nur um Wortwahl und Satzbau,
Gliederung und Ordnung. Ein anderer Faktor
erscheint mir wesentlicher: die Einstellung
des Schreibers zum Leser.
Stellen Sie sich als männlicher Leser einmal
vor, Sie wollten im Urlaub in Italien mit Ihren
paar Brocken Italienisch eine Unterhaltung
10
„Kampf der Blähung“ — Anleitungen verständlich schreiben
mit einer hübschen Italienerin anfangen, die
nur ein paar Worte Deutsch beherrscht (die
Damen können sich das ja mal umgekehrt
vorstellen). Wenn Sie erfolgreich sein wollten,
müssten Sie sich sehr darauf konzentrieren,
ob Ihr Gegenüber Sie versteht. Dabei würden
Sie logischerweise nur die italienischen Wörter einsetzen, die Sie gut kennen. Und was
das Deutsche betrifft würden Sie sich nach
sehr kurzer Zeit auf die Wörter beschränken,
die der andere versteht. Warum gelingt uns
das in einer solchen Situation? Wir wollen uns
verständigen.
Beim Schreiben von Anleitungstexten ist es
oft anders: Der Leser ist dem Schreiber unbekannt, der Kontakt zu ihm unmöglich. Er
spielt somit für die Tätigkeit des Schreibers
keine Rolle. Wie wirkt sich das auf die Sprache aus? Der Schreiber verwendet einfach,
was er beherrscht. Dadurch beeinträchtigt er
aber die Verständigung, weil sich sein
Sprachschatz von dem seines Lesers unterscheidet.
Viele Schreiber von Anleitungen sind Ingenieure oder Techniker. Ein nennenswerter
Anteil hat eine Hoch- oder Fachhochschulbildung genossen und den dort verbreiteten bildungssprachlichen Jargon übernommen.
Doch die Leser gehören oft viel weniger
gebildeten Gruppen an. Wörter, die dem
Akademiker selbstverständlich erscheinen,
sind der Leserschaft möglicherweise völlig
unbekannt. Ihre geblähten Satzgirlanden sind
für die Leser unverdaulich, wie das Kleingedruckte in Versicherungsverträgen.
Beim Schreiben müssen hochgebildete
Schreiber genau das gleiche tun wie bei der
Unterhaltung mit der Italierin im Restaurant:
1 Anleitungen, nein danke!
Wer verstanden werden will, kann sich nur
des Sprachschatzes
bedienen, den er mit
dem Leser gemeinsam
hat.
Das wird er nur tun,
wenn er sich wirklich
verständlich machen
will.
11
den Sprachschatz auf das zusammenstreichen, was der andere (wahrscheinlich) versteht. Doch sprachlich ein oder zwei Stufen
herunter zu schalten, ist eine der größten
Intelligenzleistungen, zu denen wir fähig
sind. Wir werden sie nur vollbringen, wenn
wir es wollen. Solange uns der Leser egal ist,
geht es mit der Verständlichkeit unserer Texte
nicht vorwärts. Deshalb Hand auf´s Herz:
Wollen wir überhaupt verstanden werden?
Wie wichtig ist uns das?
Wer nicht von dem Wunsch durchdrungen
ist, von anderen verstanden zu werden, sollte
gar nichts schreiben, schon gar keine Anleitungstexte.
Schreibersprachschatz
Der Leser, das
unbekannte Wesen
12
gemeinsamer
LeserSprachschatz
Damit wir als Schreiber den richtigen
Sprachschatz wählen können, sollten wir wissen, wer die Leser sind. Die folgenden Informationen wären nützlich:
• Was wissen die Leser über den behandelten Gegenstand?
• Mit welchem Ziel und aus welcher Situation heraus wird der Text gelesen?
• Welche Erwartungen haben die Leser?
• Welche Bildung oder Ausbildung haben
sie genossen?
Wenn solche Informationen nicht zur Verfügung stehen, sollte man wenigstens einige
Vermutungen darüber anstellen und nieder-
„Kampf der Blähung“ — Anleitungen verständlich schreiben
schreiben, bevor man mit dem Schreiben
beginnt.
