close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

1 Thorsten Böhner TV Nonstop Satire, Comedy, und alles, was Sie

EinbettenHerunterladen
Thorsten Böhner
kurzweiligen Theaterabend.
TV Nonstop
Satire, Comedy, und alles, was Sie sonst noch wollen ...
Spieltyp:
Comedy
E 772
Bühnenbild: Wohnzimmer und Seitenbühne
Bestimmungen über das Aufführungsrecht des Stückes
Spieler:
TV Nonstop (E 772)
Spieldauer: Ca. 90 Min
Das Recht zur einmaligen Aufführung dieses Stückes
Aufführungsrecht: 12 Bücher zzgl. Gebühr
wird durch den Kauf der vom Verlag vorgeschriebenen
Musik:
Bücher und Zahlung einer Gebühr erworben. Für jede
benachrichtigen.
5w 4m (od. mehr), 5-15 Nbr.
Für das Abspielen der Musiken ist die GEMA zu
Wiederholung bzw. weitere Aufführung des Stückes
muss eine vom Verlag festgesetzte Gebühr vor der
INHALT:
Aufführung an den Deutschen Theaterverlag,
Seite
Grabengasse 5, 69469 Weinheim/Bergstraße gezahlt
TV NONSTOP
werden, der dann die Aufführungsgenehmigung erteilt.
Gregor, Jutta
Die Gebühr beträgt 10 % der Gesamteinnahmen bei
AMERICAN ADVERTISEMENT
einer im Verlag zu erfragenden Mindestgebühr.
Emily, Douglas, 2 "Synchronsprecher"
Diese Bestimmungen gelten auch für
EIN FALL FÜR DR. MEGADEATH
Wohltätigkeitsveranstaltungen und Aufführungen in
Dr. Megadeath (m od. w), Inspector Findout, Mrs.
geschlossenen Kreisen ohne Einnahmen.
Widownow
Unerlaubte Aufführungen, unerlaubtes Abschreiben,
KRIEGSREPORTAGE
Vervielfältigen oder Verleihen der Rollen müssen als
Reporterin (m od. w), Kameramann,
Verstoß gegen das Urheberrecht verfolgt werden.
Nachrichtensprecherin (m od. w), 2 männl.
Den Bühnen gegenüber als Handschrift gedruckt.
Kriegsverletzte, "Schwangere"
Alle Rechte, auch die der Übersetzung, Verfilmung,
UND - ACTION!
Rundfunk- und Fernsehübertragung, sind vorbehalten.
Gary, Gina, 1. Gangster, 2. Gangster
Das Recht zur Aufführung erteilt ausschließlich der
VATER WERDEN IST SCHON SCHWER
Deutsche Theaterverlag, Grabengasse 5, 69469
Lothar, Ulla, Karla (Hebamme), Henk, Ansgar, Frau Dr.
Weinheim/Bergstraße.
Beine (m od. w)
Für die einmalige Aufführung dieses Stückes ist der Kauf
SOZIALER FUSSBALL
von 12 Textbüchern und die Zahlung einer Gebühr
Birte, Tessa, Dörte, Maren, Schiedsrichter
vorgeschrieben. Zusätzliche Textbücher können zum
Pause
Katalogpreis nachbezogen werden.
WAHNSINNSWERBUNG
4, 7, 14, 17, 25, 33, 44, 47, 56
5
8
14
18
26
34
38
Darsteller 1 - 15 (m od. w)
Kurzinfo:
ALLES FÜRS HERZ
Ein Parcours durch das Genre in 11 Etappen und 12
Valentina (Moderatorin) (m od. w), Lisa, Martha, Gisbert,
Zwischenspielen
Assistent
Satire, Comedy und alles, was Sie sonst noch wollen:
DENGLISH ON THE PARKBANK
Livereportage, Gerichtsmedizinthriller, Actionfilme,
John, Edna, 2 "Synchronsprecher", diverse Darsteller mit
Liebesschmonzetten, Werbespots werden in dieser
"Untertiteln"
Szenenfolge genüsslich durch die Mangel gedreht. Die
WIE ES EUCH GEFÄLLT
Rahmenhandlung spielt zwischen einem Paar, das sich
Amöne, Claudius
nicht einig ist: sie will fernsehen, er will wieder Schwung
SHOWDOWN
in die Beziehung bringen und baut schon mal das neue
Alle
Bett auf. Raffinierte Konstruktionen, Tiefsinn, Witz und
Requisiten / Geräusche
Tempo garantieren einen unterhaltsamen und
1
41
57
65
72/73
49
TV NONSTOP
Ich lasse mir von einem kaputten Fernseher nicht
(Während das Licht noch aus ist, wird die Strophe des
vorschreiben, wann ich mit dir ins Bett zu gehen habe.
Songs "TV-Glotzer" von Nina Hagen eingespielt. Dann
(Gregor springt irritiert auf. Er will abgehen, bleibt dann
geht das Licht an)
vor dem Goldfischglas stehen und blickt glücklich hinein)
Das Spiel zwischen den beiden Hauptfiguren Gregor und
GREGOR:
Jutta im Rahmensketch "TV nonstop" muss nicht
Hallo, Hanniball! Konstanze! Wenigstens ihr blickt mich
zwingend auf einer Nebenbühne - wie im folgenden Text
noch freundlich an.
beschrieben - stattfinden. Es kann auch an den rechten
(winkt den beiden Fischen zu)
oder linken äußeren Rand der Hauptbühne verlagert
Schön brav sein. Hört ihr, meine Süßen? Der Papa muss
werden, wo auch alle anderen Sketche gespielt werden.
jetzt arbeiten.
(Auf einer Nebenbühne sitzt Jutta wie paralysiert auf
(ab)
dem Sofa und starrt in den imaginären Fernseher vor ihr.
Sie hält eine Fernbedienung in der Hand. Neben ihr auf
(Jutta nimmt die Fernbedienung, richtet sie nach vorn,
einem Tisch steht ein Glas mit zwei Goldfischen sowie
drückt mehrere Knöpfe- vergeblich. Sie wird immer
eine Dose Fischfutter. Neben ihr auf dem Sofa liegen
wütender. In letzter Instanz nimmt sie den Hammer, der
eine Fernsehzeitung, ein Tablett mit kleinen Häppchen
neben ihr auf dem Sofa liegt, schlägt damit auf die
und ein Hammer. Neben dem Sofa liegt eine DVD-Hülle.
Fernbedienung ein, nimmt diese, hält sie in Richtung
Aus dem Off hört man Gregor rufen)
imaginären Fernseher und drückt einen Knopf. Ihre
GREGOR:
Miene erhellt sich flugs)
(euphorisch)
JUTTA:
Schatz, das neue Bett ist gerade geliefert worden. Jetzt
(zufrieden)
können wir endlich ...
Geht doch!
(Er tritt auf, blickt in Richtung Jutta, doch die zeigt
AMERICAN ADVERTISEMENT
keinerlei Reaktion, irritiert)
(Auf der Bühne erscheinen die Werbedarsteller Emily und
Schatz?
Douglas. Emily hat einen mit Wasser gefüllten Putzeimer
(Er schleicht sich vorsichtig von hinten an sie heran. Jutta
bei sich. Dann treten zwei weitere Darsteller, nämlich die
wendet den Kopf vom imaginären Fernseher, starrt
Synchronsprecher - männlich und weiblich - auf und
Gregor wie eben den Fernseher an und deutet nach
postieren sich seitlich in den Kulissen. Emily und Douglas
vorn)
bewegen zu dem folgenden Part, in welchem eine
JUTTA:
amerikanische TV-Werbung dargestellt wird, nur ihre
Der Fernseher ist kaputt.
Lippen. Den Text für die beiden sprechen die zwei
(Gregor starrt ebenfalls nach vorn auf den imaginären
Darsteller im Hintergrund und agieren dabei in Punkto
Fernseher)
Betonung äußerst überzogen und pathetisch. Zudem
GREGOR:
sind die Mundbewegungen von Emily und Douglas zu
Naja, die bauen die Dinger absichtlich so, dass sie
den Stimmen der zwei Darsteller im Hintergrund nicht
schnell kaputtgehen.
synchron, so dass das Ganze völlig stümperhaft wirkt.
(setzt sich neben sie/fröhlich)
Außerdem blicken sich Emily und Douglas niemals an,
Aber das macht doch nichts, Schatz! Unser neues Bett ist
sondern starren mit Dauergrinsen ins Publikum. Emily
da.
fischt einen Lappen aus dem Eimer, geht auf die Knie
(legt den Arm um sie)
und beginnt, den Boden zu säubern)
Da haben wir doch was Besseres vor - denkst du nicht?