Besser noch wäre es, die Zielgruppe zu
untersuchen. Eine sog. Zielgruppenanalyse
könnte ermitteln, welches Sprachniveau verwendet werden kann, welche Fremd- und
Fachwörter eingesetzt werden dürfen und
welche nicht. Ihr Ergebnis wirkt sich außerdem auf den Satz- und Textbau, die Stoffauswahl und die Gliederung aus.
Solange detaillierte Informationen über die
Zielgruppe nicht zur Verfügung stehen, sollten wir davon ausgehen, dass einfache Sprache notwendig ist. Auf diese Annahme stützen sich die weiteren Empfehlungen in dieser
Broschüre.
1.4
Weiterbildung lohnt sich
Seltsamerweise sind die in diesem Kapitel
erwähnten Schwierigkeiten und deren Folgen
gut bekannt. Warum tun wir dann so wenig
um die Situation zu verbessern? Das hat drei
Gründe:
1. Es fehlt an Könnern, die anderen beibringen, wie man sich verständlich ausdrückt.
2. Es fehlt an Verantwortlichen, die bereit
sind Geld für Fortbildung auszugeben.
3. Es fehlt an selbstkritischen Schreibern, die
dazulernen wollen.
Zusammen genommen fehlt es an Ausbildung. Die Schreiber werden nicht besser, sondern immer schlechter. Wer´s nicht glaubt,
soll an einer Hochschule junge Leute unterrichten oder Übersetzer werden und sich mit
den Texten anderer vergnügen. Es hapert oft
schon bei Rechtschreibung und Grammatik.
1 Anleitungen, nein danke!
13
Wie soll da jemals gut verständlicher Text
entstehen?
Von der Weiterbildung profitierten alle (ich
schreibe diesen Abschnitt bewusst im Konjunktiv — zur Übung):
• Der Leser bekäme endlich verständlichere
Texte.
• Der Schreiber bräuchte weniger Zeit für
seine Texte, weil er zu schreiben gelernt
hätte. Seine Arbeit ginge leichter von der
Hand und bereitete ihm (mehr) Freude.
• Die Firma, in der der Schreiber arbeitet,
könnte gleich mehrfach sparen: an Schreibaufwand, an Kundenfrust und Schäden, an
Übersetzungkosten.
Ist das eine Überlegung wert? Bestimmt!
14
„Kampf der Blähung“ — Anleitungen verständlich schreiben
1 Anleitungen, nein danke!
15
4
Erst denken, dann schreiben...
Texte so aufbauen, dass jeder folgen kann
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der
Struktur des Textes. Eigentlich ist das ein
Thema für ein ganzes Buch (oder mehrere).
Ich beschränke mich auf die Schwierigkeiten,
die mir am wichtigsten erscheinen:
• die Planung von Texten
• ihre logische Aufteilung
• eine deutlich erkennbare Struktur
4.1
Planvoll schreiben
Mein Vater hat oft zu mir gesagt1: „Junge
schalt das Hirn ein, bevor du den Mund aufmachst!“ Recht hatte er! Haben Sie manchmal
auch den Eindruck, dass Anleitungsschreiber
einen „Kohl´schen-Black-Out“ gehabt oder
eine Nacht durchzecht haben müssen?
In Wirklichkeit hat er oder sie wahrscheinlich nur unter enormem Druck gearbeitet und
deshalb einfach irgendwo angefangen. Das ist
jedoch nur scheinbar ökonomisch. Nur erfahrene Schreibprofis können ohne sorgfältige
Planung einen logischen und leicht verständlichen Text abliefern, der ein erkennbares Ziel
erreicht. Für alle anderen lohnt es sich, den
Text vorher zu planen. Die dafür aufgewendete Zeit holt man beim Texten mit Leichtigkeit wieder heraus. Zusätzlich wird der Text
logisch strukturiert sein und sein Ziel erreichen. Welchen größeren Beitrag zur Textverständlichkeit könnte man leisten?
Planung spart mehr
Zeit als sie erfordert!
1 Ich weiß, dass man so etwas nicht schreiben sollte, ich tu´s trotzdem.
4 Erst denken, dann schreiben...
49
Warum wichtig?
Geplante Texte
• sind logisch gegliedert
• enthalten selten
überflüssige Information
• erreichen ein klar
definiertes Ziel
1. Ziel des Textes
2. Informationsgehalt
des Textes
50
Stellen Sie sich vor der Textproduktion
unbedingt folgende Fragen:
• Was soll erreicht werden?
• Welche Informationen sind dazu nötig?
• Wie ordne ich diese Informationen am
besten, sprich logisch, an?
• Welche Darstellungsweise ist die geeignetste (Erklärender/beschreibender Fließtext,
Handlungsanweisungen in der Befehlsform, Liste, Tabelle, Bild...)?
Schreiben Sie diese Punkte am besten nieder, bevor Sie mit dem Schreiben beginnen.
So entsteht ganz natürlich ein klares Bild des
Themas und eine sinnvolle Gliederung. Ein
weiteres Ziel der Planung besteht darin, die
Informationsmenge auf das Notwendige zu
beschränken. Betrachten wir die einzelnen
Schritte der Textplanung etwas genauer.
Die Gesamtaufgabe einer Anleitung ist
meist klar: die sachgerechte Nutzung des
beschriebenen Produktes ermöglichen. Diese
Aufgabe wird jedoch auf einzelne Kapitel
und Unterkapitel aufgeteilt, die jeweils einen
eng umgrenzten Teil der Aufgabe erledigen.
Für jedes Kapitel und Unterkapitel sollten Sie
das Ziel festlegen.
Beispiel: Sie schreiben eine Bedienungsanleitung für einen elektrischen Rasenmäher.
Worin besteht das Ziel des Kapitels „Montage
und Inbetriebnahme“? Das Kapitel soll
ermöglichen die Bauteile des Rasenmähers zu
identifizieren, das erforderliche Werkzeug
auszuwählen und den Rasenmäher korrekt
zu montieren und erstmals zu verwenden.
Wenn das Ziel festgelegt ist, können Sie
ermitteln, welche Einzelheiten erwähnt werden müssen um es zu erreichen. Für das Beispiel mit dem Rasenmäher wären das:
„Kampf der Blähung“ — Anleitungen verständlich schreiben
• die Schritte, die zum Montieren nötig sind
• eine Liste der erforderlichen Werkzeuge
• eine Kurzbeschreibung der Ausgangssituation
• ggf. die Ergebnisse einzelner Montageschritte
• eine Übersicht der Bestandteile, die montiert werden müssen
Als nächstes stellt sich die Frage, in welcher
Reihenfolge man die Informationen anordnet.
Wo beginnt man am besten? Für das Kapitel
„Montage und Inbetriebnahme“ des Rasenmähers wäre wahrscheinlich folgende Reihenfolge sinnvoll:
1. Ziel des Unterkapitels, Ausgangssituation/
Voraussetzungen
2. Bestandteile des Mähers
3. Benötigtes Werkzeug
4. Handlungsschritte
5. Ergebnisse, Teilergebnisse abwechselnd
mit den Handlungsschritten
Bleibt noch die Frage nach der optimalen
Darstellungsweise. Die beste Methode können Sie den bereits geordneten Informationen
zuweisen. Zum Beispiel so:
3. Anordnung der
Inhalte
4. Darstellungsweise
auswählen
1 Ziel des Unterkapitels, Ausgangssituation, Voraussetzungen
Beschreibender Text
2 Bestandteile des Mähers
Bild mit Legende
3 Benötigtes Werkzeug
Liste
4 Handlungsschritte
Text in Befehlsform
5 Ergebnisse, Teilergebnisse
Bild(er), Aussagesätze vorzugsweise
aktiv
4 Erst denken, dann schreiben...
51
So geht das
Texte sorgfältig planen:
• Ziele festlegen
• Informationen auswählen
• Informationen
logisch ordnen
Jetzt ist Ihr „Textplan“ fertig. Können Sie die
Vorteile eines solchen Planes für Ihre Arbeit
erkennen? Er legt fest, welche Informationen
Sie recherchieren müssen, bevor Sie anfangen. Er zeigt, welche Abbildungen Sie besorgen oder selbst erstellen müssen. Und er enthält klare Vorgaben für die Formulierung.