EMILY:
(Jutta blickt auf Gregors Arm um ihre Schulter und wirft
(mit Stimme der Darstellerin aus dem Hintergrund, nur
ihm dann einen bösen Blick zu. Gregor zieht seinen Arm
die Lippen bewegend)
schnell zurück)
Oh Douglas! Schau dir das an! Mein Boden wird nicht
JUTTA:
vernünftig sauber!
(leicht aggressiv)
DOUGLAS:
2
(mit Stimme des Darstellers aus dem Hintergrund, nur
inklusive Versandkosten!
die Lippen bewegend)
(in Richtung Zuschauer)
Das ist auch kein Wunder, Emily! So entfernst du zwar
Ja, Sie haben richtig gehört! Nur 358 Euro!
den losen Schmutz auf der Oberfläche, aber keinen tief
EMILY:
sitzenden Dreck!
(enthusiastisch)
EMILY:
Aber das ist ja unglaublich, Douglas! Nur sagenhafte
(verzweifelt)
358 Euro?
Oh, Douglas! Was kann ich denn nur machen, damit ich
DOUGLAS:
nicht mehr so viel Zeit mit Putzen verbringen muss?
Ja! Und das ist noch nicht alles, Emily!
DOUGLAS:
EMILY:
Keine Sorge, Emily! Ich habe die ultimative Lösung!
Ja, was denn noch, Douglas?
(Aus dem Off wird ein Wischmob in Richtung Douglas
DOUGLAS:
geworfen, an welchem an einem Ende ein Lappen und
(in Richtung Zuschauer)
am anderen Ende eine Bürste befestigt ist. Douglas fängt
Wenn Sie jetzt anrufen und zehn "Double-Flashs" als
den geworfenen Wischmob lässig mit der Hand)
Sammelbestellung ordern, bekommen Sie noch eine
EMILY:
Gratiszugabe!
(entzückt)
EMILY:
Oh, Douglas! Was ist denn das?
Wie, Douglas? Es gibt noch etwas obendrauf?
DOUGLAS:
DOUGLAS:
Das, Emily, ist der neue "Double-Flash"! Die sensationelle
Das ist die derzeitige Sommeraktion; Emily! Wenn du
Reinigungsneuheit! Ich zeige dir, wie's funktioniert!
jetzt direkt zehn "Double-Flash" bestellst, erhältst du ...
EMILY:
(Aus dem Off wird eine Teppichrolle in Richtung Douglas
Da bin ich aber mächtig gespannt, Douglas!
geworfen. Douglas will sie lässig auffangen, wird aber
DOUGLAS:
von der Wucht des Wurfes zu Boden geschleudert, als
Schau her, Emily!
ihn die Teppichrolle trifft. Er rappelt sich schnell wieder
(Er wischt den Boden mit der "Bürstenseite" des
auf und lächelt ins Publikum, als sei nichts gewesen und
Wischmops)
rollt schnell den Teppich aus)
Das ist die raue Seite des "Double-Flash", Emily! Mit ihr
... diesen Teppich gratis! Den kannst du dir dorthin
entfernst du den Oberflächenschmutz am Boden wie mit
legen, wo du heute noch nackten Boden in der
einem herkömmlichen Wischmop auch!
Wohnung hast.
EMILY:
EMILY:
Ja, aber was ist das Besondere, Douglas?
Oh, Douglas, das ist großartig!
DOUGLAS:
(stutzt)
Das Besondere daran, Emily, ist, dass du den "Double-
Aber was mache ich denn dann mit dem "Double-Flash",
Flash" beidseitig nutzen kannst!
wenn ich den Teppich habe?
(Er dreht das Utensil um und wischt den Boden nun mit
DOUGLAS:
der "Lappenseite" des Wischmobs)
Nichts, Emily!
Sieh her, Emily! Mit der feinen Seite entfernst du den tief
EMILY:
sitzenden Dreck! Das ist die Revolution der Bodenpflege!
Nichts, Douglas?
EMILY:
DOUGLAS:
(euphorisch)
Nein, Emily!
Oh, Douglas! Aber das kann doch mit Sicherheit
EMILY:
niemand bezahlen!
Heißt das, Douglas, ich brauche nie wieder zu wischen?
DOUGLAS:
DOUGLAS:
Wart's ab, Emily! Der "Double-Flash" ist günstiger als du
Genau, Emily!
denkst! Er kostet sage und schreibe nur 358 Euro
EMILY:
3
Oh, Douglas, das ist ja fantastisch! Ich brauche nur zehn
Gerichtsmedizinserie wird eingespielt, z. B. "Quincy".
"Double-Flashs" kaufen und muss dafür nie mehr
Inspector Findout und Dr. Megadeath treten auf. Sie
Fußböden säubern?
tragen einen Tisch und stellen ihn mittig ab. Über dem
DOUGLAS:
Tisch ist ein weißes Laken ausgebreitet.
So ist es, Emily!
Wichtig ist, dass während der folgenden Szene kein
EMILY:
Zuschauer erkennen darf, was sich wirklich unter dem
Oh, Douglas! Ich bestelle sofort!
Tuch befindet. Von daher darf das Tuch von den
DOUGLAS:
Darstellern bei der folgenden Szene nicht zu hoch
(wie in eine unsichtbaren Kamera)
angehoben werden. Es soll die Illusion entstehen, dass
Lassen auch Sie sich diese Gelegenheit nicht entgehen!
sich darunter eine Leiche befindet.
Zehn "Double-Flashs", und das Fußbodenwischen ist für
Weiterhin ist auf dem Tisch eine Schale Müsli mit Löffel
Sie Geschichte!
platziert. Dr. Megadeath hockt sich auf den Tisch mit der
(Blackout. Emily und Douglas gehen samt Wischmop,
"Leiche", nimmt die Schale und löffelt genüsslich ihr
Eimer, Putzlappen und Teppichrolle ab)
Müsli. Im Hintergrund tritt Mrs. Widownow auf. Sie
tupft sich mit einem Taschentuch die Augen. Megadeath
macht den Inspector auf Mrs. Widownow aufmerksam)
DR. MEGADEATH:
Inspector Findout. Ist sie denn so weit gefestigt, dass Sie
TV NONSTOP
die Leiche ihres Mannes identifizieren kann?
(Gregor tritt auf, setzt sich zu Jutta aufs Sofa, lächelt und
INSPECTOR:
lehnt sich verführerisch an sie)
Ich weiß nicht, Dr. Megadeath. Sie scheint mir doch sehr
GREGOR:
labil. Bei der Nachricht von seinem Ableben ist sie in
Du, Schatz, wenn ich gleich fertig bin mit Aufbauen,
Tränen ausgebrochen.
dann weihen wir das Bett aber auch ein, oder?
DR. MEGADEATH:
JUTTA:
Ist das so ungewöhnlich?
Kommt drauf an, was noch kommt.
INSPECTOR:
(Sie nimmt die Fernsehzeitschrift und blättert eifrig
Immerhin erbt sie zehn Millionen Pfund.
darin. Gregor verdreht die Augen)
DR. MEGADEATH:
JUTTA:
Das ist in der Tat suspekt.
(begeistert)
INSPECTOR:
Auf "TV Skin and Bones" bringen Sie einen
Dr. Megadeath. Nur für den Fall, dass sie
Gerichtsmedizinthriller.
zusammenbricht: Könnten Sie vielleicht Erste Hilfe
(greift nach der Fernbedienung)
leisten?
GREGOR:
DR. MEGADEATH:
(sarkastisch)
Wenn sie nicht sofort tot ist, sehe ich da keine Chance.
Untertitel: "Das Leiden mit den Eingeweiden". Damit
Mit lebenden Patienten kenne ich mich nicht aus.
kann ich natürlich nicht konkurrieren.
INSPECTOR:
(steht auf und geht ab)
Verstehe.
(Der Inspector geht zu Mrs. Widownow und führt sie
(Jutta richtet die Fernbedienung nach vorn)
zum Tisch)
DR. MEGADEATH:
(fröhlich)
Mrs. Widownow, mein aufrichtiges Beileid zum Ableben
EIN FALL FÜR DR. MEGADEATH
Ihres vermeintlichen Gatten.
MRS. WIDOWNOW:
(Die Titelmelodie einer bekannten TV-
Wieso vermeintlich?
4
(deutet auf den Tisch)
Gesicht)
Ist er das nicht?
INSPECTOR:
DR. MEGADEATH:
(ungeduldig)
(wie vorher)
Nun?
Das sollen Sie uns doch sagen. Was glauben Sie, wozu
MRS. WIDOWNOW:
Sie hier sind?
Ich weiß nicht. Ich ... bin mir nicht sicher.
MRS. WIDOWNOW:
(Megadeath wirft nun ebenfalls ein Blick auf die Stelle
Das heißt, es besteht die Möglichkeit, dass er noch lebt?
unter dem angehobenen Tuch)
INSPECTOR:
MEGADEATH:
Nun, durchaus. Das hieße natürlich, wir müssten weiter
(raunt dem Inspector zu)
nach Ihrem Mann suchen. Suchtrupps organisieren,
Inspector Findout! Das sind seine Füße!
Hundestaffeln anfordern, Helikopter ordern. All diese
INSPECTOR:
Umstände. Aber hoffen wir mal das Beste und gehen
(wütend)
davon aus, dass er es ist.
Konnten Sie die Leiche denn nicht richtig rum
(Mrs. Widownow schluchzt laut auf. Sie holt ein
platzieren?
Stofftaschentuch hervor und putzt sich damit die Nase)
MEGADEATH:
DR. MEGADEATH:
(genervt)
Mrs. Widownow! Hier sind ausschließlich
'tschuldigung!
Papiertaschentücher erlaubt. Wir wollen doch nicht, dass
(Der Inspector lässt das Tuch sinken und geht zum
einer der Patienten sich noch posthum infiziert.
anderen Ende des Tisches. Mrs. Widownow folgt ihm. Er
MRS. WIDOWNOW:
hebt das Tuch wieder an. Mrs. Widownow betrachtet
Sie haben doch gesagt, ich soll meinen Mann infizieren.
das Gesicht der Leiche)
INSPECTOR:
INSPECTOR:
Sie sollen ihn identifizieren! Das ist etwas anderes!
Ist er es?
MRS. WIDOWNOW:
MRS. WIDOWNOW:
Aber identifizieren ist doch, wenn man mir etwas
Ich weiß nicht. Er ist so zerstückelt.
wegnimmt.
DR. MEGADEATH:
DR. MEGADEATH:
(unbekümmert)
Das wäre dann konfiszieren.
Sorry! Ich bin noch nicht dazu gekommen, ihn
MRS. WIDOWNOW:
zusammenzusetzen!
Konfiszieren ist, wenn man eine Sache unglaublich
(drückt dem Inspector die Müslischale in die Hand)
umständlich macht!
Halten Sie mal!
INSPECTOR:
(geht zum Tisch/zu Findout)
Das wäre dann komplizieren, Mrs. Widownow!
Halten Sie doch mal hoch!
MRS. WIDOWNOW:
(Mühevoll hebt Findout mit seiner freien Hand das
Komplizieren ist Malnehmen.
Leichentuch an. Megadeath taucht dahinter ab und
DR. MEGADEATH:
beginnt, ohne dass der Zuschauer es genau sehen kann,
Das ist Multiplizieren!
unter dem Tuch etwas zu ordnen)
INSPECTOR:
DR. MEGADEATH:
Können wir jetzt zurück zum Thema kommen?
(trällert vor sich hin)
(Mrs. Widownow schluchzt)
Ich puzzle ... ich puzzle ... ich puzzle jeden Fussel ...
DR. MEGADEATH:
(Sie kommt einmal ruckartig hoch, ordnet schnell ihre
Sind Sie bereit?
Haare und "taucht" urplötzlich wieder ab)
(Mrs. Widownow schluchzt und nickt. Der Inspector hebt
Das kommt dahin ... und das dahin ...
das Tuch an. Seine Witwe starrt auf das, was sich
INSPECTOR:
darunter befindet und macht ein nachdenkliches
Das ist die Bauchspeicheldrüse! Die gehört nach da!
5
(zeigt auf eine Stelle auf dem Tisch)
Diese Strubbelhaare stehen ihm überhaupt nicht. Sieht
DR. MEGADEATH:
aus wie eine Porreestange. Das macht ihn irgendwie
(brummt)
älter.
Erbsenzähler!
(Mrs. Widownow betrachtet ihren Mann)
(Sie ordnet erneut, "taucht auf" und betrachtet ihr Werk
MRS. WIDOWNOW:
unter dem angehobenen Tuch. Dann blickt sie in
Sie haben Recht.
Richtung Mrs. Widownow)
(zupft an den Haaren unter dem Tuch)
Und?
Ich habe ihm immer wieder gesagt: "Geh doch mal zur
(Mrs. Widownow betrachtet die Leiche und beginnt laut
Typberatung!"
zu schluchzen)
(überlegt)
INSPECTOR:
Und wenn man es vielleicht etwas kürzer schneiden
Ist er es?
würde? So hier an den Seiten und am Oberkopf?
(Mrs. Widownow nickt stumm. Der Inspector nimmt sein
DR. MEGADEATH:
Handy und wählt)
(nickt)
INSPECTOR:
Das würde schon viel flotter aussehen.
(ins Handy)
MRS. WIDOWNOW:
Linda! Setz die Kartoffeln auf! Ich bin in zwanzig
Könnten Sie vielleicht ...?
Minuten zu Hause.
DR. MEGADEATH:
(steckt das Handy ein)
Kein Problem. Ich verpasse ihm mit meinem Skalpell
MRS. MEGADEATH:
einen schicken Fassonschnitt.
Woran haben Sie ihn erkannt?
(Der Inspector lugt den beiden Frauen über die Schulter
MRS. WIDOWNOW:
und betrachtet die Leiche eingehend)
An diesem winzigen Muttermal!
INSPECTOR:
(Sie deutet auf eine Stelle in der Mitte der Leiche. Dr.
Was hat er denn da im Mund?
Megadeath streckt ihre Finger unter das Laken, wo sich
(Er tut so, als würde er mit seiner Hand der Leiche in den
das angebliche Muttermal befindet, und befördert eine
Mund greifen. Danach hält der seine Hand in die Höhe,
Rosine zu Tage. Sie blickt in ihr Müsli)
in welcher er nun ein Gebiss hält)
DR. MEGADEATH:
INSPECTOR:
Sorry! Ich hab gekrümelt!
Das muss ich beschlagnahmen. Kann unter Umständen
(Sie steckt sich die Rosine in den Mund und kaut
ein Beweisstück sein.
genüsslich)
MRS. WIDOWNOW:
INSPECTOR:
Aber mein Mann ist Organspender. Es wäre in seinem
Also ist er es doch nicht ...?
Sinne, wenn ich dieses Gebiss an Bedürftige weitergebe.
MRS. WIDOWNOW:
INSPECTOR:
Doch, doch! Es gibt einen Beweis! Er hat keinen
Und ich wette, Sie sind nur scharf auf das Zahngold.
Blinddarm mehr!
(steckt das Gebiss ein)
(deutet auf eine Stelle in der Mitte des Tisches)
MRS. WIDOWNOW:
INSPECTOR:
Wollen Sie mich etwas des Diebstahls bezichtigen?
Das ist natürlich ein eindeutiges Indiz!
INSPECTOR:
(Dr. Megadeath betrachtet den Toten)
Ich verdächtige Sie noch weiterer Vergehen.
DR. MEGADEATH:
(Das Jingle aus der Quizserie "Wer wird Millionär" wird
Sagen Sie mal, Mrs. Widownow, konnte sich Ihr Mann
eingespielt. Der Inspector und Mrs. Widownow stellen
keinen gescheiten Friseur leisten?
sich einander gegenüber)
MRS. WIDOWNOW:
INSPECTOR:
Wie bitte?
Wo waren Sie gestern Abend zwischen zweiundzwanzig
DR. MEGADEATH:
und vierundzwanzig Uhr? A: Im Theater. B: Im Kino. C:
6
Im Restaurant. D: Im Bett.
Kleinen!
MRS. WIDOWNOW:
(Er nimmt die Dose Fischfutter und streut etwas Futter
(überlegt angestrengt)
ins Glas, lächelt glücklich. Dann blickt er in den
Hmm ... vielleicht A?
imaginären Fernseher)
INSPECTOR:
Wie kannst du dir nur den ganzen Tag diesen Mist
(will sie verunsichern)
reinziehen?
Sind Sie sicher?
JUTTA:
MRS WIDOWNOW:
Da gibt es auch durchaus seriöse Sendungen.