Die eigentliche Arbeit geht jetzt mindestens
doppelt so schnell von der Hand wie ohne
Plan und das Ergebnis ist besser.
4.2
Gedanken logisch anordnen
Die Logische Gliederung einer Anleitung
betrifft nicht nur die Kapitel, Unterkapitel
und die Grobstruktur innerhalb dieser Kapitel. Auch innerhalb eines Textabschnittes ist
Logik gefordert.
Relativ leicht sollte das bei Handlungsabfolgen sein. Hier entscheidet schlicht die korrekte Reihenfolge der Arbeitsschritte über die
Reihenfolge der Beschreibung. Vermeiden Sie
verwirrende Anweisungsfolgen wie diese:
Unlogische
Handlungsabfolge
1. Verbinden Sie Motor und Getriebe.
2. Zuvor müssen die Kupplungshälften an
den Wellenenden montiert werden.
Das ist schon fast unfreiwillig komisch,
kommt aber dennoch immer wieder in Anleitungen vor. Oft entsteht so etwas durch Überarbeitungen und Änderungen in letzter
Minute. Sortieren Sie den Text in Handlungsfolgen immer der zeitlichen Reihenfolge
nach.
52
„Kampf der Blähung“ — Anleitungen verständlich schreiben
Schwieriger wird´s mit dem logischen Aufbau beim beschreibenden Text, vor allem
wenn es um komplexe Sachverhalte geht.
Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten für
einen logischen Textaufbau:
• vom Bekannten zum Neuen
• vom Offensichtlichen zum Erklärungsbedürftigen (z. B. von den sichtbaren Teilen
zu deren Funktion)
• vom Zweitrangigen zum Wichtigen (oder
umgekehrt)
• von der Ursache zur Wirkung (oder umgekehrt)
• vom Problem zur Lösung
Entscheiden Sie sich für eine logische Anordnung und behalten Sie sie in einem Textabschnitt unbedingt bei. Wenn Sie die Gewichtung wechseln, entsteht ein sprunghafter,
verwirrender Text.
Trotz solcher Vorüberlegungen mag es noch
immer nicht gelingen, einen auf Anhieb logischen und leicht verständlichen Text zu
schreiben. Das liegt daran, dass wir oft nicht
in der Lage sind einen komplexen Sachverhalt gedanklich vollständig zu erfassen und
in unserem Sinn zu ordnen. Also fangen wir
an einem Ende der Geschichte an und springen dann ans andere Ende. Dann fällt uns
etwas ein, was dazwischen hinein gehört. Da
aber ein Teil des Textes bereits geschrieben
ist, hängen wir den verbindenden Gedanken
hinten an, statt den ganzen Text neu zu strukturieren.
Die Erfahrung lehrt: Ist ein Text erst einmal
geschrieben, dann wehrt man sich dagegen
ihn zu ändern oder gar ganz umzustellen.
Meist werden nur noch kleinere Korrekturen
ausgeführt.
4 Erst denken, dann schreiben...
Logik in
beschreibenden
Texten
Warum wichtig?
Komplexe Sachverhalte können wir
kaum vollständig
logisch im Sinn ordnen. Wir benötigen
Hilfsmittel dazu.
Wenn die Gedanken
nicht vor dem Schreiben geordnet werden, wird der Text
sprunghaft.
53
So geht das
• Anordnungsschema wählen,
z. B. „vom Bekannten zum Neuen“
• Gedanken stichwortartig niederschreiben
• Stichworte ordnen
• Gedanken ausformulieren
Versuchen Sie deshalb Ihren Gedankengang
zuerst in Stichworten darzustellen und diese
Stichworte logisch anzuordnen. Gehen Sie
den gesamten Sachverhalt dann noch einmal
anhand der Stichworte durch. Erst dann formulieren Sie ihn aus. Eine wichtige Hilfestellung dabei sind von Hand geschriebene Notizen.
Vor der Allgegenwart der Computer hat
man oft Kärtchen oder Notizzettel verwendet um Texte zu planen. Auf jedem Zettel
wurde stichwortartig ein Gedanke festgehalten. Dann konnten die Gedanken anhand der
Zettel logisch geordnet werden.