(überlegt)
GREGOR:
Theater ...
Als da wären?
(überlegt)
JUTTA:
Doch, ich glaube, ich nehme Theater. A!
(trotzig)
(blickt Inspector an)
Nachrichten.
Oder?
GREGOR:
INSPECTOR:
Nachrichten? Seriös?
(arglos)
(geht kopfschüttelnd ab)
Wenn Sie es sagen.
JUTTA:
MRS WIDOWNOW:
(arglos)
Kommen Sie, Inspector! Wenigstens die Fifty-fifty-
Wenn da jemand stirbt, ist das wenigstens real.
Chance!
(Jutta nimmt die Fernbedienung und richtet sie nach
INSPECTOR:
vorn)
Na gut! A und C fallen weg!
MRS. WIDOWNOW:
Wie lange darf ich überlegen?
INSPECTOR:
KRIEGSREPORTAGE
Eine Stunde.
(Eine Nachrichtensprecherin tritt mit Stuhl und Laptop
MRS. WIDOWNOW:
auf. Sie stellt den Laptop auf den Tisch, klappt ihn auf,
Sagen wir: Sechzig Minuten?
setzt sich mit dem Stuhl hinter den Tisch und spricht in
INSPECTOR:
Richtung der Zuschauer)
Okay! Aber weiter hoch handeln lasse ich mich nicht!
SPRECHERIN:
(Blackout. Megadeath, Inspector und Widownow gehen
Guten Abend. Die Friedensbemühungen der Vereinten
ab und nehmen das Laken, die Müslischale und den
Nationen um einen Waffenstillstand im Krisengebiet sind
Löffel mit. Den Tisch lassen sie stehen)
endgültig gescheitert. Seit heute Morgen werden
nahezu stündlich Bomben über der Hauptstadt und den
TV NONSTOP
Außenbezirken abgeworfen. Unsere Reporterin Ulrike
(Gregor tritt auf, läuft vor Jutta herum und blickt
Sandfort ist uns jetzt von dort live zugeschaltet. Ulrike,
suchend um sich. Jutta versucht, an ihm vorbeizusehen)
wie ist die Lage vor Ort?
JUTTA:
(Die Reporterin tritt auf. Ihr folgt ein Kameramann, der
(mahnend)
eine Fernsehkamera geschultert hat und diese auf die
Gregor!
Reporterin richtet. Die Reporterin hält ein Mikrophon in
GREGOR:
der Hand und trägt einen Sendeknopf im Ohr, den sie
Hast du irgendwo meinen Hammer gesehen?
zwischenzeitlich immer mal wieder mit der Hand berührt,
(erblickt den Hammer auf dem Sofa/verwundert)
wenn sie mit der Nachrichtensprecherin kommuniziert.
Was macht der denn da?
Aus dem Off ertönt ein ums andere Mal das Geräusch
(nimmt den Hammer, sieht die Goldfische/liebevoll)
detonierender Bomben)
Ihr habt ja heute noch gar nichts gegessen, meine
REPORTERIN:
7
(spricht in die Kamera)
SPRECHERIN:
Ja, Stephanie, hier spielen sich zurzeit unglaubliche, zum
Ulrike! Können Sie mich hören? Ulrike?
Teil dramatische Szenen ab. Sie haben es eben gesagt:
(Reporterin fasst sich an ihren Knopf im Ohr)
Seit den frühen Morgenstunden ist die Stadt Ziel diverser
REPORTERIN:
Bombenabwürfe. Die Straßen gleichen einem
Stephanie? Sind Sie noch da?
Schlachtfeld, und man rechnet damit, dass diese
(Sie wartet einen Moment und schüttelt dann resigniert
Angriffe noch bis weit in die Nacht andauern.
den Kopf. Die Nachrichtensprecherin ist irritiert und tippt
SPRECHER:
auf ihrem Laptop, um den Kontakt wieder herzustellen.
Nun muss dieser Krieg ja nicht das Ende aller Diplomatie
Die Reporterin registriert ebenfalls, dass sie derzeit nicht
sein. Es hieß von Seiten der Vereinten Nationen, man
auf Sendung ist. Sie holt einen Schminkspiegel hervor,
wäre durchaus gesprächsbereit, wenn denn ein
klappt ihn auf, prüft ihr Äußeres)
entsprechendes Zeichen käme. Wie beurteilen Sie die
REPORTERIN:
Chancen für ein Einlenken seitens der Regierung?
(zum Kameramann)
(Eine besonders laute Bombe explodiert. Die Reporterin
Treib mal was Kamerataugliches auf!
fasst sich ans Ohr)
(Der Kameramann blickt sich suchend um. Aus den
REPORTERIN:
Kulissen fischt er einen Schuh und gibt ihn der
Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht
Reporterin)
sagen. Hinzu kommt erschwerend, dass man rätselt, ob
REPORTERIN:
die Regierung sich überhaupt noch im Land befindet
(faucht)
oder sich bereits abgesetzt hat.
Was soll ich damit? Da ist ja kein Bein dran!
SPRECHER:
(sieht in den Schuh/faucht weiter)
Nun sind das ja sehr erschütternde Bilder, die uns bisher
Noch nicht mal 'n Fuß!
im Laufe des Tages erreicht haben. Hatten Sie schon
(Sie wirft den Schuh weg/energisch)
Gelegenheit, mit den Menschen auf der Straße zu
Besorg von irgendwoher 'ne Mutter mit Kind! Oder
sprechen? Was sagen die zu diesen Vorkommnissen?
wenigstens 'ne Schwangere! Kann doch nicht so schwer
(Von hinten kommen zwei Schwerverletzte angekrochen.
sein!
Sie tragen abgenutzte Kleidung und bewegen sich
(steckt den Schminkspiegel ein)
mühsam in Richtung Reporterin)
REPORTERIN:
(Von hinten tritt eine Frau in ebenfalls verschmutzten
Bisher sind wir noch nicht ...
Kleidern auf. Der Kameramann legt seine Kamera
(bemerkt die Verletzten/zum Kameramann)
beiseite, zieht sein Hemd aus, knüllt es zusammen und
Da kommt gerade Frischfleisch. Halt mal drauf!
stopft es der Frau unter ihr Kleid)
(Der Kameramann richtet seine Kamera auf die
KAMERAMANN:
Verletzten. Die Reporterin beugt sich zu einem von ihnen
(zur Reporterin)
herunter)
Da hast du eine prächtige Trächtige!
REPORTERIN:
REPORTERIN:
Hello! We are from German Television! How are you?
(zischt)
(Der 1. Verletzte sagt etwas Verzweifeltes in einer
Hättest du nicht eine besorgen können, die etwas
fremden Sprache. Ulrike schüttelt ungeduldig den Kopf
betroffener dreinschaut?
und hält dem zweiten Verletzten ihr Mikrophon vor den
(In dem Moment wird der Kontakt zwischen
Mund. Der 2. Verletzte sagt in flehendem Ton etwas in
Nachrichtensprecherin und Reporterin wieder
einer Fremdsprache)
hergestellt)
REPORTERIN:
SPRECHERIN:
Junge, wenn du kein Englisch sprichst, vergiss es!
Ulrike! Hören Sie mich jetzt?
(In dem Moment kommt es zu einer sichtlichen
REPORTERIN:
Übertragungsstörung)
(schnell)
8
Ja!
Hahahahahahahahaha!
(Sie gibt dem Kameramann ein Zeichen. Der richtet seine
(Jutta blickt ihn böse an, sein Lachen erstirbt. Sie nimmt
Kamera auf die Reporterin und die "Schwangere" an ihrer
ihm den Hammer aus der Hand)
Seite. Die "Schwangere" genießt sichtlich ihren
JUTTA:
plötzlichen Ruhm und posiert strahlend vor der Kamera.
Gleich kommt mein Actionheld Gary Macdry. Ich will
Die beiden am Boden liegenden Verletzten greifen von
kein Wort davon verpassen!
hinten das Bein der Reporterin und klammern sich
GREGOR:
hilfesuchend daran fest. Während die Reporterin
(grinst)
versucht, die beiden abzuschütteln, lächelt sie gequält in
Sonst noch was?
die Kamera. Den ersten Verletzten kann sie während
(Jutta hält den Hammer drohend über das Aquarium)
ihres folgenden Parts mühsam abschütteln, den Zweiten
GREGOR:
nicht)
(panisch)
REPORTERIN:
Nein, Jutta! Bitte!
Also, Stephanie, wir werden natürlich versuchen,
JUTTA:
anderweitig Stimmen aus der Bevölkerung einzufangen.
(auf den Hammer deutend/drohend)
Und das Elend in dieser Region ist sehr groß.
Der bleibt hier. Für alle Fälle.
(deutet auf die "Schwangere")
GREGOR:
Diese Frau ist Mutter von acht Kindern, das neunte ist
Aber danach, wenn das Bett dann steht, dann könnten
unterwegs, ihre Zukunft ist ungewiss. Da dürfen wir
wir doch ...
nicht wegsehen, liebe Zuschauer. Darum weise ich schon
(blickt sie erwartungsvoll an)
jetzt auf unsere Spendengala heute Abend um 20 Uhr
JUTTA:
hin. Ich bitte Sie: Helfen Sie den Opfern dieses Krieges.
Mal gucken.
(zum Kameramann)
(nimmt die Fernbedienung)
Mach das Ding aus!
(brüllt nach hinten zu dem Verletzten, der sie noch
(Gregor seufzt und steht auf)
immer festhält)
GREGOR:
Hau ab, du Seuchenmutterschiff!
(im Abgehen)
(Blackout. Reporterin, Kameramann, Sprecherin, die
Warum hat das Wort "gucken" aus deinem Munde nur so
beiden Verletzten und die "Schwangere" gehen ab und
einen negativen Beigeschmack?
nehmen Tisch, Stuhl, Laptop, Mikrophon, Schuh und
(Jutta richtet die Fernbedienung nach vorn)
Kamera mit)
UND - ACTION!
TV NONSTOP
(Gary schleppt sich mühsam auf die Bühne. Er ist barfuß,
(Jutta sitzt auf dem Sofa und blickt nach vorn. Im Off
trägt eine schmutzige Cargohose, ein verschlissenes
hört man lautes Hämmern)
Unterhemd und ein Stirnband. Im Mundwinkel hat er
JUTTA:
einen Zahnstocher, der sich auch noch am Ende des
(genervt)
Stückes genau dort befindet. Er ist komplett
Geht es noch lauter?
nassgeschwitzt. Über der Schulter trägt er ein
(Gregor kommt mit dem Hammer in der Hand und setzt
Maschinengewehr. Er sinkt stöhnend auf die Knie. Aus
sich neben Jutta)
dem Off ertönt die Stimme des 1. Gangsters)
GREGOR:
1. GANGSTER:
Sorry, Schatz! Hammer mit Schalldämpfer hatten sie
(aus dem Off)
heute nicht im Handel.
(lacht)
Na, gibst du jetzt auf, Macdry, du Schlappschwanz?
9
(In dem Moment erhebt sich Gary und brüllt drohend
und drückt sie Gina in die Hand)
nach vorn. Jedes einzelne Wort spuckt er aus wie einen
GARY:
Giftpfeil)
Damit gehst du jetzt raus zu den Typen und schreist:
GARY:
"Hey, seht mal, was ich hier in der Hand halte!"
Niemand - nennt - mich - einen - schlappen - Schwanz!
(Er starrt Gina erwartungsvoll an. Gina ist irritiert)
2. GANGSTER:
GINA:
(lacht)
Und dann?
Macdry! Du hast keine Chance!
GARY:
(In dem Moment stürmt Gina auf die Bühne. Sie lässt
Dann wird einer der Typen rufen: "Ist es das, wofür ich es
ihre Handtasche fallen und wirft sich verzweifelt in Garys
halte?"
Arme)
(Gina starrt ihn an und wartet auf weitere Instruktionen,
GINA:
doch die kommen nicht)
Oh Gary! Was sollen wir nur tun?
GINA:
(Gary tätschelt sie tröstend, während er mit wildem
Und dann?
Machoblick nach vorne starrt)
GARY:
GARY:
Dann wirst du sagen: "Oh ja, du Scheißkerl. Darauf
Keine Sorge, Gina. Ich bring' uns hier raus.
kannst du deinen Arsch verwetten."
2. GANGSTER:
GINA:
(aus dem Off/lacht höhnisch)
Gary! Kann man das nicht etwas netter sagen?
Hähähä! Das will ich sehen, du Blindgänger!
GARY:
GARY:
Auf keinen Fall! Sonst nehmen sie dich nicht ernst. -
(brüllt wie vorher)
Dann ziehst du diesen Stift da oben raus, siehst du?
Niemand- nennt - mich - einen - blinden - Gänger!
GINA:
1. GANGSTER:
Und dann?
(aus dem Off)
GARY:
Achtung, Gary! It's Showtime!
Dann werden die Typen weglaufen.
(Aus dem Off ertönen laute Gewehrsalven. Gary packt
GINA:
Gina und wirft sie und sich zu Boden. Dabei hält er Gina
Und ich?
wie ein Schutzschild über sich. Die Gewehrsalven
(Lange Pause)
verstummen)
GARY:
GINA:
Du verfolgst sie.
(weinerlich)
(Pause)
Oh Gary! Ist dir nichts passiert?
Solange, bis ...
GARY:
GINA:
(hart und lässig)
Was?
Es geht schon, Baby. Ich habe alles Mögliche überlebt.
GARY:
(zählt nonchalant auf)
(holt Luft, winkt dann aber ab)
Korea ... Vietnam ... Afghanistan ... den Irak ... drei
Das erklär' ich dir später.
Ehefrauen. Da pack ich so was locker weg!
GINA:
(Aus dem Off hört man, wie an eine Tür gedonnert wird)
(nickt)
GARY:
Okay, Gary!
Willst du etwas für mich tun, Gina?
GARY:
GINA:
Dann los!
(ergeben)
(Gina erhebt sich und geht nach rechts. Derweil legt sich
Alles, Gary.
Gary entspannt grinsend auf den Boden - Gesicht zum
(Gary holt aus seiner Tasche eine Handgranate hervor
Publikum -, streckt seine Beine aus und stützt sich auf
10
seinen angewinkelten Ellebogen ab)
Dann denk dir was aus!
GINA:
(Gina nickt und geht ab)
(dreht sich zu ihm um)
GINA:
Und was machst du solange?
(aus dem Off/ruft laut)
GARY:
Du Flachwichser! Dieses Teil wird dir die Eier abreißen,
(nach kurzem Zögern)
kapiert?
Ich sichere den zweiten Ausgang.
2. GANGSTER:
GINA:
(aus dem Off/brutal)
(verwirrt)
Vorher mach' ich dich kalt!
Gary! Dieser Raum hat nur einen Ausgang!
(Gina schreit auf und stürmt mit der Handgranate in der
GARY:
Hand zurück auf die Bühne)
(nimmt den Zahnstocher aus dem Mundwinkel/mit rauer
GARY:
Stimme)
Wieso bleibst du nicht draußen?
Man kann nie wissen, Baby.
GINA:
(deutet wie zur Mahnung mit dem Zahnstocher auf Gina)
(panisch)
Man kann nie wissen.
Die wollen mich erschießen!
(Gina geht nach rechts ab. Gary steckt den Zahnstocher
GARY:
wieder in den Mundwinkel und legt sich so entspannt
Und wo ist jetzt das Problem?
wie vorher auf den Boden. Aus dem Off hört man kurz
(In dem Moment hechtet der 2. Gangster von rechts auf
darauf Ginas Stimme. Gary spricht ihren Text stumm mit
die Bühne und richtet sein Maschinengewehr auf Gary)
seinen Lippen mit)
GARY:
GINA:
(deutet drohend auf Gina)
(aus dem Off/ruft laut)
Wenn du schießt, dann wird sie die Handgranate scharf
Hey, seht mal, was ich hier in der Hand halte!
machen!
(Den folgenden Text spricht Gary ebenfalls stumm mit)
(Der 2. Gangster starrt Gina an)
2. GANGSTER:
GARY:
(aus dem Off)
Gina, mach sie scharf!
Ist es das, für das ich es halte?
(Gina starrt die Handgranate irritiert an. Dann holt sie
GARY:
aus ihrer Handtasche eine große Pfeffermühle und streut
(brüllt)
damit Pfeffer über die Handgranate. Triumphierend
Es heißt: "Wofür?", du Penner!
blickt sie Gary an, dem bei so viel Naivität die Kinnlade
2. GANGSTER:
herunterfällt)
(aus dem Off)
2. GANGSTER:
Oh, sorry!
(lacht höhnisch)
(korrigiert sich)
Das war's dann wohl!
Ist es das, wofür ich es halte?