Auch heute würde es vielen Schreibern helfen, den Text nicht gleich am PC einzugeben.
Bevor man einen Satz von Hand auf ein Blatt
Papier schreibt, denkt man meist länger darüber nach. Er ist ja nicht mehr ganz so leicht
zu ändern wie am Bildschirm.
Doch ganz gleich, ob Sie es mit Papier und
Bleistift oder am Bildschirm tun, nehmen Sie
sich unbedingt die Zeit Ihre Gedanken zu
ordnen, bevor Sie sie ausformulieren. Zugegebenermaßen dauert das etwas länger, aber
das Ergebnis ist meist um Klassen besser.
4.3
Gestalten heißt
ordnen
54
Die Textstruktur sichtbar machen
Nehmen wir an, Sie haben einen geradezu
ideal gegliederten Text geschrieben. Die
Gedanken folgen logisch aufeinander. Alle
Handlungsschritte sind korrekt angeordnet.
Wäre es nicht traurig, wenn der gesamte Text
in einem großen, unübersichtlichen Block auf
der Seite stünde? Gewiss!
Zur Verständlichkeit eines Textes gehört
somit auch seine typografische Gestaltung
„Kampf der Blähung“ — Anleitungen verständlich schreiben
und die Anordnung auf der Seite, das Layout. Gute Gestaltung macht die Struktur des
Textes sichtbar, ohne dass man ihn im Detail
lesen muss; denn gestalten heißt (an)ordnen.
In dieser Broschüre geht es nicht um die
visuelle Gestaltung von Texten, dennoch
möchte ich dazu vier Anforderungen vorschlagen:
1. Die verschiedenen Textarten oder -funktionen sollten durch unterschiedliche Gestaltung angedeutet werden. Handlungsfolgen können z. B. durch Nummerierung
oder Blickfangpunkte hervorgehoben werden. Voraussetzungen für Handlungen,
Inventar und Werkzeuge stellt man in
Listen dar, technische Daten und Einstellwerte in Tabellen. Beschreibende Texte
präsentiert man am besten in Blockform.
Dabei sollten die einzelnen Absätze jedoch
weder zu lang (halbe Seite oder mehr)
noch zu kurz (nur ein Satz) sein (siehe 2).
2. Ein Absatz soll eine abgeschlossene Sinneinheit oder einen abgeschlossenen
Gedanken, ein Argument, eine Schlussfolgerung oder dergleichen umfassen. Vermeiden Sie es, Gedankengänge durch zu
viele Absatzschaltungen zu zerreißen. Der
Punkt markiert eine kurze Atempause, der
Absatz eine längere, während der man
sich zurücklehnen kann.
3. Bieten Sie Übersicht. Verwenden Sie für
die verschiedenen Textarten nicht nur
unterschiedliche Gestaltungen (siehe 1),
sondern fügen Sie Elemente hinzu, die es
dem Leser ermöglichen sich zu orientieren.
Dazu eignen sich treffende Zwischenüberschriften, Marginalien oder Kästchen, die
das wesentliche zusammenfassen. Auch
4 Erst denken, dann schreiben...
55
Rahmen, Schattierungen und Farben können dazu dienen. Solche Elemente sollten
jedoch nie reine „Interessantmacher“ oder
„Hingucker“ sein. Wenn sie die Ordnung
und Struktur des Textes nicht hervorheben, lenken sie ab.
4. Ein unlogischer, schlecht strukturierter
Text kann durch die visuelle Gestaltung
nicht verbessert werden. Im Gegenteil: Die
Gestaltung könnte Ordnung vorgaukeln
und dadurch Erwartungen wecken, die
der Text nicht einlöst. Das verstärkt den
negativen Gesamteindruck noch.
Daraus folgt, dass wir erst verständliche
Inhalte produzieren und diese dann gestalten müssen, nicht umgekehrt. Gestaltungsfragen sollten niemals die Struktur eines
Textes bestimmen. Es sei denn es handelt
sich um einen Bildband oder eine Anleitung, in der Bilder das Leitmedium sind.
Dann muss sich der Text(er) unterordnen.
56
„Kampf der Blähung“ — Anleitungen verständlich schreiben
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Bildung
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