(richtet sein Gewehr auf Gary)
(Pause. Gary wartet nervös, dass Gina "ihren" Text
spricht)
(In dem Moment stürzt Gary sich mit einem wütenden
GARY:
Schrei auf den 2. Gangster. Die beiden ringen
Nun komm schon, Gina!
miteinander, was getrost in kleine Slapstickeinlagen
(Gina kommt zurück auf die Bühne)
ausarten darf. Beide verlieren im Verlauf des Kampfes
GINA:
ihre Gewehre, welche zu Boden fallen. Gina steht
Tut mir leid, Gary, ich kann das so nicht sagen. Das ist so
daneben und schreit markerschütternd. Schließlich
ordinär!
gewinnt der 2. Gangster die Oberhand und hat Gary fest
GARY:
im Griff. Gina schreit immer noch)
(wütend)
GARY:
11
(wütend)
2. GANGSTER:
Verdammt, Gina! Könnt ihr Frauen in solchen
(triumphierend)
Situationen eigentlich immer nur kreischen?
Runter damit!
(versucht verzweifelt, sich loszureißen)
1. GANGSTER:
2. GANGSTER:
Bist du behämmert? Ich bin dein Boss!
Die Kleine mit der Handgranate rauszuschicken war echt
2. GANGSTER:
ein kluger Schachzug. Du bist ein cleveres Kerlchen!
(irritiert)
(Gary richtet sich mit aller Macht in die Höhe)
Ach so!
GARY:
(In dem Moment hält Gina ihre Handgranate in Richtung
Niemand - nennt - mich - ein - cleveres - Kerlchen!
von Gary)
(Er reißt sich los. In einer erneuten Slapstickeinlage
GARY:
ringen er und der 2. Gangster miteinander. Diesmal
(entsetzt)
gelingt es Gary, sich sein Gewehr zu schnappen. Er
Ey! Was soll das, Gina?
richtet es auf den 2. Gangster)
GINA:
GARY:
Ordnung muss sein! Du warst bis dato der einzige, auf
Yeppie-yah-yeah, Grinsebacke!
den noch keine Waffe gezeigt hat.
GINA:
(Nun stehen sie also da und richten ihre Waffen
(raunt ihm zu)
aufeinander: Gary auf den 2. Gangster, der 2. Gangster
Gary! Ich glaub, das heißt "Schweinebacke"!
auf den 1. Gangster, der 1. Gangster auf Gina und Gina
GARY:
auf Gary)
(rau)
2. GANGSTER:
Ich weiß, Baby!
Und jetzt?
(überlegt)
(Pause)
Aber mir stand der Sinn nach was Neuem!
1. GANGSTER:
(höhnisch zum 2. Gangster)
Könnt ihr Skat?
Sollen wir dir noch einen Pastor holen?
GARY:
2. GANGSTER:
Dafür braucht man nur drei.
(überlegt)
(Blitzschnell schießt der 1. Gangster den 2. über den
Nö.
Haufen)
GARY:
GARY:
Wieso nicht?
(nickt)
2. GANGSTER:
Jetzt wird ein Schuh draus.
Ich bin Jude.
GINA:
GARY:
(begeistert)
Dann eben einen ...
Können wir nicht lieber "Stadt - Land - Fluss spielen"?
(zu Gina)
MÄNNER:
Wie heißen die Dinger bei denen?
(stöhnen auf)
GINA:
Oh nee, ey ...
(der der Begriff auf der Zunge liegt)
GINA:
So ähnlich wie dieses Kultauto aus der DDR!
(begeistert von ihrer Idee)
(In dem Moment kommt der 1. Gangster auf die Bühne
Ich fang an.
und richtet sein Gewehr auf Gina)
(schließt die Augen)
1. GANGSTER:
Gary, du musst Stopp sagen!
Rabbi! Man nennt sie Rabbi!
GARY:
(Der 2. Gangster springt auf, greift sein Gewehr und
(wartet einen Moment/genervt)
richtet es auf den 1. Gangster)
Stopp!
12
GINA:
nicht, dass eine Ehe aus mehr besteht als nur aus
(schlägt die Augen auf)
Fernsehen?
P! Also, eine Stadt mit P. Ich sage Pittsburgh!
JUTTA:
GARY:
(blickt ihn irritiert an)
Paris.
Aus was denn noch?
1. GANGSTER:
GREGOR:
Petersburg.
Vielleicht Reden?
GINA:
(deutet aufs Aquarium)
(begeistert)
Ich betreibe mehr Konversation mit Hanniball und
Super. 10 Punkte für jeden. Jetzt ein Körperteil. Ich sage
Konstanze als mit dir!
...
JUTTA:
(überlegt)
Letzte Woche haben wir eine halbe Stunde miteinander
Plattfuß!
geredet.
GARY:
GREGOR:
Perücke!
(sarkastisch)
1. GANGSTER:
Da war ja auch Stromausfall.
Piercing!
(nimmt die Fernsehzeitschrift, blättert sie
GINA:
durch/währenddessen)
(erbost)
Ich hab das Gefühl, durch diese Glotzerei stumpfst du
Das ist doch kein Körperteil!
immer mehr ab!
1. GANGSTER:
(hält inne mit dem Blättern/liest)
(ebenso)
"Kreissaalreport - Die Live-Dokumentation über
Wenn Perücke gilt, gilt Piercing auch!
werdende Väter kurz vor der Entbindung." -
(Sie verfallen in einen lautstarken Streit, reden wild
(lässt die Zeitung sinken)
durcheinander und erhitzen sich dabei so sehr, dass sie
Wer um alles in der Welt braucht das?
wie zum Nachdruck noch einmal ihre jeweiligen Waffen
JUTTA:
mit Entschlossenheit aufeinander richten. Blackout. Gary,
(begeistert)
Gina und die beiden Gangster verlassen die Bühne und
Schau dir das ruhig an. Vielleicht lernst du noch was!
nehmen die Gewehre, die Handtasche samt Pfeffermühle
GREGOR:
und die Handgranate mit)
Wozu? Du guckst doch 24 Stunden am Tag in die Röhre.
Wie sollen wir da an Kinder kommen?
(überlegt)
Obwohl ... Vielleicht werden die ja in Zukunft per Satellit
übertragen.
TV NONSTOP
(geht ab)
(Jutta sitzt auf dem Sofa und blickt nach vorn. Neben ihr
liegt der Hammer. Im Off hört man Gregor mit dem
(Jutta richtet die Fernbedienung nach vorn)
Akkuschrauber lautstark hantieren)
JUTTA:
(drohend)
Ich hab den Hammer noch hier!
VATER WERDEN IST SCHON SCHWER
(Das Geräusch des Akkuschraubers verstummt. Gregor
(Henk und Ansgar treten mit drei Stühlen auf und stellen
kommt herein, den Akkuschrauber in der Hand)
sie in eine Reihe nebeneinander. Henk setzt sich auf den
GREGOR:
linken, Ansgar auf den rechten Stuhl. Beide holen je eine
(leicht genervt)
Zeitung hervor und vertiefen sich entspannt darin.
Jutta, ich hab ja für vieles Verständnis, aber findest du
Lothar führt seine hochschwangere Frau Ulla auf die
13
Bühne, in der Hand eine Reisetasche. Ulla holt tief Luft.
(völlig verwirrt)
Während sie gelassen wirkt, macht Lothar einen völlig
Der Mu-Mu... was??? -Ja, glauben Sie, ich hab jetzt noch
hektischen Eindruck)
Zeit zum Backen???
LOTHAR:
(Karla nimmt Ulla mit einem Arm, mit der freien Hand
(sieht sich nach allen Seiten um/ruft)
drängt sie Lothar auf einen Stuhl)
Hallo! Ist denn hier niemand?
KARLA:
(Die Hebamme Karla tritt auf)
(zu Ulla)
KARLA:
Am besten gehen wir direkt in den Kreißsaal.
(schroff)
LOTHAR:
Was machen Sie für einen Lärm? Dies ist ein
(springt auf)
Krankenhaus und kein Wochenmarkt.
Aber ich will mit!
LOTHAR:
KARLA:
(rennt auf Karla zu und zerrt Ulla hinter sich her)
Das fehlte noch. So nervös, wie Sie sind, besteht die
Bitte, Schwester, Sie müssen uns helfen.
Gefahr, dass sich das Neugeborene bei Ihrem Anblick
KARLA:
gleich wieder in den Geburtskanal zurückzieht.
Ich bin nicht die Schwester. Ich bin die Hebamme.
(Lothar will protestieren, holt Luft)
LOTHAR:
KARLA:
Das ist gut. Meine Frau ist nämlich hochschwanger.
(ohne sich zu ihm umzudrehen/rigoros)
KARLA:
Platz!
(mit Blick auf Ulla)
(Der verdatterte Lothar gehorcht und setzt sich. Karla
Wenn Sie's jetzt nicht erwähnt hätten ...
geht mit Ulla ab. Lothar blickt nervös vor sich hin. Henk
LOTHAR:
lässt die Zeitung sinken und blickt Lothar an)
Sie steht kurz vor der Geburt.
HENK:
KARLA:
Erstes Kind?
Das soll bei unserem Geschlecht schon mal vorkommen.
LOTHAR:
ULLA:
Was? - Oh ja! - Und Sie?
(besänftigend)
HENK:
Lothar, bitte. Die Hebamme weiß schon, was sie zu tun
Zweites.
hat.
ANSGAR:
LOTHAR:
(lässt die Zeitung sinken)
(völlig hektisch)
Meine Frau macht gerade das halbe Dutzend voll.
Reg dich nicht auf, Liebes. Ich bin ja bei dir.
LOTHAR:
(zu Karla)
(fassungslos)
Jetzt hat sie alle zehn Minuten Wehen, und auch der
Das Sechste???
Rhythmus ist regelmäßiger geworden.
ANSGAR:
ULLA:
Alles Jungs. Wir wollen noch fünf. In zwanzig Jahren
(stöhnt)
schicke ich sie dann als eigenes Team zur Fußball-WM!
Lothar, bitte. Ich glaube ...
LOTHAR:
LOTHAR:
(schluckt)
Bleib ganz ruhig. Ich erkläre der Dame doch nur, was Sie
Du meine Güte! Also, mir reicht das eine.
zu tun hat.
HENK:
KARLA:
Warum?
(sarkastisch)
LOTHAR:
Da Sie ja scheinbar Experte sind, können Sie mir
Sie kennen das doch, wenn eine Frau schwanger ist.
bestimmt sagen, was mit dem Mutterkuchen ist.
Ständig ist sie gereizt, nervös. Immer muss ich sie
LOTHAR:
beruhigen. Also, was ich mit meiner Gattin
14
durchgemacht habe, das tue ich mir kein zweites Mal an.
ANSGAR:
Wenn ich nicht immer so ruhig und ausgeglichen
Wirklich, Karla! Sie sind immer noch die gleiche
gewesen wäre ...
Spaßkanone!
(Karla tritt auf)
KARLA:
LOTHAR:
In meinem Beruf braucht man Humor gegen den Frust.
(springt auf/ panisch)
LOTHAR:
Wollen Sie nicht nach meiner Frau sehen?
Wieso Frust?
KARLA:
KARLA:
Ich hab jetzt Pause.
Egal, wie gut ich meinen Job mache: Immer gibt's
(Sie zündet sich eine Zigarette an)
Geschrei!
LOTHAR:
(Henk und Ansgar vertiefen sich wieder in ihre
(fassungslos)
Zeitungen. In dem Moment tritt die Ärztin Frau Dr. Beine
Aber Sie können doch hier nicht rauchen!
auf)
KARLA:
DR. BEINE:
Ist es Ihnen lieber, wenn ich im Kreißsaal paffe?
Karla! Ich brauche mal Ihre Hilfe!
(Aus dem Off ertönt ein lauter Schrei von Ulla)
LOTHAR:
LOTHAR:
(aufgeregt)
(springt auf)
Meine Frau? Ist was mit ihr?
Oh Gott! Es geht los!
DR. BEINE:
KARLA:
Herr Sommer?
Nur keine Hektik. Ist noch keins dringeblieben.
(Lothar nickt)
LOTHAR:
DR. BEINE:
(verzweifelt)
Machen Sie sich keinen Kopf. - Karla, kommen Sie?
Aber meine Frau ist erst im achten Monat.
(Karla wirft die Zigarette auf den Boden und tritt sie aus)
(Karla holt einen kleinen Taschenkalender hervor und
KARLA:
durchsucht ihn blätternd)
Dass diese Plagen sich nie an die Pausenzeiten halten
KARLA:
können.
(blickt auf/zu Lothar)
(Karla und Frau Dr. Beine gehen ab. Lothar kaut nervös
Dann kommen Sie in vier Wochen wieder. Das passt
an seinen Fingernägeln. Henk und Ansgar lassen ihre
zeitlich sowieso besser.
Zeitungen wieder sinken)
HENK:
HENK:
(zu Lothar)
Wie soll's denn heißen?
Und falls es zu Hause losgeht: Immer heißes Wasser und
LOTHAR:
weiße Laken bereithalten.
Was? - Ja, wenn's ein Junge wird, wollen wir ihn Wasco
ANSGAR:
nennen.
Das machen die in Westernfilmen auch immer.
ANSGAR:
(Lothar starrt fassungslos zwischen den dreien hin und
Dann wundern Sie sich aber nicht, wenn Ihr Kind beim
her. Dann lassen Henk und Ansgar ihre Zeitungen sinken
Pinkeln ein Bein hebt.
und tauschen mit Karla Blicke aus. Wie auf Knopfdruck
(In dem Moment tritt die Ärztin Frau Dr. Beine auf)
brüllen alle drei los und schütten sich aus vor Lachen.
DR. BEINE:
Lothar sitzt da wie ein begossener Pudel. Nach einer
Herr Kurz?
gewissen Zeit lacht er gezwungen mit)
(Ansgar erhebt sich)
LOTHAR:
Ihre Frau hat soeben ein gesundes Mädchen zur Welt
(noch halb unter Schock)
gebracht.
Ja ... Hahahaha ... Hab doch gleich gemerkt, dass das ein
ANSGAR:
Scherz war ... Hahahahaha ...
(dem die Kinnlade herunterfällt)
15
Naja - Hauptsache gesund.
LOTHAR:
(geht ab)
(gerät immer mehr in Panik)
DR. BEINE:
Die mit ihren dämlichen Witzen! Die bringen mich noch
(zu Henk)
völlig aus dem Konzept! Ich war die Ruhe selbst, als ich
Was hat er denn?
hier ankam! Und jetzt bin ich ein Nervenbündel!
HENK:
(Karla, Dr. Beine, Henk und Ansgar treten auf und
Jetzt musst er doch mindestens noch sechs Mal ran,
blicken Lothar an. Der bleibt abrupt stehen)
wenn das mit der WM was werden soll. Hauptsache, er
LOTHAR:
hat sein Pulver nicht schon verschossen.
(nervös)
DR. BEINE:
Was ist?
(zu Henk)
(Schweigen)
Ihre Frau hat jedenfalls einem strammen Stammhalter
LOTHAR:
geboren. Der Vater des Kindes hat auch schon
(noch nervöser)
angerufen. Er ist auf dem Weg hierher.
Ist etwas mit meiner Frau?
(Lothar fällt die Kinnlade runter)
(Schweigen)
LOTHAR:
LOTHAR:
Wie??? Sie sind nicht ...???
(noch nervöser)
HENK:
Mit dem Kind?
Ich hab nur gesagt, meine Frau bekommt das Zweite.
ANSGAR:
LOTHAR:
Kumpel! So von Mann zu Mann: Kann ich bei Bedarf auf
Aber das muss doch furchtbar für Sie sein.
dich zukommen?
HENK:
LOTHAR:
Überhaupt nicht. Meinen Sonderurlaub in der Firma
Was???
kriege ich trotzdem.
ANSGAR:
DR. BEINE:
Naja, die Fußball-WM in zwanzig Jahren ... Du weißt ja,
Stimmt. Der Tarifvertrag spricht ja nur von Niederkunft
mir fehlen da immer noch so'n paar Jungs. Ich meine, ich
der Ehefrau. Von wem das Kind kommt, ist egal.
werde weiter am Ball bleiben, aber wenn ich die bis
(Lothar starrt die zwei fassungslos an. Henk und Dr.
dahin nicht zustande kriege ... Kann ich dann erst mal
Beine tauschen schnell Blicke, brüllen wie auf
deine fünf haben?
Knopfdruck los und schütten sich aus vor Lachen. Lothar
(Lothar fällt die Kinnlade herunter. Er blickt irritiert in die
sitzt da wie ein begossener Pudel. Nach einer gewissen
Runde. Dann lacht er los)
Zeit lacht er gezwungen mit)
LOTHAR:
LOTHAR:
Hahahahahahahaha! Nee, nee! Diesmal legt ihr mich
(noch halb unter Schock)
nicht rein! Hahahahahahahahahahahaha!
Ja ... Hahahaha ... Wusst ich's doch ... Hahahahaha ...
(Die anderen starren ihn an. Dann tauschen sie
DR. BEINE:
untereinander Blicke und brechen in lautes Lachen aus.
Ach, Herr Bremer! Mit Ihnen scherze ich am liebsten.
Lothar ist darüber sichtlich erleichtert und lacht nun
Wollen wir dann?
noch mehr)
(Sie wenden sich zum Gehen)
HENK:
LOTHAR:
So was Dummes aber auch!
Was ist denn mit meiner Frau?
KARLA:
DR. BEINE:
Er hat uns sofort durchschaut!
Es wird noch ein kleines bisschen dauern. Kein Grund
LOTHAR:
zur Sorge.
(erleichtert)
(Henk und Dr. Beine gehen ab. Lothar wandert unruhig
Also keine fünf Jungs?
auf und ab)
Dr. BEINE:
16
Nein.
(Gregor tritt auf und rennt im Hintergrund mit
(Lothar strahlt)
schmerzverzerrtem Gesicht auf und ab und hält sich leise
DR. BEINE:
fluchend den Daumen)
Alles Mädchen.
JUTTA:
(Lothar starrt Henk an)
(ohne sich umzusehen)
LOTHAR:
Könntest du mal leiser sein? Die sind schon mitten im
(lacht schallend)
Spiel.
Hahahahahahahahahahaha!
(leise murmelnd)
(Als er bemerkt, dass die anderen keine Miene verziehen,
Blöder Egoist!
erstirbt sein Lachen langsam)
(Gregor geht leise fluchend ab. Jutta richtet die
LOTHAR:
Fernbedienung nach vorn)
(am Ende)
Das ist zuviel für mich!
(Er bricht ohnmächtig zusammen)
KARLA:
SOZIALER FUSSBALL
Weichei!
(Aus dem Off ertönt die Geräuschkulisse eines
(Blackout. Lothar, Karla, Henk, Ansgar und Dr. Beine
ausverkauften Fußballstadions. Birte und Tessa treten
gehen ab und nehmen Stühle und Zeitungen mit)
auf. Beide tragen kurze Hosen. Birte trägt ein rotes,
Tessa ein weißes Trikot. Tessa hat ihre langen Haare
hinten ins Trikot gesteckt, so dass deren wahre Länge
noch nicht zu erkennen ist.
TV NONSTOP
Birte hat den Ball inne, Tessa grätscht ihr in die Seite.
(Jutta sitzt auf dem Sofa. Der Hammer neben ihr ist weg.
Birte geht zu Boden und jammert lautstark. Der
Sie will sich noch ein Häppchen neben sich vom Tablett
Schiedsrichter kommt angelaufen und zeigt Tessa die
nehmen und bemerkt, dass dieses leer ist. Im Off hört
Gelbe Karte. Zwei Mitspielerinnen - Dörte im roten und
man Gregor hämmern)
Maren im weißen Trikot - eilen nun ebenfalls auf die
JUTTA:
Bühne und mischen sich ein)
(ruft drohend nach hinten)
SCHIEDSRICHTER:
Gregor! Du weißt, was passiert!
Freistoß für Rot!
(Sie will neben sich greifen und merkt, dass der Hammer
DÖRTE:
weg ist. Sie ist verärgert, nimmt die Fernsehzeitschrift
Einen Moment! Darüber müssen wir reden! -
und liest)
(zu Tessa)
JUTTA:
Du, ich find's total destruktiv, dass du der Birte einfach
Gregor! Auf "Waldorf-TV" läuft das Freundschaftsspiel
so in die Seite grätschst.
zwischen den Sozialarbeiterinnen von Dorstenfeld und
MAREN:
Winzacker!
(zu Dörte)
GREGOR:
Ich bin der Meinung, du siehst das zu subjektiv.
(unterbricht das Hämmern/aus dem Off)
TESSA:
Da hab ich ja bei 'ner Darmspiegelung mehr Spaß!
Birte hat mich auch vor acht Jahren, fünf Monaten und
(Jutta schüttelt den Kopf, nimmt die Fernbedienung und
drei Tagen im Strafraum umgesäbelt. Ich bin nicht
richtet sie nach vorn. In dem Moment hört man, wie
nachtragend, wirklich nicht! Aber das konnte ich nicht
Gregor sich den Hammer mit voller Wucht auf den
so stehen lassen.
Daumen haut)
DÖRTE:
GREGOR:
Aber Gleiches mit Gleichem vergelten ist doch keine
(aus dem Off/schreit auf)
Lösung, Tessa! Wie soll denn diese Spirale der Gewalt
AAAHHHHHH!
jemals durchbrochen werden?
17
SCHIEDSRICHTER:
TESSA:
Darf ich darauf aufmerksam machen, dass wir ...
Dein Problem ist, Birte: Du bist nicht transparent. Wie
TESSA:
soll ich da wissen, wo ich dran bin?
(zu Birte)
BIRTE:
Du bist diejenige, die hier Aggressivität ins Spiel
Also, Tessa, dein Statement hat echt null Struktur!
gebracht hat. Schon vorhin bei der Seitenwahl hab ich
MAREN:
dich als äußerst gewaltbereit wahrgenommen.
Ganz ehrlich, Leute: Diese Debatte ist nur noch von
MAREN:
Ambivalenz geprägt.
Die gleichen Schwingungen sind auch bei mir
DÖRTE:
rübergekommen, Birte.
Ich denke, es wäre Zeit für eine kleine
BIRTE:
Goldklümpchenrunde. - Birte, sag ganz spontan, ob du
Du, dieser Vorwurf ist mir jetzt zu plakativ. Davon
an Tessa etwas finden kannst, was dir gefällt.
möchte ich mich gerne abgrenzen.
(Birte wirft einen Blick auf Tessas Schuhe)
MAREN:
BIRTE:
Aber immerhin haben wir es benannt. Das find' ich
(fasziniert)
schon konstruktiv.
Sag mal, Tessa, wo hast du diese Schuhe her?
DÖRTE:
TESSA:
Vielleicht sollten wir jetzt mal innehalten und all die
Hab ich mir gestern neu gekauft.
negative Energie von unserem Körper abflitschen!
DÖRTE:
(Alle vier formen sich zu einem kleinen Kreis)
(bewundert die Schuhe)
DÖRTE:
Total super, ey! Solche suche ich schon lange!
Fertig?
BIRTE:
(Die anderen drei nicken. Alle vier streifen nun mit den
(zu Tessa)
Händen flugs ihren Körper ab und rufen dabei laut ...)
Und beim Friseur warst du auch!
ALLE VIER:
TESSA:
FlITSCH!!!
War ich doch schon vor zwei Wochen!
(Dann werfen sie alle ihre Hände in die Kreismitte und
BIRTE:
rufen dabei laut ...)
Steht dir echt gut.
ALLE VIER:
TESSA:
SWOSCH!!!
(gebauchpinselt)
(Das Ganze wird noch drei Mal wiederholt und steigert
Ja? -
sich in punkto Lautstärke und Bewegungen mehr und
(holt ihre langen Haare hinten aus dem Trikot hervor)
mehr. Nach dem letzten "Swosch" stoßen alle vier Frauen
Also, ich finde, hier im Nacken sind sie etwas lang.
einen wohligen Seufzer aus)
SCHIEDSRICHTER:
FRAUEN:
(der immer ungeduldiger wird ob der immer lauter
(glücklich)
werdenden Geräuschkulisse im Stadion)
Aaaahhhhhh!
Mädels, ich hab keine Lust, dass hier gleich die
DÖRTE:
Bierdosen fliegen!
Birte! Was macht das mit dir?
MAREN:
BIRTE:
Ich würde gerne noch ein kleines Blitzlicht durch die
(horcht in sich hinein)
Runde geben, so dass jeder kurz Gelegenheit hat zu
Ich komme wieder in Kontakt mit meinem inneren Kind.
sagen, wie er sich jetzt fühlt. Ganz ohne Wertung.
Es ist wütend und verletzt.
(Die Frauen blicken sich an. Der Schiedsrichter wird
SCHIEDSRICHTER:
immer unruhiger und das Pfeifkonzert aus dem Off
Leute! Die Zuschauer wollen ...
immer lauter)
(Die Frauen ignorieren ihn weiterhin)
BIRTE:
18
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
6
Dateigröße
46 KB
Tags
1/--Seiten
melden